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        <title>Der Weg der Reparation</title>
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            <surname>Bergmann</surname>
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      <div>Dr. Rathenau, der den Entwurf zur Rede des Reichskanzlers 
geliefert hatte, unterstrich sie noch in eigenen Darlegungen. Er 
führte den Umschwung der internationalen Lage auf den Re- 
gierungsantritt Poincares zurück, der den Kampf gegen England 
mit großem Erfolg auf allen Schauplätzen der Politik aufgenommen 
habe, Deutschland gegenüber habe sich das Vordrängen der fran- 
zösischen Politik in einem Hagel von Noten gezeigt, die von 
den interalliierten Militärkommissionen auf Deutschland nieder- 
geprasselt seien. Er habe zählen lassen, daß er im Laufe von zwei 
Monaten 100 Noten dieser Kommissionen zur Beantwortung be- 
kommen habe, Man könne sich denken, daß es nahezu einer 
Lahmlegung der Behörden gleichkomme, wenn sie gezwungen 
seien, täglich und nächtlich an der Beantwortung dieser Schrift- 
stücke zu arbeiten, Es liege etwas Tragisches darin, daß die 
gegenwärtig stärkste Militärmacht der Welt, daß Frankreich in 
seinem ganzen Tun und Handeln durch die Besorgnis vor einem 
deutschen Angriff bestimmt werde, vor einem Angriff eines voll- 
kommen entwaffneten Landes, das kaum so viel Soldaten auf- 
bringe, um seine innere Ruhe zu erhalten, 
Daß die deutsche Regierung mit diesen Reden den begeisterten 
Beifall der großen Mehrheit des Reichstages erwarb, war klar. 
Ebenso klar aber war es auch, daß sie sich damit gegenüber der 
Reparationskommission öffentlich auf eine schroff ablehnende 
Haltung festgelegt hatte. Aus den beiden Trägern der Erfüllungs- 
politik, Rathenau und Wirth, waren Männer geworden, die der 
Kommission offene Fehde ansagten. Wie ist dieser Wandel zu 
erklären? Einen Grund hatte Dr. Rathenau schon in seiner Rede 
angedeutet: die fortgesetzte Verärgerung und die wachsende Ver- 
bitterung der deutschen Regierung durch die in Deutschland 
tätigen Militärkommissionen der Alliierten, Schon der Vorgänger 
von Rathenau als deutscher Außenminister, Dr. Rosen, war unter 
den täglichen Reibungen mit dem Chef der Kontrollkommission in 
Berlin zusammengebrochen. Wenn ein Minister fast täglich einen 
großen Teil seiner Zeit zur Beilegung der Scherereien opfern muß, 
welche eine übelwollende fremde Militärbehörde macht, um den 
Nachweis ihrer Existenzberechtigung zu führen, so wird es ihm 
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