Die Sachverständigen des Dawesplanes haben dagegen drei Jahre später dem deutschen Standpunkt recht gegeben, Das wachsende Angebot von Kohle auf dem Weltmarkt erklärt auch die Tatsache, daß die Reparationskommission nach Ablauf der Spa-Lieferungen ihre monatliche Anforderung zwar zunächst noch auf 2200000 Tonnen bezifferte, tatsächlich aber bald auf 1700000 Tonnen heruntersetzte. Den Anlaß dazu gaben Unruhen in Ober- schlesien, welche den deutschen Kohlenbezug aus diesem Gebiet noch mehr erschwerten, Die Reparationskommission ermäßigte aber ihr Kohlenprogramm aus politischen Rücksichten nicht offiziell, sondern nur indirekt, nämlich so, daß sie einen Teil davon, 1700000 Tonnen, als besonders dringlich bezeichnete, während sie auf die Lieferung des Restes stillschweigend verzichtete. Die deutschen Lieferungen hielten sich von da ab immer etwas unter der als dring- lich angeforderten Menge, ohne daß, von Einzelfällen abgesehen, die Reparationskommission Klage darüber führte. Und doch sollten später gerade die Fehlbeträge der Kohlenlieferungen als Grund für die Ruhrbesetzung herangezogen werden, Die Einberufung der in Spa beschlossenen Konferenz von Genf verzögerte sich, Lloyd George drängte, Frankreich wich aus. Im November 1920 beschloß der Oberste Rat, die Reparationsfrage zu- nächst durch eine Besprechung von Sachverständigen der Alliierten mit deutschen Sachverständigen vorzubereiten, Zum Ort der Zu- sammenkunft wurde Brüssel bestimmt. Man blieb also bei der einmal versuchten Taktik, das Problem außerhalb der Reparations- kommission lösen zu wollen. Der Eingriff in die Rechte der Kom- mission wurde aber diesmal dadurch gemildert, daß die alliierten Mächte, mit Ausnahme von Frankreich, ihre Vertreter in der Repa- rationskommission als Sachverständige nach Brüssel entsandten, Das offizielle Programm der Konferenz bestand darin, von der deutschen Regierung über die finanziellen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Reichs erschöpfende und authentische Auskunft zu erlangen und Mittel und Wege zu besprechen, mit denen man einer Lösung des Reparationsproblems näher kommen könne. Die Höhe der Schuld selbst sollte nicht erörtert werden, auch wurde ein bestimmtes Angebot von Deutschland nicht erwartet. 69