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        <title>Rationelle Betriebsführung im Malerhandwerk</title>
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            <idno>1691222771</idno>
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        (U
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        +562Y06t
        <pb n="3" />
        Schriften
des Forschunasinstituts für
rationelle BeueosrunNrung
im Handwerk E.V. Sitz Karlsruhe
a .
Heft 7
Rationelle
Betriebs.”
führung
handwerk
fin Pr
        <pb n="4" />
        Schriften
des Forschungsinstituts für rationelle Betriebsführung
im Handwerk E. V., Sitz Karlsruhe
Heft 7
Beiträge, zusammengestellt vom
Forschungsinstitut für rationelle
Betriebsführung im Handwerk
e.V., Karlsruhe i. B.
Verlag der Betriebs- und Lehrmittelgesellschaft m.b.H., Karlsruhe
        <pb n="5" />
        20.126
        <pb n="6" />
        Lest die Veröffentlichungen
des Forschungsinstituts für rationelle Betriebsführung im Handwerk
 E. V., Karlsruhe i.B, Kriegsstraße 160
        <pb n="7" />
        Inhalt Seite
Kuratorium, und Vorstand . . a 7
Rationelle Betriebsführung im Malerhandwerk . . Pe
Materialwirtschaft im Malerhandwerk Von Dipl.-Ing. H. Meeß, Karlsruhe „4
Materialprüfung im. Malerhandwerk Von Dipl.-Ing. H. Meeß, Karlsruhe . 20
Die Materialprüfungs-Stelle für das Malerhandwerk beim Forschungsinstitut
für rationelle Betriebsführung im Handwerk . . A
Prüfung von Leinölfirnis Von Dipl.-Ing. H. Meeß, Karlsruhe . an
Wo fehlt es bei unsern Anstrichverfahren? Von Dr. Asser, Wandsbek „45
Normung von Anstrichfarben und Lacken Von Dipl.-Ing. Dr. K. Würth,
Schlebusch.  . | HN . „49
Rostschutz Von Dipl.-Ing. Dr. K. Würth, Schlebusch‘: . ( 53
Allgemeines über Spritzlackierverfahren Von Ing. R. Klose, Heilbgonn a.N. 58
Wirtschaftliche Ausnutzung und Werkstattunkosten beim Spritzlackierver-‚fahren
 Von Ing. R. Klose, Heilbronn a. N. Wr 79
Eine kalkulatorische Bewertung der weißen Anstrichfarben Von Malermeister
Rausch, Oranienburg. . . AACHEN A109
Werkstätteneinrichtung 4 Ag al
Wirtschaftlicher Vergleich zwischen der Verwendung eines eigenen oder geliehenen
 Fassaden-Leitergerüstes Von Dr.-Ing. E. Hotz, Karlsruhe... 122
Saisonarbeit im Malerhandwerk Von Dipl.-Ing. H. Meeß, Karlsruhe. .... 126
Rationalisierung des Zeitaufwandes im Maler- und Anstreicherhandwerk
Von Malermeister Wilh, Landwehr, Bonn ... A „128
Zur kaufmännischen Betriebsführung im Malerhandwerk:
Allgemeines Von Dr. Karl Rößle, Mannheim . .. „143
Die [Buchhaltung im Malerhandwerk Von Dipl.-Kfm. Franz Rößle;
Karlsruhe... N ; . Gt „149
Die‘ Kalkulation. im Malerhandwerk Von Dipl.-Kfm. Karl Heß,
Mannheim... N „ 7156
Das Formular, ein Mittel der Betriebskontrolle Von Dipl.-Kfm.
G. Eichhorn; Mannheim. 2 N „02 6162
Det Lohntüten-Arbeitszettel Von Dipl.-Kfm. Franz Rößle, Karlsruhe 169
Die Leistungs- und Abzugstabelle im Malerhandwerk (Ein Beitrag zur
Lehrlingserziehung) Von Dipl.-Handelslehrer Dr. Kurt Fontaine,
Mannheim . „173
Die genossenschaftliche Organisation im Malerhandwerk Von Dipl.-Kfm.
 H. Droescher, Mannheim . . . 178
Moderne Betriebsführung im Malerhandwerk (Mitteilungen der Maler-Einkaufsgenossenschaft
 Mannheim e.G, m. b.H.) Von A. Lindhuber,
 Mannheim . . ‚24 183
Literatur für das Malerhandwerk Von Dr. Helene Müller, Karlsruhe . . 188
        <pb n="8" />
        Forschungsinstitut für rationelle Betriebsführung
im Handwerk E. V., Karlsruhe i.B.
Kuratorium
Vorstand
Hauptverwaltung
Techn. Abteilung ' Kaufm. Abteilung
Bezirks- ı Bezirks- Bezirksstelle
 1 stelle | stelle
Materialwirtschaft, Da CE Betriebsorganisation,
Werkzeuge, Bezirks- | Bezirks- ı Bezirks- Buchhaltung, Stati-AMT
 maaehinen, stelle *_ stelle | stelle | stik KaNt@HOn
Wärmewirtschaft u. en "— Fimanzlerung,
Feuerungsanlagen, Bezirks- Bezirks-  Bezirks- . Zahlungsverkehr,
Werkstättenanlagen, stelle | stelle 1 stelle Beschaffungs-Betriebsleitung,
 nn N und Vertriebs-N
 Kat
MER EHO Bezirks- ı Bezirks- | Bezirksstelle
 | stelle . stelle
Kurse, Vorträge, Ausstellungen, Untersuchungen, Beratungen,
Auskünfte, Veröffentlichungen, Anschauungs- u. Lehrmaterial
        <pb n="9" />
        Sitz Karlsruhe i. B.
Banken: Landesgewerbe-Geschäftsstelle:
 Fernruf: 6800 bank EEE Sch“ Postscheck :
Kriegsstr. 160 6801 MannnheimerGewerbebank Karlsruhe 75250
e.G.m.b. H., Mannheim
Kuratorium
Präsident des Kuratoriums: Welter, Peter, Präsident der
Handwerkskammer Köln
AA
Die Mitglieder des Vorstandes:
Vorsitzender: Syndikus C, Haußer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied
 des Badischen Handwerkskammertags und
Handwerkstags, Karlsruhe
Stellv, Vorsitzender: Dr. H, Meusch, Generalsekretär des
Deutschen Handwerks- u. Gewerbekammertags, Hannover.
E, Blum, Schlossermeister, Vizepräsident der Handwerkskammer
 Karlsruhe, Mitglied des vorl, Reichswirtschaiftsrats,
Karlsruhe
W, Bucerius, Oberregierungsrat, Direktor des Bad, Landesgewerbeamts,
 Karlsruhe
F, Derlien, Vorsitzender des Reichsverbandes des Deutschen
Handwerks, Hannover
P, Welter, Präsident der Handwerkskammer Köln
        <pb n="10" />
        Die Vertreter des Deutschen Handwerks- und
Gewerbekammertags, Hannover:
Hermann, Generalsekretär beim Deutschen Handwerks- und
Gewerbekammertag, Berlin
Oberbeck, Syndikus der Handwerkskammer Hannover
Weinberger, Präsident der Handwerkskammer Nürnberg
ne
Die Vertreter der regionalen Kammervereinigungen:
a) Preußischer Handwerkskammertag:
Lubert, Präsident der Handwerkskammer Berlin
b) Niedersächsischer Handwerkskammertag:
Neels, Präsident der Handwerkskammer Altona
c) Westdeutscher Handwerkskammertag:
Hecker, Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf
d) Westfälischer Handwerkskammertag:
Steinkühler, Präsident der Handwerkskammer Dortmund
e) Mitteldeutscher Handwerkskammertag:
Leonhardt, Präsident der Handwerkskammer Meiningen
ff) Ostdeutscher Handwerkskammertag:
Hediter, Präsident der Handwerkskammer Frankiurt a, d. 0,
g) Sächsischer Gewerbekammertag:
Witzschel, Präsident der Gewerbekammer Dresden
        <pb n="11" />
        h) Bayerischer Handwerkskammertag:
Edelmann, Vizepräsident der Handwerkskammer München
ij) Württembergischer Handwerkskammertag:
Henne, Präsident der Handwerkskammer Reutlinger
k) Badischer Handwerkskammertag:
Groß, Präsident der Handwerkskammer Mannheim
) Hessische Handwerkskammer:
Noll, Präsident der Handwerkskammer Darmstadt
m) Saarstaat:
Schmelzer, Präsident der Handwerkskammer Saarbrücken
D
Die Vertreter der Verbände:
Kruse, Vorsitzender des Reichsbundes des Deutschen Malerund
 Lackiererhandwerks, Berlin
Müller, Präsident des Germania-Zentralverbandes Deutscher
Bäckerinnungen, Berlin
Olias, 2, Vorsitzender des Reichsverbandes des Deutschen
Tischlergewerbes, Dresden
Thalheim, Vorsitzender des Reichsverbandes der Deutschen
Schlosserinnungen, Leipzig, Präsident der Gewerbekammer
Leipzig
Stein, Professor Dr., Anwalt des Deutschen Genossenschaltsverbandes
 Berlin
        <pb n="12" />
        =
Die Vertreter von Behörden, Hochschulen
und sonstigen Körperschaften:
Reichardt, Dr., Ministerialdirektor (Reichswirtschaftsministerium,
 Berlin)
Hinnenthal, Generaldirektor (Reichskuratorium für Wirtschaitlichkeit,
 Berlin)
Hellpach, Dr., Bad, Unterrichtsminister und Staatspräsident
a, D., ordentl, Honorarprofessor an der Universität Heidelberg

Kluge, Dr,-Ing., ordentl; Professor an der Technischen Hochschule
 Karlsruhe (Technische Hochschule Karlsruhe)
Nicklisch, Dr., ordentl, Professor an der Handelshochschule
Berlin
Sommerfeld, Professor Dr., Rektor der Handelshochschule
Mannheim (Handelshochschule Mannheim)
Barth, Dr.-Ing. (Deutscher Verband für berufliches Schulwesen
Frankfurt a, M.)
Sonner, Direktor, M, d, R., Karlsruhe
Das Kuratorium des Forschungsinstitutes besteht satzungsgemäß aus
den Mitgliedern des Vorstandes, aus drei Vertretern des deutschen Handwerksund
 Gewerbekammertags, je einem Vertreter der regionalen Kammervereinigungen,
 der technischen Hochschule Karlsruhe, der Handelshochschule
Mannheim, aus höchstens zehn von der ordentlichen Hauptversammlung
auf drei Jahre gewählten Mitgliedern.
Das Reichswirtschaltsministerium hat das Recht, in das Kuratorium
einen Vertreter zu entsenden. Andere Behörden, Forschungsinstitute und
wirtschaftliche Verbände können durch Beschluß des Kuratoriums gebeten
werden, Vertreter zu bestellen.

10
        <pb n="13" />
        Rationelle Betriebsführung im Malerhandwerk
Der Begriff „Rationalisierung“ ist in weiten Kreisen und so auch
im Handwerk oft mißverstanden worden. „Rationalisierung“ und
„Rationelle Betriebsführung‘ sind Ausdrücke, die uns aus vielen Tageszeitungen,
 Fachzeitschriften und unterhaltenden Zeitschriften bekannt
 sind, in denen in den letzten Jahren von berufener und unberufener
 Seite, teils in verständlicher, teils in unverständlicher Weise
oder gar in. ganz falscher Auffassung, viel geschrieben wurde.
Durch dieses Übermaß ist das Wort „Rationalisierung‘ fast zu einem
Schlagwort herabgesunken und droht dadurch an Bedeutung zu verlieren,
 Da der Gedanke der Rationalisierung zuerst in der Industrie
auftauchte und dort auch in vielen Fällen mit Erfolg durchgeführt
wurde, liegt es nahe, daß man vielfach glaubt, diese Bestrebungen
seien wohl für die Industrie gut und vorteilhaft, für den Handwerksbetrieb
 jedoch nicht anwendbar oder gar unnötig. Selbstverständlich
können die Maßnahmen der Industrie nicht in gleicher Weise auf
das. Handwerk übertragen werden. Die Bedeutung der Rationalisierung
 auch für das Handwerk ergibt sich aber aus der einfachen Überlegung,
 daß Rationalisierung nichts anderes bedeutet, als einen Betrieb
 wirtschaftlicher, also gewinnbringender zu gestalten als bisher.
Die fast überall wirtschaftlich sehr schwierige Lage zwingt auch den
Handwerksmeister, sich mit diesen Gedankengängen vertraut zu machen,
 Es ist jedoch einleuchtend, daß ein wirtschaftlicher Fortschritt
bei der derzeitigen geringen Kaufkraft der Verbraucher nicht durch
einfache Preiserhöhung erzielt werden kann, und ebensowenig durch
Herabsetzung der Arbeitslöhne. Der einzig mögliche Weg zum Erfolg
besteht hier in der Verbilligung der Produktion. Die Herstellüngbilligergestalten
 ohne die Qualität dabeizu
beeinträchtigen, heißt einenBetrieb ratio nalisieren!
 Aus diesen wenigen Worten ergibt sich einmal, daß hier sehr

1
        <pb n="14" />
        schwierige Fragen zu lösen sind, und außerdem zeigt sich darin die
ganze Vielseitigkeit dieser Bestrebungen. Ein Rezept oder ein einheitliches
 Schema zur Durchführung der Rationalisierung im Handwerk
 gibt es nicht und kann es niemals geben, da die verschiedenen
Gewerbe in ihren Eigenarten viel zu weit auseinander gehen, und
„uch in einem und demselben Handwerk die Anforderungen und Arbeitsweisen
 so verschieden sind, daß allgemeine Vorschriften nicht
möglich sind. So ist es Aufgabe des Handwerksmeisters, die in seinem
 Betriebe möglichen Maßnahmen zu erkennen und zur Durchführung
 zu bringen,
Das Malerhandwerk nimmt in dieser Hinsicht eine gewisse Sonderstellung
 ein. In den meisten Handwerkszweigen spielen heute die
maschinentechnischen Einrichtungen: in den Fragen der wirtschaftlichen
 Betriebsführung eine große Rolle, und gerade diese Gesichtspunkte
 fallen im Malergewerbe mit wenigen Ausnahmen weg. Ebenso
hat z. B. die Werkstätteneinrichtung in Malerbetrieben vielfach nicht
die Bedeutung, wie in andern Gewerben, da die meisten Arbeiten
auswärts ausgeführt werden müssen. Ganz besonders wichtig sind
aber für den Maler die Materialfragen, die für Qualität und Wirtschaftlichkeit
 seiner Leistungen ausschlaggebend sind. Wie schwer
ist es auch oft, in Auswahl und Verarbeitung von Anrstrichmitteln das
Richtige zu treffen, bei der fast unübersehbar angewachsenen Produktion
 und Mannigfaltigkeit von Farben, Lacken, Grundier- und
Bindemitteln, Wie heute bei amtlichen Stellen, bei wissenschaftlichen
Vereinigungen, in der Industrie usw. Versuchsstellen und Fachausschüsse
 für Maltechnik bestehen, die sich mit den praktischen Fragen
der Anstrichmittel. befassen, so ist es auch eine Aufgabe des Forschungsinstituts,
 auf diesem Gebiete mitzuarbeiten. In engster Fühlungnahme
 mit dem Handwerk, in steter Zusammenarbeit mit erfahrenen
 Malermeistern, also durchaus im Sinne des Malerhandwerks
werden dabei praktische Versuche ausgeführt, die sich besonders auf
das Gebiet der Materialwirtschaft und die Prüfung von technischen
Neuerungen erstrecken,
_ Jedoch nicht nur diese rein technischen Gesichtspunkte sind es,
die einen Handwerksbetrieb rationell gestalten können. Ebenso wich-{is
 sind alle Fragen kaufmännischer Art, da der selbständige Meister

&amp;gt;»
        <pb n="15" />
        nicht nur ein guter technischer, sondern auch ein gewiegter kaufmännischer
 Betriebsleiter sein muß, wenn er heute wirtschaftliche
Erfolge erzielen will.
In dem vorliegenden Sonderheft sind die in dem Forschungsinstitut
 bisher durchgeführten Arbeiten und Untersuchungen technischer
und kaufmännischer Art zusammengefaßt, Wie schon in der Überschrift
 „Beiträge zur rationellen Betriebsführung im Malerhandwerk“
zum Ausdruck kommt, soll hier nichts Ganzes und Abgeschlossenes
geboten werden, wie es auch in der Natur der Sache begründet ist,
da sich die Rationalisierungsbestrebungen den dauernden Fortschritten
 der Technik anpassen müssen, also niemals zu einem Abschluß
oder. Stillstand kommen können, Aber wir dürfen wohl sagen, daß in
diesen Arbeiten die Grundlagen für die wirtschaftliche Betriebsführung
 im Malerhandwerk enthalten sind,.die eben einen steten weiteren
Ausbau erfordern. Anregungen zur Mitarbeit sollen mit dieser Veröffentlichung
 gegeben sein, Anregungen zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit
 der einzelnen Malerbetriebe und damit auch zur Förderung
des deutschen Malerhandwerks in seiner Gesamtheit.

173
        <pb n="16" />
        Materialwirtschaft im Malerhandwerk
Von Dipl.-Ing, H, Meeß, Karlsruhe
Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man annehmen, daß das
Malergewerbe aus den Rationalisierungsbestrebungen im Handwerk
am wenigsten Nutzen ziehen könnte, Es kommen ja im Malergewerbe
die für die Wirtschaftlichkeit der meisten anderen Handwerksbetriebe
 so wichtigen maschinentechnischen Gesichtspunkte {fast
ganz in Wegfall, ebenso spielt die Werkstätteneinrichtung eine verhältnismäßig
 geringe Rolle, da die meisten Arbeiten des Malers
außerhalb der Werkstatt ausgeführt werden müssen. Dafür ist aber
im Malerhandwerk neben rein organisatorischen Fragen die Bearbeitung
 aller Materialfragen von um so größerer Bedeutung, Die Materialprüfung,
 also die Untersuchung von Farben, Firnis usw. mit einfachen
 Hilfsmitteln, ist ja an dieser Stelle schon mehrfach behandelt
worden, Dies ist jedoch nur ein Teil des Arbeitsgebietes, das unter
dem Namen ‚„Materialwirtschaft” zusammengefaßt werden kann.
Denn es kommt nicht allein darauf an, daß ein an sich einwandfreies
Material zur Verarbeitung kommt, sondern es ist ebenso wichtig, daß
man mit einem guten Material eine möglichst große Leistung erzielt,
d.h. also, mit Überlegung sparsam vorgeht, natürlich ohne dabei die
Qualität der Leistung herunterzusetzen, Gerade im Malerhandwerk
sollte der Meister in bezug auf seine Farben, Firnisse usw. von dem
Grundsatze ausgehen, daß das Beste gerade gut genug ist. Denn die
Erfahrung zeigt ihm, daß bei fast allen größeren Anstricharbeiten,
also Fassaden, Rostschutzanstrich von Brücken usw., selbst wenn er
nur bestes Material verwendet, die Kosten für streichfertige Farben
nur einen recht kleinen Prozentsatz der Gesamtkosten ausmachen.
Eine Verarbeitung minderwertiger, also nur wenig haltbarer Anstrichmittel,
 wäre hier durchaus unwirtschaftlich im Hinblick darauf,
daß die weit größeren Kosten für Arbeitslöhne, Gerüste usw. natürlich
 dieselben bleiben. Aber auch direkt im Verbrauch an streichfertiger
 Farbe wirkt sich die Verwendung der besten Farben, auch
wenn sie im Ankauf etwas teurer sind, oft als eine Ersparnis aus.
Jeder Maler weiß, daß die billigen Verschnittsorten auch ihre Nach-14
        <pb n="17" />
        teile haben, die sich in der geringen Deckkraft und damit auch in
einem größeren Aufwand an streichfertiger Farbe auswirken, wenn
ein vollständig deckender Anstrich erzielt werden soll. Außerdem
wird in vielen Fällen eine größere Menge Schwerspat das spezifische
Gewicht beträchtlich erhöhen, so daß bei gleichem Gewicht eine geringere
 Raummenge an Farbe zur Verfügung steht, was wiederum
einen Mehrverbrauch zur Folge hat.
Von diesen Gesichtspunkten ausgehend haben wir Versuche
über die Ausgiebigkeit einer Anzahl der wichtigsten Malerfarben
und ihrer Verschnittsorten durchgeführt, die zu recht interessanten
Ergebnissen geführt haben, Um einwandfreie Vergleichswerte zu erhalten,
 wurde bei der praktischen Durchführung der Versuche sehr
vorsichtig vorgegangen. Die Versuchsanstriche selbst mußten alle
von derselben Hand und in genau gleicher Weise ausgeführt werden,
ebenso das Anreiben der Farben, bzw. Verdünnen derselben. Der
Verbrauch an streichfertiger Farbe wurde durch Wägung des Farbtopfes
 einschließlich Pinsel vor und nach dem Anstrich auf mindestens
 /% g genau festgestellt, Ebenso bot die Art der zu streichenden
 Flächen einige Schwierigkeiten, Diese Flächen mußten natürlich
möglichst gleichmäßig sein. In der Hauptsache wurden gleichartige
Holzbretter von nahezu 1 am Fläche benutzt, teilweise auch gut entrostete
 Eisenbleche von derselben Größe, und der Verbrauch an
Farbe wurde dann auf 1 qm umgerechnet, Der Verbrauch an Farbe
beim Streichen auf Eisenblech war geringer als bei den Holztafeln,
da diese ja mehr oder weniger Farbe aufsaugen. Bei den Versuchen
mit verschiedenen Verschnittsorten zeigte es sich jedoch, daß der
Unterschied im Gesamtverbrauch bei 3 Anstrichen sowohl bei Ver-Wendung
 von Eisenblech, als auch bei Holztafeln in etwa. gleichem
Prozentualem ‘ Verhältnis stand. Für die vorliegenden Versuche
konnten demnach ohne große Ungenauigkeiten auch Holztafeln benutzt
 werden, wenn nur auf gleichmäßige Beschaffenheit dieser
Tafeln geachtet wurde. Zu bemerken ist noch, daß, um möglichst die
Bedingungen der Praxis einzuhalten, stets auf vollständig deckende
Anstriche Wert gelegt wurde, Der Verbrauch an streichfertiger
Farbe wurde dann für jeden Versuch auch in Geldwert umgerechnet,
wobei die z, Zt der Versuche in der Malereinkaufsgenossenschaft
Karlsruhe geltenden Kleinverkaufspreise zugrunde gelegt wurden.
Die Ergebnisse unserer Versuche sind in der folgenden Tabelle zu-$ammengestellt,
 Selbstverständlich konnten dazu nicht die erhalteren
 absoluten Zahlenwerte verwendet werden, da — wie bereits
oben erwähnt — in der Arbeitsweise verschiedener Personen stets
Unterschiede vorhanden sein werden, und außerdem die Ergebnisse
nicht für verschiedenartige zu streichende Flächen, wie Eisen, Holz,

15
        <pb n="18" />
        Verputz usw. verallgemeinert werden dürfen. Das Verhältnis des
Verbrauches an streichfertiger Farbe bei verschiedenen Verschnittsorten
 wird aber immer, d, h, auch bei Ausführung der Arbeiten
durch verschiedene Personen und bei den verschiedensten Flächen,
annähernd dasselbe sein, und so wurden die absoluten Versuchswerte
in Verhältniszahlen umgerechnet, die einen immerhin recht zuverlässigen
 Vergleich ermöglichen. Für jede Farbe, z. B. Zinkweiß,
Bleiweiß, Chromgelb usw. wurde der Verbrauch an streichfertiger
Farbe der besten Sorten, bzw. der unverschnittenen Farbe für die
Grundierung — 100 gesetzt, und danach der Verbrauch für den
zweiten und dritten Anstrich und alle Anstriche der zugehörigen Verschnittsorten
 umgerechnet, Ebenso wurde der Geldwert an streichlertiger
 Farbe für Grundierung mit der besten Sorte — 1 gesetzt und
für die anderen Anstriche entsprechend umgerechnet. Die Tabelle
enthält also reine Verhältniszahlen, d. h. die Zahl 100 bedeutet nicht
etwa 100 g, die Zahl 1 nicht eine Mark oder 1 Pfennig, sondern die
Zahlen ermöglichen lediglich die Feststellung, in welchem proz&amp;amp;htualen
 Verhältnis der Verbrauch an streichfertigen Farben und die
Kosten dafür bei Verwendung verschiedener Verschnittsorten usw.
stehen.‘
In der Spalte 1 der Tabelle ist jeweils die Farbe und der Verschnitt
 bzw, die Qualität angegeben, Spalte 2 zeigt den Preisunterschied
 der verschiedenen Verschnittsorten, ausgedrückt in Prozenten.
In den Spalten 3, 4 und 5 sind die Verhältniszahlen für verbrauchte
streichfertige Farben und deren Kosten für die einzelnen Anstriche
zusammengestellt, In Spalte 6 sind die Gesamtkosten für verbrauchte
streichfertige Farben angegeben, in Spalte 7 endlich sind die Unterschiede
 der Kosten für Farbaufwand bei den verschiedenen Qualitäten
 und Verschnittsorten ausgerechnet.
Bei den Versuchen mit Zinkweiß wurde mit Lithopone grundiert,
 sodann wurden die verschiedenen Sorten Zinkweiß bei dem
zweiten und dritten Anstrich verglichen. Wir bemerken -bei den geringwertigen
 Sorten eine Steigerung des Verbrauchs, und damit auch
eine Zunahme der Kosten für streichfertige Farbe, trotzdem diese
Farben an sich billiger sind, Die geringere Deckkraft und Ausgiebigkeit
 der weniger guten Sorten überwiegt eben hier den billigeren
Preis, so daß die Gesamtkosten für zwei Anstriche sich bei den geringeren
 Sorten erheblich erhöhen, wie dies aus Spalte 6 hervorgeht.
So stellt sich Zinkweiß Grün-Siegel im Verbrauch etwa 20,5 %, Rot-Siegel
 etwa 24 % teurer als die beste Sorte Weiß-Siegel, Es ist dies
in Spalte 7 durch die Angaben 20,5 % +24 % zum Ausdruck
gebracht, Ähnlich liegen die Verhältnisse bei 34 und 30 % Lithopone,
 Im Gesamtverbrauch bei 3 Anstrichen stellt sich Lithopone

16
        <pb n="19" />
        CS 4 2 6 [ar 7
DE KA nshrich 2. Anstrich 3. Anstrich a) Preis-Farbe
 ‚schied der ER für Verbrauch | Kosten für - Verbrauch | Kosten für Er hunter.
Verschnitt- anstreich- verbrauchte‘ N Streich- verbrauchte an streich- verbrauchte streich-:|..Schied
sorten fertiger | streichfer- fertiger streichfer- fertiger streichfer- fertige | in %
etwa Farbe | tige Farbe  \.Farbe tige Farbe Farbe tige Farbe" Farbe
Zinkweiß, weiß-Siegel ! 450/ = 100,0 1,00 100,0 1,00 2,00
Zinkweiß, grün-Siegel BET anane 139,5 1,38 104,6 1,03 2,41 +20,59/0|
Zinkweiß, rot-Siegel ‘4500 grundiert 141,8 1,38 ' 116,3 1,10 2,48 4+24.00/0
Lithopone, grün-Siegel ‚, 100,0 1,00 86,7 0,80 84,8 5 0,78 2,58
(34 °% in Öl)
Lithopone, rot-Siegel 18% 112,0 1,53 89,1 0,76 | 84,8 0,71 111 -3,00 /+16,20 |
(30 %, in Öl)
Bleiweiß, rein in Öl 11 ‚100,0 1,00 84,4 0,85 | 82,2 0,83 | 2,68
Bleiweiß, Beisorte I 3 a 111 1.02 100,0 0,92 87,7 0,80 2.74 8+ 2,20
(20 °/, Spat) f ;
Bleiweiß, Beisorte IL 116,2 %°| 117,7 0,95 100,0 0,78 96.6 0,76 2,490 0 en
{40 °%/, Spat) I 9%
Bleiweiß, rein in Öl”) 470 1000 1,00 161,0 1,56 163,4 1,63 4,19
Sulfobleiweiß, rein in öl! 1° 88,4 0,83 146,0 1,41 163,4 1.583.320 8,85/|
Zinkgrün, 25°% Ne 100,0 1,00 ] 83,1 0,82 58,4 | 0,58 2,40
Zinkgrün, 16° ; io 132,4 1,00 119,4 0,88 58.4 0,44 . 2,32 — 3,30/ol
Chromgrün, 30% ea MM 925 0,92 56,2 0,55 | 247
Chromgrün, 160/o 02% 112,5 1.00 96,2 0,76 62,5 0,49 F 2,25 — 8,90%
Chromgelb, rein 48,59) n 100,0 1,00 88.5 0,90 70,5 0,69 2,59
«hromgelb, 50% 0 001065 0,94 116,4 0,94 98,3 0,59 2,47 L_ 4,690,
Chromgelb, 30/0 {22,2% [°/ 1147 0,59 131,1 0,67 106,5 0,55 1,81 '—30,19/-ni
 *) Die Anstriche wurden auf Blechtafeln ausgeführt.
        <pb n="20" />
        Rot-Siegel etwa 16 % teurer als Grün-Siegel. Wir haben es eben
hier bei Zinkweiß und Lithopone mit verhältnismäßig billigen Farben
zu tun, bei denen die Preisunterschiede für die verschiedenen
Verschnittsorten ebenfalls nicht sehr groß sind (s. Spalte 2).
Etwas anders stellt sich die Ausgiebigkeit von reinem Bleiweiß
im Vergleich mit Beisorte I und Beisorte II dar, Beisorte I stellt sich
im Verbrauch an streichfertiger Farbe tatsächlich um etwa 7%
billiger als reine Farbe (angedeutet durch —7,0 % in Spalte 7).
Der in Spalte 2 angegebene Preisunterschied von zirka 11 % zwischen
 reinem Bleiweiß und Beisorte I scheint etwa die Grenze zu
sein, bei welcher der Nachteil geringerer Deckkraft und Ausgiebigkeit
 der Verschnittsorte durch den Vorteil des billigeren Preises aufgehoben
 wird, Der Vollständigkeit halber ist hier anschließend ein
Vergleichsversuch zwischen Carbonatbleiweiß und Sulfobleiweiß angeführt,
 Die Anstriche wurden auf gut entrostetem Eisenblech ausgeführt,
 und danach stellt sich das Sulfobleiweiß im Verbrauch um
zirka 8—9% billiger als Carbonatbleiweiß. Bei mehreren Anstrichen
auf Holztafeln mit denselben Farben hatte sich ein ganz entsprechender
 Unterschied (zirka 8—10%) zugunsten von Sulfobleiweiß ergeben.
Im weiteren Verfolg der Tabelle kommen wir nun zu den an sich
schon recht teueren und wertvollen Farben Zinkgrün, Chromgrün
und Chromgelb, bei denen natürlich auch die Preisunterschiede der
einzelnen Verschnittsorten (s, Spalte 2) entsprechend groß sind und
etwa 30 bis 60 % ausmachen, Bei so großen Preisdifferenzen zwischen
 den einzelnen Qualitäten kann es nicht überraschen, daß sich
die geringeren Sorten im Verbrauch erheblich billiger stellen als die
hochwertigen Farben, wie dies auch aus Spalte 7 hervorgeht. Im
Sinne der Materialwirtschaft, d. h. also im Bestreben hinsichtlich
des Materialaufwandes möglichst wirtschaftlich zu verfahren, muß
jedoch hier noch eine andere Überlegung einsetzen. Es ist jedem erfahrenen
 Maler bekannt, daß bei Verwendung von 20 %igem Zinkgrün,
 30 % igem Chromgrün und reinem Chromgelb in den weitaus
meisten Fällen ein zweimaliger Anstrich genügt, um die Fläche vollständig
 und einwandfrei zu decken, Wenn also nicht ganz besondere
Verhältnisse vorliegen oder eine ausdrückliche Arbeitsvorschrift
einen dreimaligen Anstrich unbedingt verlangt, wird man durch die
Verwendung einer hochwertigen Farbe mit zweimaligem Anstrich
im Farbenverbrauch um oftmals 10—20 % billiger wegkommen als
bei Verwendung einer geringwertigen Verschnittsorte, und doch dabei
 eine mindestens ebenso gute Arbeit liefern,
Zum Schlusse sei nochmals ausdrücklich darauf hingewiesen, daß
es nicht der Zweck der vorliegenden Versuche sein konnte, in wissenschaftlich
 exakter Weise die Ausgiebigkeit einzelner Farben zu

18
        <pb n="21" />
        bestimmen, Es handelte sich lediglich darum, die Ausgiebigkeit verschiedener
 Verschnittsorten und Qualitäten derselben Farben unter
Voraussetzung möglichst gleicher Arbeitsbedingungen zu vergleichen.
Wenn auch bei diesen Versuchen kleinere Ungenauigkeiten nicht zu
vermeiden waren, so halten sich diese doch in Grenzen, die einwandfreie
 Ergebnisse und Schlußfolgerungen vom rein technischen Standpunkte
 aus unbedingt zulassen, durch welche dem Malermeister gezeigt
 wird, wie er hinsichtlich des Materialverbrauchs sparen und
wirtschaftliche Erfolge erzielen kann, selbstverständlich ohne dabei
die Qualität seiner Arbeit zu vermindern, Im Gegenteil kann er,
wie aus den besprochenen Versuchen hervorgeht, in manchen Fällen
durch Verwendung des besten Materials gleichzeitig eine Verbesserung
 und Verbilligsung seiner Leistung erzielen,

; 19
        <pb n="22" />
        Materialprüfung im Malerhandwerk
Von Dipl.-Ing, H, Meeß, Karlsruhe
Über die Bedeutung der Materialprüfung für das Malergewerbe
und ihre Einwirkung auf die Wirtschaftlichkeit des Betriebes eingehende
 Ausführungen zu machen, hieße wohl Kirchen näch Rom
tragen, Denn jeder Fachmann kennt nur zu gut die Schäden, die ihm
erwachsen. können, wenn er ihm angebotene Farben und Öle auf
Treu und Glauben annehmen muß und damit oft — und zwar meist
wenn es zu spät ist, sich dagegen zu schützen — schlechte Erfahrungen
 macht, Erfahrungen, die er nicht nur teuer in barem Geld bezahlen
 muß, sondern die ihm durch Unzufriedenheit seiner Kunden
noch empfindlicheren Schaden zufügen können. Andererseits ist aber
auch in kaum einem anderen Handwerk die Prüfung der Rohmaterialien
 mit so vielen Schwierigkeiten verknüpft, wie gerade hier, so
daß es oft schwer fällt, verunreinigte oder verfälschte Waren als
solche zu erkennen. Diese Schwierigkeiten sind darin begründet,
daß die Eigenart der Rohmaterialien, also der Farben, Öle usw. Prüfungsmethoden
 physikalischer und noch weit mehr chemischer Art
erfordert, Methoden, die nicht nur auf wissenschaftlicher Grundlage
aufgebaut sind, sondern auch zu ihrer vollständigen Durchführung
sehr oft eine gründliche fachwissenschaftliche Vorbildung unbedingt
voraussetzen. Das steht nun allerdings im Widerspruche mit dem
Bestreben, dem Handwerksmeister die Möglichkeit zu schaffen, die
in seinem Betriebe notwendigen Rohstoffe selbst auf einfache Weise
und ohne großen Kostenaufwand rasch und doch mit möglichster
Sicherheit beurteilen zu können. Diese Schwierigkeiten lassen sich
selbstverständlich nicht einfach beseitigen, weil sie eben durch die
Eigenart der Rohmaterialien bedingt sind, Trotzdem gibt es Mittel
und Wege, um dem Malermeister wenigstens bis zu einem gewissen
Grade die Beurteilung seiner Materialien zu ermöglichen. Wenn wir
uns zunächst die in der Praxis allgemein üblichen Methoden der
Farbenbeurteilung vergegenwärtigen, so sehen wir, daß es sich meist
um Prüfung der physikalischen Eigenschaften handelt. Der Farbenton,
 die Feinheit des Kornes, Prüfung der Deckkraft und des Farbenaufwandes,
 der Lichtechtheit und der Widerstandsfähigkeit gegen
Witterungseinflüsse — all das. ist dem Malermeister aus seiner Praxis
heraus wohl geläufig, Aber die meisten dieser Proben werden olft-20
        <pb n="23" />
        mals übergangen, weil sie eben doch einen erheblichen Aufwand an
Zeit und Mühe erfordern, während die Frage, ob ein Material bezogen
 werden soll oder nicht, sehr häufig in kürzester Frist entschieden
 werden muß, Die genannten physikalischen Prüfungsmethoden
 haben letzten Endes mehr oder weniger die Erkennung einer
bestimmten Farbe und besonders die Beurteilung ihrer Reinheit, die
ja ebenfalls in der Deckkraft, Ausgiebigkeit usw. zum Ausdruck
kommt, zum Ziel, Aber gerade hier kommen wir vielleicht mit einigen
 einfachen chemischen Verfahren rascher und. sicherer zu einem
befriedigenden Ergebnis, Das oft ausgesprochene Wort, daß dem
Handwerk ebenso wie der Industrie das ganze Rüstzeug neuzeitlicher
Wissenschaft und Technik zur Verfügung steht, gilt auch hier und
darf nicht zu einem Schlagwort werden, das mit Achselzucken abgetan
 wird, Denn nicht graue Theorie und schwer verständliche
Wissenschaft ist es, die hier dem Handwerker vorgesetzt werden soll,
es sollen lediglich Wege gefunden und gangbar gemacht werden, um
wissenschaftliche Erkenntnis, auf einfachste Form zurückgeführt, der
Praxis — in diesem Falle der Prüfung von Farben usw. — dienstbar
zu machen.
MATERIALPRUFUNG IM MALERGEWERBE
EINFACHE PRÜFUNG VON MALERFARBEN
Terme. 40km ir Make ZA G
Vorficht beim Umgang mit Sänren und Laugen!
Beachte das Halten des Reagensalafes über die Pam:

Abb. 7
21
        <pb n="24" />
        Die chemische Prüfung bedingt natürlich ein Umgehen mit Säuren,
 Laugen usw., und mehr als einmal wurde mir die Frage entgegengehalten:
 Können wir das dem Handwerker zumuten, kann dabei
nicht durch Unvorsichtigkeit und Leichtsinn großes Unheil angerichtet
 werden? Bei manchen Handwerksbetrieben mag man mit Recht
über diese Frage streiten, Gerade in der Malerwerkstatt ist aber in
dieser Beziehung sicher nichts zu fürchten. Der Maler arbeitet ja
sowieso schon vielfach mit ätzenden Flüssigkeiten, Laugen, Terpentinöl
 usw., die in weiterem Sinne als Gifte aufzufassen sind, und ist
gewohnt, damit umzugehen, So ist bei ihm das notwendige technische
 Verständnis dafür vorhanden und es bedeutet keine Gefahr,
wenn er sich ein paar Säuren und Laugen mehr gebrauchsfähig zur
Hand stellt, zudem der Meister. solche chemischen Prüfungen im allgemeinen
 stets selbst ausführen und nicht gerade seinen jüngsten
Lehrling damit beauftragen wird, Eine andere Frage aber ist es, wie
weit eine chemische Untersuchung vom Nichtchemiker mit Erfolg
ausgeführt werden kann, Daß eine vollständige quantitative Analyse,
 d.h. Bestimmung der Verschnittmenge oder der genauen Zusammensetzung
 etwa einer Mischfarbe wie: Zinkgrün, Chromgrün
usw. für den Malermeister nicht in Frage kommen kann, ist einleuchtend,
 Aber er kann durch einfache Proben in vielen Fällen leicht
erkennen, ob eine als rein gelieferte Farbe wirklich rein oder verschnitten
 ist und ebenso, ob ihm statt der gewünschten Farbe ein
Ersatzfarbstoff geliefert wurde, ob dieser mit Teerfarbe versetzt ist
usw, Nach solchen Proben kann er dann entscheiden, ob es zweckmäßig
 ist, eine Farbe zur genauen quantitativen Untersuchung dem
Chemiker zuzustellen, und kann in vielen Zweifelsfällen die Kosten
für die Untersuchung einer Farbe, die nachher als einwandfrei erkannt
 wird, sparen, Außerdem hat er oft bereits in wenigen Minuten
 recht gute Anhaltspunkte für die Qualität seiner Rohstoffe,
Wir gehen nun zum praktischen Teil der Materialprüfung über
und fragen uns, welche Einrichtungen und Reagentien zur einfachen
Prüfung von Farben notwendig sind, und wie wir diese vorteilhaft
und gefahrlos aufbewahren und anwenden. Wir brauchen zunächst
folgende Säuren und Laugen:
1. Salzsäure 10%ig,
2, Salzsäure 50%ig,
3. Salzsäure konzentriert,
4. Salpetersäure 10%ig,
5. Essigsäure 10%ig,
6, Natronlauge 10%ig,
7. Kalilauge 10%ig,
8, Kalilauge 50%ig (oder stärker),

22
        <pb n="25" />
        außerdem eine Flasche Alkohol 95%ig und evtl, eine Flasche Äther.
Am zweckmäßigsten sind Glasflaschen von 1% Liter Inhalt mit eingeschliffenen
 Glasstopfen, Nur die Flaschen mit Natron- und Kalilauge
 werden mit Gummistopfen verschlossen. Zur Ausführung der
Proben benötigen wir ferner ein kleines Holzgestell mit etwa 1 Dutzend
 sog, Reagensgläser und am besten einen einfachen Bunsenbrenner
 mit Gasschlauch, Am Fuße des Bunsenbrenners ist ein drehbarer,
 mit verschiedenen Öffnungen versehener Ring zur Regulierung
der Luftzufuhr angebracht, ganz ähnlich, wie dies auch bei allen
neueren Gaskochern der Fall ist. Die Luftzufuhr ist beim Arbeiten
mit dem Brenner stets so zu regeln, daß die Flamme nicht leuchtet,
sondern farblos und scharf brennt, Wenn kein Gasanschluß vorhanden
 ist, so läßt sich auch mit einem Spiritusbrenner auskommen.
Zum Halten der Reagensgläser beim Erhitzen über der Flamme bedient
 man sich einer einfachen Holzklammer. Manchmal ist zur Erkennung
 einer Farbe eine Glühprobe vorteilhaft, die in einem kleinen
Porzellantiegelchen ausgeführt wird, indem man dieses auf einem
Dreifuß in einem kleinen Tondreieck aufhängt und dann mit dem
Bunsenbrenner zum Glühen erhitzt. Eine Spiritusflamme ist hierzu
allerdings zu schwach, Zuletzt ist noch ein kleiner Glastrichter von
5 cm Durchmesser notwendig und dazu ein Päckchen gewöhnlicher
Rundfilter von 9 cm Durchmesser, Alle diese Gegenstände sind ohne
großen Kostenaufwand in jeder Lehrmittelanstalt oder ähnlichen Geschäften
 erhältlich, die Säuren und Laugen in jeder Drogerie oder
Apotheke, Die Reagensflüssigkeiten sind stets rein zu verlangen,
Zur Aufbewahrung dient am besten ein besonderes kleines Tischchen,
das gleichzeitig als Arbeitsplatz für die chemischen Untersuchungen
dient, wie dies aus Abb, 1 ersichtlich ist.
Die verschiedenen Flaschen müssen natürlich mit Schildern versehen
 sein, die den Inhalt deutlich kennzeichnen, um Verwechslungen
 zu verhüten, Alkohol und Äther sind als feuergefährlich an
einem besonderen Platze aufzubewahren. Diese Flaschen dürfen
niemals in der Nähe von offenen Flammen stehen oder gar geöffnet
werden; beim Arbeiten mit solchen Flüssigkeiten sind alle Flammen
vorher unbedingt zu löschen, Damit ist jede Gefahr vermieden. Zur
Prüfung eines Farbstoffes beispielsweise auf seine Löslichkeit in
irgend einer Säure oder Lauge geben wir eine kleine Messerspitze
voll davon in ein Reagensröhrchen und setzen einige ccm der ent-Sprechenden
 Flüssigkeit zu. Soll die Probe erhitzt werden, so fassen
wir das Gläschen mit der Holzklammer und halten es unter 'ständigem,
 leichtem Bewegen vorsichtig in die Flamme, Dabei muß das
Gläschen immer mit der Öffnung von dem Untersuchenden — und
Natürlich auch von jeder andern etwa dabeistehenden Person —

23
        <pb n="26" />
        weggehalten werden, damit bei evtl. Spritzen oder Stoßen der Säure
oder Lauge, wie es bei zu raschem Erhitzen vorkommen kann, Niemand
 dadurch beschädigt werden kann. Soll ein Farbstoff auf Sch6önung
 mit Teerfarbe geprüft werden, so ist es am sichersten, wenn
man eine kleine Probe davon in einem Reagensglas mit wenig Alkohol
 gründlich durchschüttelt (ohne zu erhitzen!) und dann filtriert.
Zu diesem Zweck nimmt man ein Rundfilter und legt es zunächst
genau in der Mitte zusammen, hierauf das entstandene halbkreisförmige
 Stück nochmals, aber diesmal nicht in der Mitte, sondern so,
daß sich die Seitenkanten nicht genau decken, sondern am oberen
Rande etwa 140 cm auseinanderstehen.,
Man öffnet dann das Filter im größeren Teil, legt es in den
Trichter, feuchtet mit Wasser an und drückt es fest, so daß keine
Luftblasen entstehen. Nun wird der Trichter auf ein reines Reagensglas
 gesetzt und das zu prüfende alkoholische Gemisch hineingeschüttet,
 Ist das Filtrat, d.h. die durch das Filter in das Gläschen
hineinlaufende Flüssigkeit gefärbt, hat sich also ewas Farbe im Alkohol
 aufgelöst, so ist auf Gehalt an Teerfarbe zu schließen. Ist
kein Zusatz von Teerfarbe vorhanden, so muß das Filtrat rein und
farblos sein,
Im folgenden seien nun einige chemische Reaktionen zur Prüfung
 einer Anzahl der gebräuchlichsten Farben besprochen, Ich
möchte jedoch an dieser Stelle nochmals darauf hinweisen, daß es
sich nur um qualitative Proben handeln kann und daß Bestimmungen
von Verschnittmengen und der genauen Zusammensetzung von Farben
 dem Chemiker vorbehalten bleiben müssen.
Carbonatbleiweiß (basisches Bleicarbonat).
1. Eine Probe der Farbe braust beim Übergießen mit 10%iger
Salpetersäure lebhaft auf (Entweichen von Kohlensäure) und
muß sich — besonders leicht bei gelindem Erwärmen —
vollständig auflösen, Ein Rückstand deutet auf Verschnitt
mit Bleisulfat, Schwerspat oder Gips.
2, War die Lösung in Salzsäure klar, so behandelt man eine
zweite Probe mit 10%iger Natronlauge, Ein auch beim Erwärmen
 unlöslicher Rückstand zeigt dann Verschnitt mit
Kreide an,
Suliobleiweiß (Basisches Bleisulfat). Diese Bleifarbe, die dem
Kammerbleiweiß technisch als mindestens gleichwertig zu erachten
 ist und eine verhältnismäßig geringe Giftwirkung besitzt,
 ist in Säure nur sehr wenig löslich, Sie kann mit einfachen
 Mitteln nicht untersucht werden, Bei Einsendung zur
chemischen Untersuchung ist die Probe, um Verwechslungen
zu vermeiden, ausdrücklich als „Sulfobleiweiß“ zu bezeichnen.

4
        <pb n="27" />
        Zinkweiß (Schneeweiß) soll reines Zinkoxyd sein. Die Farbe
darf beim Übergießen mit verdünnter Salzsäure nicht aufbrausen
 — dies würde auf Zusatz von Kreide schließen
lassen — und muß beim Erwärmen eine klare Lösung
geben. Ein Rückstand deutet auf Verunreinigung mit
Schwerspat oder Bleisulfat. Ein Gehalt an Schwefelzink
(Lithopone) macht sich beim Erwärmen mit Säure durch
Entwicklung von Schwefelwasserstoff bemerkbar, der an
dem charakteristischen faulen Geruch leicht erkannt wird.
Lithopone ist eine Mischung von Schwefelzink mit Schwerspat
und somit in Säure und Lauge nur teilweise löslich. Beim
Übergießen mit Salzsäure entwickelt sich Schwefelwasserstoff,
 am Geruch leicht zu erkennen. Aufbrausen mit
Säure deutet auf Gehalt an Kreide hin.
Barytweiß ist ein auf künstlichem Wege hergestellter Schwerspat
 (schwefelsaures Barium), der im Korn feiner ist als
natürlicher Schwerspat und deshalb eine größere Deckfähigkeit
 besitzt. Verfälschungen mit natürlichem Schwerspat
 werden durch Prüfung der Deckkraft erkannt, indem
man Barytweiß mit 2%iger Leimlösung streichfertig anmischt
 und Aufstriche auf Papier herstellt, Diese müssen
nach dem Trocknen weiß erscheinen und bei nicht zu
starkem Knittern festhaften. Ist dies nicht der Fall, so ist
die Farbe nicht feinkörnig genug.
Bleimennige (rotes Bleioxyd).
1,Die Farbe ist auf Schönung mit Teerfarbe durch Ausschütteln
 mit Alkohol und Filtrieren zu prüfen,
2, Beim Schütteln mit 10%iger Salpetersäure zersetzt sich die
Farbe unter teilweiser Auflösung und es bleibt ein braunschwarzer
 Rückstand. Gibt man zu diesem Gemisch etwas
 Zucker (oder Alkohol), so muß — besonders bei leichtem
 Erwärmen — unter Kohlensäureentwicklung eine vollständig
 klare Lösung entstehen, Andernfalls ist Verschnitt
mit Spat, Ziegelmehl, Eisenmennige oder Ton zu vermuten,
3. Kreidezusatz wird am Aufbrausen beim Übergießen mit verdünnter
 Essigsäure erkannt,
Eisenmennige, Die Farbe besteht aus Eisenoxyd mit Ton bzw.
Kieselsäure, Die Nuance der Farbe ist durch den wechselnden
 Gehalt an Eisenoxyd bedingt. Verfälschungen
kommen sehr selten vor, auch Zusatz von Teerfarbe ist
ziemlich ausgeschlossen,

25
        <pb n="28" />
        Englischrot (Eisenrot, Caput Mortum, Totenkopf, Purpurrot,
Venezianerrot, pompejan, Rot usw.).
1. Die reine Farbe besteht aus Eisenoxyd und muß in starker
(mindestens 50%iger) Salzsäure beim Erhitzen eine klare
gelbe Lösung geben. Ein Rückstand deutet auf Verschnitt
mit Spat oder Ton.
2, Kreide wird durch Aufbrausen beim Übergießen mit Salzsäure
 erkannt.
3. Im Porzellantiegel stark erhitzt wird die Farbe rotbraun bis
schwarzbraun, beim Erkalten wieder rot.
Chromrot (Basisches Bleichromat) ist — wenn rein — in starker
heißer Kalilauge mit gelber Farbe vollständig löslich. Ein
Rückstand zeigt Verschnitt an.
Chromgelb (Bleichromat), Die reine Farbe gibt mit konzentrierter
 heißer Salzsäure eine klare grüne Lösung. Beim
Erkalten wird die Lösung getrübt durch Ausscheidung von
weißem Bleichlorid.
Cadmiumgelb (Schwefelcadmium) löst sich, wenn ohne Verschnitt,
 in starker heißer Salzsäure zu einer farblosen
Flüssigkeit. Es entwickelt sich dabei Schwefelwasserstoff,
an dem charakteristischen Geruch zu erkennen. Ist die Lösung
 nicht farblos, sondern gelblichgrün, so ist Verschnitt
mit Chromgelb zu vermuten,
Ocker ist durch Eisenoxyd gefärbte Kieselerde und wird selten
verschnitten. Ein Gehalt an Schwerspat zeigt sich durch
unangenehmes Absetzen in der Ölfarbe, Auf Schönung mit
Teerfarbe ist zu prüfen.
Zinkgelb. Die reine Farbe muß sowohl in Salzsäure und Salpetersäure,
 als auch in Natron- und Kalilauge vollständig
löslich sein. Andernfalls ist Verschnitt vorhanden,
Ultramarinblau,
1,Die Farbe ist auf Schönung mit Teerfarbe zu prüfen.
2. Mit verdünnter Salzsäure geschüttelt, muß Ultramarinblau
schon in der Kälte vollständig entfärbt werden. Von verdünnter
 Kalilauge darf die Farbe nicht angegriffen werden,
Prüfung auf Verschnitt ist in einfacher Weise nicht möglich.
Berlinerblau,
1, Prüfung auf Teerfarbe mit. Alkohol.
2.Die Farbe wird im Gegensatz zu Ultramarinblau von verdünnter
 Salzsäure nicht angegriffen, wird jedoch von 10%-iger
 Kalilauge — besonders rasch beim Erwärmen — zer-26
        <pb n="29" />
        stört unter Bildung eines braunen Bodensatzes. Die Prüfung
 auf Verschnitt ist auch hier nicht ohne weiteres ausführbar,

Zinkgrün und Chromgrün sind Mischungen von Zinkgelb bzw.
Chromgelb mit Berlinerblau und können mit einfachen Reaktionen
 nicht beurteilt werden. Die Besprechung der
chemischen Untersuchung kommt deshalb an dieser Stelle
vorläufig nicht in Frage,
Umbra, Die „echte” (Cyprische) Umbra ist ein Naturprodukt
mit hohem Gehalt an Eisen und Manganoxyden, Prüfung
auf Teerfarbe ist zweckmäßig. Wird eine kleine Probe mit
verdünnter Salzsäure erhitzt, so entwickelt sich Chlor, das
an dem stechenden Geruch zu erkennen ist, Ein Zusatz
von Kölnischer Umbra zeigt sich bei der Glühprobe durch
Verbrennen mit leuchtender Flamme an.
Kölnische Umbra (Kölner Erde) ist ein Braunkohlenpulver, Bei
der Glühprobe verbrennt die Farbe mit leuchtender Flamme
und darf nur wenig Asche (mineralische Bestandteile) hinterlassen,

Rußschwarz ist Lampenruß oder Flammruß und muß beim Erhitzen
 im Porzellantiegel vollständig ohne Asche verbrennen.
Rebenschwarz verbrennt bei der Glühprobe ebenfalls. und hinterläßt
 eine geringe Menge Asche,
Beinschwarz ist Knochenkohle und wird selten verschnitten. Bei
der Glühprobe hinterläßt die Farbe eine beträchtliche
Menge phosphorhaltiger Asche, Eine weitere Untersuchung
ist mit einfachen Mitteln nicht ausführbar.
Bei der Ausführung aller. chemischen Proben ist zu beachten,
daß diese nur mit der ölfreien Farbe ausgeführt werden können. Ist
die zu untersuchende Farbe bereits mit Öl angerieben, so muß sie
zunächst entölt werden, Diese Operation ist etwas umständlich, und
der Maler wird sie nur vornehmen, wenn ihm die ölfreie Farbe nicht
zur Verfügung steht. Am zweckmäßigsten entzieht man der angeriebenen
 Farbe das Öl durch Behandlung mit Äther, Das Entölen mit
Terpentinöl und Benzin vorzunehmen, wie schon vorgeschlagen
wurde, möchten wir aus verschiedenen Gründen ablehnen. Am besten
bringt man eine kleine Probe der angeriebenen Farbe in ein Reagensglas
 und gibt einige ccm Äther dazu, schüttelt tüchtig um, wobei sich
ein großter Teil des Öls in Äther auflöst, und läßt dann die Farbe
absitzen, wobei man wegen der raschen Verdunstung das Reagensröhrchen
 mit einem kleinen Korkstopfen verschließt. Nach dem Absitzen
 der Farbe gießt man die darüber stehende Flüssigkeit in eine

9%
        <pb n="30" />
        zu diesem Zweck bereit gehaltene Flasche (mit eingeschliffenen Glasstopfen)
 ab, gibt wieder frischen Äther zu und wiederholt den ganzen
Vorgang einige Male, Beim letztenmal bringt man nach dem Abgießen
 die noch ätherfeuchte Farbe etwa unter Benutzung eines Glasstäbchens
 auf. ein Stückchen sauberes Filtrierpapier und streicht sie
darauf etwas aus. In wenigen Minuten wird nun der Rest des Äthers
verdunstet sein und die kleine Farbenprobe ist trocken und ölfrei,
also zur Untersuchung geeignet, Auch hier möchte ich nochmals an
die beim Arbeiten mit leichtflüchtigen und feuergefährlichen Flüssigkeiten
 zu beachtenden Vorsichtsmaßregeln erinnern: Jede offene
Flamme entfernen, alle mit Äther, Alkohol, Benzin usw. gefüllten
Flaschen stets gut verschlossen halten und an einem sicheren Orte
aufbewahren,
Die in der vorstehenden Zusammenstellung erläuterten chemischen
 Reaktionen zur einfachen Beurteilung von Farben sind keineswegs
 neu, Im Gegenteil werden diese Methoden vielen Malern durch
den Unterricht an Gewerbe- und Fachschulen usw, bereits bekannt
sein, Die Besprechung dieser Untersuchungsmethoden sollte in der
Hauptsache Malermeister und besonders auch die Leiter der Einkaufsgenossenschaften
 usw. dazu anregen, sich diese einfachen chemischen
 Reaktionen wieder in Erinnerung zu bringen und tatsächlich
zunutze zu machen. Freilich konnte auch nur ein kleiner Teil der
last unzähligen im Handel befindlichen Farben besprochen werden,
aber schließlich sollte doch auch der Maler für seine Ölfarbanstriche
im ganzen mit etwa 25 bis 30 Farben auskommen können, die ihm
durch geschickte Mischung die Herstellung jedes gewünschten Farbtones
 ermöglichen. Jedenfalls ist es noch ein weites Arbeitsgebiet,
auch dem Malermeister, der ja Täuschungen hinsichtlich der Qualität
 seiner Rohmaterialien mehr ausgesetzt ist. als jeder andere Handwerker,
 mehr und mehr die selbständige, auf wissenschalftlicher
Grundlage beruhende Prüfung seiner Farben zu ermöglichen und die
zum Teil für ihn noch sehr dürftigen Methoden in einfacher Weise
weiter auszubauen, In diesem Sinne können auch die heutigen Ausführungen
 nur als ein Anfang betrachtet werden. Noch viel schwieriger
 ist die so wichtige Prüfung der Öle und Firnisse, aber auch auf
diesem Gebiet lassen sich einfache Mittel und Wege finden, um für
die Praxis brauchbare Erfolge zu erzielen. Es würde jedoch zu weit
führen, an dieser Stelle noch näher darauf einzugehen. Besonders
kann jedoch diese immerhin recht schwierige Arbeit durch Meinungsaustausch,
 Anfragen und Anregungen aus der Praxis heraus gefördert
werden, wie ja überhaupt eine wissenschaftliche Tätigkeit für das
Handwerk nur in engster Zusammenarbeit mit der Praxis, vor allem
also mit dem Handwerksmeister selbst, erfolgreich sein kann.

28
        <pb n="31" />
        Die Materialprüfungsstelle für das Malerhandwerk
beim Forschungsinstitut für rationelle Betriebsführung
im Handwerk e.V. Karlsruhe
Die rege Inanspruchnahme, deren sich die Materialprüfungsstelle
des Forschungsinstituts erfreuen darf, zeigt, daß das Institut mit der
Einrichtung dieser Abteilung einem tatsächlichen Bedürfnis des Malergewerbes
 entgegengekommen ist, und daß diese Prüfungsstelle auch
das Vertrauen des Handwerks gefunden hat. Es ist ja bekannt, daß
gerade für die Beurteilung von Anstrichmitteln aller Art meist nicht
allein die chemische Untersuchung maßgebend sein kann, sondern daß
die rein technischen Eigenschaften in weitem Maße dabei berücksichtigt
 werden müssen. Es gibt z. B. Fälle, in denen Farben genau
gleicher chemischer Zusammensetzung in ihren technischen Eigenschaften
 (wie Ölbedarf, Ausgiebigkeit usw.) stark voneinander abweichen,
 Um diese technischen Prüfungen ganz im Sinne der im
Malergewerbe üblichen praktischen Arbeitsweisen vorzunehmen, ist
es ein Grundsatz der Materialprüfungsstelle des Forschungsinstituts,
dahingehende Versuche stets in Zusammenarbeit mit erfahrenen Malermeistern
 vorzunehmen. Als eigene Einrichtung des Handwerks ist
das Forschungsinstitut in der Beurteilung von Materialien und der
Ausarbeitung von Gutachten in keiner Weise durch geschäftliche
Rücksichten irgendwelcher Art beeinflußt, also die gegebene Vertrauensstelle
 für das Handwerk, Auch darf es Untersuchungen und
Gutachten nicht als Verdienstquelle ausnutzen, so daß für solche Arbeiten
 nur die Selbstkosten in Anrechnung gebracht werden, Diese
Gebühren bewegen sich für einzelne Untersuchungen von Anstrich-Mitteln,
 wenn nicht ganz besondere, aus dem allgemein üblichen Rahmen
 herausfallende Prüfungen erforderlich sind, etwa zwischen 3 und
8 Mark. Außerdem können bei größerer Inanspruchnahme der Materialprüfungsstelle,
 wie dies besonders für Genossenschaften, Verbände
 usw. in Frage kommt, die Untersuchungen gegen Erstattung
einer jährlichen Pauschalgebühr laufend ausgeführt werden. Die Höhe
der Pauschalsumme, durch die sich die Kosten für die einzelnen Unlersuchungen
 noch erheblich verringern, wird von Fall zu Fall, je nach
der schätzungsweisen Anzahl der eingehenden Proben vereinbart.

29
        <pb n="32" />
        In vielen Fällen tritt auch von Fabriken und Industriewerken der
Wunsch nach Untersuchung und Prüfung von Anstrichmitteln aller
Art, besonders wenn es sich um Neuerungen handelt, an das Forschungsinstitut
 heran. Die Materialprüfungsstelle übernimmt auch
diese Untersuchungen, sofern sie im direkten Interesse des Malergewerbes
 liegen,
Um einen kurzen Einblick in die Tätigkeit der Materialprüfungsstelle
 und ihre Arbeitsweise zu geben, sind im folgenden einige Untersuchungsberichte
 und Gutachten wiedergegeben.
Aus der Praxis der Materialprüfungsstelle für das
Malergewerbe
Forschungsinstitut für Karlsruhe,
rationelle Betriebsführung im Handwerk,
Abt. Materialprüfung,
Untersuchungsbericht,
Probe zur Untersuchung: Rotbraune Farbe (Pulver);
eingesandt von; Maler-Einkaufs-Genossenschaft M,
Untersuchungsergebnis:
Die Analyse der Farbe ergab Eisenoxyd mit Spat- und Kreideverschnitt
 und zwar:
Eisenoxyd . . . * 50,2 %
Kreide. A a A
Spat A ET
99,2 %
Anstrichproben auf Holz mit reinem Leinölfirnis ohne Zusatz von
Sikkativ klebten nach 24 Stunden noch stark. Bei einem normalen
Zusatz von Sikkativ war der Anstrich nach 24 Stunden bis auf einige
kleine Stellen getrocknet. Es ist bekannt, daß Eisenoxyd sowie Kreide
als Ölfarben verhältnismäßig schwer trocknen und immer Sikkativzusatz
 erfordern, Die Trockenfähigkeit der vorliegenden Farbenprobe
 kann deshalb nicht als abnormal bezeichnet werden, Die Farbe
selbst ist bei ihrer guten Deckkraft und nach ihrer Zusammensetzung
nicht zu beanstanden, sofern diese nicht einer besonderen Vereinbarung
 oder Lieferbedingung widerspricht.
Forschungsinstitut für Karlsruhe.
rationelle Betriebsführung im Handwerk.
Abt. Materialprüfung,
Untersuchungsbericht,
Probe zur Untersuchung: Rostschutzfarbe und Leinölfirnis;
eingesandt von: Herrn Malermeister M. in W.

20
        <pb n="33" />
        Untersuchungsergebnis:
1, Analyse der entölten Farbe:
Zinkoxyd. . 68,80 %
Bleioxyd (Mennige) . ‚. 1421%
Eisenoxyd . ; &amp;gt; 12,05%
Beinschwarz und erdartige Verunreinigungen
 , . . 433%
Phosphat u, unbestimmbarer Rest 0,61%
100,00 %
Der Gehalt an Phosphat rührt von der zur Erzielung des grauen
Farbtones zugesetzten Knochenfarbe (Beinschwarz) her. Die Farbe
ist nach ihrer Zusammensetzung als Rostschutzfarbe nicht schlecht,
aber auch nicht als beste Qualität zu bewerten.
2, Der Firnis ist etwas trübe und gibt beim Stehen einen schleimigen
 Satz, ist also noch nicht vollständig abgeklärt. Unverseifbare
Öle (Mineralöl usw.) sind nicht vorhanden. Die Reaktion auf Harz
ist positiv, entspricht aber nur einem als üblich anzusehenden Resinatgehalt,
 sofern der Firnis nicht ausdrücklich als „harzfrei“ geliefert
 wurde, Die Trockenfähigkeit ist gut, das spez, Gewicht etwas
nieder, doch noch in normalen Grenzen, Abgesehen von der schleimigen
 Trübung ist der Firnis als einwandfrei zu bezeichnen,
Forschungsinstitut für Karlsruhe,
rationelle Betriebsführung im Handwerk.
Abt, Materialprüfung,
Untersuchungsbericht,
Probe zur Untersuchung: Terpentin la;
; eingesandt von: Maler-Einkaufs-Genossenschaft E,
Untersuchungsergebnis:
Die Prüfung ergab die folgenden charakteristischen Werte:
1, Spezif, Gewicht 0,885.
2, Entflammungspunkt 43—44°,
3. Kienölreaktion (Berlinerblau-Probe nach Wolff) stark positiv.
4. Siedeanalyse: Bei der Destillation waren übergegangen
bei 170° zirka 25 % der Probe.
bei 180° zirka 60 % der Probe.
bei 184° zirka 75 % der Probe.
5, Ein Gehalt an Benzin oder Benzol war nicht vorhanden.
Aus diesen Werten ergibt sich, daß es sich nicht um amerika-Nisches
 oder französisches Terpentinöl handeln kann, Die eingesandte
Probe ist augenscheinlich deutsches Terpentinöl (Holzterpentinöl).

231
        <pb n="34" />
        Forschungsinstitut für Karlsruhe.
rationelle Betriebsführung im Handwerk,
Abt. Materialprüfung.
Gutachten.
Die Handwerker-Groß-Einkaufs- und Groß-Lieferungs-Genossenschaft
 („Heka‘), Berlin, beantragte bei dem Forschungsinstitut für
rationelle Betriebsführung im Handwerk, Karlsruhe, die vergleichsweise.
 Prüfung der chemischen und insbesondere der technischen Eigenschaften
 zweier ausländischer Lithoponesorten und eines deutschen
 Fabrikates. Die Proben ausländischer Lithopone wurden nun
auf Veranlassung der „Heka‘ durch die Maler-Einkaufs-Genossenschaften
 Dortmund und Essen zugestellt und sind daher nachstehend
als Lithopone „Dortmund“ und Lithopone „Essen‘ bezeichnet. Als
deutsches Fabrikat sollte zum Vergleich Lithopone Marke „Sachtleben”,
 30 % rot-Siegel, lichtecht, herangezogen werden. Eine Probe
dieser Farbe wurde uns von der Maler-Einkaufs-Genossenschaft
Karlsruhe geliefert. Die Vergleichsanstriche wurden in Zusammenarbeit
 mit einem erfahrenen Malermeister der praktischen Arbeitsweise
 entsprechend ausgeführt. Die Ergebnisse der Versuche sind im
folgenden zusammengestellt:
IL Chemische Eigenschaften.
Die chemische Analyse ergab bei den drei Farbenproben ein
Mischungsverhältnis von Schwerspat und Schwefelzink, das der Bezeichnung
 „Lithopone 30 %" einwandfrei entsprach. Der Gehalt an
Spat betrug bei Marke „Sachtleben‘ 69,87 %, bei Lithopone „Dortmund”
 70,1 %, bei Lithopone „Essen” 69,8 %. Ein Gehalt an Zinkoxyd
 oder Verunreinigungen mit Blei-, Eisen- oder Kalkverbindungen
wurden bei keiner der drei Proben festgestellt, Nach der chemischen
Untersuchung sind die drei Lithoponesorten demnach als gleichwertig
zu bezeichnen.
IL Technische Eigenschaften.
a) Verdünnung und Ausgiebigkeit der streichfertigen
 Farben.
Zur Ermittlung der Ausgiebigkeit wurden Probeanstriche (Grundierung,
 II. und III, Anstrich) mit den drei Farben auf durchaus
gleichartige Holzbretter von je zirka 1 qm Fläche ausgeführt. Der
Verbrauch an streichfertiger Farbe wurde in der Weise festgestellt,
daß der Farbtopf einschließlich Pinsel vor und nach den einzelnen

29
        <pb n="35" />
        Anstrichen auf mindestens 15 g genau gewogen und auf 1 qm Fläche
umgerechnet wurde. Dabei zeigte sich zunächst, daß Lithopone „Dortmund”
 und „Essen“ eine erheblich größere Menge Firnis beanspruchten
 als Lithopone Marke „Sachtleben‘, Es war zunächst beabsichtigt,
für die entsprechenden Vergleichsanstriche jeweils genau dieselbe
Verdünnung anzuwenden, doch erwies sich dies als unmöglich, da
insbesondere die Lithopone „Essen” bei Zumischung der für. Marke
„Sachtleben‘ ausreichenden Menge Firnis nicht streichfähig war. Die
Farben wurden deshalb jeweils bis zur normalen, also bei den entsprechenden
 Anstrichen gleichen Konsistenz verdünnt. Es ergab sich
dabei bei 3 Anstrichen im Vergleich zu Marke „Sachtleben“ bei
Lithopone „Dortmund“ insgesamt ein Mehrverbrauch an Firnis von
19 %, bei Lithopone „Essen“ von 40 % (einschließlich eines kleinen
Zusatzes von Terpentin beim II, Anstrich).
Trotz der nunmehr gleichmäßigen Konsistenz der Farben zeigten
sich auch in der Ausgiebigkeit bemerkenswerte Unterschiede, Bei
der Grundierung war der Verbrauch bei den 3 Farben ziemlich genau
gleich. Beim zweiten und dritten Anstrich zusammen ergab sich
gegenüber Marke „Sachtleben“ bei Lithopone „Dortmund“ ein Mehrverbrauch
 von 4,5 %, bei Lithopone „Essen“ ein Mehrverbrauch von
12,5 % an streichfertiger Farbe, oder umgekehrt bei gleichem Farbaufwand
 eine entsprechend geringere Deckkraft.
b) Die Trockenfähigkeit
wies bei den drei Farben keine bedeutenden Unterschiede auf; Litho-Pone
 „Essen“ schien etwas langsamer zu trocknen,
c) Lichtechtheit.
Die gut durchgetrockneten Anstrichproben wurden zum Teil mit
Starkem Papier überdeckt und dem hellen Tageslicht (jedoch nicht
Srellem Sonnenlicht) ausgesetzt. Nach etwa 6 Stunden wurden die
Papierstreifen entfernt und es zeigte sich bei den Anstrichen mit
Lithopone „Dortmund‘ und Lithopone „Essen‘“ eine deutlich sichtbare,
 gleichmäßige Graufärbung der dem Licht ausgesetzten Flächen,
d) Haltbarkeit der Anstriche.
In der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit war die vergleichs-Weise
 Beurteilung der Beständigkeit gegen Witterungseinflüsse nicht
möglich. Nach einigen kurzen Laboratoriumsversuchen (Einwirkung
von Ammoniakdämpfen, schwefliger Säure usw.) scheinen wesentve
 Unterschiede der drei Farben in dieser Hinsicht nicht zu be-Stehen.


32
        <pb n="36" />
        Zusammenfassung,
Die uns zur Prüfung zugestellten Proben Lithopone Marke
„Sachtleben‘“ (30 % rot-Siegel, lichtecht), sowie die mit Lithopone
„Dortmund“ und Lithopone „Essen“ bezeichneten ausländischen Fabrikate
 sind in ihrer chemischen Zusammensetzung praktisch gleich,
weichen jedoch in ihren technischen Eigenschaften stark voneinander
ab. Lithopone „Dortmund“ und „Essen“ erfordern bei 3 Anstrichen
einen Mehrverbrauch an Firnis von 19 bzw. 40 %, beim zweiten und
dritten Anstrich zusammen einen Mehrverbrauch an streichfertiger
Farbe von 4,5 bzw. 12,55 % gegenüber Marke „Sachtleben“. Die
beiden ausländischen Lithoponesorten sind nicht lichtecht, In bezug
auf Trockenfähigkeit und Beständigkeit gegen Witterungseinflüsse
dürften bemerkenswerte Unterschiede nicht bestehen,
Forschungsinstitut für Karlsruhe,
rationelle Betriebsführung im Handwerk.
Abt. Materialprüfung.
Gutachten,
Die Lackfabrik F, in M, beantragte die Prüfung der technischen
Eigenschaften eines „Fußbodenlackes‘ und eines „Parkettlackes‘.
Die Proben der Lacke wurden uns in Originalblechkannen von der
Fabrik zur Verfügung gestellt, Die von uns in teilweiser Zusammenarbeit
 mit einem erfahrenen Malermeister vorgenommenen Prüfungsversuche
 führten zu den folgenden Ergebnissen:
LFußbodenlack.,
1, Farbe und Klarheit,
Der Lack ist ziemlich dunkel gefärbt, blank und durchsichtig und
ohne Bodensatz, Die fertige Lackierung (ohne Ockerzusatz) gibt auf
hellem Holz eine schön gelbliche Färbung.
2, Viskosität,
Die Viskosität (Zähflüssigkeit) wurde mit einem Kugelfallviskosimeter
 im Vergleich zu einem als sehr gut streichfähig bekannten Universallack,
 dessen Zähflüssigkeit == 1 gesetzt wurde, bestimmt. Die
Viskositätszahl des Fußbodenlackes „Marke Sieger‘ war danach im
Mittel von 3 Messungen 1.35 bei 16° C.
3, Streichfähigkeit.
Entsprechend der höheren Viskositätszahl war der Widerstand
beim Verstreichen etwas größer als bei dem Vergleichslack. Der Fußbodenlack
 „Marke Sieger” ließ sich jedoch, auch beim Bearbeiten

2A
        <pb n="37" />
        größerer Flächen, gut verschlichten (bei 16—18° C), ein quer über die
frische Lackfläche gezogener Pinselstrich war nach 1 bis 2 Minuten
nicht mehr sichtbar,
4. Trocknung,
Die Trockenfähigkeit wurde bei Zimmertemperatur (16—18° C)
und normaler Luftfeuchtigkeit bestimmt (Methode Dr. H, Wolff, Laboratoriumsbuch
 für die Lack- und Farbenindustrie)., Der Fußbodenlack
 war nach 2 Stunden staubtrocken, nach 6 Stunden durchgetrocknet
 und hart,
Bei Zusatz von Ocker in dem von der Firma empfohlenen Mischungsverhältnis
 (95 Gew,-Tle, Fußbodenlack, 10 Gew.-Tle, Terpentinölersatz,
 45 Gew.-Tle, Ocker) ergaben sich dieselben Trockenvorgänge,

5. Härte und Abreibbarkeit,
Die Ritzproben zur Beurteilung der Härte ergaben glatte Schnitte
Ohne splitternde Ränder, Starke und längere Beanspruchung durch
Reiben (Filzunterlage) ergab kaum einen sichtbaren Angriff, bei heftigem
 Reiben mit der Hand bis zum Heißwerden wurde der Lack nicht
klebrig.
6, Die fertige Lackierung bildete eine ebene Fläche von gutem
Glanz und war leicht schleifbar. Beim Anhauchen verlor sich die
Trübung in wenigen Augenblicken, dicke Wassertropfen ergaben nach
dem Eintrocknen leichte Ränder, die sich mit einem weichen Tuche
leicht entfernen ließen.
N. Parkettlack.
Es wurden genau dieselben Versuche durchgeführt wie unter I
erläutert,
1, Farbe und Klarheit.
Der Lack ist dunkel gefärbt (vielleicht noch eine Nuance dunkler
wie der Fußbodenlack), blank und durchsichtig und ohne Bodensatz.
2, Viskosität.
Die Viskositätszahl war im Mittel von 3 Messungen 0,5 für den
Vergleichslack — 1 (bei 16° C),
3. Streichfähigkeit;
Die sehr geringe Zähigkeit zeigt sich auch in sehr geringem Widerstand
 beim Verarbeiten. Der Lack läßt sich sehr leicht verschlichten,
 Pinselstriche verschwinden in wenigen Sekunden, Ein zu starkes
Laufen (Gardinenbildung) wurde nicht bemerkt, (Versuche bei 16
bis 18°C.)

2 35
        <pb n="38" />
        4. Trocknung,
Bei 16—18° C und normaler Luftfeuchtigkeit war der Parkettlack
in 6 Stunden staubtrocken, nach 9 Stunden trocken und nach 14—15
Stunden vollständig erhärtet.,
Bei Zumischung von Ocker (mit 10—12 % Terpentinölersatz) ergaben
 sich etwa dieselben Trockenvorgänge.
5, Härte und Abreibbarkeit.
Die Ritzproben ergaben scharfe Schnittränder ohne Splitterung
oder Losschälen eines Lackstreifens. Bei längerem Reiben mit Filzunterlage
 wurde ein Angriff auf die Lackierung nicht bemerkt, Der
Lack kann als sehr fest und elastisch bezeichnet werden. Beim Reiben
 mit der Hand bis zum Heißwerden wurde die Lackierung nicht
klebrig,
6. Die fertige Lackierung bildete eine ebene Fläche von sehr
gutem Glanz und schönem Farbton und war leicht schleifbar. Der
Lack ist hauchfrei und eingetrocknete dicke Wassertropfen hinterlassen
 kaum Spuren von Rändern, Insbesondere bei Mischung mit
Ocker waren Spuren der Wassertropfen nicht erkennbar.
Beurteilung,
Die uns von der Lackfabrik F, in M. zugesandten Proben Fußbodenlack
 und Parkettlack sind nach unseren Versuchsergebnissen
sowohl ohne Farbzusatz als auch in geeigneten Mischungen mit Ocker
und Terpentinölersatz als sehr gute Fußbodenlacke zu bewerten.
Bei dem Fußbodenlack ist die rasche Trocknung hervorzuheben,
Die Verwendung dieses Lackes erscheint daher besonders vorteilhaft,
wenn die zu streichenden Fußböden in kürzester Zeit wieder gebrauchsfähig
 sein sollen, Die etwas geringere Streichfähigkeit des
Lackes in naturellem Zustande wird sich kaum nachteilig bemerkbar
machen, da Fußbodenlacke meist unter Farbzusatz und Verdünnung
mit Terpentinöl bzw. gutem Ersatz verarbeitet werden, Dadurch auf
gewünschte Konsistenz gebracht, vereinigt der Fußbodenlack die
rasche Trocknung mit guter Streichfähigkeit.
Der’ Parkettlack. ist besonders gut streichfähig und verbindet
große Härte mit guter Elastizität.
Die Versuchsergebnisse lassen bei beiden Lacken gute Haltbarkeit
 im praktischen Gebrauche erwarten.

26
        <pb n="39" />
        Forschungsinstitut für Karlsruhe,
rationelle Betriebsführung im Handwerk,
Abt. Materialprüfung.
Gutachten,
Die Firma St, in N, übersandte dem Forschungsinstitut für rationelle
 Betriebsführung im Handwerk eine Musterserie der in ihrem
Betriebe hergestellten Pinsel mit dem Ersuchen um Beurteilung dieser
 Pinsel hinsichtlich der Eignung zu den gebräuchlichsten Anstreichund
 Malverfahren sowie ihrer Leistungsfähigkeit, besonders auch im
Vergleich zu anderen Pinselarten,
Die Prüfung wurde, soweit es sich technisch ermöglichen ließ,
in eingehender Weise durchgeführt, die zur Beurteilung erforderlichen
 Anstreich- und Malversuche wurden von einem erfahrenen
Fachmann (Malermeister) in meiner Gegenwart vorgenommen.
Die Prüfung führte zu den folgenden Ergebnissen:
1, Der Musterpinsel ist ein Vollpinsel, zu dessen Herstellung nur
bestes Borstenmaterial verwendet ist (vgl, auch Punkt 7a).
2, Die Eignung des Pinsels zum Malen und Anstreichen mit
Wasser-, Leim- und Ölfarben, sowie zum Arbeiten mit Lacken läßt
sich folgendermaßen beurteilen:
a) Für Arbeiten mit den an sich sehr dünnflüssigen Wasser- und
Leimfarben wird im allgemeinen ein gut voller, doch nicht zu
fester Pinsel gewählt. Diese Eigenschaftem besitzt der Musterpinsel
 in hohem Maße, Die Farben fließen gut und lassen sich
leicht verstreichen.
5) Bezüglich der Verwendung des Pinsels zu Ölfarbanstrichen
wurden anfängliche Bedenken, daß der sehr volle Pinsel sich
zu voll saugt und dadurch ein Klecksen bzw, ungleichmäßiges
Auftragen der Ölfarbe verursacht, durch die praktischen Versuche
 durchaus widerlegt, Es wurde im Gegenteil ein leichtes
und angenehmes Arbeiten festgestellt, Voraussetzung ist dabei
 natürlich, daß der Pinsel — wie jeder andere Pinsel auch —
nicht zu weit, d, h, nicht weiter als etwa 2% der freien Borstenhöhe,
 in die Farbe eingetaucht wird.

37
        <pb n="40" />
        c) Auch zum Arbeiten mit Lacken läßt sich der Pinsel sehr gut
verwenden, doch werden zum Lackieren vielfach Pinsel von
flacher Form bevorzugt. Dies ist jedoch mehr oder weniger
Gefühlssache und muß daher dem Urteil des Einzelnen überlassen
 bleiben,
3. Zum Schablonieren ist der Musterpinsel nach seiner ganzen
Form und Art als besonders geeignet zu bezeichnen.
4, Durch die äußere Beschaffenheit, besonders hinsichtlich der
Fassung des Borstenkopfes, vereinigt der Pinsel bis zu einem gewissen
 Grade die Eigenschaften verschiedener anderer Pinselarten,
so z. B. des Ring- und Kapselpinsels, In manchen Fällen wird für
einen Vollpinsel die für den Kluppenpinsel charakteristische gebauchte
 Stielform bevorzugt, doch ist die dem Musterpinsel eigene
Stielform jedenfalls die gebräuchlichste.
5. Um festzustellen, in welchem Maße die Nickelfassung des
Pinsels einen Angriff von Säure, Lauge, Öl usw, auf das Rückende
des Borstenkopfes verhindert, wurde ein Pinsel 24 Stunden lang bis
etwa 1 cm über das obere Ende der Fassung in 5% ige Salzsäure gestellt,
 Nach Abschwenken des Pinsels und nach Lösen des Vorbandes
wurde die Nickelfassung aufgefeilt und dem Pinsel eine größere Anzahl
 Borsten entnommen. Die Borsten erwiesen sich an ihrem unteren
Ende als trocken und vollständig unbeschädigt, Ich halte danach
diesen Pinsel gegen vorzeitiges Zerfressen durch Säure, Lauge usw.
und einen dadurch verursachten Ausfall von Borsten für weitgehend
geschützt,
6, Die Frage, bis zu welcher Borstenlänge der Pinsel nach Lösen
des Vorbandes noch als gebrauchsfähig zu bezeichnen ist, läßt sich
kaum scharf beantworten, da hier zum Teil rein gefühlsmäßige Momente
 mitsprechen und die Ansichten deshalb sehr verschieden sein
können, Nach den von uns ausgeführten Versuchen läßt sich der
Musterpinsel bei einer Borstenlänge von etwa 2 bis 3 cm über der
Fassung noch als zu allen Anstrichen geeignet bezeichnen, Unterhalb
 der Länge von 2 cm kommt aber immerhin noch die Verwendung
für Eisenanstrich oder für Arbeiten mit Lauge in Frage.
7.a) Zur Beurteilung der Wirtschaftlichkeit der zur Prüfung eingesandten
 Pinsel, d, h. der Lebensdauer im Verhältnis zu andern
 Pinselarten, besonders zu dem meist in Frage kommenden
Ringpinsel mit Kork und unter Berücksichtigung der Kleinverkaufspreise
 mußte zunächst die Qualität der Borsten ge-2Q
        <pb n="41" />
        prüft werden, Zu diesem Zwecke wurde vergleichsweise zuerst
 ein Musterpinsel und dann ein Ringpinsel mit Kork mit
garantiert reinen und erprobten Borsten auf einer hierzu geeigneten
 Maschine unter den genau gleichen Bedingungen,
d, h. in gleicher Lage, unter gleichem Druck und auf gleicher
Fläche während einer bestimmten Zeit beansprucht bzw. abgeschliffen.
 Dieses Verfahren‘ ergab eine gleichstarke Abnützung
 der Borsten beider Pinsel und somit den Beweis, daß
auch der Probepinsel aus bestem Borstenmaterial hergestellt
 ist,
b) Zu dem unter 7a besprochenen Versuche mußte das Vorband
des Probepinsels zur Erzielung gleicher Versuchsbedingungen
um etwa 1 cm gekürzt werden auf die gleiche Höhe wie das
Vorband des zum Vergleich herangezogenen Ringpinsels mit
Kork, Es hatte sich nämlich bei den Versuchen ergeben, daß
der Musterpinsel infolge des höheren Vorbandes und die dadurch
 erhöhte Festigkeit des Borstenkopfes beim Streichen
naturgemäß einen größeren Widerstand leistet, also auch erheblich
 rascher abgenutzt wird. Dieser Unterschied wurde —
wie bereits erwähnt — durch Kürzen des Vorbandes ausgeglichen.
 Es mag aber an dieser Stelle darauf hingewiesen werden,
 daß ein etwas kürzeres Vorband z, B, gerade beim Streichen
 mit Ölfarbe in dieser Hinsicht die Abnutzung verringern
und somit die Wirtschaftlichkeit des Pinsels erhöhen wird.
Eine Höhe des Vorbandes von 3 cm über der Fassung wäre
vielleicht zweckmäßiger und würde trotzdem eine vollständig
genügende Festigkeit des Borstenkopfes gewährleisten. Zum
Schablonieren ist allerdings die durch das hohe Vorband erzielte
 Festigkeit des Pinsels von Vorteil.
c) Die zur Beurteilung eingesandten Vollpinsel enthalten etwa 1%
mehr Borsten als Ringpinsel mit Kork der entsprechenden
Größen, Da der heutige Preisunterschied zwischen diesen
Pinselsorten — nach den hier bestehenden Kleinverkaufspreisen
 zu urteilen — nur etwa 15 bis 20 % beträgt, so ist
schon hinsichtlich der rein mechanischen Abnutzung beim
Streichen der Probepinsel als wirtschaftlicher anzusprechen;
außerdem wären noch die unter Punkt 2 bis 6 besprochenen
Vorzüge in Betracht zu ziehen, Dem Musterpinsel ohne Kork
dürfte danach etwa die doppelte Lebensdauer zuzuschreiben
sein als einem gleichgroßen Ringpinsel mit Kork derselben
Qualität,

29
        <pb n="42" />
        Die Ergebnisse der unter Punkt 1 bis 7 erläuterten Versuche berechtigen
 wohl zu dem Urteil, daß die zur Prüfung eingesandten
Pinsel in jeder Beziehung empfohlen werden können. Es sei dabei
betont, daß zu den Vergleichsversuchen, wie aus den obigen Ausführungen
 hervorgeht, in der Hauptsache die hier meist gebrauchten
Ringpinsel mit Kork verwendet wurden. Als Vorteile gegenüber
andern Vollpinseln' bester Qualität wären dann die unter Punkt 4
und 5 besprochenen Eigenschaften der Probepinsel anzusprechen.
Die zum Vergleich der Wirtschaftlichkeit herangezogenen Preise der
Pinsel wurden einer dem Forschungsinstitut von der Firma St. übersandten
 Preisliste entnommen, den andern Pinselsorten (Ringpinsel
mit Kork) wurden die zum gleichen Zeitpunkt hier üblichen Verkaufspreise
 zugrunde gelegt,

40
        <pb n="43" />
        Prüfung von Leinölfirnis
Von Dipl.-Ing, H, Meeß, Karlsruhe
Schon mehrfach wurde in dieser Zeitschrift auf die Bedeutung
der Materialprüfung für das Handwerk und speziell für das Malergewerbe
 hingewiesen, da gerade der Maler beim Einkauf von Farben,
Firnissen usw. außerordentlich leicht Täuschungen ausgesetzt ist,
Diese Tatsache ist darin begründet, daß die Prüfung von Farben und
Firnis in der Hauptsache nur durch chemische Analyse erfolgen kann,
die für den Nichtchemiker undurchführbar ist. Immerhin konnte bereits
 früher (Betriebsführung, Jahrg. V Nr. 4) gezeigt werden, wie
sich auch der Malermeister durch ganz einfache chemische Reaktionen,
 die er ohne weiteres selbst anwenden kann, ein gewisses Urteil
über die Qualität von Mineralfarben verschaffen kann, Ein ganz besonderes
 Schmerzenskind ist für ihn aber der in der Maltechnik unentbehrliche
 Leinölfirnis, dessen Qualität für die Haltbarkeit und Schönheit
 eines Anstriches von ausschlaggebender Bedeutung ist. Die Ver-Fälschungen,
 die hier auftreten können, bestehen in einem größeren
Zusatz von Mineralöl (in seltenen Fällen auch Rüböl) und Harz, Es
ist bekannt, daß sogenannte „unverseifbare Öle‘ (Mineralöle) die
Trockenfähigkeit des Firnis stark vermindern und in größerer Menge
Weißen Farben im Anstrich einen gelblichen Ton geben können, Ein
größerer Zusatz von Harz befördert wohl die Trockenfähigkeit, doch
kann der Fall eintreten, daß der Farbenanstrich nach einiger Zeit
wieder zu kleben beginnt und dann nicht mehr trocknen will, auch
kann Harz in größerer Menge ein Stocken der Farben verursachen,
Es ist begreiflich, daß vielfach im Malergewerbe der Wunsch nach
einfachen Prüfungsmethoden für Firnis an uns herantritt, doch haben
in dieser Hinsicht alle bisherigen Versuche fast nur negative Ergeb-NMisse
 gezeitigt. Man möge bedenken, daß die Untersuchung von Ölen
und Firnissen auch für den ausgebildeten Chemiker zu den schwie-Mgsten
 Aufgaben gehört, die mit aller Sorgfalt ausgeführt werden
müssen und viel Zeit in Anspruch nehmen. Trotzdem wurden uns
aus der Praxis heraus schon eine ganze Reihe von „einfachen Erken-Nungsmethoden‘
 für Mineralöl und Harz im Firnis genannt, die sich
Nach eingehender Prüfung als durchaus unzuverlässig erwiesen haben,

4]
        <pb n="44" />
        und die im Interesse des Malergewerbes nicht unwidersprochen bleiben
 dürfen, Es sollen deshalb im folgenden einige qualitative Reaktionen
 besprochen und besonders auch diejenigen Methoden erwähnt
werden, die leicht zu Täuschungen Veranlassung geben. Es wird daraus
 ersichtlich sein, daß selbst die einfachsten zuverlässigen Proben
eben doch noch zu umständlich und zu schwierig sind, um für den
Nichttechniker anwendbar zu sein.
Zunächst sei der Verschnitt mit Mineralöl genannt. Wie bereits
erwähnt, wird hierdurch die Trockenfähigkeit vermindert. Die Prüfung
 der Trockenfähigkeit ist verhältnismäßig einfach und zuverlässig.
 Ein Tropfen Firnis wird auf einer Glasplatte von etwa 10 X 10
Zentimeter gut verrieben und soll nach 24 Stunden trocken sein. Eine
ganz leichte Klebrigkeit ist nicht von Bedeutung, da diese beim Verarbeiten
 der mit dem Firnis angeriebenen Farbe verschwindet. Nun
zeigt sich jedoch schon ‚eine Schwierigkeit darin, daß ein evtl, gleichzeitiger
 größerer Harzzusatz die Trockenfähigkeit — wenn auch nur
vorübergehend — wieder erhöht und somit ein sicheres Urteil nach
der Trockenfähigkeit allein nicht gewährleistet ist. Viel genannt
wurde uns auch die Prüfung auf Mineralöl durch Verseifen des Firnisses
 mit Kalilauge. Die Methode beruht darauf, daß Leinöl beim
Schütteln mit Kalilauge verseift, d, h. eine Seife bildet, die vollständig
 erstarrt, während Mineralöl dabei flüssig bleibt, Wir konnten
durch Versuche feststellen, daß einige ccm Firnis, der absichtlich mit
etwa 15 % Mineralöl versetzt war, beim Schütteln mit Kalilauge nach
kurzer Zeit ebenfalls vollständig fest wurde. Es beruht dies darauf,
daß die flüssig bleibenden Teilchen von Mineralöl von der viel größeren
 Menge der sich bildenden und erstarrenden Seife so fest eingeschlossen
 werden, daß sie als Flüssigkeit nicht mehr erkennbar sind.
Jedenfalls geht daraus hervor, daß diese Probe zur Erkennung geringer
 Zusätze von Mineralöl durchaus unbrauchbar ist. Zuverlässig
ist die Prüfung durch Verseifen mit alkoholischer Kalilauge, doch ist
die Probe immerhin recht umständlich, Etwa 5 bis 6 Tropfen Firnis
werden im Reagenglas mit einigen ccm alkoholischer Kalilauge (einer
Lösung von Ätzkali in Alkohol) übergossen und einige Minuten vorsichtig
 zum Sieden erhitzt, Verdünnt man dann diese Lösung mit
destilliertem Wasser, so zeigt sich, wenn Mineralöl vorhanden war,
eine sehr starke milchige Trübung und nach längerem Stehen (einige
Stunden) bildet sich an der Oberfläche der Lösung eine Ölschicht.
Nur wenn sich eine erhebliche Ölhaut bildet (die Trübung in der L6ösung
 verschwindet dabei wieder) ist auf eine Verfälschung mit Mineralöl
 zu schließen, da die Trübung beim Verdünnen mit Wasser auch
durch einen geringen Resinatgehalt (Sikkativ) verursacht werden
kann.

A7
        <pb n="45" />
        Eine andere Methode beruht auf der Mischungswärme mit konzentrierter
 Schwefelsäure. Gießt man zu einigen ccm reinem Leinölfirnis
 vorsichtig die gleiche Menge konzentrierte Schwefelsäure und
mischt die Flüssigkeiten durch Umrühren mit einem Thermometer
(200°), so sieht man, daß durch die entsprechende Mischungswärme
die Temperatur rasch sehr hoch steigt, vielfach um etwa 100° und
mehr. Wiederholt man dieses Verfahren mit reinem Mineralöl, so
zeigt sich, daß hier die Mischungswärme sehr gering ist und die Temperatur
 kaum, höchstens um 5 bis 10° ansteigt. Prüft man nun auf
diese Weise einen Firnis, der mit Mineralöl versetzt ist, so. wird
durch diesen Verschnitt die Temperatur nicht so hoch ansteigen wie
bei reinem Firnis, je nach der Verschnittmenge vielleicht nur um 70
oder 60°, Diese Prüfung hat aber den Nachteil, daß sie außerordentlich
 exakt und gleichmäßig vorgenommen werden muß, da sich bei
Anwendung verschiedener Mengen Firnis und Schwefelsäure beim
Mischen natürlich auch verschiedene Wärmemengen entwickeln werden.
 Man geht am besten so vor, daß man zunächst eine „blinde
Probe” ausführt, d. h. zu einer bestimmten Menge von garantiert reinem
 Firnis genau die gleiche Menge konzentrierter Schwefelsäure
(vielleicht je 4 oder 5 ccm) zugibt und den Temperaturanstieg beim
Mischen feststellt, Bei Prüfung anderer Firnisse muß man dann stets
genau die dem ersten Versuch entsprechenden Mengen Firnis und
Säure anwenden, um einen einwandfreien Vergleichswert zu erhalten.
Aber auch hier soll man nur bei krassen Unterschieden auf Verfälschungen
 schließen, da kleine Differenzen bei der Verschiedenartigkeit
 der Firnisfabrikation und durch geringen Gehalt an ‚Sikkativ
usw, immer auftreten können. Außerdem ist der Umgang mit konzentrierter
 Schwefelsäure nicht ungefährlich und man muß sehr vor-Sichtig
 vorgehen, um ein Spritzen zu vermeiden,
Fast noch schwieriger ist die Prüfung auf Harz, Eine einfache
qualitative Prüfung kommt ja auch nur in Frage bei einem Firnis, der
als garantiert harzfrei geliefert ist (z. B. Alberdingk-Firnis), denn es
ist als handelsüblich anerkannt, daß ein als garantiert rein gelieferter
Firnis bis zu 5 % Resinat enthalten darf, wodurch natürlich ebenfalls
eine Reaktion auf Harz hervorgerufen wird, so daß man dann irrtümlich
 auf eine Verfälschung schließen könnte, Es sind uns auch hier
einige sogenannte einfache Prüfungsmethoden genannt worden, So
Soll z, B. ein harzhaltiger Firnis, der mit Salzsäure geschüttelt wird,
einen schleimigen Bodensatz absondern, oder mit Salpetersäure ge-Schüttelt,
 sich dunkelbraun bis schwarzbraun färben, während ein
harzfreier Firnis dabei hell bleiben soll. Diese Reaktionen sind als
außerordentlich zweifelhaft zu bewerten und können bei verschie-43
        <pb n="46" />
        denen Fabrikaten von Firnis sehr verschieden ausfallen und zu Fehlschlüssen
 Veranlassung geben,
Die einwandfreie Beurteilung von Firnis kann nur auf Grund einer
vollständigen chemischen Analyse erfolgen. Dabei werden in verschiedenen
 recht schwierigen Bestimmungen die Verseifungszahl,
Säurezahl, Jodzahl usw. festgestellt,
Diese Zahlen an sich können allerdings dem Maler nichts sagen,
doch ist es selbstverständlich, daß jede Untersuchungsstelle dem Untersuchungsbericht
 an Hand dieser Zahlen auch eine Beurteilung in
klaren Worten beifügen wird. Nach unseren bisherigen Versuchen
und Erfahrungen stehen wir jedenfalls auf dem Standpunkt, daß eine
Prüfung von Firnis mit einfachen Hilfsmitteln bis jetzt kaum möglich
ist und daß man bei allen diesbezüglichen einfachen Reaktionen mit
einer Beurteilung sehr vorsichtig sein muß und in den meisten Fällen
dabei nur Vermutungen zum Ausdruck bringen darf,

44
        <pb n="47" />
        Wo fehlt es bei unsern Anstrichverfahren?
Von Dr, Asser, Wandsbek, i. Fa. Gustav Ruth A.-G.,, Wandsbek
Daß der Anstrich hauptsächlich zur Erhaltung von Holz, Steinen
und Eisen dient, ist allgemein bekannt, Er ist unstreitbar ein sehr
wichtiges wirtschaftliches Hilfsmittel geworden, denn er bietet gute
Möglichkeiten, die großen Werte, die in diesen schutzbedürftigen
Stoffen stecken, vor einem gar zu schnellen Verfall zu bewahren.
Wenn man sich fragt, ob die wirtschaftlich so wichtige Anstrichtechnik
 auch wirklich so nachdrücklich von allen daran beteiligten
Kreisen gefördert wird, wie es ihrer Bedeutung entspricht, so muß
man leider mit einem klaren „Nein antworten, Selbst auf den Universitäten,
 technischen Hochschulen und den sonstigen technischen
Lehranstalten hört man nichts über die Grundlagen des Anstrichs.
Man nimmt das Bestehende also als genügend hin und verpaßt so die
Möglichkeit, weite Ingenieur- und Chemikerkreise zum Verständnis
und zur Mitarbeit auf einem Gebiet heranzuziehen, wo sie dringend
Notwendig ist,
Die bisherigen Anstrichverfahren mit dem Pinsel sind für sehr
Viele wichtige Arbeitsfälle unbedingt zu teuer und sind durch ausländische,
 bessere Arbeitsverfahren vielfach überholt worden. Der
BSewöhnliche Anstrich von Brücken z. B. erfordert nur ungefähr 20
vy, H. Materialkosten, dagegen aber 80 v. H, Arbeitslohn. Beim Waggon-
 und Autolackieren liegen die Verhältnisse ähnlich, Es muß daher
angestrebt werden, hier die Handarbeit durch mechanische Änstrich-Verfahren
 zu ersetzen,
Die Entrostung, die dem neuen Anstreichen vorangehen muß,
wird noch von Hand vorgenommen und erfordert verhältnismäßig
viel Zeit. Die Sandstrahlentrostung bietet hier allerdings schon einen
Fortschritt, ist aber noch lange nicht als die beste Lösung für alle
Entrostungsarbeiten anzusehen. Daher müssen noch andere Verfahren
gefunden werden, die ebenso vorteilhaft arbeiten wie die Sandstrahlentrostung,
 bei denen aber der Nachteil der Staubentwicklung ausgeschaltet
 ist.
_ Weiterhin ist die Arbeitsleistung beim Anstreichen mit dem
Pinsel so außerordentlich gering, daß sich dadurch die hohen Kosten

45
        <pb n="48" />
        für die Anstricharbeiten ergeben, Teilweise ist der Pinsel allerdings
schon durch die Spritzlackierpistole ersetzt, die wohl für die meisten
Arbeiten eine bis zum Zehnfachen höhere Arbeitsleistung ermöglicht.
Die Einrichtung von Spritzlackierständen in den meisten Betrieben
hätte aber schon viel mehr gefördert werden können, wenn diese Frage
mehr vom Ingenieur als vom Lackierer allein behandelt worden wäre,
Die Anpassung der Lackierpistolen an die verschiedenartigen Anforderungen
 des Anstreichens und die Schaffung richtiger Entlüftungsanlagen
 ist außerordentlich wichtig zur Erzielung von Arbeitsfortschritten
 im Lackiergang.
Bis heute ist es z, B. noch nicht gelungen, bei der Innenlackierung
der Abteile von Eisenbahnwagen und der Kajüten eine genügend
wirkungsvolle Entlüftung zu erzielen, weil die Ingenieurkreise die
Bearbeitung dieser Frage noch gar nicht aufgegriffen haben.
Die feine Lackierarbeit in der Waggon- und Autolackiererei
und ähnlichen Betrieben wird dadurch besonders verteuert, daß der
zum Glätten der Lackierfläche notwendige Spachtel bisher noch von
Hand geschliffen werden muß, eine Arbeit, die sehr viel Lohn und
Zeit erfordert, Die Schaffung eines schnell und gut arbeitenden
Schleifgeräts ist deshalb eine dringende Notwendigkeit.
Die Abkürzung der langen Trockenzeit und damit Entlastung der
Lackierbetriebe durch Schaffung leistungsfähiger, billiger Trockenanlagen
 ist eine weitere Aufgabe, die in das Arbeitsgebiet des Ingenieurs
 fällt,
Mit diesen Hinweisen sind die Möglichkeiten für die Mitarbeit
des Ingenieurs im Anstrichwesen selbstverständlich keineswegs erschöpft.
 Es sollte damit nur eine kleine Anzahl der Aufgaben angedeutet
 werden, denen sich der Ingenieur auf diesem Gebiet widmen
kann. Die Lackierindustrie rechnet hier sehr mit der Mitarbeit der
Ingenieurkreise, um eine wesentliche Verbilligung der Anstrichverfahren
 zu erreichen.
Die Wirtschaftlichkeit im Anstrichwesen muß aber nicht nur von
der technischen, sondern auch von der chemischen Seite gefördert
werden, Es ist noch nicht sehr lange her, daß es hieß, dort, wo die
analytischen Methoden aufhören, beginnt das Gebiet der Lackerzeugung!
 Man sollte annehmen, daß sich angesichts der Sachlage die
wissenschaftliche Chemie dieses volkswirtschaftlich wichtigen Forschungsgebietes
 schon längst bemächtigt hätte, um die großen Lücken
unseres Wissens hier auszufüllen. Leider ist aber auch nicht annähernd
 das Nötigste geschehen, Die Regierung und mit ihr die Hochschulbehörden
 haben die wirtschaftliche Bedeutung und Notwendigkeit
 wissenschaftlicher Forschung auf dem Gebiet der Anstrichmittel

A6
        <pb n="49" />
        noch nicht richtig erkannt. Heute gibt es an deutschen Hochschulen
noch keinen einzigen Lehrstuhl für das Fachgebiet der trocknenden
Öle, Harze und sonstigen Rohstoffe, der Farbebindemittel und Lacke,
Die Lackindustrie allein, zum großen Teil eine Kleinindustrie, ist
nicht in der Lage, wissenschaftliche Forschung zu betreiben, Die
Neulandarbeiten der größeren Betriebe bleiben einerseits Betriebsgeheimnisse
 und genügen anderseits natürlich nicht, um die große
Fülle der vorliegenden Aufgaben schnell und erfolgreich zu erfassen.
Der Verband Deutscher Lackfabrikanten hat diesen bedenklichen
Mangel an behördlicher Unterstützung, das Fehlen geeigneter Lehrstühle
 für dieses wichtige Arbeitsgebiet in seiner letzten Generalversammlung
 behandelt und den Gedanken ausgesprochen, nötigenfalls
eine geeignete Forschungsanstalt zu gründen, Mit’ der Verwirklichung
dieses Gedankens wäre aber keineswegs genügend genützt, denn eine
Solche Forschungsanstalt würde meistens auf schwachen Füßen
stehen, Sie hätte vor allen Dingen auch den Nachteil, daß dort nicht,
wie auf den Hochschulen, im ordnungsmäßigen Lehrgang akademischer
 Nachwuchs herangebildet werden kann,
Der Ausbau der wissenschaftlichen Forschung auf dem Gebiet
der Öle, Harze, Farbenbindemittel und der gesamten Anstrichmittel
ist letzten Endes nicht nur eine Angelegenheit der Farbenverbände,
Sondern ist in noch größerem Umfang Aufgabe der Verbraucherkreise,
 einschließlich der Behörden, der Reichsbahn, der Schiffahrt
Sowie des neuen Bundes zur Förderung der Farbe im Stadtbild und
des Deutschen Verbandes für Materialprüfungen der Technik, Wenn
diese alle. einmal gemeinsam ihren Ruf nach wissenschaftlicher Förderung
 dieses volkswirtschaftlich wichtigen Arbeitsgebiets an die
maßgebenden Behörden richten, dann kann sehr wohl ein beträchtlicher
 Schritt getan werden.
Über Ölfarben, Rostschutzfarben und Lacke herrscht in weiten
Kreisen noch eine starke Unkenntnis. Erst in neuester Zeit hat die.
Reichsbahn durch Festsetzung von Lieferbedingungen auf diesem Gebiet
 einen Schritt vorwärts getan, Bisher sind aus Unkenntnis vielfach
 Rostschutzfarben verarbeitet worden, die beispielsweise eine
nur vierjährige Haltbarkeit im Wetter zeigen und dadurch viel zu
Stark durch Arbeitslohn belastet sind, während praktisch die Verwendung
 von Farben, die um 25, ja selbst 50 v. H, teurer waren,
durch . ihre längere Haltbarkeit wesentlich billigere und. bessere:
Unterhaltung der Eisenbauten ermöglicht hätte, Über diese eigenartig
 rückständigen Verhältnisse hat Baurat Hülsenkamp, Berlin, in
Sinem Aufsatz „Wirtschaftlichkeit beim Anstrich von Eisenbauwerken“
 in der VDI-Zeitschrift Band (1925), Nr. 38, ausführlich be-47
        <pb n="50" />
        richtet und damit auf die wirtschaftliche Bedeutung der Frage hingewiesen,
 Inzwischen sind auch anderweitig gewisse Ansätze zur Normung
 von Anstrichmitteln gemacht worden. Es bleibt aber noch sehr
viel zu tun übrig,
Der Deutsche Verband für Materialprüfungen der Technik steht
hier auch vor der Aufgabe, ein Schnellprüfverfahren für die Qualität
und Witterungsbeständigkeit von Anstrichmitteln schaffen zu helfen
und zur allgemeinen Einführung zu bringen. Ein solches ist dringend
notwendig, um für die Folge die Verwendung ungeeigneter Anstrichfarben
 möglichst zu verhindern, Bis heute gibt es noch kein anerkanntes
 derartiges Prüfverfahren, so daß man noch völlig auf die
jahrelang dauernde Wetterprobe angewiesen ist. Wohl wogt der
Streit über die Zweckmäßigkeit von einigen neu vorgeschlagenen
Schnellprüfverfahren; zu einer Klärung ist. es aber noch nicht gekommen,
 weil dazu wiederum die Forschungsstelle fehlt.
Das Fehlen der staatlichen Unterstützung spürt jeder, der sich
mit diesen Verhältnissen näher beschäftigt hat, da die Mehrzahl der
Anstrichfragen wissenschaftlich noch viel zu wenig geklärt ist und es
mangels Aufklärung auch an der erforderlichen Zusammenarbeit zwischen
 den Farbenverbrauchern und den Farbenherstellern fehlt. Hier
muß, vielleicht unter Führung des Deutschen Verbandes für Materialprüfungen
 der Technik und unter Mitarbeit des Vereines deutscher
Ingenieure, des Vereins deutscher Chemiker, der Reichsbahn, der
Schiffahrt, der Maler- und Lackiererverbände und anderer besser
zusammengearbeitet werden, um die notwendigen Fortschritte zu erzielen
 und vor allen Dingen eine baldige Schaffung leistungsfähiger
Lehrstühle für dieses Arbeitsgebiet durchzusetzen, Hoffentlich gelingt
 es, die an der Förderung von Anstrichfragen interessierten
Kräfte zu sammeln und die notwendigen Fortschritte dadurch unverzüglich
 einzuleiten.

AR
        <pb n="51" />
        Normung von Anstrichfarben und Lacken
Von Dipl.-Ing. Dr. Dr. K. Würth, Schlebusch
Der Gedanke der Normung der Anstrichstoffe, der vor einigen
Jahren noch in den Kreisen des Maler- und Lackierergewerbes recht
wenig Anklang fand, hat in der letzten Zeit merklich an Boden gewonnen
 und ist offenbar im Begriff, durch seine Verwirklichung in
der Praxis endgültig festen Fuß zu fassen. Man hat in den einschlägigen‘
 Fachkreisen eben erkannt, daß es sich dabei nicht etwa um
theoretische Spielereien handelt, sondern um eminent praktische
Dinge, die besonders dem Handwerk auf dem Farbengebiet nur zu-Statten
 kommen können, Es wurde und wird von gewisser Seite
wohl versucht, durch Schlagworte wie Amerikanisierung usw. den
Normungsgedanken in Mißkredit zu bringen; aber von einer Amerikanisierung
 des Malergewerbes kann bei näherem Hinsehen auf diese
Normbestrebungen sicher keine Rede sein, Dem Handwerk soll vielmehr
 durch die Normung der Anstrichstoffe wieder ein fester Boden
Seschaffen werden, der früher bekanntlich golden war und es immer
Noch ist, nur daß er im Lauf der Jahre mehr oder weniger schwankend
 geworden ist durch die äußeren Bedingnisse. Nicht zuletzt der
Krieg mit seinen unausbleiblichen Folgen hat, wie überall, so auch
auf diesem Gebiet die Geschäftsmoral gar sehr gelockert, und so
kann es eigentlich nicht weiter überraschen, wenn die gleichzeitig
Singetretene Vermehrung der Arten der Rohstoffe und die Entwicklung
 neuer Methoden der Herstellung — es sei hier für jetzt nur an
die Zelluloselacke erinnert — die Menge der dem Verbraucher angebotenen
 Materialien ins Ungeheure gesteigert haben,
Zweck der Normung ist nun in erster Linie, durch die Schaffung
einheitlicher Bezeichnungen wieder Ordnung in das entstandene
Chaos auf dem Markt zu bringen, dann aber auch einfache und einheitliche
 Prüfungsmethoden aufzustellen und schließlich eine Ver-Minderung
 der bestehenden Handelssorten auf das notwendige Maß
herbeizuführen, Jeder Maler- und Lackierermeister kommt für den
Normalen Bedarf mit einer ganz beschränkten Reihe von Anstrichfarben
und Lacken aus, und jede Farben- und Lackfabrik stellt auch diese Reihe
von gangbarsten Erzeugnissen her; Schwierigkeiten erwachsen nur

49
        <pb n="52" />
        dadurch, daß die Erzeugnisse der verschiedenen‘ Fabriken nicht
untereinander gleich sind, Was z. B, bei einer führenden Firma als
Dekorationslack II (3. Güte) verkauft wird, wird bei einer anderen
vielleicht als zweite Qualität vertrieben; ja, es dürfte sogar keine
allzu große Seltenheit sein, daß die erste Qualität der einen Firma
ein weniger zuverlässiges Fabrikat darstellt, oder jedenfalls nicht
wesentlich besser ist als die dritte Qualität des führenden Hauses,
Natürlich läßt sich diese Ansicht nicht ohne weiteres verallgemeinern
und es wäre gewiß ein Fehler, wollte man die Lackfabriken durchweg
 alle ‘so einschätzen, als läge ihnen nur daran, dem Kunden für
sein gutes Geld minderwertige oder schlechte Ware aufzuhängen,
Die deutsche Lackindustrie steht auf einer so hohen Stufe, daß die
vorläufig noch bestehenden Strömungen gegen die Normung auf einen
durchaus begreiflichen Widerstand zurückzuführen sind: eine Firma,
die sich auf eine bestimmte Qualität eingestellt hat, legt natürlich
Wert darauf, daß ihre Sorte als Normallack anerkannt wird, Die
Konzession an die Gemeinschaftarbeit ist sicherlich in manchen Fällen
 mit gewissen wirtschaftlichen Opfern verbunden.
Einfacher, aber durchaus noch nicht so ganz leicht ist es, Normen
für die trockenen Farbstoffe zu erlangen. Daraus erklärt es sich
auch, daß für Zinkweiß, Bleiweiß, Lithopone und Mennige bereits
Handelsbräuche bestehen, die in mancher Hinsicht als freiwillige
Normung aufzufassen sind, Man hat sich z, B, bei Bleiweiß und
Lithopone darüber verständigt, wie die Zusätze zu deklarieren sind,
Auch bei Firnis kann eine den Bedürfnissen des Malers vollkommen
genügende Normung mit verhältnismäßig einfachen Mitteln durchgeführt
 werden; tatsächlich sind ja auch Lieferungsbedingungen für
diesen Stoff schon in Arbeit. Ähnlich liegen die Verhältnisse bei
Terpentinöl; auch für die Terpentinölersatzmittel wird man leicht zu
bestimmten Normen kommen können,
Schwieriger gestaltet sich die Normung bei bunten Farbstoffen, weil
hier außer den chemischen und maltechnischen Eigenschaften auch die
Farbe selbst. in Betracht kommen muß, So unterscheidet ein normales
 menschliches Auge, das nur einigermaßen im Farbensehen geschult
 ist, noch Farbentöne, wenn man den ganzen Farbbereich des
Unterscheidungsvermögens in hunderttausende von Farbstufen einteilt;
 ein sehr geschulter Kolorist kommt gar auf drei- bis vierhunderttausend
 Schattierungen. Für den normalen Bedarf aber sind so
viele Stufen nicht notwendig, eingehende Studien haben vielmehr
ergeben, daß die 760 teilige Skala von Geheimrat Ostwald
es ermöglicht, sämtliche Farbenzusammenstellungen zu machen, die
z. B. in der Bühnenmalerei vorkommen, Eine weitere Erschwerung
für die Normung bunter Farben erwächst noch aus dem Umstand,

50
        <pb n="53" />
        daß ein und derselbe Farbton durch Farbstoffe erzielt werden kann,
die ganz verschiedene chemische und maltechnische Eigenschaften
haben. Andererseits können gewisse Farbtöne nur mit Farbstoffen
ganz bestimmter Eigenschaften erzielt werden; es wäre verfehlt zu
verlangen, daß nur lichtechte Farben Verwendung finden sollen, es
gibt eben doch manche Arbeiten, die nur kurze Zeit zu halten brauchen,
 um ihrem Zweck vollauf zu genügen, bei denen aber aus wirtschaftlichen
 Gründen die billigsten Farben vollständig ausreichend
sind, z, B. bei Bauten auf vorübergehenden Volksfesten u. dgl, m,
Ein wesentliches Hilfsmittel bei der Normung bildet die genaue
Kennzeichnung der Eigenschaften der Farbstoffe, In der Werkstatt
soll allerdings der Grundsatz herrschen, daß nur lichtechte Farben verwendet
 werden dürfen, denn wenn auch die Kennzeichnung seitens
der Fabrikanten noch so exakt ist, läßt sich doch niemals vermeiden,
daß auf dem Weg von der Werkstatt zur Arbeitsstelle die Einschränkung
 auf gewisse Verwendungszwecke vergessen wird.
Mit einer Normung der Farben wird vor allem auch erreicht
werden, daß unverwendbare Reste sich nicht so massenhaft anhäufen,
 wie es jetzt leicht der Fall ist. Die Verwertung der Reste
ist aber eine außerordentliche Gefahr, auch abgesehen davon, daß
teure und billige Stoffe vielfach wahllos durcheinander gemischt
werden, kommen auch Mischungen von Farben verschiedenster
Lichtechtheit vor und die gemischten Töne verändern durch Ausbleichen
 eines Bestandteils ihre Farbe oft ganz erheblich,
Am schwierigsten gestalten sich die Verhältnisse bei den angeriebenen
 Farben sowie bei den Lacken, Nach dem Urteil erfahrener
 Lackfabrikanten ist auch auf diesem Gebiet eine Normung
durchführbar, soweit es sich eben, wie schon erwähnt, um jene An-Strichfarben
 und Lacke handelt, die für normale Verwendungszwecke
in Betracht kommen können. Also in erster Linie für viele Arbeiten
der Möbelindustrie u. dgl.
Der Schaffung von Normen für Rostschutzfarben steht die erzeugende
 Industrie nicht mehr so ablehnend gegenüber wie früher;
Verschiedene Fabrikanten haben sich sogar in sehr günstigem Sinn
darüber geäußert. Die Bedingungen sind hier allerdings auch wesentlich
 einfacher, da die Anforderungen, die an die Farben vom Verbraucher
 gestellt werden, ein für allemal fest umrissen sind, Die
betr. Anstrichfarbe muß z. B. auf allen Arten Eisen gut haften, die
für Eisenkonstruktion usw. in Frage kommen, Der Anstrich muß bei
Normalen Witterungsverhältnissen eine bestimmte Reihe von Jahren,
etwa fünf Jahre, halten, d. h. er darf nicht rasch verwittern, so daß
die Schutzschicht verschwindet, Außerdem muß er gegen Unterrostung
 Sicherheit bieten.

51
        <pb n="54" />
        Für Spezialprodukte wird man vorerst keine Normen aufstellen,
sondern die Erfahrungen abwarten, die mit denen für die dem
Massenverbrauch dienenden Erzeugnissen gemacht werden, Sache
der Verbraucher wird es sein müssen, diese Erfahrungen zu sammeln,
um der Industrie Anregungen zu geben, ihre Produkte den Bedürfnissen
der Praxis entsprechend zu ändern oder andere Sorten auszuwählen.
Daß die deutsche Farbenindustrie in der Lage ist, auch hohen
Ansprüchen gerecht zu werden, hat sie seit Jahren bewiesen; nicht
umsonst war das Ausland bemüht, die deutschen Errungenschaften
auf diesem Gebiet zu erwerben und auszuschlachten. Was
wir an wirklichen Werten hier besitzen, wird uns die Welt lassen
müssen und gern lassen, es kommt nur noch darauf an, daß die Verbraucher
 es lernen, von diesen hochwertigen Produkten auch den geeigneten
 Gebrauch zu machen. Manches Erzeugnis ist ja nur deswegen
so teuer, weil die Nachfrage nicht groß genug ist, um große Anlagen
zur Herstellung einzurichten.

52
        <pb n="55" />
        Rostschutz
Von Dipl.-Ing. Dr. Dr. K. Würth, Schlebusch
„Das Sparen beginnt oft damit, daß man Aufwendungen macht.“
Dieser im Wirtschaftsleben männiglich bekannte und erprobte Erfahrungssatz
 behält seine Gültigkeit auch für den Fragenkomplex,
den wir sprachlich nicht ganz richtig mit dem Namen „Rostschutz”
bezeichnen, Nicht der Rost, sondern sein Träger, das Eisen oder
Metall, soll ja von uns geschützt werden als das uns wertvoller
dienende Gut. Die sinnwidrige Bezeichnung hat sich aber andererseits
 im wirtschaftlichen Verkehr so eingebürgert, daß es Wortklauberei
 wäre, den wohlverstandenen Begriff durch ein ungeläufiges
Wort wider den allgemeinen Sprachgebrauch ersetzen zu wollen.
Der Ausdrück „Metallschutz‘, der gleichfalls üblich ist, erstreckt sich
auf ein weiteres Gebiet, als hier gemeint sein. kann, wenn von Rostschutz
 die Rede ist, Die wichtige Frage, wie man unser Hauptmetall,
das Eisen, am besten vor dem Rosten sichert, dem langsamen aber
unwiderruflichen Zerstörungswerk des stumpfen Zahnes der Zeit
nach menschlichen Kräften vorbeugt, soll in diesen Ausführungen
kurz erörtert werden,
Da taucht zunächst die Frage auf: Was ist eigentlich Rost.
Technisch wissenschaftlich ausgedrückt ist er das Korrosionsprodukt
des Eisens, das durch Luft und Wasser sich bildet. Ohne Feuchtigkeit
gibt es keine Rostbildung, die Einwirkung trockener Luft allein
würde sie nicht hervorrufen; aber praktisch gesprochen gibt es
kaum ein Klima, in dem die Feuchtigkeit der Luft gänzlich mangelte,
Auch würden Wesen unserer Art nicht dort existieren können, Die
Wissenschaftliche Chemie hat verschiedene Theorien aufgestellt über
die Vorgänge bei der Rostbildung, die sich teilweise auch wider-Sprechen:
 es würde aber zu weit führen, sie näher hier darzulegen,
wäre auch für unsern Zweck weiter von keinem praktischen Nutzen,
Es genügt festzuhalten, daß Luft und Wasser immer vorhanden sein
Müssen, wenn Rostbildung auftritt, Von wesentlicher Bedeutung ist
dagegen der Umstand, daß das Volumen des gebildeten Rostes etwa
D * Wir verweisen auch auf die Broschüre: „Rostschutz‘” von Direktor
t,-Ing., Dr. rer. pol. K, Würth, Südd, Verlagsanstalt, Stuttgart. Preis 1 AM,

52
        <pb n="56" />
        um zwei Drittel größer ist, als das des Eisens, aus dem er sich bildet,
weshalb bei festeingebetteten Eisenteilen dann die Umhüllung gesprengt
 wird und bei gestrichenen oder sonst überzogenen Teilen die
Schutzschichten, unter denen sich der Rost gebildet hat, abgehoben
werden,
Ein wirksamer Schutz gegen den Rost wird also nur zu bewerkstelligen
 sein, wenn es gelingt, über der zu schützenden Metallfläche
eine Schicht herzustellen, die beide, Luft und Wasser, hindert, mit
dem metallischen Eisen in Berührung zu kommen. Einen vorübergehenden
 Schutz dieser Art gewährt nun jedes darüber gestrichene Fett,
Vaseline usw., daher auch jede Ölfarbe. Soll die Schutzwirkung aber
längere Zeit währen, so sind Überzüge nötig, die fest auf dem Metall
haften, den Zutritt von Wasser und Luft möglichst verhindern und
dabei elastisch genug bleiben, um die Volumenänderung des Metalls
bei Temperaturschwankungen unbeschadet mitmachen zu können,
Ein absoluter Schutz ist durch Anstriche freilich nicht erreichbar,
weil jede Farbschicht als organisches Gebilde mit der Zeit zerstört
wird, Für die Praxis genügt es aber auch vollkommen, wenn wir
Schutzschichten herstellen können, die möglichst lange halten, dabei
 hinsichtlich der Kosten gewisse Grenzen nicht überschreiten,
also wirtschaftlich sind und sich ohne allzu große Schwierigkeiten
von Zeit zu Zeit erneuern lassen, Der Verbraucher solcher Schutzmittel
 wird sich andererseits natürlich darüber klar sein müssen, daß
er eine gewisse Preisgrenze auch nicht aus unangebrachter Sparsamkeit
 unterschreiten darf, wenn er verhältnismäßig sichere Schutzwirkung
 anstrebt.
Man kennt auch andere Wege, einen Rostschutz herbeizuführen,
z. B. Zusätze zum Eisen, die es für Wasser und Luft unangreifbar
machen, metallische Überzüge oder Emaillierung, Nichtrostende
Eisensorten sind aber zurzeit noch so teuer, daß ihre Allgemeinverwendung
 unmöglich ist, wenn sie auch zweifellos den besten Schutz
darstellen, da es sich hier nicht um einen einfachen Oberflächenschutz
 handeln würde wie bei den andern Verfahren, der natürlich
mehr oder weniger versagt, sobald der schützende Überzug irgendwie
verletzt worden ist, Andersmetallische Überzüge und Emaillierung
lassen sich dagegen gleichfalls an fertigen Gegenständen nicht
machen, sobald diese eine gewisse Größe überschreiten oder fest
mit den Unterlagen verbunden sind, wie das z. B. bei Eisenkonstruktionen
 der Fall zu sein pflegt. Einen natürlichen Rostschutz bildet
der sogenannte Hammerschlag eiserner Geräte; auch die Walzhaut
und die Gußhaut des Eisens bieten einen gewissen Schutz. Dieser
entsteht ferner bei dem im Schmiedehandwerk üblichen Einreiben
glühender Gegenstände mit harzigen und fettigen Stoffen. Brünieren

54
        <pb n="57" />
        nennt man das Verfahren, durch chemische Reaktionen die Eisenoberfläche
 so zu verändern, daß sie widerstandsfähig gegen rostbildende
 Einflüsse wird, Das Emaillieren kommt fast ausschließlich für
Kochgeschirre u. dgl. in Frage; man versteht darunter das Überziehen
mit Schmelzflüssen, . im Gegensatz zu der sogen. Emaillierung mit
Lacken, wie sie beispielsweise bei Fahrrädern zur Anwendung
kommt, wobei die lackierten Teile bei hohen Temperaturen, 120 bis
180 Grad, getrocknet werden.
Zementüberzüge, wenn sie richtig hergestellt sind, stellen einen
vorzüglichen Rostschutz dar, sind aber infolge ihrer bekannten
Sprödigkeit nur in den seltensten Fällen wirklich brauchbar.
Das bei weitem wichtigste, weil am meisten im Gebrauch
stehende Mittel für den Oberflächenschutz des Eisens ist die Anstrichfarbe,
 nicht immer zutreffend als „Rostschutzfarbe” bezeichnet.
Berechtigung hat dieser Name im Grunde nur für solche Farben, die
unmittelbar auf die Metallfläche aufgetragen werden sollen, also die
Grundierung bilden, die vor allem wasserundurchlässig sein
muß, während die Deckschichten mehr die Aufgabe haben, wetterbeständig
 zu sein, was auch bei Farben der Fall sein kann, die als
Rostschutz vielleicht weniger in Frage kommen, Die oben erwähnte
Tatsache, daß jede Ölfarbe, wenn sie überhaupt haltbar ist, wenigstens
 für eine Weile den Einfluß von Luft und Feuchtigkeit hintanzuhalten
 vermag, hat im Handel dazu geführt, den Namen Rostschutzfarbe
 allen Produkten beizulegen, die man auf dem Markt für
das Streichen von Metallflächen besonders empfehlen möchte, Wie
gesagt, ist dieser Brauch leider irreführend insofern, als eine Anstrichfarbe
 einen guten Deckanstrich gewährleisten kann, ohne deswegen
 auch als Rostschutzmittel gleich geeignet zu sein, Rostschutzfarben
 sind im allgemeinen Anstrichfarben, deren Bindemittel ganz
oder teilweise aus Leinöl besteht; als Anstrichstoffe kommen ver-Schiedene
 Pigmente in Betracht.
Welches sind nun die Haupteigenschaften, die für einen wirksamen
 rostverhütenden Grundanstrich erforderlich sind? Die Ansichten
 darüber, welche Farbstoffe zur Herstellung eines solchen
Änstriches besonders geeignet sind, gehen heute noch sehr weit auseinander,
 Eine Schutzschicht, die der Wirkung der ersten Ursachen
der Korrosion mit Erfolg entgegenarbeiten soll, muß vor allem zäh
an der Fläche haften, die sie schützen soll; sie muß eine harte, feste
Unterlage schaffen für etwaige spätere Überzüge, denn nichts ist so
schädlich für die Dauer eines Anstrichs als eine weiche Farbhaut
unter einer härteren. Das Verhältnis muß vielmehr stets umgekehrt
sein, wenn die Arbeit Bestand haben soll, Da der Hauptzweck der
Grundierung das Fernhalten der Feuchtigkeit ist, muß sie, wie gesagt,

55
        <pb n="58" />
        so undurchlässig wie möglich sein, sie darf infolgedessen auch keine
wasserlöslichen Substanzen enthalten. Endlich ist eine gewisse
Elastizität für einen solchen Eisenanstrich unumgänglich notwendig.
Ganz zuverlässige Schlüsse auf die Brauchbarkeit einer Rostschutzfarbe
 lassen sich nur aus der Beobachtung der damit gemachten Anstriche
 ziehen. Die Erfahrungen der Reichsbahn, die sich naturgemäß
auf sehr weite Gebiete mit den verschiedensten klimatischen Verhältnissen
 erstrecken, haben dazu geführt, die Mennige als das bestgeeignete
 Material für den Grundanstrich zu erklären, Tatsächlich
wurde ja auch die Mennige seit alters fast ausschließlich für Eisenanstriche
 mit bestem Erfolg verwandt, obwohl sie zugestandene Nachteile
 besitzt, Gute hochoxydierte Mennige ist nicht wohlfeil im
Gegensatz zu so manchen anderen Fabrikaten, auch kann man ihre
orangerote Farbe kaum „schön“ nennen. Zudem bilden sich auf ihr
unter dem Einfluß von Luft, Licht und Feuchtigkeit leicht Flecken;
die in Leinöl angeriebene Mennige hat auch die Neigung, infolge ihres
hohen spezifischen Gewichtes rasch abzusetzen und einzudicken,
doch ist dieser Übelstand jetzt bereits in etwa beseitigt, seitdem die
Mennige in streichfertigem Zustand verlangt und geliefert wird, Natürlich
 wird auch ihre Giftigkeit als Bleifarbe vielfach noch als Nachteil
 empfunden, doch besteht in Wahrheit eine Gefahr bei der Verwendung
 wohl nur dann, wenn die Gebote der Reinlichkeit und Sorgfalt
 vernachlässigt werden.
Außer Mennige werden auch Eisenoxyd, Zinkoxyd bzw. Zinkweiß
 und einige andere Farbstoffe für die Herstellung von Grundfarben
 angewandt, In diesen Fällen ist es aber nötig, besonders
präparierte Bindemittel oder Zusätze zu den Farbstoffen zu gebrauchen.
 Es gibt verschiedene, z. T. patentierte Verfahren, auf diese
Weise eine brauchbare Grundierung zu erreichen: ein abgeschlossenes
 Ergebnis: liegt allerdings noch nicht vor, inwieweit diese Erfindungen
 als etwaiger Ersatz für Mennige in Frage kommen, so daß
diese entbehrlich würde, was sie heute keinesfalls ist.
Was den Deckansttich betrifft, so ist die Zahl der hierfür brauchbaren
 Farbstoffe wesentlich größer, Letzten Endes ist ja jede
wetterfeste Farbe dazu verwendbar, soweit sie sich mit der
Grundierung verträgt, Die Wetterfestigkeit wird entweder durch die
Art des Farbstoffes oder diejenige des Bindemittels oder aber durch
geschickte Kombination beider erreicht. Naturgemäß spielt dabei
die Entscheidung eine große Rolle, welche Farbe der Anstrich
wunschgemäß haben soll, Für helle, besonders graue Töne werden
meist Mischungen mit Bleiweiß bevorzugt werden; die grünen Farben
 enthalten fast immer ein Chromgrün, also Mischungen von
Chromgelb mit Miloriblau; die roten werden aus Eisenrot hergestellt,

56
        <pb n="59" />
        Eine besondere. Gattung bilden die Eisenglimmerfarben, denen
vielfach noch eine besonders gute Wirkung zugeschrieben wird, weil
man ursprünglich von der Annahme ausging, ‘die einzelnen Partikelchen
 legten sich schuppenartig übereinander, Letztes ist nun allerdings
 nicht der Fall; doch läßt sich nicht bestreiten, daß diese sogen.
Schuppenpanzerfarben eine längere Lebensdauer haben als manche
andere Ölfarben, was vielleicht darauf zurückzuführen ist, daß das
Licht, der größte Feind des Leinölfilms, in diese Farbschicht weniger
leicht einzudringen vermag als in andere, In gleicher Weise läßt sich
jedenfalls ‚auch die günstige Wirkung eines Zusatzes von Aluminiumpulver
 zu den Anstrichstoffen erklären,
Die Frage der Haltbarkeit der Rostschutzanstriche ist natürlich
von wesentlichster Bedeutung; man hat jetzt begonnen, eingehende
Studien darüber aufzunehmen, besonders auch, ob man’ durch Kurzprüfungsversuche
 die Möglichkeit gewinnen könnte, die Haltbarkeit
einer Farbe richtig zu bestimmen, Wenn dies gelingen sollte — und aus
verschiedenen Anzeichen ist schon mit einiger Sicherheit zu schließen,
 daß es gelingen wird, der Wirklichkeit mit den Ergebnissen
dieser Versuche sehr nahe zu kommen —, so ist die Auswahl für
den Verbraucher von Rostschutzfarben künftig außerordentlich viel
leichter, als dies zur Zeit noch der Fall ist. Heute besteht eine gewisse
 Unsicherheit in der Beurteilung der Anstrichstoffe, und diese
ist zweifellos bei so manchen Anstrichen die Ursache, daß sie vorzeitig
 erneuert werden mußten. Das führt dann begreiflicherweise
zu einem gewissen Mißtrauen und schließlich auch dazu, daß mancher
 Auftraggeber zu der irrtümlichen Meinung kommt, eine billigere
Farbe hielte genau so gut.

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        <pb n="60" />
        Allgemeines über Spritzlackierverfahren
Von Ingenieur Rudolf Klose, Heilbronn a. N.
Da der Wert des Spritzlackierverfahrens noch nicht überall voll
erkannt ist, möge dieser Aufsatz dazu beitragen, allen Skeptikern
Aufschluß zu geben über die beim Spritzlackierverfahren auftretenden
 Mängel und Vorteile, Gerade kleine Betriebe und Handwerksmeister
 besitzen ein gewisses Vorurteil gegen dieses Verfahren:
ihnen ist meines Erachtens nicht genügend Aufklärung dieserhalb zuteil
 geworden, Wohl ist das Spritzlackierverfahren bekannt und hie
und da auch ausprobiert worden, aber durch ein kleines Mißgeschick
ist womöglich der erste Versuch gescheitert, und somit ist das
Schicksal der Anlage besiegelt gewesen, Oftmals hat der Pinsel gesiegt
 und höhnisch der Spritzpistole getrotzt.
Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Und dieser unbeugsame
Wille darf keinem fehlen, der mit der Neuzeit Schritt halten will.
Hoffentlich werden die. nachfolgenden Ausführungen dazu beitragen,
manchen Entmutigten und Neuling auf diesem Gebiet anzuspornen,
Bei technischen Neuerungen interessieren immer zuerst die Vorteile
 der Neuerung, Das Spritzlackierverfahren bietet gegenüber dem
Streichen von Hand folgende Vorteile:
1, Wesentliche Lohnersparnis, bedingt durch die
kolossale Farbleistung der Spritzpistole, welche in geringer Zeiteinheit
 große Arbeitsflächen bespritzt.
2. Verminderung der Betriebsunkosten, da die
Spritzpistole, ein an. sich nicht teures Werkzeug, unverwüstlich ist
und an keinem Haarausfall leidet, Somit also nach kurzer Abschreibung
 völlig kostenlos arbeitet.
3. Erhöhte Qualität der Arbeit, da die Geschicklichkeit
 des Malers, die ja bekanntlich sehr verschieden ist, durch die
Maschinenarbeit der Pistole ausgeschaltet wird und durch eine
immer gleichbleibende Qualität ersetzt wird. (Etwas Geschicklichkeit,
die man durch einige Übung erreicht, wird natürlich immer noch
verlangt‘ werden müssen.)
4. Lackersparnis, da ein hauchartiger Überzug bei gewissen
 Gegenständen möglich, ohne die Haltbarkeit dadurch zu be-58
        <pb n="61" />
        einflussen. — Der jeweilige Grad der Wirtschaftlichkeit richtet sich
natürlich wiederum nach der Größe des Betriebes und Umfang der
Fabrikation, Bei einer Massenfabrikation wird immer ein höherer
Wirkungsgrad erzielt werden, als dies bei Einzelanfertigung der
Fall ist.
Ganz nach Art der Arbeitsweise unterscheidet man drei verschiedene
 Typen von Zerstäubungsapparaten, Und zwar: Apparate,
arbeitend nach dem:
a) Schwersystem, bei welchem die Flüssigkeit durch
eigene Schwerkraft der Zerstäuberdüse zufließt und das
Zerstäuben der Flüssigkeit durch ein Nadelventil reguliert
wird,
b) Saugsystem: die zu zerstäubende Flüssigkeit wird mittels
 Preßluft injektorartig aus Behältern gehoben und zerstäubt.

6) Drucksystem: die Zerstäubungsflüssigkeit wird aus Behältern
 mittels Druck der Zerstäuberdüse zugeführt,
Spritzfähig ist jede Flüssigkeit. Farben, die sich gut streichen
lassen, sind auch gut spritzfähig, allerdings ist eine mehr oder
wenigere Verdünnung zum Teil nötig, Farben mit hohem Wassergehalt,
 wie Spirituslacke, bereiten beim Auftragen mit Zerstäubungsapparaten
 anfangs etwas Schwierigkeiten, da sie leicht Sprenkelungen
aufweisen; durch Herabminderung des Druckes und Verwendung einer
kleineren Düse kann man auch diesen Übelstand ganz beheben. Verwendet
 man Asphalt-Politur oder ähnliche fette Materialien, so ist
es nötig, diese mit erwärmter Preßluft zu verarbeiten, und sie außerdem
 nach Möglichkeit vorzuwärmen,
Wie diese Apparate (Vorwärmer) aussehen, veranschaulichen
die Abb, 2, 3 und 4. Im Prinzip sind alle Apparate gleich und
unterscheiden sich nur in der verschiedenen Beheizungsart, ob mit
Dampf (Abb. 2) oder mit Gas (Abb, 3) oder Elektrizität (Abb, 4)
geheizt werden soll. Um die Wärme und den Wasserstand des den
Farbstoff umgebenden Wassers kontrollieren zu können, ist der
Farbtopf mit Wasserstandglas und Thermometer versehen, Kommen
besonders dicke Farben zur Verwendung, so ist Luftdruck auf den
Farbtopf zu leiten, dieser wird durch Anbringung eines eingeschalteten
 Reduzierventils auf gleichbleibender‘ Atmosphärenhöhe gehalten.
Man unterscheidet vier Hauptgruppen von Lackmaterialien:
a) Terpentinlösliche Lacke (Leinöl, Harz, bzw. Kopallacke);
b) Spirituslösliche Lacke (Schellacke);
c) Wasserlösliche Lacke (Leimlacke);
d) Azetonlösliche Lacke (Celluloidlacke).

50
        <pb n="62" />
        Wie verhalten sich nun diese Lacke beim Verarbeiten nach dem
Spritzverfahren, angewandt bei den verschiedensten Materialien?
Auf welche Materialien das zerstäubte Material gebracht wird,
ist an sich vollkommen gleich und würde die verschiedene Anwendung
 der Lacke in dieser Ausführung zu weit gehen. Eines sei nur
bemerkt, daß ich Holz gerade so gut bespritzen kann, wie Eisen,
Ton, Papier, Porzellan usw. Den jeweilig zu verwendenden Lack
wird ja der Fachmann selbst kennen. Unterschiede kommen ja
Abb. 2 Abb. 3 Abb. 4
eigentlich nur bei den Trocknungsgrenzen in Frage, die sich ganz
danach richten, welche Trocknungswärme man den verschiedenen
Materialien zumuten darf,
Bei all den vorerwähnten Anführungen bezüglich der zur Bearbeitung
 kommenden Materialien spielen natürlich Druck, Düsenöffnung
 und Konsistenz der Lacke eine große Rolle, in welcher
wechselseitigen Beziehung diese drei Größen zueinander stehen,
darauf sei im weiteren Verlauf der Abhandlung hingewiesen,
Nachdem im vorstehenden etwas allgemein das Spritzlackierverfahren
 besprochen worden ist, soll nunmehr dazu übergegangen

50
        <pb n="63" />
        werden an Hand einer Querschnittzeichnung (Abb, 5) die Wirkungsweise
 eines Preßluftzerstäubers klarzumachen.
Die Hauptbestandteile des Apparates sind:
a) Farbenbehälter,
b) Spritzdüse,
c) Luftzufuhrrohr,
d) Regulierbares Nadelventil,
Abb. 5
Betrachten wir nun die Schnittzeichnung näher, so sehen wir,
daß bei a die Preßluft eintritt und weiter durch den Kanal x ihren
Weg nimmt, wo ihr bei b durch den Ventilsitz o des Nadelventils
der weitere Weg versperrt ist, Erst beim Zurückdrücken des Handhebels
 u verschiebt die Mitnehmergabel z den Mitnehmer i mit-Samt
 der Nadel und dem Ventilsitz o, so daß der Weg frei ist,
Die Preßluft nimmt ihren Weg weiter durch den Kanal x und tritt,
Nachdem sie sich im Kopf d um die Düse e verteilt hat, bei c aus.
Die Farbe nimmt ihren Weg vom Behälter aus durch den Kanal y,
WO ihr der weitere Weg durch die Nadel £ versperrt ist. Auch hier
Wird erst durch Zurückdrücken des Hebels u der Weg frei und die

61
        <pb n="64" />
        ; X aa
Abb. 6

67
        <pb n="65" />
        Farbe wird bei Austritt aus der Düse c durch die sie umbrausende
Preßluft zerstäubt, um dann in einem Streuungskegel, wie Abb. 6
zeigt, das Freie zu suchen, Der Nippel a wird mittels Schlauch an
eine Preßluftleitung angeschlossen. In kleineren Betrieben wird man
allerdings keine Preßluft vorfinden, und würde sich die Anschaffung
eines Kompressors zu teuer stellen. Um aber auch hier das Spritzverfahren
 mit Erfolg anwenden zu können, benützt man als Preßluft
den Druck einer Kohlensäureflasche, welche man ja zu geringem
Preis in Stahlflaschen bezieht. Zur Erzielung eines gleichmäßigen
Druckes bringt man einen Druckregler (Reduzierventil) in Verbindung
 mit der Kohlensäureflasche, Gerade für Kleinbetriebe und
Handwerksmeister, die wohl oft den Spritzapparat gebrauchen, bei
denen sich aber die Anschaffung eines stationären Kompressors,
sowie die dauernde Ausgabe für Kohlensäure nicht lohnt, gibt es
auch von Hand betriebene billige Luftpumpen, mit denen sich gut
der zur Anwendung kommende Druck erzeugen läßt, Die Abb. 7
zeigt eine solche Luftpumpe mit Kessel, die allerdings nur für
feinere Arbeiten verwendet werden kann. Hingegen
ist die in Abb, 8 gezeigte Anlage schon so ausgebaut,
daß sie für fast alle, das Spritzverfahren betreffende
Arbeiten in Frage kommt,
aA
Ahl
Abb. 7
Mittels der Zwillingspumpe kann man im Kessel einen Druck
von 4 Atmosphären aufspeichern und diesen durch dauerndes Pumpen
konstant halten, oder aber man baut einen zweiten Kessel an und
arbeitet mit einem konstanten reduzierten Druck, den man dem

63
        <pb n="66" />
        ersten Kessel entnimmt. Somit ist es möglich, längere Zeit mit dem
aufgespeicherten Druck ohne weitere Pumparbeit zu schaffen. In
mittleren Betrieben, in denen Transmissionsantrieb vorhanden, käme
wohl vorteilhaft eine Kesselluftpumpe in Anwendung, wie sie die
Abb. 9 veranschaulicht. Selbige ist auch bei irgendwelchen Betriebsstörungen
 von Hand zu betreiben. Die Kesselluftpumpe bringt
es zu folgender Leistung:
Abb. 9
Zylinder- Handbetrieb Kraltbetrich . Kraft
Durch-  Um- ' Stündlich Um-  Stündlich ‚Verbrauch
messer ı drehungen angesaugte drehungen angesaugte "a
in der Luftmenge | in der Luftmenge HS
mm | Minute cbm Minute cbm PS.
80 50 im 120 0,3
60 50 0.8 120 65 0,2
Nachdem nun in vorstehendem in kurzen Zügen über zu verwendende
 Lacke, sowie den zum Spritzen notwendigen Druck ge-.

 }
64
        <pb n="67" />
        sprochen worden ist, sei eine kleine Anlage in einem Schema
illustriert vorgeführt, und zwar eine solche mit Filterplatten (Abb. 10)
als Farbsammler und eine solche mit Wasserbeckenfarbsammler
(Abb. 11, siehe nächste Seite.)
Sn N dd £ U 4 s
Abb. 10
Die Anlage setzt sich zusammen aus:
a) Windkessel,
b) Spritzpistole,
c) Spritzverschlag,
d) Farbensammler,
e) Abzugsrohr,
f) Exhaustor.,
Der Windkessel wird vom Kompressor gespeist, und liefert der
Pistole die zur Zerstäubung nötige Preßluft. Die Spritzkabine selbst
besteht aus einem Holzgestell, welches rechts und links sowie oben
mit Fenstern versehen ist, In dem Verschlag selbst werden die zu
Spritzenden Gegenstände bearbeitet, Unmittelbar an die Kabine sind
in der Abb. 10 die Farbsammler, welche aus Drahtgeflechten be-Stehen,
 schrägliegend angeordnet. Hinter diesen befindet sich das
Farbnebelabzugsrohr e, welches direkt mit dem Exhaustor in Verbindung
 steht. Dieses kann man beliebig lang anordnen, darf jedoch
dabei nicht vergessen, daß mit zunehmender Länge und Einschaltungen
 von Kniestücken, die Leistung des Exhaustor entsprechend
8rößer gewählt werden muß. Die in der Abb. 11 gezeigte Anlage
Unterscheidet sich von der in Abb, 10 gezeigten nur durch sein
Wässerfarbsammelbecken mit drehbarem Trichter und günstigerer
Farbnebelabsaugung bei Wagerechtarbeiten, Der große Trichter,
Welcher aus Blech besteht und fast wie eine große Tortenform aus-65
        <pb n="68" />
        sieht, ist mit. einem Flansch versehen, welcher in einem besonderen
Kugellager (Drucklager) läuft, Die Kugellagerung ist deshalb vorgesehen,
 um ein möglichst stoßfreies Andrehen des Tisches zu bewerkstelligen,
 Man darf nämlich nicht vergessen, daß die Wasser-Öpritzkabine

Spritzdüse
7 Staywehr
Kgellagerung a.“ \Drehbarer
es ee ACHEN
Farbsommelbecken
De 5
* x Wellenbrecker
‚ Hasser
Abb: 11

66
        <pb n="69" />
        menge, die in den einzelnen Farbsammelbechern verteilt ist, zusammengesetzt
 eine große Masse bildet, die schon bei kleinen ruckweisen
 Stößen in kolossale Schwingungen gerät, und evtl. ein Überspritzen
 des Wassers auf die Arbeitsstücke dadurch entstehen kann;
die Folgen, die daraus entstehen, kennt ja jeder Lackfachmann
selbst. Um gerade gegen diese geschützt zu sein, hat man ferner in
den 4 oder 5 Farbsammelsegmenten, außerdem in jedem Segment,
4 Stück sogenannte Wellenbrecher eingebaut, zwischen denen das
Wasser wohl gebremst, aber sich trotz der gelassenen großen Öffnung
in diesen Brechern ausgleichen kann.
In den Farbfiltern sammelt sich trockene Farbe, während
sich in den Sammelbecken die frische Farbe auf dem Wasser
Niederschlägt und nach geraumer Zeit unter die Wasseroberfläche
sinkt, somit immer frisch bleibt und eine für grobe Grundanstriche
fertige Farbe bildet. Die Wiederverarbeitung des überflüssig zer-Stäubten
 Materials zu gebrauchsfähiger Spritzfarbe ist in beiden
Fällen gut möglich.
Da nun, wie überall, hie und da bei einer Neueinrichtung
Schwierigkeiten auftreten, seien an dieser Stelle auch einige dieser
und ihre Beseitigung besprochen,
Die Hauptschwierigkeiten, mit denen man anfangs zu kämpfen
hat, sind unsaubere Fläche und mangelnde Farbnebelabsaugung. Wie
tritt man dem entgegen? Zur Verhütung unsauberer Flächen achte
Man stets darauf, daß die Pistole vor dem Gebrauch gut gereinigt
ist, Um zeitraubendes Auseinandernehmen derselben zu verhindern,
legt man sie nach Gebrauch in Terpentin bzw. Benzin, je nach Ver-Wendung
 der vorangegangenen Lacke und läßt bei Wiedergebrauch
einige Tropfen des Verdünnungsmittels durch die Düse, Es kommt
Nämlich häufig vor, daß. im Farbkanal Farbe antrocknet und diese
durch den Druck beim Spritzen auf die zu spritzende Fläche ge-Schleudert
 wird. Oft nimmt man. an, daß diese Unreinheiten von
Staubteilchen herrühren, welches wohl seltener der Fall, obwohl
man bei empfindlichen Lacken, besonders bei Schwarz auch damit
ZU rechnen hat. Der größte Teil der Unreinheiten rührt von der
Farbe selbst her, Deshalb sollte man beim Spritzen von Gegenständen,
bei denen eine spiegelglatte Fläche verlangt wird, nur gut gemahlene
Lacke und Farben verwenden. Bevor man die Farbe in den Behälter
 der Spritzpistole bringt, muß man dieselbe gut filtrieren, was
Man am besten dadurch ereicht, daß man die Farbe durch Mullgaze
oder Watte laufen Jäßt. Man begehe dabei jedoch nicht den Fehler,
und quetsche dieselbe mit der Hand durch, wie das bei den meisten
Malern üblich ist, sondern lasse sie durch Eigengewicht durchlaufen.

5* 67
        <pb n="70" />
        T ne en anor r a rn an 8 Ta N A De an hanh
Di OICHLFOCKEHNECN LAC ı KOMME ‚5 Nauliıs ULy LA L1eS5€ NAaCi
8 f 7 N a f nr a si X a m a 7
dem Aufspritzen verlaufen. Es liegt daran, dab man selten Farben
Er 1. J ji En nn T Da nn WE KU HE AD A 3 aa fr
also: dit /usammensetzur der Lacke 1ıs meist etwas verschieden
da durch Zusatz von erdünnungsmitteln der Verdienst der jeweils
1eliernden Lacktabrık naturlıch durc! Anwendung solcher LIICK
ste1g1 AN€ 1a man äauberlıch ın der dunn- oder dickfIlussıgen
[V1as etwas merkt. Man scheue deshalb nıcht dıe /Muhe und unftern
 Dh A al afnrt- V/nra ln A} An de an © Zar
su I LC dd] C Re 2] 1€ LM T LLC W arc d1ı ACC] eINILACHNE, IUr ul A S€ co hs „CO Q -
nugende | Aıttel, wıe nachiolgend DESCHTNLEDEN,
MM {211 a na en L1 Da A
‘ [an Iul 1 eine VUlasrohre, ahnlıch wıe Le ADD, 1 ZE1IQT, LT
dem für die jeweilige Arbeıt 1ür gut beliundenen Lack, ann drücke
Hicae 54 nn en N Pe “ We Od Kl N
man auf dıe OÖllnung a den Zeiıgelmger, nehme eine Stoppuhr oder
AA
—— 4 =
a
7
am
“ 1.

68
        <pb n="71" />
        Taschenuhr mit Sekundenzeiger zur Hand, drücke die Stoppuhr zum
Lauf an oder beobachte den Sekundenzeiger bei der Taschenuhr
und gebe im geeigneten Augenblick die Öffnung a frei, zähle eine bestimmte
 Anzahl Tropfen unter gleichzeitiger Beobachtung der Zeit,
in welcher dieselben das Röhrchen verlassen haben, ab. Hat sich die
Zusammenstellung des Lackes geändert, so wird man z. B. anstatt
30 Tropfen in der Minute, 35 zählen, ein Zeichen, daß der Lack
dünner ist als gewünscht. Man kann den Lack aber auch mittels
eines Aräometers (Abb. 13) prüfen. Dieses Instrument arbeitet nach
dem Prinzip der Raumverdrängung und wird je nach Zusammensetzung
 des Lacks tiefer eintauchen oder höher stehen als gewünscht,
Die einmalige Ausprobierung des zu verwendenden Lackes ist bei
Anwendung beider Methoden Grundbedingung, Da das Gelingen
eines guten Anstriches von der Zusammensetzung des Lackes abhängt,
 versäume man auf keinen Fall die angeführten Prüfungen für
jede Lacksorte vorzunehmen,
Kommen ofentrockene Lacke‘ in Frage, so schenke man der
Trockendauer besondere Beobachtung, diese richtet sich nach
Konsistenz des Lackes und der aufgetragenen Schicht, Auch hier
stelle man für die ausprobierten Lacke die jeweilige Trockenzeitdauer
 für die verschiedenen zur Anwendung kommenden Farben fest
und lege sie schriftlich nieder, um dadurch systematisches Arbeiten
zu gewährleisten.
Da sich beim Zerstäuben von Lacken immer etwas Farbnebel
bilden wird; und dieser, um die damit beschäftigten Personen nicht
Zu gefährden, durch Exhaustoren abgesaugt wird, sei auch hier
einiges bemerkt, was diesem oder jenem Lackiermeister Dienste
leisten kann. Vorausgeschickt sei, daß es sich in nachfolgendem um
einige besondere Spritzvorschläge, wie man sie meistens anwenden
Wird und wie sie die Abb, 10 und 11 veranschaulichten, handelt,
Man bringe das Abzugsrohr des Lüfters so nahe als möglich an
die zu spritzende Fläche, jedoch auch nicht so nah, daß der Exhaustor
 die Farbe förmlich aus der Spritzdüse saugt, Erlaubt es das
Arbeitsstück, daß ein wagerechtes Spritzen möglich ist, so bringt man
Vorteilhaft den in Abb, 11 gezeigten Abzugstrichter in Anwendung,
da die Anbringung des Abzugsrohres rechtwinklich zur Spritzrichtung
 den eben erwähnten Nachteil des Farbsaugens aus der Pistole
Vollkommen ausschaltet. Ferner ist es angebracht bei derartigen
Arbeiten an der Arbeitsöffnung des Spritzverschlages ein sogenanntes
Stauwehr anzuordnen, wie die Abb. 14 veranschaulicht. Dadurch
Wird vermieden, daß der Lack seinem Einfallwinkel L folgen kann
_- sich bei einem etwas schwachen Exhaustor trotz Abzuges im
aum verbreitet. Er erleidet durch dieses Stauwehr, welches aus

69
        <pb n="72" />
        einem ganz einfachen Brett besteht, eine zweite Brechung, wie
Winkel B zeigt und wird direkt dem Abzug zugeführt. Wird man
sich entschließen, einen besonderen Raum zum Spritzen zu schaffen,
in dem die Spritzkabine steht, so achte man auf folgendes: Daß der
Spritzraum genügend groß gewählt wird im Verhältnis zum Exhaustor,
 da sonst eine gewisse Luftleere im Raum entstehen kann, die
infolge des um ihn herrschenden höheren Luftdrucks den Staub
durch alle nur denkbaren Fugen drückt. Hat man nur einen kleinen
Raum zur Verfügung, so muß man dem Exhaustor entsprechend viel
Frischluft zuführen. Bei Aufstellung eines Ofens im Spritzraum denke
man daran, die Feuerung außerhalb des Raumes zu legen und die
durch den Raum gehenden Heizrohre gut zu dichten. Hat man Arbeiten
 auszuführen, bei denen keine Absaugung möglich ist, z. B. bei
Yhziastrichter
pritzdüse
4 hogelenkter Wirkel 3}
5 KNavwehr
SEinfollwinkel
Abb. 14 nn '
. Oehborer Tisch
Stubenwänden-spritzen, so schützt man den Ausführenden durch einen
Respirator, wie ihn die Abb. 15 zeigt,
Da sich die Anwendung des Preßluftzerstäubers auch auf dickflüssige
 Lacke erstreckt, ist es wohl sehr gut verständlich, daß auch
Spachtelmassen mittels dieses Apparates aufgetragen werden. Hierbei
 macht sich der Vorteil bemerkbar, daß man einen großen Teil
der sonst so üblen Schleifarbeit spart, da sich durch das Auftragen
des Spachtels mittels Preßluftzerstäubers eine -fast glatte Fläche bildet,
 ohne irgendwelche Absätze, wie dies sonst so leicht beim Arbeiten
 mit dem Spachtelholz möglich ist, Die so gespachtelten
Flächen bieten ferner den Vorteil, daß sie schnell trocknen, da es
möglich ist, die Spachtelmasse ganz dünn aufzutragen. Bei Auftragen
von Spachtelmasse erweist es sich als notwendig, eine große Düsenöffnung
 zu verwenden,

70
        <pb n="73" />
        Es existieren nun zur Zeit für die verschiedenen Industriezweige
 die verschiedensten Apparatetypen, Darum dürfte es nicht
verfehlt sein, eine Reihe derselben im Bilde vorzuführen und gleichzeitig
 durch Hinweis auf deren Verwendungszweck manchen Leser
auf den in seinem Betriebe als vorteilhaft erscheinenden Apparat
aufmerksam zu machen.
In der Abb, 16 sehen wir einen Apparat, der in der Hauptsache
als Positivretusche verwendet wird, sowie auch bei Vergrößerungsarbeiten
 in der sogenannten Printenmalerei Anwendung findet, Häufig
 kommt es vor, daß man mit zweierlei Farben in kurzer Folge
2
Ab! “bb. 16
Abb. *
Abb. 18 Abb. 19
arbeitet; zu dem Zweck ist ein Apparat konstruiert, wie ihn die
Abb. 17 zeigt. Er ermöglicht es, zweierlei Farben ohne Farbbecher-Wechsel
 zu spritzen. Dort, wo ein Arbeiten mit mehr als zweierlei
Farben in kurzer Folge nötig ist, bietet der in Abb. 18 gezeigte
Apparat besondere Vorteile, da er es ermöglicht, die Farbtöpfe
Welche bequem verschließbar sind, leicht und schnell auszuwechseln,
 Er findet hauptsächlich in der Dekorationsmalerei Anwendung,
In der Abb. 19 sehen wir einen Apparat, der hauptsächlich. für
Schablonenarbeit in Frage kommt, Zum Beispiel beim Dekorieren
von Stoffbahnen, Geweben aller Art und zum Kolorieren von Postkarten.
 Der in Abb. 20 und 21 gezeigte Apparat ist mit und ohne
kontinuierlichen Farbzufluß zu verwenden, Ohne kontinuierlichen

7)
        <pb n="74" />
        Betrieb behält der Apparat den Farbbecher, während beim kontinuierlichen
 Betrieb statt des Farbbechers ein Kniestück an dessen
Stelle tritt, welches mit Hahn und Schlauchnippel versehen ist. Die
Farbe wird also aus einem anderen großen Behälter der Pistole zugeführt,
 Diese Art Farbzuführung bietet den Vorteil, daß man ununterbrochen
 spritzen kann, ohne die unangenehme Unterbrechung
der Farbnachfüllung vorzunehmen, Jedoch kann man davon nur
Gebrauch machen, sofern man: größere Flächen zu bespritzen hat
oder Massenartikel in Frage kommen, Genannte Type eignet sich
fast für alle Ölfarben und Lacke sowie Spachtelmasse, erfordert
Abb. 20 Abb. 21
nur eine dem zu verarbeitenden Material entsprechende Düse, Zum
Verspritzen von Zementbrei und ähnlichen Materialien eignet sich
besonders der in Abb. 22 gezeigte Apparat, Er weist ganz besonders
 große Düsenöffnungen auf und zwar von 6—12 mm normalerweise,
 Ein nach dem Saugsystem arbeitender Apparat ist der in
Abb. 22a gezeigte. Mit ihm können natürlich nur ganz leichtflüssige
 Farben verarbeitet werden, man wendet ihn in der Hauptsache
 in der künstlichen Botanik (Gräser, Blumen, Blätter) an, da
er es ermöglicht, die von der Natur erzeugten prächtigen Farbentöne
 getreu nachzuahmen, Farben, die sich leicht setzen und oftmaliges
 Umrühren erfordern, werden vorteilhaft mit dem in Abb. 23
gezeigten Apparat verarbeitet; da der Farbtopf offen ist, kann man
79
        <pb n="75" />
        die sich setzende Farbe leicht umrühren, Bei Bearbeitung großer
Flächen wird der in Abb. 24 gezeigte Drillingsstrahl mit Erfolg angewendet,
 — Auf Wochenmärkten sowie in allen Tonwarengeschäf-Abb.
 22a Abb, 23
4
+59 Abb, 24 Abb; 25
N
“
ten sieht man häufig Töpfe, welche mit Sprenkelungen versehen sind,
Das Geheimnis dieser verschiedensten Sprenkelungen ist der in
Abb. 25 gezeigte Apparat. Je nach Größe der gewünschten Sprenkelungen
 reguliert man den Luftdruck,

73
        <pb n="76" />
        Die bisher gezeigten Apparate eignen sich für Handbetrieb und
lassen sich durch spezielle Einrichtungen, auf denen gespritzt wird,
bis aufs äußerste ausnützen. Da es aber auch Arbeiten gibt, bei
denen sich infolge der größeren Leistung ein Automat bezahlt macht,
ist man dazu übergegangen, auch diese zu bauen. Einige davon seien
auch hier angeführt, um allen Lesern einen Blick in das schon hoch
entwickelte Lackierverfahren zu gewähren. Die Abb, 26 führt uns
einen. Automaten vor Augen, der Gegenstände wie Kapseln von
Abb. 26
aa .
FE Zn u
Bet

74
        <pb n="77" />
        Weinflaschen in großen Mengen selbsttätig anstreicht. Die Arbeitsweise
 ist folgende: Die Kapseln werden auf feststehende Aufsteckdorne
 gesetzt. Durch eine revolverartig arbeitende Scheibe werden
diese der Arbeitsstelle zugeführt, wo sie in drehende Bewegung gesetzt
 werden und von der Düse in einem einzigen Arbeitsvorgang
angestrichen werden.
Abb. 28
Der Spritzapparat wird während des Arbeitsvorgangs durch die
Exzenterscheibe gesteuert und geregelt, so daß Luflt- und Farbenventil
 nur in Tätigkeit sind, solange der Gegenstand bestrichen werden
 soll. Das Aufstecken auf die Dorne erfolgt von Hand, während
das Abnehmen ebenfalls selbsttätig besorgt wird, Abb. 27 zeigt
einen Handautomaten, wie er zum Innenanspritzen von Hohlkörpern
Verwandt wird. Durch ein seitliches Gewicht wird der Apparat immer
 in der Höchstlage gehalten. Durch zwei Handgriffe senkt man
den Apparat entsprechend tief nach unten, Dabei lösen sich Luftund
 Farbventil zum geeigneten Zeitpunkt aus und schließen sich
Wieder, sobald der Arbeitsvorgang beendet ist. Abb, 28 ver-75
        <pb n="78" />
        anschaulicht einen Handautomat mit doppeltem Farbbecher, Dieser
kommt bei Gegenständen in Anwendung, die untergriffige Stellen
aufweisen oder so geformt sind, daß mit einem Handspritzapparat
ein gleichmäßiger Anstrich des Gegenstandes nicht gut möglich ist,
wie z. B, bei Stauferbüchsen. Die Apparate werden für Auf- und
Niederbewegung in einem Schlitten geführt, Man kann aber auch
den unteren Apparat feststehend anordnen, so daß Luft- und Farb-Abb.
 29
ventil nur ausgelöst werden, wenn der obere Apparat in Tiefstellung
gebracht ist, Wie weit sich Farb- und Luftventil zu öffnen haben,
wird selbsttätig durch Heben und Senken des Handhebels geregelt.
Um einen Dauerzufluß für die Farbe zu haben, kann die Farbe mit
einem Schlauch aus einem Bottich der Spritzpistole zugeführt werden,
 — Will man endlose Stoffbahnen gleichmäßig oder in bestimmten
 Mustern bespritzen, so kommt ein Apparat zur Anwendung, wie
ihn die Abb, 29 zeigt. Die jeweilige Musterung kommt durch
zwangsläufige Steuerung der Spritzpistole zustande, Zur automatischen
 Lackierung von Holztafeln, Platten, Fließen ist ein Apparat
konstruiert worden, den wir in Abb. 30 sehen. Mittels dieses ist
eine Verwirklichung des Arbeitens mit Transportband möglich. Da
der eigentliche Lackierautomat mit einem endlosen Band versehen

76
        <pb n="79" />
        ist, bedarf es also nur noch eines Weiter hehe TCN welches
zum Trockenofen und noch durch diesen führt, oder aber‘ zweier
Bedienungsleute, von denen der eine den EB en der
zweite diesen weiterleitet zur Trockenstelle, Die Farbenzuführung
muß natürlich, um die Maschine voll ausnützen zu "könhen, \ Cine
kontinuierliche sein. Welche-enorme Leistung der Appärat” bei
rationeller Ausnützung der Fabrikation bietet, geht wohl aus dem
System, nach welchem dieser gebaut ist, hervor.
Abb. 30
Da die bisherigen Ausführungen sich hauptsächlich mit der
Fabrikation kleiner Gegenstände beschäftigten, soll es nicht uner-Wwähnt
 bleiben, daß man auch in Maschinenfabriken, die sich mit der
Herstellung reichlich dimensionierter Maschinen und Apparate abgeben,
 das beschriebene Verfahren mit Erfolg angewandt hat, Der
Unterschied in der Bearbeitung mit dem Spritzapparat liegt nur in
der Anwendung größerer Düsen und je nach Art und ‘Beschaffenheit
 des Gegenstandes in der Farbnebelabsaugevorrichtung, die aber
bei weitem nicht so schwierig ist, wie man sie sich vorstellt, Ein
größeres Rohr, dessen mittlerer Durchmesser dem jeweils größten
zu fertigenden Gegenstand entspricht und zu 1% im Erdboden ver-Senkt
 eingebaut ist, genügt vollkommen als Spritzkabine, die einen
Senügenden Farbnebelabzug gewährleistet. — Da der Streukegel
einer großen Düse auch ein sehr großer ist, so bestand bisher der
Übelstand, daß, sobald man am Ende einer Fläche anlangte, ein Farb-77
        <pb n="80" />
        verlust zu beklagen war. Infolge der regelbaren Düse war es allerdings
 möglich, diesen auf ein Minimum herabzudrücken, dennoch
hat man sich veranlaßt gesehen, diesem Übelstand durch Konstruktionsänderung
 abzuhelfen, Man hat (Abb. 6) die Nadel mit einer
Bohrung a versehen, welche gleichzeitig als Luftkanal dient. Mit
Hilfe dieser ist man imstande, den Streuungskegel im Brennpunkt
abzulenken und ihn in einem graden Strahl weiterzuführen. Somit
ist also eine ziemliche Begrenzungsmöglichkeit geschaffen. Noch grö-Bere
 Vorteile bieten für enorme Flächen die neuerdings gebauten
Apparate mit kombinierter Flach- und Rundstrahldüse: die letzten
Errungenschaften der Neuzeit,
Da heute jeder Fabrizierende im Interesse der deutschen Wirtschaft
 größten Wert auf rationelle Fertigung legen muß, dürfte wohl
gerade dieses in der Abhandlung beschriebene Verfahren eine nicht
unwesentliche Rolle spielen, Die Apparate sind ihrer Billigkeit
wegen fast für jeden zugänglich und die Unterhaltungskosten sind
geringer als die einer Malerwerkstatt. Ferner ist durch eine jetzt in
Frage kommende Maschinenarbeit im Malergewerbe die Möglichkeit
 geboten, mit ruhigem Gewissen eine zuverlässige Kalkulation
abzugeben, da man auch hier, wie bei jeder Maschine, die Arbeitsleistung
 einer Spritzpistole rechnerisch ermitteln kann. Aber damit
nicht genug, Auch der Farbverbrauch sowie Farbverlust läßt sich
einwandfrei ermitteln. Wie und wodurch das möglich ist, darüber
sei in einer Sonderabhandlung, die durch Beispiele einen Einblick
in die gesamte moderne Vorkalkulation gibt, näher berichtet. Anschließend
 daran sollen auch die zur Anlage gehörenden Unkosten
vor Augen geführt werden, um dadurch alle bisher bestehenden
Zweifel gegen dieses Verfahren zu beseitigen,
Fortsetzung über wirtschaftliche Ausnützung der Spritzapparate
sowie Anlage-Unkosten {folst,

78
        <pb n="81" />
        Wirtschaftliche Ausnutzung und Werkstattunkosten
beim Spritzlackierverfahren
Von R. Klose, Ingenieur, Heilbronn
Nachdem im Aufsatz „Allgemeines über Spritzlackierverfahren”
näher auf die einzelnen Apparattypen eingegangen worden ist, und
in großen Zügen Anwendungsmöglichkeiten dieses Verfahrens beschrieben
 worden sind, sei nachfolgend Bericht erstattet über die
auf diesem Gebiet gemachten Erfahrungen in bezug auf wirtschaftliche
 Ausnützung, sowie der entstehenden Unkosten einer solchen
Anlage, Jedes Unternehmen ist bestrebt, wirtschaftlich zu arbeiten,
damit ist jedoch nicht gesagt, daß auch diese eine Sache wirtschaftlich
 ausnützen. Mit dem Moment der Neuanschaffung von modernen
Arbeitsmaschinen usw., gestalte ich meinen Betrieb wohl wirtschaftlich,
 da ich gegenüber den früheren Maschinen andere Leistungen
erziele, aber nun diese neuen Maschinen oder Einrichtungen auch
Wirklich wirtschaftlich auszunützen ist eine zweite schwierigere Auf-Babe,
 deren Lösung eine Vertiefung in das jeweilige Gebiet unbedingt
 erfordert. Man sollte hier keine Mühe scheuen, alle Tiefen
Testlos zu ergründen; dafür aufgewandte Zeit macht sich immer
Wieder bezahlt. — Wie überall ist auch hier eine Kalkulation der
beste Wegweiser zur Wirtschaftlichkeit, Bei Aufstellung der Kalkulation
 muß man sich über die günstigsten Arbeitsvorgänge an dem
betr, Stück klar sein. Nach schriftlicher Festlegung derselben geht
man dazu über, Zeitstudien vorzunehmen, Dieser Weg wird zum
Srößten Teil in kleinen und mittleren Betrieben noch gescheut. Weshalb
 wohl eigentlich? Man sieht gewissermaßen diese Arbeit als
Sroßen Unkostenfaktor an. Aber all diejenigen, die dieser Meinung
Sind, haben noch nicht genügend Einblick in das Wesen der Zeit-Studie
 gewonnen, Durch sie wird es erst möglich, Rationalisierungen
Vorzunehmen. — Bisher hatte man im Malergewerbe nur mit Handarbeitszeiten
 zu tun. Die Erfindung der Luftmalgeräte und deren
Sünstige Umgestaltung für das Gewerbe haben jetzt inmitten der
nen Handzeiten eine Maschinenzeit auftreten lassen. Schon
Va ergibt sich zugunsten des Spritzverfahrens eine wirtschaftliche
erbesserung: denn eine Maschine liefert bei guter Wartung eine

79
        <pb n="82" />
        an Qualität gleichbleibende Arbeit, dieser Umstand versetzt mich in
die Lage, auch auf eine konstante Leistung rechnen zu können. Olft
wird man bei Handarbeiten (anstreichen), die im Akkord vergeben
werden, und dessen Akkordsatz evtl. eine Kürzung aus irgend welchen
 Gründen erfahren hat, mit einer gewissen Qualitätsverminderung
 rechnen müssen. Eine Qualitätsverminderung beim Anstrich
mit der Spritzpistole kann nur durch Änderung des zu verspritzenden
 Materials in Frage kommen, dieses Übel gibt mir also gleich Aufschluß
 über gelieferte Lackqualität oder sofern man die Lacke selbst
zubereitet, über falsche Zusammenstellung derselben,
‚Welche Faktoren tragen nun dazu bei, um bei Arbeiten mit der
Spritzpistole den höchsten Grad der Wirtschaftlichkeit zu erreichen?
Zunächst spielt die Öffnung und Beschaffenheit der zur Verwendung
kommenden Düse eine wesentliche Rolle, da diese gewissermaßen
die Lackfördermenge vorschreibt, Weiterhin kommt der Preßluftdruck
 als wichtigster Faktor in Frage, Folgerichtig müßte größter
Druck und größte Düsenöffnung auch der größten Leistung entsprechen.
 Jedoch ist man auch hier wie bei jeder anderen Maschine
an bestimmte Grenzen gebunden, Gerade so wie mir bei allzu großer
Schnittgeschwindigkeit die arbeitende Schneide des Stahls verbrennt,
würde mir bei zu hohem Druck der Lack auch zu feinstem Nebel
zerstäubt, die Streuung zu groß und die Deckkraft zu gering sein,
Außerdem würde eine große Düsenöffnung einen größeren unhandlichen
 Apparat erfordern und wäre dieser infolge des kolossalen
Streukegels nicht genügend ausgenützt, sei es denn, daß ungewöhnlich
 große Flächen mit einemmal zu bearbeiten wären. In solchen
Fällen würde man eine sogenannte Flachstrahldüse in Anwendung
bringen, deren Bauart es ermöglicht, mit geringem Druck große
Streuung zu erzielen, Diese Düsen sind in letzter Zeit mit großem
Erfolg angewandt worden. — Gewisse Leistungserhöhungen lassen sich
außerdem dadurch erzielen, daß man das Farbgefäß auch unter
Druck setzt und so den Lack der Zerstäuberdüse zuführt,
Dem Aufbau einer Vorkalkulation müssen folgende einwandfrei
festgestellten Werte zugrunde liegen,
1, Farbenprüfung auf Konsistenz. (Einmalige Zusammenstellung
der Farbe als grundlegend.)
2, Luftpressung beim Spritzen in at. (Gleichhalten durch Regulierventil.)

3. Düsenöffnung der Pistole,
4. Fördermenge in mm? in */,.„ Min. oder in 1 Min,, aus 1 und 3
ermittelt,
5, Farbverlust je mm? bzw. m? gespritzter Fläche in v.H, (so unbedeutend,
 daß dieser Punkt wohl in Fortfall kommen kann).

80
        <pb n="83" />
        6. Gespritzte Fläche in mm? bzw. m? in */.„ Min, bzw. 1 Min,
7, Ermittlung der Nebenzeiten, die unmittelbar. zur Arbeit des
Spritzens gehören, ausgedrückt in v.H. (Pistolen- und Apparatereinigen
 usw.)
8, Zu der Arbeit gehörende Handarbeitszeiten (in kleinste Griffelemente
 unterteilt).
Welchen Einfluß der zur Verwendung kommende Preßluftdruck
auf die Fertigungszeit bei den verschiedensten Düsenöffnungen aus-7
 . A bi fi
x Shi delle \ de Adi N HEN
050 070 080 090 00 wo RO WO MO 00 0 DO
Abb. 31
übt, zeigt uns die Abb. 31. Wir ersehen daraus, daß z, B. das
Spritzen einer gewissen Fläche bei einer Düsenöffnung von 1,2 und
Sinem. Druck von 2 Atm. — 1,52 Min, dauert, während bei gleicher
Düsenöffnung aber bei einem Druck von 3,5 Atm, dieselbe Fläche
5 0,965 Min. bespritzt wird, mithin eine Arbeitszeitersparnis von
%.
Die zur Verwendung kommende Preßluft soll etwa eine Pressung
von 1—3 Atm. betragen und reguliert man diese am besten nach der
Anwendung kommenden Lackkonsistenz. Da sich infolge der
ackkonsistenz, die sich nach dem jeweils zu bearbeitenden Gegen-5

 81
        <pb n="84" />
        stand richtet, eine allgemeine Norm für die zur Deckung einer bestimmten
 Fläche nötige Zeit nicht aufstellen läßt, stellt man sich für
den speziellen Fall Kurven auf, wie sie die Abb. 32 zeigt. Durch
jene ist es am sichersten möglich, den Farbzersteuber wirtschaftlich
auszunützen, Um die angeführten Kurven zu erhalten, geht man
folgendermaßen vor:
Man bespritzt eine beliebige Fläche, am besten einen halben
Quadratmeter oder einen ganzen Quadratmeter mit dem zur Verar-Avufgestellt
 für 3 Atm.
ZU. AN
Ds 7
A
4 . wo
x „3
L ei
au 7
607 er?
vr A X
0 | - V #5
GO4C 2 Gt
30167 5
20 ö 59 42
(0 6 N
CE
Gm G2O4 96.98 10 20 KM
DPD 12 34353 678EGM LEDER
Abb. 32
beitung in Frage kommenden Lack bis zur gewünschten Deckstärke
und stoppt mit einer möglichst in 1.00 Min. geteilten Stoppuhr die
Zeit, die dazu aufgewandt wird, ab. Übertrage die gefundene Zeit
auf den zur Anfertigung der Kurve aufgestellten Bogen möglichst auf
Millimeter-Papier.
Auf der linken Skala übertragen wir uns die Spritzdauer in Minuten,
 Auf der Grundlinie derselben die in Frage kommende Quadratmeterzahl,
 Die ausgezogenen Strahlen ergeben dann, in den
Schnittpunkten der Koordinaten, die gesuchten Werte für die jewei-Q7)
        <pb n="85" />
        lige Düsenöffnung, Die rechte Skala gibt uns den Farbenverbrauch
an, welchen man wie folgt ermittelt:
Man wiegt die Pistole mitsamt dem Lackbehälter ab, bevor man
eine bestimmte Fläche (1 qm) bespritzt und stellt nach dem Spritzen
die Differenz fest, hat ‚somit den Gesamtverbrauch an Lack inkl.
Lackverlust, welcher kaum ins Gewicht fallen dürfte. Auf der Tabelle
 befindet sich linksseitig noch eine zweite Skala, welche sich
auf den Luftverbrauch der verschiedenen Düsenöffnungen bezieht,
Durch diese ist es möglich, die Düsenstundenkosten schnell
zu überschlagen, Die aufgestellten Kurven gelten jedoch nur für
eine bestimmte Atm,-Höhe beim Spritzen und sind jeweils bei verschiedenen
 Drücken gleiche Kurven wie angegeben aufzustellen. Bei
Verzweigter Fabrikation ist es ferner angebracht, sich für die Lackiererei
 Normzeiten aufzuzeichnen, die nach Abb, Nr. 33 (s. S.84) zu
unterteilen wären, Das Schema stellt die Unterteilung der Lackieterei
 dar in voll- und halbautomatische, In diesen beiden Abteilungen
unterteilt man die Normalzeit in:
a) Glatte ebene Flächen,
b) Zeiten für Flächen mit besonderen Erhöhungen usw.,
c) Zeit für Grundieren,
d) Zeit für Spachteln,
e) Zeit für Schleifen von Hand (Durchschnittzeiten ermittelt
durch Zeitstudien),
f) Zeit für Schleifen mit Maschine (Biax Rutscher),
g) Zeit für Grundieren (Voranstrich),
h) Zeit für Lackieren (Fertiganstrich).
Für die Normzeit ist die jeweilige Lackkonsistenz zu berücksichtigen.
 Wir kämen nun zur Ermittlung der Akkordzeit, welche nach
“Ngeführtem Schema Abb. Nr. 34 (s, S. 85) zu zerlegen wäre. Die Ge-S$amizeit
 jeder Fertigung unterteilt sich in:
a) Einrichtezeit,
b) Stückzeit.
Die Einrichtezeit unterteilt sich in:
eigentliche Einrichtezeit und Verlustzeit,
Die Stückzeit unterteilt sich in:
Hauptzeit (Maschinenzeit plus Nebenzeit),
Nebenzeit (Griffzeit),
Verlustzeit (abhängig von den jeweiligen Betriebsverhältnissen).


823
        <pb n="86" />
        x
(Lackiererei
“_ Halbautomat. Vollautomat.
Handspritzapparat-: | Lackierautomatz
Normzeitfür

" Glatte ebene 'Flächenm.bes.Erhöh
En Flächen. UngenN.(Niete, Augenek)
+
Sm] | Spocieln ©) Tr |
| ‚Hand Voranstrich, | | iganstrich)
Mi
(e in) ( #%)
Konsttenz| Biax-Rut- Konsis
scher .
Abb. 33
Die Einzelzeiten der Fertigung setzen sich wie folgt zusammen:
Maschinenzeit = Zeit, während welcher der Handspritz- oder
Vollautomat die Arbeit verrichtet.
Handzeit = während welcher der Arbeiter die Arbeit verrichtet,

Hauptzeit tt, = zu spritzende Fläche x Arbeitszeit für 1m?—=F.S,
(Zu errechnen aus festgelegten Normen der für
die verschiedenen Lacke in Frage kommenden
Düsenöffnung, Konsistenz und Lackart,)

84
        <pb n="87" />
        Aufteilung der Akkordzeif. tag
Schema fürdie von der Yorkalku- | bei denen die Akkordbasıs den
lalion zu berechnendenZeiten, Stundenverdienst darstellt:
“+ Gesamtzeit
 der
\Ferbigun
(Einneh (Stück
x zeit. zeit.
En = Pe
EFigentliche Verlust- Hauptzeit | \NWebenzeit || Verlust-Einrichtezeit
 zeit Masch. Griffe zeit
Spritzdaver)
‚d Zeiten,die von der Vorkalku- OÖ Zeiten, die Zuschläge
©. Jation genau zu berechnen (lag enthalten.
Sind, n ;
% stg
Ge &amp;amp;, h9 7,
N N “SS N»
Maschr Hand- %
zit zeit SO OS SQ
Masch.- Hand. Masch- Hand-|
 dei. zeit. zeit. zeit,
Abb. 34
Nebenzeit = alle Griffzeiten an dem zu spritzenden Stück,
Eigentliche Stück- Arbeitszeit für das Spritzen der Flächen und
zeit 11 = für dazu gehörige Griffzeiten,
Stückzeit tw Arbeitszeit für das Spritzen der Flächen und
die dazu erforderlichen Griffzeiten plus der Zeit
für sachliche und persönliche Verluste, ausgedrückt
 in vH.

Q5
        <pb n="88" />
        Verlustzeit t, = Zeit für nicht vorauszubestimmende Vorgänge;
ihr Umfang hängt ab von den jeweiligen Betriebsverhältnissen.

Eigentliche Ein-|__ Vorarbeiten zur Inbetriebnahme der Anlage
richtezeit t°c ) (ausschließlich Verlustzeit).
Einrichtezeit t; = Arbeiten zur Vorbereitung des Arbeitsplatzes
und zur Inbetriebnahme der Anlage (einschl.
Verlustzeit).
Welche Zeiten nimmt man nun unter die Verlustzeit t,? Sofern
es sich nicht um eine außergewöhnliche Anlage handelt, wären die
Verlustzeiten in der Spritzerei etwa immer die gleichen und würden
sich in folgende Verrichtungen unterteilen:
1, Spritzkabine vor Beginn der Arbeit abblasen und
reinigen 8 Min.
2, Spritzpistole reinigen und zusammensetzen 10 Min.
3, Lackbehälter und Gefäße säubern 10 Min.
4. Drehscheibe reinigen 5 Min,
5, Filtriersiebe auswaschen 8 Min,
Summa 41 Min,
Somit ergibt sich bei achtstündiger Arbeitszeit — 480 Minuten.
Geleistete Arbeitszeit — 480 Min,
Zeitverlust 41 0
439 Min,
Mithin Zuschlag für Zeitverlust
 auf reine Arbeitszeit =41 Min. = 9 vH. der reinen Arbeitszeit.
Nach dem angeführten Schema ergibt sich für den Gesamtauftrag:

= (to + 1,) + (tp + t4 + 1,) X Stückzahl
t. = (+ 1,.1) &amp;gt; Stückzahl.
Hierfür ein Beispiel:
Es sind 25 Eisenblechschilder 400X600 mm auf einer Seite zu
lackieren und im Ofen zu trocknen.
Düsenöffnung = 1,2
Druck... = 3 at.
Genau errechnete Einrichtezeit t,, = 8 Min.
Hauptzeit nen a GR Ale O0
Nebenzeit SUN
Verlustzeitt AS UM LO IT

86
        <pb n="89" />
        somit ist: De = 8,00 Min.
Erna N 9
Einrichtezeit | 590} 8 0,72 m
= 8,72 Min.
KAG = 932 Min.
Stückzeit 73 1"
55 Min:
100” 2,55 = 0,23 Min.
Hafır oe elle er .=='2,78 Min.
Gesamtzeit der Fertigung — t,, X Stückzahl = 69,50 Min.
Einrichtezeit ..... HM On ;
Die Einrichtezeit muß für jede Serie gesondert errechnet werden,
 da es sich bei kleinen Serien meist um einen Farbenwechsel
handeln wird, der mehr oder weniger Umstellzeit erfordert.
In dem eben angeführten Beispiel würde es sich um eine Serienanfertigung
 handeln, bei der eine so restlose Ausnutzung der Anlage
wie bei einer Massenanfertigung nicht möglich ist.
Die im vorstehenden angeführte Ermittlung der Arbeitszeit nach
Düsenöffnung, Flächenleistung läßt sich auch noch auf andere Weise
lösen und wird letztere jedenfalls gerade für die Einzelfertigung und
Verzweigte Fabrikation mehr und mehr in Anwendung kommen, sobald
 durch die Herstellerfirmen die dazu nötigen Leistungsangaben zu
jeder Pistole und Düsenöffnung, bezogen auf eine Flüssigkeitseinheit
(z.B. Wasser), angegeben werden können, welche man bisher noch
Selbst ermitteln muß, Diese Berechnung baut sich auf die Düsenleistungsgeschwindigkeit
 auf, welche sich nach dem Arbeitsstreukegel
der Düse richtet. Da sich der Farbstrahl der verschiedenen Düsen
auch verschieden auswirkt, sei an dieser Stelle kurz über die Strahl-Wirkungen
 berichtet.
Strahlwirkung
Es ist möglich, mit dem Farbzerstäuber folgende Strahlarten zu
erzielen:
1. Ringstrahl Abb. 35
2. Spitzstrahl „36
Abb. 35
Abb. 36

87
        <pb n="90" />
        3. Flachstrahl Abb. 37
4. Drehstrahl Abb. 38
Abb. 37 Abb. 38
Strahlart Bild 35 wird gegenüber den anderen Strahlarten erreicht,
wenn man das Änstreichmittel unter Druck setzt und es so der Düse
ohne weitere Luftzufuhr direkt zuleitet. Diese Strahlart ist jedoch
nur bei dünnflüssigem Material möglich. Der Spitzstrahl entspricht
der Form eines Haarpinsels, mit welchem Schablonier-, Absatz- oder
Anstreicharbeiten ausgeführt werden, während der Flachstrahl den
gleichen Zweck des Pinsels erfüllt, der als Flachstreicher bekannt ist.
Der Drehstrahl, welcher nur mit besonders dafür konstruierten Düsenköpfen.
 erreichbar ist, ahmt die Arbeitsweise eines sogenannten
Flachrundstreichers oder Faustpinsels nach. Wir wollen uns im
nachstehenden vorerst mit dem Spitzstrahl beschäftigen und die
weiteren Strahlarten in späteren Aufsätzen kritisch betrachten.
Einteilung des Farbstrahles (siehe Abb, 39 Seite 89)
Der aus der Pistole austretende Strahl muß, um bei der Kalkulation
 richtig ausgewertet werden zu können, in sich unterteilt werden.
 Diese Unterteilung wird man zweckmäßig wie folgt vornehmen:
a) Eigentlicher Streukegel,
b) Arbeitsstreukegel,
c) Arbeitskegel,
d) Nutzkegel,
Eigentlicher Streukegel: (f) Darunter versteht man den Düsenwinkelkegel,
 also den Bohrungswinkel der Düse. Der zugeführte
Druck und die Flüssigkeitskonsistenz geben seine Grenze, welche im
feinsten Nebel zu suchen ist und dessen Deckkraft gleich Null ist, da
die an seinem Ende beobachtete Farbe kaum sichtbar und nur durch
einen feinen Luftzug fühl- oder meßbar ist.
Arbeitsstreukegel; (e) Der Arbeitsstreukegel ist derjenige Kegel,
welcher uns in der Kalkulation mit am meisten interessiert, da wir
nach ihm die Arbeitsentfernung der Pistole feststellen, und der uns
für den Farbverlust ausschlaggebend ist. Wie Abb. 39 zeigt, entwik-8
        <pb n="91" />
        kelt sich dieser aus dem Arbeitskegel und weist ‚einen feinen gleichmäßigen
 Übergang auf, so daß der Farbverlust als solcher prozentual
zum Nutzkegel äußerst gering ist. Die Streufläche erscheint wohl
groß, ist aber, da die Deckkraft, d.h. also die durch die Pistole zerstäubte
 aufgetragene Farbe, hier nur noch als Nebel zutage tritt,
gleich Null,
Mm Wlemagra m Pfr
100, '
m
9080
0)
ga60|
B g00
S 2040|
9001.
gm
00.
u AL EAAAN Be
A ci. 6000 HH NE an 39
Luftzuführ ganz auf Luftzufuühr
- teils gedrosselt
© Farb&amp;gt;
Düsenkopf n
nn ©):
= AR
_ 'Yerluststreuung
= Nutzkegel = *
= Arbeitskegel &amp;gt;
K Arbei Farbhauch kaum sichtbar
/beitsstreukerd n nicht als Verlust anzusehen
= Eigentlicher Streukegel
_ Arbeitskegel: (d) Für die Wirtschaftlichkeit des Farbzerstäubers
'st dieser Kegel ausschlaggebend, da sich nach diesem die Arbeits-Seschwindigkeit
 der Düse bestimmt, analog werde ich mit zunehmendem
 Durchmesser auch höhere Düsengeschwindigkeit erreichen, Bei
Sleichbleibender Arbeitsflächengröße bietet mir die größte Düse auch
die größten Vorteile, jedoch bei wechselnder Arbeitsflächengröße
Con hier auch noch die Regulierbarkeit des Kegels eine wesentliche
Won ist diese zu gering, so habe ich einen großen Farbverlust zu
plagen, Außerdem nimmt mit abnehmendem Arbeitskegel, also bei
.uftdrosselung, die Arbeitsgeschwindigkeit gleichfalls ab; und zwar
TE Stärkerem Maße als dies bei einer kleineren Düse bei normaler
uftzufuhröffnung der Fall ist. Bei Drosselung der Luftzufuhr kann

89
        <pb n="92" />
        ich also den Arbeitskegel bei noch guter Düsengeschwindigkeit, wie
Abb. 39 zeigt, von c auf a verkleinern. Dann wird
Zar Arbeitsstreukegel]
»  Arbeitskegel {SS gedrosselten Strahles,
a = Nutzkegel
Die angedeutete Düsengeschwindigkeit richtet sich natürlich auch
nach der Konsistenz der zu verarbeitenden Lacke. Eine weitere Verkleinerung
 des Arbeitskegels, die bei jeder Pistole möglich ist, ist,
wenn nicht unbedingt erforderlich, unwirtschaftlich, da dadurch die
Düsengeschwindigkeit stark beeinflußt wird.
Nutzkegel: Dieser Kegel besitzt die größte Deckkraft und somit
auch die größte Düsengeschwindigkeit. In diesem Kegel würde also
der Zerstäuber am wirtschaftlichsten arbeiten. Warum kann nun
der letztgenannte für die Bearbeitung nicht in Frage kommen? Abbildung
 39 gibt uns. eine Erklärung dafür, Wir haben hinter
der Düse eine durch Reibungsverluste geringere Luftpressung, als
wir sie derselben zugeführt haben; öffnen wir den Abzugshahn,
lassen wir also die Luft frei aus der Düse strahlen, so hebt sich der
Druck nicht mit einemmal auf, sondern verläuft in ähnlicher Weise,
wie ihn die Kurve zeigt. Diese Kurve stellt gleichzeitig die Zentralgeschwindigkeit
 dar, Der aus der Düse zugleich mit der Farbe austretende
 Luftstrahl würde also, wenn man das Arbeitsstück in der
Nutzkegelentfernung aufsteilt, insofern nachteilig auf die Arbeitsfläche
 wirken, als die Farbe dem austretenden Luftstrahl nicht genügend
 Widerstand bieten kann und dieser die Farbe nach allen
Richtungen verdrängt. Man bekommt eine Fläche, welche einer
vom Winde gekräuselten Wasserfläche gleicht (Abb. 40). Die Verteilung
 der Farbe auf der Fläche selbst zeigen uns die Abb, 39
und 40, in welchen die Farbe stark übertrieben aufgetragen ist. In
Wirklichkeit läßt sich mit dem Zerstäuber die Farbe viel dünner auftragen,
 als dies mit dem Pinsel der Fall ist. Daher ist auch erklärlich,
 daß der Farbverbrauch geringer ist als bei der Pinselarbeit,
@ /
N En
x Abb, 40
KA

90
        <pb n="93" />
        Nach den soeben angeführten Unterteilungen des Strahles ist ein
klares Bild gegeben, auf welche Punkte man den Düsenstrahl zu untersuchen
 hat, um sich für dessen wirtschaftliche Ausnützungen Leistungsdiagramme
 aufstellen zu können. Es sei darauf aufmerksam gemacht,
daß das beigefügte Diagramm sich auf praktische Messungen aufbaut,
 die also jedermann vornehmen kann. Der Normausschuß der
deutschen Industrie wird sich auch mit den Normungsarbeiten der
Spritzapparate in nächster Zeit befassen. Letztere werden es ermöglichen,
 dann von den Herstellerfirmen die mitgelieferten Lei-Stungsdiagramme
 zur Pistole für die Kalkulation sofort ohne besondere
 Versuche verwenden zu können. Bis zur Klärung dieser Angelegenheit
 und der schon jetzt im Betrieb befindlichen Apparate
kann man sich auf angegebene Weise schon gut behelfen. Da in
einem Betrieb kaum mehr als 3 Düsen zur Anwendung kommen,
dürfte nachstehendes Diagramm, Abb. 41, welchem alle logarithmischen
 Liniennetze oder Winkelfunktion, um für jedermann zugänglich
 zu sein, ausgeschaltet sind, genügend Übersicht bieten. Da man
beim Regulieren des Farbkegels mit den zur Zeit im Betrieb befindlichen
 Apparaten noch mit großem Druckabfall, denn auf weiter
keinem Prinzip beruht diese Regelung, zu rechnen hat, sei vorerst
damit noch nicht operiert, sondern nur mit der Normal-DüsenöÖffnungsgeschwindigkeit
 gerechnet. Die neuerdings im Handel befindlichen
 Flach-Rundstrahldüsen haben hier zwischen dem plötzlichen
 Wechsel bei großen und kleinen Arbeitsflächen durch ihre
Momentane Umstellung einen guten Ausgleich geschaffen. Mittels
dieser Düse, welche sich an jedem alten Apparat anbringen läßt, ist
es möglich, mit gleicher Düsenöffnung den Farbstrahl von 40 auf
200—300 mm durch einfaches Drehen der Düsen zu verbreitern, wodurch
 eine erhebliche Mehrleistung mit gleichem Apparat erzielt
wird, Zur Erläuterung des Diagramms sei folgendes bemerkt:
Die Strahlen stellen den eigentlichen Streukegel dar, Abb. 41 (s.
5.92) (Düsenbohrungswinkel). Auf der Grundlinie sind die durch Ver-Suche
 festgestellten Arbeitsentfernungen des Arbeitsstreukegels auf-Setragen,
 Die rechte Skala ist in Arbeitsgeschwindigkeit v = m/-Min.
 eingeteilt, die linke in Arbeitsflächenbreite, Angenommen, ich
will ein Arbeitsstück von einer Flächenbreite von 21 cm aul 10 cm
$Pritzen, so würde ich an Hand meines Diagrammes folgenden Weg
einschlagen:
; Siehe linke Seite Arbeitsbreite 21 cm, fahre die Gerade entlang
bis zum Schnittpunkt mit irgendeinem Strahl, hier treffe ich z,B.
D= 60, also Düse 6 mm, gerade am Arbeitskegel mit einer Arbeits-Seschwindigkeit
 von 22 m/Min. Diesen Strahl kann ich gut regeln
bis auf 130 mm, habe also in diesem Falle mit einer Verluststreuung

01]
        <pb n="94" />
        von h = 19 X 2 = 38 mm zu rechnen, Hätte ich hier nur mit 10 cm
Breite zu rechnen, so würde ich meine Arbeitsbreite von 10 cm verfolgen
 bis zu dem Schnitte mit den Strahlen, und finde hier einmal
D = 6,0 jedoch schon im Nutzkegel, müßte also erstens mit einem
Farbverlust h arbeiten und bin außerdem an der wirtschaftlichen
Drosselgrenze, Da man nach Möglichkeit nur in Übungsfällen
mit großer Drosselung arbeiten soll, ist es in diesem Falle angebrachter,
 mit D — 2,5 zu arbeiten, wo ich mit voller Öffnung arbeiten
kann, da ich nur einen Farbverlust von h,=5X2= 10mm habe,
welcher gar nicht ins Gewicht fällt. An Hand des Diagramms ist
also ersichtlich, daß man völlig farbverlustfrei bei richtiger Wahl der
Düse arbeiten kann. Da die Anschaffungskosten einer Düse sehr gefo
 5 3 Atm. Lackkonzistens 1.2 ;
#8 D = Düsenbohrung u
' - = Nutzkegel .
"6: - = Arbeitskegel
@ = Eigenilicher Streukegel 70
2 7
VO . ;
5 &amp;amp; ; 8
)
;
6
_ Arbeitsentfernung in cm &amp;lt;
le 5 7 GE UM N 0 A
Abb. 41
ring sind, ist es also ratsam, sich zu einer Pistole mehrere Düseneinsatzköpfe
 zu beschaffen, So wie im Maschinenbau die Laufzeiten
an dem zu bearbeitenden Werkstück nach Lauflänge, Vorschub. und
Umdrehungszahl bei einer bestimmten Schnittgeschwindigkeit errechnet
 werden, kann man dies auch bei Farbspritzarbeiten machen.
Die Formel zur Errechnung der reinen Laufzeit lautet:
- I Lauflänge
eine Dale T = nes Umdrehungszahl der Arbeitsspindel
x Vorschub pro Spindelumdrehung
Wie weit ist es möglich, diese Formel für die Spritzerei in Anwendung
 zu bringen? Zur Beantwortung dieser Frage ist es nötig, sich
die Funktion der Pistole sowie 'die Einteilung des Farbstrahles genau
vor Augen zu führen. Auch hier haben wir es mit einer Leis tung

97
        <pb n="95" />
        bei einer bestimmten Arbeitsgeschwindigkeit und einer
bestimmten Arbeitsbreite zu tun, Es ergibt sich also:
Leist 'ng in kg/Min, = geförderte Lackmenge (Deckkraft)
Arbeitsgeschwindigkeit in mtr,/Min, = gedeckte Flächen
in einer Zeiteinheit
bezogen auf die
Breite des Arbeitskegels, gemessen in Meter,
Nebenstehendes Bild veranschaulicht, was unter Arbeitsgeschwindigkeit
 zu verstehen ist (Abb. 42). Zur Errechnung der Arbeitsf

“ A &amp;amp; Arbeitsstreukegel
®
© 1
SM
Ss:
t
. \nsatz - Zusatz -Wert Arbeitskegel
+ b
| T:—— oder
' S 7 T.z L+CV-0,5 Var? SS?)
Düse 0 © Vv
Abb. 42
geschwindigkeit kurz ein Beispiel: Es wird die Fläche a mit einer
Düsenöffnung 0,8 bearbeitet,
Arbeitsdruck = 3 Atm.
Arbeitskegel Ak. = 42 mm ©
Arbeitsstreukegel Astk. = 52 mmÖ
Weglänge L — 1,0 mtr.
Spirituslack Konsistenz = 0,7
; Spritzdauer T = 0,058 Min,
Mithin ist die Arbeitsgeschwindigkeit
V = N
W der Arbeitslänge E
Arbeitsgeschwindigkeit = We SEES Zi
= LES — 17,2 mtr./Min,

Qnt
93
        <pb n="96" />
        Die gemachte Feststellung ist für rotierende Stücke, welche mechanisch
 bewegt und von feststehender Pistole bearbeitet werden, von
großer Wichtigkeit, da man dadurch die Umfangsgeschwindigkeit des
Werkstückes genau festlegen kann. Somit ist man in der Lage, genau
zu errechnen, wann die Farbzufuhr gedrosselt werden muß. Die Arbeitsgeschwindigkeit
 kann man also auf angegebene Weise selbst gut
ermitteln, Lackkonsistenz und Druck ist auch hier von ausschlaggebender
 Bedeutung und ist unbedingt festzulegen, In der Kalkulation
 ist bei Festlegung der Weglänge stets der Ansatz-Zusatzwert b
bei Rundstrahldüsen zu berücksichtigen. Ist Arbeitsbreite des
1 S AL = ——H N ' VS
SE al BES ER
Ansatz —Zusatzw
für Rundstrahla.
KEN EL
A a
| V. 2 % aa
= — I, — s i
Abb. 43 &amp;lt;y 79 7 Ya ni
Stückes gleich dem Durchmesser des Arbeitsstreukegels, so ist b
Arbeitsstreukegeldurchmesser, Dieser Wert wird geringer, je kleiner
die Arbeitsfläche im Verhältnis zum Arbeitskegel ist, siehe Abb, 43.
Rechnerisch läßt sich dieser Ansatz-Zusatzwert nach der dazu angeführten
 Formel ermitteln. Hierzu ein Beispiel:
Der Arbeitsstreukegel betrage 52 mm @ und sei eine Fläche
von 20 mm Breite zu bearbeiten, somit ergibt sich
26 — 0,5-V 4-26? — 20%
26 — 0,5. / 2:700 — 400
V 2-300
26 —- 0,5. 48 == 24
26 — 24y —2

94
        <pb n="97" />
        Die Apparate kann man also wirtschaftlich voll ausnützen, ohne
Zeit- und Lackverluste zu haben, wenn die Arbeitskegel der verschiedenen
 Düsenöffnungen bekannt sind, Wie man sich des vorge-Schriebenen
 Weges zur Vorkalkulation bedienen kann, und mit
Welcher Genauigkeit, mögen einige Beispiele zeigen.
Es ist ein Lager, wie umstehende Skizze zeigt, mit Spirituslack
 zu lackieren (nähere Daten über Griffzeiten siehe Zeitberechnungskarte)
 Abb, 44, (s. S, 96.)
v |
Fläche a spritzen Arb.Geschw. 17,3 Weglg. 95mm Arb. Zeit 0,055 Min.
” © ” „ ” 17,3 “ 5 ”„ 1” ” 0,055 „
ir ” „” „" 17,3 Ol ) " “„ „ 0,023 „
1 „ ”„ 17,3 ) m 2° 48 „" 0,023 „
u" „ . 17,3 ) %„ ‘„ „ 0,035 „
" 17,3 3 „ ”" 1 0,037 ”
0,440 mtr. 0,254 Min.
Die gemachte Zeitaufnahme ergab, daß das Stück zu spritzen 0,27
Min, in Anspruch nahm, also eine errechnete Mehrzeit von minus
5%, diese dürfte wohl beim Voranschlag der kleinen Serien keine
ausschlaggebende Rolle für den Preis ausmachen, und somit ist die
angestellte Berechnung genau genug. Bei Massenanfertigung ist
Natürlich zur Rationalisierung eine Zeitstudie unerläßlich, Die
übrigen in der Karte ausgefüllten Werte sind bei der Arbeit mit
dem Pinsel die gleichen, so daß also die Zeit für das eigentliche
Streichen im Verhältnis zum Spritzen hauptausschlaggebend sein
dürfte, Für die Errechnung der Spritzdauer nach Arbeitsgeschwindigkeit
 und Weg noch einige Beispiele:
Bügelspritzen, Abb. 44a,
V 5 CO
Fläche a spritzen Arb. Geschw. 17,3 Weglg.275mm Arb.Zeit0,159Min,
M b ” 1" ” 17:3 ” X ” " „ 0,081 413
” c „ = ” 17,3 „" en N 1" 0,023 "r
VE . 173 4 160 4 w r 0092
7 S ”" 17,2 ” © 1" 1 1" 0,021 „
"a4 n 30: 5 ua m Ol
0,925 mtr. 0,535Min,
Zeitstudie 0,56 Min., Differenz 4% minus.

T
95
        <pb n="98" />
        ‚Zeitberechnungskarte | Gegenstd.: Lagerbock Pos; L.Z.}
Arbeitsvorgang: fertig spritzen
Lack- | Lack- Düsen-Bearb.
 | Lack- ne ; Düsen- „  Strahl- |Arbeits-| Nutz- |Arbeits-ME
 | [SE at] te [ei
Spiri- 0,009 Sp. | 50 | 42 3
Gr.G.| tus | 1,2 | kg 0,8 | 173 | Str. | mm | mm | Atm.,
Lid, Arbei 4,5 ES - | em Se Al ‘ Ver] ‘ 9%
Nr | rbeitsvorgang BGE ZEN | SS ER | Allgemeine Verlustzeit: 2%
N a8 AT a
V/mtr| mm i Min, |_Min, Min, "Grittzeit: 0,90 Min
1. | Düse auswechseln u. einstell. Ar 125 A - u
2. . Werkstück auf Scheibe stellen oa 0,40 Düsenzeit: 0,25 u
[3.1 Fl.a spritzen 11.5195. - 10.0551 Eee
en TE . 731795 0,055 Reine Arbeitszeit: 115
DS DE a 0,023 Stückzeit: 1.48
161.000, 17,3 | 40 0,023 7 I
a 4011 A — Einrichtezeit: 25
Tue N un 17,31 60 0,035
Bd 17,3, 57 0.037 Wird für jede Serie nur eif‘
vr re 7 173, 75 a 0.026 8 mal vergütet
10, | Werkstück ablegen 0,50 |
a 440 0,90 [0,254
a | . Skizze
1 !
S Be
Cr BO
ALM ;
Ze © A
: . ' I“
a 0
7 ZA
z | } ©
I
Abb. 44

96
        <pb n="99" />
        Abb,
Bügel a4
Abb.
44 b
RK ;
NMäander

07
        <pb n="100" />
        Ständer-Spritzen. Abb. 44b,
V L
Fläche a spritzen Arb, Geschw. 17,3 Weglg. 90mm Arb, Zeit 0,052 Min.
% 3 DO, m 005208
DO: nn 2 0:05888:
5 MU0. „un 0,0580,
; 100 „An 0,0580
* 40, ‚a. 0,0238
4 27,5 „50, u. 00878
n 17,5 730. n.. 0,0461,
HH 17,3 0 5 0,0528
nö U an 2 a. 0,0528
u CE % 1 7 00, "An 0.05800
1,030 mtr. 0,596 Min.
Zeitstudie 0,64 Min., Differenz minus 6%.
Diese Beispiele sprechen also ohne weiteres für das angewandte
Verfahren, Ferner sollen die Beispiele zeigen, um wie vieles die
Pistolenarbeit der Handarbeit überlegen ist. Am günstigsten gestaltet
 sich natürlich die Ausnützung der Apparate bei Herstellung
von Massenartikeln, jedoch dürften Ausschweifungen in dieses Gebiet
 hier von weniger Interesse sein, und sei vielmehr darauf hingewiesen,
 inwieweit sich bei Einzelanfertigung die Anschaffungskosten
 eines Apparates bezahlt machen.
Nachfolgende Teile wurden erst von Hand gestrichen und nachher
 die gleichen Arbeiten mit der Pistole ausgeführt; man erhielt
folgende Werte (Abb. 45),
Dem wird man natürlich gleich die Betriebsstundenkosten entgegenhalten;
 auch darüber soll kein Geheimnis bestehen und wird
nachfolgende Berechnung Aufschluß über manchen Zweifel geben,
Die Kosten erstrecken sich auf die Herstellung der zur Verwendung
kommenden Preßluft, sowie die zur Absaugung der Lackdämpfe
nötige Ventilation, beides richtet sich nach Art und Umfang der
Yhng, Pos. | Stck, Gegenstand | Beartitung Jet rin end Jeetng | us. [Sie Gegenstand Bearbeitung hen]
Lz/2| 1 Bügel [streich.|1,35|140 °/o Bügel spritzen] 0,56|
LZ]5) 1 Ständer]. | 1,10] 72 °% Ständer | „10,64
LZ.| 9 | 1 [Lagerbock © 0,50] 85 °%/o Z|9 1 |Lagerbock n 0,27
Streichen von Hand | Spritzen mit Pistole Düse 0,8 mm
Abb. 45

T
08
        <pb n="101" />
        Fabrikation, sowie nach der zur Verwendung kommenden Materialkonsistenz
 der erforderlichen Düsenöffnung und Größe des Spritzraumes,
 Der Hauptfaktor ist der Luftverbrauch der Pistole, dieser
beläuft sich auf:
n Luftverbrauch) Atm.,
Den 0 mm Sta YArb. Druck
0,8 257 ;
2,5 6,0
4,5 84 I ,
6,9 10,5 5
Um möglichst wirtschaftlich zu arbeiten, muß man danach bestrebt
Sein, mit möglichst geringem Luftverbrauch hohe Arbeitsgeschwindigkeit
 zu ereichen, und muß in der Einzel- sowie in der Serienfabrikation
 in der Wahl der Düsenöffnung äußerst vorsichtig sein und
darf sich bei evtl. Probevorführungen nicht durch eine erstaunende
Düsenleistung verblüffen lassen, ehe man nicht mit Vorsicht seine
sämtlichen in Frage kommenden Teile geprüft hat und danach an
Hand der am meisten vorkommenden Flächengröße seine Düse wählt.
Es ist nicht immer gesagt, daß eine Düse, welche eine große Arbeits-Seschwindigkeit
 und einen großen Streukegel besitzt, für jeden Fabrikationszweig
 als wirtschaftlich angesprochen werden kann, Kann
man also den Nutzkegel dem Fabrikat entsprechend nicht dauernd
Sanz ausnützen, arbeitet man mit einer kleineren Düse bei einer
Seringeren Arbeitsgeschwindigkeit immer noch billiger. Nachfolgend
einige Beispiele, welche unberücksichtigt der Werkstattunkosten die
Düsenstundenkosten der verschiedenen Düsenöffnungen vor Augen
führen (siehe Abb, 46). Aus dieser Aufstellung ist ersichtlich, daß
die Betriebsstundenkosten mit zunehmender Düsenöffnung steigen,
Wohingegen der Kubikmeter Luft bei fast allen Kompressortypen
gleichviel kostet. Die Düsenstundenkosten, welche sich aber auf den
Luftverbrauch der” Düse beziehen, sind ebenfalls mit zunehmender
Düsenöffnung wieder teuerer, aber wiederum bei den verschiedenen
Kompressortypen nicht sehr variabel, Nach dieser Aufstellung würde
Man also zu der Annahme kommen müssen, daß eine große Düsen-Öffnung
 infolge ihres höheren Luftverbrauches im Betriebe am teuersten
 ist, Da aber mit der Düsenöffnung die Düsenleistung steigt,
ist dem nicht so, was wir gleich an einem Beispiel sehen werden.
Eine Fläche von 22,5X28,5 cm, also 0,0641 qm, wurden mit 0,8,
2,5, 4,5 und 6 mm-Düse bei gleichem Druck und gleicher Lackkon-Sistenz
 bearbeitet. Die hierfür aufzuwendenden Kosten würden sich

99
        <pb n="102" />
        Kompressor Kraftverbrauch | Betriebskosten Pi Düsen-Kosten / Pfg.
ET Tatef a  NOa 3 ar Sl En ur fe RO ONEYO dn
a an 08D |25D|45D|60D.
“Kessel | q | 2,1 | 48 | 6,7 [ 8,4
3,0 | 0,3 [0,22] 0.22 - 112,42 HE
me I | = A le m 0,035/ 0,08 | 0.11 |0,14
| %. 2,6 | 5,8 | 8,1 | 10,2
Hocheffekt | 7,5 | 0,9 10,66] 0,66 - 11=7,% | 0,12 | 0,97 DA NN
MN | AO haare
Hocheffekt | 22,0 | 2,3 |1,70[1,70-11=18,70 10,31 | 0,85 Pe 237er [74 PT
Se a eos oa 2faus
Hocheffekt | 66,0 | 6,0 |4,40! 44-11=48 n) 0801 073 20144 [61 [751
Sn [6 m Ale | A] m. 0,033lo,073L 0.10 [0,12
Düsenstunden-Kosten
Abb. 46
für die jeweilige Düsenöffnung wie folgt ergeben (siehe Abb. 47).
Auch an Hand dieser Aufstellung ist deutlich ersichtlich, daß die reinen
 Düsenkosten, welche sich aus den Düsenstunden bzw. Düsenminutenkosten
 (nach Tabelle 47) ergeben, multipliziert mit der Arbeitszeit
 für alle Düsenöffnungen gleich ist, da ja die Düsenstundenkosten
 der größeren Düse höher sind, sich aber dafür im gleichen Verhältnis
 die Arbeitszeit vermindert oder die Arbeitsgeschwindigkeit
erhöht. Die Gesamtfertigungskosten ohne Berücksichtigung der Unkosten
 stellen sich bei der 0,8 Düse um 450% oder aber 4,5 mal
Düsen Arbeitszeit . Reine Düsen- Lohn-Kosten Gesamt Fer-Durchm.,
 Min, | kosten Pig. Pfs. tigungskosten
1 = 0.0035 A 0.120
a 0,0032 0,0464 0,0496
4. 0,0033 0,0347 „338
!
0,0028 0,0232 5
a | streichen von] G.242 442
Hand | Zn
Düsenkosten und Lohn ohne Unkosten [Fläche 22,5+28,5 cm]

vw DW 5.116
25 0.04 H Sein
45 0.03 06
60 0.02 0.02e
0.70 AR AR
Abb. 47
100
        <pb n="103" />
        . . : kstatt Selbst-Arbeitsvorgang
 Zeit Min. , Lohn Pfg. "an [kosten Pie,
Streichen von Hand | 0,70 | 0,81 | 0% 1,29
Spritzen 0,8 Düse BP 0.10 | 20117 MA 0,209
Spritzen 6,0 Düse | 0,02 | 0,023 | 230 9/0 l 0,071
Abb. 48
höher, als dies bei der 6 mm-Düse der Fall ist. Das endgültige Resultat
 der Ersparnis werden wir erst nach Aufstellung der Unkosten
sehen. Zum Streichen von Hand brauche ich also das 6,8tache mehr,
als meine kleinste Düse mit der geringsten Arbeitsgeschwindigkeit
leistet. Man wird also überall dort, wo man große Flächen zu bearbeiten
 hat, stets eine große Düse mit Erfolg anwenden, ohne über
Lackverluste klagen zu müssen. Besonders rationell arbeiten in diesem
 Fall die Flachstrahldüsen, über deren Vorzüge, Luft- und Lackverbrauch
 sowie Zerstäubungsgrad noch einmal, wie bereits erwähnt,
besonders berichtet werden soll.
Anlage- und Werkstatt-Unkosten
Um die in einem Unternehmen durch unproduktive Arbeiten und
Betriebsmaterial sowie Betriebsanschaffungen entstehenden Unkosten
in ein Verhältnis zum Selbstkostenpreis bringen zu können, stellt
man als deren Ausgleichfaktor die Werkstattunkosten auf, die für
die Rentabilität des Unternehmens eine große Rolle spielen, Es kann
wie anfangs schon erwähnt, eine Neueinrichtung oder neue Fabrikationsmethode
 wohl eine kolossale Arbeitsverminderung herbeiführen
 und doch nicht rentabel sein, da das Unternehmen diese Einrichtung
 nicht zur Genüge ausnützen kann, somit die Werkstattunkosten
derart hoch werden, daß sich die Neueinrichtung trotz erzielter Arbeitszeitverminderung
 nicht rentiert. Es ist daher ratsam, sobald als
Möglich nach Inbetriebnahme einer neuen Anlage deren Werkstattunkosten
 zum Beweise der Rentabilität festzustellen,
Die Werkstattunkosten setzen sich zusammen aus:
b) veränderlichen |
a) feststehenden ) Unkosten
Zu den veränderlichen Unkosten gehören:
„1. Gehälter der Meister, der Schreiber, der zur Werkstatt gehörenden
 Kontrolleure, der im Wochenlohn stehenden Arbeiter, die
Unproduktiv an der Werkstatt beteiligt sind, sowie aller direkt zur
Werkstatt gehörenden unproduktiven Arbeiter,

101
        <pb n="104" />
        Die prozentuale Verteilung der Gehälter richtet sich nach der
produktiven Arbeiterzahl und nach der prozentualen Beteiligung des
unproduktiven Arbeiters an der der produktiven Arbeiter.
2, Maschinen und deren direkte Zubehörteile, Hilfsmaschinen,
die in der betr, Werkstatt unbedingt gebraucht werden, sowie Apparate
 oder Einrichtungen, die zu einer für die Werkstatt bestimmten
Anlage gehören.
Utensilien, gewöhnlich Gegenstände, die der Bequemlichkeit
und Zweckmäßigkeit einer Anlage dienen sollen, z.B, Ablegeregal,
Werkzeugschränke, Reinigungsgefäße u. a. m. Gebäudeabschreibungen
 richten sich nach der Größe des gesamten Gebäudes und nach
dem prozentualen Anteil des Raumes im Verhältnis zum gesamten
Gebäude, oder aber in modernen Werken, wo die Unkosten pro cbm
festgestellt sind, nach cbm des Raumes.
Veränderliche Unkosten
Die veränderlichen Unkosten können sehr verschiedener Art
sein und richten sich ganz nach dem Fabrikationszweig. So werden
z. B. die veränderlichen Unkosten in der Metallindustrie andere sein
als die der Hüttenindustrie. In der Metallindustrie werden z. B. als
veränderliche Unkosten auftreten:
Putzmaterial, Schmiermaterial, Werkzeugverbrauch, Gasverbrauch,
 Stromverbrauch, Wasserverbrauch, Lacke, soweit sie als
Rostschutzmittel oder ähnlichen Zwecken dienen.
Die Erfassung der veränderlichen Unkosten erfordert bei der
Unkostenaufstellung besondere Aufmerksamkeit.
Hat man nun nach angegebener Methode die fe ststehenden
und veränderlichen oder laufenden Unkosten ermittelt,
addiert man beide Summen und dividiert die so erhaltene Summe
durch die Lohnsumme der in der Werkstatt beschäftigten produktiven
 Arbeiter; das Produkt ergibt in Prozenten ausgedrückt die
Werkstattunkosten.
Bei Aufstellung der Werkstattunkosten ist es ratsam, so genau
wie nur möglich alles zu erfassen, was auf Unkostenkonto geht. Es
wird nämlich jeder Betriebsführer danach streben, recht wenig Unkosten
 für seine Abteilungen zu haben und begeht aus diesem
Grunde wohl oft den Fehler, daß er seine auf Werkstattunkosten zu
verbuchenden Materialien usw. recht gering ansetzt, um sich vor hohen
Unkosten zu schützen. Das hat aber den Nachteil, daß alle sonst
nicht ergriffenen Unkosten doch an einer anderen Stelle erscheinen
werden, die dann auf Generalunkosten geschrieben werden müssen,
Es käme jetzt auf das Fertigfabrikat, das sich aus den Summen der

102
        <pb n="105" />
        Einzelanfertigung plus der Werkstattunkosten zusammensetzt, der
prozentuale Aufschlag der Generalunkosten dazu. Dieser Aufschlag
würde, wenn er durch zu minimale Verteilung der Werkstattunkosten
als Ausgleich dafür nur wenig höher gewählt würde, eine größere
Summe ausmachen, da er auf eine stets viel größere Summe aufzuschlagen
 ist, als wenn die Werkstattunkosten etwas höher, aber
richtig aufgesetzt wären und nur zu einer Teilsumme des Ganzen
aufgeschlagen würden. Man sollte als Betriebsleiter vielmehr danach
 streben, die wahrheitsgetreuen hohen Werkstattunkosten durch
wirtschaftliche Ausnützung der Betriebsmittel oder deren selbsttätige
 mechanische Regulierung herabzusetzen.
Die Aufstellung der Unkosten hat naturgemäß nach einer Zeitnorm
 zu geschehen und richtet sich danach, ob das Werk jährliche
oder monatliche Abschlüsse zu machen gedenkt.
Die Höhe der Unkosten ist sehr verschieden und richtet sich
ebenfalls nach der Art und Umfang der Fabrikation, welche ausschlaggebend
 für die Größe der anzuschaffenden Anlage ist. Die
Anschaffungskosten der Anlage gehen also zu Lasten der feststehenden
 Unkosten; wieweit sich der Einfluß höherer Anschaffungskosten
 im prozentualen Verhältnis zu den gesamten Werkstattunkosten
 geltend macht, sei an Hand einiger Beispiele gezeigt:
Ferner sei auch an die Trocknung der Gegenstände gedacht und vor
Augen geführt, inwieweit auch diese eine große Rolle für die veränderlichen
 Unkosten spielen kann, da ja nicht jeder Betrieb mit
Abdampf heizen kann, sondern zum Teil auch Gas zur Heizung des
Trockenofens benutzen muß. Daß sich dadurch ein erheblicher
Unterschied bemerkbar macht, wird jedem, der mit Unkostenauf-Stellungen
 zu tun hat, sofort einleuchten.
Aufstellung der Werkstattunkosten einer Einmann-Spritzanlage
(für monatl, Abschluß aufgestellt)
Im vorstehenden handelt es sich um eine Anlage eines mittleren
Betriebes mit zirka 90 Mann Belegschaft und 3 Meistern, einem die-Ser
 Meister ist die Spritzerei mit unterstellt, Die Anlage besteht aus
einer Spritzkabine, einer Kesselluftpumpe, welche von der Trans-Mission
 aus angetrieben wird, dem Ventilator und sonstigen aus der
Weiteren Aufstellung ersichtlichen Zubehör, Die Spritzerei ist in
einem besonderen Raum untergebracht, die Gegenstände werden
Nach dem Lackieren im Raum selbst getrocknet, also ohne besonderen
 Ofen, Es wird mit einer 0,8 mm Düse mit einem Luftverbrauch
von 2,7 cbm stündlich bei einem Druck von 3 Atm. gearbeitet. Es
kommen zwei Pistolen für verschiedene Lacke in Anwendung,

103
        <pb n="106" />
        I Feststehende Unkosten, Gehälter
Meistergehalt 2% 210,—
90 Mann, da ein Mann für Spritzerei in Frage kommt, mithin
 Meistergehalt 2% 210 : 30 — Alb 1,—
außerdem ist für die ganze Belegschaft 1 Kontrolleur angestellt,
 welcher auch die fertiggespritzten Gegenstände kontrolliert,
 mithin Kontrolleurgehalt 2% 25,— Wochenlohn
pro Monat 4 &amp;gt; 25 =100, 100 : 90 — AM 1,10
Summe der feststehenden Unkosten für Gehälter, Summa 2% 8,10
II. Feststehende Unkosten für Machinen, Gebäude, Utensilien
a) Maschinen:
1 Kesselluftpumpe ,.. "50,—
1 Exhaustor. . ‚AA 5 —
L Spritzverschlag m.Abzugsrohr u. Trichter . Yı
2 Spritzpistolen a 7% 55,—- N
Fz
Davon Abschreibung 10% pro Jahr 2% 71,50, auf 1 Monat
gleich 71,50:12 gleich 2% 5,96, mithin für Maschinen bei
10% Abschreibung .... ET 5,96
b) Utensilien:
2 Farbtöpfe. 0 I
2 Halter mit Spüler. . -
2 Satz Siebe grob und fein ..... 0
5m Schläuch 41,70. , N —
L Zwillingshahn für 7mm Schlauch ... Dr
1 Satz Werkzeuge zur Pistole ,...... 29
2 Gefäße für Lackverdünnungk, . . ‚—
2 Ablegeregale:. ; tu —
4 Jrockenregale 2. ı—
L-Malertisch AN nl
«7270
davon Abschreibung 10 % pro Jahr 2% 12,47, pro Monat
12,47:12 gleich 1,04... A „x Ab 1,04
c) Gebäude:
Gesamtwert des Gebäudes zirka .. ‚AM 10000, —
2% Abschreibung... N AL 200, —
pro Monat 200: 12 gleich ...... 5 16,70
davon kommen an den Spritzraum 8% gleich ...... AM 1,34
Summe der feststehenden Unkosten a, b u; c, Summa . „RM 834

104
        <pb n="107" />
        III. Veränderliche Unkosten
Farben und Lacke 70 kg a 1,14. 4 R-:80,—
(selbige kann man auch nach Düsenstunden für sich
berechnen)
Kraftstromverbrauch ..... 2... A 563
(täglich 5 Stunden = 1,25 kw x 30 gleich 37,5 x 0,15
gleich 5,63)
Terpentinersatz pro Monat 5 Liter ä 2% Dr Sa 90
Putzlappen pro Monat 4 Pfd, 4 2% —20..... . 9 80
RM 87,93
Unkostenzusammenstellung der Gesamtanlage
1. Feststehende Unkosten
Meistergehalt ...... A SEN TE
Kontrolleurkosten 1.16
Abschreibung für Maschinen 10%. 1.00 74
Abschreibung für Utensilien 10%"... 10440 1.94
Gebäudeabschreibung 2% AA 1,30
RM 36A
2. Veränderliche Unkosten
Färben und Lacke. HE RK 80, —
Stromverbrauch... A . 5,63
Verpentinetsatn ; 1,50
Pützläppen A AN N #80
Ale 87,93
Werkstattunkosten
Feststehende Unkosten ...........0000004000 RM 16,44
Veränderliche Unkosten ........0.0.0.00000- „u 87,93
RW 104,37
Produktiver Arbeiter
bei 8 Stunden Arbeitszeit mit 75 Pfg. Stundenlohn
bei 54 Stunden wöchentliche Arbeitszeit
Pro Monat gleich 2% 162,—
AM 104,37: 162,— gleich 64,5 rund 65% Unkosten.
„Diese Aufstellung zeigt also, daß die Anlageunkosten bei dieser
Einrichtung absolut in den normalen Grenzen einer Malerwerkstatt
liegen. Vorberechnete Anlage ist jedoch nur zu verwenden bis zu
einer Düsenöffnung von 0,8 mm, da diese wie Tabelle zeigt, 2,7 cbm

105
        <pb n="108" />
        stündlich braucht. Wie sich nun die Unkosten prozentual bei einer
größeren Anlage erhöhen, und welchen Einfluß die Trocknung der
Gegenstände auf diese ausübt, mögen noch die beiden nachfolgenden
Aufstellungen zeigen,
2, Beispiel
Es handelt sich wiederum um einen Betrieb mit 90 Mann Belegschaft
 und 3 Meistern, Die Spritzanlage bestehe aus einer Einmann-Anlage
 mit eigenem elektromotorischen Antrieb, sowie einer
Trockenanlage, welche mit Gas gespeist wird, Die zur Verwendung
kommende Düse hat eine Bohrung von 6 mm und beträgt der Luftverbrauch
 derselben 10,5 cbm bei einem Arbeitsdruck von 3 Atm.
In Gebrauch befinden sich wiederum 2 Pistolen. Außerdem wird der
Pistole die Farbe ständig durch einen Drucktopf zugeführt, welches
den Vorteil hat, daß man damit jedes str eichfertige Material
ebensogut damit verspritzen kann.
I. feststehende Unkosten — Gehälter
Wie Beispiel I Meistergehalt, .......... ae ee A, Tym
Kontrolleur ..... ; =. RL, 10
Summe der feststehenden Unkosten für Gehälter, Summe 2% 8,10
II. Feststehende Unkosten für Maschinen, Gebäude, Utensilien
a) Maschinen:
1 Kompressor mit Kessel, ....... EG 1 TUT
1 Motor mit dazugehörigem Schaltbrett usw.
7,5 PS, 110 Volt Gleich-Strom. .... SEE 400, —
Exhaustor:. , "N 2 285, —
1 Gasofen mit Zuleitung usw... .... RE 720,
große Spritzkabine 7 180,—
SESpritzpistolen A. 0/55, AN 110;:—
SnFarbdrucktopf N En 300,—
Alb 3712, —
davon Abschreibung 10% pro Jahr 2% 371,20
pro Monat also 371,20 : 12 — A 31, AS 31,—
b) Utensilien:
wie Beispiel I... ES . . SM 1,04
c) Gebäude:
wie Beispiel I... . . SE PM. 1734

106
        <pb n="109" />
        er IHN. Veränderliche Unkosten
en Farben und Lacke 150 kg ä LM. ... 0 1. a7
. (selbige kann man auch nach Düsenstunden für sich
berechnen) _
Kraftstromverbrauch . .....0.0.000000000400010C „ 157,—
(täglich 5. Stunden = 35 x 30 kw = 1050 kw mal 0,15
N = RM 157,50)
T Gasverbrauch ........ U 2
6 (täglich 8 Stunden, stündl. 1,5 cbm = 12 cbm, 1 cbm
® zu AM —.20=—=20&amp;gt;x 12 = 2,40 x 30 = 2% 72,—)
® Terpentinersatz, 10 Liter ä 2/4 tea 3,—
er Putzlappen pro m 4 Pid, &amp;amp; A — 20.... 7 7, 80
Ss RM 404,30
al a
Unkostenzusammenstellung der Gesamtanlage
l. Feststehende Unkosten
Meistergehalt ........0 0 AT
n Kontrolleurkosten ...... DE A take En 1,10
Abschreibung für Maschinen Ar ee
0 Abschreibung für Utensilien 10% ............ ww». 104
. Gebäudeabschreibung DENN 34
&amp;gt; RI 41,48
2. Veränderliche Unkosten
Farben und Lacke. ......0.00000000400400444. RM NT
A N
Gasverbrauch ..ı, ee HT
Terpentinersatn N 3,—
Pützlappen ı 2.0.0000 sr —,80
RM 404,30
Werkstattunkosten
Feststehende UK N ww RM 41,48
Veränderliche UNKOSteR Le re ee ea I » 404,30
RW 445,78
L Produktiver Arbeiter
bei. 8 Stunden Arbeitszeit mit 75 Pfg. Stundenlohn
bei 54 Stunden wöchentlicher Arbeitszeit
Pro Monat gleich 2% 162,—
RM 445,78 : 162,— gleich 277% Unkosten.

107
        <pb n="110" />
        Man sieht an Hand dieser Aufstellung, um wievieles sich die
Unkosten durch den größeren Luftverbrauch der Pistole erhöhen,
Da allerdings eine Gasheizung nur in selteneren Fällen in Frage
kommt, und wohl in den meisten Betrieben mit einer Kraftzentrale
immer genügend Abdampf vorhanden ist, würde man diesen zur
Heizung des. Trockenraumes benützen und können die Auslagen für
Gas somit erspart werden. Bei Absetzung des Betrages für die Gaskosten
 würden sich die Werkstattunkosten um diesen Betrag verringern
 und wie folgt zusammensetzen,
3, Beispiel
Werkstattunkosten
Feststehende Unkosten .... EEE RG 41:48
Veränderliche Unkosten Z2/ 404,30 minus 74 72.— 1.GCas ,, 332,30
AM 373,78
373,78 : 162, gleich 230% Unkosten.
Gegenüber der vorhergehenden Aufstellung, die 277 % ergab, durch
Absetzung der Gaskosten 230/277 = 21% Ersparnis.
Nachdem nun für die kleinste und größte Düse die in Frage
kommenden Unkosten aufgestellt sind, der Leistungsunterschied beider
 aber sehr verschieden ist, wollen wir untersuchen, ob die Mehrleistung
 die Mehrkosten decken und zwar an den schon am Anfang
erwähnten Beispielen. Nach Tabelle (siehe ‘ beigefügte Tabelle
Nr. 47) benötigten wir zum Streichen einer. Fläche von 0,0641 qm
folgende Zeiten, siehe Abb, 47, mithin ergeben sich die Selbstkosten
 wie Abb. 48 zeigt, Somit haben wir jetzt einen klaren Überblick,
 daß also. die Arbeit mit der Pistole in jedem Fall billiger ist
gegenüber dem Streichen von Hand und bei Vollausnützung die größte
Düsenöffnung trotz höheren Luftverbrauches und größerer Anlageunkosten
 doch am billigsten arbeitet. Für welche Arbeiten die schon
erwähnten Flachstrahldüsen geeignet sind und welche größeren Vorteile
 dieselben bieten, darüber sei in einem besonderen Aufsatz Bericht
 erstattet,
Die vorstehende Abhandlung soll hauptsächlich all denen, die
bereits im Besitze einer Anlage sind, Anhaltspunkte geben, wie
man die, wenn vielleicht auch schon etwas veralteten Anlagen, trotz
dessen wirtschaftlich ausnützen kann, ohne sie gleich verwerfen zu
müssen,
Ratsam ist es auf jeden Fall, da bei bereits bestehenden Anlagen,
 zu deren besserer Ausnützung nichts weiter nötig ist, als die
Anschaffung eines modernen Apparates oder womöglich nur einer
neueren Düse, diese Anschaffungskosten nicht zu scheuen.

108
        <pb n="111" />
        lie
2n,
ge
le
ur
ür
S-F-
 Eine kalkulatorische Bewertung der weißen
Anstrichfarben
Von Malermeister Hermann Rausch, Oranienburg, b. Berlin
18 In letzter Zeit hat die Fachpresse mehrere Artikel über das
\0 Neue Pigment, das Titanweiß, veröffentlicht, in denen fast ohne
8 Ausnahme der Produktionsprozeß mehr oder weniger ausführlich
behandelt worden ist. Der Farbenhändler sowie der Farbenverbraucher
 hat aber weit mehr Interesse für die wirtschaftliche Eigenh
 art eines neuen Materials, sofern damit eine Änderung in der Preisbildung
 oder der Verarbeitung verbunden ist. Solche Anhalts-:
 Punkte zeigen sich zunächst bei einem strengen Vergleich, mit den
S bisher verwendeten Materialien, im Rahmen einer kalkulatorischen
Bewertung.
Die kalkulatorische Bewertung der Anstrichfarben ist wirt-Schaftlich
 von größter Bedeutung und wird trotzdem vom großen
n Durchschnitt der Fachleute viel zu wenig gewürdigt und ausgenützt.
Große Unternehmungen, wie Eisenbahnen, Werften, Schiffahrts-Sesellschaften
 und andere Industriekonzerne, die zum Zwecke ihrer
Produktiven Maler- und Anstreicherarbeiten, bzw. ihrer Sachwerterhaltung
 eigene Kalkulationsbüros haben, wenden auch dieser
Frage größere Aufmerksamkeit zu und lassen von Zeit zu Zeit ent-Sprechende
 Kontrollen vornehmen, um die vorteilhaftesten An-Strichstoffe
 rationell anwenden zu können.
Mit der hier vorliegenden Arbeit soll kein Anspruch auf absolute
 Zuverlässigkeit erhoben werden, sondern es soll vielmehr nur
m Versuch sein, praktische Methoden zur Erfassung des wirt-Schaftlichen
 Wertes der Anstrichfarben. überhaupt einmal anzu-Wenden,

Während für den rein kalkulatorischen Wert einer Anstrichfarbe
 lediglich der Preis und die Ergiebigkeit bestimmend sind, ist
der Ökonomische Wert derselben auch noch von dem Grad der Haltbarkeit
 abhängig, Wo eine Anstrichfarbe nur als verdeckende Unterlage
 dient, könnte der Grad der Haltbarkeit vollkommen unberücksichtigt
 bleiben, da der letzte Überzug, in den meisten Fällen

109
        <pb n="112" />
        eine gute Lackierung, die gestellten Anforderungen trotzdem erfüllen
 kann; außer bei Eisenanstrichen, bei denen auch von. der
Grundfarbe eine gute, vor allen Dingen rostschützende Eigenschaft
verlangt werden muß. Hier und in ähnlichen Fällen muß der geringere
 Preis einer Anstrichfarbe gänzlich in den Hintergrund treten,
 weil der Zweck der Anwendung die Erhaltung ein&amp;amp;5 an sich
wertvollen Gegenstandes bedeutet, Der kalkulatorische Wert einer
Anstrichfarbe ist demnach nur der untergeordnete Bestandteil des
größeren, also ökonomischen Wertes, Die Vereinigung beider Werte
in einem Material ist fast eine Seltenheit.
Da die meistverwendeten Anstrichfarben die hellen Ölfarben
sind, deren Hauptbestandteil entweder Zinkweiß, Bleiweiß, Lithopone
 oder Titanweiß sein kann, und als Bindemittel fast nur guter
Leinölfirnis in Verbindung mit geringen Mengen flüchtigen Verdünnungsmitteln
 dient, soll nachfolgend eine genaue, den praktischen
Verhältnissen entsprechende, rein kalkulatorische Bewertung der
genannten Werkstoffe wiedergegeben und zur Nachprüfung bzw.
Kritik empfohlen werden,
Bei der Preisermittlung für 1 kg streichfertige Ölfarbe, welche
sich. aus den jeweiligen Mengenverhältnissen von Pigment und
Bindemittel, sowie deren Marktpreis ergibt, wurden die Großhandelspreise
 vom Dezember 1926 zugrunde gelegt und zwar für:
a) Zinkweiß-Grünsiegel — 078 M.
b) Bleiweiß-rein 30,
c) Lithopone-Grünsiegel 0
d) Titanweiß-Vierstern |
e) Leinölfirnis - gebleicht On
Normale Zusammensetzung und der sich daraus ergebende Preis
für 1 kg:
a) 600 gr Zinkweiß = 0,468 M, 400 gr. Firnis — 0,304 M. — 0,772 M.
b) 800 „, Bleiweiß = 0,640 ,, 200 ,, u = 0,152, =10,792
c) 750 ‚, Lithopone — 0,463 ‚, 250 ,, u = 0,190 ;, —10,653 ,,
d) 600 ‘5 Titanweiß — 0,690 1„ 400 „ 1, = 0,304 u 0,994 „
Mit diesen unter a—d beschriebenen und berechneten Ölfarben
wurde auf schwarzer, nicht mehr. saugender Holzwand je ein Quadratmeter
 in fachgemäßer Weise überstrichen und der jeweilige
Materialverbrauch genau ermittelt, indem jeder einzelne Farbtopf
 mit Pinsel vor und nach erfolgtem Anstrich gewogen
wurde, Es resultierte ein Verbrauch bei:

110
        <pb n="113" />
        a) 80 gr d. h. mit 1 kg können ca, 12 qm überstrichen werden
b) 110 1 7 1 „”„ 1, 11 . LE LE
c) 90 99 WIE Zi L ” 17 &amp;lt; +
d) 60 1 41 A 5 1 r 1y -
Demnach kommen an reinen Materialkosten auf 1 qm bei:
aı 2 qm = 0,772 — 0,064 M,
ba — 0,088 ,,
Ca, CE 3,059
d) 16 u 0,994 5 = 0,062 7
Wenn man nun die vier Vergleichsgrößen in bezug auf das verschiedenartig
 vorliegende Deckvermögen bewertet, so folgen graduell
steigend:
a) mit einem Deckvermögen —
b) 1" 1 A
c) „” 11 a
A) Be = 6
Da aber das erforderliche Deckvermögen — 10 sein muß, so konnte
in keinem Falle mit einem einmaligen Anstrich auf schwarzem
Grunde eine vollkommen genügende Deckkraft erreicht werden,
Deshalb mußte ein zweiter, bzw. ein dritter Anstrich vorgenommen
Werden und ergab bei:
a) — 3maliger Anstrich 0,192 RX. Materialkosten, bei 3fachem
Arbeitslohn, mit einem Deckvermögen — 9,
b) — 2maliger Anstrich 0,176 RX. Materialkosten, bei 2fachem
Arbeitslohn, mit einem Deckvermögen — 10,
c) — 2maliger Anstrich 0,118‘ RN. Materialkosten, bei 2fachem
Arbeitslohn, mit einem Deckvermögen — 12,
d) — 2maliger Anstrich 0,124 RN. Materialkosten, bei 2fachem
* Arbeitslohn, mit einem Deckvermögen — 16.
Zwei Lithoponeanstriche ergeben schon ein Deckvermögen 12, also
einen kleinen Überschuß, während zwei Titanweißanstriche 16 also
einen recht erheblichen Überschuß an Deckkraft ergeben, Solche
Deckkraftüberschüsse sollen vermieden werden, indem die betreffende
 Farbe weiter verdünnt, bzw. in dünnerer Schicht angestrichen
Wird, Dadurch treten die kalkulatorischen Vorteile solcher hochdeckenden
 Pigmente noch stärker in den Vordergrund,
Eine andere Möglichkeit, den kalkulatorischen Wert dieser vier
Pigmente einheitlich, also mit einmaligem Anstrich bei annähernd
Sleicher Deckkraft zu erfassen, könnte darin gesehen werden, wenn
man das Deckvermögen bei Bleiweiß, Lithopone und Titanweiß
durch entsprechenden Firniszusatz soweit reduziert, bis nur ein, der
Normal-streichfähigen Zinkweißölfarbe gleichkommendes Deckver-111
        <pb n="114" />
        mögen vorliegt. Dabei werden die ungleichen Werte auch in bezug
auf Mehrarbeit vollständig beseitigt und durch die veränderte Zusammensetzung
 folgende Preise und entsprechend höhere Ergiebigkeit
 bedingt:
a) 600 gr Zinkweiß — 0,468 M, 400 gr. Firnis = 0,304 M. — 0,772 M.
b) 660 ‚, Bleiweiß = 0,528 ‚, 340 nr u = 0,258 „ =—=10,786.,,
c) 600 „, Lithopone — 0,378 ‚, 400 ,, = 0,304 ,, = 0,682 ,,
d) 500 „, Titanweiß = 0,575 „, 500 N „ — 0,380 ,, =—10,955. ,
Das Feststellen des Materialverbrauches erfolgte genau wie. oben
und ergab folgendes:
a) 80 gr d, h. mit 1 kg können ca, 12 qm überstrichen werden
b) 80 SA #1 L LE 14; 1 2 1 '„ 1
c) 67 WC * 11 11 11 a x
dd) 50 1 11 e SEA
Folglich kommen an reinen Materialkosten bei gleichem Deckvermögen
 bei:
a) A ı 7064 M.
AM 6 1"
a} 5
d) 2 = . 0,047.
Obwohl die Anwendung so stark verdünnter Anstrichfarben für Deckanstriche
 praktisch nicht vorkommt, so ist doch durch diese Methode
 eine gründliche, vor allen Dingen einheitliche Ausbeute der
höchsten Ergiebigkeit der besser deckenden Pigmente möglich, die
bei Lithopone und Titanweiß in beiden Vergleichsfällen, kalkulatorisch
 fast ganz übereinstimmt, trotzdem sich Titanweiß beim Einkauf
 ganz wesentlich teurer stellt.
Zinkweiß und Bleiweiß sind also die teuren, Lithopone und
Titanweiß die billigen weißen Anstrichfarben.
So zeigt sich, daß die Beurteilung des Preises beim Material
nicht nur nach der Preisliste des Lieferanten vorzunehmen ist, sondern
 daß vor allen Dingen praktische Erwägungen oft ganz andere
Resultate zeitigen. Wer rationell arbeiten will, muß zunächst dazu
übergehen, sein Material den technischen Werten entsprechend einzukaufen.

Alle einschlägigen Auskünfte werden vom Verfasser gern erteilt
 und durch das „Forschungsinstitut für rationelle Betriebsführung
 im Handwerk“ erbeten,

112
        <pb n="115" />
        Werkstätteneinrichtung
Bei Neueinrichtungen, Erweiterungen und Umbauten von Werk-Stätten
 übernimmt das Forschungsinstitut die Beratung im Sinne der
Wirtschaftlichen Betriebsführung, also z. B, unter Berücksichtigung
eines günstigen Produktionsganges, geeigneter Aufstellung von Ma-Schinen,
 vorteilhafter Lage von Vorrats- und Lagerräumen usw.
Selbstverständlich kann dabei Architektur sowie Anfertigung der
Baupläne usw. nicht Sache des Forschungsinstituts sein, welches
Sich lediglich mit den Fragen der Wirtschaftlichkeit zu befassen hat.
Das erfreuliche Interesse des Handwerks an allen Fragen neuzeitlicher
 und wirtschaftlicher Werkstätteneinrichtung geht einerseits
aus den zahlreichen dem Institut zugehenden diesbezüglichen Anfragen
 hervor, andererseits aus der regen Beteiligung, deren sich
eine im Jahre 1924 ausgeschriebene Preisaufgabe erfreuen durlte.
Das Forschungsinstitut stellte damals folgende Aufgabe:
„Für einen Handwerksbetrieb mittlerer Größe ist eine durch
Zeichnungen oder Skizzen erläuterte Beschreibung von Betriebs-,
Werkstätten- und Lagereinrichtungen zu geben, die den Anforderungen
 wirtschaftlicher Betriebsführung entspricht. Es ist davon
auszugehen, daß es sich um neu zu erstellende Betriebsräume auf
einem unbebauten Platze handelt, so daß bestimmte Grundrißgröße
und -anordnung nicht vorgeschrieben wird, In der Beschreibung
ist anzugeben, mit welchen Einrichtungen Betriebsräume, Werk-Stätten
 und Lager ausgestattet sind, und aus der Zeichnung muß
hervorgehen, wo die einzelnen Einrichtungen aufgestellt werden
Sollen. Soweit das für den betreffenden Beruf in Betracht kommt,
ist die Ausstattung des Betriebes mit Maschinen zugrunde zu legen.
Besonders erwünscht ist es, wenn zu der Beschreibung der Lagerräume
 auch Zeichnungen oder Skizzen über Lagergestelle, Regale,
Ständer, Gerüste gegeben werden.“
Von den aus dem Malergewerbe eingegangenen Lösungen wurden die
beiden folgenden mit Preisen ausgezeichnet:

113
        <pb n="116" />
        Wagehfchuppen
Geräftlehuppen
Lachlerraum
Te Leiter one
| Materialausgabe und Zurichtraum
es
Entwurf Abb. 49. Verfertiger: Emil Lacroix-Karlsruhe.

114
        <pb n="117" />
        ‘Der Platz, auf dem die Betriebs- und Werkstattbauten gedacht
sind, hat eine Breite von 16 m und eine Tiefe von 25 m.
Sämtliche Räume befinden sich zu ebener Erde,
Eine Wohnung von 3 Zimmern, Küche etc, kann im Dachstock
des Quergebäudes erstellt werden,
Hier könnte ein Gehilfe (Platzpolier), der das Vertrauen des Geschäftsinhabers
 genießt, Wohnung finden,
Aus dem Grundriß sind die für den Betrieb vorgesehenen Räume
ersichtlich,
Ebenso sind in denselben die Inneneinrichtungen eingezeichnet.
Ergänzende Erläuterungzuden einzelnen Räumen.
Als Heizung für Büro- und Werkstatträume sind Öfen vorgesehen,
 besser wäre jedoch Zentralheizung,
In sämtlichen Räumen ist elektrisches Licht.
Lager.
Über Öl- und Terpentinbehälter befindet sich ein Flaschenzug,
mit welchem die Öl- und Terpentinfässer gehoben und in die Behälter
 entleert werden.
Abbeiz bompen Gone
Abbeiz-Roum
| s0uren Rene
DE ArdeitsRaum
al
Zeichensaal
&amp;gt; CE
S
ME ie
nn NA
— - va A -
EEE EEDS- Are
/Mahstab.
Abb. 50. Verfertiger: Hugo Wolthan-Heidelberg.

115
        <pb n="118" />
        Materialausgabe und Zurichteraum.
Die Farbmühlen werden elektrisch betrieben.
Tischmit Schaft:
Schaft dient zur Aufnahme aller zum Gebrauch benötigten Ölund
 Leimfarbtöpfe, Eimer und Kannen.
Werkstatt und Lackierraum.
Decke und Wände sind mit Lackfarbe zu streichen.
Fußböden sind zu zementieren und mit Entwässerung zu versehen,

Wasserleitung ist anzubringen,
Anbringen von Öberlicht ist zweckmäßig.
Vorstehende Räume sind unterkellert und dienen letztere zur
Aufbewahrung von Emballage,
In welcher Art das Forschungsinstitut Fragen der Werkstätteneinrichtung
 bzw. -erweiterung bearbeitet, geht aus dem nachstehend
wiedergegebenen praktischen Beispiel hervor:
Anfrage des Malermeisters M. H. in J.
Ich beabsichtige, außer meinem Malergeschäft eine Wagenlackiererei
 einzurichten und bitte Sie höflichst, mir mit Plänen usw.
über moderne Betriebseinrichtungen an Hand zu gehen. Grundriß
meiner Geschäftsräume liegt bei, Dampfheizung ist bereits vorhanden,
 die vorhandenen Räume können umgebaut werden.
Das Gebäude steht mit 3 Seiten auf der Grenze, also kein
Fensterrecht. Über der Werkstatt befindet sich meine Privatwohnung,
 Alle strichpunktierten Mauern werden abgebrochen, die
punktiert angegebenen neu aufgeführt. Der jetzige Tapetenraum und
der hintere Teil des jetzigen Büros ist der alte Lackierraum. Der
Teil, der jetzt als Lackierwerkstätte bezeichnet ist, diente bisher zur
Aufbewahrung des Leitergerüstes, der Treppenleitern, Handkarren
usw., sowie als Durchgang zum hinteren Teil der Werkstätte, wo
die Lacke, Öle, trockenen Farben, Mühlen, Arbeitstische usw. untergebracht
 sind. Ich müßte mir nunmehr einen Raum schaffen zur
Unterbringung des Gerüst- und Leitermaterials, was sich durch Anbau
 eines entsprechenden Raumes neben dem Privateingang evtl
ermöglichen ließe (punktiert).

116
        <pb n="119" />
        Vorschlag des Bauherrn
Grundriss zum Erdgesch.
0 4 2 3 4 .
arbmühlen
ASCS
- alten.
Wagen -
Lackiererei.
Lacke efc.
Tapeten.
==Büro.

En A U
Bez
Hof.
. Sn
S I
Vorderhaus
Abo. 51

- 117
        <pb n="120" />
        Vorschlag zum Umbau
eines Malerbetriebes -
Grundriss vom Erdgeschoß EO&amp;amp;w.
9 1 2 3 4 zz On Farber . ‚ger.
Oberlicht ;
— Unterzuge.
Glasfüllung a
Trocken- Malap-Raum.
 Beste
Nische für
Heizkörper.
ube.
Wagen- Ka
Lackierere:.
en Anh. 52

118 A
        <pb n="121" />
        Vorschlag zum Umbau
eines Malerbetriebes
Grundriss vom Obergesch.
° 1 2 } &amp;amp;% 5
Olasdach
Zimmer Küche
Zimmer Zimmer

Abb. 5? 119
        <pb n="122" />
        Angenommen, es würde sich sonst alles nach Wunsch regeln
assen, so käme der Kernpunkt der Sache: Die zwischen der Werkstätte
 der Lackiererei vorgesehenen zwei Trennungswände (punktiert)
enke ich mir als Glaswände, Dadurch erhielte die eine Seite der
ackiererei etwas Licht, an der entgegengesetzten Seite, sowie an
der Rückseite ließe sich mit Hilfe von Glasbausteinen auch Licht
chaffen., An trüben Wintertagen wird das aber kaum ausreichen
ußerdem besteht die Möglichkeit, daß das eine oder andere der
achbargrundstücke später noch bebaut wird, Halten Sie die sogen,
lektr. „Tageslichtlampen‘“ für geeignet, das Tageslicht zu ersetzen?
Be
Die 12,5 Meter lange Lackiererei will ich durch Glastüren in
wei Teile teilen und den hinteren Raum als Trockenraum ausbauen.
ie vorhandene Dampfheizung wird dementsprechend umgebaut. Wo
und wie würden Sie die Heizkörper anbringen? Ich bitte Sie, mir
hre Vorschläge und Anregungen baldigst zukommen zu lassen, Vieleicht
 finden _Sie_auch eine andere Raumeinteilung,
ntwort:
na
In der Anlage übersenden wir Ihnen einen Vorschlag, wie Sie
uf einfache Art Ihren Malerbetrieb zweckmäßig umbauen können.
Zunächst schlagen wir eine Verlegung des Treppenhauses vor,
iehe Einzeichnung, damit Raum geschaffen werden kann für Gerüstolz
 nebst direktem Zugang zum Öl- und Farbenlager, Der Hauseinang
 wird zwischen Büro und Wagenlackiererei gelegt und mündet
in das neue Treppenhaus, welches zwischen den bestehenden Wänen
 angeordnet wurde, Dadurch wurde das alte Treppenhaus frei
nd können darin Leitern und Gerüstholz untergebracht werden,
erner ist hier der direkte Zugang zum Farbenlager, Die Malerwerktätte
 bleibt durch diese Einteilung unberührt und kann vom Hausang
 wie vom ehemaligen Treppenhaus erreicht werden. Die Wagenackiererei
 nebst Trockenraum verbleiben an der hierfür vorgesehenen
 Stelle; erstere wird durch einen großen verglasten Eingang gea
 erhellt, siehe Skizze, während der Trockenraum durch das
über dem Tapetenlager befindliche Oberlicht notdürftig Luftzufuhr
erhält, In letzterem Raume sind die Heizkörper in Nischen untergebracht,
 wie aus dem Plan hervorgeht. Das Öl- und Farbenlager haben
wir deshalb in der linken hinteren Ecke angeordnet, weil solche
Räume laut Bauordnung als feuergefährliche Räume angesehen werden,
 die einen unmittelbaren Zugang von außen haben müssen, ebenso
Sr Beleuchtung und Entlüftung. Durch diese Anordnung ist den
Vorschriften Genüge geleistet, Das Tapetenlager befindet sich in der
linken hinteren Ecke und ist durch die Werkstätte leicht erreichbar.

120
        <pb n="123" />
        Die eigentliche Werkstätte ist reichlich groß, um allen Anforderungen
zu genügen. Ein durchgehendes Oberlicht versorgt Farbenlager, Werkstätte
 und Tapetenlager reichlich mit Tageslicht, was von großem
Vorteil ist gegenüber künstlicher Beleuchtung. Künstliche Beleuchtung
 ist eigentlich nur noch im Trockenraum notwendig, die aber in
einfacher Weise gelöst werden kann,
Da wir nicht in der Lage sind an Hand des eingesandten Planes
zu entscheiden, wieviel Stockwerke sich auf dem Werkstattgebäude
befinden, so haben wir angenommen, daß das Obergeschoß ungefähr
so aussieht im Grundriß, wie es in der Obergeschoßzeichnung angeführt
 ist,
Die Neuanordnung des Treppenhauses würde dadurch nur günstig
 auf die Wohnung im II, Stock bzw. III und IV. Stock einwirken.
Vor allem liegt es zentral und ein verhältnismäßig kleiner Vorplatz
genügt, um von da in sämtliche Räume zu gelangen, Das ehemalige
Treppenhaus würde einfach überbaut werden, was der Küche zugute
käme, ferner würde da eine Speisekammer nebst Abort, letzterer zugänglich
 vom Treppenpodest, eingebaut werden können,
Mehrkosten durch die Verlegung des Treppenhauses würden dem
gesamten Betriebe zugute kommen und nicht sehr wesentlich sein,
Unter Umständen könnte die alte Treppe zum Teil Wiederverwendung
 finden, sofern es sich hier um eine Holztreppe handelt,

121
        <pb n="124" />
        Wirtschaftlicher Vergleich zwischen der Verwendung
eines eigenen oder geliehenen Fassaden-Leitergerüstes
Von Dr.-Ing. E. Hotz, Karlsruhe
Die Frage der Anschaffung von Maschinen und Gerät wird im
Handwerk häufig zu einer Spekulation, die Erfolg haben, aber auch
trotz einwandfreier Beschaffenheit des Geräts dem Betrieb Schaden
bringen kann, wenn die Bedingungen nicht erfüllt sind, unter denen
eine wirtschaftliche Ausnützung gewährleistet ist. Handelt es sich
um den Ersatz der Handarbeit durch Maschinenarbeit, z. B. bei der
Anschaffung einer Anstreichmaschine, so ist zunächst die technische
Wirkung der beiden Arbeitsweisen zu vergleichen, indem man durch
Versuch ermittelt, ob das Arbeitsprodukt dieselbe Vollkommenheit
hat, oder welches hochwertiger oder geringwertiger ist. Sodann wird
man feststellen müssen, inwieweit die Sicherheit der technischen
Wirkung von menschlichen Eigenschaften, Geschicklichkeit, Übung,
Gefühl usw. abhängt. Je unabhängiger die technische Wirkung eines
Handwerkszeuges oder einer Maschine von diesen irrationalen, nicht
meßbaren Faktoren ist, um so vorteilhafter wird sich dies auf die
Wirtschaftlichkeit geltend machen.
Mit der Prüfung der technischen Wirkung ist aber die Frage der
Wirtschaftlichkeit der Anschaffung von Maschinen und Geräten im
Handwerk nicht entschieden. Die Möglichkeit der Ausnützung zur
Massenfabrikation, wie dies Hauptgrundsatz in der Industrie ist,
liegt meist nicht vor, sondern das Hauptarbeitsgebiet des Handwerkers
 besteht in der Ausführung einzelner Aufträge nach den
Wünschen des Bestellers, Wir müssen also die Frage beantworten,
unter welchen Voraussetzungen ermöglicht die Anschaffung eines
Geräts eine Verbilligung des. bisherigen Produktionsprozesses? Zur
Beantwortung dieser Frage bedienen wir uns der Methode des wirtschaftlichen
 Vergleichs, dessen Ergebnis erst wirklichen Aufschluß
über die Wirtschaftlichkeit der Anschaffung eines Werkzeugs oder
Geräts, unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse gibt.
Zur Erläuterung der großen Wichtigkeit des wirtschaftlichen
Vergleichs soll im folgenden ein praktisches Beispiel aus dem Maletgewerbe
 behandelt werden, das zweifellos für viele Inhaber von

1297
        <pb n="125" />
        Malergeschäften große Bedeutung besitzt, Wir wollen feststellen,
unter welchen Voraussetzungen die Verwendung
eines. eigenen Fassaden-Leitergerüstes wirtschaftlicher
 ist als die Verwendung eines geliehenen.

Angenommen ein Malermeister will sich ein Leitergerüst für
700 qm Fassadenfläche anschaffen. Die Anschaffungskosten hierfür
betragen 2100 2X, und die festen jährlichen Kosten ergeben 388,50 RN
(siehe Zusammenstellung auf Abb. 54). Zu dieser letzteren Summe
kommen bei Verwendung eines eigenen Gerüstes die Selbstkosten
für das Auf- und Abbauen, die pro qm Gerüst mit 0,16 RX berechnet
werden sollen. Mit diesen Kosten müssen die Kosten verglichen werden,
 welche ein geliehenes Leitergerüst verursacht, Als Leihgebühr
nehmen wir den niedrigen Satz von 0,30 AM für den qm Gerüst an,
und zwar sind hierin die Kosten für An- und Abfuhr, Aufstellen und
Abnehmen des Leitergerüstes und Miete für drei Wochen enthalten.
In größeren Städten ist die Leihgebühr erheblich höher; sie beträgt
durchschnittlich 0,80 RX bis 1 RM pro qm, so daß in diesen Fällen
der wirtschaftliche Vergleich zwischen der Verwendung eines eigenen
 und geliehenen Fassaden-Leitergerüstes bedeutend zugunsten
der Anschaffung eines eigenen Gerüstes beeinflußt wird.
Wir berechnen nun die Kosten eines eigenen und geliehenen
Leitergerüsts für eine jeweils bestimmte Anzahl von qm Fassadenfläche,
 für welche das Gerüst jährlich verwendet wird, und vergleichen
 die. beiden Ergebnisse miteinander. Es ergibt sich hierbei die
folgende Tabelle:
Anzahl der qm Fassaden- Kosten bei Verwendung eines
fläche, für die das Gerüst eigenen | geliehenen
jährlich verwendet wird Leitergerüstes
500 73,50 Pe 150,—
1000 548,50 300,—
2 000 708,50 GM
2800 „836,50 540, -—
3000 „868,50 ‚ 900,—
4 000 1. 1028,50 1: J0,—
5 000 „1188,50 „ 1500,—
10 000 „1988,50 1. 3000,—
In der Abbildung sind diese Werte graphisch aufgetragen, um
den Verlauf der Wirtschaftlichkeit bildlich zu veranschaulichen. Wir
Sehen daraus, daß die Kosten eines eigenen Leitergerüstes unter Zu-172
        <pb n="126" />
        —
D
&amp;gt;
WIRTSCHAFTLICHER VERGLEICH
ZWISCHEN DER VERWENDUNG EINES EIGENEN
U.GELIEHENEN FASSADEN - LEITERNGERÜSTS,
Mr A ar ae de
Kosten für ein eigenes Fassaden-Leiterngerüst:
U US A u
5% VerZINSUNG des nich! abgeschriebenen Betrages: + - 103- » . .
1% Inslandhältung : - + ++ + + + +21.» |
25% Versicherung” :+ - + SA RD A
Konstante Kosten jährlich - ...  S88,50Mt „ AN
SelbstHosten für 1qm Gerüst auf-u.abbauen 0,16 Mark - 9 7 2000 3000 00 3000 gg 7000 az9 9000 z000 1000 myyn BI nn, B00GaM
IN DER LEIHGEBUNR SIND DIE KOSTEN FÜR AN-UND ABFUHR ‚AUFSTELLEN UND ABNEHMEN
DES LEITERNGERUSTS EINSCHLIESSLICH MIETE FOR DREI WOCHEN ENTHALTEN wi
        <pb n="127" />
        grundelegung der im Beispiel angenommenen Preise bei einer Verwendung
 für 2800 qm Fassadenfläche jährlich gleich den Kosten eines
geliehenen Gerüstes werden, wenn die Leihgebühr des letzteren
0,30 RN pro qm beträgt. Wird also in einem Betrieb ein Leitergerüst
 jährlich für mehr als 2800 qm Fläche gebraucht, so ist in jedem
Falle die Anschaffung eines eigenen Gerüstes wirtschaftlicher, d.h.
verbilligt die Selbstkosten. Je höher die Verwendungsmöglichkeit
des Gerüstes über 2800 qm steigt, desto größer sind die gemachten
Ersparnisse, Diese Beträge können aus nebenstehender Tabelle und
der graphischen Darstellung unmittelbar abgelesen werden. Dabei ist
durchaus nicht erforderlich, daß das Gerüst nur im eigenen Betrieb
für eine derartige Fläche gebraucht wird, sondern es ist anzustreben,
das Gerüst stets dann, wenn es im eigenen Betrieb nicht gebraucht
wird, anderweitig zu vermieten, um die Wirtschaftlichkeit zu erhöhen,
Besteht aber andererseits nicht. die Aussicht, das Leitergerüst
für eigenen Bedarf oder ausgeliehen zusammen mindestens für 2800
qm Fläche jährlich zu verwenden, so ist es wirtschaftlicher, das Gerüst
 im Bedarfsfalle selbst zu leihen,
Die in obigem Beispiel errechneten Zahlen besitzen natürlich
keine allgemeine Gültigkeit, sondern beruhen auf den angenommenen
Werten, die. einem praktischen Betriebe entnommen sind, Liegen
andere Verhältnisse vor, so braucht dieselbe Berechnung nur mit den
neuen Zahlen durchgeführt zu werden, um ein richtiges Ergebnis für
den betreffenden Fall zu erhalten. Hervorgehoben soll noch werden,
daß die Wirtschaftlichkeit eines eigenen Leitergerüstes um so eher
eintritt, je höher die Leihgebühr pro qm Gerüst ist. Bei einer Leihgebühr
 von 0,80 X pro qm sind die Kosten eines eigenen Gerüstes
bereits bei einer Verwendung für 600 qm Fläche jährlich gleich den
Kosten eines geliehenen Gerüsts (siehe Abbildung 54).
Der große Wert des wirtschaftlichen Vergleichs zur Ermittlung
der Rentabilität bei der Anschaffung von Maschinen und Gerät im
Handwerk wird durch das angeführte Beispiel deutlich gezeigt, Auf
Grund dieser Überlegungen sind wir in der. Lage, bei Neuanschaffungen
 die Unsicherheit, ob das wirtschaftliche Ergebnis den Erwartungen
 entsprechen wird, zum großen Teil zu beseitigen und eine klare,
Zahlenmäßige Antwort auf die Frage der Wirtschaftlichkeit zu geben.

125
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        Saisonarbeit im Malerhandwerk
Von Dipl.-Ing, H, Meeß, Karlsruhe
Die meisten Aufträge erhält der Maler erfahrungsgemäß im Frühjahr
 und Sommer, während im Herbst und Winter eine oft recht bedeutende
 Arbeitslosigkeit eintritt, Damit ist das Malerhandwerk zum
Saisonhandwerk geworden, ähnlich wie dies im Baugewerbe der Fall
ist, Eine möglichst gleichmäßige Beschäftigung während des ganzen
Jahres ist naturgemäß für jedes Handwerk erstrebenswert und bringt
gerade auch im Sinne der wirtschaftlichen Betriebsführung gegenüber
der Saisonarbeit erhebliche Vorteile mit sich. Hier spielt besonders
die Personalfrage eine große Rolle. Um den rasch auf ihn einstürmenden
 Anforderungen nachkommen zu können, ist der Meister genötigt,
 in der warmen Jahreszeit eine verhältnismäßig große Zahl von
Gehilfen einzustellen, die er dann, wenn sie gerade in seinem Betriebe
richtig eingewöhnt und eingearbeitet sind, aus Mangel an Beschäftigung
 wieder entlassen muß. Ob er dieselben Arbeitskräfte im
nächsten Jahre wieder erhalten kann, ist sehr zweifelhaft, da viele
von ihnen sich der Industrie zuwenden und, wenn sie dort dauernde
Beschäftigung finden, kaum wieder zum Handwerk zurückkehren,
Es sind gewöhnlich die besten Arbeitskräfte, die man in der Industrie
sehr wohl zu schätzen und festzuhalten weiß, und die damit dem
Malerhandwerk verloren gehen. Andererseits ist es ganz allgemein
für einen Betrieb ein ungesunder Zustand, wenn sich zu Zeiten die
Arbeit so häuft, daß sie nur mit größerer Anstrengung bewältigt werden
 kann, und dann auf diese Arbeitsperiode ein fast vollständiger
Leerlauf folgt. Da drängt sich nun die Frage auf, ob die Saisonarbeit
im Malergewerbe tatsächlich so begründet ist, wie z. B. im Baugewerbe,
 wo eben Witterung und Kälteperioden ausschlaggebend
sind, und ob hier nicht bis zu einem gewissen Grade Abhilfe geschaffen
 werden kann. Gewiß ist es für viele private Arbeitgeber zunächst
ein angenehmer Gedanke, Wohnräume usw. gerade in der warmen
Jahreszeit, in der sozusagen Tür und Fenster offenstehen und genügend
 Luftzug vorhanden ist, herrichten zu lassen. Aber bringt andererseits
 nicht auch die Ausführung solcher Arbeiten in der kalten
Jahreszeit wieder gewisse Vorteile mit sich? Es ist doch zu bedenken,
 daß der Malermeister in einer Zeit, in der er nicht mit drängen-126
        <pb n="129" />
        den Aufträgen überhäuft ist, auf die Wünsche und Anregungen seiner
Kundschaft, sowohl in der Art der Ausführung als auch in zeitlicher
Hinsicht, mit viel mehr Ruhe eingehen kann. Es kommen also schnelle
und aufmerksame Bedienung viel eher zu ihrem Rechte als in einer
Zeit der Arbeitsüberlastung, Geringe Temperaturen während der
Arbeit kommen wohl selten als Hindernis in Betracht, da innerhalb
einer Wohnung keine so große Kälte herrschen wird, Außerdem können
 die Räume, in denen gearbeitet wird, doch meist auch leicht geheizt
 werden, so daß selbst bei guter Entlüftung die Temperatur kaum
so niedrig sein wird, daß die Ausführung der Arbeit darunter leidet
oder unmöglich wird, So können sicher in vielen Fällen Malerarbeiten
 im Winter ebensogut ausgeführt werden als im Sommer, wodurch
eine gewisse Arbeitsverteilung auf das ganze Jahr erreicht würde.
Wir verweisen bei dieser Gelegenheit auf den bereits 1924 in dem
Organ des badischen Malerverbandes „Der Malermeister” (Jahrg. 1,
Heft 3) erschienenen Aufsatz „Malerarbeiten im Winter“
von Carl Lacroix, der eine diesbezügliche Eingabe an staatliche
und städtische Behörden zur Folge hatte. Es ist jedoch Aufgabe jedes.
Malermeisters, hier aufklärend zu wirken, denn es liegt nicht nur
daran, in dieser Beziehung das Einverständnis der Behörden zu finden,
 sondern gerade bei den Privatauftraggebern ist das Interesse für
diese Fragen zu wecken, So kann jeder. Malermeister durch gelegentliche
 Aussprache mit seinen Kunden zu einer besseren Verteilung der
Aufträge, die sich in einer gleichmäßigeren und dadurch vorteilhafteren
 Betriebsführung auswirken wird, beitragen,

1727
        <pb n="130" />
        Rationalisierung
des Zeitaufwandes im Maler- und Anstreicherhandwerk
Von Malermeister Wilh. Landwehr, Bonn
(Der Aufsatz wurde auf ein von dem Forschungs-Institut ausgeschriebenes
Preisausschreiben eingesandt und mit einem Preise ausgezeichnet)
Es gibt wohl keinen Beruf im Handwerk, in dem wie im Malergewerbe
 die Arbeiten noch ausgesprochen Handarbeiten darstellen,
obschon auch für einzelne Arbeitsmethoden, wie z. B. beim Anstrich
von Eisenkonstruktionen, Spritzmaschinen verwendet werden. Ferner
 werden für Anstriche und Lackierungen von Autos und sonstigen
Gegenständen Spritz- oder Tauchverfahren eingeführt, Aber den
Bestimmungen der Preisaufgabe folgend will ich diese einzelnen
maschinellen Verfahren in meinem Aufsatz keine Berücksichtigung
finden lassen, weil diese Arbeiten noch wenig in Frage kommen und
bei der großen Masse der Betriebe doch nur selten vorkommen. Wenn
aber Vorteile in dieser Art für unseren Beruf mehr an Bedeutung
erfahren werden, werden auch unsere Meister auf dem Posten sein
und die Vorteile sich nutzbar machen. Unser Malerberuf ist zum
größten Teil auf Privat- und Reparaturarbeiten eingestellt und wohl
in keinem Gewerbe wäre so viel Arbeit vorhanden, wenn die wirtschaftliche
 Lage, besonders die drückenden Steuerlasten, es der
Kundschaft nicht unmöglich machten, Anstreicherarbeiten ausführen
zu lassen, Es ist deshalb von großer Bedeutung, wenn durch eine
rationelle Zeitverwendung eine Verbilligung der Arbeiten und somit
eine Förderung der Arbeitsgelegenheiten geschaffen werden könnte.
Nun ist es in vielen Fällen gerade im Malergewerbe möglich, durch
rationelle Arbeitsmethoden den Arbeitsgang zu vereinfachen und
wirtschaftlicher zu gestalten, wenn jeder Meister dazu übergehen
wollte, alten Zopf und Gewohnheiten beiseite zu lassen und den vorgeschrittenen
 wirtschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden.
Wir können nun in unserem Berufe nicht, wie etwa beim Bäckerbetrieb
 durch Knetmaschinen, beim Baugewerbe durch Winden und
Drehkrane unseren Arbeitsgang maschinell einrichten. Unsere Arbeiten
 müssen wenigstens zu 90 Proz. mit der Hand und mit Handwerkszeugen
 ausgeführt werden, es kommt ‘nur darauf an. ob der

128
        <pb n="131" />
        Meister in der Lage ist, alle Vorteile auszunutzen. Wenn ich mir nun
die Frage vorlege, wie kann ich an Zeit sparen und doch eine möglichst
 große und vollkommene Arbeit hervorbringen?, so bleibt auch
hier die Einteilung, wie bei jeder Kalkulation: 1. Material, Lagerung,
Verwendung und Zubereitung, 2, Fertigung, Arbeitskraft, Hand-Ha
 meuß, 3, Verwaltung, Unkosten, Transporte und unproduktive
eit.
1. Zeitersparnis beim Material
Um unseren Beruf auszuüben, unterscheiden wir im großen ausgedrückt,
 drei Arten von Material,
1, Wasserfarben: Kalk-, Leim-, Mineral- und Kaseinfarben,
2, Ölfarben: Tonfarben, weiße Farben, Lasurfarben.
3. Lackfarben: Naturlack, Tonfarbenlack, Emaillelack usw.
Auch wäre hier noch die ölfreie Grundiertechnik und Emulsions-Srundierung
 zu erwähnen,
Um einen Kalkfarbenanstrich auszuführen, geht oft eine Menge
Zeit verloren und mancher Kalkfarbenanstrich mißlingt oder muß
Öfter als nötig gestrichen werden, weil bei der Zubereitung
der Farbe nicht genügend Vorsicht und fachmännische Kenntnis angewendet
 wird, Schon das Löschen, Aufbewahren und Zubereiten
des Kalkes bedarf der besonderen Vorsicht und Aufmerksamkeit, um
beim Anstrich Zeit zu sparen. Ein Kalk (natürlich nur die beste
Qualität ist die vorteilhafteste) muß richtig gelöscht werden, Viele
Maler schenken dieser Arbeit nicht genügend Beachtung und lassen
den Kalk entweder verbrennen oder versaufen, wie der Ausdruck
hier lautet, und die Bindekraft geht verloren. Es wird an späterer
Arbeitszeit viel gewonnen, wenn der Kalk richtig behandelt wird,
Dabei ist es von großer Wichtigkeit und auch beim Löschen schon
Zeit sparend, wenn gleich eine größere Menge Kalk gelöscht, gleich
Nach dem Löschen durchgesiebt und an einem möglichst feuchten
Standort (am besten Senken) aufbewahrt wird, Wenn heißes Wasser
Vorhanden ist, wird das Löschen beschleunigt, aber es soll dann stets
ein geübter Arbeiter das Löschen besorgen, damit durch tüchtiges
Rühren der Kalk an Güte gewinnt, Viele Meister werden sich den
Selöschten Kalk in Baugeschäften kaufen, besonders in den Städten,
WO es an Gelegenheit fehlt, den Kalk richtig aufzubewahren, aber an
dieser Zeitersparnis für das Löschen geht wieder ein besonderer Vorteil
 verloren, den ich hier einschalten möchte. Wenn der Kalk richtig
Selöscht und dünnflüssig ist (man muß immer in weiten geräumigen
Gefäßen löschen, um richtig rühren zu können), läßt man ihn in
Fässer, Senken oder passende Vorrichtungen ablaufen, der Kalk
Setzt sich wieder und es steht das Kalkwasser über dem Kalk, Dieses

o 120
        <pb n="132" />
        Wasser sammelt man in Gefäße, es hält sich sehr lange und ist das
beste Bindemittel für die etwaigen Mischfarben, welche man später,
um die Kalkfarbe getönt zu streichen, z. B, für Zimmerwände ver-‚wenden
 soll, Auch zum Verdünnen der Kalkfarbe, besonders für
Fassaden, soll man dieses Kalkwasser verwenden, um einen wetterfesten
 Anstrich herzustellen, Deshalb ist es nicht zu empfehlen, den
Kalk gelöscht zu beziehen. Nun hört man so oft: der Kalkfarbenanstrich
 ist nicht gut geworden, hat nicht gedeckt, springt ab, färbt
ab, ist steifig aufgetrocknet usw., und in den meisten Fällen ist der
Zeitverlust für das mehrmalige Streichen in der Zubereitung und
Anwendung des Kalkes zu suchen und die Arbeit wird entweder
selbstschuldig erneuert oder ohne Verdienst, ja mit Verlust ausgeführt,
 Ein Kalkfarbenanstrich soll mit nur 2 Anstrichen fertig
sein. Um das zu erzielen, muß aber praktisch verfahren werden. Der.
erste Anstrich soll stets einen Zusatz von Öl erhalten, nicht um da-|
durch den Kalk fest zu bekommen, das ist Unsinn, sondern das Öl
hat hier den Zweck wie bei der Leimfarbe das Seifen, nämlich daß|
der poröse Untergrund gesättigt wird. Das Öl verseift sofort und bildet
 eine feste Unterschicht, so daß der 2, Anstrich flott vonstatten!
geht, dabei an Zeit gespart wird, keine Ansätze und Flocken entstehen
 und kein weiterer Anstrich nötig wird, Wenn der Kalk zu fett
ist und sich glasig streicht, wie man sagt, oder nicht deckt und nur
lasiert, so daß man einen dritten Anstrich machen müßte, so setzt
man dem Kalk ein oder ein paar Hände voll feinen Flußsand (aber
keinen Kies) zu, und es ist mir noch nicht vorgekommen, daß ich
dann einen dritten Anstrich machen mußte, Aber bei dem Sand
heißt es vorsichtig sein. Man muß im Gefühl haben, wie viel man.
zusetzen kann, ohne Gefahr zu laufen, daß der gesandete Kalk abblättert,
 Der Zweck ist doch, den ersten und zweiten Anstrich flott
streichen zu können und die Zeit für den dritten Anstrich zu sparen,
oder eine mißglückte Arbeit leicht erneuern zu können, Es bedarf
wohl keiner besonderen Erläuterung, daß der Untergrund für Kalk-/
farbe stets gut fest sein muß. Wenn kein neuer Untergrund vorhanden
 ist, muß die Zeit für Abkratzen oder Abwaschen des Untergrundes
 geopfert werden, denn es ist immer Zeitersparnis, wenn man
für die nötigen Vorarbeiten die Zeit opfert, um keine doppelte Zeit]
bei oder nach der Fertigstellung vergeuden zu müssen, Vorausgesetzt,
daß der Kalk von Natur aus gut ist, richtig zubereitet und beim Anstrich
 praktisch verfahren wird, ist der Kalkfarbenanstrich sehr vor-,
teilhaft in der Verarbeitung und gegen andere Anstriche sehr billig.
Weil er aber häufig mißglückt, wird er nicht genügend geschätzt und.
kann doch gegenüber anderen Wasserfarben sehr viel schneller hergestellt
 werden. Natürlich kann man bei Frostwetter keinen Kalk-130
        <pb n="133" />
        farbenanstrich herstellen und soll ihn auch in der Sonnenhitze mög:
lichst nicht ausführen, oder dann wenigstens die Flächen (an Fassaden)
 vor dem Anstrich naß machen.
Anschließend an die Kalkfarbenanstriche kann ich hier kurz die
wetterfesten Farben, Beeksche Farbe, Keimsche Farbe usw. anschließen.
 Wenn, wie es heute viel vorkommt, bunte Farben verlangt
 werden (bunte Fassaden), so kann man das natürlich mit einer
Kalkfarbe nicht gut erzielen, weil außer Blau, Oker, Kalkgrün und
Erdfarben die bunten Farben vom Kalk zerstört werden, aber für alle
diese Fabrikate werden Anweisungen für den rationellen Verbrauch
beigegeben, und um in diesem Falle Zeit zu sparen, ist es geboten, sich
genau nach diesen Vorschriften zu richten, Jedes Pfuschen mit diesen
Materialien rächt sich in der mißglückten Arbeit an Zeit und Material.
Zu achten ist auf guten Untergrund, auch wenn er Zeit kostet, auf
dünnflüssigen Anstrich und passende Witterung,
Leimfarbenanstriche und Kaseinfarbe.
Beim Leimfarbenanstrich kommt zunächst in Betracht, daß die
Materialien wirtschaftlich lagern und schnell zur Hand sind. Wenn
der Meister für jede Decke, die er streichen soll, erst 10 kg Kreide
und Leim beim Krämer holen soll, geht der Verdienst schon am
Material verloren. Man rechne einmal die Stunden im Jahre zusammen,
 welche verloren gehen, wenn der Meister nicht dafür sorgt, daß
die Materialien für die Arbeiten zeitig vorhanden sind. Dann aber
auch in der Werkstelle die Aufbewahrung! So kommt es vor, daß
z, B. der Meister die Mischfarben in Tüten auf einem Brett stehen
hat und erst 5 bis 10 Tüten aulmachen muß, bis er das Gesuchte
findet! Wenn die Werkstelle noch so klein ist, die Vorräte noch so
gering sind, sie sollen in der Werkstelle leicht zu finden und zur
Hand sein, Jede Stunde kostet Geld und wenn nur die so gewon-Nenen
 Stunden zusammengehalten werden, so macht das im Jahre
eine Summe aus und manche Arbeit könnte verbilligt werden, wenn
am Material nicht so viel Zeit verloren ginge, Bei der Leimfarbenarbeit
 gilt dasselbe wie bei der Kalkfarbe: zuvor guten Untergrund
Schaffen, Alte lose Farben sind stets zu entfernen, selbst wenn man
glaubt, die alte Farbe könnte man überstreichen, Es stellt sich
Meistens heraus, daß dies nicht richtig war, man muß die Arbeit
Nochmals machen, oder man verliert die Kundschaft und es ist ein
Verbrechen am heutigen Wirtschaftsleben, wenn Jemand schlechte
Arbeit liefert, wo es dem größten Teil der Kundschaft schwer wird,
überhaupt Geld für Reparaturen aufzubringen. Jede Stunde, die
SO verschwendet wird, verschlechtert die Wirtschaftslage, Hat man
aber so einen guten Untergrund geschaffen, so soll man stets, sei es
P flanzen-, Knochen- oder Lederleim oder Kaseinfarbenstrich, einen

0* 131
        <pb n="134" />
        Vorstrich machen, und zwar je nachdem es der Untergrund oder die
Streichfarbe verlangt entweder Kalkmilchvorstrich mit Ölzusatz
(1 Weinglas voll auf 1 guten Eimer dicken Kalk, in der dünnen
Kalkmilch hat das Öl keinen Zweck mehr, weil da der Kalk nicht
mehr die Kraft hat zu verseifen und das Öl nur noch Fettungen abgibt),
 oder mit verdünntem Pflanzenleim vorstreichen, bei Knochenleim
 seifen, bei Kaseinfarbe dünn grundieren und zwar gleich mit der
richtig getönten Farbe, Dieser Vorstricht ist stets nötig. Es glückt
schon ab und zu, daß der Anstrich auch so gut wird, aber das Risiko
ist stets vorhanden und um billig (rationell) arbeiten zu können, soll
man kein zu großes Risiko einkalkulieren, weil schon sowieso genügend
 Geschäftsunkosten vorhanden sind, Wenn aber in den
meisten Fällen dann die Arbeit nicht klappt, so ist die schöne Zeit
verloren. und man macht noch einen Anstrich gratis, wenn nicht der
vorige Anstrich erst noch entfernt werden muß, Aber ganz besonders
ist noch zu berücksichtigen, daß wenn der Grund gut ist, und der
Voranstrich (Grundierung) richtig ausgeführt wird, die Arbeitszeit
für den fertigen Anstrich um 30—50 Proz, geringer ist, da sonst ein
teilweise poröser, teilweise fester Grund die Arbeit sehr erschwert,
auch der Anstrich unansehnlich auftrocknet, die Farbe teilweise
herunterläuft, und außerdem der Meister noch den Nachteil hat, daß
er bedeutend mehr Farbe benötigt, wie er für den Grundanstrich
verwenden mußte. Nicht zu vergessen ist dabei, daß die Ermüdung
der Arbeiter viel früher einsetzt, weil diese Arbeit _anstrengender
ist als bei fachmännischer Ausführung, |
Ich habe einmal die Probe gemacht an 2 Treppenhäusern, die
sich ganz gleich waren, Dieselben waren tapeziert, die Tapete wurde
entfernt, Ich hatte in jedem Treppenhaus 2 Gehilfen. Dieselben
hatten den Auftrag, zuvor die Tapete zu entfernen. Eine Treppenhauswand
 wurde eingeweicht und die Tapete abgekratzt. In zwei
Tagen war die Tapete herunter, Im Nebenhaus gab ich Anweisung,
die ganzen Tapeten einzuweichen. Unten angekommen, wurde oben
wieder angefangen und wieder heruntergewässert, und so noch einmal
bis Mittag, und am Nachmittag wurde abgekratzt, Die Tapete fiel
herunter und am Abend war dieselbe Arbeit fertig, für die im Nebenhause
 die doppelte Zeit nötig war. Jetzt wurden beide Treppenhäuser
 gründlich mit Kalkmilch grundiert, damit der Kleisterrest
aufgelöst wurde, Ich hatte der Kalkfarbe gleich Mischfarbe zugegeben,
um den Wandton schon zu heben, Ich habe dann das Treppenhaus,
in dem die Tapete in einem Tage entfernt worden war, zunächst
grundiert (verdünnter Sichelleim) und dann gestrichen, und ‚die
Wände waren wie ein Stück. Papier. Im andern Treppenhaus habe
ich, weil schon 2 Tage abgekratzt war, versucht, mit derselben Farbe

137
        <pb n="135" />
        gleich fertig zu streichen, Als ich am anderen Tage kam, war der
ganze Anstrich fleckig und mußte nochmals gestrichen werden.
Der Anstrich in dem Treppenhaus mit der Grundierung hatte
2 Mann 8 Stunden lang beschäftigt, wogegen zu dem einmaligen Anstrich
 ohne Grundierung 2 Mann 7 Stunden gebraucht hatten, und
jetzt nochmals ein Anstrich ausgeführt werden mußte, So hatte ich
den Beweis, daß man nur an Zeit sparen kann, wenn man die Vorarbeiten
 richtig macht, und zudem die Mängelrügen der Kundschaft
vermindert,
Beim Kaseinfarbenanstrich gelten eigentlich dieselben Voraussetzungen
 für Zeitersparnis wie bei Kalk oder Leimfarben, Um aber
noch einen Vorteil beim Verarbeiten von Kaseinfarben zu erwähnen,
sei daran erinnert, daß dieses Material sehr leicht läuft, oder wenn
das Laufen durch geringen Zusatz von Kasein vermieden werden soll,
die Farbe nachher mischt, Da hilft man sich, indem man beim Streichen
 nicht senkrecht und wagrecht die Farbe auseinander trägt und
ständig am Vertreiben bleibt bis die Farbe angezogen hat, um so
die Strähne und Tropfen zu vermeiden, sondern die Kaseinfarbe im
Bogen (Sichelform) nach unten streicht, und man wird sehen, daß
dann wenig Neigung zum Laufen und zur Tropfenbildung vorhanden
ist. Diese Streichweise geht bedeutend schneller und man hat eine
glattere Fläche zu erwarten, Selbstverständlich ist auch hier ein geübter
 Arbeiter nötig, aber jede Zeitersparnis bedeutet Gewinn und
Arbeitsmehrung.,
Öölfarben und Lackfarben.
In Bezug auf Materialaufbewahrung, Zubereitung und Verwendung
 gilt es hier, möglichst geringen Zeitaufwand zu erzielen, wie
dies schon in dem ersten Teil dieser Abhandlung gesagt wurde,
Jedoch soll man bei der Herrichtung von Ölfarben stets darauf bedacht
 sein, daß jede Ölfarbe vor dem Gebrauch durch die Mühle gelassen
 werden muß oder wenigstens durch ein Sieb, Dies ist sehr
Schnell geschehen, und es wird viel Zeit gespart, wenn sauberes
Material zur Verarbeitung kommt. Die Farbe ist geschmeidiger, der
Anstrich geht schneller vonstatten, die Fläche wird glatter und erspart
 auch viel Zeit für den nächsten Anstrich, weil nur sehr leicht
geschliffen zu werden braucht, wogegen die ungemahlene Farbe rauh
und unansehnlich wird, Besonders fällt dabei ins Gewicht, daß die
Farbe viel ausgiebiger ist und man wenigstens 10 Proz. Material
sparen kann. Die Farben decken bedeutend besser, so daß z, B, bei
einem Zinkweißanstrich mit 2 Strichen dasselbe erreicht wird als
mit drei Strichen, wenn das Zinkweiß nicht durch die Mühle gefangen
 ist,

133
        <pb n="136" />
        Mancher Meister scheut hier die Arbeit, weil ja die Mühle wieder
 gereinigt werden muß, dies ist aber nur halb so schlimm. Wenn
die Farbe aufgemahlen ist und mit einem Pinsel der Rest entfernt
worden ist, so daß kein Farbverlust entsteht, kann man die Mühle
schnell reinigen, indem man eine Kiste mit feinem Sägemehl unter
den Tisch stellt, die einzelnen Teile hineinsteckt und sie tüchtig mit
dem Sägemehl abreibt, Wenn da jede Rille mit dem Lappen und dem
Fingernagel gereinigt werden soll, geht zu viel Zeit verloren.
Um bei Lackfarben an Zeit zu sparen, soll man sie fertig beziehen.
 Wenn dieselben dann noch gemischt werden sollen, nimmt
man Tubenfarbe, denn hier würde es Zeitverschwendung sein, wenn
man bei jeder Kleinigkeit die Mühle gebrauchen wollte. Eine ganz
besondere Zeitersparnis können wir in unserem Gewerbe durch Anwendung
 der ölfreien Grundiertechnik erzielen, wobei in vielen Fällen
ein Anstrich gespart werden und die Arbeit in kürzester Zeit fertig
sein kann, Aber für diese Technik sind in letzter Zeit so viele Broschüren,
 Empfehlungen und Anweisungen herausgegeben worden, so
daß wohl jeder im Bilde ist, wo hier an Zeit gespart werden kann,
und ich kann es mir versagen, hierauf näher einzugehen, Aber auch
in dieser Beziehung gilt es für jeden Meister, mit der Zeit mitzugehen.
Abfallverwertung.
Auch im Malergewerbe kommen Abfälle vor und ist es zu überlegen,
 ob die Zeitautwände für die Erfassung der Abfälle sich lohnen.
Nun unterscheiden wir Abfälle, die erfaßt werden können, und solche,
die direkt verloren sind. Verspritzte Farbe, Bodensätze und dergl.
sind direkt verloren. Aber Farbreste, Farbhäute und verschmutzte
Farben können und sollen verwertet werden. Man hat auf der Arbeitsstelle
 und Werkstelle einen Topf bereit, in den man alle flüsligen
 Reste und Häute hineingießt. Diese Reste sollen stets unter.
etwas Leinöl stehen, damit sie nicht vertrocknen. Wenn sich eine
entsprechende Menge gesammelt hat, siebt man die Masse unter Zusatz
 von Halböl durch’ und kann sie zum Grundieren für einfache Arbeiten
 verwenden. Den Rest kann man aufkochen, auch wenn man
einmal Gelegenheit hat, groben Kitt zu gebrauchen, Kitt daraus
machen z, B, für Glasdächer, Aber am vorteilhaftesten ist es, diesen
Rest (natürlich gut durchgesiebt) und alle Reste, die aus den Töpfen
gekratzt werden, in den Ofen zu werfen, denn es ist der rationellste
Verwendungsprozeß, weil die Reste den Wert nicht ersetzen, welcher
 mit der Arbeitszeit dafür vergeudet wird, selbst wenn ein Lehrling
 diese Abfälle verarbeitet. Grundsätzlich muß man aber dafür
sorgen, daß wenig Häute und Abfälle entstehen. Lackreste soll man
nicht zu den Abfällen geben, sondern stets für sich gut verschlossen

1234
        <pb n="137" />
        aufbewahren, nicht in die Kanne zurückgeben und bei passenden Gelegenheiten
 für sich verwenden,
IL Fertigungswirtschait
1. Arbeitskraft, Zeitersparnis und Höchstleistung,
Soll die Arbeit gut gedeihen, muß das Herz fröhlich sein, heißt
es im Liede,
Um eine möglichst große Leistung zu erzielen, ist Grundbedingung,
 daß Lust und Liebe für die Arbeit vorhanden ist, Wenn der
Gehilfe schon morgens beim Betreten der Werkstelle wie ein Rekrut
angebrüllt wird, ist es mit der rationellen Leistung für den Tag vorbei.
 Wenn der Gehilfe einen Lohn bezieht, der es ihm nicht ermöglicht,
 für seine Familie zu sorgen, oder nicht einmal ausreicht, seiner
eigenen körperlichen Lebensmaschine die nötige Kraft zuzuführen,
so kann man nicht erwarten, daß der Mann rationell arbeiten kann.
Andererseits ist es aber für größere Leistungen von Bedeutung, daß
der Meister seinen Betrieb so gestaltet, daß der Gehilfe, die Erfüllung
 der vorher gesagten Bedingungen vorausgesetzt, die Zeit, in der
er arbeiten soll, auch. richtig ausnutzt, daß nicht nur die Schichtzeit
 pünktlich eingehalten wird, sondern daß die Arbeitszeit, die
bezahlt wird, auch tatsächlich ausgenutzt wird, Es ist ein altes Übel
in unserem Berufe, das leider noch sehr. tief eingewurzelt ist, daß der
Arbeitsbeginn verzögert wird, Wenn z. B. die Arbeitszeit um 8 Uhr
beginnt, soll der Gehilfe um 8 Uhr an der Arbeit sein, Aber wie ist
es meistens? Punkt 8 Uhr erscheinen die Herren zur Arbeit, Nun
beginnt das Umkleiden und frühestens 1/4, nach 8 Uhr ist man an der
Arbeit. Gewöhnlich sammeln sich die Leute vor der Werkstelle oder
Arbeitsstelle und mit der Uhr in der Hand warten sie bis 8 Uhr, um
nur ja nichts von der kostbaren freien Zeit zu verlieren, trotzdem im
Tarifvertrag steht, daß pünktlich angefangen werden soll, Dasselbe
wiederholt sich am Mittag. Wo dieser Schlendrian noch herrscht,
macht das pro Gehilfe pro Tag 1% Stunde = 150 Stunden im Jahr.
Ein weiterer Fehler besteht noch darin, daß man vielfach die Leute
jeden Morgen erst in die Werkstelle kommen läßt. Wenn Sachen
nötig sind, soll man sorgen, daß möglichst alles mit einem Transport
zur Stelle geschafft wird und die Leute pünktlich an die Arbeit
gehen können. Vor jedem Arbeitsstück soll der Meister erst genau
feststellen was an Material und Werkzeug notwendig ist und die
Leute erst beginnen lassen, wenn alles an Ort und Stelle ist. So kann
Manche Stunde gespart werden.
Ein weiterer Umstand, der leider in unserem Gewerbe eingebürgert
 ist, ist die durchgehende Arbeitszeit. Wenn wir engl. Lebensweise
 führen würden und unsere Leute dafür geschaffen wären,

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        <pb n="138" />
        könnte man sich einverstanden erklären. Aber auf die Dauer jeden
Mittag Butterbrote, 14 Stunde Pause und gleich wieder Arbeit, kann
niemals zur rationellen Zeitverwendung führen, Wenn sich aber die
Leute ihr' Mittagessen kommen lassen, warm machen, essen, so. ist
wenigstens 1 Stunde dazu notwendig und davon 1% Stunde auf Kosten
des Meisters, Ich behaupte ferner, daß eine durchgehende Arbeitszeit
 mit 1% Stunde Pause die Leute schneller ermüdet und dieselben
am Nachmittag nicht mehr so leistungsfähig sind, als wenn eine Mittagspause
 gewesen wäre, Die früheren Bestrebungen, Zeit zu gewinnen
 für Bildung und Erholung sind längst hinfällig geworden, die
langen Abende werden vielfach für Schwarzarbeit ausgenutzt, Die
Leistungsfähigkeit wäre am besten ausgenutzt, wenn der Mann geregelte
 Mahlzeiten und geregelte Arbeitszeiten hätte, etwa von
8 bis 12 Uhr und 2 bis 6 Uhr, da ist noch freie Zeit genügend übrig,
Noch vorteilhafter wäre es, könnte man am Morgen früher mit der
Arbeit beginnen, weil der menschliche Körper am Morgen mehr
leistet, aber die Art unseres Berufes läßt das in den meisten Fällen
nicht zu, weil wir vor 8 Uhr, besonders in der Stadt bei der Privatkundschaft
 nicht anfangen können. Aber wenn wir unser Gewerbe
heben, wenn wir unsere Arbeiten preiswürdig und billig herstellen
wollen, wenn wir durch rationelle Zeitverwendung mehr Arbeitsgelegenheit
 schaffen, müssen die Verbände, Meister und Gehilfen zusammenarbeiten
 und zusammen dafür sorgen, daß die Grundlagen für
verbilligte Arbeitsmethoden und Arbeitsbeschaffung gegeben werden.
Es müssen Mittel und Wege. gefunden werden, daß die Arbeitszeiten
voll ausgenutzt werden können und die unproduktiven Stunden auf
das niedrigste Maß gedrückt werden. Unser Grundsatz für die Zukunft
 muß sein: Menschenwürdige gleichberechtigte Behandlung, gute
und angemessene Entlohnung, dafür Ausnutzung des Betriebes, wo es
geht durch möglichst große Leistung, Ein weiterer Vorteil bei der
Arbeitskraft ist in der richtigen Verwendung der einzelnen Arbeitskräfte
 zu suchen, Wie in der Natur alles verschieden ist, so sind
auch die Menschen alle verschieden und da soll der Unternehmer,
der Meister ganz besonders, darauf bedacht sein, seine Arbeitskräfte
an die richtige Stelle zu setzen, in größeren Betrieben die Arbeiter
spezialisieren, Es gibt oft tüchtige Anstreicher, die für Dekoration
nicht zu gebrauchen sind und umgekehrt. Nun kommt es sehr oft vor,
daß hier sehr viel Zeit verschwendet wird, indem der verkehrte Gehilfe
 die Arbeit ausführt. Wenn dieser Anstreicher eine Dekoration
machen soll, quält er sich damit ab und es wird doch nichts, wogegen
ein geübter Maler die Dekoration in der halben Zeit fertiggestellt
hätte, Dies sind Zeitverluste die nicht bezahlt werden und verloren
sind, Je vollkommener ein Gehilfe in einem Berufszweig ausgebildet

136
        <pb n="139" />
        und entwickelt ist, desto leistungsfähiger ist er und um so mehr kann
die Arbeitszeit ausgenutzt werden, Wir müssen unsere Betriebe in
dieser Hinsicht viel mehr der Industrie nachbilden, wo keine Zeit
übrig bleibt, die vertrödelt werden kann. Leider ist in unserem Berufe
 eine Stück- oder Akkordarbeit in wenig Fällen einzuführen,
aber wo es möglich ist, kann man sofort erfahren, daß die Leistungsfähigkeit
 gesteigert werden kann. Darum angemessenen Lohn und
entsprechende Leistung,
Handwerkszeuge und Geräte,
Ein oft vorkommender großer Fehler wird von manchem Meister
gemacht und viel kostbare Zeit geht verloren, wenn auf der Arbeitsstelle
 nicht genügende und praktische Handwerkszeuge vorhanden
sind, Das beste Werkzeug ist immer das billigste. Zunächst die Geräte,
 Leitern und Gerüste, Da sind in einer Etage Decken zu streichen,
 Der Meister schickt 2 Leitern, 1 Diele (Brett) und es wird zuvor
 nicht überlegt wie die Sachen sein müssen, Die Leitern reichen
bereits bis an die Decke, Wenn nun die 2 Leute auf dem Brett
stehen und die Seiten der Decke streichen wollen, müssen sie jedesmal
 herunter klettern und auf der anderen Seite wieder hinauf, Wieviel
 unnütze Zeit geht da verloren und wie schnell sind die Leute
ermüdet, Die Leitern müssen so sein, daß der Arbeiter, wenn er auf
dem Brett steht, das Bein über die Leiter schlagen kann, daß er sich
mit der Kniekehle an der Leiter festhalten kann und nicht vom Brett
herunter braucht. In dieser Weise streichen die Leute die Decke
in der halben Zeit, und wie oft wird in dieser Art gesündigt. Diese
Beispiele ließen sich vermehren, Dabei wundert man sich dann, daß
er Verdienst so klein ist und manche Konkurrenz billiger arbeiten
ann.
Entgegengesetzt sollen die Leitern aber auch nicht zu klein sein,
Wenn das Brett auf der obersten Stufe liegt und die Leute sollen an
der Decke arbeiten, verlieren sie die Sicherheit, weil sie nirgends
einen Halt finden. Ähnliche Einwendungen sind bei jedem Gerüst zu
beachten, Wenn kein gutes Gerüst vorhanden ist, kann nicht wirtschaftlich
 gearbeitet werden, Leitergerüste für Fassadenanstriche
soll der Meister von Spezialgeschäften bauen lassen, wenn das Geschäft
 nicht so groß ist, daß spezialisierte Arbeiter stets mit der
Fassadenarbeit beschäftigt werden können, Die eigene Gerüstbauerei
kommt viel teurer zu stehen, aber auch der Zeitverlust ist besonders
in Anrechnung zu bringen, Werkzeuge sind ein ganz besonderes
Kapitel. Will man wirtschaftlich arbeiten, muß man geeignetes
Werkzeug haben, Wenn der Schreiner hobeln will, muß der Hobel
scharf sein, wenn der Anstreicher anstreichen will, so müssen Haare

137
        <pb n="140" />
        m Pinsel sein. Mann kann eine Kalk- oder Mineralfarbe nur mit
iner langen Bürste streichen, sonst läuft man Gefahr, daß die Fläche
icht glatt auftrocknet, Bei Leimfarbe soll die Bürste angeschliffen
sein um schnell und sicher arbeiten zu können. Für Abwaschen alter
eimfarbe sowie für Streichen von Kleister können kurze Borsten,
Iso abgeschliffene Bürsten verwendet werden. Aber wieviel Zeit
wird hier vergeudet, weil das Handwerkszeug nicht rationell ist.
asselbe gilt für Ölfarbe, Hier ist stets. darauf zu achten, daß für
jede Arbeit, soll sie glatt vonstatten gehen, richtiges Werkzeug zur.
erfügung steht, In den meisten Fällen werden diese Geschältsvorommnisse
 übersehen und wird überhaupt nicht überlegt, daß hier
ehr viel Zeit verschwendet wird. Ich hatte einmal Gelegenheit, im
ndustriegebiet einen Kollegen zu besuchen und begleitete ihn zu
iner Zeche, wo seine Leute am Streichen von Fabrikfenstern waren,
a sah ich 2 Mann mit ganz alten verschlissenen Pinseln die Fenster
nstreichen, In der einen Hand.hatten sie ein Tuch, womit sie die
cheiben stets reinigen mußten. Ich machte den Kollegen darauf
ufmerksam und er antwortete mir: Für die alten Eisenfenster sind
ie alten Pinsel gut genug, neue Pinsel sind zu schade dafür, Ja,
agte ich, bekommst du denn die Fenster so gut bezahlt, daß du dir
ijesen Spaß erlauben kannst? Die Leute streichen doch doppelt so
ange an einem Fenster, Er erwiderte mir: Daran habe ich noch nicht
edacht, aber du könntest recht haben. Ein neuer Pinsel wäre in
inem halben Tage verdient gewesen. Nach einem Jahre traf ich den
ollegen wieder und nach kurzer Zeit berichtete er mir, daß im
origen Jahre die Pinselgeschichte für ihn eine Lehre gewesen sei,
nd er jetzt für jede Arbeit seine speziellen Pinsel habe,
Wie Vielen mag es ähnlich gehen, die davor zurückscheuen,
utes Handwerkszeug zu kaufen und an Lohn bei der Arbeit verieren,
 Wie viel Zeit wird unnütz aufgewendet bei besserer Arbeit,
ackierungen und dergleichen, weil schlechtes Handwerkszeug keine
ute Arbeit leisten kann und deshalb bedeutend mehr Zeit notwendig
ist und die unproduktiven Stunden vermehrt werden. Schon bei der
andhabung der Handwerkszeuge wie Pinsel, Spachtel, Schablonen
erden von den Leuten viele Minuten verplempert, dadurch daß die
erkzeuge nicht genügend geschützt, gereinigt und richtig behandelt
erden, daß z, B. Pinsel vertrocknen, Farbkessel nicht beigeputzt,
chablonen nicht geschützt und zerrissen werden, Wenn dann diese
achen benötigt werden, muß der Mann wohl eine Menge Zeit opfern,
is er sein Zeug wieder in Ordnung hat. All diese unproduktiven
tunden können bedeutend vermindert werden, wenn dem Handwerkszeug
 die gebührende Beachtung geschenkt wird. Wenn man sich
der Mühe unterziehen würde, eine Woche lang senau aufzuschreiben,

138
        <pb n="141" />
        wieviel unproduktive Zeit am Tage in einem geordneten Betriebe verloren
 geht an: Vorrichtungsarbeit, Instandhaltung, Nacharbeit usw., so
würde man staunen wieviel dann erst in einem ungeordneten Betriebe
 verloren geht. Hier ist ein Punkt, an dem eingesetzt werden
kann, wenn wir an Zeit und Kosten sparen wollen, hier muß wieder
von unten angefangen werden und müssen besonders unsere Lehrlinge
 dazu erzogen werden, daß das Handwerkszeug in Ehren gehalten
 wird,
Unkosten für Zeitverluste und Transporte
In jedem Betrieb wird auch mit einem gewissen Prozentsatz Zeitverlust
 gerechnet, selbst die Industrie ist davor nicht geschützt. Aber
es gibt noch so viele Gelegenheiten, bei denen Zeit verloren geht,
die besser ausgenutzt werden kann, Da ist zuerst der Meister selbst,
der Abhilfe schaffen kann, Er soll bei jeder Arbeit sich vorher einen
Fertigungsplan machen, nach dem die Arbeit vonstatten gehen soll,
Es soll nicht vorkommen, daß Arbeiten begonnen werden, ohne daß
alles zur Stelle ist. Er soll seinen Arbeitsplan für sich so einrichten,
 daß er stets Fühlung mit der Arbeitsstelle hat und über den
Fortgang der Arbeit stets auf dem Laufenden ist, Daß die Leute
nicht bei jeder Arbeit erst die Leitern flicken, die Werkzeuge herrichten,
 die Kessel ausbrennen und vergessene Materialien und
Werkzeuge nachholen müssen... Er soll die Gehilfen auf der Arbeit
nicht warten lassen, bis er angegeben hat, was gearbeitet wird und wenn
seine Zustimmung zu einer Probe oder ein sonstiger Entschluß nötig ist,
darauf achten, daß nicht durch ihn selbst kostbare Zeit verloren geht.
Es ist ferner dafür zu sorgen, daß stets ungehindert weiter gearbeitet
 werden kann und wenn auf einer Stelle die Arbeit zur Neige
geht, die Gehilfen die Arbeit nicht strecken, weil sie nicht wissen,
Wo sie weiter arbeiten können. In der Betriebsleitung selbst liegt
ein großer Teil rationeller Zeitersparnis, wenn sie nur erkannt wird,
Wo in der Leitung keine Ordnung herrscht, haben die Arbeitskräfte
dieses sofort heraus, die nötige intensive Arbeitsweise fehlt und das
Resultat ist dann unrentable Arbeit.
Für gewisse Arbeiten, besonders solche, die nicht oft wiederkehren,
 soll man sich genaue Aufzeichnungen machen über Zeit,
Material und Unkosten, um Vergleiche anstellen zu können, ob man
bei der Vorkalkulation das richtige getroffen hat. Man sieht dann
auch bei dem Arbeitsgang durch eine Zwischenkalkulation, ob der
Arbeitsgang der richtige ist, oder ob in der Arbeitsfolge andere Mittel
 und Wege eingeschlagen werden müssen, um an Arbeitszeit
Sparen zu können. Um in einem Beispiel dieses zu erläutern, führe
ich eine Arbeit an,-die ich vor kurzer Zeit ausgeführt habe, und die
Mir, als dem Mindestfordernden, übertragen wurde. Ich will die Vor-1309
        <pb n="142" />
        kalkulation, auf Grund dessen mir die Arbeit übertragen wurde, die
Zwischenkalkulation und das Resultat meiner Aufzeichnung, hier kurz
schildern, um zu zeigen, wie man es machen soll,
Die Offerte lautete:
1,520 qm Holzwerk der Dachüberstände zu reinigen, 2mal Ölfarbe
 mit Lackzusatz streichen,
2.330 qm Holzwerk der Türen und Fenster ganz ablaugen, vorstreichen
 und 2mal Ölfarbe wie zuvor streichen.
3, 400 lfde, Meter Rinnen und Rohre grün streichen und die Rinneisen
 weiß absetzen,
4.30 qm Fenstergitter reinigen und 2mal Ölfarbe streichen.
Zu 1, hatte ich kalkuliert:
daß der Gehilfe von der Leiter pro Viertelstunde 1mal 1 Meter
Dachüberstand streichen und reinigen sollte — 32 qm am Tage ä 8
Stunden, pro Stunde 1.— RX Lohn = proqm. ." 0,25 RX
Für den zweiten Anstrich 40 lfidm, pro Tag. , . ... 0:20
55 % Geschäftsunkosten (einschl. Meisterlohn) . . . . 0,24 ,,
An Material erster Strich 120 gr Ölfarbe, Metallocker, Öl,
Terpentin pro Kilo 0,80 RX,
in runder Summe angenommen . . . AT
1 Strich 100 gr. mit Lackzusatz 1,20 RM ._. B DS
10 % für Risiko und Verdienst . 0.09 ,,
0,99 AN
angerundet per qm 1,.— AM — 520 qm —= 520 AM
Zu 2, Ablaugen, g . nn
eine Arbeit, die stets mit Risiko verbunden ist. Ich hatte angenommen,
 daß 1 Mann im Tage im Durchschnitt 16 qm Holzwerk ablaugen
könne, dabei berücksichtigt, daß an den Türen etwas mehr und den
Fenstern weniger geleistet wird,
16 qm pro Tag — 8.— RX Lohn, progm. . ...... . 0,50 RM
55 % Geschäftsunkosten auf dem Lohn . ,_. 0,28 ,,
An Laugenmaterial hatte ich pro qm . .'% ... 7. 005,
angenommen, ich wußte selbst noch nicht, wie ich am
Vorteilhaftesten arbeiten würde und wollte verschiedene
 Mittel ausprobieren, Selbstkosten . ..... . . 0,83 AN
10% Gewinn ‚= Se 0.08
0,91 RM
angerundet auf 1 qm 0,90 RX
Für den zweimaligen Anstrich nebst Verkitten hatte
ich denselben Preis wie bei Pos, 1 angenommen... al
Ka
zusammen 1,90 AM
330 qm a 1,90 7X — 627.— RM

140
        <pb n="143" />
        Zu 3. Rinnen und Rohre,
Für die Dachrinnen und Rohre hatte ich den Preis geschätzt,
weil dieselben beim Streichen des Holzwerks gleich mitgemacht wurden
 und zwar 0,25 RM für den Anstrich und 0,05 RX für Absetzen
pro Meter — 400mal 0,30 AN == 120.— RM
Zu 4, Fenstergitter,
Für die Fenstergitter hatte ich denselben Preis angesetzt wie für
das Holzwerk, einfaches Gitter 2 Seiten gemessen pro qm 1.— AM
839m — 83—
Kostenanschlag insgesamt 1350.— AM
Bei einer Zwischenkalkulation stellte es sich heraus, daß die
Leute an den glatten Flächen meine Schätzung übertrafen, an den
Giebelstücken aber von der Leiter nicht die Hälfte erreichen konnten,
 auch war es an den Giebelstücken nicht möglich, die Gesimse
und Stirnbretter in einem zu erreichen, sondern ich benötigte zwei
Leitern, eine für die Unterschichten (die Überstände sind 1 Meter
breit) und eine Leiter für die Stirnbretter, es mußte ein
Gerüst gestellt werden, und wo an einem Stück 1 Mann
16 Meter im Tag gestrichen‘ hatte, wurden vom Gerüst 50 Meter gestrichen.
 Das Gerüst hat sich also gut bezahlt gemacht und kostete
100.— RM, ich hatte aber nicht damit gerechnet, Desgleichen habe
ich beim Ablaugen der Türen verschiedene Versuche machen müssen,
um das Ziel, 16 qm im Durchschnitt, zu überschreiten, denn gerade
beim Ablaugen kommt es auf die richtige Zeiteinteilung und praktische
 Handhabung an, ob viel oder wenig geleistet wird, obwohl die
Leute bei geringerer Leistung mehr Arbeit anwenden müssen als bei
größerer Leistung, wenn die Sache praktisch angefaßt wird.
Das Resultat meiner genauen Aufzeichnungen war nun folgendes:
An Lohn hatte ich verausgabt . . . . „ . 607,.— RM
55 % Geschäftsunkosten (einschl. Meisterlohn ohne f.
Verwaltung)‘. . . a Mb
Für Leitergerüst . .” "EM ;
An Material 62 kg Leinöl 0,95 RX
6 kg Luftlack 2,50 RN .
15 kg Sangajol Terpentin 0,65 AM AA
56 kg Metallocker 0,50 AM... Zo—
14 kg Dunkelgrün 4.” SS 20,50 ,,
25 kg Beize 0,90 ARM a 22.5008
24 kg Beize 1.20 RE 28,80 ‚,,
Für Salmiak, Säuren . He a I— mn
Bleiweiß für Rinnbänder und Gitter zirka 5 kg 5
1235.80 RM

141
        <pb n="144" />
        Übertrag; 1235,80 RAM,
Hierauf den im Voranschlag kalkulierten Gewinn
von 10% 123,50,
1359.30 RX
Meine Rechnung bzw. Kostenanschlag betrug 1350.— RM
Ich hätte also 9.— RX mehr haben müssen, war aber zufrieden
und hätte das Resultat nicht erzielt, wenn ich kein Gerüst gestellt
und beim Ablaugen nicht geprüft hätte, wie das Zeug am schnellsten
zu entfernen war, Solche Proben und Aufzeichnungen soll man öfters
machen, dann hat man in gegebenen Fällen Unterlagen und arbeitet
rationell,
Bei einer Gegenüberstellung des Resultates mit dem Voranschlag
stellt sich nun heraus, daß ich das Material ziemlich genau in der Kalkulation
 erfaßt hatte, daß ich aber für Ablaugematerial statt 0,05 RM
den qm zirka 0,20 RX benötigt habe, daß aber der Zeitaufwand günstiger
 war, wie ich in der Vorkalkulation angenommen hatte, So möge
dieses Beispiel zeigen, wie rationell es ist, solche Kalkulationsproben
und Aufzeichnungen zu machen und wie. man dann von selbst dazu
kommt, Mittel und Wege zu suchen, um an Zeit zu sparen. Es ist
vergebens, die heutige Wirtschaftslage zu übersehen und an rationeller
 Betriebsführung vorbeikommen zu wollen, alter Zopf und
Gemütlichkeit haben aufgehört, und alle Handwerker, die sich behaupten
 wollen, müssen dem Geist der Zeit sich anpassen und durch
aufwärtsgehende höhere Entwicklung im Berufe an der Lösung des
Problems, der Sicherung und Erhaltung des selbständigen Handwerks
mitarbeiten, Nur das eiserne Muß und der feste Wille wird zum Ziel
und zur Zufriedenheit führen und unter Ausnützung aller gegebenen
Gelegenheiten wird auch in Zukunft jeder Handwerker noch sein
Brot finden, wenn er sich bewußt ist, daß viele Wenig ein Viel
machen.

147
        <pb n="145" />
        Zur kaufmännischen Betriebsführung
 im Malerhandwerk
Allgemeines
Von Dr, Karl Rößle, Mannheim
Der Malerbetrieb ist eine auf Erwerb gerichtete Einzelwirtschaft,
deren Aufgabe es ist, wirtschaftliche Leistungen (Maler-,
Anstreicher-, Lackier-, Dekorations-, Tüncherarbeiten usw.) gegen
Entgelt auszuführen. Jede Erwerbswirtschaft ist durch die. enge
Verknüpfung mit der Gesamtwirtschaft von vielen Risiken bedroht,
 die eine Betriebsleitung nur dann auf ein erträgliches Maß
herabmindern kann, wenn sie diese Risiken genau kennt, entsprechend
 handelt und fähig ist, ihre Betriebsdispositionen den jeweiligen
gesamtwirtschaftlichen Verhältnissen anzupassen,
Trotz der augenblicklichen schlechten Wirtschaftslage darf sich der
Malermeister nicht von einer pessimistischen Wirtschaftsauffassung
leiten lässen, denn eine derartige Auffassung führt zu übervorsichtigem
 Handeln und zu einem Mangel an Entschlußfähigkeit, Die
elementare Forderung der Anpassung an die wirtschaftlichen Verhältnisse
 kann der Malermeister nur erfüllen, wenn er nicht nur ein
Vollendeter Techniker und Künstler in seinem Betriebe, sondern auch
ein guter Kaufmann ist. Er muß sich bewußt sein, daß eine Betriebskapitalerhaltung
 und -vermehrung und eine Ertragserzielung
nur möglich ist, wenn der Wert der zur Ausführung der Leistungen
notwendigen Aufwandsgüter (Farbe, Geräte, Werkzeuge usw.) in der
Regel hinter dem Werte der Leistungen zurückbleibt, Zur Durchführung
 einer richtigen Kapitalerhaltungspolitik benötigt der Betriebsleiter
 eine gute Kalkulation, der eine konsequent durchgeführte
Abschreibungsmethode zugrunde liegen muß. In dem Bestreben, zwi-Schen
 den Aufwands- und Leistungswerten eine möglichst
 große Spannung zu erzielen, darf die notwendige Rücksichtnahme
 auf gerechte Entschädigung und Gesundheit der Leistenden,
Sowie auf Qualität und Preis der Leistungen nicht verloren gehen, Je
Mehr der Handwerker das Wesen der wirtschaftlichen Betriebsfühtung
 erkennt. um so mehr wächst die Nachfrage nach seinen Lei-1423
        <pb n="146" />
        stungen bzw. erweitert sich der Kundenkreis seines Betriebes; es
steigert sich die Rentabilität der Einzelbetriebe, das Einkommen
 des Handwerkers und damit seine Bedeutung für die Gesamtwirtschaft,
 Wirtschaftlichkeit mildert nicht nur die da und
dort beobachtete Übersetzung des Malergewerbes und Wettbewerbsschärfe
 in den eigenen Reihen, sondern verhindert auch die
Schmutzkonkurrenz und ist in der Bekämpfung der privaten
 und öffentlichen Regiebetriebe ein wertvolles Hilfsmittel,

Die Lebens- und Ertragsfähigkeit eines Malerbetriebes wird in
hohem Maße von seinem Standorte abhängig sein. Ein junger Meister,
der die Absicht hegt, einen Malerbetrieb zu gründen, muß
deshalb vor der Betriebserrichtung eine Reihe wirtschaftlicher Erwägungen
 und Berechnungen anstellen, soll nicht eine oberflächlich
getroffene Standortwahl auf die Rentabilität der auszuführenden
 Leistungen nachteilig wirken. Der Gründer muß z. B. prüfen,
ob Bedarf für einen Malerbetrieb vorliegt, welcher Art die
Kundschaft (Industrie, Handel, Landwirtschaft, Handwerk, Verkehrsbetriebe,
 Haushaltungen usw.) sein wird, auf welchem Gebiete
der Leistungen eines Malerbetriebes die zu erhaltenden Aufträge
voraussichtlich liegen werden, Weiterhin wird zu prüfen sein, welcher
 Umsatz erreicht werden muß, um eine volle Beschäftigung des
zu gründenden Betriebes zu gewährleisten, Erwägungen über die zu
erwartenden Aufträge haben deshalb sorgfältig zu erfolgen, weil die
Organisation des Betriebes danach gestaltet werden muß.
Bei Überprüfung von Malerkalkulationen zeigte sich,
daß die durch den Standort bedingten Kosten auf die Ertragsgestaltung
 der einzelnen Betriebe mitunter von sehr großer Bedeutung
sind, Zum Beispiel standen einer Mieteeinsparung von 100 RM.
die durch Errichten der Werkstätte an der Peripherie der Stadt
erzielt werden konnten, einige hundert Mark unproduktive
Löhne gegenüber, die durch den entsprechend weiten Weg des Meisters
 und seiner Hilfskräfte an die Arbeitsplätze entstanden.
Zur Ausstattung eines Betriebes mit Rohstoffen, Werkzeugen,
Geräten, Schuppen usw. und mit Barmitteln zur Zahlung der laufenden
 Verbindlichkeiten und Löhne, ist Kapital notwendig. Die
dem Handwerker zur Verfügung stehenden Kapitalvorrät e
sind knapp und ihre Inanspruchnahme ist kostspielig. Der Gewerbetreibende
 muß deshalb die Kapitalbeschaffung und Kapitalverwendung
 in wirtschaftlichster Weise vornehmen. Er darf nur solche
Vermögensobjekte beschaffen, deren wirtschaftlicher Gebrauchswert
 für die Aufgaben des Betriebes einwandfrei festgestellt

144
        <pb n="147" />
        ist, Es ist darauf zu achten, daß die erworbenen Werkzeuge, Geräte
 usw. das Fortschrittlichste auf ihrem Gebiete darstellen. Ihr
Einkaufpreis muß so niedrig wie möglich sein, damit ihre Amortisation
 den Betrieb nicht so stark belastet. Werden derartige Erwägungen
 bei der Organisation des Vermögens nicht angestellt,
So kann der Aufwand des Betriebes durch Zinsen, Instandhaltungskosten,
 Abschreibungen mitunter s o stark belastet werden, daß sich
eine Rentabilität nur sehr schwer erreichen läßt. Man kann bei vielen
Betrieben der Praxis beobachten, daß die Ursachen ihrer man gel:
haften Rentabilität nicht in der Art ihrer Auftragsbewältigung,
 sondern in ihrer ganzen Vermögensstruktur zu suchen sind,
Gewerbetreibende, die zur Betriebsfinanzierun g nicht
über genügend Eigenkapital verfügen, müssen fIremde Kapitalien in
Anspruch nehmen, Die Auswahl des Kapitalgebers ist vorsichtig zu
treffen, weil Kapitalnutzungskosten,. insbesondere für fremdes Kapital,
 auf die Kostengestaltung des Betriebes sehr belastend wirken.
Die gegenwärtige und in der Zukunft bestimmt weiter bestehende
Kapitalknappheit im Handwerk, die auch.im Malergewerbe auftreten
wird, wirkt erschwerend auf die zukünftigen Neugründungen, Die
Interessenvertretungen des Handwerks, insbesondere aber die Organisationen
 des Malergewerbes, müssen Maßnahmen ergreifen, um
tüchtigen Jungmeistern die Finanzierung ihrer Betriebe zu erleichtern,
 Malerbetriebe, die, den wirtschaftlichen und technischen Fort-Schritten
 von heute entsprechen wollen, haben im allgemeinen einen
höheren Kapitalbedarf als dies f{rüher der Fall war. Berücksichtigt
Man, daß neben dem gestiegenen Kapitalbedarf des Malergewerbes
die Inflation große Ersparnisse des Mittelstandes vernichtete, so‘ erkennt
 man, daß die Finanzierung mittelständischer Betriebe in Ge-Senwart
 und allernächster Zukunft mit großen Schwierigkeiten verbunden
 ist.
Wenn auch der Ka pitalbedarf, insbesondere für die
laufenden Betriebsausgaben in hohem Maße von der Besonderheit
der Aufträge, der Zahlungsweise der Kunden und der Zahl der be-Schäftigten
 Hilfskräfte bedingt ist, so beträgt nach unseren Beobachtungen
 der Kapitalbedarf durchschnittlich
vor dem Kriege heute
des gut organisierten
Kleinbetriebes 500 M. 700—1000 RM
des gut organisierten
Mittelbetriebes 2—3000 M, 3—5000 RMV
des gut organisierten
Großbetriebes 5—8000 M. 8000 2X und höher.

10 145
        <pb n="148" />
        Das dem Forschungsinstitut aus Handwerkerkreisen so häufig
vorgebrachte Argument, daß eine Bessergestaltung der Einzelbetriebe
infolge Kapitalmangel häufig unmöglich sei, trifft auch im
Malergewerbe zu. Die Ansicht, daß eine Rationalisierung unbedingt
mit einem großen Kapitalbedarfe verknüpft sein müsse, ist irrig.
Gewiß werden viele Betriebe eine Steigerung ihrer Wirtschaftlichkeit
 nur dann erzielen, wenn sie sich mit Hilfe neu zugeführter Kapitalien
 reorganisieren. Nicht jede Betriebsrationalisierung erfordert
Neukapital, sie kann häufig ganz oder teilweise ohne Neukapital
erfolgen,
Um die dem Handwerk zur Verfügung stehenden Kapitalien
den wirklich bedürftigen Stellen zuzuleiten, wäre es zu empfehlen,
daß die Kreditgenossenschaften, Gewerbebanken, Rohstoffgenossenschaften
 mit Bankabteilungen usw. Kapitalien nur solchen
Gründern zuführen, die an Hand von Vorkalkulationen den Nachweis
 erbringen, daß die wirtschaftlichen Voraussetzungen für einen
rentablen Betrieb gegeben sind.
Was von der Vermögens- und Arbeitsorganisation,
 besonders aber von der Finanzierung neu zu gründender
 Betriebe gesagt wurde, hat auch für bereits bestehende Betriebe
 Geltung, Man sollte deshalb nicht nur bemüht sein, für die
bereits bestehenden Betriebe billige Kredite zu beschaffen und
diese gegen die üblichen Sicherheiten ausleihen, sondern die Kreditwürdigkeit
 in obigem Sinne prüfen, Die Erfahrung lehrt, daß außergewöhnlich
 billige Kredite manchem Betriebe Anreiz zur Kreditinanspruchnahme
 geben, obwohl sie hierfür kein Bedürfnis
haben. Solche Kredite reizen zu Neuanschaffungen und Neuorganisationen,
 die die Wirtschaftlichkeit der Betriebe eher
verschlechtern, als verbessern,
Möglicherweise ergibt die Rentabilitätsprüfung, daß
ein Betrieb über „zuviel Kapital“ verfügt, d, h, es sind Vermögensobjekte
 vorhanden, deren Gebrauchswerte sich im Rahmen
des Betriebes nicht voll ausnützen lassen, Rationalisierungsmaßnahmen
 können deshalb auch zur Einsparung von Kapital führen,
Der ermittelte Kapitalüberschuß wird dem Betriebe entnommen und
an anderer Stelle rentabler angelegt. Die Rentabilität des im Betriebe
 bleibenden restlichen Eigenkapitals steigt dadurch.
Mittel der Kapitaleinsparung sind auch wirtschaftlich leistungsfähige
 Genossenschaften, Einkaufsgenossenschaften, die über ein
großes, assortiertes Warenlager verfügen, entbinden den
Malermeister davon, selbst ein Lager in Roh- und Hilfsmaterialien
zu halten, Besitzen die Genossenschaften auch eigene den Mitgliedern
 zur Verfügung stehende Materialaufbereitungsmaschinen und

146
        <pb n="149" />
        Geräte, so werden diese im Malerbetriebe entbehrlich. Materialprüfungsabteilungen
 bei den Genossenschaften verringern nicht nur
die mittelbar produktive Zeit in der Malerwerkstätt e, sondern
machen auch im einzelnen‘ Betriebe die entsprechenden Apparate
und Gerätschaften zur Durchführung der Prüfungen entbehrlich, Genossenschaften
 und andere Körperschaften, die über einen Fuhrpark
und ein Gerüstlager verfügen, sind ebenfalls wertvolle Mittel, die
Leistungsfähigkeit ihrer angeschlossenen Mitglieder zu erhöhen und
den Kapitalbedarf erheblich einzuschränken. Ebenso kann eine Genossenschaft,
 die ihren Mitgliedern größere Kreditfristen einräumt
als es dem Lieferanten dem Malermeister gegenüber möglich ist, beim
Einzeleinkaufe zur Reduzierung «des Betriebska pitals beitragen.

Aus diesen wenigen Punkten ist schon ersichtlich, welche Bedeutung
 die Warengenossenschaften auch hinsichtlich der Finanzierung
 von Handwerksbetrieben haben.
Ob es für einzelne Malerbetriebe besser ist, Einzelunternehmung
 zu bleiben, oder ob diese aus Gründen der besseren Kapitalbeschaffung
 und Erhöhung von Rentabilität und Wirtschaftlichkeit
zur Gesellschaftsform übergehen sollen, ist noch ungenügend
 untersucht. Man kann aber vermuten, daß von Fall zu Fall die
Wahl der Gesellschaftsunternehmung wirtschaftliche Vorteile bietet.
Es kann eine Gesellschaftsbildung in der Weise erfolgen, daß sich
2, 3 und mehr Malermeister zu einer Gesellschaft zusammenschließen,
 möglicherweise kann auch die Gesellschaft unter Hereinnahme
anderer Gewerbe (z. B, aus dem Baugewerbe) gebildet werden. In
einer solchen Unternehmung muß die Arbeitsteilung so genau wie
möglich durchgeführt sein, damit ein rationelles und reibungsloses
Arbeiten möglich ist. Die Verbindung mit anderen Gewerben kann
für die Gesamtunternehmung vielleicht einen besonderen Ausgleich
der Konjunkturschwankungen herbeiführen, als dies den einzelnen
Betrieben möglich wäre. Zum mindesten bringt die Gesellschaltsbildung
 durch die Spezialisierungsmöglichkeiten und durch die ge-Mmeinschaftliche
 Verwaltung Vorteile,
Betriebe bedürfen zur Durchführung der ihnen gestellten Aufgaben
 einer guten Leitung. Sämtliche Betriebsvorgänge müssen sich
reibungslos und unter Ausnützung aller Vorteile abwickeln. Der
Wille des Leitenden muß in allen Teilen und bei allen
Arbeitskräften sichtbar sein. Vorbedachte Betriebsführung
 ist auch im Malergewerbe unbedingt erforderlich, Sie erfordert
 aber, daß das Arbeitspensum, das durch Aufträge dem Betriebe
 zufließt, nicht nur zeitlich genau festgestellt wird. sondern

10* 14°
        <pb n="150" />
        daß auch alle Aufträge gut ineinandergreifen, damit keine Überschneidungen
 verschiedener Aufträge vorkommen. Es wirkt ohne
Zweifel auf die Kundschaft abschreckend, wenn fortgesetzt die Ablieferungstermine
 bzw. Ausführungstermine überschritten
werden. Nicht nur der privaten Kundschaft gegenüber ist ein Erfüllen
 der Lieferungstermine von großer Wichtigkeit, sondern auch
gegenüber den Industrie-, Handels- und Bankbetrieben. Man kann
ohne Übertreibung behaupten, daß sehr viele Re giebetriebe
nicht aus Rentabilitätsgründen errichtet wurden, sondern oft deshalb,
 weil die Großfirmen mit der Einhaltung der versprochenen
Liefertermine zu häufig schlechte Erfahrungen gemacht haben. Zur
Erledigung dieser wichtigen Betriebsarbeit eignen sich statistische
Aufzeichnungen, aus denen der Betriebsleiter sofort ersehen kann,
wie groß der Auftragsbestand ist und ob er einem Kunden gegenüber
ein Ablieferungsversprechen mit gutem Gewissen geben und auch
einhalten kann, Ein ausgeprägtes Zeitbewußtsein der Gesellen und
Hilfsarbeiter wird die Einhaltung der Lieferungstermine wesentlich
erleichtern.
Die Betriebsverwaltung benötigt, um ein genaues Spiegelbild
der ganzen Betriebsgebarung zu haben, ein gut organisiertes Rechhungswesen
 (Buchhaltung und Kalkulation). Das Rechnungswesen
 ist für den Betriebsleiter nicht nur Kontrolle, sondern
 auch ein Mittel, um Betriebsdispositionen richtig treffen zu
können. Die dauernden Verschiebungen der außer wirtschaftlichen
 Verhältnisse, die eine Veränderung des Beschäftigungsgrades
 nach oben oder nach unten bewirken, sind zu
studieren, damit nicht nur die Betriebsführung, sondern auch die
Preisstellung diesen Veränderungen angepaßt werden kann. Ebenso
ist die Gesamtwirtschaft daraufhin zu beobachten, ob sich irgendwelche
 Bedarfsveränderungen zeigen oder in absehbarer
Zeit auftreten werden, Betriebe müssen sich rasch umstellen können,
andernfalls stellen sich nachteilige Wirkungen für die Rentabilität ein.
Die für den Malermeister bestehenden Einric htungen wie:
Einkaufs- und Lieferungsgenossenschaften, Innungen, Handwerkskammern
 nebst betriebswirtschaftlichen Beratungsstellen, Kreditgenossenschaften,
 Fachzeitschriften, Lehrmittel usw. sind alle in den
Dienst der Betriebsführung zu stellen, da durch sie bei richtiger Inanspruchnahme
 ebenfalls zur Steigerung der Wirtschaftlichkeit des
Einzelbetriebes beigetragen werden kann.
Nach diesen allgemeinen grundsätzlichen Erörterungen {folgen
nun eine Reihe von Spezialarbeiten, die besonders die Wirkungsgebiete
 des Genossenschaftswesens, der Buchhaltung, Kalkulation
und einen Teil der Genossenschaftsbetriebsführung behandeln,

148
        <pb n="151" />
        Die Buchhaltung im Malerhandwerk
Von Dipl.-Kim. Franz Rößle, Karlsruhe i, B.
In den folgenden Ausführungen soll die prinzipielle Seite der Organisation
 einer kalkulationsbetonten Malerbuchhaltung kurz dargestellt
 werden, Die Malerbuchhaltung ist weder ein besonderes
Buchhaltungssy stem, noch ‚eine besondere Buchhaltungsme -
thode, sondern eine einfache oder eine doppelte Buchhaltung, die
auf die Eigenart der Geschäftsvorfälle, die im Malerbetrieb auftreten,
zugeschnitten ist. Besonders die im Malerbetrieb zahlreich auftretenden
 Kreditgeschäfte geben der Buchhaltung ein besonderes Gepräge,
Die einfachste Buchhaltung eines Malerbetriebes wäre die, daß
der Meister ein einfaches Kassenbuch und ein Kunden- und Lieferantenbuch
 führt, In das Kassenbuch werden sämtliche Einnahmen
und Ausgaben eingetragen; das Kunden- und Lieferantenbuch gibt
Aufschluß über die mit den Kunden und Lieferanten getätigten Geschäfte,
 Diese einfache Buchhaltung ist mehr oder weniger
auf die Vermögensrechnung und teilweise auf die FErlolgsrechnung
 des Betriebes eingestellt. Das Kassenbuch gibt uns
wohl Aufschluß über den jeweiligen Kassenbestand, aber einen Überblick
 über die Art der Einnahmen und Ausgaben (sowie über die
Kosten des Betriebes) gibt es nicht, Um die Kosten des Betriebes
zu ermitteln, müssen erst besondere Auszüge gemacht werden. Daß
diese Arbeit manchen Malermeister abschreckt, dürfte klar sein.
Wenn die hier angeführte einfache Buchhaltung neben der Vermögens-
 und Erfolgsrechnung auch noch Unterlagen für die Kalkulation
 schaffen soll, so muß sie eine Erweiterung erfahren, Die
für die erweiterte einfache Buchhaltung erforderlichen Geschälftsbücher
 kann man einteilen:
I in die unbedingt notwendigen Buchhaltungsbücher und
IL in die Hilfsbücher, die man zur Erzielung einer wirtschaftlichen
Betriebsführung zweckmäßigerweise führen wird,
Zu I, Nach der erweiterten einfachen Buchhaltung sind folgende
Buchhaltungsbücher zu führen:
1. Das Tagebuch (auch Schmierbuch genannt)
2;Das erweiterte Kassenbuch

140
        <pb n="152" />
        3,Das Kunden- und Lieferantenbuch (Hauptbuch der einfachen
Buchhaltung).
In das Tagebuch werden sämtliche. Geschäftsvorfälle sofort eingetragen.
 Vom Tagebuch überträgt man sie am besten wöchentlich
in das. Kassenbuch und in das Kunden- und Lieferantenbuch. Das
Tagebuch könnte wegfallen, wenn man die Geschäftsvorfälle sofort
in das Kassenbuch und in das Kunden- und Lieferantenbuch verbuchen
 würde, Im Malerbetrieb ist dies aber nicht gut möglich, da
der Meister durch das weitverbreitete Arbeitsgebiet (Werkstattarbeit
und Außenarbeit) im Laufe des Tages keine Zeit zu größeren und
sorgfältigen Schreibarbeiten hat.
Das Kassenbuch muß aus kalkulatorischen Gründen ın mehrere
Spalten aufgeteilt werden. Man wird es folgendermaßen gliedern:
Kassenbuch
Da Buch-| Einnahmen Ausgaben
in / Kr / merk [erg de | tr 1 ar Yaral]_Iahr Yuan „O0, [Frhr Te
iA | Mu \
In die Datum- und in die Textspalte trägt man den textlichen
Teil der Geschäftsvorfälle ein. Die Einnahmen-Seite ist gegliedert
in die Hauptspalte: „Gesamtbetrag‘ und in zwei Unterspalten:
„Geleistete Arbeit‘ und „Verschiedenes”,. Die Ausgaben-Seite
 in die Hauptspalte: „Gesamtbetra g‘ und in sechs
Unterspalten: „Material“, „Lohn“, „‚Unkoste nA Ti vatentnahme“,
 „Werkzeug und Geräte“ und „Verschiedenes“”,
 Bei den in der Praxis gebräuchlichen Kassenbüchern findet
man größtenteils zwei Textspalten. Da aber durch die Eigenart des
Malerbetriebes auf der Einnahmenseite des Kassenbuches nicht so
viele Geschäftsvorfälle zu verbuchen sind als auf der Ausgabenseite,
so wird man besser für beide Seiten nur eine Textspalte wählen.
Jeder Geschäftsvorfall muß im Kassenbuch doppelt verbucht
werden:
1.in die Spalte „Gesamtbetrag“,
2.in eine entsprechende Unterspalte.
Die Einnahme-Seite gibt uns den Barumsatz (Leistung) an, die
Ausgabe-Seite den Aufwand an Material, Lohn und Unkosten in bar.
Dieses erweiterte Kassenbuch hat gegenüber dem einfachen den
Vorteil, daß es übersichtlicher ist und dem Meister einen raschen
Überblick ermöglicht. Eine Mehrarbeit entsteht durch die Führung
dieses Kassenbuches im Vergleich zu dem einfachen nicht.

150
        <pb n="153" />
        Die im Malerbetrieb geleisteten Arbeiten werden von den Kunden
 größtenteils nicht bar bezahlt, sondern müssen auf Kredit ausgeführt
 werden, Ebenso muß auch ein großer Teil der Rohstoffe auf
Kredit gekauft werden, Aus diesem Grunde ist neben dem Kassenbuch
 noch ein Kunden- und Lieferantenbuch notwendig. Die in der
Praxis angewandten Kunden- und Lieferantenbücher führen wegen
der Begriffe „Soll“ und „Haben“ leicht zu Verwechslungen. Man
setzt daher für
Soll und Haben besser
Meine Leistung Seine Leistung oder
Lieferung Zahlung oder
Zahlung Lieferung
Unter Berücksichtigung dieser Begriffe würde dann ein Kontenblatt
 für einen Kunden folgendermaßen aussehen:
Nr Name des Kunden
üch-Dr
 ı Text Leistung [ein PeiermelSeins Kallane) en |
um in qm (Lieferung) (Zahlung) | merk |
und das eines Lieferanten:
Di Name des Lieferanten
; Soll Haben 1 Buch-Zn
 / Te en lm phil
ı 1 ; | \
Es wäre hier die Frage aufzuwerfen, ob es nicht vorteilhafter
ist, für mittlere und größere Malerbetriebe statt eines Kunden- und
Lieferantenbuches eine Kartothek zu führen. Die Kartothekkarten
sind handlicher und beweglicher, Der Meister kann z.B. jederzeit
das gewünschte Kunden-Konto herausnehmen und mit demselben zum
Kunden zur Abrechnung gehen.
Die Kartothekkarten haben denselben Aufbau, wie die vorhin angeführten
 Kontenblätter, Die Karten heftet man in einen Leitzordner
alphabethisch ein oder stellt sie in einem Kartothekkasten auf. Ausgefüllte
 Karten nimmt man am Ende des Jahres heraus und bindet
Sie. zu einem Buch zusammen, wenn der Malermeister sie aufbewahren
will,
Zu Il. Führt man in einem mittleren oder größeren Malerbetrieb
eine einfache Buchhaltung, so sind neben den oben besprochenen Ge-Schäftsbüchern
 noch Hilfsbücher notwendis. Allerdings muß darauf

151
        <pb n="154" />
        hingewiesen werden, daß manche Hilfsbücher auch bei der dop-Ppelten
 Buchhaltung für eine rationelle Betriebsführung unerläßlich
 sind.
Im Malerhandwerk muß ein großer Teil der Arbeiten außerhalb
der Werkstatt geleistet werden, Damit die Aufträge eine pünktliche
Erledigung finden, ist es notwendig, daß sich der Meister einen
Terminkalender, auch Bestellbuch genannt, anlegt, Jeder Auftrag
muß bei seinem Eingang in das Bestellbuch eingetragen werden.
An Hand des Bestellbuches kann der Meister auch besser über seine
Arbeiten und deren Ausführung disponieren. Für den Malerbetrieb
könnte man das Bestellbuch folgendermaßen aufbauen:
Bestellbuch (Terminkalender)
Po Besteller ME ae
Bostell, a jamo ; Wohnort , Straße Pe Ti Preis kungen #
! ; ! ] CN
Als weiteres Hilfsbuch wäre das Lagerbuch zu nennen. Bei einem
größeren Rohstofflager ist die Führung eines Lagerbuches‘ unerläßlich.
 In größeren Lagerbetrieben wird man das Lagerbuch derart
 gestalten, daß man für jede Materialsorte (z. B, für jeden Farbstoff)
 ein besonderes Konto anlegt, Ein Lagerbuch-Konto für eine bestimmte
 Materialsorte könnte folgenden Aufbau haben:
Eingang Materialsorte „za Ausgang
u ® ; je IR- }- Preis Empfänger Matertal-| Preis"
um | Lieferfirma (HG [on E jGesom am [bzw. Auftrag ri Menge 7% eat
EBK DL —mmm LS
| ! ; | | | | | |
Als weitere Hilfsbücher kämen noch in Betracht: ein Lohnbuch
und evtl. ein Kalkulationsbuch, das aber auch durch Führung zweckmäßiger
 Arbeitszettel- ersetzt werden kann. Auf die letztere Frage
wird hier nicht näher eingegangen,
Die erweiterte einfache Buchhaltung wird man nur in kleinen
und mittleren Malerbetrieben mit Erfolg anwenden können. Für
größere Malerbetriebe kommt in erster Linie die doppelte Buchhaltung
 in Frage,
Der Handwerker steht im allgemeinen der doppelten Buchhaltung
 nicht sympathisch gegenüber, weil er sich an dem Ausdruck doppelt
 stößt und meint, daß sie doppelt so schwer als die einfache durchzuführen
 sei. Wenn auch die Führung der doppelten Buchhaltung mehr

152
        <pb n="155" />
        Zeit als die einfache beansprucht, so wird dies dadurch wieder ausgeglichen,
 daß sie einen raschen Überblick über den Wertefluß im Betrieb
 ermöglicht, Für die Handwerkerbuchhaltung eignet sich besonders
 die doppelt-amerikanische Methode, da durch die Nebeneinandergliederung
 der Konten eine gute Übersicht möglich ist, und
die Kontenzahl je nach Art und Notwendigkeit ‚erweitert werden
kann.
Im Malerbetrieb wird man die Kontenauswahl und -organisation
nach kalkulatorischen Gesichtspunkten vornehmen, Eine solche Buchhaltung
 bezeichnet man als Gewerbebuchhaltung, Nach diesem System
 sind für einen Malerbetrieb mindestens folgende Konten notwendig:
 Kasse-Konto, Kunden-Konto, Lieferanten-Konto, Malarbeiten-Konto,
 Lohn-Konto, Unkosten-Konto, Privat-Konto, Werkzeugund
 Geräte-Konto, Kapital-Konto,
Die Kontenzahl kann je nach Bedarf erweitert und gekürzt werden,
 Alle diese Konten sind im Hauptbuch zusammengefaßt, das das
wichtigste Buchhaltungsbuch der doppelten Buchhaltung darstellt.
Für Handwerksbetriebe genügt als Hauptbuch ein amerikanisches
Journal. Kontenbild des Hauptbuches einer doppelt-amerikanischen
Buchhaltung:
E Kon- K _Kto.! Kunden- Lieferanten-|
Da Textspalte troll- en. N hto. I. Rio:
um spalte mplängt | GCiht WE, | G. E. | GA
— ; - Mr ———————
Malarbei- Unkosten- | p.. Werkzeug-u:' Kapital-NEE
 N notenten OO Üoreate) Srtee  S
EIGNET TETE EG [ELLE
1 | | ; | 1 Ü
Den Zusammenhang zwischen Buchhaltung und Kalkulation zeigt
folgende schematische Zeichnung":
Lohn-Konto Malarbeiten-Konto
Produktiver Lohn —
Unproduktiver Lohn „fwand | Leistung
Unkosten-Konto |
I ———
» siehe Rößle, Dr. Karl, „Die Grundzüge der handwerklichen Selbstkostenberechriung.‘“
 II Auflage. G. Braun, Karlsruhe 1925, Seite 153.

152
        <pb n="156" />
        Das Malarbeiten-Konto zeigt uns die Verrechnung des Aufwandes
 und der Leistung, Auf Malarbeiten-Konto-Empfängt verbucht
 man alle eingekauften Rohstoffe (Farbe, Öl usw.);
auf die Gibt-Seite schreibt man den Rechnungspreis der Leistungen.
Beim Abschluß (monatlich, halbjährlich oder jährlich) überträgt man
außerdem auf die Empfängt-Seite des Malarbeiten-Kontos den Produktiven
 Lohn und die Unkosten. Beim Abschluß stehen nach Abzug
 des Materialbestandes auf Malarbeiten - Konto - Empfängt die
Selbstkosten der geleisteten Arbeiten und der evtl. erzielte Gewinn,
Das Lohn-Konto empfängt sämtliche Lohnzahlungen (in unserem
Fall sind der Einfachheit halber Meister- und Gehilfenlöhne auf
Lohn-Konto verbucht worden). Die produktiven Löhne überträgt man
monatlich oder jährlich vom Lohn-Konto ‚auf Malarbeiten-Konto,
währenddessen die unproduktiven Löhne zu den Unkosten gerechnet
werden.
Auf Unkosten-Konto verbucht man sämtliche Unkosten, die barbezahlten
 Unkosten, Abschreibungen, unproduktive Löhne, Kapitalzins
 und Risikoprämie, Beim Abschluß überträgt man das Unkosten-Konto
 auf Malarbeiten-Konto.
Führt man über das Rohstofflager ein Lagerbuch, so wird man
zweckmäßigerweise im Hauptbuch ein Rohstoff-Konto anlegen, Auf
Malarbeiten-Konto kommen dann nur noch die Selbstkosten (Aufwand)
 und die Leistungen zu stehen.
Graphisch dargestellt ergibt dies folgendes Bild:
Rohstoff-Konto Malarbeiten-Konto
| Rohstoffverbrauch — —&amp;gt; Material-Kosten
(Rechnungspreis)
7—- Lohn- %
Leistung
Lohn-Konto &amp;gt; Unkosten
| Produktiver Lohn —
Unproduktiver Lohn
Unkosten-Konto |
sa
Vom Rohstoff-Konto, das auf der Empfängt-Seite die eingekauften
 Materialien aufnimmt, überträgt man den Materialaufwand einer
Leistung auf Malarbeiten-Konto. Der Materialverbrauch kann aber

154
        <pb n="157" />
        auch monatlich, halbjährlich oder jährlich auf das Malarbeiten-Konto
 übertragen werden. Soll die Buchhaltung organisch mit der
Einzelkalkulation Hand in Hand gehen, so muß man für jede einzelne
Leistung den Aufwand an Material, Lohn und Unkosten auf Malarbeiten-Konto-Empfängt
 übertragen, In diesem Falle wäre die Verknüpfung
von Kalkulation und Buchhaltung weitestgehend durchgeführt.
In gut durchorganisierten Malergeschäften wird man ohne Schwierigkeiten
 den Aufwand an Material, Lohn und Unkosten für eine
einzelne Leistung auf Malarbeiten-Konto übertragen können, da
durch das Führen von Arbeitszetteln der Einzelaufwand genau festgestellt
 werden kann.
Die Aufteilung der Konten könnte man je nach Notwendigkeit
noch weiter durchführen, So kann man auch ein Bank-Konto, Postscheck-Konto
 usw. anlegen. Es ist aber davor zu warnen, in der
Organisation einer Buchhaltung zu weit zu gehen.
Neben dem Hauptbuch ist noch ein Kunden- und Lieferantenbuch
 als Hilfsbuch notwendig, über dessen Aufbau schon gesprochen
wurde. Die übrigen vorhin angeführten Hilfsbücher wird man auch
bei der doppelten Buchhaltung, um eine wirtschaftliche Betriebsführung
 zu erzielen, anlegen.
Wenn man eine Buchhaltung im Malerbetrieb nach den hier gezeigten
 Grundsätzen durchführt, so hat der Malermeister die Möglichkeit,
 mit Hilfe seiner Buchhaltung genaue Kostenberechnungen
aufzustellen. Da der Malermeister sich des öfteren bei öffentlichen
Submissionen zu beteiligen hat, ist eine ordnungsgemäße Buchführung
 für die Preispolitik des Malerhandwerks von größter betriebs-Wirtschaftlicher
 und volkswirtschaftlicher Bedeutung.

155
        <pb n="158" />
        Die Kalkulation im Malerhandwerk
Von Dipl.-Kfm. Karl Heß, Mannheim
Innerhalb des Rechnungswesens im Malergewerbe nimmt. die
Kalkulation den größten Raum ein. Dies dürfte in erster Linie darauf
 zurückzuführen sein, daß meist jeder Auftrag individuell behandelt
 werden muß und sich ein bestimmter Kundenauftrag in den seltensten
 Fällen unter den gleichen Voraussetzungen wiederholt. Eine
direkte Vergleichsmöglichkeit ist selten gegeben, sodaß eine
jede Leistung besonders kalkuliert werden muß, Infolge der Verschiedenartigkeit
 der Leistungen kommt für das Malergewerbe nur
die Zuschlagskalkulation in Betracht.
Im Malergewerbe haben sich die Organisationen ganz besonders
bemüht, dem Meister die Kalkulationsarbeit soviel als möglich zu
erleichtern, Insbesondere durch Innungen bzw. Innungsverbände erfuhr
 die Malerkalkulation eingehende Behandlung, daneben erschienen
 aber auch zahlreiche private Veröffentlichungen!, Dabei
wird zu untersuchen sein, ob die Organisationen dem Einzelbetrieb
die Kalkulationsarbeiten vollständig abnehmen können.
Durch genaue Erfassung der Materialkosten, Lohnkosten und
Unkosten eines Normalbetriebes läßt sich für eine bestimmte Leistung
 (z. B, Streichen eines Quadratmeters einer bestimmten Fläche
mit einem bestimmten Material) wohl eine Normalkalkulation aufstellen;
 doch diese hat keine generelle Gültigkeit, da die Voraussetzungen
 für jeden Betrieb andere sind. Die Malerbetriebe sind einmal
 in ihrer Art verschieden (Anstreicher, Maler, Dekorations-,
Schildermaler), dann in ihrer Betriebsgröße, Betriebsorganisation,
Beschäftigungsgrad usw. Nicht zuletzt spielt der Standort eine große
Rolle; ob Stadt- oder Landbetriebe, da hier besonders die Löhne
stark differieren. Die Abnahme der Kalkulationsarbeiten kann nur
insoweit erfolgen, als für bestimmte Arbeitsleistungen Kalkulations-:
 Siehe Aufsatz „Die Literatur für das Malergewerbe“, Seite 188. Außerdem
 werden von den einzelnen Innungen besondere Kalkulationsrichtlinien
für ihren Bezirk herausgegeben.

156
        <pb n="159" />
        richtlinien herausgegeben werden. Diese haben in erster Linie erzieherischen
 Wert, eine besondere Kalkulation bleibt dem Einzelbetrieb
 in der Regel nicht erspart.
Wenn wir die Tätigkeit eines Malerbetriebes unter dem Gesichtspunkte
 Materialwirtschaft, Fertigungswirtschaft, Verwaltungswirtschaft
 betrachten, so können wir feststellen, daß die Fertigung
im Malerhandwerk den weitaus größten Raum einnimmt. Die Kalkulation
 hat sich deshalb in erster Linie auf eine möglichst genaue
Erfassung der Zeitaufwendungen zu konzentrieren, doch findet heute,
im Gegensatz zu früher, auch die Materialwirtschaft größere Beachtung,

Eine genaue Erfassung des Materialverbrauches macht insofern
Schwierigkeiten, als er in sehr starkem Maße abhängig ist von der
Qualität des verwendeten Materials, von der Beschaffenheit des
Untergrundes, der Temperatur (Witterung) und von der Arbeitsweise
 des mit der Ausführung des Auftrags betrauten Arbeiters.
Wohl sind von Innungen und Verbänden Tabellen über Materialverbrauch
 herausgegeben worden, doch ist eine Kontrolle des
für einen Auftrag aufgewendeten Materials, die am zweckmäßigsten
durch. Material-, bzw. Auftragszettel durchgeführt wird, unerläßlich.
Die Höhe der einzusetzenden Materialkosten ist aber nicht allein
vom Verbrauch abhängig, sondern in stärkstem Maße von der Wirt-Schaftlichkeit
 des Materialeinkaufs. Durch Deckung des Materialbedarfs
 bei den zahlreich bestehenden Malereinkaufsgenossenschaften
 erwachsen dem Einzelbetrieb in bezug auf Qualität und Preis oft
große. Vorteile.
Früher wurde vielfach angenommen, daß auf eine gewisse Lohnsumme
 ein bestimmter Materialverbrauch entfalle, so daß man einen
bestimmten Prozentsatz der verausgabten Lohnsumme als Materialverbrauch
 rechnete. Daß dadurch Ungenauigkeiten in die Selbstkostenrechnung
 hineingetragen wurden, braucht nicht besonders erwähnt
 zu werden, Eine Differenz zwischen dem errechneten und
tatsächlichen Materialaufwand mußte immer auftreten, sobald Lohn
oder Materialpreisschwankungen auftraten, abgesehen von den verschieden
 hohen Preislagen der einzelnen Materialien.
Im Malergewerbe wird hauptsächlich nach Zeitlohn gerechnet,
seltener kommen Akkordlohnarbeiten vor. Während die innerhalb
der Werkstätte aufgewendete Zeit ziemlich leicht erfaßt werden
kann, bereitet die Feststellung der für Außenarbeiten aufgewendeten
 Zeiten größere Schwierigkeiten. Durch Verwendung von beson-157
        <pb n="160" />
        deren Arbeits- bzw. Rapportzetteln und Gegenzeichnung des Auftraggebers
 wird für genaue Erfassung einige Gewähr geleistet,
Ein allgemein gültiges Verhältnis zwischen produktiven und unproduktiven
 Arbeitszeiten der Gesellen kann infolge der Verschiedenheit
 der Malerbetriebe, des: Beschäftigungsgrades und -ortes nicht
aufgestellt werden, Nach den uns zur Verfügung stehenden Unterlagen
 schwankt der Anteil der unproduktiven Löhne am Gesamtlohnaufwand
 erheblich.
Bei der Mitarbeit des Meisters drängt sich die Frage auf, ob
für den Meister ein erhöhter Lohn (Meisterlohn) in Ansatz zu bringen
 ist. Ein erhöhter Lohn ist insofern berechtigt, als der
Meister durch jahrelange Erfahrung meist eine qualitativ höhere Arbeit
 zu leisten in der Lage ist; doch wird vielfach aus Konkurrenzgründen
 auf höheren Lohn Verzicht geleistet werden müssen, Die
Preisberechnungsordnung für das deutsche Malergewerbe sieht für
die produktive Arbeit des Meisters 30%, für unproduktive Tätigkeit
40% auf Gehilfenlohn vor.
Bei der Kalkulation bzw. Rechnungsstellung wäre zu überlegen,
ob der Meisterlohn für unproduktive Tätigkeit ganz in Ansatz gebracht
 werden soll oder nur in Höhe des Gesellenlohnes, Aus kalkulatorischen
 Gründen und wegen der Konkurrenz ist zweckmäßigerweise
 der Meisterlohn nur in Höhe des Gesellenlohnes einzusetzen,
während das Mehr in die Unkosten aufzunehmen ist,
Angenommen, der Meister eines kleineren Betriebes ist 800
Stunden seiner Arbeitszeit mit Nebenarbeiten bzw. unproduktiv tätig.
 Er beschäftigt 2 Gesellen und 1 Lehrling, Der Tariflohn für die
Gesellen betrage 1 RX pro Stunde, die Vergütung für den Lehrling
5 RM pro Woche. Der, Mehrlohn für den Meister betrage für produktive
 Zeit 30%, für unproduktive Zeit 40% auf Gesellenlohn, Die
Verrechnung gestaltet sich folgendermaßen:
A, Bezahlte Löhne:!
1. Meister 2000 Std., 1200 Std, &amp;amp; AN 1,30 1560,—
800 Std, ä RM 1.40 1120. 2680.—
2.2 Gesellen ä 2225 Std, a. AM1.— 4450,—
3, Lehrling 50 Wochen ä RM 5.— 250.—
Sa. RM 7380.—
* Stundenzahlen sind entnommen aus: Preisberechnungsordnung für das
deutsche Malergewerbe, von Martin Irl.

158
        <pb n="161" />
        B. Unproduktive Löhne:
1. Meister 800 Std, a RX 1.40 1120.—-2,
 Gesellen 450 Std. ä RX 1.— 450,—
3, Lehrling 20 Wochen ä RM 5,— 100;—
1670,—
Produktive Löhne 5710.—
Daran gehen noch ab für 1200 Std. mal —.30 Mehrlohn 360.—
Sa. RN 5350.—
Auf diese RN 5350.— entfallen an unproduktiven Löhnen
AM 1670.— + RI 360,-— für Meistermehrverdienst — RM 2030.—
Ergibt SO 100 37,94 91,
5 350 Femme masse)
Werden dagegen die RX 360.— Mehrverdienst nicht in die Unkosten
 aufgenommen, so ergibt sich
AO 0250
5710 —m——
die auf den produktiven Lohn umzulegen sind,
37,94% und 29,25% sind die Anteile des unproduktiven Lohnes
an den Unkosten, Die übrigen Unkosten sollen RX 2000.— betragen.
 Das ergäbe:
im ersten Falle RX 4030.—
und im zweiten Falle RM 3670.—
2030 = 75,33 Pe 610° = 64,27 2%
5 350 BE 5710 a
Inwieweit sich beide Auffassungen in der Einzelrechnung bei
gleicher Arbeit auswirken, ist aus den nachfolgenden Ausführungen
ersichtlich:
I 1
Material Material Eur
Lohn (£. Meister, 50 Std. Lohn (f. Meister, 50 Std,
ä RM 1.—) 50. ä RM 1.30) 65
75,33 °/, Unkosten 37.67 64,27 °/, Unkosten 41.77
97.67 116,77
(+ 19,40)

1509
        <pb n="162" />
        RM
Material ! Material 10, —
Lohn, 40 Gesellenstund. 4 - Lohn, 40 Gesellenstund. 40.—
10 Meisterstund. 10.— 10 Stund. Meisterlohn  13,—
75,33 °/, Unkosten 37.67 64,27 ,/° Unkosten 34.06
97,67 6
. ; (+ 0,60)
Material Bo Material -
Lohn, 50 Gesellenstund. 50.— Lohn, 50 Gesellenstund. ‚u.—
75,33 °/ Unkosten 37.67 64,27 °/, Unkosten 553
97.67 5
= = (= 5,54) 7
Während die unter I. stehenden Kalkulationen trotz verschieden
 großen Anteiles des Meisters an der produktiven Arbeit sich
immer gleich bleiben (es soll sich stets um die gleiche Arbeit handeln),
 schwanken die Selbstkostenpreise unter II. zwischen 116.77
und 92,13, je nach der produktiven Tätigkeit des Meisters.
Die Berechnung und Verrechnung der allgemeinen Unkosten bereiten
 die meisten Schwierigkeiten, da der auf eine Leistung entfallende
 Anteil nicht mit der gleichen Sicherheit ermittelt werden
kann, wie Zeit- und Materialautwand. Die Veröffentlichungen
über Malerkalkulation befassen sich vornehmlich mit der Unkostenrechnung,
 deshalb soll an dieser Stelle nicht näher darauf
 eingegangen. werden. Allgemein werden die Unkosten im
Malergewerbe durch prozentualen Zuschlag auf Lohn gedeckt, Die
Höhe der Zuschläge ist örtlich stark verschieden. Wenn auch das
Malergewerbe lohnorientiert ist, so empfiehlt es sich doch, eine Verrechnung
 der Unkosten auf Lohn und auf Material vorzunehmen.
Es entstehen eine Reihe von Unkosten, die fast nur durch das Material
 bedingt sind, wie z. B. Verspritzen von Farbe, Eintrocknen,
Material für Nebenarbeiten usw. Der Reichsbund des deutschen
Malergewerbes, Gau Norddeutschland, errechnete für einen Durchschnittsbetrieb
 63% Unkosten auf Lohn und 14% auf Material.
Abschreibungen kommen für den eigentlichen Malerbetrieb
kaum in Betracht. Bürsten, Pinsel, Schwämme usw. werden ihrer
relativ kurzen Lebensdauer wegen mit vollem Betrag in die Unkosten
 aufgenommen. Maschinen finden in den seltensten Fällen
Verwendung und auch Gerüstmaterial, abgesehen von Leitern und
Dielen, ist meist nicht Eigentum des Malerbetriebes, Der einzelne
Meister muß sich auch darüber klar sein, ob sich bei ihm die Hal-160
        <pb n="163" />
        tung eigenen Gerüstmaterials rentiert, d, h., ob sich die entstehenden
 Kosten nicht vermindern lassen, indem er sich die Gerüste leihweise
 von einer Genossenschaft oder Gerüstverleihanstalt zur Verfügung
 stellen läßt,
Die Rentabilität eines Malerbetriebes ist in starkem Maße von
der Höhe seiner indirekten Kosten abhängig, Die allgemeinen Unkosten
 müssen, sofern sie für einen bestimmten Auftrag erfaßt werden
 können, direkt in Rechnung gestellt werden. Durch Anschluß
an eine Maler-Einkaufsgenossenschaft können die Produktionsbereitschaftskosten
 vermindert werden, indem der Meister nicht gezwungen
 ist, ein assortiertes Lager zu halten, da die benötigten Materialien
 meist kurzfristig von der Genossenschaft geliefert werden
können,
Als Gewinnmindestsatz werden in der Regel 15% auf Selbstkosten
 angenommen, Doch kann dieser nicht immer aus Gründen
der Konkurrenz in Anrechnung gebracht werden. Auch ist ‘bei
feinen Arbeiten, die besonders eingehende Überlegung und Vorbereitung
 und große Anforderungen an die Maltechnik stellen, ein höheter
 Gewinn gerechtfertigt, als bei einfachen Streicharbeiten. Dann
kommt es nicht zuletzt auf die Höhe der Aufträge und den Beschäftigungsgrad
 an, Je größer der Umsatz, desto mehr ist die
Möglichkeit geboten, den Gewinn so zu bemessen, daß die Preise
den jeweiligen Verhältnissen angepaßt werden können. Voraussetzung
 aber ist genaueste Selbstkostenrechnung, gestützt auf eine gute
Buchhaltung, Statistik und Formularorsanisation.

17 161
        <pb n="164" />
        Das Formular, ein Mittel der Betriebskontrolle
Von Dipl.-Kfm. G. Eichhorn, Mannheim
Um im Malerhandwerk zur vorbedachten Betriebsführung zu gelangen,
 ist es erforderlich, daß die Arbeitsleistung genau kontrolliert
 wird, Die Kontrolle der Arbeitsleistung ist aber nur möglich,
wenn der Betrieb eine gute Formularorganisation besitzt, die den
Arbeitenden zwingt, seine Arbeitsleistung nach den einzelnen Arbeitstagen
 und Leistungsteilen aufzuzeichnen.
Da innerhalb der Selbstkosten im Malerhandwerk der Lohn den
breitesten Raum einnimmt, hat sich die Formularorganisation in
erster Linie auf die Erfassung der Arbeitsleistungen zu richten,
für die Lohnaufwendungen zu machen sind. Aber nicht unbeachtet
darf dabei die Erfassung der Unkosten und des Materialaufwandes
gelassen werden. Auch sie sind in die Kontrolle durch das Formular
 einzuschließen,
Die Durchführung einer Formularorganisation im Malerhandwerk
 erfordert, daß die Arbeitsleistungen in ihrer Art einer Untersuchung
 unterzogen. werden, damit die Formularkontrolle dort einsetzt,
 wo der Betriebsleiter die geringste Übersicht über die Leistung
 hat,
Das Formular soll aber nicht nur als Kontrollmittel verwendet
werden, sondern es soll auch die Arbeitsverteilung regeln und den
Arbeitsgang bestimmen, der zur zweckmäßigsten Durchführung eines
Auftrages notwendig ist.
Den doppelten Anforderungen kann das Formular nur gerecht
werden, wenn es sich vollständig dem Arbeitsgange anschmiegt und
ihm in allen seinen Teilen bis zur Vollendung verfolgt.
Nach der Art der Aufträge läßt sich die Arbeitsleistung im
Malerhandwerk scheiden in:
a) Werkstättenarbeit und
b) Außenarbeit.,
Beide können dann wirder untergeteilt werden in:
1. Neuarbeiten und
2, Ausbesserungs- bzw. Reparaturarbeiten,

162
        <pb n="165" />
        Bei der Werkstättenarbeit vollzieht sich die Arbeitsleistung
unter den Augen des Meisters, weil er in der Werkstätte häufiger
anwesend sein wird,
Auch wird die Werkstättenarbeit, durch die Anwesenheit des
Meisters, einer größeren Zwangsläufigkeit unterworfen. Die Kontrolltätigkeit
 des Formulars wird hier in den Hintergrund treten und
der arbeitsverteilenden Tätigkeit den Vorrang lassen müssen.
Bei den Außenarbeiten tritt die Aufgabe des Formulars deutlicher
 hervor, Es regelt die Verteilung der Arbeit und muß als Kontrollmittel
 dabei stark in Erscheinung kommen. Der Meister kann
sich nicht den ganzen Tag den Außenarbeiten widmen, denn seine
anderen Tätigkeiten (Auftragsbeschaffung, Angebote usw.) werden
ihm nur Zeit zur Stichprobenkontrolle lassen. Die eigentliche Kontrolltätigkeit
 muß deshalb das Formular übernehmen.
Die Tätigkeit des Formulars beginnt mit der Entgegennahme
eines Auftrages, Nachdem der Eingang des Auftrages dem Kunden
bestätigt worden ist, muß der Auftrag in das Kommissionsbuch eingetragen
 werden,
Kommissionsbuch
nn nn Name u. Wohnort Beschreibung Lieler-Kinganges
 | Binganges des Auftraggebers des Auftrages N termin
Die Zuleitung des Auftrages an die Werkstätte zur Ausführung
erfolgt durch die
Arbeitsanweisung
Arbeitsanweisung für Maier
Aulftrag Nr. © Ablieferungstermin: „20. L. 27.
Name und Wohnung des Auftraggebers bzw. Ort der Arbeitsleistung
Technische Beschreibung des Auftrags;
3X Anstrich der Fensterkreuze und Rahmen am Hause A 6, 11
Beginn der Arbeit; 14. Januar 1927, Ende der Arbeit: 19. Januar 1927.
Maier
Unterschrift:

L1- 1623
        <pb n="166" />
        Die Arbeitsanweisung, die die Arbeitsverteilung vornimmt, muß
in kurzer Form alle Angaben enthalten, die zur Ausführung des
Auftrages unbedingt erforderlich sind, Sie muß so genau ausgestellt
 sein, daß für den Ausführenden kein Zweifel über die Art der
Ausführung bestehen kann.
Die Tätigkeit der Arbeitsverteilung, die die Arbeitsanweisung
haben soll, erstreckt sich auch auf die Arbeitsfolge und das Ineinanderfließen
 der Arbeiten, Dieser ihrer Aufgabe kann sie aber nur
gerecht werden, wenn sie von einem weiteren Hilfsmittel, der Aufzeichnung
 der geschätzten Arbeitsdauer, unterstützt wird.
Januar 1927”
Geselle A EA
1 1
Maier, U '
| (1)
Müller
Schulze s m | X = '
MORDES NBEUES SEN
Diese schematische Aufzeichnung der Arbeitsdauer zeigt dem
Meister, wie seine Gesellen beschäftigt sind und welche Aufträge
er ihnen noch zuteilen kann, Außerdem ist sie ein Mittel, dem Meister
 einen Überblick zu geben, welche Liefertermine er seinen Kunden
 angeben kann und welche Hilfskräfte er für dringende Ausführungen
 zur Verfügung hat. Macht er in den Farben der Aufzeichnung
 einen Unterschied zwischen Werkstätte und Außenarbeit,
so weiß er auch, wo er seine Gesellen zu finden hat, und ist nicht
auf die Auskünfte seines übrigen Personals angewiesen.
Gleichzeitig mit der Arbeitsanweisung und der Aufzeichnung
der Arbeitsverteilung, muß der Auftragszettel, das Kontrollmittel,
für das Büro ausgefertigt werden.
* Die in Klammern beigesetzten Zahlen sind die Nummern der Aufträge
 nach dem Auftragsbuch,

164
        <pb n="167" />
        Auftragszettel No. 5 Verbrauch an sonst. Material:
5} Ense
Liefertermin: 20. Januar 1927.
Se Straßenbahn 5x 0,20 = 1,—
Name desAuftraggebers: Karl Lorenz,
Mannheim
nn EN Zusammenstellung :
Beschreibung des Auftrages: N Material 10,—
...3.X Anstrich der Fensterkreuze
„und -Rahmen am Hause A 6.11 Lohn: AT
Sonstige Aufwendungen:
Lohnaufwand: Nach d. tägl. Rapporten
= Va 2 —— 0 Unkosten:
Tag | Art. der Arbeitsleistung | paor/stunden Pa
nl — AL direkte 1+1,50= 2,50
14.1.27| Hoffront ) U ©
112 p) indirekte 50° =18,— 20,50
17.1.27| Straßenfront] = DZ
18.1.27 n 1% 66,50
19.127 Y ; Summe der Selbstkosten: „227%
Gewinn: 20%, 13,30
Materialaufwand; Nach dem Material- N HZ
tnah ttel
Sn PEST Lieferpreis: 80
Bezeichnung Zottol N . 8
Va Vereinbarter Preis: Ka
ar —
itt . 10.— )
Ölfarbe Mehr: Sn
Die gesamten Auftragszettel sind vom Büro täglich auf den
Stand der Arbeiten bezüglich der Liefertermine zu prüfen, Ist die
Einhaltung eines Liefertermins nach dem Stande der Arbeiten be-Urteilt,
 nicht möglich, so ist dem Kunden sofort davon Nachricht zu
geben, damit Unstimmigkeiten vermieden werden,
Der Auftragszettel wird, damit er seiner Aufgabe gerecht werden
 kann, als Kontrollmittel zu dienen, unterstützt von dem

165
        <pb n="168" />
        a) Materialentnahmezettel.
Materialentnahmezettel No. &amp;gt;
Tag Bezeichnung Aires | Einheit | = Preis
14.1.27 | Kitt für die Scheiben 1 kg
* Der Preis
wird vom
Meister ein-'
 gesetzt.
b)Tagesarbeitsrapport.
Tagesarbeitsrapport
für Freitag den 14. Januar 1927,
Name des Ausführenden ' ntrag Art der Arbeitsleistung |Zeitaufwand
Ma} + Fenster und Rahmen 8 Stund,
I. und IL Stock der
Hoffront 1 gestrichen

Maier,
c) der Kundenbescheinigung über die geleistete
Arbeit,
Kundenbescheinigung Auftrag No. 3
Art der ausgeführten. Arbeiten: 3&amp;gt; Anstrich der Fensterkreuze
und Rahmen am Hause A 6. 11.
Zeit der Ausführung: Vom 14. bis 19. Januar 1927.
Zahl der Arbeitsstunden: ‚3
Es wird hiermit bescheinigt, daß die obengenannten Arbeiten
in der angegebenen Zeit ausgeführt wurden.
Mannheim, 19. Januar 1927,
Karl Lorenz,

1ei
166
        <pb n="169" />
        Der Materialentnahmezettel soll. alle Materialien, wie Farben,
Lacke, Öle, Pinselverbrauch usw., die zu der Arbeit entnommen
werden, aufnehmen und diese Angaben an das Büro weiterleiten.
Hier erfolgt die Aufnahme der Angaben in den Auftragszettel,
Gleichzeitig wird der Materialentnahmezettel mit dem Auftragzettel
verbunden, nachdem die Materialentnahme im Materiallagerbuch abgeschrieben
 wurde,
Der Tagesarbeitsrapport liefert dem Auftragszettel den Nachweis
 über die aufgewendete Arbeitszeit, Die Leistungszeiten werden
 vermerkt und gleichzeitig in der Lohnliste die Stundenzahl zur
Lohnauszahlung vorgemerkt. Auch der Tagesarbeitsrapport wird mit
dem Auftragszettel verbunden, Die Schwierigkeit des täglichen
Arbeitsrapportes wird darin zu suchen sein, wie der Rapport von
der Außenarbeitsstelle. zum Meister bzw. Büro gelangt. Hierzu
bieten sich zwei Wege, Entweder nimmt der Meister bei seinen täglichen
 Kontrollen der Außenarbeitsstellen die Rapporte des vergangenen
 Tages entgegen, oder der Hilfsarbeiter, der fast täglich
Material in der Werkstätte holt, liefert die Rapporte an den Meister
ab, Liegen nun Arbeitsstätten nicht am Sitz des Betriebs, so darf
man das Porto nicht sparen, das für die tägliche Zusendung der Rapporte,
 die durch einen bestimmten Gesellen erfolgen muß, aufzuwenden
 ist, Die Übersicht über den Auftrag wird gefördert und das
Gefühl der ständigen Kontrolle wird auf die Gesellen wirken.
Ist der Auftrag beendet, so wird die Arbeitsanweisung von dem
Gesellen, mit dem Tag der Beendigung der Arbeit und Unterschrift
versehen, an den Meister zurückgegeben. War es eine Außenarbeit,
so muß sich der Geselle von dem Kunden seine Arbeitsleistung auf
der Kundenbescheinigung bestätigen lassen. Arbeitsanweisung und
Kundenbescheinigung werden mit dem Auftragszettel verbunden.
Der Zweck der Kundenbescheinigung ist ein doppelter. Erstens
soll durch diese Bescheinigung der Kunde bestätigen, daß die Arbeiten
 in der angegebenen Zeit ausgeführt wurden, und zweitens,
daß die angegebenen Arbeitsstunden auf die Auftragsausführung
Verwendet wurden, Der größere Vorteil der Kundenbescheinigung
liegt aber darin, daß Reklamationen bezüglich des Rechnungspreises
ausgeschlossen werden,
Die Aufgaben der Formularorganisation sind aber auch noch
Nicht erschöpft, wenn sie arbeitsverteilend und kontrollierend wirkt,
Sondern sie liefert dem Rechnungswesen des Betriebes wertvolle
Unterlagen. In dem Auftragszettel laufen alle Material- und Lohnaulwendungen
 zusammen, Auch die mit dem Auftrage verbundenen
unmittelbaren Unkosten werden darauf ausgewiesen, Werden diese

167
        <pb n="170" />
        Aufwendungen noch vermehrt um den Zuschlag der allgemeinen Unkosten,
 so steht der Selbstkostenaufwand einwandfrei fest, Auf
Grund der so gewonnenen Unterlagen ist die Nachkalkulation der
Arbeit nicht mehr schwierig. Wird die Nachkalkulation noch dadurch
 unterstützt, daß ‚die geleistete Arbeit ausgemessen wird, so
dürften sich Fehler kaum noch einstellen. Eine auf solcher Basis
aufgestellte Rechnung bietet die Gewähr, daß im Streitfalle jede
einzelne Position genau nachgewiesen werden und deren Richtigkeit
belegt werden kann.
Dadurch sind die Rechnungsunterlagen nach Beendigung der
Arbeit schon zusammengetragen. Das mühsame Zusammenstellen der
einzelnen Rechnungspositionen ist nicht mehr erforderlich. Die Rechnungserteilung
 kann prompt erfolgen, was von wesentlichem Vorteil
für den Geldeingang ist.
Durch eine gute Formularorganisation wird erreicht:
1. Eine gleichmäßige Arbeitsverteilung.
2, Eine genaue Kontrolle der Arbeitsleistung,
3, Eine genaue Erfassung aller Aufwendungen für eine Auftragsausführung,

41 Eine Deckung gegen Reklamationen des Kunden.
Vorbedingung für die Erreichung dieser Zwecke ist, daß in der
Verwendung der Formulare eine peinliche Genauigkeit herrscht, und
daß die Meldungen und Rapporte, sorgfältig aufbewahrt, mit dem
Auftragszettel und mit dem Rechnungsduplikat verbunden werden,
Werden die Betriebsergebnisse auf diese Art und Weise {estgehalten,
 so bieten sie auch Anhaltspunkte für die Ausarbeitung von
Angeboten,

1688
        <pb n="171" />
        &amp;lt;
Der Lohntüten-Arbeitszettel
Von Dipl.-Kfm. Franz Rößle, Karlsruhe
Als Ergänzung zum Aufsatz „Das Formular, ein Mittel der Betriebskontrolle‘
 soll hier noch ein Lohntüten-Arbeitszettel angeführt
und besprochen werden,
Der Lohntüten-Arbeitszettel* stellt eine Kombination von Lohntüte
 und Arbeitszettel dar, Der Zettel besteht aus dem Kopfbogen
und dem eigentlichen Arbeitszettel. Auf dem Kopfbogen wird der
Name des Gehilfen, die neue Arbeitswoche und die Lohnabrechnung
der vergangenen Arbeitswoche eingetragen. Der Arbeitszettel ist
in vertikaler Richtung in zwei Hauptspalten, A und B, gegliedert,
die dann wieder horizontal in sechs Spalten für die einzelnen Wochentage
 aufgeteilt sind, Unter Spalte A trägt man die geleisteten
Arbeiten und den Materialaufwand ein, einerlei, ob es sich um
Taglohnarbeiten, Werkstattarbeiten, oder Arbeiten an Großaufträgen
 (z, B. Neubau) handelt, Bei Taglohnarbeiten hat der Auftraggeber
 in der Spalte A zu bescheinigen, daß die angeführte Arbeit
wunschgemäß erledigt wurde, Taglohnarbeiten müssen auch noch
in Spalte B eingetragen werden. Der ausgefüllte Gegenschein B
wird abgetrennt und dem Kunden zur Kontrolle ausgehändigt.
Der Lohntüten-Arbeitszettel wird dem Gehilfen am Zahltag mit
dem Lohnbetrag ausgehändigt. Er wird so zusammengelegt, daß
er eine Lohntüte darstellt. Der Gehilfe trennt die Lohnabrechnung
ab und verwendet den Rest.als Arbeitszettel für die kommende
Woche. Zusammengefaßt sei nochmals angeführt, was der Gehilfe
mit dem Arbeitszettel zu tun hat:
1. die Arbeitsstelle einzutragen,
2. den Zeitaufwand festzuhalten
* Der Lohntüten-Arbeitszettel wurde von Malermeister. Wilhelm
Reinarz, Düsseldorf, Schützenstr. 58, entworfen und kann von dort bezogen
 werden,

169
        <pb n="172" />
        Franz Müller
Mi e ‚Dortmund Lohn-Abrechnung am 7. August 1925
; ermelster, Tel
A ; Telephon 100 n
P ‚ Nordstraße 3 für Peter Krämer
. . | S 48 Std. A 110 Mk. = 52.80. Mk.
Arbeitsverzeichnis ;.: Allan En
für Peter Krämer CR
2 8
Nr. 757 5 ES Abzüge
3 - TS: N
37. Woche vom 7. August bis 13. Auoust 1925 55 Vorschuß 5 Mk
Sön Krankenk. 280
Em Invalidenvers =
B. * nl = n Re Ss SS; .Z0 5
Tagelohn-Arbeiten sind die Spalten A und B gleichlaufend aus- SE Steuer 2.00
zufüllen. Nachdem Spalte A vom Auftra eb . n BR &amp;amp;
ihm Spalte B ggeber unterschrieben ist, wird ee Ga
i palte ; nach Abtrennung als Gegenschein übergeben. In Spalte B ist HON
auch stets die Nummer des Arbeitsverzeichnisses einzutragen. Inhalt: 46.40 Mk.
Wo beschäftigt? |Sıig: | A yele - nn _
I Aa g (Sta.| A geleistete Arbeiten und Material Zn B JE © N Arhelten. SE
ıF { rn Aa BE 5 S std. geleistete. Arbeiten und Material
FREITAG 8 | Decken in Leimfarbe gestr. ZN Pt S rl ES EN rial A
Neubau ! A dA = Freitag, den 7./8. 1925 NT. 753
WW Oberst. 15 SA i
- N Ta “ =
ZA A
——_ Unterschrift des Auftraggebers mL
x U . r is -
SAMSTAG 115 | Decken tn Leimfarde gestr. —— E SA Franz Miliet, Malenmebtes
5 | EEE A En _ Samstag, den-8./8. 1925 Nr.153
== = AZ A A DA. | Sa u
= „Unterschrift des Auftraggebers a A Sn S
A —————— [ei A u Franz Müller, Malremeister |
MONTAG | | Montag, den z0./8. 1925 NT. 153
Dr. Meyer N Möbel aus dem Schlafzimmer geschafft ; 2 2 | Möbel aus dem Schlafzimmer geschafft
Ringstr. 25 | Decken abgewaschen, Tapeten abgekratzt und : Decken abgewaschen, Tapeten abgekratzt und
Wände ausgeschmiert | 606 Wände ausgeschmiert
Sn 20 Pfund Gips } 20 Pfund Gips
T’nterschrift des Aufiraggebers Dr. Meyer | ; A Franz Müller, Malermeister
DIENSTAG Decke gestr. 15 Rollen Tapeten geklebt | Dienstag, den 77./8. 1925 . Nr. 753
| 18 Benster vorgestr. und verkittet
15 Rolien Tapeten gel. nn 15 Rollen Tapeten gelegt
VEGA va ZZ A ELLE mm
Sin Stegen Or Weyer MN A MA N,
MITTWOCH | 4 Türen und Fenster zum erstenmal gestr. ; Mittwoch, den 12./8. 1925 NT. 153
En Ma Byte und LEHSTEN ZUMEISTEWNET SEA LE
; Fußboden abgebezzt | 44 Fußboden abgebeizt
5 Kilo Salmiak | ; 5 Kilo Salmiak
7 Oneeheife des Aufaaggeben Dr. Weyer | a Ferm Miller, Malermeister
PONNERSZAG 4 Türen und Fenster fertig gestr., zweiter Strich | Donnerstag, den 73./8. 1925 NT. 153
2 | Fußboden zum erstenmal gestr.
=‘ Möbel aus dem Sprechzimmer geschafft 2 KB Möbel aus dem Sprechzimmer geschafft
Unterschrift des Auftraggebers Dr. IMeyer Franz Müller, Malermeister
34 Tagelohn-Std. . ... 14
Tagelohn-Std. . | 14
zusammen. ... |48 ®
Peter Krämer
Unterschrift des Ausführenden
Das Arbeitsverhältnis richtet sich nach der Arbeitsordnung und nach dem Vertrag
        <pb n="173" />
        3. in Spalte A alle geleisteten Arbeiten und den Materialaufwand
 zu schreiben,
4. bei Taglohnarbeiten werden die geleisteten Arbeiten und der
Material- und Zeitaufwand noch unter Spalte B eingetragen,
5. bei Taglohnarbeiten muß der Gehilfe in Spalte A die Eintragungen
 vom Auftraggeber bescheinigen lassen,
6. der Gegenschein B hierzu wird an den Kunden zur Kontrolle
für die nachfolgende Rechnung überlassen,
7, am Ende der Lohnwoche liefert der Gehilfe den 'unterschriebenen
 Arbeitszettel dem Meister‘ ab.

172
        <pb n="174" />
        Die Leistungs- und Abzugstabelle
(Ein Beitrag zur Lehrlingserziehung im Malerhandwerk)
Von Dipl.-Handelslehrer Dr. Kurt Fontaine, Mannheim
Die Lehrlingsausbildung ist für den gewissenhaften Malermeister
 sehr oft eine Quelle ständigen Ärgers und Verdrusses, Der
Meister möchte den jungen, ihm zur geschäftlichen Erziehung anvertrauten
 Menschen das Beste bieten, was er ihnen für ihre Zukunft
zu geben vermag, nämlich all die Erfahrungen, die er sich selbst
mühsam im Laufe eines langen Berufslebens erworben hat, Wie oft
muß dann der Lehrherr erleben, daß sein Lehrling, dem er doch
durch seine Unterweisung den künftigen Lebensweg ebnen will,
nicht aufmerksam genug ist, daß er alles noch als Spielerei auffaßt
und gar nicht an sein späteres Vorwärtskommen denkt,
Hier seien nur zwei Vorkommnisse aufgezählt, die dem Meister
immer wieder dazu Anlaß geben, sich über das Resultat seiner Bemühungen
 um die Ausbildung des Nachwuchses zu ärgern;
1. Der Meister hat dem Lehrling eine zu leistende Arbeit ganz
ausführlich erklärt und der Junge hat diese Arbeit auch schon
einige Male zur vollen Zufriedenheit seines Lehrherrn ausgeführt.
Wenige Tage später verläßt sich der Meister darauf, daß der Lehrling
 nun derartige Arbeiten selbständig, ohne Überwachung, ausführen
 kann, und nur zu bald sieht sich der Lehrherr in seiner guten
Meinung über die Leistungen seines „Jüngsten“ getäuscht; die Arbeit
 ist schlecht und der Malermeister erleidet durch die unordentliche
 Arbeit seines Lehrlings häufig finanzielle Einbußen.
2. Der Lehrling wird von der Arbeitsstätte in die Werkstatt geschickt,
 um einen ihm genau bekannten Gegenstand zu holen... Er
kommt zurück, bringt aber etwas ganz anderes. Der ganze Weg
wurde also umsonst gemacht, diese Arbeitszeit ist also vergebens
aufgewendet.
Diese Beispiele lassen sich natürlich leicht vermehren. Jeder
Lehrherr kann sein Lied davon singen, und es ist nur zu leicht begreiflich,
 daß es dem Meister manchmal in der Hand juckt, dem
Lehrling den „schlagenden Beweis” dafür zu geben, daß sich derartige
 offensichtliche Unachtsamkeiten mit den Anschauungen des
ehrbaren Handwerks nicht vertragen. Es soll hier jedoch durchaus

17%
        <pb n="175" />
        nicht der körperlichen Züchtigung das Wort geredet werden, im
Gegenteil: Es gilt, einen neuen Weg zur Beeinflussung der Lehrlinge
 zu finden, der den jungen Mann ohne „schlagenden Beweis‘
erkennen läßt, daß sich die Interessen des Lehrherrn und des Lehrlings
 in einem gemeinsamen Ziele treffen und sich nicht feindlich
gegenüberstehen,
Leider lassen sich dem Lehrling gegenüber nicht dieselben Mittel
 anwenden, um seinen Fleiß anzuspornen, wie gegenüber dem
ausgelernten Gesellen, Wenn dieser unsauber und leichtsinnig arbeitet,
 wird er bald die Folgen verspüren, er wird sehr rasch keine
Arbeit mehr finden, ganz abgesehen von seiner Schadenersatzpflicht
für den angerichteten Schaden, Anders beim Lehrling, der sich zumeist
 nicht darüber klar ist, daß er nicht allein für seinen Prinzipal
schafft, sondern ebenso gut auch {für sich, für sein zukünftiges
Wohlergehen. Der Lehrling betrachtet es vielfach sogar als sein
verbrieftes Recht, während seiner Lehrzeit recht oft etwas schlecht
zu machen, er denkt: „Ich habe ja noch nicht ausgelernt, ich bin
ja noch Lehrling!“ Den jungen Leuten fehlt eben noch häufig das
Verantwortungsbewußtsein, sie denken noch nicht an die Folgen
ihrer schlechten Arbeit,
Aus diesen Überlegungen heraus hat Malermeister Konrad
Rapp (Inhaber eines bekannten Mannheimer Malergeschäftes) die
von ihm vertriebenen „Leistungs- und Abzugstabellen
für den Lehrling“ geschaffen,
Malermeister Rapp' erhöht zunächst das Interesse des Lehrlings
am Geschäfte dadurch, daß er zu der durch den Lehrvertrag bzw.
durch den Tarif vorgeschriebenen festen Wochenvergütung für gute
Führung einen freiwilligen Zuschuß gewährt, den er Barometervergütung
 nennt, Diesen Namen hat er gewählt, da der freiwillige Zuschuß
 je nach den Leistungen des Lehrlings schwankt. Die genaue
Ermittelung der Barometervergütung wird weiter unten erklärt.
Die Leistungs- und‘ Abzugstabelle jedes Lehrlings wird in der
Werkstatt an einer gut sichtbaren Stelle aufgehängt, jede Tabelle
wird mit dem Namen des betreffenden Lehrlings überschrieben, in
unserem Falle mit Jakob Weißmann. Auf der Tabelle ist dann
genau angegeben, wieviel der Lehrling laut Lehrvertrag wöchentlich
 verdient, in obigem Beispiele 3 Reichsmark pro Woche, und
wie groß der ihm für gute Führung bewilligte Zuschuß pro Woche
ist. Wie oben ersichtlich, ist hier eine freiwillige Barometervergütung
 von einer Reichsmark vorgesehen; sie kann natürlich beliebig
hoch angesetzt werden,
Darunter sind dann die einzelnen Verstöße aufgezählt, die sich
Lehrlinge zumeist zuschulden kommen lassen. Diese Verfehlungen

174
        <pb n="176" />
        at Malermeister Rapp absichtlich nicht für einen speziellen Handwerkszweig
 zugeschnitten, sondern ganz allgemein gehalten, Seine
eistungs- und Abzugstabellen können daher von allen Zweigen des
andwerks mit gleichgutem Erfolge verwendet werden,
= rail BE le. bee
Unter der Zeile, auf der genau die Woche bezeichnet ist, für
die die Tabelle geführt wird, ist dann für jeden Tag dieser Woche
eine Spalte vorgesehen. Diese Spalten sind selbst wieder entsprehend
 den verschiedenen weiter oben aufgezählten Verfehlungen
untergeteilt,
Durch diese übersichtliche Anordnung ist dem Lehrherrn die
ufzeichnung der Verstöße gegen die Werkstattordnung usw. sehr
eicht gemacht, Er braucht die Leistungs- und Abzugstabelle an
der dafür vorgesehenen Stelle nur mit einem Nagel oder einem Bleistifte
 zu durchlochen (dann kann nichts ausradiert werden!), um
am Wochenende wieder genau zu wissen, wieviele und welche Vertöße
 sich der einzelne Lehrling zuschulden kommen ließ,
. An der linken Längsseite der Tabelle ist durch einen besondere
Vermerk genau festgesetzt, wieviele Pfennige für jeden Verstoß von
er Barometervergütung abgezogen werden. Da die Tabelle gu
sichtbar angebracht ist, können sich die Lehrlinge schon selbst i
voraus errechnen, wieviel sie am Wochenende ausbezahlt erhalten
Selbstverständlich kann dann ein besonders fauler oder leichtsinni
er Lehrling auch einmal erleben, daß seine ganze Barometervergü
tung wegfällt. In diesem Falle erhält der Lehrling nur die ihm lau
ehrvertrag zustehende Wochenvergütung.
A
Im nachfolgenden sind einige der Vorteile aufgezählt, die dem
Lehrherrn und dem Lehrling aus der Verwendung der Leistungsund
 Abzugstabellen entstehen:
Für manchen Jungen aus armer Familie bedeutet die Möglicheit,
 durch sorgfältige und gewissenhafte Arbeit schon während der
Lehrzeit eine erhöhte Bezahlung zu erreichen, eine willkommen
Unterstützung für seine Angehörigen, Er wird alles daran setzen,
m am Wochenende möglichst wenig abgezogen zu erhalten, Abe
auch diejenigen Lehrlinge, die von Hause aus besser gestellt sind
die also die Härte des Kampfes ums Dasein in der eigenen Famili
noch nicht zu spüren bekamen und daher nicht unbedingt auf di
dere den Lehrvertrag ausgemachte Wochenvergütung angewiese
sind, bekommen durch die Barometervergütung sehr rasch erhöhtes
N nteberse an ihren eigenen Leistungen und damit auch an den Leistungen
 des Geschäftes. Dem Lehrling kommt hierbei gar nicht zu
Bewußtsein, daß er sich selbst zur Ordnung, Disziplin, großer Geschäftskenntnis
 und zu frühzeitiger Selbständigkeit erzieht. Er

175
        <pb n="177" />
        Leistungs- und Abzugstabelle* für den Lehrling
Name: Jakob Weißmann
Wochenvergütung Freiwilliger Zuschuß pro B
laut Lehrvertrag Woche für gute Führung | ATOMELET-3
 RI 1 2% {7 Vergütung
Für folgende Fälle
erfolgen jeweils am Samstag Abzüge von der Barometer-Vergütung:
a) 1. Für schlechte Arbeit, 2. für mangelhafte Werkstattordnung
(Das betrifft solche Arbeiten, die der Lehrling schon öfter gut
ausführte und alsdann dieselben wieder mangelhaft lieferte)
b) Für dumme Scherze und Spielereien
. c) Für schlechtes Betragen gegen die Kundschaft
£ d) Für Zuspätkommen in das Geschäft
&amp;amp; e) Für verkehrte Ausführung eines Auftrages
; f) Für schlechte Behandlung der Werkzeuge und Materialien
g) Für Faulheit
Gültig für die Woche vom 7, Februar bis 12, Februar 1927
ı Montag | Dienstag . Mittwoch | Donnerst. | Freitag | Samstag
. ; n en 1 LE m Luz —
S
= a) l
a ib)‘ ®
be
X
Jeder Fall wird mit einem Nagel oder Stift in dem betreffenden Feld
durchlocht. Ein schwieriger Fall wird 2-—4 mal gelocht.
Freches Benehmen gegen den Lehrmeister schaltet die Barometer-I.
 Vergütung vollständig aus.
* Herausgeber der Leistungs- und Abzugstabellen: Malermeister
Konrad Rapp, Mannheim, Rheinaustr. 11. Die Zettel können vom Herausgeber
 bezogen werden, Nachdruck verboten.

176
        <pb n="178" />
        lernt erst in späteren Jahren die ihm durch Verwendung der Leistungs-
 und Abzugstabelle vermittelten Kenntnisse und Fertigkeiten
richtig schätzen und wird dann seinem früheren Lehrherrn hierfür
noch dankbarer sein, als für die ihm seinerzeit durch die Barometervergütung
 gewährte Erhöhung seines Einkommens,
Auch dem Meister entstehen bei Verwendung der Leistungsund
 Abzugstabellen große, sofort in Erscheinung tretende Vorteile:
1. die Arbeitsleistung der Lehrlinge wird wesentlich erhöht,
2, die unproduktiven Geschäftskosten vermindern sich,
3, in der Werkstatt herrscht immer tadellose Ordnung,
4, die Werkzeuge und Materialien werden gut behandelt,
5, der gute Ruf der Firma wird auch durch die Arbeit der Lehrlinge
 nicht mehr in Frage gestellt,
Alle Malermeister, die bereits die Tabellen verwenden, bestätigen
 übereinstimmend den guten Erfolg dieser Einrichtung. ‚Bei
Einführung der Leistungs- und Abzugstabellen mußten anfänglich im
Durchschnitt 8 bis 10 Strafpunkte pro Woche vermerkt werden.
Später wurde aber bald ein andauerndes Sinken der Strafpunktezahl
 beobachtet.
Als besonders praktisch hat es sich erwiesen, die Eltern der
Lehrlinge von der Höhe des freiwillig gewährten Zuschusses zu benachrichtigen.
 Am Wochenende ist es dann den Eltern ein leichtes,
anhand des von dem Jungen nach Hause gebrachten Geldes festzustellen,
 ob der Junge während der Woche ordentlich gearbeitet hat
oder ob sein Verhalten im Geschäfte nicht einwandfrei war.
‚ Überall, wo gleichzeitig mehrere Lehrlinge vorhanden sind,
konnte auch festgestellt werden, daß zwischen den einzelnen Lehrlingen
 bald ein edler Wettstreit ausbricht, wer am Wochenende die
niedrigste Abzugspunktezahl aufzuweisen hat, Die Lehrlinge beobachten
 hierbei einander sehr genau, sie überwachen gegenseitig ihre
Arbeit und sorgen selbst dafür, daß bei den übrigen Lehrlingen kein
gemachter Fehler übersehen wird, daß der „andere‘ bei der Feststellung
 der Strafpunkte nicht zu kurz kommt. Es gibt wohl kein
besseres Mittel, um das Auge des Lehrlings für die Entdeckung
fehlerhafter Arbeiten zu schulen, als diese gegenseitige Kontrolle,
Abschließend darf man wohl behaupten, daß die Rappschen
Leistungs- und Abzugstabellen bei der Heranziehung eines tüchtigen
Nachwuchses des Malergewerbes ein außerordentlich wertvolles
Hilfsmittel darstellen.

12 177
        <pb n="179" />
        Die genossenschaftliche Organisation
im Malerhandwerk
Von Dipl.-Kim, H. Droescher ‚ Mannheim
Die Genossenschaft hat die Aufgabe der wirtschaftlichen Förderung
 ihrer Mitglieder durch gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb.
Die Möglichkeit, dem einzelnen Mitglied Vorteile zu schaffen, besteht
vor allem auf dem Gebiete des Einkaufs, des Verkaufs oder der Beschaffung
 von Aufträgen und deren gemeinschaftlicher Ausführung,
 Für das Mälergewerbe kommen infolge seiner Eigenart in erster
Linie Einkaufsgenossenschaften in Frage, daneben Lieferungsgenossenschaften
 und eine für das Malergewerbe typische Form der Werkgenossenschaft,
 die Gerüstverleihgenossenschaft,
Aufgabe der Einkaufsgenossenschaft muß in erster Linie sein,
durch Zusammenfassung des Bedarfes der Betriebe der einzelnen Genossen
 einen wirtschaftlicheren Einkauf durchzuführen. Die Wirtschaftlichkeit
 des Einkaufs muß sich nach zwei Seiten hin auswirken,
nach der Qualität und nach dem Preis der Ware,
Zur Durchführung ihrer Aufgaben bedarf die Genossenschaft
eines bestimmten Aufbaues und einer guten Organisation, Die Grundlage
 jeder Einkaufsgenossenschaft ist der Bedarf der Genossen. Der
Geschäftsführer hat sich daher ein möglichst genaues Bild über die
Entwicklung des Absatzes der Genossenschaft zu verschaffen; zu
diesem Zwecke wird er sich eine besondere Absatzstatistik anlegen.
Da der Materialbedarf im Malerhandwerk stark von der Jahreszeit
abhängt, wird sich die gesamte Geschäftsführung auf diesen Saisonbedarf
 einzustellen haben.
Zur genauen Erfassung des Bedarfs der einzelnen Genossen wird
die Genossenschaft jedem Mitgliede besondere Bestellkarten zur
Verfügung stellen, um so dem einzelnen Meister die unproduktive
Zeit der Materialbeschaffung und der Schreibarbeit so viel als möglich
 zu verkürzen, Daneben werden eilige Materialbestellungen jederzeit
 telephonisch erfolgen können, Die Genossenschaft muß dann in
der Lage sein, die angeforderten Waren schnellstens zu liefern.
Voraussetzung hierfür ist aber ein gut gestattetes Lager, Doch ist
bei der Wahl der auf Lager zu legenden Rohmaterialien eine ge-178
        <pb n="180" />
        naue Prüfung ihrer Umsatzschnelligkeit und ihrer Umsatzmenge notwendig.
 Dadurch wird eine unnötige Unkostensteigerung durch zu
hohe Lagerzinsen vermieden, Denn es ist falsch, wenn die Genossenschaften
 ‚danach streben, alle Waren ohne Prüfung, ob dies wirtschaftlich
 ist oder nicht, auf Lager haben zu wollen.
Die Umsatzstatistik ermöglicht dem Geschäftsführer seinen Lagerbestand
 dem Bedarfe der Mitglieder anzupassen. Denn bei einem
Vergleich der Geschäftslage der Vorjahre und des laufenden Jahres
läßt sich auf Grund der Umsatzgröße der Vorjahre der laufende Bedarf
 ziemlich genau schätzen. So kann durch geeignete Lieferungsverträge
 trotz eines verhältnismäßig sehr geringen Lagerbestandes
in der stillen Zeit die Genossenschaft beim Einsetzen der Saison in
der Lage sein, den gesteigerten Bedarfsanforderungen gerecht zu
werden, Die Genossenschaft erreicht dadurch einen schnellen Kapitalumschlag,
 der sich in einer Verminderung der zu berechnenden
Zinsen auswirkt,
Der Geschäftsgang der Genossenschaft muß sich unbedingt reibungslos
 abwickeln, wenn der zur Erzielung einer Rentabilität notwendige
 Absatz auch wirklich erreicht werden soll, Denn kein Genosse
 kann gezwungen werden, bei einer Genossenschaft zu kaufen,
die ihm keine Vorteile bietet, Soll diese Vorbedingung erfüllt werden,
 so wird man gerade bei einer Malereinkaufsgenossenschaft gut
daran tun, die Geschäftsführung einem hauptamtlichen Geschäftsführer
 zu übertragen. Für diesen wird der innere Ausbau der Genossenschaft,
 wie auch die Aufrechterhaltung der Beziehungen nach
außen keine Schwierigkeit bedeuten, Als weiterer Grund für seine
Anstellung kann mitsprechen, daß sich immer noch einzelne Meister
davor fürchten, daß ihre Kollegen infolge des gemeinschaftlichen Bezuges
 von der Genossenschaft etwas über ihr Geschäftsgebaren erfahren
 könnten, Die Furcht ist weniger stark, wenn ein dem Gewerbe
 fernstehender Geschäftsführer den Überblick über die Umsätze
 hat.
Wie der innere Aufbau, so bedarf auch der Einkauf selbst einer
entsprechenden Organisation, Bei der Malereinkaufsgenossenschaft
liegt die Schwierigkeit des Einkaufes im Material selbst, denn die
Qualität der Rohstoffe erfordert eine genaue Prüfung, Eine besondere
 Materialprüfungsstelle wird der Genossenschaft gute Dienste
leisten, wenn sie die Qualität, sowohl der angebotenen, als auch der
gelieferten Farben untersucht und begutachtet, Wo diese Prüfungsmöglichkeit
 nicht besteht, müssen Einkäufer und Lagerhalter gute
warenkundliche Kenntnisse besitzen und die einfachen Prüfungsmethoden,
 wie sie z, B. das Forschungsinstitut für rationelle Betriebs-12*

 179
        <pb n="181" />
        führung im Handwerk zusammengestellt hat, beherrschen‘. Da die
chemische Analyse vieler Farbenmischungen häufig keine einwandfreien
 Ergebnisse erbringt, sind die meisten Malereinkaufsgenossenschaften
 dazu übergegangen, ihre Farben selbst zu mahlen und zu
mischen, Auf diese Weise ist den Genossen die Gewähr für wirklich
einwandfreie Ware gegeben.
Diese Sicherung der guten Qualität der Rohstoffe wird noch
durch den Bezug bei der Zentraleinkaufsgenossenschaft verstärkt.
Diese ist vor allem in der Lage, durch die Auswahl ihrer Lieferanten
für einwandfreie Ware Sorge zu tragen. Zu diesem Zwecke besteht
neben der deutschen Zentraleinkaufsgenossenschaft der Maler, der
„Handwerker-Großeinkaufs- und Großlieferungsgenossenschaft e, G.m.
b. H., Berlin“ (Heka), die zu über 90 % von Malergenossenschaften getragen
 wird, auch noch eine besondere Produktivgenossenschaft, die
„Kreidebetriebsgenossenschaft Berlin-Greifswald, e, G. m. b. H.,
die die Kreideversorgung der Einkaufsgenossenschaften durchzuführen
hat, Gleichzeitig hat es die „Heka‘ erreicht, daß den Genossenschaften
 von den Fabriken dieselben Bedingungen und Preise eingeräumt
werden, wie den Großhändlern,
Eine gut geleitete Malereinkaufsgenossenschaft wird in der Lage
sein, ihren Mitgliedern erhebliche Preisvorteile zu verschaffen. Allerdings
 muß sie dabei auch eine bestimmte Preispolitik verfolgen, Ihr
Ziel muß sein, neben einer normalen Kapitalverzinsung den Genossen
eine möglichst hohe Warenrückvergütung gewähren zu können,
um damit auch gleichzeitig einen Anreiz zur Erhöhung des Absatzes
zu geben, Zur Erzielung einer elastischen Preisgestaltung wird die
Genossenschaft in Form eines „Warenpreis-Ausgleichskonto‘ eine besondere
 offene Reserve legen?
Die Wirkung des genossenschaftlichen Einkaufes zeigt sich bei
dem einzelnen Genossen in der Kalkulation, Neben der Erniedrigung
der Rohmaterialpreise stehen aber auch noch Ersparnisse an Unkosten.
 Die unproduktive Zeit, die der Meister sonst zum Einkauf
und zur Materialprüfung aufwenden mußte, ist auf ein Minimum herabgedrückt,
 Ein eigenes Lager von größerem Ausmaße ist für den
Einzelbetrieb nicht mehr erforderlich, denn die Genossenschaft übernimmt
 die Lagerhaltung, Außerdem bestehen noch indirekte Vorteile
 dadurch, daß infolge der besseren Qualität der Rohstoffe eine
Rohstoffersparnis eintreten kann, und Reklamationen der Kundschaft
wegen schlechter Qualität in Wegfall kommen.
* Das Forschungsinstitut, sowie die Bezirksstellen, sind zu evtl. Untersuchungen
 gerne bereit,
-? Siehe Rößle, Dr. Karl, Zur Betriebsführung der Handwerksgenossenschaft,
 Karlsruhe 1927.

180
        <pb n="182" />
        Weniger stark verbreitet als die Einkaufsgenossenschaften sind
im Malergewerbe die Lieferungsgenossenschaften. Die Lieferungsgenossenschaft
 hat die Aufgabe, dem Einzelhandwerker die Teilnahme
an Großaufträgen, die meist auf dem Wege der Submission vergeben
werden, zu vermitteln, Die Genossenschaft tritt als Submittent auf
und verteilt nach Zuschlag die Ausführung nach bestimmten Gesichtspunkten
 an die Genossen, Die Bedeutung der Lieflerungsgenossenschaft
 für den Betrieb der Genossen kommt in erster Linie im Beschäftigungsgrade
 zum Ausdruck, Daneben werden aber auch die
unproduktiven Zeiten des Meisters, die sonst durch Auftragseinholung
 entstehen, herabgemindert,
Die Gerüstverleihgenossenschaften haben sich, wie ihr Name besagt,
 die Aufgabe gestellt, den Gerüstverleihbetrieb auf genossenschaftlicher
 Grundlage durchzuführen. Für den einzelnen Genossen
bedeutet sie eine Verringerung der durch das Leihen der Gerüste
entstehenden Unkosten,
Die genossenschaftliche Organisation im Malergewerbe bietet
Entwicklungsmöglichkeiten nach verschiedenen Seiten. Einerseits
können die bestehenden Genossenschaften ausgebaut werden, indem
sie sowohl eine Vergrößerung ihres laufenden Geschäftsbetriebes
durchführen, als auch besondere Abteilungen der bestehenden Organisation
 angliedern, die im Sinne der oben genannten Grundzüge
arbeiten; andererseits können auch Neugründungen von Malergenossenschaften
 erfolgen. Allen Neugründungen und Erweiterungen muß
aber eine genaue Vorkalkulation vorangehen, damit die Genossenschaft
 nicht schon vor der Gründung zur Unrentabilität verurteilt ist.

18)
        <pb n="183" />
        UNKOSTEN
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182
        <pb n="184" />
        Moderne Betriebsbuchführung im Malerhandwerk
(Mitteilungen der Maler-Einkaufsgenossenschaft Mannheim
e. G. m. b. H.
Von A, Lindhuber, Mannheim
Infolge der in den letzten Jahrzehnten gewaltig einsetzenden
Aufwärtsbewegung der Wirtschaft entstand auch in den kaufmännischen
 Büros die Massenarbeit, die dann ihrerseits in der Organisation
 der Büroarbeit das Problem der Arbeitsteilung, der Arbeitsvereinfachung
 durch Mechanisierung und Maschinisierung in den
Vordergrund drängte,
Während diesen Erscheinungen im Fertigungsprozeß schon seit
langem größtes Interesse entgegengebracht wurde, ist dieses Problem
 für den Bürobetrieb erst in der letzten Zeit wach geworden,
um aber nun den alten Bürostubengeist mit Macht zu beseitigen.
Über alle Vorurteile und Pietät gegenüber alten Gepflogenheiten und
Gewohnheiten schreitet das Wirtschaftsleben hinweg, wenn eine
Neuerung sich als ein solcher Fortschritt erweist, daß dadurch ein
bestimmter Aufwand einen höheren Ertrag erzielt oder ein bestimmter
 Effekt mit kleineren Opfern an Zeit, Kraft und Mitteln zu erreichen
 ist.
Es würde zu weit führen, hier den gewaltigen Stoff moderner
Betriebsführung zu behandeln. Im nachfolgenden sei lediglich die
Durchschreibebuchführung einer fachmännischen Kritik unterzogen,
Gerade in der heutigen Zeit muß jeder Kaufmann und auch jeder
Gewerbetreibende bestrebt sein, die Buchführung in seinem Geschäft
 derart zu gestalten, daß sie ihm Vorteile in jeder Beziehung
gewährt.
Die seither gehandhabten Systeme der doppelten Buchführung
gewährleisten keine absolute Sicherheit der Arbeit und hatten in sich
selbst enggezogene Grenzen. Um die Nachteile der seither üblichen
Buchhaltungssysteme zu beseitigen, kamen Neuerungen auf (wie
z. B. das Loseblattbuch usw.), die an sich schon eine wesentliche
Vereinfachung bezwecken sollten. Aber auch deren Unzulänglichkeit
 für die heutige Betriebsführung bewies sich, als man neue, vollkommenere
 Methoden fand. So wurde besonders durch die Kartei
mit ihrer Beweglichkeit als Kontokorrent ein weiterer Schritt

183
        <pb n="185" />
        vorwärts getan, die bei allen bestehenden Buchhaltungssystemen
und -methoden ohne weiteres eingeschoben werden kann. Die Einführung
 der Kartei beseitigte aber noch lange nicht alle die Unannehmlichkeiten
 der bisherigen Buchungsverfahren, die erst häufig
nach Wochen und Monaten die Buchungsergebnisse aufweisen, die
eigentlich mit den täglichen Geschäftsvorgängen gleichlaufend vorhanden
 sein sollten,
Alle die Nachteile der früheren Systeme und Methoden werden
 durch die Durchschreibebuchhaltungen, die eine grundlegende
Reform der Buchhaltung bedeuten, vollständig ausgeschaltet, Sehr
bekannt und eingeführt ist neben verschiedenen anderen guten das
N.O.G.-Durchschreibeverfahren der Neuen Organisations-Gesellschaft,

Dieses Buchungsverfahren eignet sich nach dem Urteil fachmännischer
 Revisoren und Sachverständiger besonders zur Anwendung
 in Genossenschaften. Es wurden damit, so auch bei der Maler-Einkaufsgenossenschaft
 Mannheim e. G. m. b. H., gute Erfahrungen
gemacht und beste Erfolge erzielt.
Im nachfolgenden sei einiges Wissenswerte über die Einrichtung
 und die Handhabung des N.O.G.-Systems mitgeteilt:
Die N.O.G.-Durchschreibebuchführung stellt eine Verschmelzung
 der Kartei mit gebundenen Büchern dar, Die Kartei wird
durch ein besonderes Verfahren auch auf die Sachkonten ausgedehnt.
Als grundlegende Arbeitsvereinfachung wird das Durchschreibeverfahren
 benützt, bei welchem mit der Grundbuchung in eines der
nachbezeichneten Kontenbücher gleichzeitig die Übertragung auf die
Personen- bzw, auf die Sachkonten erfolgt, Die hier in Frage kommenden
 Bücher unterscheiden sich von den gewöhnlichen Buchhaltungsbüchern
 nur in der Stellung der Kontenspalten für Sach- und
Personenkonten, die aus technischen Gründen nebeneinander angeordnet
 sind, sowie durch den Vordruck der Saldenkontrolle, Außerdem
 bieten die Zahlungsspalten durch Schraffur einen besonderen
Schutz gegen Verschleierungen und Änderungen.
Die linke Seite der Grundbücher dient für die Aufnahme der
Kontennamen oder Kontenbezeichnungen und für die Saldenkontrolle,
 Zwischen den Vordrucken auf den Kontenseiten und auf den
Karteikarten besteht genaue Übereinstimmung, da dies eine selbstverständliche
 Vorbedingung für das Durchschreibeverfahren ist, Für
mittlere und größere Betriebe kommen als Grundbücher in
Frage: Das Rechnungseingangs- und Rechnungsausgangsbuch, das
Kassa-, Bank- und Postscheckbuch, sowie für die keines dieser Bü-184
        <pb n="186" />
        cher betreffenden Buchungen, das Memorial, Bei Geschäften kleineren
 Umfanges, wo insbesondere nur eine einzige Person an der
Buchhaltung beschäftigt ist, wiegt das Einkontenbuchsystem vor.
Wie oben schon erwähnt, werden sowohl die Personenkonten
als auch die Sachkonten in Karteiform geführt. Demnach besitzt
jeder Kunde und jeder Lieferant ein in Kartenform geführtes Konto,
Der Vorteil gegenüber dem alten, starren System liegt darin, daß
man die einzelnen Konten in scharf alphabetischer Reihenfolge einordnen
 kann, wobei für die Einordnungssysteme besondere. Kontrollzeichen
 an den Karten vorhanden sind, die einesteils das falsche Ablegen
 verhindern sollen, und andererseits das Fehlen einer Karteikarte
 äußerlich sichtbar machen. Während man beispielsweise in
einem gebundenen Kontokorrentbuch ziemlich viel Zeit mit dem Aufsuchen
 eines bestimmten Kundenkontos vergeudet, genügt beim Karterisystem
 ein Griff, um dası betreffende Konto zu erfassen, Durch
die Anwendung der verschiedenartigsten Farben läßt sich eine bis
ins kleinste gehende Unterteilung ermöglichen,
Die Personenkonten tragen an ihrem oberen Rande einen Vordruck
 zur Markierung von Mahndaten. Nach jeder verbuchten Belastung
 setzt man auf den vereinbarten Fälligkeitstag, der der Karte
aufgedruckt ist, einen Terminreiter, Dadurch wird das bei einem
gebundenen Kontokorrent notwendige und zeitraubende Aufsuchen
der fälligen Posten erspart.
Die Sachkonten werden zweckmäßigerweise in zwei verschieden
 gefärbten Monatsätzen geführt, um die Monate genau auseinanderhalten
 zu können und um jede Verzögerung der laufenden Arbeiten
 am Monatsschluß zu vermeiden, Statt der geringen Aufteilungsmöglichkeit
 des amerikanischen Journals können die Sachkontenkarten
 in unbegrenzter Zahl angelegt werden. Jede dieser
Karten stellt gewissermaßen eine Hauptbuchseite dar. Sie liefern
als Vertreter des alten Hauptbuches die Unterlagen für’ die Ermittlung
 von Aktiven und Passiven, von Aufwand und Ertrag, Gewinn
und Verlust,
Im Gegensatz zu den Personenkonten trägt jedes Sachkonto
außer dem Buchstabensignum eine Gruppennummer, Diese Merkmale
 sind Hilfsmittel, durch deren Anwendung selbst bei weitester
Gliederung des Sachkontenplanes es dem Buchhalter ermöglicht
wird, sich die einzelnen Konten in kurzer Zeit dauernd und sicher
einzuprägen, Die Gruppierung der einzelnen Sachkonten selbst entwickelt
 sich aus jedem einzelnen Geschäftsbetrieb heraus, Diese
Kontenzergliederung gestattet ein genaues Erfassen aller Unkosten
und deren Ursachen, Sie gibt ein einwandfreies Bild als absolutes
3

185
        <pb n="187" />
        Buchungsprodukt, liefert genaue Kalkulationsunterlagen und vieles
mehr, Man gewinnt ein umfangreiches, zwangsläufig abgestimmtes,
mithin absolut zuverlässig statistisches Zahlenmaterial, welches der
Buchhaltung eine bisher nie vorhanden gewesene Durchsichtigkeit
 verleiht.
Der Buchungsvorgang ist folgender:
Das den durchzuschreibenden Teil der Grundbuchung aufnehmende
 rechte Buchblatt wird in eine Aluminiumplatte gespannt,
welche eine glatte Schreibunterlage bietet, das besonders präparierte
 Tintekohlenpapier festhält und als Anliegeschiene {für die
unterlegte Karte dient. Die Niederschrift erfolgt im allgemeinen mit
Tintenstift, es kann aber auch eine besonders konstruierte Stahlfeder
 verwendet werden. Durch dieses Verfahren ist neben der
Schnelligkeit auch gleichzeitig die Sicherheit der fehlerfreien Übertragung
 gewährleistet und somit ein Hauptnachteil der früheren, ver-.
alteten Methoden beseitigt, Die Durchschrift ist nicht radierfähig
und bietet daher sicheren Schutz gegen nachträgliche Änderungen.
Die Art der N.0.G.-Durchschreibebuchführung zwingt, jede begonnene
 Buchhaltung restlos durchzuführen, d.h, nach jeder Buchung
 muß auch sofort die Gegenbuchung vorgenommen werden,
Jeder Buchungsvorgang beschäftigt daher den Buchhalter nur einmal
 und ist nach der Niederschrift vollkommen für ihn erledigt.
Die Saldenkontrolle dient dazu, die Richtigkeit der auf einer
Seite jedes beliebigen Grundbuches vorgenommenen Buchungen zu
ermitteln, Die Prüfung erfolgt dabei in doppelter Weise insofern,
als die verbuchten Habenposten gleich der Summe der verbuchten
Sollposten sein müssen, und andererseits die Summe der verbuchten
Posten mit der Differenz, der sich aus der Saldenkontrolle ergebenden
 Gesamtsumme, übereinzustimmen hat. Auch durch Erstellung
täglicher Rohbilanzen ist die Richtigkeit der Buchungen zu überprüfen,
 Es wäre ein unverzeihlicher Fehler, wollte man sich den
großen Vorteil aus Bequemlichkeit entgehen lassen, Die Mehrarbeit
 ist verhältnismäßig gering und im allgemeinen in einer Viertelstunde
 zu bewältigen. So viel Zeit kostet aber schon das Aufsuchen
 eines Buchungsfehlers, speziell wenn dabei auf einen größeren
 Zeitraum zurückgegriffen werden muß, während bei täglicher
Abstimmung unter verhältnismäßig wenigen Kosten eine falsche Buchung
 sehr schnell aufgefunden werden kann. Hinzu kommt noch,
daß die tägliche Rohbilanz durch die Übersichten, welche sie über
Außenstände, Verpflichtungen, verfügbare Mittel u, dgl. gibt, die
Buchhaltung erst zu dem macht, was sie sein soll.

186
        <pb n="188" />
        Zusammengefaßt sind die Vorzüge der N.O,G.-Buchführung:
1, Arbeitsvereinfachung durch Wegfall aller Übertragungsarbeiten
und dadurch
2, Vermeidung der Hauptfehlerquellen aller früheren Buchungsverfahren.

3, Unbegrenzte Konteneinteilung, die ohne jegliche Behinderung
täglich nach Bedarf ausgebaut oder vermindert werden kann.
4, Automatische Saldenkontrolle, die auch etwaige Rechenfehler,
die allein noch bei Festlegung der Salden möglich sind, in kurzen
Abständen ermittelt,
5. Äußerste Sparsamkeit, da beim gesamten Material, Karten wie
Bücher, jede Zeile beschrieben wird und nicht halbe Kontenseiten
 und Journalseiten unbeschrieben. bleiben.
6, Raumersparnis, weil Tausend und mehr Kontenkarten auf engstem
 Raum beieinander stehen und sämtliche Kontenbücher in
handlichem Querformat geliefert werden.
7, Automatische Mahnkontrolle, da Außenstände, wie Verpllichtungen,
 ihrer Fälligkeit nach markiert werden.
8, Ständige Abschlußbereitschaft der N.O.G,-Durchschreibebuchführung,

Die Anwendung des N.O.G,-Durchschreibesystems ist für eine
moderne Betriebsführung um so zweckentsprechender, als zur Aufbewahrung
 der notwendigen Karten, wie Bücher eigens konstruierte
Schreibpulte und Karteien geliefert werden, die den Anforderungen
eines neuzeitlichen Bürobetriebes durchaus entsprechen. Die einzelnen
 Kontenkarten, sowie sämtliche Grundbücher sind für den am
Schreibtisch Sitzenden ständig griffbereit. Ein solcher Pult vereinigt
 in sich alles, was zur Buchhaltung gehört,
Aber auch für alle anderen in einem kaufmännischen Betrieb
vorhandenen Abteilungen hat die Neue Organisations-Gesellschaft
Einrichtungen herausgebracht, so insbesondere für Statistik, Registratur,
 Lagerhaltung usw,, so daß durch ein wohldurchdachtes Ineinandergreifen
 des gesamten Apparates ein nach allen Richtungen
hin befriedigendes Endergebnis kaufmännischer Verwaltung erzielt
werden kann.

187
        <pb n="189" />
        Literatur für das Malerhandwerk
Von Dr. Helene Müller, Karlsruhe
Bei Betrachtung der Handwerkerliteratur kann man immer wieder
 beobachten, daß in der stark fachlich orientierten Literatur in
der Hauptsache technische Fragen behandelt werden, während die
kaufmännische Literatur der einzelnen Gewerbe nur wenig Raum
einnimmt, Berechtigt diese zahlenmäßige Differenz zu einem Schluß
auf die Bedeutung der technischen und der kaufmännischen Arbeiten
im Handwerksbetrieb? U, E., nicht, denn der Handwerker muß heute
in gleichem Maße ein guter Techniker und ein tüchtiger Kaufmann
sein, wenn er den an seinen Betrieb gestellten Anforderungen gerecht
 werden will, Der Hauptgrund ist wohl darin zu suchen, daß die
kaufmännischen Arbeiten in jedem Handwerksbetrieb zu erledigen
sind, wenn auch nicht immer in der gleichen Form, so doch ihrem
Wesen nach; daraus ergeben sich mit der Zeit unter Anpassung
an die Eigenart des Gewerbes verschiedene Nuancierungen und Formen,
 Die technischen Arbeiten dagegen bilden in erster Linie Gegenstand
 der fachlichen Ausbildung des Handwerkers, die er selhstverständlich
 beherrschen muß, wenn er als tüchtiger Handwerker
etwas leisten will. Bei der Vielfältigkeit der Arbeitsmethoden, bei
den dauernden Erfindungen, Veränderungen und Verbesserungen der
Werkzeuge und Arbeitsmaschinen bei den Verschiebungen in der
Organisation eines Betriebes und der fortlaufenden Umgestaltung in
Verkehr und Wirtschaft muß sich der Handwerker von heute immer
weiterbilden und versuchen, sich die Kenntnisse — wenn er nicht die
Möglichkeit zum Besuch von besonderen Lehrkursen oder Vorträgen
hat —, durch Lesen der einschlägigen Fachliteratur anzueignen,
Das: Forschungsinstitut hat sich in den letzten Jahren auch der
Erfassung und Begutachtung der handwerkerlichen Fachliteratur gewidmet,
 Wir geben hier eine Übersicht über die Literatur des Malerhandwerks,
 soweit sie uns bekannt wurde, Bei der Fülle von Veröffentlichungen
 ist eine Besprechung von allen Büchern und Schriften
 in diesem Rahmen nicht möglich. Im Anhang fügen wir eine
Zusammenstellung über die Bücher und Fachzeitschriften, die von
uns nicht besonders besprochen werden, bei, Für alle Mitteilungen zur
Ergänzung unserer bibliographischen Arbeiten sind wir unseren Lesern
 sehr dankbar.

188
        <pb n="190" />
        a) Kaufmännische Veröffentlichungen
Der rheinisch-westfälische Innungsverband in Essen hat 1925 das
Kalkulationsbuch für das Malergewerbe in der
4, Auflage herausgegeben. Diese Form des Kalkulationsbuches kann
— ohne dabei die Kalkulationsschematisierung kritiklos anzuerkennen
 — empfohlen werden; denn das vorliegende Buch will nicht
dem Malermeister starre, feste Preise angeben, sondern „jeder Kollege
 ist verpflichtet, den Preis selber zu errechnen, allerdings unter
Berücksichtigung der in diesem Buche niedergelegten Preislehre“.
Damit wirkt das Buch erzieherisch und beratend auf den Handwerksmeister
 einerseits und bietet andererseits dem Auftraggeber für
Malerarbeiten die Möglichkeit, die angesetzten Preise nachzuprüfen.
(Inhalt: Aufstellung der Geschäftsunkosten für Tagelohnarbeiten nebst
Erläuterungen, Aufstellung der Geschäftsunkosten auf den Materialumschlag
 nebst Erläuterungen, Ausmaßregel, besondere Bedingungen,
Arbeitsbeschrieb und Preisberechnung,) Die im Anhang veröffentlichten
 Berechnungstabellen sind: übersichtlich gegliedert in: Leistungsbeschrieb,
 Werkstoffe, Arbeit, Selbstkosten, Risikozuschlag,
Angebotspreis für 1qm und Leistung pro Minute,
Der Vorsitzende des Verbandes sächsischer Vereinigungen selbständiger
 Maler und Lackierer, A, Dahlinger, hat 1926 ein
zahlenmäßiges Kalkulationsbüchlein veröffentlicht, um damit
 dem Malermeister Unterlagen zur Ermittlung von Preisen für
Arbeiten glatter und gangbarer Natur zu bieten. Die aufgeführten
Kalkulationen zur Preisberechnung gliedern sich in die bekannten
Positionen: Kosten des Materials, Löhne, Geschäftsunkosten, Wagnis
 und Nutzen, Das handliche Büchlein ist geeignet, den Malermeister
 zur korrekten Ermittlung der einzelnen Kalkulationspositionen
 zu erziehen,
Das Forschungs- und Lehrinstitut für Anstreichtechnik in Stuttgart,
 auf dessen Arbeiten wir weiter unten noch zu sprechen kommen,
hat 1926 die 4, Auflage (11. bis 15000) der Anleitung zur
Selbstkostenberechnung von A, Sönnichsen herausgegeben.
 Auch diese kleine Schrift soll dem Meister keine fixen
Preise angeben, sondern bietet ein Schema der Preisberechnung der
gebrauchsfertigen Farben, in das der einzelne Meister selbst seine
Materialpreise, Lohn- und Geschäftsunkosten eintragen muß. Der
Hauptzweck liegt darin, daß der Malermeister zur Einzeichnung seiner
Kalkulationsarbeiten angehalten wird, um damit den Selbstkostenpreis
 einer Arbeit für 1qm zu berechnen.
„Das Fachrechnen des Malers mit besonderer
Berücksichtigung der Ermittlung des Rechnungs-189
        <pb n="191" />
        Preises” von H. Isenberg, Verlag Münster’sche Buchdruckerei
und Verlagsanstalt, Münster i, W. 1927.
Eine Anleitung für den Fachrechenunterricht für Maler, um dem
Malerlehrling die Flächenberechnung, in Verbindung mit dem Ausmessen
 der Fläche und dem Aufschreiben der Maße verständlich
zu machen. Auf Grund dieser eingehend erläuterten Flächenberechnung
 wird der Rechnungspreis auf 1 qm kalkuliert,
Im Verlage H, A, L, Degener erschien als 2, Heft in der Heftenreihe
 für Meisterkurse, Fach- und Fortbildungsschulen und zur
Selbstbelehrung das Lehrhefit für gewerbliche Buchführung
 und Kalkulation für Maler, Auf Veranlassung
der Gewerbekammer Hamburg und unter Mitwirkung der Berufsklassen
 wurde diese Schriftenreihe von Kasten und Minetti
herausgegeben, um damit sowohl den Schülern der Fach- und Fortbildungsschulen,
 als auch denjenigen der Meisterkurse geeignetes
Unterrichtsmaterial in die Hand zu geben. Nach einer kurzen theoretischen
 Einführung in die gewerbliche Buchführung werden Lehrgänge
 unter Verwendung von Inventurbuch, Bestellungsbuch, Kasse,
Bankbuch und Hauptbuch ausführlich behandelt. Die Erziehungsarbeit,
 daß der Malergeselle und Malerlehrling schon frühzeitig auf
die Bedeutung und den Zweck der Buchführung hingewiesen wird,
ist nicht zu unterschätzen,
Eine ähnliche Schriftenreihe hat der Verlag Holland und Josenhans,
 Stuttgart, veröffentlicht, in der als Heft 15 Ge schäftsgänge
 zum Unterricht in der gewerblichen Buchführung
 für Maler von Nöllen und Zwiesele erscheint.
Die beiden letztgenannten Bücher sind in erster Linie als.theoretisch
pädagogische Veröffentlichungen zu werten.
b) Technische Veröffentlichungen
Der verdienstvolle Lehrer an der staatlichen Kunstgewerbeschule
Altona, Hugo Hillig, hat 1912 die 2, Auflage seines Buches „Grundzüge
 der Mal- und Anstrichtechnik“, Verlag Julius
Hillmann, Berlin, herausgegeben, die 1924 von Cornelius Hebing nach
dem Tode des Verfassers neu bearbeitet und ergänzt wurde. Um
den Leser kurz in den Inhalt des Buches einführen zu können, geben
wir aus diesem beachtenswerten Werk im nachstehenden eine kurze
Inhaltsübersicht:
I, Teil: Die Bindemittel gliedern die Technik,
Die wässerigen Bindemittel
Die öligen Bindemittel
Die emulgierten Bindemittel,

190
        <pb n="192" />
        MW. Teil: Die Farbstoffe,
Anorganische Farbstoffe
Organische Farbstoffe
Das Verhältnis zwischen Bindemittel und Farbstoff,
NE Teil: Nach Material und Zweck richtet sich die
Technik,
IV, Teil: Dekorative Techniker.
Auch die übrigen Veröffentlichungen von Hugo Hillig, die wir
unten nur namentlich aufführen, sind sehr beachtenswert und gehören
zu den besten und lehrreichsten Schriften der Malerfachliteratur.
„Werkstoffkunde für Maler und Anstreicher
mit besonderer Berücksichtigung der Prüfung
der Werkstoffe” von H, Isenberg, Münster i, W., Verlag Münster’sche
 Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Münster i, W., 4, Aull.
1927. Ähnlich der Materialprüfungsstelle für Maler, die unserer technischen
 Abteilung als besondere Abteilung angegliedert, ist die Schrift
bestrebt, dem Maler einfache Prüfungsmethoden für Material zu vermitteln,
 die ihn bei der Auswahl seiner Materialien beratend unterstützen
 können.
„Katechismus für die Gehilfen- und Meisterprüfungim
 Maler-und Lackierergewerbe“ von Guido
Hengst, Verlag: G,D., W. Callwey, München 1927,
Der Verfasser will mit diesem Buch (175 Seiten) dem Prüfling
der Gehilfenprüfung und dem der Meisterprüfung alles notwendige
Wissen, sowohl theoretisch-fachlicher Art, als auch theoretischkaufmännischer
 Art rekapitulieren, um ihm die für eine genaue
und strenge Prüfung notwendige Sicherheit zu geben. Die Fragen
und Antworten für die Vorbereitung zur Gehilfenprüfung gliedern
sich in die Gehilfenprüfung im Malergewerbe, für Wagen-, Lackierer
und für Schriftenmaler, Hierbei wird auf die kaufmännischen Kenntnisse
 nicht weiter eingegangen, in der Annahme, daß die kaufmännischen
 Fragen für den Prüfling, „wenn er in der Berufs- oder
Fachschule gut aufgepaßt hat, keine Schwierigkeiten bieten“, In
den Fragen zur Meisterprüfung werden auch eingehend kaufmännische
 und volkswirtschaftliche Fragen berücksichtigt, z. B. Kalkulation,
 Buchführung, Wechsellehre, Genossenschaftswesen usw, Das
Buch in seiner Vielgestaltigkeit verdient.weiteste Verbreitung,
Der Schriftleiter der Leipziger Malerzeitung, Franz Wenzel,
gibt in diesem Jahre im Verlag Jüstel und Göttel, Leipzig, die 6, Auflage
 seines „Handbuches für Maler” heraus, ein praktisches
Nachschlage- und Auskunftsbuch über das gesamte technische Wissen
 des Dekorationsmalers, Anstreichers, Lackierers, Vergolders und

191
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        verwandter Berufe, Der Inhalt des Handbuches von 416 Seiten glieert
 sich in die Behandlung der Materialien und Werkzeuge des:
Malers, und die verschiedenen Anstreichertechniken und in di
ünstlerischen . Arbeiten (Dekorationsmalerei, Vergoldung, Versilberung,
 Bronzierung und Lackierkunst).
Der gleiche Verfasser hat für den Malerlehrling eine „Malerfibel“
 herausgegeben, in der er zunächst Ratschläge und Verhalungsmaßregeln
 gibt, und dann den Lehrling mit den im Malergewerbe
ebrauchten Materialien und Werkzeugen bekannt macht und ihn
in die verschiedenen Arbeitsmethoden in anschaulicher Form einführt.
 Die Malerfibel ist ein beachtenswertes Hilfs- und Nachchlagebuch
 für den Nachwuchs im Malergewerbe; das Buch könnt
in der vorliegenden Form manch anderem Gewerbe als Vorbild {für
ein Lehrlingsbuch dienen,
Der Verlag B, Fr. Voigt, Leipzig, hat sich mit der Herausgabe
der Schriftenreihe „Koeppers Handwerkerbibliothek”
iner sehr dankenswerten Aufgabe unterzogen. Der Maler- und Anstreicherlehrling
 von O, Konrad (1926), ein praktischer Ratgeber
ür die Lehrzeit nebst Anleitung zur Gesellenprüfung für den Malernd
 Anstreicherlehrling, Darin wird der Lehrling zunächst über die Anorderungen,
 die der Malerberuf an ihn stellt, unterrichtet. Weitere
Capitel behandeln die gebräuchlichsten Materialien, Handwerkszeuge,
eräte, das Auftragen von Farben, Ölen, Lacken usw. Außerdem
ietet das Buch eine einfache Einführung in die Geschichte des
eutschen Handwerks, gibt dem Lehrling einige Ratschläge für ein
Bewerbungsschreiben und Erläuterungen zu den Gesetzen der Areiterversicherung,
 Im letzten Abschnitt wird der Lehrling in elementarer
 Form mit der Buch- und Rechnungsführung vertraut genacht
 und einige Fachfragen für die Gesellen rülung im Anstreicherhandwerk
 aufgeführt, ?
In dem bereits obengenannten Verlag des Forschungs- und Lehrinstituts
 für Anstreichtechnik in Stuttgart ist eine ganze Reihe
Fachveröffentlichungen für das Malergewerbe erschienen. Es sei
ijer zunächst auf das Buch „Leinölfirnis-Ersparnis und
dieVerbesserungderAnstreicher-undLackierer”-technik“
 von Paul Jaeger hingewiesen, das unter Berücksichtigung
 der Bedürfnisse der Eisenbahn-, Straßenbahnwagenwerkstätten,
Autofabriken, Schiffswerften: und der Großindustrie ein Hand- un
Nachschlagebuch für Betriebsleiter, Werkmeister und Techniker sein
will, In der 2, Auflage hat der Verfasser die seit der Einführung der
neuen Anstrich- und Lackiertechnik gemachten Erfahrungen zweckmäßig
 verwertet. Der gleiche Verfasser hat 1921 die 5. Auflage seines
Buches „Die neue ölfreie Grundiertechnik"“ heraus-192
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        gegeben und darin ausführlich die Vorarbeiten für Neuanstriche und
Lackierungen, die Erneuerungs- und Verbesserungsanstriche behandelt.
 1922 veröffentlichte derselbe ein Lehr- und Handbuch für alle,
die mit Anstrichen zu tun haben unter dem Titel „Was muß man
vom Anstrich wissen?“. Der Verfasser hat in dieser Schrift
die Ergebnisse seiner langjährigen wissenschaftlichen Forschungen
auf dem Gebiete der Mal- und Anstreichtechnik zusammengetragen
und für die Praxis ausgewertet und will damit neue Wege zeigen,
wie „Besseres“ geschaffen werden kann, Aus dem Inhalt sei hier auf
folgende Kapitel hingewiesen: Das Mattwerden der Ölfarben, die
Verschiedenheit des Trockengrades der Ölfarben, Dichtigkeit verschiedener
 Grundierungen, Rostschutz, verschiedene Ursachen der
Rißbildung bei Anstrichen und Lackierungen, das Abplatzen der
Farben vom Grund (mit verschiedenen Abbildungen). 1926 gab Paul
Jaeger in 3, Auflage sein Buch „Fortschritte beim Polieren,
 Lackieren und Anstreichen“ (Sinolin-Technik) heraus,
 in dem die neuesten Arbeitsverfahren und ihre Vor- und Nachteile
 berücksichtigt sind.
Zu den bedeutendsten Werken der deutschen Malerliteratur gehört
 zweifellos das „Deutsche Farbenbuch‘“. Das großzügige
Werk ist herausgegeben von Heinrich Trillich, im Verlag B. Heller,
München, mit Unterstützung des Reichskuratoriums für Wirtschaftlichkeit
 in Berlin, Der 1, Band des Werkes umfaßt 3 Teile und zwar: 1. Allgemeiner
 Teil, 2. Der Künstler — Farb- und Malmittel — und 3. der
Anstrich — Farb- und Malmittel —, In Kürze werden die übrigen
Teile erscheinen und zwar als 4. Teil: Druckfarbmittel, 5. Teil:
Schmelzfarbmittel, 6. Teil: Gemengfarbmittel, 7. Teil: Farbe und
Zeugdruck, 8, Teil: Lebensmittelfarben, 9. Teil: Beleuchtungs- und
Feuerwerk, 10. Teil: Untersuchungsverfahren, 11, Teil: alphabetischlexikalischer
 Teil, 12. Teil: Literaturnachweise. Aus der Vielseitigkeit
 der einzelnen Teile läßt sich schon erkennen, wie viele Gebiete
der Verfasser mit diesem Werk zu behandeln beabsichtigt, Der vorliegende
 1, Band bietet in solider, geschmackvoller Ausstattung neben
dem textlichen Teil auch eine ganze Reihe von Farbentafeln, unter
Verwendung der verschiedensten Materialien, die für den Praktiker
ganz besonders wichtig sind, Zweck des deutschen Farbenbuches
soll in erster Linie sein, eine Sammlung von Begriffsbestimmungen
und Handelsgebräuchen zu geben. Es will Bedingungen festlegen,
„unter welchen nach Ansicht der beteiligten Hersteller, Handels-,
Verwender-, Erwerber- und Pflegerkreise, im Einverständnis mit
den Vertretern der in Betracht kommenden Wissenschaften, Farbmittel
 als unverfälscht und handelsüblich gelten sollen, Wenn das
Werk die Verbreitung findet, die ihm durch seine Bedeutung für

13 193
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        das Malergewerbe und das Kunstgewerbe zukommen sollte, so wird
es sein Ziel erreichen,
Entwicklung und Werkstoffe der Wandmalerei
 vom Altertum bis zur Neuzeit, Von A; Eibner, Verlag
 B. Heller, München.
Der in Kunst- und Malerkreisen allgemein bekannte Professor
und Vorstand der Versuchsanstalt für Maltechnik an der Technischen
Hochschule in München schildert in dem vorliegenden Werk die Entwicklung
 der Technik der Wandmalerei von den ältesten Zeiten des
Altertums bis zur Wandmalerei des 19, Jahrhunderts. Das Buch
dürfte ganz besonders für den Dekorationsmaler wertvolle Anregungen
 geben, Dabei muß besonders auf die letzten Abschnitte der
Maßnahmen zur Erzielung haltbarer Fassadenmalereien und Vorbeuge-
 und Verbesserungsmaßnahmen hingewiesen werden. Druck
und Ausstattung des Werkes sind vornehm und gut.
Der gleiche Verfasser hat 1922 ein umfangreiches Werk über
„Fette, Öle, Leinölersatzmittel und Ölfarben“, im
Verlag B, Heller, München, herausgegeben, Dieses beachtenswerte
Werk ist auf streng wissenschaftlicher Grundlage aufgebaut und bietet
auch dem Dekorationsmaler viel Neues,
Im gleichen Verlag erscheint eine Schriftenreihe „Monographien
 zur Maltechnik“ in enger Verbindung mit der Deutschen
 Gesellschaft für rationelle Malverfahren in München. In kleinen
 handlichen Bändchen behandeln Fachmänner besonders wichtige
 Spezialfragen aus der Maltechnik, Es sind hiervon bis heute
8 Stück erschienen mit folgenden Teilen:
1. Sollen fehlende Stellen bei Gemälden ergänzt werden?
Über lichtechte Zinnober.
Die Normalfarben-Skala,
„Max v. Pettenkofer,
». Sprung- und Rißbildung.
„Die Ölfarbe in Kunst und Handwerk.
7. Physikalische Untersuchung von Ölfarbenaufstrichen,
8, Die Eidottertempera,
Der bekannte Verlag A. Hartleben, Wien, widmete eine besondere
 Schriftenreihe der chemisch-technischen Bibliothek, darunter
 sind auch einige Bände, die das Maler- und Anstreichergewerbe
interessieren, Band 115 ist ein praktisches Handbuch für
Anstreicher und Lackierer von Louis Edgar Andes
mit eingehenden Darstellungen der Rohmaterialien, der Öle, Lacke
usw., der. verschiedenen Anstrich- und Arbeitstechniken (1922).
Prof, Alois Raimund Hein gibt als Band 363 einen kurzgefaßten
 praktischen Abriß der Farbenlehre für Zeichner,
Maler und Kunsthandwerker und für den Schulsgebrauch

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        dessen Inhalt (Farbentheorie, Praxis, Farbenästhetik, Farbengeschichte,
 Farbenchemie) auch manches Wissenswerte für den Maler
bietet,
Auch. Band 366 „Anleitung und Ratschläge zum
wissenschaftlichen ArbeiteninderLack-und Farbenindustrie”
 von Erich Stock wäre hier zu erwähnen,
Im Verlage G.D. W. Callwey erschien 1925 als 10. Band in der
Sammlung Maltechnische Schriften „Die wichti gsten Malerfarben”,
 ihre Gewinnung, Verwendung und Prüfung, von Erich
Stock. Der Verfasser behandelt in klarer verständlicher Form
zunächst die natürlichen Erd- und Mineralfarben, dann künstliche
Mineralfarben und zuletzt natürlich- und künstlich-organische Farben.
 Das Notwendigste, was der Maler von Chemie und Physik
wissen muß, wird ihm in einfacher leichtverständlicher Form vorgetragen,

Als Ergänzung zu diesem Band kann Band 11 „Öle, Firnisse |
Lacke und Sikkative im Gewerbe des Malers”
von Erich Stock, Verlag Gg.D. W, Callwey, München 1926, angesehen
 werden.
In dem oben genannten Verlag B. Fr. Voigt, Leipzig, erschien
1927 die 8. Auflage des „Tünchermeisters und Lackierers”
 von Gerhard Kuntze, ein praktisches Hand- und Hilfsbuch
 für Zimmer- und Dekorationsmaler, sowie für Wagen-, Möbelund
 Metall-Lackierer. Auch dieses Buch gibt dem Malermeister in
erster Linie Anleitung und Erläuterungen für seine technischen Arbeiten
 und über die Materialien, Handwerkszeuge und Geräte, Der
Verlag B, Fr, Voigt hat sich außerdem um die Herausgabe von Anleitungen
 und Vorlagen für moderne Plakat- und Reklameschriften,
für Lackschrift und für Zeichnung von Monogrammen, Ehrendiplomen
 usw. sehr verdient gemacht, Es seien in diesem Zusammenhang
noch folgende Veröffentlichungen genannt: Moderne farbige
Alphabete (Vorlagen für Firmenschreiber, Dekorations-, Glasund
 Porzellanmaler, Lackierer, Bild- und Steinhauer, sowie für das
Studium der höheren Kalligraphie [32 Großplano-Tafeln]) in Tondruck
von Theodor Reineck (1912); Moderne Lackschriften
 von Theodor Reineck (1908); Moderne Plakatund
 Reklameschriften von Theodor Reineck (1903);
Moderne Alphabete von Wilhelm Hilder (1922), Dem
gleichen Zweck dienen die im Verlag Heinrich G. PP, Prieß, Hamburg,
 erschienene Broschüre „Lernt Plakatmalen“” und im
Verlag von Wilhelm Violet in Stuttgart erschienene „Reklame-Schriftschule”
 vonLorenz,

13* 195
        <pb n="197" />
        Auch die technische Abteilung unseres Forschungsinstituts
 hat sich schon seit Bestehen des Instituts
mit der Bearbeitung technischer Probleme des Malergewerbes beschäftigt,
 insbesondere mit der Prüfung von Materialien des Malergewerbes,
 Die der technischen Abteilung angegliederte Materialprüfungsstelle
 wird in den letzten Jahren zur Erstattung von Gutachten,
 sowohl von seiten des Einzelhandwerkers, als auch aus den
Kreisen der Einkaufs-, Rohstoff- und Verkaufsgenossenschaften stark
in‘ Anspruch genommen, Die Untersuchungsergebnisse wurden —
soweit sie für das Malergewerbe von prinzipieller Bedeutung waren
— in unserer monatlich erscheinenden Zeitschrift „Betriebsführung“
veröffentlicht; wir führen die Beiträge nachstehend chronologisch
auf:
„Die Bestimmung der Trockenfähigkeit von Leinöl- und Leinölfirnisanstrichen“,
 Betr, F, Jhg. 1922,
„Über die Erzeugung dünner Leinölaufstriche auf Glasplatten“,
Jhg. 1922,
„Mineralöle — fette Öle‘, Jhg. 1922,
„Wirtschaftlicher Vergleich zwischen der Verwendung eines eigenen
oder geliehenen Fassaden-Leitergerüsts‘, Jhg, 1924.
„Maler-Werkstätten“, Jhg, 1925,
„Materialprüfung im Malergewerbe‘‘, Jhg. 1926.
„Allgemeines über Spritzlackierverfahren“, Jhg, 1926.
„Wirtschaftlicher Vergleich zwischen Anstreichen von Hand und mit
Turbinen-Spritzapparat, System ‚Garsebeck‘‘“, Jhg. 1926.
„Prüfen von Leinölfirnis‘“, Jhg, 1926.
Wir geben nachstehend eine alphabetische Übersicht über die
bestehende Malerfachliteratur in Buch- und Broschürenform
(ohne damit ein Werturteil zu verbinden), soweit sie uns bekannt
wurde:
Andes L. E, Praktisches Rezeptbuch für die gesamte Lack- und Farbenindustrie,
 Verlag: A, Hartleben, Wien 1922,
Die‘ Fabrikation der Lacke und Firnisse, Verlag: A, Hartleben,
Wien 1922,
Surrogate in der Lack-, Firnis- und Farbenfabrikation, Verlag: A.
Hartleben, Wien 1927.
Antony, W. Die Anstrichfarben und ihre Bindemittel, Ratgeber für
Händler und Verbraucher, Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft,
 Berlin 1922,
Apel. Firmenschilder und Fassadenmalerei, 32 meist farbige Tafeln,
Verlag: M, Spielmeyer, Berlin 1897,
Baer, Farbige Raumkunst. Band ll. 120 Entwürfe mit Abbildungen. Verlag:
 Julius Hoffmann, Stuttgart 1923.
- Farbige Raumkunst, BandIV, 100 Entwürfe, Verlag: Julius Hoffmann,
 Stuttgart 1927

196
        <pb n="198" />
        *Bassiner, R, H, Handbuch für Dekorations- und Zimmermaler, Schildermaler,
 Vergolder, Lackierer, Verlag: G. D, W, Callwey, München 1905.
Bauer, Künstlerische deutsche Schriften, Verlag: Richard Bauer, Leipzig,
— Volkstümliche Fassadenmalerei. Alte und neue Vorbilder zur architektonischen,
 ornamentalen und figürlichen Bemalung von Häusern,
Verlag; G.D, W, Callwey, München 1925,
Behrens, Entwürfe für Dekorationsmaler, 6 Doppeliafeln in Farbendruck,
 enthaltend Vorlagen für die Bemalung von Decken, Wänden,
Speisezimmer und Restaurants in Renaissance und Rokokostil. Verlag:
 M, Spielmeyer, Berlin 1902,
Bersch, Josef, Malerfarben und Malmittel, Verlag: A. Hartleben,
Wien 1905,
*— Die Fabrikation der Mineral- und Lackfarben. Verlag: A, Hartleben,
Wien, 1878,
Beutel, E, Materialien des Kunst- und Dekorationsmalers, Anstreichers
und Lackierers, Verlag: Gerlach und Wiedling, Wien 1907,
Bleiweiß-Verordnung: Bekanntmachung betr, Betriebe, in denen
Maler-, Anstreicher-, Tüncher-, Weißbinder- oder Lackiererarbeiten
ausgeführt werden, nebst Bleimerkblatt, Verlag: Jüstel &amp;amp; Göttel,
Leipzig 1926.
Block, Emil, Farbige bemalte Möbel, Verlag; G, D. W, Callwey, München
 1922.
Bock, L. Die Fabrikation der Ultramarinfarben, ihre Prüfung und Verwendung
 in Industrie und Gewerbe, Verlag; W, Knapp, Halle an der
Saale 1918,
— Fabrikation chemischer Buntfarben, Verlag: W, Knapp, Halle an der
Saale 1927,
Brodersen, H.H, Nitsche, J., Hausmann, C, und Obermeier,
 Neue Schildmalereien. Verlag: Jüstel und Göttel, Leipzig.
Bruns, Bunte Häuser, 20 Tafeln, Verlag: Lüpke, Osterode 1926,
Bühler-Jerger, Farbige Häuser, 20 Tafeln, Verlag: Andelfinger
&amp;amp; Co., München 1926,
Bund deutscher Dekorationsmaler, Die Farbe im Dienste des
Volkswohles, Selbstverlag 1920,
Bunte Schriften zum Gebrauch für Maler, Zeichner, Lithographen,
Kalligraphen usw, Verlag: R, Bauer, Leipzig,
Buss, Ph. Die wirtschaftliche Organisation des Malerhandwerks (Dissertation),
 Heidelberg 1911,
"Callwey. Malvorlagemappe mit Tafeln, Verlag: Gg.D.W, Callwey,
München 1905/06.
Christ, Albert, Wie werde ich Malermeister? Eine alle Gebiete umfassende
 und gründliche Unterweisung zur Vorbereitung auf die
Meisterprüfung im Malergewerbe. Verlag: Jüstel &amp;amp; Göttel, Leipzig
 1927.
* Die mit * versehenen Bücher sind vergriffen, können aber von Bibliotheken
 bezogen werden,

197
        <pb n="199" />
        Christen, L, Die Technik der Holzmalerei. Verlag des Fachblatts der
Maler, Hamburg 1927,
Creuzburg, H, Die Lackierkunst, Verlag: B, Fr, Voigt, Leipzig 1921,
Dersch und Nitsche, Gebrauchsalphabete, Verlag: Jüstel &amp;amp; Göttel,
Leipzig,
Dietl. Farbige Entwürfe für Decken und Wandmalerei. Vorlagen in Renaissance,
 Barock und Rokokostil, sowie im pompejanischen, japanischen
 Louis 16, und Empirecharakter, Verlag: M, Spielmeyer,
Berlin 1893,
*Ebelin, R. Katechismus für die Meisterprüfung im Malergewerbe, Verlag:
 G, D, W, Callwey, München 1912,
Eckmann, O, Dekorative Entwürfe für die Praxis mit Tafeln. Verlag:
Max Spielmeyer, Berlin 1897,
Ehlers, Henry, Schilderschriften, Verlag: O, Maier, Ravensburg 1926,
— Schildermalerei, Verlag: O, Maier, Ravensburg 1926,
Eibner, A, Malmaterialienkunde als Grundlage der Maltechnik, Verlag:
Julius Springer, Berlin 1909,
Eichler &amp;amp; Müller, Decke und Wand. Farbige Malereien für Innenräume,
 Empire-Biedermeier-Neuzeit, 20 Tafeln zumeist in reichem
Farbendruck mit Vorlagen für die Bemalung von Decken, Wänden
und Restaurants, Verlag: M, Spielmeyer, Berlin 1897,
Fiserwag, A, und Lyongrün. Moderne Vorbilder für Decken- und
Wandmalerei, Verlag: B. Fr, Voigt, Leipzig 1898,
*Elsner, F, Anstriche, Farben und Beizen. Verlag: Wilhelm Knapp,
Halle a.S, 1882,
Engelhardt und Käbrich. Decken- und Wandskizzen mit Tafeln.
Verlag: Selbstverlag, Elberfeld, (Verlag erloschen,)
*Eyrich, C. Geschäftsorganisation, Kalkulation und Buchführung im
Malergewerbe, Verlag: Jüstel und Göttel, Leipzig 1912,
Eyth, K, Das farbige Malerbuch. Verlag: Seemann &amp;amp; Co., Leipzig 1901.
Farbenmischblock, Ausgabe A,
Farbentonblock. Größe ‚8/14.
Farbige Räume, (50 Blatt handwerklicher Kunst aus der Zeitschrift
„Form und Farbe‘), Bund Deutscher Dekorationsmaler, Köln.
— Farbige Raumkunst,
Farbenharmonien. Serie I, 20 Tafeln, Verlag: Akropolis-Verlag,
Hannover 1927, |
Farben, Symphonie der. Ein Vorlagewerk für Maler, Dekorateure und
Kunstgewerbler, Verlag: Karl Lüth, Kiel 1926,
Fink, F, Der Tüncher, Stubenmaler, Stukkateur und Gipser, Mit Abbildungen,
 Verlag: Otto Spamer, Leipzig 1866,
Firmenschilder, Farbige, 64 farbige Tafeln, Verlag: Karl Lüth, Kiel
1925.
Firmenschilder in neuen Formen. Photographische Aufnahmen ausgeführter
 Firmen- und Reklameschilder, sowie Entwürfe für solche.
30 Lichtdrucktafeln in Mappe. Verlag: M. Spielmever, Berlin 1899,

198
        <pb n="200" />
        Firmenschilder, Neue moderne, 64 farbige Tafeln, Verlag: Karl
Lüth, Kiel 1926,
Forberg, A, Vorlagen für Dekorationsmaler. Verlag: Max Spielmeyer,
Berlin 1896,
-  Schablonenschatz, Mustersammlung von allerlei Vorlagen für Dekorationsmalerei,
 welche mit Schablonen auszuführen sind. Mit Preisverzeichnis
 „der Schablonen 4 Hefte mit je 24 Tafeln, Verlag:
M, Spielmeyer, Berlin 1896,
Franke, Einteilung der Schriften, Verlag: G, D. W. Callwey, München,
Frei, A, Führmann, C. Neue Schriften für Firmenschilder, Verlag:
Gerhardt &amp;amp; Co.,, Bielefeld 1912.
Freter, J, Ludwig, H.‘ Fachzeichnen für Maler, 2, Auflage. Verlag:
Dr, Max Gehlen, Leipzig.
Freter-Mantel-Ortlieb. Berufskunde für Maler. Verlag: Priebatsch’s
 Verlagsbuchhandlung, Breslau 1926,
— Rechenbücher für Maler, Verlag: Priebatsch’s Verlagsbuchhandlung,
Breslau 1925,
Fritsch, V., Huber, F, und Lang, W. Lehrbuch zugleich Hilfsund
 Handbuch für Zimmer- und Dekorationsmaler, Schilder- und
Schriftenmaler, Anstreicher und verwandte Gewerbe. Verlag: A, Hölder,
 Wien 1909,
Försch, Leo, Skizzen für Maler, entworfen und praktisch angewandt,
Verlag: Boysen &amp;amp; Maasch, Hamburg 1891,
Gerlachs Allegorien, Verlag: Gerlach &amp;amp; Schenk, Wien 1905,
*Gradl, M, J., Decken und Wände für das Haus. Verlag: Julius Hoffmann,
 Stuttgart 1905,
Grohmann, Der moderne Raum, 30 farbige Tafeln in Mappe, Verlag:
Kunstanstalt Stengel &amp;amp; Co, Dresden 1927.
"Gropius und Schmieden, Dekorationen innerer Räume. Verlag:
Ernst und Korn, Berlin 1877,
Grünberg, J. Die Perspektive für den Dekorationsmaler. Verlag des
Fachblattes der Maler, Hamburg 1926,
Haag, E, Lacroix, K. und Salmer,.J. Die Selbstkosten der. Ölund
 Lackfarbenanstriche im Vergleich zu den Rohmaterialpreisen und
Löhnen vor dem Kriege. Verlag: G, Braun, Karlsruhe 1916.
Hagdorn, Chr. Der Tünchermeister und Lackierer, 8. Auflage von G,
Kuntze, Verlag: B, Fr, Voigt, Leipzig 1925,
Hagen, Robert, Praktische Anleitung zur Schriftenmalerei, Verlag: A,
Hartleben, Wien 1922,
Hammel, Otto. Ornamentale Motive des Barock- und Rokokostiles,
Verlag: E. A. Seemann, Leipzig 1893,
Hampel, Paul, Moderne Malerschriften. Verlag: O, Maier, Ravensburg
 1925,
Händel, E, Vorlagen zu Deckenmalereien. Verlag: B..Fr, Voigt, Leipzig
 1889,
— Die Schablonenmalerei des Mittelalters, Verlag: B. Fr. Voigt, Leipzig
 1873.
Hartmann, Vorlagen und praktische Anleitung für Marmormalerei, Verlag:
 M. Spielmeyer, Berlin 1914,

199
        <pb n="201" />
        Hausmann, C, Neuer Schriftenschatz, 20 zeitgemäße Alphabete. Eine
Sammlung ausdrucksvoller Buchstabenbilder für Schildermaler und
alle Schrift anwendende Berufszweige, Verlag: Jüstel &amp;amp; Göttel, Leipzig
 1927,
Hebing, C. Ratgeber für die Maler-, Anstreicher- und Lackiererwerkstätte,
 Verlag: G, D, W, Callwey, München 1922.
— Die Materialien des Maler-, Anstreicher-, Lackierer-, Tüncher- und
Vergoldergewerbes, Verlag: G, D, W. Callwey, München 1922; :
Die praktische Prüfung der Farben. und Bindemitiel des Malers,
Verlag: G, D. W. Callwey, München 1926,
Ölfarbe und Ölfarbanstriche, Verlag: G, D, W. Callwey, München
 1922,
Die Holz- und Marmormalerei, Anleitung zur praktischen Ausführung,
 4, Aufl. Mit Anhang: Die Herstellung künstlicher Marmore.
Verlag: Jüstel &amp;amp; Göttel, Leipzig 1924,
Praktische Farbenharmonie, 120 gestrichene skalenartig geordnete
und numerierte Farbentöne nebst 85 Zusammenstellungen harmonierender
 Farben, Verlag: Jüstel &amp;amp; Göttel, Leipzig 1925,
Vergoldung und Bronzierung, Eine praktische Anleitung zur Ausführung
 aller Vergoldungen und Bronzierungsarbeiten. 2, Aufl, Verlag:
 G.D, W, Callwey, München 1919,
Gotische Dekorationsmalereien, 20 farbige Tafeln, 2, Aufl, Verlag:
G. D. W, Callwey, München 1924,
Hengst, Guido, Das ABC des jungen Malers, Verlag: G, D. W. Callwey,
München 1926,
Katechismus für die Gehilfen- und Meisterprüfung im Maler- und
Lackierergewerbe, Verlag: G, D. W., Callwey, München 1927.
Die Farbe am Hause. Verlag: G. D, W, Callwey, München 1925,
Rezepte und seltene Arbeitsweisen für Maler, Lackierer und Anstreicher,
 Verlag: G, D, W. Callwey, München 1925,
Hemming, C. Der Maler- und Anstreichermeister, Verlag: Schaar &amp;amp;
Dathe A,-G., Trier,
Hesse, Richard. Das farbige Straßenbild, Eine Sammlung von Entwürfen
für Fassaden von Geschäfts- und Wohnhäusern, öffentlichen Gebäuden
 usw, Verlag: Jüstel &amp;amp; Göttel, Leipzig 1925,
Heyer, Richard, und Freter, Jul. Lehrheite für das Fachzeichnen
an gewerblichen Schulen Heft 7, II Aufl. Maler, Verlag: Dr. Max
Gehlen, Leipzig 1926,
Hild, K, W, Der Weggenosse für den praktischen Maler, II, verbesserte
Auflage, Verlag: Ernst Heinrich Moritz, Stuttgart 1927,
”Hild, Otto, Praxis des Dekorations- und Zimmermalers, Verlag: Otto
Maier, Ravensburg 1900,
Hillig, H, Die Geschichte der Dekorationsmalerei als Gewerbe, Verlag:
 Julius Hillmann, Berlin 1911.
Der Maler und Lackierer. Verlag: Hermann Paetel, „Am Scheideweg”,
 Neu-Finkenkrug bei Berlin 1922, ;
Um die Zukunft der Dekorationsmalerei, Eine Studie über die Ausbildung
 des Dekorationsmalers, Kritiken und Vorschläge, Verlag:
J, F, Steinkopff, Stuttgart 1907.
Hoffmann &amp;amp; Muus, Dekorationsmalereien mit Tafeln, Verlag: Boysen
und Maasch, Hamburg 1892,

200
        <pb n="202" />
        Hunn, Die Praxis des Firmenschreibens, Vorlagen für Druck-, Kursivund
 Zierschriften in allen Stilarten. Verlag: M, Spielmeyer, Berlin
1892,
Jacobs. Der Dekorationsmaler der Neuzeit, Verlag: Otto Maier, Ravensburg
 1909,
Jaeger, Paul, Untersuchung des Dichtigkeitsgrades von Öl- und Farbschichten,
 Verlag: Forschungs- und Lehrinstitut für Anstreichtechnik,
Stuttgart 1927,
Die mikroskopische Untersuchung von Farbanstrichen, Verlag: Forschungs-
 und Lehrinstitut für Anstreichtechnik, Stuttgart 1926.
Prüfung und Unterscheidung pflanzlicher Öle durch das Fließverfahren,
 Verlag: Forschungs- und Lehrinstitut für Anstreichtechnik,
Stuttgart 1927,
Iris Farbenblock für Hausanstriche, Verlag: Akropolis-Verlag, Hannover
1927,
Irl, Martin, Preisberechnungsordnung für das deutsche Malergewerbe, Veröffentlichung
 des Reichsbundes für das deutsche Malergewerbe,
Berlin 1923,
Jöker, Farben und Raumstimmungen, 45 Tafeln in ff; Chromodruck.
Verlag; Jöker &amp;amp; Wallenstein, Dortmund 1908,
„Schmuck und Farbe‘, 20 Tafeln mit ca. 300 losen Frieserien, Verlag:
Jöker &amp;amp; Wallenstein, Dortmund 1910,
Neudeutsche Dekorationsmalerei I, 43 Tafeln in Mappe, Verlag: Jöker
&amp;amp; Wallenstein, Dortmund 1913,
Neudeutsche Dekorationsmalerei II, 33 Tafeln in Mappe. Verlag:
Jöker &amp;amp; Wallenstein, Dortmund 1914,
Isenberg, H, Die große Blockschrift und ihre Anwendung in den Klassen
 der Maler und Anstreicher gewerbl, Berufsschulen, Verlag: Münster’sche
 Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Münster i. W, 1926,
Breit- und Rundfeder, Schriften für Schule und Beruf, Verlag: Münster’sche
 Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Münster i.W, 1926,
Das Zeichnen der schmückenden Berufe in kleinen Berufsschulen.
Verlag Münster’sche Buchdruckerei und Verlagsanstalt, Münster
i, W., 1926,
Jummel, Ortwein und Westphal, Dekorationsmotive, Verlag:
Seemann &amp;amp; Co.,, Leipzig, |
Jung, H, Katechismus für junge Handwerker: Maler, Tüncher und Lakkierer,
 Verlag: E, Frotscher, Arnstadt.
Kalender, Deutscher Maler —, Verlag J. Hillmann, Berlin,
— Mlustrierter Deutscher Maler —, Herausgegeben von Guido Hengst,
Verlag: G, D, W. Callwey, München,
INlustrierter Maler —, Taschenbuch für Dekorationsmaler, Lackierer,
Anstreicher und verwandter Gewerbe nebst einem Anhang; bearb,
von Fr, Wenzel, Verlag: Jüstel &amp;amp; Göttel, Leipzig.
Keim, A, W. Über Maltechnik. Ein Beitrag zur Beförderung rationeller
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— Die Mineralmalerei, Verlag: A. Hartleben, Wien,
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Verlag: Ernst’sche Buchhandlung, Leipzig 1922,
*Kloock, H, Theorie im Malergewerbe unter Berücksichtigung der Meister-
 und Gesellenprüfung, Verlag: Jüstel &amp;amp; Göttel, Leipzig 1908,
Koch, C, Das ABC der Fachkunde für Maler in Wort und Bild, Verlag:
B. G, Teubner, Leipzig 1927,

20]
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        König, ©. Praktisches Schriftenzeichnen. Verlag: E, Pohl, München 1927.
Körner, Max, Neue Schrifttafeln. Verlag: H, Matthaes, Stuttgart 1920.
Koenigsdorfer, Alois. Die Buchhaltung der Zimmer- und Dekorationsmaler,
 der Schilder- und Schriftenmaler und Anstreicher, Breslau
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Krais, Paul. Handwörterbuch der technischen Waren und ihrer Bestandteile
 (3 Bände). Verlag: JA, Barth, Leipzig 1922,
Kröh, Fr. Die Technik der Ölmalerei. Verlag: B, Fr. Voigt, Leipzig 1921.
Kroll, R, Materialkunde für die Praxis der Maler und Lackierer. Verlag:
 O, Kroll, Dresden 1921,
Lettenmayer, L. Erkennung und Unterscheidung der Maler- und Anstreichlarben,
 sowie der wichtigsten Surrogate. Verlag: J, F. Steinkopff,
 Stuttgart 1907,
Lietz, Otto. Blockschriften, Verlag: O, Maier, Ravensburg 1920,
Linke, F. und Adam, E. Die Malerfarben. Mal- und Bindemittel und
ihre Verwendung in der Maltechnik. Verlag: Paul Neff G, m. b. H.,
Stuttgart 1924.
Lüpke, Bunte Häuser, 20 Tafeln. Verlag: Lüpke, Osterode 1926,
— Praktischer Fassadenanstrich. 48 farbige Tafeln in Mappe. Verlag:
Karl Lüth, Kiel 1927,
Luüusticky &amp;amp;Pangritz, K, Anstreichen und Lackieren selbstgefertigter
Möbel und sonstiger Gegenstände. Verlag: Hachmeister &amp;amp; Thal,
Leipzig 1925,
Lüth. Moderne Wand- und Decken-Dekoration, Verlag: Karl Lüth, Kiel
1927.
Eyongrün, A; Neue {freie Dekorationsmotive, Verlag: B, Fr. Voigt,
Leipzig 1899,
— Der moderne Stil, Verlag: B, Fr. Voigt, Leipzig 1898,
Maier, H. Die Lehre vom Schmücken. Verlag: G. D, W, Callwey,
München 1925,
Marfels. Schriftalbum. Verlag: Deutsche Uhrmacher-Zeitung, Berlin,
— Monogrammwerk, Verlag: Deutsche Uhrmacher-Zeitung, Berlin,
Mierzinsky, Dr. St. Die Erd-, Mineral- und Lackfarben, Verlag:
B, Fr. Voigt, Leipzig 1881,
— Handbuch der Farbenfabrikation. Verlag: A, Hartleben, Wien 1898.
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— Dekorative Arbeiten der letzten 10 Jahre, Verlag; Bayer. Verlagsanstalt,
 München 1914.
M üg ge. Sammlung moderner Pausen und. Schablonen, Mit Preisverzeichnis
 der Pausen und Schablonen, 8 Hefte mit je 12 Tafeln, davon 4 in
Farbendruck, Verlag: M, Spielmeyer, Berlin 1912,
Neudeutsche Dekoration (Vorlagen für die Dekorationsmalerei.)
. Verlag: Fritz Häfner, Aue/Sa,; erscheint laufend seit 1924,
Neue Schriften und Firmenschilder, Serie V, Verlag: Gerhard &amp;amp; Co.,,
Bielefeld 1927,
Neue Symphonie der F arben,. Verlag: Hansata-Lincrusta-Werke,
„ Altona-Ottensen 1926.
Niessen, J. Der Maler, mit Abb., Bd, 3. Verlag: G. J. Manz, München-Regensburg
 1914,

202
        <pb n="204" />
        Nordmann, Praktische Decken- und Wandmalerei in der neuzZzeitlichen
Stilrichtung, 15 Tafeln, Verlag: M. Spielmeyer, Berlin 1903, *
Nowak, D, J, Lösungsmittel für alle Stoffe. Verlag: M. Bohlmann, Meißen
 1923,
Ortlieb, W,, und Dolezych, Die Meisterprüfung, Ausgabe für Maler,
Anstreicher und Lackierer. Verlag: Dr. M, Gehlen, Leipzig 1926,
Ortlieb, N, Berufskunde für Maler, Anstreicher und Lackierer zum
Unterrichtsgebrauch an Berufs- und Fachschulen und Meisterkursen,
sowie zur Vorbereitung auf die Gesellen- und Meisterprüfung, Verlag:
 Priebatsch, Breslau 1905,
Ortlieb, W. Praktische Buchführung eines allgemeinen Lehrganges (Ausgabe
 für Maler). Verlag: Dr. Max Gehlen, Leipzig 1927,
Peerboom, Moderne farbige Raumkunst, Verlag: Chr, Stoll; Plauen 1926,
Plakatmalschule, Vollständige —; Verlag: G, P, Prieß, Hamburg 1926.
Preisberechnung für das Malergewerbe, Herausgegeben vom Reichsbund.
 des deutschen Malergewerbes, Gau Norddeutschland 1923,
Protokolle der Verhandlungen des Hauptausschusses der Lehrplankommission,
 der Hauptversammlung und des 12, Allgemeinen deutschen
 Malertages in Warnemünde. Herausgegeben vom Reichsbund
des deutschen Maler. und Lackiererhandwerks e. V., Berlin 1926,
Pump, Franz, Der Geschäftsfreund des Malers. Praktische Winke für
Gesetzeskunde, Buchführung, Wechsel- und Scheckverkehr, Kalkulation,
 Lohnberechnung usw. Verlag: J. Hillmann, Berlin 1920,
Rachlmann, E. Dr. Über die Farbstoffe der Malerei in den verschiedenen
 Kunstperioden, Verlag: E, A, Seemann, Leipzig 1914,
- Über die Maltechnik der Alten mit besonderer Berücksichtigung der
römisch-pompejanischen Wandmalerei. Verlag: Georg Reimer, Berlin
1910,
"Rastätter, O0, Qualitative Untersuchung der wichtigsten Farbstoffe
der gewerblichen Malerei auf Verfälschungen und Verschnitte, Verlag:
 Konkordia, Bühl 1910,
Einiges aus der Materiallehre der Maler. Verlag: Konkordia,
Bühl 1906, .
Reineck, Th. Die gebräuchlichsten Firmenschriften, Verlag: B. Fr,
Voigt, Leipzig 1902,
-  „Zierschriften”, Verlag: B, Fr. Voigt, Leipzig 1904,
Vorlageblätter für Firmenschreiber, Verlag; B. Fr, Voigt, Leipzig
 1895,
- Moderne Schriften, Verlag: B, Fr, Voigt, Leipzig 1922,
Reinnels, Fr, Praktische Vorschriften für Maurer, Tüncher, Stubenmaler
 usw, Verlag: B, Fr, Voigt, Leipzig 1898,
Reisberger, L. Wasserglas und dessen Verwendung im Malergewerbe,
Verlag: G, D, W, Callwey, München.
Anleitung zum Farbenmischen für die Praxis des Zimmermalers, Anstreichers,
 Lackierers usw. Verlag: G, D. W. Callwey, München 1927.
Das kleine Malerbuch, Verlag: G. D. W. Callwey, München,
Romanische Wand- und Deckenmalerei. Motive zur Ausschmückung
von Kirchen, Kapellen, Sakristeien, Gewölben und sonstigen Räumen.
Verlag: G, D. W. Callwey, München 1921.
Zierate für Freihandmalerei. 20 Tafeln in Schwarzdruck mit Anregungen
 für Maler, Musterzeichner und sonstige Berufe der schmückenden
Kunst. Verlag: G. D, W. Callwey, München 1923,

202
        <pb n="205" />
        Ristenpart, Ernst, Chemische Technologie der organischen Farbstoffe,
 IL, verbesserte Auflage. Verlag: J, A, Barth, Leipzig 1925,
Sachs, Ideen für Zeichner und Maler, 16 Tafeln, Verlag: Christian Stoll,
Plauen i, V, 1903,
—. Moderne Dekorationsmalerei, 12 Tafeln, Verlag: Christian Stoll,
Plauen i. V, 1900,
Schäfer, H, Ornament-Schnitte, Entwürfe für die Dekorationsmalerei
und das gesamte Kunstgewerbe, Verlag: G, D, W. Callwey, München
 1922,
Schäffer, Karl. Zehn der besten und neuesten Alphabete, 10 farbige
Tafeln der neuzeitlichen Schriften. Verlag: G, D, W. Callwey, München
 1925,
*Schanze, Der rechnende Gewerbetreibende, Maler und Anstreicher.
Verlag: R, Herrose, Wittenberg (Bez, Halle) 1925,
Schaper, Prof, Dekorative Malereien im gotischen Stil. Verlag: Union
Deutsche Verlagsgesellschaft, Berlin 1885,
Schaupert, K, Plafonddekorationen, Verlag: B, Fr, Voigt, Leipzig 1887,
— Gemalte Firmenschilder mit Tafeln, Verlag: B, Fr. Voigt, Leipzig
 1885,
Scheiber, Johann, Lacke und ihre Rohstoffe. Verlag: J, A, Barth, Leipzig
 1926.
Scherer, R. Das Kasein, Darstellung und technische Verwendung, mit
Abb. Verlag: A, Hartleben, Wien 1919,
Schild, Hch. Das Lohn- und Arbeitsverhältnis im deutschen Malergewerbe
 im 20, Jahrhundert, unter dem Einfluß der Arbeitnehmerund
 Arbeitgeberverbände, Bd, I der Schriftenreihe „Die Arbeiterfrage
im deutschen Handwerk” (Das Malergewerbe). Verlag: A, Georgi,
Hannover 1922,
Schildmalereien, Neue —. Vorlagen für zeitgenössische Firmenschilder,
Laden- und Wandaufschriften, Verlag: Jüstel und Göttel, Leipzig
 1925,
Schittenhelm, H, „Das Punktieren". Verlag: B. Fr, Voigt, Leipzig
 1920,
"Schramm, W, Praktische Anleitung zur Prüfung der Malerfarben, Verlag:
 G, D. W, Callwey, München,
Schramm &amp;amp; Jüttel, Für Maler, Verlag: Seemann &amp;amp; Co,, Leipzig 1912.
Schütze, Wilh, Ornamentale Kompositionen, Entwürfe von modernen
Plafonds, Wandfeldern, Füllungen, Lünetten, reizvollen Ornament-Entwicklungen.
 Verlag: Boysen &amp;amp; Maasch, Hamburg 1896,
Schulze, Moderne Firmenschilder, Verlag: G. D, W. Callwey, München
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Seifried-Schwab,. Praktisches Vorlagenwerk für Dekorationsmaler,
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Söldner. Malschule. Verlag; Seemann &amp;amp; Co, Leipzig 1910,
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204
        <pb n="206" />
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—- Der Maler als Raumkünstler, Verlag: Atelier Stenzel, Dresden-A, 1927.
Stephani, H, Die Schildermalerei und ihre Nebenzweige, Verlag: G, D,
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Stock, E. Die Fabrikation der Öllacke und Sikkative, Verlag: A, Hartleben,
 Wien 1915,
—  Fernunterrichtsbriefe für das Lack- und Farbenfach, Verlag: M. Bohlmann,
 Meißen 1927.
Stock, E, und Antony, W. Waren- und Materialienkunde des Lackund
 Farbenfaches. Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Berlin
 1927.
Stock, E, Grundlagen des Lack- und Farbenfaches, 4 Bde, Verlag: M.
Bohlmann, Meißen 1926,
— Die Fabrikation der Spirituslacke, 2, Auflage. Verlag: M, Bohlmann,
Meißen 1926,
*Stolz, N. Kalkulation im Malergewerbe, Verlag: G, D. W, Callwey,
München 1910,
Stolze, Dr, H, Das Malerhandwerk auf dem Wege der Organisationen,
Verlag: Pinkvoss, Hannover 1911,
Stoss, Form und Farbe, 10 Tafeln in Mappe, Verlag: Stoss, Bonn 1926.
Stümpfle, Praxis der Neuzeit, Reichhaltiges Vorlagenwerk für alle
Zwecke der Dekorationsmalerei. 40 farbige Tafeln, Verlag: M, Spielmeyer,
 Berlin 1904,
Sturm, Prof, Tierleben im Ornament, Verlag: Julius Hoffmann. Stuttgart,
Teichgräber, P. Neue Freihandmalerei, Verlag: Gerhard &amp;amp; Co.,, Bielefeld
 1927,
“Thiele Dr, L. Die Fabrikation von Leim und Gelatine. Verlag: M,
Jäneke, Leipzig, 2, Auflage 1922.
“Thon, G, Vollständige Anleitung zur Lackierkunst, Verlag: B, Fr.
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*"Tormin, R, Musterblätter für Firmenmaler, mit Tafeln, Verlag: B, Fr.
Voigt, Leipzig 1869,
Tormin, R., und Ebelin, E, Der Dekorations- und Stubenmaler, Mit
Abbildungen, Verlag: B, Fr. Voigt, Leipzig 1920.
Verdingungsordnung für Bauleistungen (Maler- und Anstreicherarbeiten),
 herausgegeben vom Reichsbund für das deutsche Malergewerbe,
 Selbstverlag, Berlin 1927,
Vietheer, G, u. Frinke, Helmut. Preisbrechnungsordnung für das
Malergewerbe, Grundsätze der Preisbildung und Preisberechnung,
Vermessungsnormen, Tabellen über Zusammensetzung und Berech-5


20:
        <pb n="207" />
        nung der streichfertigen Materialien, sowie über den Zeit- und Materialverbrauch
 der gebräuchlichsten Malerarbeiten, Amtl, Veröffentlichung
 des Reichsbundes des deutschen Malergewerbes, Hamburg.
 1925,
Vogler, A, Moderne Entwürfe für die Praxis des Dekorationsmalers,
IL Serie, Verlag: M, Spielmeyer, Berlin 1896,
Moderne Entwürfe für die Praxis des Dekorationsmalers. III. Serie.
Verlag: M, Spielmeyer, Berlin 1896,
Moderne Entwürfe für die Praxis des Dekorationsmalers, Serie IV
mit 16 Tafeln, Verlag M, Spielmeyer, Berlin 1897,
Vorbilder, Dekorative —. Jährl, 4 Hefte mit je. 20 farbigen Tafeln.
Verlag: Julius Hoffmann, Stuttgart,
Vorlagen, farbige für moderne Decken- und Wandmalereien, Herausgegeben
 vom Heidelberger Mal- und Zeicheninstitut, Heft. I, Verlag:
M, Spielmeyer, Berlin 1897.
Wand-und Deckendekoration. Ill. Folge. 66 farbige Tafeln, Verlag:
 Karl Lüth, Kiel 1926,
Wand und Tapete. Tapeten in ihrer dekorativen Steigerung und
mustergültigen Anwendung mit Text von Professor O, Schulze. 30 farbige
 Tafeln, Verlag: Tapetenfabrik Coswig, Coswig 1920,
“Weber, G, Unsere Wohnräume, Dekoration, Ausschmückung, Reinigung
 und Konservierung, Verlag: Jüstel u, Göttel, Leipzig 1892,
* — Katechismus des Dekorationsmalers. Verlag: Jüstel &amp;amp; Göttel, Leipzig
 1905,
Wenzel, Fr. Die Kontorarbeiten des Malers, Verlag: G, D, W., Callwey,
München 1922,
Das Vermessen und Berechnen von Mal- und Anstreicherarbeiten.
Verlag: G, D. W. Callwey, München 1926.
Das Lackiererbuch, Illustr. Hand- und Nachschlagebuch für das
Lackierergewerbe. Verlag: Jüstel u, Göttel, Leipzig 1927.
Kalkulationsbuch für das Malergewerbe. Verlag: Jüstel u, Göttel,
Leipzig 1926,
— Der Wareneinkauf des Malers, Verlag: Jüstel &amp;amp; Göttel, Leipzig 1926.
Wiechert, Alfred, Die Schule des Malers, (52 Lieferungen.) System
; Karnack-Hachfeld, Verlag: Bonness u, Hachfeld, Potsdam 1926,
Wiesenmüller, Materialkunde für Maler, Verlag: Seemann &amp;amp; Co,,
Leipzig 1926,
—. Fachrechnen, Kalkulation und Buchführung für Maler, Verlag; Seemann
 &amp;amp; Co,, Leipzig. (In Vorbereitung,)
Wichmann, Emil, Skizzen für Innen-Dekoration. Verlag: Kanter &amp;amp; Mohr,
Berlin 1894,
+W ölfer, Anweisung zur Stukkatur-, Tüncher- und Zementierarbeit, mit
Tafeln, Verlag: B, Fr, Voigt, Leipzig 1835,
Wolff-Schlick, Taschenbuch für die Farben- und Lackindustrie (Farben-
 und Lackkalender), Verlag: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft,
Stuttgart 1927,
Wolff, Dr. Hans, Laboratoriumsbuch für die Lack- und Farbenindustrie,
Verlag: W, Knapp, Halle 1924,
Die Lösungsmittel der Fette, Öle, Wachse und Harze. Verlag; Wissenschaftliche
 Verlagsgesellschaft, Stuttgart,

206
        <pb n="208" />
        Wühlfeld, Farbiger Hausanstrich, Verlag: Dietsch &amp;amp; Brückner A,-G,,
Weimar: 1925,
Würth, Dr, K, Mennige, Ein Beitrag zur Normungsfrage, | Verlag: Selbstverlag,
 Schlebusch,
Eisenoxyd- und Eisenhydroxyd-Anstrichfarben, Verlag: Selbstverlag,
Schlebusch,
Lithopone, Ein Beitrag zur Normungsfrage, Verlag: Selbstverlag,
Schlebusch 1922,
Normung der Rostschutzfarben, Verlag: Adolf Stenzel, Breslau 1925,
Amerikanisches Normenblatt für bleihaltiges Zinkoxyd, Verlag: Max
Lande, Berlin-Schöneberg 1926, .
Amerikanisches Normenblatt für Ocker trocken und als Paste, Verlag:
 Max Lande, Berlin-Schöneberg 1926,
Die weißen Bleifarben. Ein Beitrag zur Normungsfrage, Verlag:
Gebr, Jänecke, Hannover 1926,
Rostschutz. Verlag: Selbstverlag, Schlebusch 1926,
Über die Farbstoffe der Malerei in den verschiedenen Kunstperioden.,
Nach Raehlmanns Untersuchungen, Verlag: Form und Farbe, Köln
1926.
Über die Verwendung von Zentrifugen an Stelle von Filterpressen für
Öle, Lacke, Benzin usw. Verlag: Max.Lande, Berlin-Schöneberg 1926,
Amerikanische Normen für Zinkweiß, Verlag: Max Lande, Berlin-Schöneberg
 1927,
Zander. Praxis des Dekorationsmalers, mit Tafeln. Verlag: Max Spielmeyer,
 Berlin 1903—04,
Dekorationsmalereien, Farbige Vorlagen für die Dekoration von Dekken
 und Wänden in Wohnzimmern, Salons, Speisezimmern usw, Verlag:
 M. Spielmeyer, Berlin 1898,
Schwarze Skizzen zur Dekoration innerer Räume, Motive für Dekorationsmalerei.
 Verlag: M. Spielmeyer, Berlin 1888,
Die Praxis des Dekorationsmalers. Friese, Hohlkehlen, Spiegelverzierungen,
 Wandmuster, Deckenmuster usw. Verlag: M, Spielmeyer,
Berlin 1898,
Zart, A. Farben und Farbstoffe. Verlag: B, G, Teubner, Leipzig 1915,
Zenker., Farbiger Decken- und Wandschmuck im Geiste frühgermanischer-Kunst,
 22 Tafeln, Verlag: Christian Stoll, Plauen i, V. 1914,
Zerr, Gg. Ratgeber beim Einkauf und bei der Verwendung von Anstrichfarben,
 Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Berlin
1911,
Zerr, Gg, und R. Rübencäam pP. Handbuch der Farbenfabrikation. Verlag:
 Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Berlin 1922.
Zimmer, F, Handbuch der Lackier- und Dekoriertechnik, m, Abb, Verlag:
 Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Berlin 1921.
Zimmer, E. Bleiweiß und andere Bleifarben. Verlag: Theod, Steinkopff,
Dresden 1926,
Im Anhang geben wir eine Zusammenstellung der Malerfachzeitungen,
 in denen fortlaufend Beiträge technischer und kaufmännischer,
 künstlerischer und wirtschaftlicher Art veröffentlicht werden.

207
        <pb n="209" />
        A. Organisations- Zeitschriften
a Sek Organ Verlag Schriftleitung Erschei- Erschei it) Bemer-Nr.
 | nungszeit gl Inungsor | kungen
a) Organe des Reichsbundes des deutschen Maler- und Lackiererhandwerks und seiner Landesverbände:
1. J Allgemeine Malerzeitung, Fachzeit- Reichsbund des deutschen Julius Hill lu  Frinck - 7 .
| schrift der Maler, Lackierer, Anstreicher Malergewerbes,Gau Nord- S erlin ra PT Dr Amsel. 6, | wöchentlich} Berlin T Bst
und verwandter Gewerbe deutschland | eilagen
2. | Berliner Maler-Zeitung, Fachzeitschrift YerbandderMalereigeschäfte Julius Hill ; Emil K “ .
für das gesamte Malergewerbe von Berlin u. den Vororten; E Bern nn  Bedlin r wöchentlich] Berlin ce Hu
Reichsbund des deutschen eVagen
Maler- u, Lackiererhandw.
Gau Brandenburg; Malerinnungen
 Groß-Berlins und
d. Provinzen Brandenburg,
Ostpreußen, Westpreußen;
Ostdeutsch. Verband’selbst. |
Maler und Lackierer; Arbeitgeberverband
 für das
Malergewerbe Danzig
3. Der Malermeister, Fachzeitschr.d. Maler, Bad. Maler- und Tüncher- Paul Braus, Dr. Wilhelm Maas, 14 tägig Mannheim
Lackierer-, Tüncher- und verw.Gewerbe meisterverband Heidelberg Mannheim
4. Sächsische Malerzeitung ’erband sächs. Vereinigungen Verband sächsisch. Aus. Dahlin er, öchentlich
selbst. Maler u, Lackierer; Vereinig. selbständ N Oreeadan AR Trsaden Pen
Mitteldeutsch. Malerbund;| Maler u. Lackierer S
Thüringer Malerbund | Dresden
5. Süddeutsche Maler-Zeitung ‚andesverband bayr. Maler-| Landesverb, bayr. Georg Rank, monatlich München
und Lackierer-Innungen Maler-u,Lackierer- München 2 mal
innungen, München
6. | Malerwarte Niedersächsischer Malerbund Deutschelllust. Ver- Fr. W. Stilke, 14tägig | Hannover 52 Kunstlagsgesell.,
 Berlin | Hannover | beilagen
b) Sonstige ! Organisationen:
N A der Maler, Lackierer, Fachblattd. Maler, IH, Hein A tlich
Förderung der handwerklichen Wertarbeit Anstreicher, Tüncher und Hamburg Hamburg. ma natlich JUL mburg Kat |
in Farbe, Form und Raum Weißbinder Deutschlands beilagen
2. Deutsche Lackierer - Zeitung, 'Reichsverband der Lackiere- Georg D. W, Call- Friedr, Löhle, 14tägig ' München 12 Tafel-Allgemeine
 Zeitschrift für das gesamte _reibetriebe Deutschlands wey, München Neu-Ulm beilagen
Lackierergewerbe
3. Form und Farbe, Fachblatt für das Bund deutscher Dekorations- Beyer &amp;amp; Schmeißer, Ferdinand Mauß, monatlich Köln
Malergewerbe maler Köln Köln
4. Schlesischer Malerbund Schlesischer Malerbund Ad.Stenzel, Breslau W.Hausen, Breslau 14 tägig Breslau
SS Die Maler-Gilde Rhein.-Westf.Maler-Innungs- | Rhein,-westf.Maler- Dr. Schieferecke, 14 tägig Essen
verband, Sitz Essen innungsv.,SitzEssen Essen
6... Die farbige Stadt Bund zur Förderung der Farbe ı Buchen-Verlag, Dr.Edmund Meier- monatli h Berli -
im Stadtbild Berlin Öbrist, Hamburg 5 AS
7. Technische Mitteilungen für Malerei 3esellschaft f.rationelle Mal- B. Heller, München Heinrich Trillich, 14 tägig München
verfahren u. Gesellschaft £. München
Licht- u. Farbenforschung '

Titel
08 1 700
        <pb n="210" />
        B. Verlags- Zeitschriften
EEE Erschei- Be-N
 | Erscheinungsort Verlag Schriftleitung nungsZeit | merkungen
1... Deutsche Malerzeitung (Ausgabe A ohne München Georg D. W. Callwey, Lud Reisberger &amp;amp; Guido wöchentlich
Mappe) München Hengst, München
2. Deutsche Malerzeitung (Ausgabe B mit München Georg D. W. Callwey, Lud. Reisberger &amp;amp; Guido wöchentlich
Mappe) München Hengst, München
Maler-Zeitundg, Mlustriertes Fachblatt für Deko- Leipzig Jüstel ‚&amp;amp; Göttel, F, J, Wenzel, Leipzig wöchentlich Viertelj. Beil.
rationsmaler, Lackierer, Anstreicher und Gewerbe- Leipzig Dekorationstreibende
 verw. Berufe motive u.das
farbigeStadtbild

tt Deutsches Malergewerbe, Fachzeitschrift Berlin Laesecke &amp;amp; Matzdorff, Dr. Hans Laesecke, wöchentlich
für Maler Berlin Berlin
5 Farbenzeitung, Fachblatt der Lack-, Farben- Berlin Union Deutsche Verlags. G. Springer, Berlin wöchentlich
und Leimindustrie Gesellschaft, Berlin
Der Farbenhändler, Fachzeitschrift für den Düsseldorf ME DE Dr. TO CU Ren wöchentlich
gesamten Lack-, Firnis-, Farben-, Leim-, Pinsel- ‚m. 5b. !., Düsseldorf üsseldorf
und Glasgroßhandel, sowie für den in allen
Malerbedarisgegenständen.
Der Anstrich, Zeitschrift für die Lack- und Düsseldorf Westd, Merkur-Verlag Clemens Kugel, wöchentlich
Farbenverbraucher G.m.b H., Düsseldorf Düsseldorf
&amp;gt; Zeitung für den Malerlehrling München Georg DD W. Callwey, Ludwig Reisberger, monatlich
München München
90 (Farbe und Lack, Centralblatt der Farben- Hannover Kurt R. Vincentz, Wilhelm Heinrichs, wöchentlich
und Lackindustrie Hannover Hannover
10. Westdeutsche Malerzeitung, Fachzeitschr. Aachen Franz Keppler, Aachen Jakob Pütz, Aachen wöchentlich
für das Maler-, Anstreicher- und verw. Gewerbe
11. Das Maler- und Tüncher-Gewerbe, Organ Berlin D. Meininger, Dr. Julius Ganser, wöchentlich
für die Interessen des Deutschen Maler- und Neustadt/Haardt Neustadt a. d. H Neustadt a. d.H,
Lackiererhandwerks
12. Der Dekorationsmaler, Allgemeine Rundschau München Quellen-Verlag Ernst S, Ernst S Kleinbardt, monatlich jährl. 36 farb.
für das gesamte Maler-Gewerbe Kleinbardt, München 2 mal Tafeln u. ca.
München-Pasing 100 Ilustrationen

+]
ZBW digital 2020 DZ

Tite
2
210
        <pb n="211" />
        BUCERIUS, WALTER. Grundlagen der rationellen
 Betriebsführung mit besonderer Berücksichtigung
 des Handwerks |
2. Auflage. Mit 94 Abbildungen und 14 Tabellen. Umfang VIIT und 252
Seiten. Preis gebunden 8 RM. Bei größeren Bezügen Preisermäßigung
Ende Tö27- erscheirntein Ergänzungsbangd
AUS DEM INHALT:
Allgemeines. Der Haup'grundsatz der rationellen Betriebsführung. Ökonomischer Grundsatz.
 — Materialwirtschaft. Materialqualität. Ausnützung der Materialien. Abfallverwertung,
 Erhaltung der Materialbeschaffenheit, Feststellung des Materialverbrauchs. Materialkostenvermittlung.
 — Fertigungswirtschaft. Bedeutung der Zeit, Maßeinheit für Arbeit
und Leistung. Wırkungsgrad. Menschliche Arbeitskraft: Allgemeines, Körperliche Arbeitsleistung.
 — Handwerkszeuge. Freihändige Bearbeitung, Hauptgruppen von Handwerkszeugen.
 Technische Wirkung. Fertigungskosten. Hilfswerkzeuge und Geräte. Berechnung
der Handarbeitskosten. — Maschineneinrichtungen. a) Allgemeines. b) Kraftmaschinen:
 Anforderungen an die Kraftmaschinen der Handwerksbetriebe, Betriebskosten,
 Berechnung der Kraftkosten, Berechnung der direkten Betriebskosten, Berechnung
der gesamten Betriebskosten, Richtlinien für die betriebswirtschaftliche Beurteilung der
Kraftmaschinen, — c) Kraftübertragung: Tourenzahlen, Transmissionsantrieb, Gruppenantrieb,
 Einzelantrieb, Ermittlung und Kontrolle des Kraftverbrauches bei Transmissionsantrieb,
 Einzelantrieb oder Gruppenantrieb. d) Arbeitsmaschinen: Allgemeines, Prüfung
 der technischen Wirkung, Fertigungskosten (Maschinenarbeitskosten). — Wirtschaftlicher
 Vergleich zwischen Handarbeit und Maschinenarbeit. Allgemeines. Wann ist
die Einführung der Maschinenarbeit an Stelle der Handarbeit wirtschaftlich vorteilhaft ? —
Fertigungsapparate. Wärmetechn, Einrichtungen. — Werkstätten. Transportwesen. —
Verwaltungswirtschaft. Techn. Betriebsleitung. Spezialisierung, Normalisierung, Gemeinschaftsarbeit.

URTEILE ZUR 1. AUFLAGE:
Ein reifes Erzeugnis umfassender Erfahrung, wie sie eben nur ein Mann wie Bucerius sammeln
und verarbeiten konnte, der als Direktor des Badischen Landesgewerbeamts und als wissenschaftlicher
 Berater des Forschungsinstituts für rationelle Betriebsführung für solche praktischen
und zugleich wirtschaftlich hochwichtigen Aufgaben nicht nur den weiten Blick, sondern auch
die Hilfsmittel und Hilfskräfte zur Verfügung hatte. Malerwarte Hannover
Besonders zu rühmen ist, abgesehen von der klaren Darstellung im Text, die Veranschaulichung
des Stoffes in zahlreichen, sauber ausgearbeiteten Abbildungen, Tabellen und Zeichnungen, wie
das mit Rücksicht auf den Leserkreis geboten erschien. Aber nicht nur der Handwerker, auch
der Fachlehrer und der Betriebsleiter kleinerer Werke wird aus dem Buch nützliche Anregung
schöpfen. Die Ausführungen beziehen sich im übrigen auf alle möglichen Betriebe und nicht nur
auf die mechanischen Gewerbe im engeren Sinne,
Betriebswirtschaftliche Rundschau Dr. A, Heber, Frankfurt a. M.
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        am
un
ROSSLE, DR. KARL, Grundzüge der hand-6
 werklichen Kostenberechnung
Mit vielen Tabellen und Zeichnungen. Umfang XII und 228
Seiten, 2. umgearbeitete Auflage. Preis unverändert in
Halbleinen 6 RM., in Ganzleinen 7,50 ” MM
AUS DEM INHALT:
Zur Einführung — Der Preis (Allgemeines, die Zusammensetzung des Preises) —
Die Selbstkosten (Allgemeines, Vorkalkulation, Nachkalkulation, Zwischenkalkulation}
-— Kalkulationsarten — Das Material — Der Lohn — Die Unkosten (Allgemeines,
Maßstab für Unkosten, Verbesserung der Unkostendeckung, die Betriebsunkosten und
Handlungsunkosten, ‚die Unkosten unter Berücksichtigung der Abteilungen und Betriebsarten,
 der Einfluß des Beschäftigungsgrades auf die Unkosten, die Unkosten im
besonderen) — Der Gewinn (der Verkaufspreis bleibt gleich, der Selbstkostenpreis ist
veränderlich. Der Verkaufspreis ändert sich, der Selbstkostenpreis bleibt für längere
Zeit unverändert. Der Verkaufspreis und Selbstkostenpreis ändern sich fortgesetzt.
Die Größe des Gewinnes). — Die Buchhaltung — Die Maßnahmen zur Förderung
der Selbstkostenberechnung durch die handwerklichen Organisations- und Interessenvertretungen
 (Allgemeines, Spezielles, Zusammenfassung, Beratungsstellen) —
Zur Frage der Vereinheitlichung und Vereinfachung der handwerklichen Kalkulation.
URTEILE:
Das Buch enthält die gründsätzlichsten Dinge, die mit der handwerkerlichen Selbstkostenberechnung
 im Zusammenhang stehen. Es sind die einzelnen Kostenelemente — gleichgültig bei
welchem Gewerbezweig sie auftreten — nach allen Seiten eingehend beleuchtet, um das Kostenbewusstsein
 des heranwachsenden und praktischen jungen Handwerkers zu stärken, Ein umfangreicher
 Abschnitt ist der Buchhaltung gewidmet, Jeder Handwerker, der den immer zunehmenden
 Konkurrenzkampf bestehen will, muss sich mit dem Inhalt des Buches vertraut
machen. Bayerisches Gewerbeblatt Augsburg
Das Buch macht den Eindruck grosser Zuverlässigkeit und ordentlicher Tatsachenkenntnis, Der
Stoff wird in einer für den Leserkreis, für den das Buch bestimmt ist, begreiflichen Sprache
vorgetragen, Jedoch nimmt der Verfasser keineswegs Zuflucht zum Rezept, weil er sich bewusst
ist, dass eine solche Darstellung der vielgestaltigen Handwerkspraxis am wenigsten bieten würde.
Der Verfasser treibt auch die Rücksicht auf die Lesbarkeit keineswegs so weit, dass er jedem
schwierigen Kalkulationsprobleme aus dem Wege geht. Beispielsweise werden die verschiedenen
Zuschlagsgrundlagen ziemlich ausgiebig behandelt; sogar der Einfluss des Beschäftigungsgrades
wird kurz beleuchtet, Dagegen hält sich der Verfasser in voller Absicht, vermutlich mit Recht,
von einer Erörterung der Proportionalpreisrechnung fern, Zweifelhaft kann man sein, ob es nicht
angemessen gewesen wäre, die Trennung von Betriebsgewinn und Konjunkturgewinn zu zeigen,
Sehr lehrreich sind die Mitteilungen über Forderungsmassnahmen der Organisationen. Einer
Erörterung der Vorschrift $ 100 q der Gewerbeordnung ist der Verfasser aus dem Wege gegangen.
 Sehr verdienstvoll sind die der Praxis des Verfassers entsprungenen Anregungen über
die Methode, durch Rundfragen das Kalkulationswesen und die Preispolitik zu fördern,
Prof, Dr. E. Schmalenbach in der Zeitschriftfür Handelswissenschaftliche Forschung
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        Ca Cd Cal Ca mn
Schriftenreihe des Forschungsinstituts für
"7 "onelle Betriebsführung im Handwerk E.V.
]_SITZ KARLSRUHE |. B.
HEFT 2:/ Hauptversammlung 1924, Vorträge u. Tätigkeitsbericht
Preis ı RM.
AUS DEM INHALT: Tätigkeitsbericht von C. Haußer. Bedingt das Ringen
Deutschlands um Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt eine wirtschaftliche
Umstellung im Handwerk? von Oberregierungsrat W. Bucerius. Die Entwicklung
 der Betriebswirtschaftslehre und das Handwerk von Dr. K. Rößle, Materialprüfung
 im Handwerk von Prof, Dr. Vikt. Pöschl. Betriebswirtschaftliche
Durchbildung des Handwerkers von Prof. Dr. H. Sommerfeld. Rationelle
Betriebsführung im Bauhandwerk von Dr.-Ing. Hotz.
7 %
HEFT 3: Rationelle Betriebsführung im Bäckerhandwerk
Preis 2 RM.
Die Schrift soll jedem Bäckermeister als Berater zur wirtschaftlichen Gesualtung
seines Betriebes dienen und ihm die Mittel und Wege angeben, wie unwirtschaftliche
 Arbeitsverfahren verbessert werden können; aber auch dem Lehrling
 und Gesellen bietet der Inhalt vielseitige Anregung und sucht die betriebswirtschaftlichen
 Kenntnisse zu ermitteln, deren der Anfänger, der sich einmal
selbständig machen will, unbedingt bedarf,
HEFT 4: Der Rationalisierungsgedanke im Handwerk
(Wirtschaftliche Betriebsführung). Von Walter Bucerius. Preis 0,50 RM.
(bei Massenbezug bedeutende Preisermäßigung).
Der Rationalisierungsgedanke im Handwerk hat seinen Weg von der Westgrenze
 unseres Vaterlandes bis zu seiner Ostgrenze und vom Süden bis zum
äußersten Norden zurückgelegt. Ein großer Kreis treuer, wertvoller Mitarbeiter
hat sich zur Verfügung gestellt, den ebenso die Überzeugung von dem Wert
des deutschen Handwerks wie die Erkenntnis von der Notwendigkeit seiner
Fortentwicklung zu höheren wirtschaftlichen Leistungen zusammenschließt.
Noch aber ist der Kreis nicht so groß als er sein sollte, noch bedarf es weiterer
Aufklärung und Belehrung, wenn. diese Schrift hierzu beitragen würde, dann
würde sie. das erfüllen, was von ihr vor allem erhofft wird.
HEFT 5: Hauptversammlung 1926, Tätigkeitsbericht u.Vorträge
Preis_.1 RM
AUS DEM INHALT: Kostenverminderung durch Zeit- und Wegverkürzung
(Bucerius). Die Rationalisierung des Einkaufs (Dr. Rößle). Die. Bedeutung
der Serienherstellung für das Handwerk .(Dr. Hotz). Vorträge von Walter
Bucerius und Dr. Karl Rößle vor dem Enquete- Ausschuß des Reichswirtschaftsrates
 usw.
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HEFT 6: Buchführung für Handwerksbetriebe
Kurze Anleitung mit einem Musterbeispiel von Franz Rößle. Preis 0,75 RM.
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        CA = Cd = = EL
Die off, Zeitschrift des Forschungsinstituts für
= = wm = 7
rationelle Betriebsführung im Handwerk E.“.
SITZ KARLSRUHE 1.B. .
ma
BETRIEBS FÜHRUNG. Mitteilungen des. Forschungsinstituts
für rationelle Betriebsführung im Handwerk, E.V. in Karlsruhe. Schriftleitung: Walter
Bucerius, Karlsruhe i.B. 7. Jahry. 1927. 12 Hefte. Einzelheft 0,80 RM., Halbjahr 4 RM.
Die Betriebswirtschaft, d.h. das Bestreben zur Verminderung des Aufwandes und Erhöhung
 der Leistung hat heute für die gewerblichen Betriebe Deutschlands die allerwichtigste
 Bedeutung.
Es handelt sich gegenwärtig wenıger darum, die Erzeugnisse in technischer und konstruktiver
Hinsicht zu vervollkonmnen, als ihre Herstellung auf rationellste Weise herbeizuführen.
In jedem Betriebe ist die Möglichkeit hierzu geboten, und es ist Pflicht jedes Betriebsinhabers,
sich über die verschiedenen Gebiete der modernen Betriebswirtschaft zu orientieren und auf
dem Laufenden zu halten, Während es für die Großindustrie und speziell für den Maschinenbau
eine umfangreiche Literatur in Büchern und Zeitschriften hierüber gibt, fehlte es an einem Organ,
das besonders die betriebswirtschaftlichen Bedürfnisse und dıe Verhältnisse des
Handwerks und der mittleren gewerblichen Betriebe berücksichtigt. Hierfür ist
diese Zeitschrift geschaffen worden. Sıe behandelt nicht nur das Gebiet der technischen,
sondern. auch das der kaufmännischen Betriebsleitung. Außerdem berichtet sie fort-Jaufend
 über betriebswirtschaftlich wertvolle technische Neuerungen und steht
den Lesern zu Anfragen betriebswirtschaftlicher Art zur Verfügung. Herausgeber der Zeitschrift
 ist das Forschungsinstitut für rationelle Betriebsführung im Handwerk E. V., Sitz Karls-"ruhe,
 das eine Einrichtung des Reichsverbandes des deutschen Handwerks ıst und in ständiger
Fühlung mit den Handwerkskammern und Fachverbänden steht.
Von früheren Jahrgängen sind noch zu beziehen:
USE EEE BEE
JAHRGANG 1924: Preis gebunden 5 RM.
AUS DEM INHALT: Die technische Einstellung des Handwerks auf die
gegenwärtige Wirtschaftslage von W. Bucerius, Die wirtschaftliche Höhenlage
 des Schraubstockes beim Feilen. Versuch mit einem Dauerbrand-, Sägemehl-,
 Leim-, Furnier- und Trockenofen von! Dipl.-Ing. Paul Heine. Die
Prüfungen von Eismaschinenanlagen für Konditoren; usw.
JAHRGANG 1925: Preis gebunden 8 RM,
AUS DEM INHALT: Aus der Betriebswirtschaft des Bäckereibetriebes
von Dr. Kurt Schmaltz. Arbeitswissenschaftliche und psychotechnische Untersuchungen
 im Baubetrieb von Dr. Schulte, Statistik in der handwerklichen
Einkaufsgenossenschaft von Dr. Banse; usw.
Da
JAHRGANG 1926: Preis 8 RM.
AUS DEM INHALT: Beleuchtungstechnische „Fragen für das Handwerk
von Dr.-Ing. Th. Schmutte, Richtlinien für den Einkauf von Holzbearbeitungsmaschinen
 von Dipl.-Ing. Kullmann. Materialprüfung im Malergewerbe
von Dipl.-Ing. Meeß. Untersuchungsergebnis von Kältemaschinenanlagen für
Konditoreien von Dipl.-Ing. R. Kapp. Die Kosten und ihre Aufteilung von
Prof. Dr. Sommerfeld. Buchführung im Schneiderbetrieb von Franz Rößle,
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        LL a5
Buchführung für
a
Handwerksbetriebe
Für die besonderen Bedürfnisse des Handwerks hat
das Forschungsinstitut für rationelle Betriebsführung
E. V. in Karlsruhe auf Grund der gesammelten Erfahrungen
 Buchhaltungsbücher für Handwerksbetriebe
 zusammengestellt.
Mit ihrer Hilfe kann der Handwerker seine Buchführung
 rasch, sicher und mit dem geringsten
Aufwand an Zeit in Ordnung halten.
I. KASSENBUCH
a) kleines Format (40 Seiten’ 1,40 RM.
b) Größe I (62 Seiten) . 2,— RM.
c) Größe IT (123 Seiten) . 3,50 RM.
d) Größe III (189 Seiten) 4,80 RM.,
e) Größe IV (244 Seiten’ 5.80 RM.
U. HAUPTBUCH
a) Größe I (80 Seiten) 2,20 RM:
b) Größe II (166 Seiten) 4,20 RM.
c) Größe III (222 Seiten 4,80 RM.
d) Größe IV (318 Seiten) 6,— RM.
Außerdem erschien als Beiheft mit Erläuterungen
Franz Rößle, Buchführung für
Handwerksbetriebe. Kurze Anleitung
mit einem Musterbeispiel (Heft 6 der Schriften des
Forschungsinstituts für rationelle Betriebsführung
im Handwerk E. V. in Karlsruhe). Preis 0,75 RM.
Zu beziehen durch die
L
Betriebs- Annan m
=
und Lehrmittelgesellschaft m. b. H.,
KARLSRUHE ij. By Kriegsstraße Nr. 160
        <pb n="216" />
        50 werden diese im Malerbetriebe entbehrlich. Material-\bteilungen
 bei den Genossenschaften verringern nicht nur
bar produktive Zeit in der Malerwerks tätte, sondern
| auch im einzelnen Betriebe die entsprechenden Apparate
tschaften zur Durchführung der Prüfungen entbehrlich. Getaften
 und andere Körperschaften, die über einen Fuhrpark
. Gerüstlager verfügen, sind ebenfalls wertvolle Mittel, die
N fähigkeit ihrer angeschlossenen Mitglieder zu erhöhen und
5 talbedarf erheblich einzuschränken. Ebenso kann eine Ge-.
 laft, die ihren Mitgliedern größere Kreditfristen einräumt
, n Lieferanten dem Malermeister gegenüber möglich ist, beim
£ kaufe zur Reduzierung ‚des Betriebska pitals bei-.
 diesen wenigen Punkten ist schon ersichtlich, welche Bedie
 Warengenossenschaften auch hinsichtlich der Finan-A
 on Handwerksbetrieben haben.
is für einzelne Malerbetriebe besser ist, Einzelunternehbleiben,
 oder ob diese aus Gründen der besseren Kapitalng
 und Erhöhung von Rentabilität und Wirtschaftlichkeit
Ms elischaftstorm übergehen sollen, ist noch ungenüirsucht.
 Man kann aber vermuten, daß von Fall zu Fall die
Gesellschaftsunternehmung wirtschaftliche Vorteile bietet.
eine Gesellschaftsbildung in der Weise erfolgen, daß sich
mehr Malermeister zu einer Gesellschaft zusammenschlieicherweise
 kann auch die Gesellschaft unter Hereinnahme
zxewerbe (z, B. aus dem Baugewerbe) gebildet werden. In
= ;hen Unternehmung muß die Arbeitsteilung so genau wie
lurchgeführt sein, damit ein rationelles und reibungsloses
© möglich ist, Die Verbindung mit anderen Gewerben kann
2 esamtunternehmung vielleicht einen besonderen Ausgleich
inkturschwankungen herbeiführen, als dies den einzelnen
5 möglich wäre. Zum mindesten bringt die Gesellschafts-;
 urch die Spezialisierungsmöglichkeiten und durch die ge-°
 tliche Verwaltung Vorteile.
be bedürfen zur Durchführung der ihnen gestellten Auf-R
 er guten Leitung. Sämtliche Betriebsvorgänge müssen sich
S und unter Ausnützung aller Vorteile abwickeln. Der
5 ‚es Leitenden muß in allen Teilen und bei allen
On iften sichtbar sein. Vorbedachte Betriebsfüh-DS
 auch im Malergewerbe unbedingt erforderlich. Sie erfor-=
 ‚ daß das Arbeitspensum, das durch Aufträge dem Beä
 ließt, nicht nur zeitlich genau festgestellt wird, sondern
8 7

14
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