nicht eine Gegenleistung in Form von erheblichen Zahlungen er- hielt, so mußte Deutschland, wenn es überhaupt noch praktisch Reparationspolitik treiben wollte, den Boden seiner letzten Note vom 14. November erheblich erweitern. Trotz der bitteren Ent- täuschungen, die die deutsche Regierung mit ihren Vorschlägen bisher erlebt hatte, entschloß sie sich doch dazu, ein neues An- gebot an die Alliierten zu machen, Auch Deutschland hatte soeben seine Regierung gewechselt, Die durch innere und äußere Schwierigkeiten vollständig erschöpfte Regierung Wirth war gefallen. Sie wurde durch das Kabinett Cuno ersetzt, in welchem Hermes Finanzminister blieb. Dr. Cuno brachte aus seiner bisherigen Stellung als Generaldirektor der Hamburg - Amerika Linie weitreichende Beziehungen mit, vor allem zu amerikanischen Finanzkreisen, Hermes war durch seine erfolgreichen Pariser Verhandlungen vom Mai 1922 bekannt. Er genoß bei den Alliierten Achtung und Vertrauen. Mit voller Tat- kraft und frischem Entschluß trat das Kabinett an seine schwierige außenpolitische Aufgabe heran, In seinem Eifer, die Reparation durch eigene Vorschläge zu fördern, ließ es sich durch Warnungen von keiner Seite irre machen, Leider aber mußten alle Kenner der Reparation und der französischen Regierung befürchten, daß jeder Vorschlag, den Deutschland machen würde, ganz gleich- gültig, ob er vernünftig oder unvernünftig war, zwecklos sein müsse. Poincare würde ihn schon deshalb ablehnen, weil er eben von Deutschland kam. Bei dem Uebergewicht der politischen Macht Frankreichs war keine Aussicht dafür, Frankreich in der Reparationsfrage umzustimmen oder zu überstimmen. Wollte man einen deutschen Vorschlag mit Aussicht auf Erfolg machen, so durfte man ihn nicht auf einer Konferenz vorlegen, wo er sofort nach seiner Verlesung zurückgewiesen worden wäre, sondern man mußte ihn erst mit Sachverständigen der Alliierten, am besten mit Mitgliedern der Reparationskommission, sorgfältig vorbesprechen, Der einfachste Weg wäre sicherlich gewesen, unmittelbar an Sachverständige der französischen Regierung heranzutreten, Aber dieser Weg, der früher offenstand und auch begangen wurde, war seit der Konferenz von Genua und dem Zwischenfall von Rapallo a 19%