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        <title>Die Lagerstätten von Wolfram, Zinn und Molybdän in Russland</title>
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            <forname>Leo von</forname>
            <surname>Zur Mühlen</surname>
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        </author>
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            <idno>1725947455</idno>
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        9Oiteuraona-Anftitut in Breslau
DIE LAGERSTÄTTEN VON
WOLFRAM, ZINN UND
MOLYBDAN IN RUSSLAND
VON
Dr. L.VON ZUR MÜHLEN
GEOLOGEN AN DER PREUSS. GEOLOG. LANDESANSTALT
PRIVATDOZENTEN AN DER BERGBAUABTEILUNG DER
TECHNISCHEN HOCHSCHULE ZU CHARLOTTENBURG
MIT 13 TEXTFIGUREN
Stuttgart 1926
€, Schlueizerbar:’fihe Derlagsbuchhandlung
(Erbin Mägele) 6. m. D. DB.
        <pb n="2" />
        Veröffentlichungen des
®
Osteuropa-Instituts
in Breslau
Neue Sandstraße 18
*
Quellen und Studien
Vorträge und Aufsätze
Osteuropäische Bibliographie
Das heutige Russland
Sammlungen von wissenschaftlichen und allgemein verständlichen
 Schriften über Osteuropa. * Abteilungen für:
Recht und Wirtschaft * Bergbau und Hüttenkunde
Geographie und Landeskunde
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G. m. b. H., in Stuttgart
Seit 1833
Neues Jahrbuch
für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
Unter Mitwirkung einer Anzahl von Fachgenossen herausgegeben von
R. Brauns E. Kaiser E. Hennig J.F.Pompeckj O. Weigel
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Abteilung A und B. Jährlich je zwei Bände zu je 3 Heften
Außerdem erschienen: Beilageband I—LII
Seit Mai 1900
Centralblatt
für Mineralogie, Geologie und Paläontologie
Herausgegeben von
R.Brauns E.Kaiser E. Hennig J.F. Pompeckj O. Weigel
in Bonn &amp;amp;.Rh. in München in Tübingen in Berlin in Marburg a.L.
Abteilung A und B_— Monatlich je 1 Nummer
        <pb n="3" />
        O©fteuropa-Anftitut in Bregianu
QUELLEN UND STUDIEN
A DRFFFE ABTEILUNG
BERGBAU UND HÜTTENKUNDE
NEUE FOLGE / HEFT 1
DIE LAGERSTÄTTEN VON WOLFRAM,
ZINN UND MOLYBDÄN IN RUSSLAND
Dr. L. VON ZUR MÜHLEN
Ge) |
Stuttgart 1926
€, Schweizerbart {che Derlagshuchhandlung
(Ertein MNägele) SG. m. DB.

JON
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        Ofteurapa-Anftitut in Breslau
DIE LAGERSTÄTTEN VON
WOLFRAM, ZINN UND
MOLYBDAN IN RUSSLAND
VON
Dr. L. VON ZUR/MÜHLEN
GEOLOGEN AN DER PREUSS. GEOLOG. LANDESANSTALT
PRIVATDOZENTEN AN DER BERGBAUABTEILUNG DER
TECHNISCHEN HOCHSCHULE ZU CHARLOTTENBURG
MIT 13 TEXTFIGUREN
CO fi
Stuttgart 1926
€, Schweizerbart’{he Derlagsbuchhandlung
(Erwin Mägele) SG. m, &amp;amp;. B.
        <pb n="5" />
        Alle Rechte,
einschließlich des Übersetzungsrechtes,
vorbehalten
Printed in Germany
— Carl Grüninger Nachf. Ernft Klett, Stuttgart.
        <pb n="6" />
        DEM ANDENKEN
AN
Dr. J. W.-SAMOJLOFF
WEILAND PROFESSOR
DER MINERALOGIE AN DER UNIVERSITÄT
UND LANDWIRTSCHAFTLICHEN HOCH-SCHULE
 ZU MOSKAU
GEWIDMET

n
        <pb n="7" />
        Inhaltsverzeichnis
Seite
Einleitung‘. = . Pe U A1-— 3
Verwendung, Vorkommen und Gewinnung von
Wolfram nd ME A EEE
RußlandsWolframlagerstätten ru HH A7—62
I. Die Wolframlagerstätten von Bojevka im Ural . .... 7—10
II. Die Wolframlagerstätte‘ in der Kirgisensteppe ... . , 10—11
III. Die Wolframlagerstätten des Kalba-Gebirges und Altai ‚ 11—14
1. Die Lagerstätten des Kalba-Gebirges: .... ... . 11—12
2. Die Lagerstätte des Altalı" 1. LK Dal a NT al We
Die Wolframlagerstätte im Amurgebiet ... 4.0 + ld-—15
Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes . . . . 15—62
L. Allgemeiner orographischer und geologischer Überblick 15—18
2, Die Lagerstätte des Serlovaja Gora ........ . 18—23
3.4Die Lagerstätte von Charanor. 4 N ve TO
“EDie Lagerstätten des Kukulbei; . . . Ye. 4 0044
A. Die Lagerstätten des nördlichen Kukulbei . . . . . 28—38
a) Die Gänge am Südende des Oldandamassivs . . 29—35
b) Die Gänge des Antonova Gora ..”.”. "0. 835—38
B. Die Lagerstätten des Granitmassivs von Byrka-Soktui 38—44
a) Die Gänge von Tutchaltui. .° . 7 ++ 3840
b) Die Gänge von Togotui: .. le ek a 0 — 41
c) Die Gänge von Antan und Oroca... . A d2—44
5. Die Lagerstätten des Granitmassives von Turga und Unda . 44—50
a) Die Gänge des Berges Bukuka . .. 414 -+ + ee 10— 49
b) Die Gänge des Berges Belucha .. 4 5. 49—50
6. Die Lagerstätten nördlich der Bukukagruppe . . . . . 50—51
7. Die Lagerstätten östlich der Bukukagruppe .... . 51—52
8. Die Lagerstätten westlich des Kukulbei und der Bukukagruppe‘...
 Ma  52-—583
9, Genetische Übersicht der transbaikalischen Wolfram-Zinn-PIOViNZ.
 u. ARE TS „. . 53—62
Die wirtschaftliche Bedeutung des Wolframbergbaues
 für Deutschland und dieStellung
derrussischen Lagerstätten Ce +0 e Lee u 03-67
Literaturverzeichnis 1 ee HIN Amin ae EOS 70
RußlandsZinnlagerstätten:. . . er ee en 0— 81
(. Die Zinnlagerstätten des Transbaikalgebietes ... . .. . . 70—77
1. Die Lagerstätte von Onon oder Pervonatal’ny Priisk , 70—73
2. Die Lagerstätte von Malaja Kulinda‘.../. 7. ur E17
3. Die Lagerstätte von Niznij Saronaj 4. 77
4. Die Lagerstätte an der Zavitaja . 2. re A 77
Il. SZinnsteingänge im: Kalbagebirge HR We 1 W8—19
Ill. 3 Sonstige Zinhvorkommen;. 4 2 wm H LH em al Ta Tee le 79
Wirtschaftlicher. Rückblick LT Aa a a sk ea 80
Literaturverzeichnis ;... 1 a 80—81
Verwendung, Vorkommen und Gewinnung von
Molybdän. . em Sn nn „4... 82—83
        <pb n="8" />
        Seite
Rußlands Molybdänlagerstätten: 1... 33-299
I. Molybdänlagerstätten im Transbaikalgebiet ...... . 83—88
1. ‘Die Tagerstätte von Cutaj ı.. A 2 2883-237
2. Molybdän aus dem übrigen Transbaikalgebiet . . . . 87—88
II. Molybdänlagerstätten in der Ussuri-Provinz des Fernen Ostens 88
III. Sonstige Molybdänvorkommen Rußlands ......... 88—89
Die wirtschaftliche Bedeutungder Molybdänlagerstätten
 und dieStellungderrussischen
DAB CETSTALtEN A 9-99
Literaturverzeichnis La „= ,. 90—91
Transkriptionen
Transkription Russisch Aussprache
&amp;amp; KR ij (wie im franz. je)
; 3 5 (weich)
a i (nach Vokalen)
X zZ
&amp;lt; tsch
E m sch.
56 u schtsch.
5 bl gutturales i
, . weiches Zeichen
fortgelassen hartes Zeichen
ja A ja
ju PD ju
V ; wW
Alle übrigen Buchstaben entsprechen mehr oder weniger den deutschen
Buchstaben.
Russische Gewichte Russische Längenmasse
1 Pud = 16,38 kg 1 Werst = 1,06 km
Pfund = 40952 1 Faden = 2 13.
L Lot = 12,7 g i Fuß = 0,304 m
| Zolotnik= 423g 1 Zoll = 2,5 cm
1 Doli = 44,4 mg ı Arschin = 0,71 m
ı Werschok = 4,4 cm
Russische Flächenmasse Russische Raummasse
' Quadr.-Werst = 1,13 Quadr.-km 1 Kubik-Faden = 9,71 cbm
„ -Faden = 4,55 MA » -Fuß = 0,28 cbm
„: -Fuß = 10,09 a |  ,  -Zoll = 16,38 ccm
Y „ \ (CZoll =— 06,45 » -cmil „ -Arschin = 0,35 cbm
L „. -Arschin = 0,50 „m A „  -Werschok = 37,81 ccm
1 „ -Werschok = 10,75 Cm
        <pb n="9" />
        Einleitung
Die letzten zehn Jahre bilden einen bedeutenden Abschnitt
in der wissenschaftlichen Erforschung der russischen Lagerstätten.
 Nicht nur wurde in dieser von den Kriegserfordernmssen
beeinflußten Zeit eine Unmenge neuer Vorkommen nutzbarer
Minerale aufgefunden und der Wirtschaft erschlossen, sondern
es fällt in diese Periode auch eine systematische Bearbeitung
und Sichtung des bisher in zahllosen Einzelarbeiten verstreuten
Materials, als deren Resultat uns eine Reihe wertvoller, zusammenfassender
 Abhandlungen und Monographien über die verschiedensten
 russischen Lagerstättengruppen und Gebiete vorliegt,
mit einer unendlichen Fülle wertvoller Einzelheiten. Leider
sind all diese Publikationen ausschließlich in russischer Sprache
niedergeschrieben und somit der Allgemeinheit in Westeuropa
unzugänglich.
Über die russischen Wolfram- und Molybdänerzvorkommen
ermangelte es in der deutschen Literatur jeglicher Hinweise
und so lag es im Interesse der Sache, hierüber eine kurze Übersicht
 zu geben, insbesondere da in den letzten Jahren mit der
stetigen Vervollkommnung der Stahlindustrie eine erhöhte Nachfrage
 nach diesen Erzen unverkennbar war. Mit Freuden hat
sich der Verf. auf die Aufforderung des Osteuropa-Institutes
in Breslau an die Arbeit gemacht, in der Hoffnung, hiermit der
deutschen Lagerstättenkunde und Wirtschaft Anhaltspunkte über
etwaige Neuigkeiten bieten zu können. Der Arbeit dienten als
Grundlage ausgezeichnete, von modernen Auffassungen getragene
russische Abhandlungen, namentlich über wichtige Teile Sibiriens,
um dessen neuere Durchforschung sich das Geologische
Komitee und W. Obrußtev in erster Linie verdient gemacht
 haben.
Zusammenfassende Abhandlungen über die Lagerstätten von
Wolfram-, Zinn- und Molybdänerzen in Rußland lagen bereits in rTussischer
 Sprache vor, so von SuS&amp;amp;inskij und Meister,
über die Wolframlagerstätten, doch waren sie, namentlich
Quellen u. Studien. III. Abt. N. F. Heft 1: L. v. zur Mühlen, Lagerstätten von Wolfram etc. 1
        <pb n="10" />
        2 Einleitung —
was die Abhandlung jenes Autors anbetrifft, durch die neueren
Forschungen überholt und trugen eigentlich mehr den russischen
Interessenten Rechnung, wogegen vieles von auswärtigen Gesichtspunkten
 Interessante nur eine kurze Betrachtung erfahren
hatte. Es kommt hinzu, daß die diesbezüglichen Lagerstättengebiete
 Ostsibiriens damals noch in Untersuchung standen und erst
nach derem Abschluß ein, wenn auch nicht endgültiges, .so doch
wenigstens in großen Zügen richtiges Bild über ihre Bedeutung zu gewinnen
 war. Hier sind es zwei Forscher, Tetjaev und Doktorovi&amp;amp;-Grebnickij,
 die den Grundstein zur Klärung der dortigen Lagerstättenprovinz
 geliefert haben und auf deren Arbeiten sich die
folgenden Ausführungen über die betreffenden Gebiete stützen.
Die Arbeit, die im wesentlichen einen referierenden Charakter
besitzt, wird in der Hauptsache den geologisch-lagerstättenkundlichen
 Gesichtspunkten gerecht, wogegen der technischbergbauliche
 Teil nur kurz gestreift werden kann. Dagegen wird
den wirtschaftlichen Fragen mehr Beachtung geschenkt. Heute
liegen ja alle die genannte Rohstoffe fördernden Unternehmungen
still und bei ihrer hoffentlich von natürlichen, von normal wirtschaftlichen
 Gesichtspunkten geleiteten Wiederaufnahme werden
in technisch-organisatorischer Beziehung zweifelsohne veränderte
Grundlagen ©obwalten.
Die Literaturnachweise sind möglichst ausführlich gehalten,
doch mußte hierin eine gewisse Sichtung vorgenommen werden
und konnten manche ältere Arbeiten keine Berücksichtigung
finden. Sie sind aus verschiedenen russischen Arbeiten zu ersehen,
auf die stets im Verzeichnis hingewiesen worden ist.
Bei den Transkriptionen russischer Namen sind die von der
russischen Akademie der Wissenschaften aufgestellten Grundsätze
zur Anwendung gebracht worden, mit Ausnahme einzelner weniger
Autorennamen, bei denen an der von ihnen selbst aus ihren Arbeiten
zu ersehenden Schreibweise festgehalten werden mußte. Die
russischen Maße wurden in den meisten Fällen in die in Westeuropa
 gebräuchlichen metrischen übertragen, ausgenommen dreier
schwer zu verrechnender, aus den russischen Arbeiten entnommener
Tabellen.
Die russische Literatur war mir in der Bibliothek der Geologischen
 Landesanstalt zugänglich. Fehlende Bücher stellte mir
        <pb n="11" />
        — Einleitung &amp;amp;
das Osteuropa-Institut aus seiner reichhaltigen Bücherei bereıtwilligst
 zur Verfügung, auch befinde ich mich im persönlichen
Besitze verschiedener, sehr wertvoller, in Deutschland nicht zu
beschaffender Arbeiten, die mir durch das stets liebenswürdige,
hilfsbereite Entgegenkommen des während des Druckes der Arbeit
unerwartet heimgegangenen Prof. Dr. J. Samojloff zur Verfügung
 stehen und dem ich dafür warmen Dank schulde.
Charlottenburg, März 1925.
        <pb n="12" />
        4 Verwendung, Vorkommen und Gewinnung von Wolfram
Verwendung,
Vorkommen und Gewinnung von Wolfram
Der Wolframbergbau steht im engsten Zusammenhang mit
der Eisenhütten- und Stahlindustrie, mit deren Entwicklung er
vollkommen Schritt hält. Wohl 85 % des geförderten Erzes
werden von diesem Industriezweige verschlungen, während die
restlichen 15 % auf die Elektrotechnik, Metallurgie und Farbherstellung
 entfallen. Als schwerst schmelzbares Metall (3267° C)
erhöht es die Dehnung und KElastizitätsgrenze im Stahl, so daß
es vornehmlich als Zusatzmittel zur Herstellung höherer Spezialwolframstahlsorten
 Verwendung findet, namentlich solcher von
besonderer Härte und Dehnbarkeit. Angeblich soll der erhärtende
Einfluß auch teilweise dadurch bedingt sein, daß das Wolfram
chemische Verbindungen mit den schädlichen Beimengungen von
Schwefel, Phosphor und Arsen eingeht, deren Einfluß durch ihn
neutralisiert werden.
Wolframdraht kann in außerordentlich feine hochwertige
Fäden ausgezogen werden, mit ungeheurem Dehnbarkeitskoeffizient
gegen Zerreißung, etwa 427 kg/mm?, wogegen der der besten
reinen Stahlsorten nur 80—90 kg/mm? ausmacht. Ein Zusatz
von 4—12 % Wolfram zu gewöhnlichem Stahl gestattet unter
Beibehaltung der erzielten Härte ein Anglühen bis zu 400%, was
die Legierung besonders geeignet zur Herstellung schneidender,
sich durch die starke Reibung selbsttätig in den Glühzustand
versetzender Werkzeugmaschinen erscheinen läßt. Bei weiterem
Zusatz erhöht sich diese Eigenschaft, so daß mit 25 % Wolfram
eine Wolframstahlart geschaffen werden kann, die Rotglut bis zu
600°C verträgt und deren Härte das Schneiden gewöhnlicher
Stahlsorten gestattet. Diesen Eigenschaften zufolge hat das
Wolfram viel Verwendung in der Rüstungsindustrie gefunden,
vornehmlich bei der Herstellung von Panzerplatten, widerstandsfähigen
 Geschossen, Gewehrläufen und dergleichen. Hier genügte
gewöhnlich ein Zusatz von 0,6—2,5 %.
        <pb n="13" />
        = Verwendung, Vorkommen und Gewinnung von Wolfram "e
In der Elektrotechnik bedient man sich des Metalles zur
Fabrikation von elektrischen Lampen, Kontakten, Röntgenröhren
und verschiedenen weiteren Apparaturen. Auch bei Magneten,
Laboratoriumsgefäßen, Legierungen in der Metallurgie und in der
Farbstoffindustrie findet es Anwendung, doch genügen in all
diesen Fällen relativ geringe Mengen dieses technisch wertvollen
Metalls; es reicht z. B. bei der Herstellung von 100 000 000 elektrischen
 Lampen eine Tonne 70 %igen Wolframs aus.
Das Wolfram kommt nie im gediegenen Zustande vor, sondern
nur in Gestalt von Eisen- und Manganwolframat, dem Wolframit
und dem Scheelit (Ca W O4), einem Calciumwolframat. Diese
Erze enthalten zwischen 50—75 % Wolframoxyd. Beim Wolframit
 (m Fe W O0, +n Mn W O,) schwankt der Eisen- und Mangangehalt
 beträchtlich. Im allgemeinen gehören die Endglieder
der Reihe, der reine Hübnerit (Mn W Os) und reine Ferberit
(Fe W Os), zu den Seltenheiten, zumeist sind in der Natur die stark
schwankenden Bindeglieder vertreten. Wohl 95 % der geförderten
 Wolframerze entfallen auf diese Mineralien und nur die
restlichen 5 % der Weltausbeute werden durch den Scheelit
gedeckt.
Geologisch sind die abbauwürdigen Wolframerze an Gänge
und Seifen gebunden, vorherrschend saure Eruptivgesteine, zumeist
 Granite oder deren nächste Verwandte. Die Gangart besteht
gewöhnlich aus Quarz; häufig ist eine Vergesellschaftung mit
Zinnerzen, doch kann diese auch fehlen. Nicht selten gibt es
Übergänge zu den sulfidischen Erzgängen. Sekundäre Umlagerungen
 des ursprünglichen Metallgehaltes hat man nirgends
beobachtet, auch sind diese infolge der außerordentlich schweren
Löslichkeit der Erze nicht zu erwarten. Hierin liegt auch die
Entstehungsbedingung vieler eluvialer Seifen, die aus der Zerstörung
 primärer Lagerstätten hervorgegangen sind. Reiche
Wolframvorkommen zählen zu den Seltenheiten. Gewöhnlich
baut man auf geringprozentigen Lagerstätten, nicht selten sogar
auf solchen mit nur 0,5 % Wolframit.
Gelegentlich sind die Erze in derartigen Mengen angereichert,
daß Handscheidung möglich ist. In den meisten Fällen bedürfen
sie nach der Förderung einer Aufbereitung, um ein Handelserz
von ungefähr 60 % W O3 herzustellen. Die verschiedenen Auf-
        <pb n="14" />
        5 Verwendung, Vorkommen und Gewinnung von Wolfram —
bereitungsverfahren genügen heute bereits den technischen Anforderungen;
 sie ändern sich nach dem Erzgehalt des Ganges,
der Art des Erzes und den bei der Förderung erzielten jeweiligen
Nebenprodukten. In einfachen Fällen begnügt man sich mit
Waschen, zumeist kommen Komplikationen hinzu und dann muß
zu technisch langwierigeren Verfahren gegriffen werden. Der
erste Fall genügt bei grobspätigen, von sulfidischen Nebenerzbeimengungen
 nicht verunreinigten Wolframerzen, hingegen muß
bei der Anwesenheit von Zinn, Kupfer, Blei, Zink, Wismut; Arsen
und Molybdän das Erz geröstet und nachträglich magnetisch
angereichert werden. Schwieriger gestaltet es sich bei in der
Gangart feinverteilten Erzgemengen, wo der Röstung und magnetischen
 Aufbereitung noch Konzentration durch Setzmaschinen
und Schüttelherde (Frue Vanner) vorhergehen muß. Die Verhüttung
 der Erze bereitet keinerlei besondere Schwierigkeiten.
Sie führt zur Herstellung von reinem Wolframmetall mit ungefähr
96—99,5 % W, ausschließlich in Form von Wolframpulver. Nach
einem anderen Verfahren stellt man auch kompakten geschmolzenen
 Wolfram her und zwar in Gestalt von Wolframeisen oder
Ferrowolfram, mit 80 % W und 20 % Fe. Das vorherrschend
auf den Markt gelangende Wolframpulver enthält als Verunreinigungen
 Kohlenstoff und Sauerstoff.
Die Wolframgewinnung ist noch jung, sie fällt erst in die
letzte Zeit der Stahlindustrieblüte. Früher galt Wolfram für ein
seltenes Metall, mit der steigenden Nachfrage entdeckte und
erschürfte man immer neue Lagerstätten und heute besteht
bereits ein weitverbreiteter, gut eingerichteter Bergbau. In
Europa erzielte eigentlich nur Portugal eine nennenswerte Förderung,
 sonst entfiel die Hauptausbeute auf die Vereinigten
Staaten und Asien, namentlich Indien und China. In den letzten
Jahren hat dieser Staat die Führung an sich gerissen und steht
mit der halben Weltproduktion an erster Stelle. Die Unregelmäßigkeit
 der Wolframitgänge bedingt eine ständige Verschiebung
und einen Wechsel der Hauptproduktionsländer und so kann
damit gerechnet werden, daß nach Abbau der reichsten Vorkommen
 sich das Schwergewicht nach einem neuen Zentrum
verlegt. Es ist deswegen geboten, nach neuen Vorkommen auszuschauen,
 namentlich für Deutschland, wo die hochentwickelte
        <pb n="15" />
        — Verwendung, Vorkommen und Gewinnung von Wolfram 7
Schwerindustrie zu den besten Abnehmern des Erzes zählt. Rußlands,
 insbesondere Russisch-Asiens Bodenschätze gelten als noch
wenig erforscht, und gerade hier sind, dem geologischen Aufbau
weiter Gebiete entsprechend, Wolframlagerstätten zu erwarten,
Die Kriegszeit mit der erhöhten Nachfrage metallischer Rohstoffe
gab eine Bestätigung dieser Vermutung: und die von privater
Hand und vom Staate ausgeführten Schurfarbeiten haben eine
größere Menge dieser Lagerstätten erschlossen, bei deren weiteren
Erschließung die Weltwirtschaft vielleicht um ein neues und
wichtiges Wolframproduktionsgebiet bereichert werden wird.
Russlands Wolframlagerstätten.
I. Die Wolframlagerstätte Bojevka im Ural.
Das einzige bekannte Wolframerzvorkommen des europäischen
Rußlands liegt im Ural, im Kreise KamySlov des Gouvernements
 Perm. Die Lagerstätte liegt etwa 1%—2 km nordwestlich
 des Dorfes Bojevka am Bache Bagarjak und zwar beißen
die Erzgänge zu beiden Seiten des Flüßchens aus, vorherrschend
jedoch am linken Ufer am Gora Serebrjannaja (Silberner Berg).
Am geologischen Aufbau des eigentlichen Erzfeldes sind nach
Zavarickij vorwiegend dunkle amphibolitische Gesteine
beteiligt, mit großen Hornblendekristallen in einer Grundmasse
von Quarz und Plagioklas. Kandykin rechnet diese Gesteine
 zu den Dioriten. Neben den Amphiboliten kennt man
noch von der eigentlichen Lagerstätte graue gneisähnliche kristalline
 Schiefer, in deren feinkörnigen, aus Quarz und Albit
bestehenden Masse große Chlorit- und Glimmerblättchen schwimmen.
 All diese Gesteine zeigen ein Streichen von 20°—25° NO
mit 45° Fallen gegen SO.
Die Erzführung beschränkt sich auf etwa 60 Quarzgänge,
von denen nach den bisherigen Ergebnissen nur 50 für einen
Abbau in Frage kommen. Alle zeigen sie eine 70° nordöstliche,
mit den Hauptklüften des Nebengesteins übereinstimmende
Streichrichtung. Ihre Mächtigkeit ist gering, im allgemeinen
beträgt sie etwa 15 cm. im Höchstfalle 22 cm, doch gibt es auch
geringere Ausmaße. Vielfach liegen die einzelnen Gänge ziemlich
dicht beieinander, durchschnittlich etwa 6—8 m. Die mittlere
        <pb n="16" />
        Bo Rußlands Wolframlagerstätten —
Länge wird nach vorsichtigen Schätzungen auf etwa 100 m veranschlagt,
 sie kann aber geringer sein, gelegentlich auch das ganze
Erzfeld durchmessen.
Zu beiden Seiten der ausschließlich aus Quarz bestehenden
Gangfüllung schließt sich ein Streifen des greisenartig veränderten
Nebengesteins (Fig. 1) an, im Ural Beresit genannt. Die Bıeite
dieser Zone schwankt, sie beträgt selten über % m. Eine scharfe
Grenze des Beresits gegenüber dem unveränderten Amphibolit
liegt nicht vor, vielmehr ist er mit diesem durch Übergänge verbunden.
 Er bildet ein feinkörniges graues Aggregat aus farblosem
 Glimmer und Quarz, mit Einsprenglingen von kubischen
Pyritkristallen. Daneben schließt er noch kleine violette Fluß-2,

1. Quarzgang. 3. Greisenzone,
2. Glimmerbeläge. 4. Amphibolit.
Fig. 1. (Nach Kandykin).
spatkristalle ein, sowie Wolframit und Arsenkies. Von dem
Gangquarz trennt ihn ein kaum zentimeterbreiter Streifen senkrecht
 zu den Salbändern angeordneter Zinnwalditkristalle, denen
noch 7—10 % violette und grünliche Flußspäte beigemengt sind
und die zusammen das Salband bilden.
Der Gangquarz ist massig, vielfach streifig angeordnet. Nicht
selten schließt er große Rauchquarzkristalle ein. Gelegentlich
setzt er aus, wobei die Glimmersalbänder allein zurückbleiben
und dann „Gangführer‘“ darstellen. Hierbei kann der Quarz,
bis zu 3—4 cm, durch Wolframit ersetzt werden, und dann die
schönsten flachen Erzstufen bilden.
An der Erzführung beteiligen sich vorherrschend Wolframit
und Scheelit und zwar soll nach den Angaben von Sedel’-SCikov
 dieser den Wolframit vielfach umschließen, doch
        <pb n="17" />
        I. Die Wolframlagerstätte Bojevka im Ural 9
treten beide Erze auch unabhängig von einander auf. Scheelit
in größeren Mengen wird nur von einem Gange beschrieben.
Stets finden sich die Wolframerze mehr nach den Salbändern zu
angereichert, wogegen die viel selteneren Sulfide, vorwiegend
Kupferkies und silberhaltiger Bleiglanz auf die Gangmitte beschränkt
 sind. Zu den sonstigen, allerdings seltenen Nebenmineralien
 gehören nach Su 8&amp;amp;inskij noch Beryll und Turmalin,
sowie etwas Gold. Hervorzuheben ist ferner, daß man gelegentlich
 auch Wolframocker beobachtet hat.
Das Haupterz, der Wolframit, zeigt nach Beck und Teich
folgende Zusammensetzung:
WW O3 A 76,01 0%
Mn O0) 8,59%
FeOß 14b- MVEG
CORE 17%
AgOR 0,20%
100,21 %
Im Glimmer des Salbandes waren nach einer spektroskopischen
Analyse noch Spuren von Cerium, Rubidium und Gallium enthalten.
Flußabwärts legen sich an die metamorphen Schiefer des Erzfeldes
 grüne Chlorit- und Ton-Chloritschiefer an, in denen Quarzgänge
 und Quarzlinsen auftreten. Eine Erzführung hat man
innerhalb dieser Gänge nirgends wahrgenommen.
Etwa 4 km südöstlich der Lagerstätte gehen Biotitgranite
zutage. Auch in ihnen finden sich ebenfalls NO-streichende
Quarzgänge mit Greisenbildung und Glimmersalbändern wie bei
Bojevka. Zavarickij erwähnt aus ihnen große Kristalle
von Flußspat und Beryll, desgleichen ist Gold bekannt. Die
Wolframführung scheint nach Kandykin gering zu sein.
Für einen genetischen Zusammenhang beider Vorkommen spricht
die analoge Gangausbildung. Die Lagerstätte von Bojevka enthält
 noch Seifen und zwar eluviale an den Hängen der Gangfelder
und alluviale im Tale des Bagarjak. Einige alluvlale Seifen liegen
unter 6—8 m Terassenablagerungen und bilden dort eine gegen
1 m mächtige erzführende Schicht, andere begecken in einer
Mächtigkeit von %—3% m den Uutergrund der Talsohle, wobei
bei ihnen die untere Hälfte erzführend ist. Die Mächtigkeit der
eluvialen Seifen wird auf 1 bis höchstens 2 m veranschlagt.
        <pb n="18" />
        10 Rußlands Wolf 'amlagerstätten —
Die Lagerstätte ist während des Krieges unter der Leitung von
KandykinundZavaricki j gründlich aufgeschlossen worden,
von denen auch die eingehendsten und übersichtlichsten Beschreibungen
 herrühren und die zuverlässige Angaben über
Erzgehalt und Vorräte geben. Für etwa 50 Gänge kann mit
einem durchschnittlichen W Os-Gehalt von 0,6—0,7 % gerechnet
werden, doch ist bei dieser Berechnung nur der Erzgehalt des
Ganges selbst verrechnet worden. Bei Einbeziehung des tauben,
mitzufördernden Nebengesteins dürfte er ungefähr zehnmal niedriger
 ausfallen. Der Gesamtvorrat aller 50 Gänge beträgt nach
Zavarickij bei einer mittleren Mächtigkeit von 9 cm, einer
Ganglänge von 110 m und einer Teufe von etwa 31 m (Wasserspiegel
 des Bagarjak) gegen 9000 Pud oder rund gerechnet 150 t
W Os... Unsicher ist der Vorrat der alluvialen Seifen, der auf
14 t WO, veranschlagt wird, während der Gehängeschutt etwa
8 t WO, enthalten dürtte.
In den Kriegsjahren hat der Staat dieser auf fiskalischem
Gelände gelegenen Lagerstätte größere Beachtung geschenkt.
Ob sich dieselbe unter normalen Verhältnissen als gewinnbringend
gestalten wird, bleibt der Zukunft vorbehalten. Als sehr reich
kann sie an der Hand der oben angeführten Angaben kaum gelten,
jedoch sollte man sie keineswegs aus dem Auge verlieren, da ihre
Erze der russischen Industrie zugute kommen könnten.
II. Die Wolframlagerstätte in der Kirgisensteppe.
Die einzige Wolframlagerstätte Westsibiriens liegt etwa 275 km
südlich Petropavlovsk im südöstlichen Teile des Kreises Koktetav
des Akmolinsker Gebietes. Sie ist erst im Jahre 1920 entdeckt und
1922 von Selichovkin beschrieben worden. Quer durch ihr Gebiet
verläuft der Karawanenweg Petropavlovsk—Akmolinsk (Akmola).
Am geologischen Aufbau der Gegend nehmen vorwiegend
gefaltete paläozoische Ton- und Kieselschiefer teil, mit Intrusionen
von granitischen, dioritischen und syenitischen Tiefengesteinen.
Das ganze, einer Steppenlandschaft angehörende Faltengebiet
ist durch spätere Erosion eingeebnet und bildet heute eine von
wenigen Bergen unterbrochene Niederung.
Die Erzführung beschränkt sich auf ein elliptisches, über
3 km breites Syenitmassiv, auf dem früher Goldbergbau betrieben
        <pb n="19" />
        nu Il. Die Wolframlagerstätte in der Kirgisensteppe 1.
wurde. Geographisch liegt der Fundpunkt etwa 9 km süd-südwestlich
 der Quelle Kozagul-Bulak am Salzsee Kurtu—Kul,
Das benachbarte zweite Massiv Östlich der Karawanenstraße
ist trotz eines identischen geologischen Aufbaues erzfrei.
Die Erzgänge finden sich im Syenit und benachbarten Schiefer.
Sie zeigen im Streichen, Aushalten, Fallen und in der Mächtigkeit
keine Gesetzmäßigkeit, was auch für die Erzführung zutrifft. Das
Ganggestein besteht aus Quarz, der an der Oberfläche zumeist
porös und stark ausgelaugt ist. Von Wolframerzen hat man
bisher nur Scheelit beobachtet, außerdem Gold, Schwefelkies,
Bleiglanz, Malachit und Pyrolusit. Quarz und andere Mineralbeläge
 kennzeichnen die Salbänder. Bisher konnten 10 Erzgänge
erschürft werden, von denen nur vier näher untersucht worden
sind. Bei ihnen schwankt die Mächtigkeit zwischen 15 und 50 cm;
das Einfallen ist z. T. flach, erreichte jedoch auch Steilstellung.
Über den prozentualen Erzgehalt liegen leider keinerlei Angaben
vor. Im allgemeinen soll dieser nach dem Inneren des Massivs
zunehmen, so z. B. im „mittleren“, vollkommen im Syenit verlaufenden
 Gang, der bei 2 dm Mächtigkeit eine ausschließlich aus
Scheelit gebildete 4 cm mächtige Erzlage einschloß. Sonst konnte
in der Erzverteilung keinerlei Gesetzmäßigkeit beobachtet werden.
Beachtenswert ist die eluviale Scheelitanreicherung in den aus der
Gesteinsverwitterung hervorgegangenen Deckschichten in der
Umgebung der Gänge.
Selichovkin vermutet, anscheinend durch die Arbeiten
Tetjaevs beeinflußt, nach der Teufe eine Verdrängung des
Scheelits durch den Wolframit. Diese in großen Zügen in der
Horizontalen für das Transbaikalgebiet zutreffende Gesetzmäßigkeit
 darf keinesfalls verallgemeinert werden, insbesondere nicht
für geologisch und lagerstättenkundlich ungenügend untersuchte
Gebiete. Vor Erbringung greifbarer Anhaltspunkte muß man sich
dieser Auffassung gegenüber äußerste Zurückhaltung auferlegen.
III. Die Wolframlagerstätten des Kalba-Gebirges
und des Altai.
1. Die Lagerstätten des Kalba-Gebirges.
Südlich Ust’kamenogorsk avf der linken Seite des Jrtysch im
sog. Kalba-Gebirge kennt man nach Kotul’s kij Anzeichen
        <pb n="20" />
        12 Rußlands Wolframlagerstätten 7
von Wolfram-Zinnlagerstätten. In der Zeit vor der russischen
Heıirschaft scheint dort ein, wenn auch primitiver Bergbau auf
Zinn betrieben worden zu sein, dessen Überreste aus heute noch
kenntlichen Stollen zu ersehen sind. Vielleicht hat dieses Gebiet
einen Teil des Rohmateriales der in der Gegend weitverbreiteten
prähistorischen Bronzen geliefert.
Die Lagerstätten liegen in metamorphen Schiefern,. in die
große Granitergüsse Stattgehabt haben. Jhr Zusammenhang
mit den Granitmassiven liegt auf der Hand, namentlich im südöstlichen
 Abschnitt des Erzfeldes, wo viel Pegmatitgänge mit
reichlichen pneumatolytischen Mineralien — Turmalin und Muskowit
 — zutage gehen. Mehr nach W verlieren sich diese und werden
ohne scharfen Übergang durch goldführende Quarzgänge ersetzt.
Von den hier bekannten Zinnvorkommen ist nur das vom
Flusse Tagoj noch durch Wolframerzführung und zwar nach
den bisherigen Ergebnissen in untergeordneten Mengen gekennzeichnet.
 Auf den alten Halden fand sich das Ganggestein, Quarz
mit Zinnstein und GClimmer. Das Wolframerz, der Scheelit konnte
bisher nur mikroskopisch in der Quarzmasse wahrgenommen
werden. Ebenso hat man unbedeutende Mengen von Erz, etwa
0,005 % durch einen Schurfgraben in den östlichen Teufen festgestellt,
 und zwar Scheelit und Zinnstein, wobei auf diesen 69 %
der gesamten Erzmasse entfielen. Eine praktische Bedeutung
kommt dieser Lagerstätte nicht zu. Nach neueren Angaben von
Tichonovic sollen weitere, im Kalbagebirge ausgeführte Schürfversuche
 ergebnislos verlaufen sein; nur in einem einzigen Falle
wurde cin Erzgehalt von 0,03 % WO3 und 0,072 % SnO, festgestellt.

2. Die Lagerstätte des Altai.
Das einzige Wolframvorkommen des Altai beschränkt sich
auf die ehemals auf Kupfer abgebaute, heute auflässige Kolyvanskij-Grube
 beim gleichnamigen Dorfe. Am geologischen Aufbau
 der Umgebung beteiligen sich vorwiegend Granite, aus denen
sich auch der die Lagerstätte einschließende Berg zusammensetzt,
und die z. T. porphyrische Struktur annehmen und lokal in basische
Diorite übergehen. Der Bergkamm besteht aus N—S streichenden
schiefrigen Quarzporphyren, von verschiedener, bis zu 200 m
betragender Mächtigkeit. Gegen die Peripherie verlieren sich
        <pb n="21" />
        — III. Die Wolframlagerstätten des Kalba-Gebirges und des Altai 13
die Druckerscheinungen und das Gestein nimmt eine normale
porphyrische Struktur an. Vermutlich sind unter diesen Porphyren
 Kotul’skijs die von Pilipenko von der Lagerstätte
 beschriebenen feinkörnigen hellen Granulite zu verstehen,
mit denen die Erzführung aufs engste verknüpft ist.
Die Erzgänge beschränken sich auf zwei von einander getrennte
 Zonen, zwischen die sich kontaktmetamorph beeinflußte
Schiefer einschalten. In dem nördlichen Abschnitt liegt die alte
auflässige Kupfergrube, umgeben von N—5S$ streichenden Quarzgängen.
 Im allgemeinen beträgt die Gangmächtigkeit kaum
über 0,6 m, wobei die Gänge bald auskeilen oder in dünne Nebengänge
 ausschwärmen, die sich allerdings wieder scharen können.
Eine Gesetzmäßigkeit liegt nirgends vor, so daß beim Abbau
mit Schwierigkeiten zu rechnen ist. Die Erzführung des südlichen
unerschlossenen Feldes zeigt ausschließlich Wolframit, zu dem
an den Salbändern sich der helle Glimmer einfindet. Im Nebengestein,
 dem Porphyre, tritt nach dem Salbande zu Granat auf.
Ähnlich ist die Gangbildung des nördlichen Grubenfeldes, nur
daß dort noch die Kupfererze hinzukommen. Nach der Teufe
scheinen die Gänge bald auszukeilen, jedenfalls zeigen die alten
Grubenrisse aus dem Ende des vorvorigen Jahrhunderts, daß
die Mächtigkeit nach der tieferen Sohle zusehends nachläßt, so
daß man damals bei 30 m unter Tage zur Einstellung des Abbaues
 gezwungen war. Über die Zahl der bekannten Gänge liegen
keinerlei Angaben vor. Die Länge soll im Streichen 20—30 m
betragen. Von den innerhalb des Bergwerks beobachteten Mineralien
 nennt Pilipenko: Kupferlasur, Almadin, Wolframit,
Scheelit, Halloysit, Kaolin, Quarz, Rotkupfererz, Cuprotungstit,
Turmalin, Brauneisen, Malachit, Muskovit, gediegen Kupfer,
Pyrit, Turmalin, Flußspat, Kupferglanz und Kupferkies.
An den Salbändern macht sich eine Greisenbildung bemerkbar,
 durch die die geschieferten Porphyre in ein feinkörniges
Quarz-Muskowit-Aggregat umgewandelt sind. Die Breite dieser
Zone ist gering, im allgemeinen beträgt sie 1—2 dm. Kaolinbildung
 kennt man nur aus dem oberen Abschnitt der
Grube.
Für die Lagerstätte bezeichnend sind die Bor-, Fluor- und
Wolframverbindungen, von denen sonst auf dem Altai nichts
        <pb n="22" />
        MM Rußlands Wolframlagerstätten —
bekannt ist. Auch die Greisenbildung spricht für pneumatolytische
Vorgänge, die hier, da z. T. Kupferbildungen vorliegen, mehr
nach den pneumato-hydatogenen hinneigen. Der Herd der
Erzbildung liegt anscheinend in den Graniten.
Der Wolframit, das Haupterz der Lagerstätte, zeichnet sich
auf dem nördlichen, von Kupferverbindungen durchsetzten Gangfelde
 durch höheren Mangangehalt aus, während beim südlichen
Felde der Eisengehalt vorwiegt. Folgende zwei von Kotul’ski j
wiedergegebene Analysen bestätigen dieses:
Nördliches Feld Südliches Feld
WO 75,06 %
Mit ek 008% 6,79 %
BE ET 12,69 %
Der Erzgehalt der Lagerstätte ist von Ko tul’skij durch
eine große Zahl von Schürfungen geprüft worden. Er betrug am
Ausbiß oberhalb der Grube 0,5—0,52 % W Os. Weiter südlich
beim alten Schurfgraben schwankte er an vier Gängen zwischen
0,6 und 2,8 % W Os, was im Durchschnitt etwa 12% WO;
ausmacht. Auch der Ausbiß des alten Kupferganges ergab 1 bis
2 % W Os. Noch höher war das Ergebnis vierer Schürfe auf den
alten Halden mit einem Durchschnitt von 2,22 % WO;
Weniger reich schien die Erzführung des südlichen Feldes,
mit 0,58 % WO; bei. einem 0,6 m mächtigen und 0,68 % bei
einem 0,5 m mächtigen Gang.
Die eben wiedergegebenen Ergebnisse bestätigen die von
Kotul’skij hervorgehobene praktische Bedeutung, dieser für
sibirische Verhältnisse geographisch erreichbaren Lagerstätte.
IV. Die Wolframlagerstätte im Amurgebiet.
Eine sehr schlecht erreichbare Wolframlagerstätte liegt an
der Chagra, einem linken Nebenfluß der SelemZda, die wiederum
zu den Nebenflüssen der Zeja gehört. In dieser weltverlassenen
Gegend des Amurgebietes wird ein reger Goldbergbau, hauptsächlich
 auf Seifen betrieben und hierbei ist man auf ein anscheinend
 reiches Scheelitvorkommen gestoßen. Der Fundpunkt
befindet sich an der Quelle der Dagaldyna, einem Seitenbache
der Chagra, an dessen Ufern kristalline Schiefer, vermutlich
Gneise, zutage gehen. Aus der Umgebung werden noch Granite,
        <pb n="23" />
        a IV. Die Wolframlagerstätte im Amurgebiet nn 15
Tonschiefer und Chloritschiefer erwähnt. Die Streichrichtung
der Schieferzone ist SO—NW (60°—72°).
Bisher hat man Erze sowohl in Seifen als auch in anstehenden
Gängen erschlossen, zumeist in Form von Scheelit. Die erzführenden
 Gänge verlaufen im Gneis, der in nächster Nähe der
Lagerstätte an die Chloritschiefer grenzt. Ihre Streichrichtung
ist bei 36—60° südlichem Einfallen südwestlich bezw. nordöstlich
(45°—70°). Alle flach einfallenden Gänge bis zu 36° haben sich
als taub herausgestellt, im Gegensatz zu den steilgestellten Gängen.
Bisher ist die Erzzone 3 km im Streichen verfolgt worden; über
ihre Breitenausdehnung liegen keine Anhaltspunkte vor.
Eine im Chemischen Laboratorium des Geologischen Komitees
ausgeführte Analyse ergab folgende Zusammensetzung:
W Orr 778,70. %
N 19,06%
Ma0O AT. 0,26 %
Fer On ZA 0,68 %
Si0, 20%
Die Analyse der Scheelitschliche ergab einen beträchtlichen,
bis zu 50 % ausmachenden Zinnsteingehalt und etwas Monazit.
Wirtschaftlich liegt die Lagerstätte wenig günstig, beträgt doch
die Entfernung bis Alexejevsk an der Amureisenbahn 650 km!
Die Wege sind im Herbst und Frühjahr teilweise unpassierbar,
anders im kalten schneereichen Winter, wo ein Schlittenverkehr
möglich ist. Bis Norsk verkehren im Sommer die Dampfer, bei
günstigen Wasserverhältnissen fahren sie sogar bis Stojba, von
wo aus die letzten 155 km reitend zurückzulegen sind. Vielleicht
wäre ein Abbau der Scheelitseifen im Zusammenhange mit den
Goldseifen denkbar. Die Lösung dieser Frage bleibt näheren
Untersuchungen vorbehalten.
V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes.
1. Allgemeiner orographischer und geologischer Überblick.
Zum wichtigsten Wolframbezirk Rußlands gehört das Onon-Borsja-Gebiet
 Transbaikaliens, das neben Wolframlagerstätten
noch durch Zinnführung einen Ruf genießt. Geographisch umfaßt
es einen weiten, südwestlich bis nordöstlich ausgedehnten Flächenraum,
 dessen NO-Flügel genauer bekannt ist, während über den
        <pb n="24" />
        16 Rußlands Wolframlagerstätten |
SW-Flügel, der anscheinend in die benachbarte Mongolei hinübergreift,
 nur dürftige und ungenügende Angaben vorliegen.
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 Fig. 2. ; 5
Der besser bekannte nordöstliche Bezirk zählt zu seinen Lagerstätten
 die im S gelegenen Vorkommen von Serlovaja Gora und
        <pb n="25" />
        . V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes nn 17
Charanor, das Zinnsteingebiet am Flusse Onon, die Wolframlagerstätten
 des gesamten Kukulbeigebirges und die ihm nördlich
vorgelagerten Gangbezirke von Bukuka und Belucha. In seinen
nördlichen und nordöstlichen Ausläufern reicht seine Erzführung
bis in das Gebiet der FlüsseUnda und Gazimur (vergl. Fig. 2).
Klimatisch gehört der südliche Abschnitt einer Steppenlandschaft
an, die nördlich der Turga und Borsja an den Nordhängen der
Bergkuppen Waldwuchs zeigt und allmählich in den richtigen
sibirischen Urwald, die Taiga, übergeht.
Der ganze Bezirk wird als eine durch Erosion etwas gegliederte
Hochebene aufgefaßt, die einzelne, deutlich ausgebildete Bergketten
 und Erhebungen überragen. Am geologischen Aufbau
nehmen vorwiegend gefaltete paläozoische Sedimente teil, deren
genauere Gliederung noch aussteht. Die mehr oder weniger metamorphen
 Gesteine, vorwiegend Schiefer, Konglomerate und Sandsteine,
 sind gefaltet und von Granitintrusionen durchsetzt, an
die die Erzführung gebunden ist. Gleichzeitig mit der Intrusion
ist eine kontaktmetamorphe Umwandlung der an die Granite
anschließenden Gesteine vor sich gegangen. Diese legen sich
als Ring von wechselnder Breite gürtelförmig um die durch die
Erosion freigelegten verschieden großen Granitmassive. Das
Alter der Faltung wird als „herzynisch“ angesprochen und fällt
somit in den Schluß der Karbonzeit. Gleichaltrig damit sollen
die Ergüsse der nur wenig verbreiteten Effusivgesteine Sein,
was für die Granite auch zutreffen mag.
Tektonisch ist die Gegend noch ungenügend untersucht, doch
kann bereits nach den heutigen Beobachtungen gesagt werden,
daß es sich um ein Faltungsgebiet handelt. Die einzelnen Falten
sind stets nach N überkippt und sprechen für einen südöstlichen
Tangentialschub. Hingegen hat man nirgends Anzeichendisjunktiver
 Vorgänge wahrnehmen können, auch fehlt das in der Gegend
früher vermutete Archaikum. Die jüngeren Sedimente gehören
dem Mesozikum, anscheinend Ober-Jura oder Unter-Kreide, an.
Sie haben an den tektonischen Bewegungen keinen Anteil genommen
 und stehen in ihrer Verbreitung hinter den übrigen
Gesteinen zurück.
Auffälligerweise ist die Wasserführung der Granite gegenüber
der der paläozoischen Schichten bedeutend reichlicher. Der
Quellen u. Studien. III. Abt. N. F. Heft 1: L. v. zur Mühlen, Lagerstätten von Wolfram etc. 2
        <pb n="26" />
        18° nn Rußlands Wolframlagerstätten 5
Grund hierfür liegt in der im allgemeinen ausgesprocheneren Undurchlässigkeit
 dieser und in der größeren Klüftigkeit der Granite,
infolge deren die Wasseransammlung in den Massiven begünstigt
wird. Namentlich am Kontakt beider Gesteinsarten macht sich
ein reichlicherer Wasserandrang bemerkbar.
Der weniger bekannte Südwestflügel des transbaikalischen
Wolframgebietes wird von der übrigen Zone durch das Zinnerzgebiet
 am Ononflusse und das Steppengebiet von Aginsk getrennt
und beschränkt sich nach den bisherigen Beobachtungen auf die
Alchanaiski-Bergketten. Der geologische Aufbau dieser Gegend
zeigt vollkommene Analogien mit dem nordöstlichen Gebiete.
Auch hier gehen mehr oder weniger metamorphe, gefaltete paläozoische
 Schiefer und Konglomerate zutage und werden von Granitintrusionen
 durchbrochen, durch die das anschließende Gestein
eine Kontaktmetamorphose erfahren hat.
2, Die Lagerstätte des Serlovaja-Gora.
Der Serlovaja-Gora (Fig.11.5.75) bildet ein kleines dreihügeliges
rundes, etwa 21% gkm Flächenraum einnehmendes Granitmassiv, an
dessem Südende früher ein reger Bergbau auf Aquamarine, Topase
und Rauchquarze betrieben wurde. Den Granit schließen sedimentäre
 Gesteine ein, hauptsächlich Schiefer, Sandsteine und
Konglomerate des tuffogenen Typus, mit Intrusionen eines Quarzporphyrs.
 Die Sedimente sind mit Annäherung an das Massiv
kontaktmetamorph in verschiedenartige Hornfelse umgewandelt.
Alle Schichten legen sich flach aufgewölbt an das Eruptivgestein
an, dessen apophysenartigen Ausläufer bis zu einem halben Kilometer
 in sie hineinragen.
Der Granit bildet ein mittelkörniges glimmerarmes Gestein,
das durch das Vorhandensein von dunklem Rauchquarz besonders
gekennzeichnet wird. Zu seinen Hauptmineralien gehören Quarz,
Orthoklas, saurer Plagioklas, seltener Biotit. Unverändertes
Gestein ist nur selten vorhanden, zumeist hat es unter Neubildung
von großen Feldspäten und Rauchquarzeinsprenglingen, die in
einem feinkörnigen Aggregat schwimmen, blastoporphyrische
Struktur angenommen. Aus den nachträglich veränderten Plagioklasen
 sind Quarz und heller Glimmer hervorgegangen. Orthoklas
        <pb n="27" />
        V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 19
und Rauchquarz gehören zu den weitverbreiteten Mineralien. Bezeichnend
 für diese sekundären Umwandlungsvorgänge ist ihre
Zunahme nach den Gängen hin, wobei mit Annäherung an dieselben
 die porphyrische Abart der Granite immer deutlicher in
Erscheinung tritt.
Für den Bergbau von Bedeutung sind die im Granitgestein
auftretenden, wenig beständigen Gänge. Ihre Gangausfüllung
zeigt eine gesetzmäßige symmetrische lagenförmige Aufeinanderfolge,
 die durch den Typus der „Chinesischen Grube“ vom Berge
KaramySev (Fig. 3) am besten gekennzeichnet wird. Die Mitte
besteht aus kleinen, bis zu 2 cm großen Topasen und Aquamarinen,
an die sich zu beiden Seiten je ein Streifen großer Topase und
Dr KR DT, 5452125375
1. Aquamarin-Topasgestein, i. Eisenrahm mit Topasen.
2. Erzzone., 2 Topasgestein.
3. Quarz-Topasgestein, 3. Erzzone.
4. Granit. 4. Quarz-Topasgestein.
5. Granit.
Fig. 3. (Nach Tetjaev.) Fig. 4. (Nach Tetjaev.)
Aquamarine, die sog. Erzzone anlegt, deren einzelne Mineralien
durch Eisenverbindungen zementiert und schwarzgefärbt sind.
Nun folgt beiderseits das bereits Granitstruktur aufweisende,
von Eisenoxyd dunkelbraun gefärbte Quarz-Topassalband, oder,
wie es von den Bergleuten genannt wird, der Topasfels, das Erze
einschließt und mit Annäherung an den Granit dichter wird
und vertaubt. Obgleich der Topasfels sich deutlich vom Nebengestein
 abhebt, ist er doch durch verschiedene Übergänge mit
demselben, d. h. dem gleichfalls sekundär gebildeten Granitporphyr
 verbunden, zu dessen weiter fortgeschrittenem Umwandlungsprodukt
 er zählt.
Eine etwas abweichende, ebenfalls typische Gangausfüllung
kennt man von einer Grube (Fig. 4) am Nordhang des Berges
Lukavaja. Die mittlere Zone besteht aus kleinen goldfarbenen
        <pb n="28" />
        30 Rußlands Wolframlagerstätten
Topasen und schließt einen KEisenoxydstreifen ein, in dem die
Topas am reinsten ausgebildet sind. An sie schmiegt sich beiderseits
 das durch Eisenoxyd schwarzgefärbte, z. T. große Kristalle
einschließende Topasgestein (die Erzzone) an, mit radialstrahligen
Nestern von Hämatit am Außenrand. Nun folgt ohne scharfen
Übergang das Quarz-Topas-Salband.
Auf diesen Gängen betrieb man bisher einen Abbau von Edelsteinen,
 vorherrschend auf ihren nesterförmigen Anschwellungen
von Aquamarin und Rauchquarz, wie z. B. an der Millionengrube,
 wo eine Rauchquarz- und zwei Aquamarinlinsen angefahren
 wurden.
Einzelne Edelsteingänge waren erzführend, namentlich in
der „Erzzone“, aber auch im Quarztopasgestein. Das Erz, der
Wolframit, bildete dort Drusen und Nester, fand sich aber auch
in vereinzelten Kristallen. Belangreiche Resultate erzielten einige
kleinere Gruben am Südwesthang des Zolotoj-otrog (Goldner
Ausläufer) unweit der Millionengrube, die Erz aus der Verwitterungsrinde
 des Bergabhanges förderten. Nach Ausbeutung dieses
Gehängeschuttes ist man auf zwei anstehende, in nordwestlicher
Richtung ausgezogene Erzlinsen gestoßen, auf denen man bis
zu ihrer Vertaubung in etwa 3—4 m Teufe Bergbau betrieben
hat. Die Erzkörper lagen innerhalb des porphyrischen Granits
im gangförmig auftretenden Quarztopasgestein. Bezeichnend ist
die mit den Gängen übereinstimmende und auch mit der
Klüftung des Granites zusammenfallende nordwestliche Streichtichtung
 dieser Linsen. Neben der genannten Hauptrichtung
streichen einige Gänge bei steilem, 60°—70° betragenden nordöstlichen
 Einfallen nördlich, während der dritte Typus flach
10°—15° einfällt und eine Südweststreichrichtung aufweist. Bisher
 hat man neun Gänge festgestellt, die alle im Streichen aushalten.
 Abgesehen von dem größeren Linsendurchmesser ist die
Mächtigkeit der eigentlichen Gänge unbedeutend. Sie kann
Zentimeter messen, manchmal auch 0,2 m betragen. Auch keilt
mancher Gang vollkommen aus, setzt allerdings nach einigen
Metern wieder auf. Die Hauptganganschwellungen beschränken
sich auf die Kreuzungsstelle zweier Gangspalten, woselbst die
bekannten schönen Minerale angereichert sind.
        <pb n="29" />
        nu Vi. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 1
Die Mineralzusammensetzung innerhalb des eigentlichen Ganges
ist unbeständig, sie wechselt im Fallen und Streichen. Kine
große Bedeutung für die Erzführung kommt den flach einfallenden
Gängen am Südhang zwischen dem Zolotoj-otrog und dem Berge
Melechinaja zu, wo der Einfallswinkel ungefähr mit dem Bergabhang
 zusammenfällt. Dor hat der frühere Edelsteinbergbau
einen derartigen Gang bei 4—6 m Teufe angefahren. Die alten
Halden dieser Grube ergaben einen W O;-Gehalt von 0,3 % und
Bi-Gehalt von 0,02—0,03 %. Derartig flach einfallende Gänge
verdecken am westlichen Abschnitt der Lagerstätte den Granit.
So ist es erklärlich, daß der ganze Abhang von Quarztopasgestein
eingenommen wird, dessen Verwitterungsprodukt zur Bildung
eluvialer Wolframit- und Wismutseifen geführt hat.
Lagerstättenkundlich gehören die Gänge des erlovaja-Gora zum
gemischten Zinn-Wolframtypus, wenngleich Zinn nur selten auftritt.
 Das Ganggestein kennzeichnen Rauchquarz, Aquamarin,
Topas, Arsenkies, Wismutmineralien (vorwiegend im Zusammenhang
 mit Arsenkies), Molybdänglanz, Hämatit und Flußspat,
untergeordnet Zinkblende, Zinnstein, grüner Uranglimmer und
Turmalin. Der Wismutgehalt des Arsenkieses beträgt nach einer
im Laboratorium des Geologischen Komitees ausgeführten Analyse
0,28—0,41 %. Im Quarztopasgestein sind enthalten Wolframit,
Wismutmineralien, Molybdänglanz und Monazit, und zwar am
reichhaltigsten bei der Annäherung an die Aquamarin-Topasgänge.
Der Wolframit und die Halbedelsteine werden von SuS8-Sinskij
 und Tetjaev als gleichaltrige Bildungen aufgefaßt.
Die Gänge zeichnen sich durch das Fehlen von Quarz aus, der
nur sporadisch in Nestern an den Salbändern oder als Verquarzung
in den Salbändern auftritt. SuSinskij betrachtet diese
Gangbildungen als Abspaltungsprodukte des Magmas, im Gegensatz
 zu Tetjaev, der sie, infolge ihrer Übereinstimmung mit
der Klüftung des Nebengesteins als richtige Gänge anspricht,
wobei er ihre Quarzarmut durch die höheren Temperatuen bei
der Ausscheidung erklärt.
Die chemische Zusammensetzung des Wolframits kennzeichnet
folgende neuere, im Chemischen Laboratorium des Geologischen
Komitees ausgeführte Analyse:
        <pb n="30" />
        22 Rußlands Wolframlagerstätten
WO 6%
ReO 2 1 2%
MnOR 0 U
CORE %
SOLLEN 0,26 %
99,26%
Sie entspricht ungefähr den Ergebnissen früherer chemischer
Untersuchungen, die in ihrem geringen Mangangehalt alle auf eine
Abart des Ferberits hindeuten.
Über die Vorräte der Lagerstätte ist nichts Genaues bekannt.
Der nördliche, ‘mit Wald bedeckte Teil des Massives blieb bisher
unerforscht und auch die Schürfungen auf der Südhälfte tragen
einen unsystematischen, zufälligen Charakter.
Die Erzzonen scheinen sich nicht über den ganzen Südabschnitt
zu erstrecken, sondern konzentrieren sich z. T. an erzführenden
Streifen, die mit dem Verlauf der Gänge übereinstimmen. Bisher
hat man vorwiegend auf den Verwitterungszonen, den sog. Seifen,
gebaut, bei deren lockerer, grusiger Beschaffenheit die Gewinnung
keinerlei Schwierigkeiten bereitete. Hier gelangten bereits „Sande“
mit 0,1% W O,;, durchschnittlich mit 0,5 % zur Förderung.
Die Mächtigkeit dieser Deckschichten schwankt zwischen 0 und
2. m. Beim unverwitterten anstehenden Gestein betrug der Erzgehalt
 1,5 %. Auch das Quarztopasgestein führte nach den
Untersuchungen des Geologischen Komitees 0,25—0,75 % W Os.
Leider mußte dieses erzführende Gestein infolge Mangels eines
Pochwerkes auf die Halden geworfen werden, während das aus
seinem Verwitterungsprodukt hervorgegangene Eluvium im Jahre
1917 bergmännisch gewonnen und aufbereitet wurde. Hierbei
erzielte man einen Durchschnittsgehalt von 0,25 % W Oz und
0,025 % Bi, doch sind diese Zahlen, den schlechten Arbeitsmethoden
 entsprechend, sicher zu niedrig gegriffen und dürfte in
beiden Fällen das Doppelte anzunehmen sein.
Sowohl im anstehenden Gestein als auch in dessen Verwitterungsrinde
 zeigte sich, daß eine Anreicherung der Gangführung
mit einer Verarmung des Salbandes und umgekehrt zusammenfiel.
Der im Handbetrieb ausgeführte Abbau und die nassen Aufbereitungsmethoden
 waren technisch sehr unvollkommen. Das
zur Aufbereitung erforderliche Wasser wurde einer am Kontakt
von Granit- und Nebengestein entspringenden Bachquelle ent-
        <pb n="31" />
        7 v. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 5728
L nommen. Bei trockener Jahreszeit machte sich ein Wassermangel
fühlbar, immerhin kann an Ort und Stelle auf Erschließung weiterer
Wassermengen gerechnet werden.
Tetjaev spricht das Wolframitvorkommen des Serlovaja-Gora
 als abbauwürdig an. Begünstigt wird dieses durch die
Nähe der Eisenbahn, die nur 27 km entfernt ist, und durch das
gleichzeitige Vorkommen von abbauwürdigen Wismutmineralien.
Die bisherigen Untersuchungen bieten leider keine sicheren Anhaltspunkte
 über die Verbreitung der erzführenden Zonen, deren
Ausdehnung und die abbauwürdige Teufe der wolframitführenden
Linsen. Der Schwerpunkt der Lagerstätte liegt anscheinend bei
den eluvialen Seifen.
Aus dem Eluvium wurden im Jahre 1917 2,6 t Wolframkonzentrat
 und 0,26 t Wismut. gewonnen. Die Gesamtausbeute
der Sommerarbeit betrug bei 50 Mann Belegschaft gegen 8,.1.t
Wolframerz mit 70 % W O3 und 0,8 t Wismut mit 60 6 Bi... Im
vorhergehenden Sommer ergab die Förderung der Monate Mai
und Juni 5,3 t Wolframerzkonzentrat, bei einer Belegschaft von
40—50 Mann.
3. Die Lagerstätte von Charanor,
Nahe der russisch-mongolischen Grenze, etwa 8 km abseits
der transsibirischen Eisenbahnstation Charanor, liegt die gleichnamige
 Wolframlagerstätte. Die gewellte Gebirgsgegend gehört
bereits zum Steppengürtel und zeichnet sich durch ausgesprochene
Wasserarmut aus.
Die Erzvorkommen sind eng mit dem 3 km Durchmesser
erlangenden runden Granitmassiv (Fig. 11.S.75) verknüpft, an dessen
Flanken sich Sedimente — Konglomerate und Sandsteine — anlegen.
Einzelne Ausläufer des Granits ragen apophysenartig in das
Nebengestein hinein, dessen Kontaktzone nur an wenigen Stellen
frische Aufschlüsse zeigt. An der Zusammensetzung des mittelkörnigen
 Biotitgranits beteiligen sich Rauchquarz, Mikroklin,
Mikroklin-Perthit, saurer Plagioklas und Biotit.
Erze gibt es ausschließlich am Südwestabhang des Massivs,
woselbst das Gestein starke Veränderungen aufzuweisen hat und
einer wesentlichen Verquarzung unterworfen worden ist, die im
Auftreten kleinerer und größerer Quarzgängchen und -Gänge
zum Ausdruck kommt. Teilweise hat auch das Granitgestein
        <pb n="32" />
        24 Rußlands Wolframlagerstätten —
eine beträchtliche Quarzanreicherung erfahren, so daß es lokal
einer Quarzmasse mit einzelnen FF. eldspateinsprenglingen gleicht.
Vorwiegend beteiligt sich hieran Rauchquarz, doch kennt man
im zentralen Teile innerhalb einzelner Gangerweiterungen auch
Milchquarz.
Die reinen Quarzgänge sind nach den Beobachtungen Te -
tjaevs taub, hingegen konzentriert sich die Erzführung an
kaliglimmerführende Quarzzonen, in denen die Feldspäte in
Quarz und Glimmer umgewandelt sind. Aus dem verwitterten
Gestein dieser Quarzzüge gehen an der Oberfläche Glimmersande
hervor, die stets einen Hinweis auf die Erzführung geben. Diese
beschränkt sich vorwiegend auf die Kreuzungs- oder Scharungsstellen
 derartiger Gänge, wird aber auch in Gangerweiterungen
beobachtet. Von Wolframerzen kennt man neben Wolframit auch
Scheelit, über deren gegenseitiges Mengenverhältnis keine näheren
Angaben vorliegen. Beide Mineralien sind miteinander verwachsen,
wobei gewöhnlich der Wolframit als Erstlingsprodukt den Zentralkern
 bildet. Zu den Nebenmineralien des Erzkörpers und der
Salbänder zählen Flußspat, Molybdänglanz und wismuthaltiger
Arsenkies.
Die erzführenden Gängchen und Linsen zeigen einen symmetrischen
 Bau. In der Mitte liegt fast taubes Quarzgestein mit
seltenen Wolframerzeinsprenglingen. Zu beiden Seiten legen
sich die mit Erz angereicherten Quarzzonen an, durch Anreicherung
 können hierin fast reine Erzkörper entstehen. Nach außen
findet ein allmählicher Übergang in das Nebengestein statt.
Zwischen dem tauben Quarzgestein und den erzführenden Streifen
beobachtet man Glimmerbeläge mit den gleichen Mineralien und
Flußspat. Allen diesen Gängchen fehlt die Gesetzmäßigkeit im
Streichen und Fallen. Sie entsprechen einem netzartigen, nordwestlich
 streichenden Gangsystem von stockwerkartigem Charakter.
 Die Lagerstätte beschränkt sich ausschließlich auf den Südwesthang
 des Massives, nahe der Kuppe. Infolge nachträglicher
Verwitterung können die Köpfe derartiger Gänge am Abhang
abgerutscht und umgebogen sein und dadurch leicht ein falsches
Bild ihres Verlaufes und Fallwinkels geben.
Chemisch setzt sich das Wolframit wie folgt zusammen:
        <pb n="33" />
        j V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes ‚25
WO 76.02.%
Pe ER 9 e2
Mn OA 295%
Si OR HL 730
CO 141
SU OT
DE I
A 0,29.%
CN
100,17 %
Der Abbau der Lagerstätte begann 1911, schlief jedoch bald
ein und wurde erst im Jahre 1916 wieder aufgenommen. Gefördert
 wurde ausschließlich die erzführende Verwitterungsrinde,
jedoch nicht tiefer als 3 m. Die obersten Deckschichten, die sog.
„Torfe“, waren erzfrei. Soweit anstehende Erznester erschlossen
werden konnten, wurden sie in den Abbau mit einbezogen. In
ungefähr zwei Monaten betrug bei einer Belegschaft von 10 Mann
die Ausbeute an fast reinem Konzentrat 4,5 t. Im Sommer 1917
stieg sie auf 9,7 t. Es gelangte fast ausschließlich Tagebau zur
Anwendung. Die aus den unverwitterten Gängen geförderten,
mit Quarz durchwachsenen Erze konnten, da es an einem Pochwerk
 mangelte, nicht aufbereitet werden und gelangten auf die
Halden. Im Gegensatz hierzu bereitete die Aufbereitung der
Verwitterungsrinde keinerlei Schwierigkeiten. Die lockere Gesteinsbeschaffenheit
 gestattete den Abbau der nur 0,52 % W Oz enthaltenden
 Grusmassen.
Die Lagerstätte ist infolge der nesterförmigen Erzführung
nur schlecht erschlossen. Nach den bisherigen Ergebnissen berechnet
 Tetjaev den Vorrat auf 81,5 t, doch dürften weitere
Aufschlußarbeiten weit höhere Zahlen ergeben. Leider hat man
bis zur Einstellung der Arbeiten im Jahre 1917 von einer planmäßigen
 Erschürfung des gesamten erzführenden Distrikts abgesehen
 und sich nur auf den Abbau der einzelnen bekannten
und erschlossenen Ganglinsen beschränkt. Gruben von 20—25 m
Teufe zeigten, daß sich die Erzkörper bei einem Durchmesser von
mehreren Metern röhrenförmig nach der Tiefe fortsetzen und
regellos Erznester und Einsprenglinge verschiedener Größe einschließen.

Nahe der Eisenbahn gelegen, steht die Grube verkehrstechnisch
        <pb n="34" />
        26 Rußlands Wolframlagerstätten
günstig da. Kohlen ließen sich von den benachbarten Braunkohlengruben
 am Serlovaja-Gora beschaffen, während das Grubenholz
 für den Tiefbau aus mindestens 100 km Entfernung herantransportiert
 werden mußte. Ungeklärt ist die Wasserfrage.
Man kennt eine einzige, bald versiegende Quelle aus dieser Gegend.
Angeblich soll diese am Kontakt von Granit und Nebengestein
entspringen. Hier, etwa 4% km von der Grube, vermutet man
noch weitere, durch Brunnen zu fassende Wassermengen. Sollten
diese nicht ausreichen, so wird man auf die Zuhilfenahme von
Zisternen angewiesen sein.
4. Die Lagerstätten des Kukulbei,
Östlich der sibirischen Eisenbahn und nördlich des Serlovaja-Gora
 verläuft in südwest-nordöstlicher Richtung ein von Sedimenten
 eingeschlossenes Granitmassiv, das nach N zu seine
Einheitlichkeit verliert und sich in mehrere, durch Sedimentärgesteine
 getrennte Granitkomplexe auflöst. (Fig.11.5.75) Dieser
ganze Granitzug und die sich an ihn anlegenden Nebengesteine bilden
die Wasserscheide der Flüsse Turga und Onon-Borsja. Gegenüber
dem südlichen Gebiet tritt diese etwa 50 km lange Gebirgskette
durch steilere Formen und ansehnlichere Höhen (bis 1365 m
über N. N.) mehr in Erscheinung. Auch liegt das Gebiet bereits
in der Waldzone und wird von zahlreichen Wasseradern zerschnitten,
 die den beiden Flußsystemen zuströmen.
Die anscheinend einem einheitlichen Batholithen angehörenden
Granitmassive bilden den zentralen Kern der Bergkette. Auf
sie folgen Tonschiefer, Sandsteine und Konglomerate, wobei
mit der Annäherung an den Granit an ihnen eine starke Kontaktmetamorphose
 wahrzunehmen ist. Die Breite dieser Zone beträgt
bis zu einem Kilometer. Gegenüber den spitzeren, zackigeren
Felsformen des unveränderten Sedimentgesteines tritt sie morphologisch
 als mehr einheitliche, von klastischen Bruchstücken übersäte
 Masse in Erscheinung. Sie wird gekennzeichnet durch Hornfelse,
 Staurolith- und Cordierit-Schiefer- und Quarzphyllite,
desgleichen sekundär stark umgewandelte Konglomerate. Der
Fallwinkel dieser Gesteine ist bei ungefähr gleichbleibender
Streichrichtung am Kontakt, soweit die dürftigen Aufschlüsse
        <pb n="35" />
        “77V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes » 727
eine Beobachtung zulassen, auf beiden Seiten entgegengesetzt.
Alle Sedimente gehören mutmaßlich dem Paläozoikum an und
zwar zweierlei Stufen, nämlich eıner mit vorherrschend feinkörnigem,
 feingeschichtetem Material und einer solchen mit
Konglomeraten und Sandsteinen.
Zum Batholithen gehören fünf einzelne, durch Sedimente
getrennte Massive, von denen das von Byrka-Soktui bei weitem
die größten Ausmaße erreicht und einen Flächenraum-: von ungefähr
 200 qkm einnimmt. Das in seiner Streichrichtung ihm nördlich
 vorgelagerte Granitmassiv von Oldanda umfaßt ein Areal
von etwa 40 akm und steht somit an zweiter Stelle. Die weiteren
drei Massive messen im Durchschnitt 4—6 km. Von ihnen ist
nur der Antonova Gora gleich den beiden benachbarten Hauptmassiven
 erzführend.
Der Granit zeigt petrographisch eine gewisse Einförmigkeit,
wenn auch einzelne Abarten zu unterscheiden sind, und zwar
in der Größe des Kornes, in der Struktur und in der Mineralzusammensetzung.
 Gewöhnlich herrscht die eine oder die andere
Gesteinsfazies vor. Immerhin sind die Unterschiede unwesentlich
und die Fazies stets durch Übergänge miteinander verbunden.
Man unterscheidet grobkörnigen, mittelkörnigen, feinkörnigen
und nicht selten porphyrischen Granit. Den Mineralbestandteilen
nach ist er gewöhnlich ein Biotitgranit, doch kann er auch Hornblende
 führen und wird dann als Granit-Syenit bezeichnet. Von
Feldspäten wiegt der Plagioklas vor. An der Mineralzusammensetzung
 nehmen teil: gewöhnlich dunkler Quarz, Mikroklin—
Mikroperthit oder Mikroperthit, Albit—Oligoklas, Biotit und an
Nebenmineralien Apatit, Titanit, Zirkon und Turmalin. Dem
Gestein ist eine typische Klüftung mit 80° NO Fallwinkel eigen,
durch die es in deutliche Platten zerfällt. Die Erzführung beschränkt
 sich auf die in dieser Richtung verlaufenden Quarzgänge.
Ganggesteine setzen im Granit ausschließlich als leukokrate
Gebilde auf, vornehmlich vom Aplit-Pegmatittypus. Ziemlich
feinkörnige Aplite mit Magnetit als Nebengemengteil sind aus dem
grobkörnigen Gestein der Massive von Oldanda und Südabschnitt
von Byrka-Soktui bekannt. Obgleich diese Gänge fest mit dem
Granit verwachsen sind, treten sie scharf hervor, im Gegensatz
zu einer grobkristallinen, vollkommen unregelmäßigen pegma-
        <pb n="36" />
        28 Rußlands Wolframlagerstätten ——
titischen Abart vom Oldandamassiv. Die Pegmatite am kleinen
Turgamassiv zeichnen sich durch deutliche Salbänder, große
Kristalle und Mineraldrusen aus. Der Quarz dortselbst ist häufig
als Rauchquarz, der Mikroklin als Amazonenstein entwickelt.
A. Die Lagerstätten des nördlichen Kukulbei.
Gegenüber dem großen südlichen Kukulbeimassiv treten dessen
nördliche Granitmassive in ihren Ausmaßen beträchtlich zurück.
Sie gehen in kleinen Vorkommen inmitten der von ihnen kontaktmetamorph
 veränderten Schiefer zutage, die in der Nähe des
Kontaktes gleich ihnen taube und wolframitführende Quarzgänge
 einschließen. Reichhaltigere Lagerstätten kennt man
nur aus dem zwischen den Tälern des Arbui und der Doroznaja
gelegenen südlichen Abschnitt des größten der Massive, nämlich
des von Oldanda, sowie aus dem Massive des Antonova Gora und
der an ihn westlich angrenzenden Schieferkontaktzone. Alle
im übrigen Gelände von Doktorovic-Grebnickij
entdeckten und untersuchten Quarzgänge haben sich entweder
als taub oder, wenn auch erzführend, so doch als wenig aussichtsreich
 erwiesen. Vorwiegend kennt man sie aus den Randgebieten
der Massive, weniger häufig aus den angrenzenden kontaktmetamorphen
 Schiefern (Fig. 5).
Die meisten Quarzgänge streichen bei steilem Einfallen mit
der Hauptklüftung des Granits nordwestlich, doch kennt man
auch andere Richtungen.
Die unwirtliche Gebirgsgegend wird durch breite, häufig
versumpfte Täler stark zergliedert. Frische Aufschlüsse beschränken
 sich ausschließlich auf die ansehnlicheren Erhebungen;
das übrige, nicht zum Alluvium der Täler zu rechnende Gelände
ist von metermächtigem Verwitterungsschutt des Anstehenden
bedeckt, den wiederum eine Pflanzendecke überwuchert. In
den sumpfigen Tälern und den in deren Oberlauf vorkommenden
Terrassen stößt man nirgends auf anstehendes Gestein, noch
weniger auf Seifen. Alle diese Umstände wie auch die dichte
Waldbedeckung der gesamten Gebirgslandschaft bereiten der
geologischen und Lagerstätten- Forschung außerordentliche
Schwierigkeiten.
        <pb n="37" />
        V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 29
a) Die Gänge am Südende des Oldandamassivs.
In den zwischen den Tälern des Arbui und der DoroZnaja
3 gelegenen Bergrücken des Oldandamassivs setzen verschiedent-[
 lich wolframitführende Quarzgänge auf, denen man in der Kriegsc
 zeit besondere Beachtung geschenkt hat und die auf Veranlassung
) des Geologischen Komitees in Petersburg eingehend untersucht
worden sind. Sie wurden zuerst von SuSCinskij erwähnt,
später hat sie Tetjaev besucht und zuletzt Doktorovic-Grebnickij,
 von dem die genaueste Beschreibung herrührt.
Das Nebengestein besteht aus einer porphyrischen Abart des
Granits. Die einzelnen Gänge verlaufen stets gerade. Sie streichen
vorwiegend in nordwestlicher Richtung zwischen 315—350°, was
{ ungefähr der Hauptklüftung des Granits entspricht. Der Einfallwinkel
 ist zumeist recht steil südwestlich, ebenso kommt
Steilstellung vor. Die Mächtigkeit schwankt von wenigen Zentimetern
 bis zu einigen Dezimetern, im Durchschnitt beträgt sie
4 kaum über 0,4 m. Ihre in den drei wichtigsten Schurffeldern
; zahlenmäßig festgestellten Ausmaße sind in beigefügter Tabelle
r wiedergegeben, desgleichen einzelne Angaben ihrer im Streichen
r wahrgenommenen Längen. Über 60—80 m konnte bisher kaum
Schurffeld I (etwa 600 Quadratfaden)
Nummer des Ganges I | m | m |ıv|v | VI | var [vrrı/sunma
Länge in Faden... 20|15| 20 120l ss 5 | 10 | 106
Mittlere Mächtigkeit in
Faden... ... 0,05|0,07| 0,10 | 0,06| 0,02| 0,01| 0,01| 0,04 0,06
Mittlere Gehalt an Wolframit
 in %.... —[1m11 lo,008 [0,9 — WM Wo,06[.0.40
Umfang des Gangkörpers
in Kubikfaden, ... 1.10 1,05[2,00 1,20] 0,16| 0,08| 0,05| 0,20| 6,04
Vorrat an Wolframit bis ;
zu einer Teufe von |
1 Faden in Pud ..ı— |17,4 —_ | 16,2| — TS — [04 |34,0
        <pb n="38" />
        30 ' Rußlands Wolframlagerstätten 5
II (etwa 1000 Quadratfaden) Ey) Totalsumme
Anm / V | VI |Summay x | IX |Summa (ESS Nord
ZEN ES 0,05 Faden
°5 1 5 30 | 5 | 10 |10| 85 116 | 16 | 32 223 1%
i
0,11! 0,03 | 0,08 1 0,04 0,12| 0,10 10,02[0,05/ 0,036| 0,07 0,08
: Fad. | Fad
2,8 0,002| 0,7 [0,7 ER ha | 0.17 0,7 | 0,56 ı 0,8% ' 0,9%
2,2 0,15 |3,6 S 0,20 1,20| 8,2 |0,30[0,85/ 1,15) 15.4 13,0
A = io 8,9 / = | = [189,2 | es | 9,7 | 183 | 182
]
ein Gang verfolgt werden. Innerhalb der Streichrichtung bleibt
die Mächtigkeit der einzelnen Gänge zumeist gleich, d. h. es fehlt
an starken Anschwellungen und Verdünnungen. Nach der Teufe
ist keinerlei gesetzmäßige Mächtigkeitsveränderung wahrzunehmen,
vielmehr können sowohl Zunahme als auch Abnahme vorkommen.
Ein Auskeilen in vertikaler Richtung wurde infolge der geringen
Tiefe der Schürfe nur in einem einzigen Falle beobachtet.
Die Zahl der bisher durch natürliche Aufschlüsse und Schurfarbeiten
 freigelegten Gänge ist ziemlich beträchtlich. So zeigte
das Schurffeld I (Fig. 5) 17 Gänge und Nebengänge, das Schurffeld
 II 7 Haupt- und 2 Nebengänge, das Schurffeld III 3 Gänge
und das Schurffeld IV 4 Gänge.
Die Gangmasse besteht vorwiegend aus weißlichem, makroskopisch
 dichtem, u. d.M. körnigem Quarz, in den mehr oder
weniger häufig helle Glimmer eingesprengt sind. Nach der Teufe
nimmt das Gestein eine gräuliche Farbe an. Der Glimmer schwankt
in seinen Farbtönen von silberweiß bis zu gelblich und graugrün.
Doktorovic-Grebnickij beschreibt ihn als Muskovit,
 SuS?inskij erachtet die grüne Abart für Lithionglimmer.
Der Muskovit tritt zumeist in kleinen Schuppen regellos in der

Il
3 N
Ms 11
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Ci
        <pb n="39" />
        nn V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 31
Quarzmasse auf, bildet auch zuweilen unbedeutende unregelmäßige
Nester von 3—4 mm starken Kristallen. Er findet sich sowohl
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&amp;gt;. = =. ZZ ET Rate ar Sm . ad &amp;gt;;
N DT A ‘ y
EST Te 2-9: IS Wan
BED SALE Sn
EZ ZT Az Det era a a
innerhalb der einzelnen Quarzkörner als auch zwischen ihnen.
Häufig beobachtet man ihn als dünne Belege an den Salbändern,
wobei seine Kristalle nach diesen kristallographisch orientiert sind.

„ig. S.
        <pb n="40" />
        32 Rußlands Wolframlagerstätten —
Die meisten Gänge zeigen Druckerscheinungen, die in parallel
den Salbändern angeordneten Klüften zum Ausdruck kommen.
Sind sie erweitert und die in ihnen vorhandenen Glimmerblättchen
angereichert, so entstehen dünne, bis zu 2 mm mächtige Glimmerzwischenschichten.
 Namentlich trifft dieses in der Randzone
der Gänge zu, wodurch das Gestein ein gneisartiges Aussehen
erhalten kann. Ein Beispiel besonders hervortretender GClimmeranreicherung
 zeigt Fig. 6. Ein Teil des Climmers kann vielleicht
auf gequetschte Nester und Beläge zurückgeführt werden, die
Hauptmasse hat sich zweifelsohne nach der Gangausfüllung gebildet,
 was aus ihrem Zusammenhang mit sekundär das Gestein
durchsetzenden, querschlägigen aderförmigen Gängchen hervorgeht.
a QWorz.
Glimmerschicht
Greisen
Granit
@ gos 010 Faden
Fig. 6. (Nach; Doktorovic-Grebnickij.)
Neben den reinen Quarzgängen kennt man auch solche, die
außer Quarz noch rosagelben Orthoklas führen und somit schon
an die Aplite erinnern. Ihre 2—3 cm messenden Kristalle sind
regellos in der Quarzmasse verstreut, können aber auch Ansammlungen
 bilden. In seltenen Fällen überwiegt der Feldspat gegenüber
 dem Quarz, der dann in jenen eingebettet ist. Ein derartiger,
nördlich des Schurfes III festgestellter Gang zeigt an den Salbändern
 Glimmerbeläge, auch führt er Muskovite, die ebenfalls
zu einer häufigen Begleiterscheinung dieser Gangabart gehören.
Von anderen Gangmineralien ist der Flußspat weit verbreitet,
und zwar als sekundäres Gebilde an den Klüften und Spalten,
desgleichen aber auch als weißliche Einschlüsse innerhalb der
übrigen Gangmasse. Von einem Gang kennt man mikroskopisch
wahrnehmbaren Beryll.
Die in den Gängen vorkommenden Erze treten gegenüber
den übrigen Mineralien beträchtlich zurück. Weiter verbreitet
        <pb n="41" />
        V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 70 88
29i ist eigentlich nur der Wolframit und ın zweiter Linie der weit
2 = seltenere Pyrit, den man in isolierten kubischen Einsprenglingen,
d bisweilen auch kleineren Ansammlungen innerhalb der Quarzx
 masse vorfindet. Sekundäre Vorgänge haben ihn nach der Ober-}
 fläche hin in Limonit umgewandelt. Von anderen Erzen werden in
7 Einzelfällen unbedeutende Mengen unregelmäßig verteilten Kupfer-A
 kieses, Spuren von Molybdänglanz, vergesellschaftet mit Pyrit,
7 und unbedeutende Bleiglanzeinsprenglinge erwähnt.
Die Wolframiteinsprenglinge zeichnen sich durch vollkommen
J unregelmäßige Formen aus, nur bisweilen besitzen sie einen tafe-I
 ligen Habitus. Ihre Kristalle sind isoliert oder als unregelmäßige
A Ansammlungen und Verwachsungen in die Quarzmasse einge-1
 bettet. Ähnlich ist es bei den Quarzfeldspatgängen, wo der Wolfra-1
 mit mit dem Orthoklas verwachsen ist. Eine gesetzmäßige An-»
 ordnung der Erze im Gangkörper ist nicht festzustellen, mit
Ausnahme weniger Fälle, bei denen die Einsprenglinge in wenig
kenntlichen Zonen parallel dem Salbande orientiert sind. Auch
ı sonst ist das Erz in dem Gang ungleichmäßig verteilt. Ein Zu-'
 sammenhang zwischen Erzführung und Gangmächtigkeit lag
nicht vor. Chemisch wird der Wolframit des Oldandamassıves
durch folgende Analyse gekennzeichnet:
WO Hr a 7 2 76,.10.%
Pe0O Lu AA GM
Mn 0? 4-4 6,80%
Sr Op 0,33 °%
99,75 %
Besonders typisch für die Gänge des Oldandagebietes ist die zu
Greisenbildung führende sekundäre Veränderung des granitischen
Nebengesteins. Zu ihren Hauptmerkmalen gehören das Verschwinden
der Biotite, die Sericitation der Feldspäte und das Auftreten
neugebildeter, querschlägiger Gängchen und Nester von hellem
Glimmer, wobei das Gestein äußerlich wie ausgebleicht erscheint.
Die sericitische Umbildung der Feldspäte ist nicht immer vollkommen.
 Sie ist häufig durch Neubildung von kleinen unregelmäßigen
 Flußspatkristallen in der Feldspatmasse gekennzeichnet.
Selten und dann auch nur in einem 3—4 cm betragenden Abstande
 vom Salbande wird der Feldspat vollkommen. durch ein
Glimmeraggregat ersetzt, in dem ziemlich gleich gefärbte Quarz-Quellen
 u. Studien. III. Abt. N. F. Heft 1: L. v. zur Mühlen, Lagerstätten von Wolfram etc. 3
        <pb n="42" />
        340 Rußlands Wolframlagerstätten —
körner eingeschlossen sind. Gewöhnlich werden die Glimmeranhäufungen,
 wie u. d. M. ersichtlich, von Flußspatkriställchen
begleitet.
Wolframit kommt in der veränderten Granitzone nur selten
vor und da ausschließlich in nächster Nähe des Ganges, namentlich
an querschlägigen Quarz- und Glimmergängchen, die das Gestein
durchsetzen. Bergbaulich fällt dort sein Auftreten nicht ins
Gewicht.
Die Breite der Greisenzone wechselt, sie schwankt von einigen
bis zu 20 cm. Weniger einschneidende sekundäre Veränderungen,
wie Ersetzung des Biotits durch Muskovit, können bis mehrere
Meter vom Salbande reichen und dann ‚einen allmählichen Übergang
 in das unveränderte Gestein anzeigen. Die Breite der Greisenbildung
 wächst mit der Mächtigkeit der Gänge. Ein Abhängigkeitsverhältnis
 der Erzführung von dieser liegt nicht vor.
Die Grenze des Ganggesteines gegen das Nebengestein ist
gewöhnlich ungleich entwickelt, nicht selten hebt sie sich durch
Glimmerbeläge heraus, anderseits kann jedoch dieses mit verquarzt
sein, wodurch ein Ausgleich von Gangmasse und Greisenbildung
geschaffen ist. Die Quarzfeldspatgänge, deren Gesteinshärte den
sie einschließenden Graniten entspricht, treten ebenfalls wenig
ausgeprägt hervor.
Bergbaulich verdient dieses Gebiet volle Beachtung. Die Schurfarbeiten
 von DoktoroviCl-Grebnickij (Fig.5.5.31) zeigen,
daß namentlich die Gänge der Schurffelder II und III, eventuell
auch von I, sich durch Dichte des Gangnetzes und reichere Erzführung
 auszeichnen, wogegen Schurffeld IV mit unregelmäßigerer
Gangverteilung und größerer Erzarmut für den Abbau weniger
in Betracht kommt. Für die übrigen Gebiete des Oldandabezirkes
liegen nach den bisherigen dürftigen Untersuchungsergebnissen
nur ungenügende Anhaltspunkte für ihre Beurteilung vor.
Schurffeld II und III liegen auf einem mit dem Streichen der
Gänge zusammenfallenden Granitrücken. Freiliegende Quarzblöcke
 lassen indem noch nicht erschürften anliegenden Gelände
eine weitere Gang- und Erzführung vermuten. Die Gesamtlänge
dieses Ganggebietes beträgt etwa 2—2,5 km.
Alle drei erwähnten Schurffelder ähneln einander außerordentlich
 und sind durch ein dichtes einheitliches Streichen
        <pb n="43" />
        — V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 35
des Gangnetzes gekennzeichnet. Die zur Erschließung der einzelnen
 Gänge angelegten Schurfgräben haben unter der Deckschicht
 die unveränderten, nıemals abgebogenen Schichtenköpfe
freigelegt, denen dann die Proben entnommen worden sind. Durchschnittlich
 betrug der W O;-Gehalt 1%. Die genauen Angaben
der Erzführung und Gangmächtigkeit finden sich in obenstehender
Tabelle wiedergegeben. Die weniger mächtigen Gänge kommen
für den Abbau kaum in Betracht, auch geben die entnommenen
Proben nur ein Bild von dem durchschnittlichen Erzgehalt an der
Oberfläche, dessen Verteilung nach der Teufe sich einzig durch
kleinere Abbauversuche ergründen läßt. Über die im Sommer
1917 versuchsweise betriebene Förderung liegen keinerlei Angaben
 vor.
Die Lagerstätten befinden sich nur etwa 8—10 km westlich
des Dorfes Oldanda, von dem längs des Tales des Arbui, also
unweit der Schurffelder ein allerdings zurzeit wenig gut erhaltener,
aber leicht instandzusetzender Fahrweg nach dem ungefähr
gleich weit entfernten Dorfe Bol’&amp;amp;oj-Soktui führt. Grubenholz
und Wasser für die Aufbereitung sind reichlich vorhanden.
Obgleich der durchschnittliche Erzgehalt demjenigen der
südlichen Lagerstätten entspricht (Charanor und Serlovaja-Gora),
muß hier infolge der unverwitterten Gesteinsbeschaffenheit mit
höheren Abbau- und Aufbereitungsunkosten gerechnet werden.
Immerhin verdient dieses Gebiet, wie TetjaevundDoktorovic-Grebnickij
 hervorheben, volle Beachtung. Ein
abschließendes Urteil kann erst nach systematisch angestellten
Abbauversuchen abgegeben werden.
b) Die Gänge des Antonova Gora.
Die Lagerstätte des Antonova Gora gehört einem selbständigen,
etwa 2 km breiten und langen Granitmassiv an, das hart westlich
des Oldandamassives zutage geht, von diesem aber durch kontaktmetamorph
 veränderte kristalline Schiefer getrennt ist (Fig.11.5.75).
Es stößt bereits an das Tal des Bol’8oj-Soktui und bildet somit gegenüber
 diesem Fluß und dem Arbui die Wasserscheide. Die das Massiv
umfassenden kristallinen Schiefer reichen an seiner Nord- und
Westflanke bis an die höchsten Bergspitzen heran, so daß sie
orographisch mit den Graniten zusammenfallen.
        <pb n="44" />
        36 Rußlands Wolframlagerstätten 5
Die Lagerstätte ist von Tetjaev und DoktoroviCG-Grebnickij
 untersucht worden. Die Gänge, die in ihren
Ausmaßen durchaus denen des Oldandamassıves entsprechen,
treten sowohl im Granit als auch in der Kontaktzone der angrenzenden
 Schiefer auf, hängen aber aufs engste mit dem Granitherde
 zusammen, an dessen nächste Nähe sie stets gebunden sind.
Ihre Streichrichtung ist bei steilem, 80° betragendem KEinfallen
nord-südlich oder nordost-südwestlich und soll nach Tetjaev
der Hauptklüftung entsprechen.
Einzelne Gänge sollen gleichzeitig im Granitmassiv und Schiefermantel
 aufsetzen. Der von demjenigen des Oldandamassivs
abweichende Gangverlauf mag vielleicht mit der Kontaktbeeinflussung
 der Schieferhülle zusammenhängen, die, wie Beobachtungen
 aus Schlesien zeigen, eine Änderung in der Hauptklüftungsrichtung
 bedingen kann.
Die Gangausfüllung im Granit ‚besteht ausschließlich aus
Quarz, Feldspäte fehlen stets. Der helle Glimmer ist seltener
vertreten, obgleich er nicht vollkommen verschwindet. Druckerscheinungen
 hat man nirgends beobachtet. An nicht metallischen
Nebenmineralien kennt man aus mehreren Gängen weiße bis
hellgelbe, 5—10 mm lange und 1—2 mm breite Beryllnadeln.
Abgesehen von vereinzelten Pyriteinsprenglingen und etwas
Molybdänglanz führen die Gänge als einziges Erz Wolframit.
Dieser bildet gewöhnlich tafelige Kristalle, die zumeist als Einsprenglinge
 innerhalb der Quarzmasse auftreten; er kann auch
an Hohlraumausfüllungen gebunden sein. Die Größe der einzelnen
Kristalle schwankt, bisweilen beträgt sie nur 8—10 mm, an anderen
Gängen kann sie bis zu 3 und 4 cm anschwellen.
Ähnlich entwickelt sind die Gänge aus der Schieferzone, stets
mit Quarz als Gangmineral. Von nichtmetallischen Nebenmineralien
 treten allerdings selten Flußspat und Glimmer auf.
Der Wolframit findet sich als unregelmäßiger Einsprengling in
der Quarzmasse, im Ausnahmefalle als Anreicherung nahe am
Salband. An sonstigen Nebenmineralien sind zu erwähnen unbedeutende
 Einschlüsse von Arsenkies und sporadisch auftretend
Kupferkies und Bleiglanz.
Alle aus dem Granitmassiv bekannten Gänge zeichnen sich
gegenüber dem Oldandavorkommen durch ihre eigenartige, ein-
        <pb n="45" />
        ru V, Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes | 37
heitlich körnige hellgraue Greisenbildung aus. Die Hauptmasse
des Greisen besteht aus einem Quarz-Glimmeraggregat, in dem
dem Quarz eine vorherrschende Beteiligung zukommt. Der
zersetzte Feldspat ist hier sowohl durch Glimmer als auch durch
Quarz ersetzt. Bisweilen findet sich etwas Flußspat. Die Breite
der Greisenzone beträgt höchstens 8—10 cm. Ihre Grenze gegen
das Ganggestein ist deutlich ausgeprägt, hingegen ist ihr Übergang
 in das unveränderte Gestein allmählich.
Greisenbildung in dem schiefrigen Nebengestein haben die
Schurfgräben bisher in einem einzigen Falle erschlossen. Bei
0,5 m Entfernung vom Salbande beginnt sich der Schiefer zu
verfärben und geht nach dem Gange zu in eine erdige hellaschgraue,
 von grünlichen Flecken durchspickte Masse über, die viel
Muskovitblätter einschließt und zahlreiche Quarzkörner enthält.
Die dunklen Flecke werden ebenfalls von Muskovit, der aus verändertem
 Cordierit hervorgegangen ist, gebildet. Nahe am Salbande
 ist die Verfärbung am ausgeprägtesten, auch geht dort die
Schieferung vollkommen verloren. Man kennt von hier neben
kleinen Pyritkristallen bisweilen mikroskopisch wahrnehmbaren
Rutil.
Das gesamte besprochene Gebiet ist durch fünf Schurffelder
erschlossen, die verschiedene Gänge freigelegt haben, und zwar
solche im Granit, im Schiefer und am Kontakt beider Gesteine.
Erzführung liegt zumeist vor. Leider hat man von ihrer Bestimmung
Abstand genommen. Auf besonders reichhaltige, allerdings noch
nicht aufgedeckte Gänge weist Schurffeld IV am Kontakt von
Granit und Schiefer hin. Von kleineren Unternehmern planlos
ausgeführte Schürfungen haben im Sommer 1917 drei weitere
beträchtliche Gänge erschürtft.
Günstig ist bei dieser Lagerstätte das Aushalten der Gänge
nach der Teufe, das im Anstehen des Gangquarzes in verschiedenen
Höhenniveaus zum Ausdruck kommt. Die Erschürfung erschweren
mächtige aus Verwitterungsschutt gebildete Deckschichten. namentlich
 die an der Bergspitze. Immerhin ist ein dichtes erzführendes
Gangsystem anzunehmen, über dessen Wert uns erst genauere
Arbeiten besser unterrichten werden.
In der Qualität zeichnet sich das Erz gegenüber dem des
Oldandamassives durch geringeren Mangangehalt vorteilhaft aus.
        <pb n="46" />
        38 Rußlands Wolframlagerstätten 2
Eine im Laboratorium des Geologischen Komitees ausgeführte
Analyse ergab folgende Zusammensetzung:
WO N Da
PER ee 1262%
MaOb ALL
= 99.45 %
Geographisch liegt die Lagerstätte infolge ihrer geringen, etwa
6 km betragenden Entfernung vom Dorfe Bol’soj Soktui etwas
günstiger als die des Oldandamassives, mit dessen Landstraße
sie ebenfalls verbunden ist.
B. Die Lagerstätten des Granitmassives von Byrka-Soktui.
Neben den Massiven von Oldanda und Antonova Gora setzen
Wolframitgänge in dem Hauptgranitmassive des Kukulbei auf,
wo sie sich nicht nur auf das Randgebiet beschränken, sondern
wo sie auch in der Mitte der Granitfläche zutage gehen. Dieser
unter dem Namen Byrka-Soktui bekannte Batholith umfaßt
ein Areal von ungefähr 200 qkm. Er bildet ein unregelmäßiges,
nach NW zugespitztes Oval, dessen Länge etwa 27 km beträgt.
Bisher haben die Schürfversuche an vier verschiedenen Punkten
des Massives Wolframiterze freigelegt, von denen zwei Vorkommen
 sich ungefähr auf die Mitte beschränken, nämlich das
Gebiet des Tutchaltui-Oberlaufs, während die beiden anderen
am Südrande bei den Lokalitäten Oroca und Antan erschlossen
worden sind.
a) Die Gänge von Tutchaltui.
Die Gänge von Tutchaltui beschränken sich auf den Oberlauf
des gleichnamigen Flusses, wo sie an abgeholzten Berghängen
einer Gebirgslandschaft ausbeißen. Das sie begleitende Nebengestein
 ist ein mittelkörniger Biotitgranit. Seine unbedeutende
eluviale Verwitterungsschicht mißt gegen 1, höchstens 1,5 m
und steht somit den zur Erschließung der Lagerstätte erforderlichen
 Schurfarbeiten nicht hinderlich im Wege.
Die Gänge konzentrieren sich in zwei etwa 350 m voneinander
entfernten Feldern, einem nördlichen und einem südlichen, zwischen
die sich eine Senke einschiebt. Zu prüfen, ob ein Zusammenhang
beider Gruppen vorliegt, bleibt weiteren Schurfarbeiten vorbehalten.
 Die Streichrichtung der einzelnen Gänge schwankt
        <pb n="47" />
        nn V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 39
bei steilgestelltem, NO gerichtetem Einfallen zwischen 315° und
355° NW. Die an einzelnen Schurfgräben beobachteten geringeren,
bis zu 60° betragenden KEinfallswinkel hängen mutmaßlich mit
einer Umbiegung der Schichtenköpfe zusammen.
Längenausdehnung und Mächtigkeit der einzelnen Gänge
gehen aus beigefügter, von Doktorovic-Grebnickij
aufgestellten Tabelle hervor. (1 Faden = 2,1 m.)
No. Länge Maximal-Mächtigkeit Mittlere Mächtigkeit
des Ganges in Faden in Faden in Faden
Ir Ar 76 0,50 0,19
1 A ER 0,07 0,04
U 0,20 0,20
U EEE © 0,11 0,06
V A 4 0,08 0,05
Ve ; Zr be 7 0,10 0,08
VALLE f 0,08 0.03
j 415 0127
Danach ist die Durchschnittslänge 90—130 m, in einem Ausnahmefalle
 beträgt die Ganglänge 570 m, allerdings mit zeitweiligem
 Aussetzen. Gleich wenig beständig ist die Mächtigkeit,
die sogar innerhalb eines Ganges beträchtlich schwankt. Durchschnittlich
 beträgt sie 0,2 m, im Höchstfalle und auch hier nur
als einzelne Ausnahme 1 m.
Das Ganggestein besteht aus hellgrauem, seltener weißem
Quarz mit Lagenstruktur nach der Korngröße. Zu den wichtigsten
nichtmetallischen Nebenmineralien gehört der Topas, der zumeist
in kleinen, kaum über 1—2 mm großen gelblichen Kristallen
auftritt. Im Gegensatz zu den nördlichen Lagerstätten spielt
der Muskovit hier nur eine untergeordnete Rolle.
Das Wolframerz ist in dünnen, etwa 1 mm starken und selten
über 1%—2 cm großen Kristallen vertreten. Gewöhnlich konzentriert
 es sich in 1—1 % cm starken Ganglagen. Neben Wolframit
kennt man in unbedeutenden Mengen Molybdänglanz, Pyrit und
Kupferkies, seltener Arsenkies.
Bei der Greisenbildung sind mit Ausnahme des Quarzes alle
Mineralien unter Erhaltung ihrer Struktur durch helle Glimmerblättchen
 ersetzt. Gegenüber dem frischen Gestein hebt sich
das Aggregat in der hellen staubgrauen Färbung ab. Die Gleichmäßigkeit
 der Greisenzone wird gelegentlich durch dünne Quarzäderchen
 unterbrochen. Mikroskopisch erkennt man neben den
        <pb n="48" />
        40 Rußlands Wolframlagerstätten —
aus Feldspäten hervorgegangenen hellen Glimmern auch etwas
neugebildeten Quarz. Ein allmählicher Übergang in das unveränderte
 Gestein fehlt zumeist. Gewöhnlich stoßen beide Bildungen
 in scharfer Grenze aneinander, doch gibt es vereinzelte
Ausnahmen, bei denen der Granit seine äußerliche Struktur erhalten
 hat, makroskopisch aber vollkommen verquarzt erscheint.
Das Mikroskop zeigt hier eine Verdrängung der Feldspäte durch
Topas und Quarz.
Die Breite der Greisenzone ist meist unbedeutend. Sie nimmt
mit der Mächtigkeit des Ganges zu. Im allgemeinen schwankt
sie von einigen Zentimetern bis zu einem Dezimeter. In einem
einzigen Ausnahmefall erreicht sie 0,4 m. Gelegentlich beobachtet
man auch nicht an Gänge gebundene Greisenbildung.
Manche Gänge dieses Erzgebietes sind in Höhenunterschieden
von 80—120 m natürlich aufgeschlossen. Hierbei zeigt sich, daß
sie bei gleichbleibender Mächtigkeit nach der Teufe niedersetzen
und ihre Greisen- und Erzbildung unverändert beibehalten. In
den oberen Horizonten kommt nur eine deutlichere Lagenstruktur
zum Ausdruck!
Die Erzverteilung innerhalb der verschiedenen Gänge scheint
gleichbleibend zu sein, demnach wären in den mächtigsten Gängen,
vornehmlich im Gange I, die größten Erzmengen zu erwarten.
Nach den Angaben des Bergingenieurs S. D. Kuzne co v haben
Versuche einen Erzgehalt von 0,6 % ergeben. Danach berechnet
Doktorovit-Grebnickij einen Vorrat von etwas über
100 t W Os, doch darf diese Zahl noch nicht als feststehend
angesehen werden, da die Schurfarbeiten noch nicht ihren Abschluß
 gefunden hatten.
Geographisch liegt die Lagerstätte günstig. Bis zum Dorfe
Maly-Soktui, von wo aus ein 30 km langer guter Weg nach der
nächstgelegenen Bahnstation führt, beträgt die Entfernung nur
6 km. Wasser und Holz stehen reichlich zur Verfügung. Tetjaev
 mißt diesen Gängen wirtschaftliches Interesse bei, doch
läßt sich vor Beendigung der Arbeiten kein abschließendes Urteil
fällen.
b) Die Gänge von Togotui,
Zu den wenigst erforschten und erschlossenen Lagerstätten
des Kukulbei gehört die Gegend von Togotui, deren Gänge etwa
        <pb n="49" />
        nn V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 4 i
1 km südöstlich des Schurffeldes von Tutchaltui an zwei felsigen
Bergkuppen ausbeißen, Ihre vorherrschende Streichrichtung ist,
abgesehen von einigen Abweichungen, nordwestlich und fällt
mit der Hauptrichtung des granitischen Nebengesteins zusammen.
Einige Gänge fallen am Ausbiß flach ein, hervorgerufen durch
Abrutschung und Umbiegung der Schichtenköpfe. Bisher kennt
man nur Gänge mit einer Maximalmächtigkeit von 0,1 m.
Die aus Quarz bestehende Gangausfüllung zeigt grobkristalline
Zusammensetzung. An Nebenmineralien schließt sie bisweilen
Flußspat ein, der lagenförmig angereichert sein kann, desgleichen
ist Topas bekannt. Auffallen die an einigen Gängen beobachteten
Biotite. In extremen Fällen sind sie an den Salbändern und in
den anschließenden Greisenzonen in Vergesellschaftung mit Rauchquarz
 angereichert, so daß diese Zonen in einer Breite von 3—5 cm
dunkel gefärbt sind. Die Glimmer haben stets die Stelle der von
ihnen verdrängten Feldspäte eingenommen. Wolframitkristalle
fehlen der Greisenzone oder finden sich nur als Einsprenglinge,
nur in einer einzigen Ausnahme waren sie in 4 x 5 x 0,5 cm
messenden Individuen angereichert. Die meisten Wolframitkristalle
 konzentrierten sich in der Quarz-Flußspatlage. Von
sonstigen Erzen kennt man Molybdänglanz. Gänge mit schwacher
oder fehlender Biotitbildung sind durch geringere Greisenbildung
gekennzeichnet. Eine im Laboratorium des Geologischen Komitees
ausgeführte Analyse zeigte folgende Zusammensetzung:
WO 327%
FeO tu DU 9,50%
MO u 407%
iO Ey 58%
Zr O, (Einschluß) 1.11%
799,53 %
Dem geringen Mangangehalt nach nähert sich das Erz dem
Ferberit.
Belangreich ist ein im Sommer 1917 erschürftes Wolframitvorkommen
 an der Kammscheide der Täler Duturul und Togotui.
Der etwa 30° einfallende und 0,17 m breite Gang konnte etwa
120 m im Streichen verfolgt werden. Die Gangmasse besteht
aus Quarz und führt durchsichtige Topase. Das Erz konzentriert
sich am liegenden Salbande in einem 4,5 cm breiten Streifen.
Der durchschnittliche W O;-Gehalt beträgt 1%.
        <pb n="50" />
        42 Rußlands Wolframlagerstätten nn
c) Die Gänge von Antan und Oroca.
Aus dem südlichen Kukulbei sind noch drei weitere Wolframitgebiete
 bekannt, nämlich das des Antanberges I (NiZnij Antan),
das des Antanberges II (Verchnij Antan) und das von Oroca.
Alle drei liegen ungefähr in einer nordwestlichen Linie, an der
Wasserscheide des Gebirgskammes und gehören vermutlich einem
einheitlichen Zuge an. Mehr Beachtung geschenkt hat man bisher
den beiden ersten Fundstellen, die an felsigen Bergkuppen zutage
gehen und an denen sieben Gänge erschlossen worden sind. Das
Nebengestein besteht aus rosa-gelblichem Biotit-Granit, auf den
ATTENTAT AN TEN STE TER DT —
e- “zo ca
A = &amp;gt; @ S
+++ + 14444 ARE
F++ + N + |
+++." £
PH 7
A
WE Granit
ES EN En
Ks 5 I“ Ganggestein
Se EZ Greisen
HS, BT ZOFadEn
—- Le EL 7Faden =21m
Fig. 7. (Nach Doktorovie-Grebnickij.)
südlich des Antanberges I die kontaktmetamorph veränderten
Schiefer folgen.
In ihrer geologischen Position zeigen diese Lagerstätten eine
gewisse Unregelmäßigkeit, namentlich in der ungleichmäßigen
Greisenbildung und in dem häufigen Gebundensein an feinkörnige
Aplite. Auch diese besitzen einen gangartigen Charakter, können
aber vollkommen unregelmäßige und verwickelte Formen annehmen.
 Ihre gesteinsbildenden Mineralien sind Quarz, Mikroklin
und Plagioklas.
Der Aplit kann salbandartig die erzführenden Quarzgänge
einschließen und dabei am Kontakt verquarzt sein. Die Grenze
beider Gesteine ist ausgeprägt (Fig. 7). Nicht selten setzt er wieder
aus, auch schließt er parallel den Hauptgängen verlaufende Quarz-
        <pb n="51" />
        a V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 43
gängchen eın. Ein und derselbe Gang kann als Nebengestein
sowohl Aplit als auch normalen Granit führen. Die Greisenbildung
 hat beide Gesteine betroffen, so daß ein genetischer
Zusammenhang zwischen Erzgängen und Apliten unwahrscheinlich
erscheint. Vielleicht wird die hier beobachtete verstärkte Gangbildung
 durch die größere Klüftigkeit der betreffenden Gesteine
bedingt, was die russischen Geologen betonen.
Alle Gänge streichen 320—340° NW, bei steilem Einfallen
von 50°—70° NO. Eine Ausnahme bilden ein paar unbedeutende
Nebengängchen. Die Mächtigkeit schwankt zwischen 0,3 und
0,4 m. In einem einzigen Falle beträgt sie 1 m. Innerhalb der
Aplite zerteilen sich die sonst einheitlichen Gänge in mehrere
Nebengänge.
Über die Längenausdehnung der einzelnen Gänge liegen
keinerlei nähere Angaben vor. Angeblich soll die Maximallänge
500 m betragen.
Das Ganggestein besteht aus Quarz, dessen Kristalle eine
lagenförmige Anordnung zeigen. Bei der Verquarzung der Aplite
geht leicht die scharfe Grenze zwischen dem Gangquarz und
dem metasomatisch umgewandelten Nebengestein verloren, wobei
es zur Bildung einer scheinbaren Bänderung kommt.
An nichtmetallischen Nebenmineralien führen die Gänge
hellfarbigen ’Topas, gelblichen Beryll, Flußspat und weißen
Glimmer. Am häufigsten findet sich der kaum vom Quarz zu
unterscheidende Topas. Flußspat ist verbreitet, doch nirgends
gemein, wogegen der Beryll zurücktritt. Der helle Glimmer kommt
vereinzelt oder in Aggregaten vor. Auch kaolinartige Tüpfchen
sind in der Gangmasse enthalten. Sus@&amp;amp;inskij erwähnt noch
Aquamarin.
Der Wolframit ist allgemein verbreitet. In dem derben Ganggestein
 ist er regellos verteilt und bildet bis zu 3—4 cm große
Kristalle, während diese bei lagenförmiger Gangstruktur kleiner
und innerhalb einzelner Lagen angereichert sind. Gleichzeitig
ist damit eine Anhäufung von Topas und Beryll verbunden.
Von den übrigen Erzen verdient der bis zu 5—10 mm große
Kristalle bildende Molybdänglanz die meiste Beachtung. In
ansehnlicheren, beinahe vorherrschenden Mengen ist er nur selten
(z. B. in einem Gang des Antanberges II) beobachtet worden,
        <pb n="52" />
        44 Rußlands Wolframlagerstätten
im allgemeinen tritt er zurück. Auch er ist an einzelne Lagen
gebunden. Pyrit- und Arsenkieseinsprenglinge sind nicht selten,
ziemlich reichlich finden sie sich jedoch nur an einer einzigen
Stelle. Eine Seltenheit bildet das Vorkommen von Wismutglanz.
Die Greisenbildung des Ganggebietes ist nach Doktorovic-Grebnickij*)
 unbedeutend. Sie übertrifft selten 3 bis
4 cm, ausgenommen sind einige von Quarznebentrümern durchsetzte
 Aplite, bei denen das ganze Gestein verändert worden ist.
In ihrer mineralogischen Umwandlung macht sich eine gewisse
Vielseitigkeit bemerkbar. Neben dem gewöhnlichen, durch
Strukturerhaltung und Ersetzung der Feldspäte durch helle
Glimmer gekennzeichneten Typus findet sich ein ähnliches Gestein
 mit dunkelgrauen Quarzkörnern und schwarzen frischen
Biotiten, die in einer feinschuppigen, dunklen, graugrünen, aus
neugebildeten Glimmern und einigen Quarzen bestehenden Masse
schwimmen. Seltener gibt es reine „Quarz-Biotitgreisen‘, deren
Feldspäte vollkommen vom Quarz verdrängt sind und die die
ursprüngliche Gesteinsstruktur eingebüßt haben. Sie führen
bisweilen Topase. Die Greisenzonen der meisten Aplite zeigen
ähnliche Verquarzungen, doch kennt man auch solche, bei denen
die Feldspäte vollkommen kaolinisiert‘ sind.
Ob diesen Gängen eine wirtschaftliche Bedeutung zukommt,
dürften erst Abbauversuche an dem am genauesten untersuchten
Antanberge I ergeben. Geographisch liegt das Vorkommen günstig,
mit dem erwähnten Dorfe Maly Soktui ist es durch einen allerdings
 schlechten Weg von 7—8 km Länge verbunden. Die Entfernung
 nach der mehr der Bahn zu vorgeschobenen Siedlung
Chada-bulak beträgt 13 km; hierhin führt eine einigermaßen
fahrbare Straße.
5. Die Lagerstätten des Granitmassives von Turga und Unda.,
Nördlich des Kukulbei liegt ein in seinen Ausmaßen gewaltiges
Granitmassiv (Fig.11.5.75), über dessen ggenaueAusdehnung man bisher
 nur durch Routenbegehungen unterrichtet ist. Ein Zusammenhang
 dieses nach der Wasserscheide der Flüsse Turga und Unda benannten
 Batholithen mit den unvergleichlich viel kleineren Mas-*
 Tetjaev und SugZinskij machen die gegenteilige Mitteilung,
        <pb n="53" />
        — V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 45
siven des Kukulbei besteht nicht, vielmehr werden beide Eruptivgebiete
 durch eine breite Zone sedimentärer Gesteine voneinander
getrennt. Die Grenze zwischen Granit und Schiefer verläuft in
der weiteren Umgebung der zu besprechenden Lagerstätten
von O nach W. Sie wird von einer ausgesprochenen Kontaktzone,
ähnlich wıe am Kukulbei, begleitet.
Petrographisch ist der Granit nicht gleichmäßig entwickelt,
man kennt aus seinem Verbreitungsgebiet mittelkörnige, grobkörnige
 und porphyrische Abarten. Er enthält neben Quarz,
Mikroklin, Mikroklin-Perthit sauren Plagioklas und Biotit, sowie
häufig in größeren Mengen Hornblende.
Unsere Kenntnis über Wolframführung in diesen beiden
Massiven beschränkt sich bisher auf die Lagerstätten Bukuka
und Belucha, jedoch scheint damit, wie weitere Untersuchungen
zeigten, die Zahl der Vorkommen noch lange nicht erschöpft
zu sein.
a) Die Gänge des Berges Bukuka.
Zusammen mit den beiden südlichen Lagerstätten von Charanor
und Serlovaja Gora gehören die Gänge des Berges Bukuka zu den
wenigen, vor dem Kriege genauer bekannten Wolframlagerstätten
Transbaikaliens. Ihre erste Beschreibung rührt von SuS&amp;amp;inskij
her, später hat sie Tetjaev genauer untersucht.
Der Berg Bukuka liegt hart am Rande des Granitmassives
an der Grenze gegen die von ihm kontaktmetamorph veränderten
Sedimentgesteine, ungefähr 16 km nördlich des Dorfes Turga.
Seine Kuppe bildet die Wasserscheide einiger Bäche des Turgaund
 Undaflußsystemes. Das ganze Gebiet ist von dichtem Wald
bestanden. Natürliche Gesteinsaufschlüsse fehlen. Größer angelegte
 Abbauversuche und Schurfarbeiten haben bisher zwei
Ganggebiete erschlossen, von denen das westliche die eıgentliche
Kuppe des Berges bildet, wogegen das östliche gegen 1200 m hiervon
 entfernt ist und bereits den rechten Bergkamm des SuSanicha-Tales
 bildet. Tetjaev vermutet einen Zusammenhang beider
Felder. Der zutage gehende Granit ist mittelkörnig und setzt
sich aus Quarz, Mikroklin, saurem Plagioklas und Biotit zusammen.
 Bei SuSanicha schließt er noch Hornblende ein. Zwischen
das Gebiet der Bukukagruppe und den Kamm von SußSanicha
        <pb n="54" />
        46 Rußlands Wolframlagerstätten
schiebt sich von S her eine Zunge kontaktmetamorpher dunkler
Schiefer.
Die Erzführung ist stets an Quarzgänge von verschiedener,
oft sehr wechselnder Mächtigkeit gebunden. Maximal beträgt
diese 1,4 m, durchschnittlich 8—25 cm. Im allgemeinen hat man
von einer systematischen Erschürfung der Lagerstätten abgesehen,
 so daß die ganzen Abbauversuche einen mehr ungertegelten
zufälligen Charakter tragen, womit auch die geringe Kenntnis
über den Verlauf und die Ausdehnung der einzelnen Gänge zusammenhängt.
 Namentlich trifft dieses für die Bergkuppe des
Bukuka zu. Am Osthange der SuSanicha-Senke ist im Jahre 1917
durch Schürfarbeiten ein mächtiger, gegen 80 m langer und 40 m
breiter Quarzstock erschlossen worden, der wahrscheinlich eine
Erweiterung eines flachen N—5$S streichenden Ganges bildet.
Der Stock zeigt an einigen Punkten lagenförmige Anordnung,
wobei der zu Greisen umgewandelte Granit mit dem Quarz parallel
dem Hangenden wechsellagert. Nach N keilt der Stock aus, setzt
allerdings wieder mit Anschwellungen auf, ist jedoch dort mit
Ausnahme von Molybdänglanz erzfrei. Am Kamm zwischen den
Tälern SuSanicha und Ozernaja wurde ferner gleichzeitig ein steilstehender,
 400 m langer erzführender Gang Dal’naja SuSanicha
freigelegt, in dessen Quarz neben Wolframit noch Zinkblende enthalten
 war.
Was die Streichrichtung der Gänge mit Ausnahme der beiden
zuletzt genannten Vorkommen betrifft, so ist diese für die Kuppe
des Bukuka 310°—315°®° und 350° NW gerichtet, bei steilem,
60°—80°%° betragendem nordöstlichen KEinfallen. Allerdings ist
der Fallwinkel nur aus den tiefer geführten Abbauversuchen
ersichtlich. An der Oberfläche der steilen Hänge haben sich
durch die fortgeschrittene Verwitterung alle Schichtenköpfe vollkommen
 umgebogen, wodurch der Anschein flacher Ganglagerung
erweckt wird. Auch das Su8anicha-Vorkommen besitzt die gleiche
Streichrichtung, nur fallen hier die Gänge bei ungefähr dem
gleichen Neigungswinkel nach SW. Außerdem fehlt die Verwitterungsschicht
 und die damit verbundene Schichtenkopfumbiegung,
so daß an den dortigen flachen Hängen die Steilstellung der Gänge
ersichtlich ist.
Die Streichrichtung aller Gänge fällt mit der Hauptklüftung
        <pb n="55" />
        rrnrnrnrnyuyuyu©u Vi Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 47
des Granits zusammen. Ausnahmslos begleitet die Gänge eine
allerdings nach Tetjaev unbedeutende Greisenbildung, von
der zweierlei Typen bekannt sind. Beim ersten hat das Gestein
unter vollkommener Verquarzung der Feldspäte und Erhaltung
des Glimmers die Struktur bewahrt, während beim zweiten eine
sekundäre Umwandlung des Gesteins in eine feinkörnige Quarzglimmermasse
 vor sich gegangen ist. Diese zweite Abart kennzeichnen
 am Salbande gewöhnlich kammartige Glimmerbeläge.
Nach SuB8tinskij soll die Greisenbildung vielfach sehr ausgeprägt
 sein und die Gangmächtigkeit um ein Vielfaches übertreffen,
 auch ist sie manchmal mit dem Auftreten von viel Flußspat,
 Zinkblende und Pyrit verknüpft und bildet dann eine dichte
gelbliche Masse. Zu den verbreitetsten nichtmetallischen Nebenmineralien
 des Ganggesteines gehören Glimmer und Flußspat,
während Aquamarin nur in einem einzigen Falle beobachtet
worden ist.
Gegenüber dem Kukulbei kennzeichnet eine genetisch belangreiche
 vielseitige Erzführung die Bukukalagerstätte, die — außer
dem überall angetroffenen Wolframit — Molybdänglanz, Schwefelkies,
 Kupferkies, Zinkblende und Wismutglanz einschließt. Außerdem
 wird, allerdings nur aus dem Gang Dal’naja SußSanicha,
Bleiglanz erwähnt. Obgleich von Oldanda und Antonova Gora
Kupferkies und Bleiglanz bekannt sind und auf dem Antan Wismutglanz
 vorkommt, fehlt doch Zinkblende in den übrigen transbaikalischen
 Wolframitgängen; ferner wiegen hier die Sulfide
quantitativ gegenüber den anderen Gängen vor, so daß z. B.
die Erzführung einiger Gänge mehr nach den Kupfer-Zinkgängen
als nach den Wolframitgängen neigt, was beim Kukulbei nirgends
zutrifft, wo diesen Erzen eine nur untergeordnete Rolle zukommt.
In der Erz- und übrigen Mineralverteilung kommt eine Gesetzmäßigkeit
 klar zum Ausdruck. So konzentrieren sich Glimmer,
Wolframit, Flußspat, Arsenkies und Molybdänglanz mehr nach
den Salbändern, wogegen die leicht löslichen Sulfide Kupferkies,
Pyrit und Zinkblende in der Mitte auftreten. Die beiden letztgenannten
 Mineralien sind allerdings auch vom Außenrande
des Salbandes bekannt. Die Ganganschwellungen enthalten
meist taubes Gestein, die der Fortsetzung des Stockes von
SuSanicha jedoch auch Molybdänglanz. Der Stock selbst zeigt
        <pb n="56" />
        48 Rußlands Wolframlagerstätten 5
im Hangenden reiche Erzfälle, verarmt jedoch mit der Teufe
nach dem zentralen Teil zusehends.
In dem Gangsystem der Bukukagruppe ist nach der Teufe
zu eine Abnahme der Sulfide und Zunahme des Wolframits nachzuweisen.

Auch die 100 m tiefer gelegene SuSsanichagruppe kennzeichnet
eine größere Armut an sulfidischen Erzen. Zinkblende und Wismutglanz
 fehlen vollkommen und Kupferkies tritt bedeutend zurück.
Nicht unerwähnt bleibe, daß der anscheinend abseits gelegene
Gang Dal’njaja SuSanicha Bleiglanz führt.
Chemisch zeigt der Wolframit von Bukuka folgende Zusammensetzung:

WO 1
Fe a 15,16%
Mu OH 00%
99,47 %
Wegen seines hohen Mangangehalts steht das Erz beträchtlich
hinter dem von Tutchaltui und SuSanicha zurück.
Nach den genauen Berechnungen Tetjaevs beträgt der
Erzgehalt der Gangmasse 0,28 %, bei SuSanicha 0,47 %, also
durchschnittlich 0,37 %, wobei das bei der Förderung mitgebrochene
 Nebengestein nicht inbegriffen ist. Bei einer durchschnittlichen
 Gangmächtigkeit von 12—16 cm erfordert der Abbau
die gleichzeitige Entnahme der sechsfachen Menge des tauben
Nebengesteins; somit entfallen auf das gesamte Fördergut
O8 0,05 %. Wenn auch die hier wiedergegebenen Zahlen
vorsichtigen Erwägungen entsprechen und bei der Bukukagruppe
mit einer möglichen Anreicherung von Wolframit nach der Teufe
zu zu rechnen ist, erscheint ein gewinnbringender Abbau dieses
Ganggebietes dennoch durchaus fraglich.
Die bisherige Förderung beschränkte sich ausschließlich auf
die Kriegszeit, während deren eine Hochkonjunktur der Wolframerze
 bestand. Der Abbau wurde im Jahre 1915 eingeleitet und
kam 1917, nach neueren Angaben erst 1919, zum Erliegen. Im
Sommer betrug die monatliche Ausbeute 1,6 t. Es kam nur
Örterbau zur Anwendung, wobei in der Streichrichtung Stollen
vorgetrieben wurden. Infolge des wechselnden Einfallswinkels der
an den Schichtenköpfen flach geneigten, nach der Teufe jedoch
        <pb n="57" />
        nn V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 49
steilstehenden Gänge war man am Umbiegungsschenkel gezwungen,
dem Stollen eine andere Richtung zu geben, was häufig nur
durch Neuanlagen möglich war, und wodurch die Regelmäßigkeit
des Örterbaues verloren gıng.
Zum Fördererz zählte das Ganggestein und ein Teil der Salbänder.
 In der Grube fand eine Handscheidung in taubes Ganggestein,
 feinverteiltes Erz und grobspätiges Erz statt. Dieses
gelangte gleich zum Rösten, wogegen das gewöhnliche Erz nochmals
 auf den Halden handgeschieden und nachher einem ordentlichen
 nassen Aufbereitungsverfahren unterworfen wurde, aus
dem reines Wolfram-Konzentrat und ein Konzentrat der Fe-,
Cu-, Zn- und Bi-Sulfide hervorgingen. Aus diesem sind im Herbst
1918 von Nenadkevi? 33 kg metallischen Wismuts gewonnen
 worden.
Die Aufbereitungsanlagen standen technisch auf der Höhe
und entsprachen vollkommen den örtlichen Anforderungen,
weniger der eigentliche Bergbau, der, vollkommen unsystematisch
angelegt, einen zufälligen Charakter trug. Dem ist nur durch
Aufschlußarbeiten abzuhelfen, die die geologischen Verhältnisse
berücksichtigen.
b) Die Gänge des Berges Belucha.
Der Berg Belucha liegt am Talangui, einem Nebenfluß der
Unda, etwa 16 km nordwestlich des Dorfes NiZnee-Girjunino
und bildet gleichzeitig die Wasserscheide der Flüsse Talangui und
Sundui. Geologisch gehört das ganze Gebiet zum großen Granitbatholithen,
 an den erst 11 km südlich die kontaktmetamorph
veränderten Sedimentgesteine stoßen. Natürliche Aufschlüsse
fehlen vollkommen; das ganze Gebiet ist von einem groben Verwitterungsschutt
 bedeckt, in dem sich große Quarzblöcke mit
Wolframit finden. Die geologische Untersuchung dieser Lagerstätten
 rührt von SuS&amp;amp;inskij und namentlich Te t j ae v her.
Man kennt aus der Umgebung der Lagerstätte grauen mittelkörnigen
 Biotitgranit, von großen rosa Feldspäten durchsetzten
porphyrischen Granit, und biotitreichen gneisartigen Granit.
Alle diese Abarten haben ihr bestimmtes Verbreitungsgebiet.
Außer ihnen kennt man noch in flächenhafter Ausdehnung und
inselförmig inmitten des Granites Quarzporphyr. Die wolframitführenden
 Quarzgänge durchschneiden alle diese Gesteine. Stets
Quellen u, Studien. III. Abt. N. F. Heft 1: L. v. zur Mühlen, Lagerstätten von Wolfram etc. 4
        <pb n="58" />
        50 Rußlands Wolframlagerstätten &amp;gt;
sind sie von einer Greisenzone begleitet. Ihre Streichrichtung
ist bei steilem KEinfallen N—S und 330° NW. Bisher sind 15 abbauwürdige
 Gänge erschlossen worden, von einer Mächtigkeit von
0,2—1 m. An ihrer sonstigen Zusammensetzung nehmen teil
an Nichterzen Flußspat und Glimmer, an Erzen Schwefelkies,
Molybdänglanz, Wismutglanz, Kupferkies und Zinkblende. Einzelne
 der im Quarz eingeschlossenen Wolframitkristalle erlangen
8—13 cm Länge. Die Lagerstätte ähnelt genetisch und mineralogisch
 der von Bukuka, nur zeigt sie gegenüber dieser einen
gesetzmäßigeren und regelmäßigeren Aufbau.
Das im Laboratorium des Geologischen Komitees analysierte
Erz ergab folgende Zusammensetzung:
WiOr 4 557%
FeQ 2 530%
MnO 4. 428,20. %
810. N 009%
9952 %
Der geringe Mangangehalt erhöht den Wert der Lagerstätte,
deren Gänge durchschnittlich 0,5—1 % W Oz aufzuweisen haben.
Im Sommer 1917 wurden monatlich 3,2—4 t Konzentrat gefördert.
 Die Trennung des grobspätigen Erzes von der Gangausfüllung
 geschah durch Handscheidung, die nasse Aufbereitung
wurde handbetrieben.
Mit Wasser und Holz dürfte die Umgegend reichlich versorgt
sein, auch steht der Anlage eines guten Weges nach dem Dorfe
NiZne-Girjunino kein Hindernis im Wege, insbesondere wenn
man dazu das bequemere Tal Igarinta benutzt. Vom Dorf selbst
führt eine Landstraße nach den Eisenbahnstationen Byrka und
Chadabulak. Die wirtschaftliche Bedeutung dieses Ganggebietes
kann nicht bezweifelt werden, auch ist mit Sicherheit auf weitere
Vorkommen östlich des Talangui zu rechnen, die jedoch zurzeit
von den Bauern verheimlicht werden.
6. Die Lagerstätten nördlich der Bukukagruppe.
Ungefähr 50—60 km nördlich Belucha, in der Nähe der Kazakovskij
 Priisk wurde von K. A. Nenadkevi6 eine neue Wolframlagerstätte
 entdeckt, die nach dem an ihr vorbeifließenden
Bache Kljucevaja, einem linken Nebenfluß der Kazakovaja,
benannt worden ist. Svitalskij, dessen kurzem Bericht
        <pb n="59" />
        — V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes. 51
die Angaben entnommen sind, gibt als Nebengestein der Lagerstätte
 einen Hornblendeschiefer an. Bisher hat man drei 60° bis
80° nach NW fallende Gänge festgestellt. Die Gangfüllung besteht
aus Quarz, bisweilen ist diesem auch Kalzit beigemengt, der gegen
die Salbänder Lagen bildet. In den Salbändern tritt gewöhnlich
Turmalin auf. Das Erz, ausschließlich Scheelit, kommt in nesterförmigen
 Einschlüssen und Adern innerhalb der Quarzmasse,
seltener im Kalzit vor. Chemisch wird er durch folgende im
Laboratorium des Geologischen Komitees ausgeführte Analyse
gekennzeichnet:
WO 0.14%
CO
Pe O2 020%
2 99,54%
Die Mächtigkeit des Hauptganges beträgt etwa 0,7 m, gegenüber
 0,2—0,4 m beim zweiten Gange. Hier ist das Erz feiner
in der Gangausfüllung verteilt und erst durch nasse Aufbereitung
zu gewinnen. Den dritten Gang hat man früher versuchsweise
auf Gold abgebaut. Auch er enthält im Anstehenden Scheelit,
den man übrigens auch auf den alten Halden findet. Über den
genauen Erzgehalt liegen leider keinerlei Angaben vor. Bisher
wurden in einem halben Tage von drei Arbeitern im Handbetriebe
etwa 16 kg Scheelit gewonnen. Geographisch liegt die Lagerstätte
 nicht ungünstig, in der Luftlinie etwa 30 km von der über
Nertinsk führenden Transamurbahn.
Abgesehen hiervon hat man etwa 40 km östlich, am Bache
Cenkyricha, einem Nebenflusse der PeSkovaja, die ihrerseits in
die Urul’ga mündet, in den dortigen Goldseifen Scheelit gefunden.
Die anstehenden Gänge blieben in dieser von Schiefern und Gneisen
eingenommenen Gegend unbekannt. Eine praktische Bedeutung
kommt dieser Lagerstätte ebenso wenıg zu wie den der benachbarten
 Karijskij-Seifen, doch steht durch diese Vorkommen
und Gänge von Kljudevaja fest, daß die transbaikalische Wolframprovinz
 sich weit nördlicher, als bisher angenommen wurde,
ausdehnt.
7. Die Lagerstätten östlich der Bukukagruppe.
Etwa 100 km östlich von Belucha und 44 km nördlich der
Gazimurskij-Hütte liegt am Bach U&amp;amp;mun, einem rechten Nebenfluß
        <pb n="60" />
        52 Rußlands Wolframlagerstätten
des Gazimur, die Wolfiramlagerstätte des USmunskij-Golec-(Felsen).
Die als Wolframit bekannten Erze sollen an Quarzgänge gebunden
sein. Über das Nebengestein fehlen jegliche genaueren Angaben,
doch gehen nach älteren Untersuchungen dortselbst Sandsteine
und Konglomerate wahrscheinlich paläozoischen Alters zutage.
Die im Laboratorium des Geologischen Komitees ausgeführte
Analyse ergab folgende Zusammensetzung:
WO 4,63%
Be OA A
MnOt U T760%
SA Se
AO NN
100.150
Der geringe Mangangehalt spricht für Ferberit. Mit der versuchsweisen
 Ausbeute der Lagerstätte ist begonnen worden,
nähere Angaben darüber fehlen leider.
Ferner hat man noch Scheelit in den Goldseifen des Baches
Bystraja, unweit der Gazimurskij-Hütte, gefunden. Diese wirtschaftlich
 vollkommen ungeklärten Fundpunkte gehören zur
östlichen Grenze der Wolframprovinz, an die sich die Zonen
der Kupfer- und Blei-Silber-Zinkerze anschließen.
8. Die Lagerstätten westlich des Kukulbei und der
Bukukagruppe.
Weit westlich von den übrigen Wolfram- und Zinnlagerstätten,
von diesen durch die Aginsksteppe getrennt, liegt im Gebiete der
Alchaneiski-Bergkette, die erst in allerneuester Zeit entdeckte
Wolframlagerstätte von Duldurga. Sie befindet sich etwa 5 km
westlich des Dorfes Duldurga, unweit des gleichnamigen in die
Ilja mündenden Flusses. In der näheren Umgebung des Gebietes
gehen inmitten sedimentärer, z. T. kontaktmetamorph veränderter
Sedimente zwei Granitmassive zutage. Die Erze finden sich
im Südwestteile des kleineren der Massive, an der Wasserscheide
der Bäche Talo&amp;amp; und Buluktui. Bisher konnten zwei frei zutage
gehende, N—S streichende, erzführende Gänge festgestellt werden,
von denen der erste 300 m Länge und 0,7 m Mächtigkeit, der zweite
60 m Länge und 0,2—0,4 m Mächtigkeit aufzuweisen hatten.
Parallel mit ihnen oder auch sie schneidend verliefen einige unbedeutendere,
 4—8 cm mächtige, z. T. aber vollkommen mit
        <pb n="61" />
        V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 53
Wolframit ausgefüllte Nebengänge. Der erste Hauptgang zeichnete
sich durch reichliche Wolframitführung aus.
Die chemische Zusammensetzung des KErzes kennzeichnet
folgende, im Laboratorium des Geologischen Komitees ausgeführte
 Analyse:
WORTE 16,00%
FeO nz 0%
Mn Or rer 2 516,70 ,%
99,85%
Genauere Angaben über den wirtschaftlichen Wert der Lagerstätte
fehlen. Bis zur Eisenbahn beträgt die Entfernung in der Luftlinie
 130 km.
In den übrigen Teilen des Massives, in dem Nachbarbatholithen
und im anstehenden sedimentären Gestein waren bisher nur
taube Gänge wahrzunehmen.
Anscheinend bildet dieses Gebiet den Südwestflügel der transbaikalischen
 Wolfram-Zinnprovinz und verdient als solcher volle
Beachtung, da man dort mit der Möglichkeit zu rechnen hat,
weiter fündig zu werden.
9. Genetische Übersicht der transbaikalischen Wolfram-Zinnprovinz,

Sämtliche Wolframgänge gehören ebenso wie die mit ihnen
verwandten Zinnsteingänge Transbaikaliens einer einheitlichen,
etwa südwestlich bis nordöstlich gestreckten Zone an, deren
Haupt- oder Nordostflügel fast alle bekannten Wolframlagerstätten
 umfaßt, während über den Südwestflügel nur dürftige
Angaben vorliegen und unsere gegenwärtigen Kenntnisse sich
eigentlich ausschließlich auf das Ganggebiet von Duldurga beschränken.
 Anzunehmen ist, daß die südwestliche Fortsetzung
dieser Metallprovinz jenseits der russischen Reichsgrenze in der
Mongolei liegt, worauf bereits Meister hingewiesen hat, und
wofür verschiedene geologische Gesichtspunkte sprechen. Die
Zinnsteinvorkommen bilden inmitten dieser Zone einen selbständigen
 Herd, der sich unmittelbar westnordwestlich an das
Gebiet des Serlovaja-Gora anlegt, und gleich diesen den Mittelpunkt
 der ganzen Provinz bildet. Metallogenetisch gehört das
Vorkommen zu dem übrigen Wolframbezirk, wenngleich es in
        <pb n="62" />
        54  Rußlands Wolframlagerstätten &amp;gt;
diesem eine eigene gesonderte Unterabteilung einnimmt. Übergänge
 beider Gangtypen sind unbekannt, abgesehen von vereinzelten
 Wolframeinsprenglingen in den Zinnerzgängen des Onongebietes
 und ganz unwesentlichen Zinnsteinfunden in den Wolframgruben
 des Serlovaja-Gora. Es scheint demnach schon innerhalb
des erzbringenden Magmas eine reinliche Scheidung beider Metalle
vor sich gegangen zu sein, im Gegensatz zu anderwärtigen ähnlichen
 Vorkommen.
Die Erze sind, wie wir schon sahen, an Gänge gebunden, die
in den verschiedenen Granitmassiven oder in deren nächster
Nähe in ihrer unmittelbaren Kontaktzone aufsetzen. Wenngleich
die einzelnen Granitfundpunkte isolierten, durch Sedimentgesteine
 von einander getrennten Vorkommen angehören, kann
doch kaum an einem einheitlichen „batholithischen‘“ Zusammenhang
 des Ursprungsmagmas gezweifelt werden, dessen Kern
von verschiedenartig zusammengesetzten und teilweise abgetragenen
 sedimentären Mantelschichten zumeist verschleiert wird.
Dieser Zusammenhang geht aus der gesetzmäßigen metallogenetischen
 Anordnung der einzelnen Mineralkörper hervor,
findet jedoch auch tektonisch in einer einheitlichen nordwestlichen
Gesteinsklüftung seine Bestätigung.
Die Form der Gänge wechselt. Sie füllen regelmäßige Gangspalten
 oder bilden Linsen oder Stöcke. Für den Süden mit der
Lagerstätte des Serlovaja-Gora ist der unregelmäßige Typus in
Gestalt von gangartigen Linsen bezeichnend, wobei jedoch immer
eine einheitliche Streichrichtung nach der Hauptklüftung in Erscheinung
 tritt. Ähnlichen, wenngleich unregelmäßigeren Aufbau
zeigt die ebenfalls im S gelegene Lagerstätte von Charanor, deren
Erzführung an einzelne, durch ein feines gesetzloses Gangnetz
verbundene Linsen oder Stöcke gebunden ist. Nordwärts nehmen
die Gänge einen gesetzmäßigeren, regelmäßigeren Aufbau an,
der im Kukulbei und Zinnsteingebiete des Onon noch gewisse
Übergangstypen zeigt, im N jedoch, wie bei Bukuka und Belucha,
vollkommen ausgeglichen erscheint und als Abweichungen nur
Schwankungen der Gangmächtigkeit aufzuweisen hat. Ob die
Gänge des nur dürftig bekannten Westflügels der Metallprovinz
eine ähnliche gesetzmäßige Aufeinanderfolge aufzuweisen haben,
entzieht sich bisher unserer Kenntnis.
        <pb n="63" />
        ru Vi Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 55
Als besondere Kennzeichen der transbaikalischen Wolframund
 Zinngänge gilt ihre symmetrische Lagenstruktur. Am Bukuka
konzentrieren sich Wolframit, Molybdänglanz und Flußspat nach
den Salbändern zu, während die Mitte Pyrit, Kupferkies und
Zinkblende einschließt. Auch der Zinnstein der Onongruben
beschränkt sich ausschließlich auf die Salbänder. Ein .ausgesprochen
 rindenförmiger Habitus zeichnet die Linsen des Serlovaja-Gora
 aus, bei denen die Erze eine selbständige Erzzone nahe den
Salbändern bilden. Anderseits sınd auch Gänge aus dem Kukulbei
bekannt, die keinerlei Gesetzmäßigkeit erkennen lassen, während
es auch nicht an solchen mit lagenförmiger Anordnung des
Ganggesteines fehlt.
Das Ganggestein besteht aus Quarz, mit Ausnahme des Serlovaja-Gora,
 wo es durch Topase und Berylle ersetzt wird. Quarz
findet sich dort nur an den Gangklüften und in kristallisiertem
Zustande an den Salbändern, an denen er in Gemeinschaft mit
dem Topas den anschließenden Granit in ein Quarz-Topasgestein
umgewandelt hat. Spuren derartiger Topas-Beryllgangarten gibt
es auch weiter im N im Kukulbei, so in den Gängen des Antan,
in denen innerhalb des Quarzes Ansammlungen kleiner Berylle
auftreten, häufig auch Topase, weit seltener Aquamarine bekannt
 sind. Vereinzelte Ausläufer in Gestalt von "Topasbeimengungen
 enthalten noch die Gänge von Tutchaltui und Togotui
und sporadische Berylleinschlüsse die Gänge des Antonova-Gora.
Sonst besteht die Gangart aus reinem Quarz, der somit den Endpunkt
 in der Reihe der Gangausfüllungen bildet. Diese allmähliche
Veränderung der Topas-Beryllgangart nach NO hängt anscheinend
mit einer Druckverminderung, Temperaturabnahme und Nachlassen
der pneumatolytischen Stoffzufuhr bei der Ausscheidung der gangbildenden
 Lösungen zusammen, die beim Serlovaja-Goraihren Höhepunkt
 erreichten. Hier konnte die Quarzausscheidung nur bei den
erkaltenden Salbändern vonstatten gehen. Bezeichnend hierfür
ist das Gebundensein der Berylle an die Mitte des Gangkörpers,
natürlich nur innerhalb des dichten, nicht lagenförmigen Gangkörpers.

Südöstlich vom Serlovaja Gora, bei Charanor besitzen die
stockförmigen Gänge in ihrer Form Ähnlichkeit mit der vorigen
Lagerstätte. Daneben weisen aber die aus Quarz bestehende
        <pb n="64" />
        56° Rußlands Wolframlagerstätten nn
Gangausfüllung und die noch zu besprechende Mineralparagenesis
bereits auf erkaltende Lösungen hin.
Eine Ausnahme bilden paragenetisch die Gänge von Oldanda,
mit Quarz-Feldspatausfüllung, dichter Gesteinsbeschaffenheit und
eintöniger Mineralzusammensetzung. Sie zeigen viel Anklänge
an die an die Granite gebundenen Pegmatit- und Aplitgänge
und stellen vielleicht einen Übergangstypus zu ihnen dar. -
Gleich der Gangart kennzeichnen die an die Gänge geknüpften
sekundären Granitumwandlungen, die Greisen, die Entstehungsweise
 der Lagerstätten. Im Transbaikalgebiete sind drei Typen
vertreten: 1. Bildung eines Quarz-Topasgesteines unter Verdrängung
 der Feldspate und Glimmer, bei teilweiser Erhaltung
der Struktur des ursprünglichen Granitgesteins, 2. Zerfall der
Feldspate in Quarz und Glimmer, bei allgemeiner Verquarzung
des Granits und teilweiser Strukturerhaltung und 3. Umwandlung
des ursprünglichen Granitgesteins in ein feinkörniges Quarz-Glimmeraggregat
 unter Anreicherung von hellen Glimmern und
Bildung von Glimmerbelägen an den Salbändern. Die erste
Abart, bei deren Entstehung zweifelsohne die beträchtlichsten
Temperaturen eingewirkt haben, charakterisiert eigentlich nur
die Lagerstätte des Serlovaja Gora, während die zweite über das
Gebiet von Charanor und das des Kukulbei verbreitet ist. Allerdings
 kennt man im Norden dieses Gebirges beim Antonova Gora
und Oldanda, bereits Anzeichen des dritten Typus, der bei Bukuka
und SuSanicha ebenfalls in gemischter Form vorkommt und erst
bei Belucha vollkommen rein erscheint. Übergänge vom Quarz-Topasfels
 des Serlovaja Gora zu dem verquarzten Granit werden
von Tetjaev in den Greisen des Antan gesehen und auch
das von Doktorovic-Grebnickij untersuchte Topasvorkommen
 in der Umwandlungszone der Gänge von Tutchaltui
spricht für ein wenn auch schwaches Bindeglied zwischen beiden
Bildungen. Auch hier kommt somit eine mit der Entfernung
vom Magmaherd zunehmende Temperaturverringerung bei der
Gangbildung zum Ausdruck, die sich ebenfalls in nordöstlicher und
südöstlicher Richtung ausgewirkt hat. Daß die dem zentralen
Herde näher gelegenen Zinnsteingänge des Onongebietes dem
dritten, äußersten Greisentypus angehören, hängt mit der Veränderung
 des Nebengesteins zusammen, in dessen abgekühlterer
        <pb n="65" />
        nn V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes Te DD
Umgebung die aus dem erkaltenden Granitmagma aufsteigenden
erzbringenden Dämpfe und Lösungen einem schnelleren Abkühlungsprozesse
 unterworfen worden sind.
Vielleicht den wichtigsten Beweis für die eben beschriebene,
sich in nordöstlicher Richtung geltend machende paragenetische
Gesetzmäßigkeit liefert die Mineralführung der einzelnen Gänge,
die unverkennbar den eben erwähnten Erscheinungen parallel
läuft. Natürlich 1äßt sich für jeden einzelnen Gang oder Gangbezirk
 keine endgültige Mineralvergesellschaftung festlegen, da,
wie die jüngsten Arbeiten zeigen, immer neue, durch die Abbauversuche
 gezeitigte Mineralfunde unsere Kenntnisse bereichert
haben und es auch fernerhin tun werden. Immerhin sind, wie
aus der beigefügten Tabelle hervorgeht, zwei Grundzüge deutlich
' ) \ en u
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sl] A | ee
Si 1:8 SS A
E „ 5 ? A |
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I x DZ
Wolframit +1 +11 a E N
Scheelit .”.. — +
Zinnstein. .. . + 1— -
Hämatit‘. 5... + x
Turmalin‘ ...
Popass ri
Berry
Flußspat ,".
Arsenkies. . .
Molybdänglanz ‚
PyOS -
Bleiglanz
Kupferkies .. . |
Zinkblende . . . S
Wismutglanz . . 2X
Gedieg. Wismut a
Mineralverteilung der Zinn-Wolframgänge (nach Tetja ev).
ausgeprägt, nämlich: das Vorherrschen der auf höhere Temperaturen
 hinweisenden Chlor- und Fluorverbindungen (Topas, Flußspat)
 in Vergesellschaftung mit Beryllen im zentralen Teile des
Gebietes und eine allmähliche Verdrängung derselben durch die
        <pb n="66" />
        58 Rußlands Wolframlagerstätten A
Sulfide nach der Peripherie hin, wobei das Hauptmineral, der
„neutrale“ Wolframit, erst am entlegensten Außenrande durch
Scheelit ersetzt wird. Zu den auf den Lagerstätten gefundenen
Sulfiden gehören Molybdänglanz, Arsenkies, Wismutglanz, Pyrit,
Kupferkies, Bleiglanz und Zinkblende. Demnach scheiden sich
die Gänge in zwei durch Übergänge miteinander verbundene
Typen, nämlich die auf hohe Temperaturen und schwere Löslichkeit
 hinweisenden reinen Zinnstein-Wolframitgänge und die in
weiterer Entfernung vom metallogenetischen Ursprungsherde
entstandenen Sulfidgänge, deren unvermischte Vertreter außerhalb
des erwähnten Gebietes liegen. Die durch Topas, Flußspat und
Beryll gekennzeichneten Zinnstein-Wolframitgänge des zentralen
Gebietes sind nirgends vollkommen sulfidfrei entwickelt. Sie
enthalten die genannten Mineralien allerdings nur in Gestalt von
Molybdänglanz und Arsenkies sowie gediegen Wismut (Serlovaja
Gora). In nordöstlicher Richtung stellen sich mit dem Zurücktreten
 der Chlor- und Fluorverbindungen, wenn auch zumeist
als untergeordnete KEinsprenglinge, Pyrit, Kupferkies und Bleiglanz
 ein. Erst hinter dem Kukulbei, am Bukuka und bei Belucha,
nehmen diese mit den neu hinzukommenden Erzen Zinkblende
und Wismutglanz einen merklichen Anteil an der Erzführung,
die sonst überwiegend aus Wolframit besteht und nur ausnahmsweise
 ansehnlichere Mengen von Pyrit, Arsenkies und Molybdänglanz
 einschließt.
Lokal 1äßt sich in der Wolframitzusammensetzung keinerlei
Gesetzmäßigkeit nachweisen, da Hübnerit und Ferberit in den
verschiedenen Gebieten unabhängig von einander auftreten.
Hingegen zeigt die Verbreitung des zweiten Wolframminerals,
des Scheelits, aufs deutlichste eine Regelmäßigkeit, die in ihrem
Gebundensein an die äußerste Grenze der Wolframerzzone gegen
die reine Sulfidzone spricht. Wir kennen Scheelitvorkommen
nördlich der Bukukagruppe am Bache Kljucevaja und Cenkyricha
und östlich hiervon in den Goldseifen des Baches Bystraja, unweit
der Gazimurskij-Hütte. Alle diese Fundpunkte liegen nördlich
oder östlich der äußersten Wolframitvorkommen von Bukuka,
Belucha und USmun. Auch die Lagerstätte Charanor, die in der
gemeinsamen Scheelit- und Wolframitführung einem Übergangstypus
 angehört, liegt am allerdings südöstlichen Außenrande
der erwähnten Wolfram-Zinnprovinz. Inwieweit dieses Erz am
        <pb n="67" />
        ——— V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 60
unbekannten Süd- und Ostflügel des Gesamtgebietes die Außenhülle
 bildet, bleibt späteren Untersuchungen vorbehalten. Immerhin
 schließt es sich, soweit die bisherigen Beobachtungen zeıgen,
kranzförmig an die Wolframitzone, dıe sie im NO und SO umsäumt,
 an. Ob sie überall und gleichmäßig entwickelt ist, kann
zurzeit noch nicht gesagt werden, muß aber bezweifelt werden,
da bei ihrer Entstehung verschiedene, uns unbekannte geolegischmineralogische
 Faktoren mitgespielt haben dürften. Vielleicht
erfordert ihre Ausbildung ein kalkhaltiges Nebengestein, übrigens
eine Ansicht, der man wiederholt Ausdruck gegeben hat. Tetjaev
 glaubt in ihrem Auftreten bereits Anzeichen einer Temperaturabnahme
 bei den erzbringenden Lösungen sehen zu müssen
und beruft sich hierbei auf Fitch und Loughlin (Wolframite
and Scheelite at Leadville, Colorado. Economic Geology. v. XI.
1916. Nr. 7), nach denen in Colorado der Scheelit in einer Tiefe
von 500 Fuß von Wolframit ersetzt wurde, der bis 900 Fuß Teufe
anhielt. Zur Klärung dieser Frage sind noch genaue paragenetische
Untersuchungen der betreffenden Lagerstätten erforderlich. Eine
Lösung dieses Problems käme zweifelsohne auch der Praxis zugute.
Die Lagerstättenkarte des Transbaikalgebietes (Fig.2.5.16) zeigt,
daß der ganze nordöstliche Flügel der Wolfram-Zinnpıovinz von
einem weiten Gebiet rein sulfidischer Erzlagerstätten umschlossen
wird, und zwar beteiligen sich daran Kupfererze und Blei-Silber-Zinkerze,
 wobei in großen Zügen genommen jene zumeist nach
innen vorgeschoben sind, während diese mehr dem Außenrande
angehören. In nächster Nachbarschaft der Wolframlagerstätten
(Klitki, Algati, Akatui) kennzeichnen Gänge diese Lagerstätten
und erst weiter abseits von diesen werden sie durch den metasomatischen
 Typus verdrängt. Im O kann man diese Zone südlich
von Charanor, wo im Massiv von Ikiri Kupfer- und Bleierzgänge
festgestellt worden sind, bis zur Silinskij-Hütte verfolgen. Nordwestlich
 der Zinnvorkommen liegen die Aginski-Kupferlagerstätten.
Auch weiter in der Bergkette von BorStovotni sind, wenn auch
unbauwürdige Bleierze erschürft, die in ihrer geologischen Stellung
denen der Silinskij-Hütte entsprechen.
Über die Erzverteilung des noch wenig bekannten Südwestflügels
 liegen ungenügende Angaben vor. Sie greift anscheinend
in die benachbarte Mongolei hinüber.
Die bisherigen Beobachtungen fügen sich in den Rahmen
        <pb n="68" />
        60 Rußlands Wolframlagerstätten ——
der übrigen Tatsachen. Alle deuten auf ein einheitliches Ausgangszentrum
 der Erzbildung hin, wobei die allmähliche Metamorphose
auf die geologischen und physikalisch-chemischen Veränderungen
zurückzuführen ist. Es scheint der Serlovaja Gora, dessen Mineralund
 Gangbildung genetisch auf die höchsten Temperatur- und
Druckverhältnisse hinweist, in einem 16 km südwestlich gelegenen
Granitmassive, dem von Adun-Colon einen weiteren Vorläufer
zu besitzen. Das Hauptgestein ist dort ein grobkörniger porphyrischer
 Biotitgranit, der linsenförmige, z. T. stockartige Pegma-N
 RA "+
&amp;amp;
= * Kar x. Zn +
U ar A TEE TEE AS ES
1. Granit. 2. Turmalingreisen. 3. Pegmatit.
Fig. 8. (Nach Tetjaev.)
titgänge einschließt. Petrographisch setzen sich diese aus Quarz,
Orthoklas, Albit, Biotit, Muskovit und Turmalin zusammen,
nesterförmig führen sie auch Topase, Berylle, Flußspat und Rauchquarz.
 Die Salbänder sind in Turmalingreisen (Fig. 8) umgewandelt,
 die z. T. unsymmetrisch im Pegmatit auftreten und
sich darin wesentlich von ähnlichen Bildungen des Serlovaja Gora
unterscheiden. Ihr ganzer Charakter und auch die Turmalinbildung
 im Gangkörper sprechen für eine pneumatolytische Entstehung.
 Kigentliche Erzgänge fehlen dem Massive, das am
ersten an den Serlovaja Gora erinnert und von Tet jaev als
Ausgangspunkt der Erzbildung angesehen wird.
Wenn wir nun all diese Beobachtungen schematisch zusammenfassen,
 so ergibt sich für den besser bekannten Nordostflügel
der Wolfram-Zinnprovinz eine auf den Außenrand, namentlich
nach N und NO hinweisende allmähliche Temperaturabnahme
der erzbringenden Dämpfe und Lösungen. Der Höhepunkt liegt
bei Adun-Colon, wo reine Pneumatolyse mitgespielt hat und es
nicht zur Erzbildung gekommen ist. Eine Phase weiter stehen
die Gänge des Serlovaja Gora mit Gangfüllung aus Topasen und
        <pb n="69" />
        —— V. Die Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes 61
Beryllen und einem Salband aus Quarz-Topasgestein. Auch
hier haben höhere Bildungstemperaturen mitgespielt, wobei das
granitische Nebengestein von den Umwandlungsvorgängen mitergriffen
 worden ist. Eine pneumatolytische Entstehungsweise
liegt hier auf der Hand. Den Kukulbei und die Zinnsteingänge
des Ononbezirkes kennzeichnen noch gewisse Merkmale der Südlagerstätten,
 allerdings gehen sie nach N allmählich verloren.
Einen schematischen Überblick all dieser Veränderungen und
Vorgänge gibt die von Tetjaev aufgestellte untenstehende
Tabelle. Hierbei sind die zum Randgebiete gehörende Lagerstätte
von Charanor und das in seinen Zusammenhängen noch unerforschte
 Ganggebiet von Duldurga unberücksichtigt geblieben.
Abweichungen von dem allgemein gültigen Schema liegen vor
in der Feldspatbildung der Quarzgänge von Oldanda, die Verwandtschaft
 zu den über alle Granite verbreiteten, allerdings im
Gegensatz zu Adun-Colon turmalingreisenfreien Pegmatiten zeigen.
Ferner hat die verschiedene Kontaktnähe des anschließenden
Nebengesteins durch physikalische Beeinflussung die Mineralausscheidung
 unterschiedlich beeinflußt. Trotz dieser Nebenerscheinungen
 zeigt die geologische Ausbildung der Erzprovinz
eine in allgemeinen Zügen unverkennbare Gesetzmäßigkeit.
In der Beurteilung der geologisch-genetischen Stellung dieser
Wolframlagerstätten sind sich die russischen Forscher nicht
einig. Tetjaev erachtet alle Gänge als thermale, höchstens
die des Serlovaja Gora als pneumato-hydatogene Bildungen.
Auch betont er die nachträgliche, durch Greisenbildung bedingte
Umwandlung der im sedimentären Nebengestein der Massive
vorkommenden Kontaktmineralien, was für eine Erzausscheidung
nach der Erkaltung der Granite sprechen soll. Trotz alledem
können noch Mineralien nach Abschluß der thermischen Kontaktmetamorphose
 sozusagen im Ausklingen der Graniterstarrung
pneumatolytisch ausgeschieden seın.
Im Gegensatz hierzu hält Obrulev an einer pneumato-Iytischen
 Entstehung fest. Es scheint, als ob in diesem Übergangsgebiete
 beide Typen ineinander übergingen. Für den Serlovaja
 Gora muß noch ein pneumatolytischer Ursprung angenommen
 werden, im Kukulbei sind noch zweifelsohne neben
den hydro-thermalen noch pneumato-hydatogene Vorgänge wahrzunehmen,
 wogegen diese weiter nördlich allmählich verloren gehen.
        <pb n="70" />
        62 Rußlands Wolframlagerstätten
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DAR N } ES ee 7
= I CS = { = 5
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5 AED E) 3
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N ® ® eg A
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Gänge in der Hauptkluft- S 5 Lagerstättenrichtung
 — — typus
Turmalin
| —————— Topas
Hz &amp;gt; Beryll
Fehr m —
EEE EEE ——————— Flußspat
BA 9
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ER Wolframit
n—— N ; . An »
EP A - - Arsenkies n
' Molybdän- ,
AN, CE
| glanz 9
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v— Pyrit
— Kupferkies
| Zinkblende ı
Wismut- |
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Mäcke
        <pb n="71" />
        - Die wirtschaftl. Bedeutung des Wolframbergbaues für Deutschland: 63
Die wirtschaftliche Bedeutung des Wolframbergbaues
 für Deutschland und die
Stellung der russischen Lagerstätten.
Die hohe Entwicklung der heutigen Stahlindustrie hat in der
Hauptsache den blühenden Wolframbergbau ausgelöst, der dem
geologischen Auftreten der Lagerstätten entsprechend in den
letzten Jahren seine Hauptproduktionszentren auffällig verschoben
Weltproduktion an Wolframerzen
(Metrische Tonnen; 60% W O; = Konzentrat)
Land 1913 | 1917 | 1918 | 1919 | 1920 | 1921 / 1922 / 1923
= ZN BEN AN
Nord-Amerika /
Vereinigte Staaten ı 1397/5 574 4573 | 845 | 796 ı = 3220
Mexiko. .... -—|. 8308| 239 | 24| 43| | z%51 30
5üd-Amerika
Argentinien... 539/ 990 | 625 | 204 182‘ 56 | 351 —
Bolivien. 564/4 215 |3 700 12160 766 174 } *
Peru ......1 2300| 427 | 256 | 144| 761 25| 20- —
Europa |
England... 8 182/ 265 | 325 | 183 | 108 88 31 —
Frankreich... 150[ 261 212 70 23 — — —
Portugal... 11 10011 596 11 300 4834 11 23791 165 10870 11.530
Sachsen-Böhmen ., 150 200 | 245 |! 365 | 170 | 250. 250 | 169
Spanien. .... 150/525 580 | 365 57 98 | 100 50
Asien
Birma .....} 1732/4200 |4 800 |3 800 !2 541 | 750 |1 100 i1500
China. .....ı — 11360 10 20016 000 ‘4 750 3 500 |6 500 4 500
Verb. Malayen- | ;
Staaten... 225| 721 | 362 | 550 ı 254 | 300 | 110 | 60
Nichtföd. Malayen
 Staaten .ı 100| 334 [1170 | 765 | 300 | 53 | 25| 75
Kochinchina. . . 120] 433 | 450 | 280 | 139 | 400 148 | 218
Japan u. Kolonien 297|1 660 |1 700 | 850 | 175 24 250 250
Siam... 28111 726.185 221 18.117 40 5 25
Australien
Neu-Süd-Wales ‚, 209 268 | 280 | 250 39 “9
Neu-Seeland. . . 2700235 1]. 197 11.167 42 | _3
Nord-Australien .| 30[1"252 | 275 | 600 | 500 —
Queensland . . ., 543| 41 358 337 120
Tasmamien . .. 75| 206 | 440 320 | 191 | .:, )
Weltproduktion ab- . f |
gerundet . . .., | 8 000/25 500/32 000/20 000111 000| 5.600 9700| 8 000
        <pb n="72" />
        64 Rußlands Wolframlagerstätten —
hat. Umstehende, der „The Mineral Industry 1923. Vol. XXXII.
S. 893‘ entnommene Tabelle gibt eine Übersicht der Förderungsgebnisse
 von 1913 und 1917—1923.
Die Weltförderung von 1913 mit ca. 8000 t wurde während
der Kriegs- und ersten Nachkriegsjahre um ein vielfaches übertroffen
 und erreichte mit 32 000 t im Jahre 1919 ihren Höhepunkt.
 Von da ab trat ein Nachlassen der Förderung ein und
1923 war bereits wiederum der Stand von 1913 erreicht. Die
erhöhte Nachfrage nach Stahlveredlungsmitteln dürfte heute
einem höheren Bedarf als vor zehn Jahren entsprechen, weswegen
in den nächsten Jahren, soweit die während der letzten Kriegsjahre
 angesammelten Vorräte der Metallhandelsgesellschaften
aufgebraucht sein sollten, mit einem erneuten Aufstieg der Wolframförderung
 zu rechnen ist, immerhin dürften derartige Mengen,
wie sie die Rüstungsindustrie der Kriegszeit erforderte, kaum
benötigt werden.
In der Zeit von 1913—1923 haben sich die Hauptproduktionszentren
 der KErzförderung beträchtlich verschoben. Portugal
und Birma scheinen von ihrer vorherrschenden Stellung zurückgedrängt
 zu sein und auch die Vereinigten Staaten, die sich während
des Krieges die Führung anzueignen anschickten, sind von China
vollkommen überflügelt worden. Heute liegt mehr als die Hälfte
der Weltproduktion in den Händen dieses Staates, ebenso hat
Birma noch eine gewisse Sonderstellung beibehalten. Beides
beruht vornehmlich auf den billigen chinesischen Arbeitskräften,
mit denen die amerikanischen Gruben nicht zu konkurrieren imstande
 sind.
Deutschland ist an dem Kampfe uninteressiert. Seine geringe
 Förderung spielt in der Weltwirtschaft keine Rolle und
deckt auch nur einen kleinen Bruchteil des eigenen Verbrauchs.
Die hochentwickelte Stahlindustrie erforderte eine ansehnliche
Einfuhr (vgl. Tabelle), nach der Deutschland zu den Hauptverbrauchern
 des Wolframs zählte. Rechnet man 1913 die geringe
Ausfuhr von 288 t Erz ab, so ergibt sich ein Eigenverbrauch von
rund 4500 t, also mehr als der Hälfte der Weltproduktion.
Dies Verhältnis scheint auch noch heute zu bestehen, da 1923
bei einer Gesamtförderung von 8000 t Deutschland 3668 t Wolfram
bezogen hat.
        <pb n="73" />
        — Die wirtschaftl. Bedeutung des Wolframbergbaus für Deutschland 65
nn Deutschlands Einfuhr an Wolframerzen (Metrische Tonnen).
1913 1922 1923 1924
CH LEE 2 4414 2749 1387
Portugal. 1 48 522 43 —
Österreich‘. 10 52 — 671 (Böhmen)
Britisch-Indien.. 4..." ."7.”- 386 _—_ —
Australien‘, BB 54 - —
Britisch-Malakka . ... +72 — &amp;gt;
Argentinien}, : Me. 441 = =
Großbritannien. 1. 384 — == °-Frankreich:
 , 0? © A a9 — —— -
Bolivien. A — —
Sonstige Staaten: 1. 904 8760 314
Gesamteinfuhr: .... ,. . 4782 5840 3668 2373 (davon 17 t
ausgeführt)
Vor dem Kriege war der Handel mit metallischem Wolfram
und Ferrowolfram z. T. in Deutschland konzentriert. Den Haupthandelsplatz
 bildete Hamburg. Während des Krieges haben sich
die Zentren z. T. nach London und New York verschoben.
Die Preise der Erze schwankten, sie schnellten während der
erhöhten Nachfrage der Kriegszeit bedeutend in die Höhe, sanken
jedoch bald beim Eintritt der wirtschaftlichen Depression auf ein
Minimum. Heute ist wieder ein Anziehen wahrzunehmen.
Die obenstehenden Angaben veranschaulichen die hohe Bedeutung
 der Wolframproduktion für Deutschland und die Abhängigkeit
 seiner Schwerindustrie von den ausländischen Gruben.
Es liegt im Interesse Deutschlands, einen direkten Einfluß auf die
bergmännische Gewinnung dieses Erzes auszuüben und sich
entsprechend der leichten Veränderung der Bergbauzentren neue
Felder zu sichern. Rußlands Eigenbedarf an Wolframerzen vor
dem Kriege war gering. Genau läßt er sich schwer ermitteln.
Für die Kriegsjahre wird er nach einer Angabe auf ca. 1000 t,
nach einer anderen auf ca. 2000 t für das Jahr veranschlagt.
Rechnet man für das normale Wirtschaftsjahr 1913 etwa 10%
dieser Menge, so würde der Verbrauch 100—200 t betragen haben.
Bei dem heutigen Niedergang des gesamten russischen Wirtschaftslebens
 dürfte diese Zahl für die Jetztzeit zu hoch gegriffen
sein. Auch in absehbarer Zeit ist dort kaum mit einer größeren
Wolframnachfrage zu rechnen. Es käme somit die zukünftige
Förderung, soweit sie sich als aussichtsreich erweisen sollte, in
der Hauptsache der Ausfuhr zugute. Mehr für den russischen
Quellen u, Studien. III. Abt. N. F. Heft 1: L. v. zur Mühlen, Lagerstätten von Wolfram etc. 5
        <pb n="74" />
        66 Rußlands Wolframlagerstätten ——
Markt wären die Lagerstätten im Ural, in der Kirgisensteppe,
im Altai und im Amurgebiet heranzuziehen. Für großangelegte
Unternehmungen dürften ihre Vorräte, trotz der Wichtigkeit
und Hochwertigkeit einiger ihrer Vorkommen kaum ausreichen.
Anders das Transbaikalgebiet. Hier ließe sich unter Umständen
ein großzügiger Bergbau einrichten. Schon die Kriegszeit hat
dort einige, wenn auch für den Weltmarkt unbedeutende Erträge
gezeitigt. So förderten die staatlichen Betriebe der Gruben Bukuka,
Belucha, Antonova Gora (Bol’&amp;amp;oj Soktui), Tutchaltui (Maly
Soktui), Duldurga und Kazakovy Priisk insgesamt 1916 21 t
und 1917 85 t. Die Förderung der Privatgruben von Charanor,
Serlovaja Gora, Oldanda und USmunskij Golec betrug 1916/1917
etwa 14,4 t. An Nebenmineralien wurde noch ungefähr % t
Wismut gewonnen.
Von diesen der Arbeit von Polevoj entnommenen Angaben
unterscheidet sich die in der „Enzyklopädie des Exportes III. Bd.
Wolfram 1925“ wiedergegebene Statistik, nach der sich die
Förderung der Gruben: Bukuka, Belucha, Soktui und Serlovaja
Gora folgendermaßen gestaltet:
1915 1916 1917 1918 1919
Bukükd +. eu 8 54 14,5 43,3 11,3 2,2
Belucha 1. = 1,2 22,0 8,9 1,4
Soktui .. ... . — 5,1 19,4 — —
Serlovaja Gora. . .- es 7,5 4,8 = —
rn 10t 288t 895t 202t 36t
Demnach ist die Förderung der Jahre 1916 und 1917 etwas
höher zu bemessen, und zwar bereits bei Nichtberücksichtigung
der kleineren Gruben Duldurga, Kazakowy Priisk, Charanor,
Oldanda und Usmunskij-Golec. Die Gruben Bukuka und Belucha
haben ihre Betriebe während der Jahre 1918 und 1919, allerdings
in beschränktem Umfange, aufrecht erhalten.
Die bisherige Ausbeute, namentlich die der Lagerstätten
Charanor und Serlovaja Gora stand nicht auf der Höhe und
glich mehr einem Raubbau, da nur hochprozentige Erze zur
Ausbeute gelangten, während das schwer aufzubereitende Erz
auf die Halden geworfen wurde. Besser war der Abbau am Bukuka
geleitet, doch ließ dort die geologische Durchforschung der Lager-Ve


AR
        <pb n="75" />
        - Die wirtschaftl. Bedeutung des Wolframbergbaues für Deutschland 67
stätte viel zu wünschen übrig. Alle anderen Gruben befanden
sich noch im Zustande der Erschürfung.
Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten sind beim Transbaikalbezirk
 zu bewältigen. Mit Ausnahme der Grubengebiete von
Charanor und Serlovaja Gora ist Holz reichlich vorhanden, das
als Grubenholz und Brennholz verwertet werden kann. Die
beiden obengenannten Gruben müßten ihr Heizmaterial aus der
benachbarten Braunkohlengrube Charanor beziehen. Die Wasserfrage
 scheint für einzelne Vorkommen wenig günstig zu
liegen, doch läßt sie sich lösen, wie bereits die Erfahrung
gezeigt hat.
Verkehrstechnisch gruppieren sich die meisten Vorkommen
nahe der Eisenbahn und sind überall durch Landwege zu erschließen.
 Für die Gruben Charanor, Serlovaja Gora und Bukuka
ist es bereits geschehen, hingegen harrt die Frage beim Kukulbei
und den anderen Vorkommen der Lösung. Bei den für sibirische
Verhältnisse zumeist unbedeutenden Entfernungen ließe sich
dieses Hindernis bewältigen.
Schwierig scheint es um die Arbeiterfrage bestellt zu sein.
Die einheimische russische Bevölkerung wird für den Bergbau
kaum heranzuziehen sein, dafür stehen in der Gegend billige
chinesische Arbeitskräfte ‚zur Verfügung, die, falls die russische
Verwaltung ihrer Verwendung keinerlei Schwierigkeiten entgegenbringen
 sollte, einen Bergbaubetrieb fördern würden.
Unter allen Umständen muß die Förderung des Gesamtgebietes
einheitlich und großzügig angelegt werden. Ein von mehreren
Unternehmern ausgeführter Bergbau dürfte sich schwerlich als
einträglich erweisen, weil auch mit ärmeren Vorkommen gerechnet
 werden muß, deren Unterbilanz nur durch einen großen,
über verschiedenwertige Lagerstätten ausgedehnten Betrieb wieder
ausgeglichen werden kann.
Als Fördererze kommen vorherrschend Wolframerze in Betracht,
 nebenbei, wie am Serlovaja Gora, bei Bukuka und vielleicht
 Charanor, kann im Nebenbetriebe auch Wismut gewonnen
werden und vielleicht an einzelnen wenigen Lagerstätten, allerdings
 nur ausnahmsweise, Molybdänglanz.
        <pb n="76" />
        68 Literaturverzeichnis
Literaturverzeichnis *).
Mehrere Lagerstätten behandelnd.
1. 1869. N. Beck und N. Teich: Über Wolfram und Scheelit aus
Fundörtern Rußlands. Schriften d. Kais. Russ. Mineralogischen
 Gesellschaft. 1869. 2. Serie. IV. 312—321.
2. 1905. V. Reutovskij: Die nutzbaren Lagerstätten Sibiriens
St. Petersburg 1905. S. 100—101. Russ.
3. 1916. Zur Frage der Untersuchung und Bearbeitung vaterländischer
Wolframerz- und Flußspatlagerstätten. Bergjournal 1916.
3. S. 131—164. Russ.
4. 1916. P. Su8&amp;amp;inskij: Übersicht der Wolfram- und Zinnlagerstätten
 Rußlands (Literatur). Materialien zur Erforschung
 der natürlichen Produktionskräfte Rußlands.
No. 5. Petrograd 1916. Russ.
5. 1916. M. Tetjaev: Besprechung der Arbeit P. Su8&amp;amp;inskijs.
Poverchnost’ i Nedra. 1916. I. 6. S. 259. Russ.
6. 1917. G. Ce&amp;amp;ott: Über die Methoden der Probeentnahmen von
Wolfram und anderen Gangerzen. Poverchnost’ i Nedra.
1917. II. 5—6. Russ.
7. 1917. V. ObruCev: Die Wolfram- und Molybdänlagerstätte auf
der Insel King bei Tasmanien und die Typen der Wolframlagerstätten
 überhaupt. Rudny Vestnik 1917. II. 2. Russ.
8. 1917. A. Meister: Wolfram. Die natürlichen Produktionskräfte
Rußlands. Bd. IV. Heft 13. Petrograd 1917 (Literatur).
Russ.
9, 1920. M. Tetjaev: Zur Frage der Klassifikation von Wolframlagerstätten.
 Bull. Comite€ Geologique. 1918. No. 7—8.
Petrograd 1920. S. 601—612. Russ.
10. 1922. V. Obru@Clev: Referat über die Arbeit Tetjaevs. Bergjournal
 1922. 6—9, S. 360. Russ.
11. W. Fees: Wolfram in der Weltwirtschaft. Zeitschrift für Bergbau,
Hütten- und Salinenwesen September 1922. Blatt N. 143/IV
u. 158/1V.
12. K. Liandov: Die Wolframerze und die Methoden ihrer Anreicherungen.
 Bergjournal 1923. 8—9. Russ.
13. A. Fersman und S&amp;amp;erbakov: Chemisch-technischer Leitfaden.
I. Lagerstätten. 2. Aufl. Petrograd 1923. S. 23—26. (Literatur).
 Russ.
14. 1923. P. Polevoj: Die nutzbaren Lagerstätten des fernen Ostens.
Records of the Geological Committee of the Russian Far
East. 1923. No. 27. Wladiwostok (Literatur). Russ.
Ural.
15. 1916. W. Sedel8€ikov: Die Wolframitlagerstätte Bajevka. Rudny
Vestnik 1916. I. 2. Russ.
*) Vollständige Literaturverzeichnisse finden sich in den Arbeiten von:
SugszZinskij, Meister, Polevoj und Tetjaev.
        <pb n="77" />
        Literaturverzeichnis 69
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 Bojevka im März 1916. Bull. Comite G6ol. XXXV,
6. 1916. Russ.
17. 1917. Th. Kandykin: Die Wolframlagerstätten im Gouvernement
Perm, Kreis Ekaterinenburg, in der Umgebung des Dorfes
Bojevka und P’jankov in der Gemeinde Bagarjak. Bergjournal
 1917. 3/4. Russ.
Kirgisensteppe.
18. 1922. V, Selichovkin: Die Wolframerze Westsibiriens. Mitteilungen
 der Moskauer Bergakademie. I. 1. 1922, Russ.
Kalba-Gebirge und Altai.,
19. 1915. P. Pilipenko: Mineralogie des westlichen Altai. Veröffentlichungen
 der Tomsker Universität. LXII. 1915.
279—281 (Literatur). Russ:
20. 1917. V. Kotul’skij: Die Wolfram-Zinnlagerstätten der Kalba
gebirgskette. Poverchnost’ i Nedra 1917. II. 5—6. Russ.
21. 1918. — Kurzer Bericht über die Untersuchungen im Jahre 19.7,
Bull. Comite G&amp;amp;ol. 1918. 1. S. 147—150. Russ.
22. 1922. N. Tichonovi@: Tätigkeitsübersicht der Zentralverwaltung
der wirtschaftlichen Untersuchungen. Travaux de la Direction
Centrale des Recherches Minieres et de Prospection. Moskau
1922. I. S. 233—235 u.. 237. Russ.
Amurgebiet.
23. 1917. V. Kuznecov: Der Wolframbezirk von Selemdza und dessen
wirtschaftliche Bedeutung. Berichte der Kommission zur
Erforschung der natürlichen Produktionskräfte Rußlands,
1917. No. 9. S. 206—215. Russ.
24. 1916. B. B.: Wolfram im Amurgebiet. Poverchnost’ i Nedra 1916.
[. 8. 8. “888. Russ.
Transbaikalgebiet.
25. 1916. P. Su8&amp;amp;inskij: Über den Gang der Arbeiten zur Untersuchung
 der Edelsteinlagerstätten auf dem Serlovaja Gora
und der Wolframitlagerstätte Charanor in Transbaikalien,
Geologigeskij Vestnik. Bd. 2. No. 3. 1916. Russ.
26. 1917. — Bemerkung über den geologischen Aufbau einiger neuer
Wolframitlagerstätten im südlichen Transbaikalien. Bull,
VAcademie de Science. 1917. 8. Russ.
27. 1917. — Bemerkung über den geologischen Bau und die Minerale
des Serlovaja Gora. Bull. 1’Academie de Science. 1917. 8. Russ,
28. 1917. M. Tetjaev: Kurzer Bericht über die Untersuchungen der
Zinn- und Wolframlagerstätten im zentralen Transbaikalien
im Jahre 1916. Bull. Comit&amp;amp; G6ol. 1917. XXXVI. 1. S. 239
bis 248. Russ.
29. 1917. P. Su8&amp;amp;zinskij: Kurzer Bericht über die Untersuchungen
der Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes, insbesondere
des Bezirkes von Bukuka im Jahre 1916. Bull. Comite
Geol. 1917. XXXVI. 1. S. 248—254. Russ.
30. 1917. S. Doktorovi&amp;amp;-Grebnickij: Kurzer Bericht über
die Untersuchungen der Wolframlagerstätten im Gebiet des
        <pb n="78" />
        70 Lateratur ——
Oberlaufes der Flüsse Onon-Borsja und Turga im Jahre
1916. Bull. Comite Geol. 1917. XXXVI. 1. S. 254—258. Russ.
31. 1918. M. Tetiaeff (Tetjaev): Les gisements de tungstene et d’&amp;amp;tain
de la region de 1l’Onon-Borzia en Transbaikalie. Materiaux
pour la Geologie generale et appliquees Liv. 32. Petrograd.
(Literatur). Russ.
32. 1918. — Vorläufiger Bericht über die Besichtigung der Wolframund
 Zinnlagerstätten Transbaikaliens. Bull. Comite Geol,
1918. XXXVII. 1. S. 154—163. Russ.
33. 1918. A. Gogunco v: Vorläufiger Bericht über die Kommandierung
auf den Serlovaja Gora. Bull. Comite Geologique. 1918;
XXXVII. 1. S. 163—168. Russ.
34. 1918. V. Zvi rev: Vorläufiger Bericht über die Arbeiten im Becken
des’ Flusses Unda. Bull. Comite Geol. 1918. XXXVII. 1.
S. 176—177. Russ.
35. 1918. N. Svital’skij: Vorläufiger Bericht über die Untersuchungen
im Cagan—Olujevskij-Bezirk. Bull. Comit&amp;amp; Geol. 1918,
XXXWVIIL 1. 1918. S. 185—189. Russ.
36. 1921. S. Doktorovitch-Grebnitski (Doktorovi&amp;amp;-Grebnickij):
Le gisements de tungstene de Koukoulbei. Materiaux pour
la geologie generale et appliquee. Liv. 38. Petrograd. Russ.
37. V. Lodo&amp;amp;nikov: Wismut. Die natürlichen Produktionskräfte
Rußlands. Bd. IV. Heft 17. Petrograd 1923. Russ.
Russlands Zinnlagerstätten.
I. Die Zinnlagerstätten des Transbaikalgebietes.
Die Zinnlagerstätten des Transbaikalgebietes reihen sich in
den Rahmen der im vorigen Abschnitt genauer besprochenen
dortigen Wolframlagerstätten, in deren Provinz sie eine selbständige,
 für sich gesonderte Unterabteilung einnehmen. Sie
schließen gleich Östlich an den Nordostflügel der genannten
Wolframprovinz an, mit der der geologische Aufbau ihres Gebietes
 übereinstimmt. Bisher hat man nur wenige Gangvorkommen
entdeckt. Von allen liegen, abgesehen von dem PervonaGcal’ny
Priisk, äußerst unvollständige Angaben vor.
1. Die Lagerstätte von Onon oder Pervonacal’ny Priisk.
Die am Anfang des vorigen Jahrhunderts zeitweilig betriebene
Grube Pervonaktal’ny Priisk (Allererste Grube) oder Onon-Lagerstätte
 liegt nahe am linken Ufer des Flusses Onon, nach
dem sie benannt wird, etwa 3 km unterhalb der transsibirischen
Eisenbahnstation Olovjannaja (Die Zinnerne). Die Umgebung
        <pb n="79" />
        4 5}
= I. Die Zinnlagerstätten des Transbaikalgebietes #:— "1 ep
setzt sıch vorherrschend aus stark metamorphen A ihek &amp;gt;
gesteinen zusammen, als da sind Chlorit-, Biotit-, „Bioti Granit“- Se
und Pyroxenschiefer, mit dunklen kohligen Zwischenschi htgn, LI
Im SW schließen sie noch mächtige marmorartige Kalkstein
In diese Schichtenserie ist das Tal des Onon eiıngeschnitten, das
am linken Flußufer, etwa % km oberhalb der alten Zinngruben
ein kleines, aus Muskovitgranit bestehendes Massiv angeschnitten
hat. Dieses bildet ungefähr den Zentralkern einer Antiklinale
und hat verschiedentlich Apophysen und gangartige Aplitausläufer
 in das Nebengestein geschickt und es kontaktmetamorph
verändert. Petrographisch gehört der Granit einer mittelkörnigen
Abart an, doch gibt es auch grobkörniges Gestein, das dann Aquamarine
 einschließt. Die Lagerstätte selbst beißt nördlich der
Antiklinalachse aus. Sie umfaßt einen Teil der Berge Rudnicnaja
(Erzerne) und Slancevaja (Schieferne), zwischen die sich eine
unbedeutende Senke einschiebt. Sie ist an zahlreiche, die sedimentären
 Gesteine quer zum Streichen schneidende, durchschnittlich
 NW (310—350°) gerichtete, ausnahmsweise N—5S
streichende Quarzgänge gebunden. Zumeist sind diese steilgestellt
 oder zeigen ein Einfallen von 60°—90° SW. Zumeist
heben sie sich deutlich heraus, schwellen häufig bis zu 0,5 m
Mächtigkeit linsenförmig an und setzen dann alsbald wieder aus.
Nicht selten spalten sie sich und bilden dann ein dichtes Netz
von Zweıggängen.
Das Nebengestein der Gänge ist nahe am Salbande in eine
Quarz-Glimmermasse umgewandelt, mit Einschlüssen von Lithionglimmer,
 Turmalin und Zinnstein als Nebenmineralien. Bei dichter
Gangverteilung können diese greisenartigen Umwandlungszonen
ineinander übergehen. Die Quarzgänge führen Zinnstein und an
Nebenmineralien Muskovit, Zinnwaldit, Beryll, Topas, Flußspat,
Arsenkies und als Ausnahme Wolframit. Der Zinnstein findet
sich selten als Kristalle, zumeist bildet er dichte Anhäufungen
von einem bis zu mehreren Zentimetern Durchmesser. Alle
Mineralien konzentrieren sich mehr nach den Salbändern und
dringen zuweilen in diese ein, vornehmlich der Pyrit. Auch der
Zinnstein, doch tritt dieser ebenfalls in Form einzelner Einsprenglinge
 in der ganzen Gangart auf. Gewöhnlich werden die Gänge
von kammförmigen Glimmerbelägen (Fig. 9). begleitet.
        <pb n="80" />
        ‚a Rußlands Zinnlagerstätten —
Die Erzführung beschränkt sich ausschließlich auf die Schiefer,
wogegen man in ihrem Ursprungsherde, dem Granit, keinerlei
Anzeichen gefunden hat. Versuchsschächte haben noch bis 25 m
unter Tage Erzfälle wahrgenommen, desgleichen kennt man
Erzgänge aus dem Flußbett des Onon, so daß mit einem größeren
Niedersetzen der Gänge nach der Teufe zu mindestens bis 60 bis
80 m zu rechnen ist.
Die Gangbildung wird als Folgeerscheinung der Granitintrusion
erachtet, desgleichen die Erzzufuhr.
Die Erzführung findet sich vorwiegend auf der südlichen
Hälfte des Berges Rudnicnaja, während sie am Berge Slancevaja
nur einen kleinen Abschnitt des Südhanges einnimmt. Sie scheint
sich auf die nächste Nähe der Graniteinwirkung zu beschränken
xx
„X
vr
do sr A dr
1. Quarz. 2. Quarz mit Sn Os.
3. Glimmerbeläge. A. Zwitter,
5. Schiefer.
Fig. 9. (Nach Tetjaev.)
und verschwindet gegen das von der Intrusion nicht beeinflußte
Schiefergestein, dem die Quarzgänge und Zwitterbildungen fehlen.
In früheren Zeiten hat man die eluvialen Seifen des zwischen
den Bergen Rudnicnaja und Slancevaja eingeschalteten Trockentales
 abgebaut. Die Erzführung konnte nach unten bis zum
Beginn der Ononterrassen verfolgt werden. Anscheinend wurde
der Abbau nur auf der Talsohle betrieben, wogegen die Hänge
mit ihren mächtigen, bis zu 8 m betragenden Deckschichten keine
Berücksichtigung fanden.
Der Erzgehalt der Lagerstätte wird auf 2—2% % Sn O,,
also 1%—2 % Sn geschätzt. Genaue Analysen liegen nicht vor.
Bisher kennt man gegen 16 abbauwürdige Gänge. Eine Vorratsberechnung
 ist nach den in den Sommern 1916 und 1917 ausgeführten
 ungenügenden Schurfarbeiten nicht durchführbar.
Zweifelsohne kann dieser Lagerstätte ein wirtschaftliches
Interesse entgegengebracht werden, eine über die Grenzen des
        <pb n="81" />
        nn I. Die Zinnlagerstätten des Transbaikalgebietes 73
russischen Reiches reichende Bedeutung dürfte ihr jedoch kaum
zukommen. Beim Abbau der Gänge ist ihrem perlschnurartigen
Charakter Rechnung zu tragen und muß beim Aussetzen der
einzelnen Linsen durch Schurfarbeiten in der Streichrichtung
die Wiedererschließung neuer Ganganschwellungen erstrebt werden.
Auch die noch nicht abgebauten Seifen mit ihren z. T. nur 0,2 bis
0,9 m mächtigen Deckschichten sind auf ihre Erzführung genauer
zu durchforschen.
Der Abbau der Ononlagerstätte reicht bis in das Jahr 1811
zurück. Er erlangte 1814/15 seinen Höhepunkt (Fig. 10) und
sank dann rapide. Erst Mitte der dreißiger Jahre erreichte er
infolge neuer Förderungsmethoden eine erneute Blüte. Mit dem
Beginn des ostsibirischen Goldbergbaues trat eine abermalige
Krisis ein, der er Anfang der fünfziger Jahre zum Opfer fiel.
Seit dem Jahre 1898 sind verschiedentlich weitere Schurfarbeiten
zur Ausführung gelangt, namentlich im Jahre 1908 durch französische
 Ingenieure und zuletzt in den Kriegsjahren 1916 und 1917.
Zu einer Wiederbelebung des Bergbaues ist es jedoch nicht gekommen.
 Der Hauptgrund des Niederganges und der Auflassung
des Zinnbergwerkes liegt neben den wirtschaftlichen Ursachen
in den damaligen ungenügenden, jeglicher geologischen Unterlage
entbehrenden Abbaumethoden. Stets beschränkte sich die Ausbeutung
 auf die zufällig erschlossenen Linsen, wogegen eine systematische
 Erschürfung unterblieb und beim Auskeilen dieser
einzelnen Ganganschwellungen wurde niemals in der weiteren
Streichrichtung der Gänge gefahndet.
2, Die Lagerstätte von Malaja Kulinda.
Die Lagerstätte Malaja Kulinda liegt unweit des Pervonacal’ny
Priisk an dem gleichnamigen Bache, etwa 5 km oberhalb seiner
Mündung in den Onon. Auf ihr wurde Anfang des vorigen Jahrhunderts
 kurze Zeit gefördert. Nähere Angaben über dieses
Vorkommen lagen nicht vor. Erst die im Jahre 1908 von französischen
 Ingenieuren vorgenommenen Schurfarbeiten erbrachten
einige genauere Anhaltspunkte über dieses Ganggebiet. Auf
Grund dieser Angaben und eigener Beobachtungen wurde es
von Tetjaev eingehender beschrieben.
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        Pud.
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—— Zinnproduktion
«&amp;lt;= Goldproduktion
Fig. 10. (Nach Tetjaev.)
        <pb n="83" />
        [. Die Zinnlagerstätten des Transbaikalgebietes 75
In der Umgebung der Lagerstätte gehen ähnlich wie am
Onon dunkle kohlige Schiefer zutage, die erst weiter Östlich,
ungefähr beim Dorfe Byrka Osinovaja (vgl. Karte Fig. 11), von
ng PS Bstl.v.dr - a "um
Nizne Saronaj
\\arS
SS \
A 6 vnnai a.
' .Rürka-Osinovai ;
Ser dam f
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0% Chaddrt
Karte des Bezirkes
Onon-Borsja
Nach Tetiaeff
0 0 20 o sokm
ZZ
ÖOranıt
R 3
Fördernde Wolfram: Sonstige Woßframgruben
 lagerstätten
A A
Pördernde Zinn - Sonstige Zinn-UP
 PA ‚gruben lagerstetten
Fig. 11.
einem größeren Granitmassiv durchbrochen werden. Ferner
kennt man Granit vom Flusse Onon beim PervonaCal’ny Priisk
und in kleinen Fetzen zwischen diesem und dem Massive. Alle
        <pb n="84" />
        6 Rußlands Zinnlagerstätten nn
diese Vorkommen hängen anscheinend zusammen und sind als
Apophysen einer größeren Intrusion aufzufassen, so auch die
Granitgänge von Malaja Kulinda, mit denen die dortigen Zinngänge
 aufs engste verknüpft sind. Tetjaev spricht ihnen
z. T. Röhrenform zu. Sie haben stets eine Umwandlung des
schieferigen Nebengesteins bewirkt und zu einer reichen Turmalinbildung
 in ihrer nächsten Nähe geführt. Ihr beschränktes Ausbreitungsgebiet
 befindet sich etwa 2 km vom rechten Ufer der
Malaja Kulinda entfernt. Abgesehen von dem Vorkommen am
Hügel Podgranitnaja kennt man vier Hauptgänge mit 330° bis
340° Nordweststreichrichtung.
Die Gangausfüllung ist selten einheitlich, gewöhnlich zeigt
sie pegmatitischen Habitus, mit unregelmäßig verteilten Quarzen,
Feldspäten und hellen Glimmern. Im Gang sind die einzelnen
Minerale häufig zonar angeordnet (Fig. 12). Auch innerhalb
Bm
a EEE
2 FÜR RT
1. Schiefer. 2. Grobkörniger Granit.
3. Feinkörniger Granit. 4. Quarz
Fig. 12. (Nach Tetjaev.)
der Granitadern treten Quarzgänge auf, an deren Salbändern
der helle Glimmer kammartige Belege bildet. Ebenso kennt
man richtige Quarz-Glimmergänge. Ihnen fehlt gleich den reinen
Quarzgängen die randliche Turmalinisierung im Gegensatz zu
den sie einschließenden Granitgängen. Der Zinnstein findet sich
sowohl im Granit als auch in der 0,2—0,3 m mächtigen Greisenzone.
 Nach Tetjaev soll er in jenem zonar angeordnet sein.
Die Mächtigkeit der Gänge ist anscheinend beträchtlich, im
Einzelfalle beträgt sie bis zu 2 m. Über den Erzgehalt liegen
keinerlei zuverlässige Angaben vor.
Tetjaev bringt die Zinnerzbildung mit wässerigen Lösungen
in Zusammenhang und beruft sich hierbei auf die Pegmatit-Granite
 durchsetzenden jüngeren Quarzgänge, denen die Turmalingreisen
 fehlen und die durch lagenförmige Anordnung der Erze
gekennzeichnet sind. Das Auftreten von Zinnstein innerhalb
der Eruptivgesteine und in der Greisenzone spricht jedoch zweifels-
        <pb n="85" />
        nn I. Die Zinnlagerstätten des Transbaikalgebietes 77
ohne für eıne pneumatolytische Entstehung. Der wirtschaftliche
Wert der Lagerstätte ist infolge ungenügender Schurfarbeiten
noch völlig ungeklärt.
Nicht ausgeschlossen erscheint, daß die weitere Umgebung
des letztgenannten Vorkommens Zinnstein birgt. Hierauf wären
die Granitvorkommen des benachbarten Gebietes zu untersuchen,
desgleichen das Massiv von Byrka Osinovaja. Auch die durch
die Intrusion veränderten Schiefer können wie am Pervonacal’ny
Priisk Zinnsteingänge einschließen.
3. Die Lagerstätte von Niznij-Saronaj.
Die Lagerstätte von NiZnij-Saronaj liegt (vgl. Karte Fig. 11)
östlich des gleichnamigen Dorfes im Oberlauf des Tales Mochovaja.
Innerhalb der dortigen dunklen kohligen Schiefer verläuft ein
330° NW streichender Granitgang mit einer ausgesprochenen
Turmalingreisenzone. Auch er schließt, ähnlich wie bei Malaja
Kulinda Quarzzwischengänge ein. Die Lagerstätte ist vollkommen
verfallen, ein regelrechter Abbau soll nie stattgefunden haben.
Der Zinnstein wurde nach älteren Angaben innerhalb des Granites
angetroffen. Tetjaev, der den Gang erneut besichtigt hat,
konnte keinerlei Anzeichen dieses Minerals entdecken, das anscheinend
 nur als unbedeutender Einsprengling beobachtet worden
ist. Die wirtschaftliche Bedeutung dieser Lagerstätte scheint
demnach zweifelhaft. Auch dieser Granitgang gehört vermutlich
einem Ausläufer des benachbarten, etwa 4—5 km entfernten
Massives von Byrka-Osinovaja an.
4. Die Lagerstätte an der Zavitaja.
Geologisch ähnliche Verhältnisse sollen an der gegen 110 km
nördlich der Hauptzinnlagerstätten des Onongebietes an dem
Bache Zavitaja und am linken Ufer des Baches Sljudjanka vorliegen.
 Ältere Angaben weisen auf dortige, allerdings wirtschaftlich
wertlose Zinnsteinfunde hin, die übrigens später bezweifelt worden
sind. Sollte sich auch nur das mineralogische Vorkommen bewahrheiten,
 so ergibt sich daraus eine beträchtliche Ausdehnung
der Zinnerzzone.
        <pb n="86" />
        BL Rußlands Zinnlagerstätten
II. Zinnsteingänge im Kalba-Gebirge.
In der Zeit vor der russischen Herrschaft ist im Kalba-Gebirge
auf der linken Seite des Irtysch von den Eingeborenen, vielleicht
auch von den Chinesen, ein Zinnsteinbergbau betrieben worden.
Heute noch erhaltene Stollen geben uns Kenntnis hiervon. Vermutlich
 hat das Erz zur Herstellung der in der dortigen Gegend
verbreiteten alten Bronzen gedient.
Die Vorkommen bilden NO streichende Gänge innerhalb
metamorpher Schiefer und gehen zumeist in nächster Nähe von
Graniten zutage, mit denen sie eng zusammenhängen. Den östlichen
 Abschnitt dieses Gebietes kennzeichnen häufig Pegmatitgänge
 mit viel pneumatolytischen Mineralien, vorherrschend
Turmalin und hellem Glimmer. Mehr nach W treten nordwestlich
streichende Goldquarzgänge in Erscheinung und die Merkmale
der Zinnführung gehen allmählich verloren. Zinnsteinseifen sind
bisher unbekannt geblieben; das hierfür in Betracht kommende
Gelände ist seiner Goldarmut wegen von den Goldsuchern nicht
in den Bereich ihrer Tätigkeit gezogen worden.
Kotul’skij, der eine kurze Beschreibung der Gegend
gibt, erwähnt drei Lagerstätten, von denen die des Amanatflusses
sich bisher als nicht fündig erwiesen haben, obgleich von dort
alte Stollenanlagen bekannt sind.
Die Lagerstätte des Flusses Urunchaj gehört einem etwa
1 m mächtigen, 10° NO streichenden und 80° NW fallenden Quarzgang
 an. Das Nebengestein besteht aus Schiefer, Zinnstein fand
sich in der alten Grube und auf der Halde, jedoch als seltener
Einsprengling.
An einen nordöstlich im Schiefer streichenden Quarzgang ist
das Vorkommen des Flusses Tagoj gebunden, von dem Erz als
Einsprengling im Quarz der alten Halden angetroffen worden ist.
Mikroskopisch konnte auch Scheelit nachgewiesen werden. Schürfversuche
 an den benachbarten Seifen ergaben eine Erzführung
von 0,005 % mit 31 % Scheelit und 69 % Zinnstein. Nach den
bisherigen Ergebnissen kommt diesen Lagerstätten keinerlei
Bedeutung zu, doch dürften bis zur endgültigen Klärung noch
eingehendere Untersuchungen erforderlich sein.
        <pb n="87" />
        — II. Zinnsteingänge im Kalba-Gebirge / 79
Nach neueren Angaben von Tichonovic sollen weitere
Schürfversuche negative Ergebnisse gezeitigt haben. Nur in
einem einzigen Falle wurde ein Erzgehalt von 0,072 % Sn O,
und 0,03 % WO,s festgestellt.
IN. Sonstige Zinnvorkommen,
Vereinzelte Zinnsteinvorkommen sind aus verschiedenen Gebieten
 des asiatischen Rußlands bekannt, wirtschaftliche Bedeutung
 scheint aber diesen Lagerstätten nicht zuzukommen,
So wird Zinnstein aus dem Amurgebiet erwähnt, wo man ihn
in den Goldseifen von Nikolajewskij und Pervonacal’ny am Flusse
Tukun’ka (Flußsystem des Tumnin) angetroffen hat. Auch die
Scheelitseifen und Gänge an der Chagra (vgl. Wolframlagerstätten
des Amurgebietes), einem linken Nebenfluß der SelemdZa, enthalten
 nach den Analysen des Geologischen Komitees Scheelit
und Zinnstein, von denen dieser bis zu 50 % des Erzes ausmachen
kann. Hier wäre unter Umständen an eine Gewinnung des Erzes,
natürlich als Nebenprodukt bei der Wolframförderung, zu denken.
Vollkommen unerforscht ist das Zinnerzvorkommen im
Ol’ginskibezirk beim Berge Sudno (Amurgebiet), auch das der
Halbinsel Cukotsk auf Kamtschatka. Ferner erwähnt Weber
Zinnerz bei Baraun, unterhalb der Vanta-Mündung am rechten
Ufer des Amu-Darja (Gebiet von Buchara).
Mehr Interesse entgegenzubringen ist den Zinnsteinfunden
in verschiedenen Goldseifen des Jenisseigebietes. Häufige Funde
prähistorischer Bronzen aus dem Gebiet von Minusinsk und
Umgegend sprechen für eine ehemalige Zinn- und Kupfergewinnung
in dieser Gegend. Für den Kupferbergbau liegen bereits Beweise
in alten primitiven Gruben an den Minusinsker Kontaktlagerstätten
vor, hingegen fehlen sichere Anhaltspunkte der ehemaligen Zinngewinnung.
 Der in den Goldseifen nachgewiesene Zinnstein gibt
nur einen Hinweis auf die allgemeine Verbreitung und das Vorkommen
 dieses Minerals. In neuerer Zeit glaubt man die anstehenden
 Erze im Vorgebirge des Sajan, zwischen den Becken
der Flüsse Kan und Birjusa gefunden zu haben. Inwieweit diese
Vermutung den Tatsachen entspricht, bleibt zukünftig zu untersuchen.
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        80 Rußlands Zinnlagerstätten
Wirtschaftlicher Rückblick.
In wirtschaftlicher Beziehung treten die russischen Zinnerzlagerstätten
 gegenüber den übrigen Produktionszentren der Welt
vollkommen in den Hintergrund. Sollte in der Zukunft die Rentabilität
 des Abbaues einiger weniger Lagerstätten erwiesen
werden, so dürfte ihnen dennoch nur eine lokale Bedeutung zukommen.
 An eine Ausfuhr wird nicht zu denken sein, zumal
der russische Eigenverbrauch in der Vorkriegszeit beträchtlich
war (er betrug 1913 6065 t) und nur durch Einfuhr gedeckt wurde.
Die geförderten Erze — auf eine hohe Ausbeute kann man nach
den bisherigen Anhaltspunkten unmöglich schließen — würden
ausschließlich dem Heimatlande zugute kommen, dessen diesbezügliche
 Rohstoffversorgung trotz der möglichen Beihilfe stets
auf ausländische Zufuhr zu rechnen haben wird.
Literaturverzeichnis *).
1. 1830. J. Kovrigin: Geognostische Nachrichten über die Onon-Zinngruben.
 Bergjournal 1830. II. No. 4. Russ.
2. 1839. C. Fiedler: Über die alten Zinnsteingruben am Onon in
Daurien. Karstens Archiv für Min., Geognosie, Bergbau
und Hüttenkunde. 1839. XII. S. 178—188.
3. 1867. A. Ozerskij: Übersicht der Geologie, Mineralreichtümer
und des Bergbauwesens Transbaikaliens. St. Petersburg 1867.
Ausgabe d. kais. russ. mineral. Ges. Russ.
4. 1887. P. Jeremejev: Zinnsteinkristalle aus einigen Goldseifen.
des Bezirkes Jenissei. Schriften der kais. russ. min. Ges,
1887. 23. 5. 269. St. Petersburg. Russ.
5. 1897. A. Gerasimov: Geologische Untersuchungen im Zablojonja.
Geol. Untersuchungen und Forschungsarbeiten längs der
sibirischen Eisenbahn. 1897. 6. Russ.
6. 1899. S. Korzuchin: Über Zinn- und andere Lagerstätten am
Flusse Onon. Veröffentlichungen der Ges, der Bergingenieure.
1899. No. 4. Russ.
7. 1905. V. Reutovskij: Die nutzbaren Lagerstätten Sibiriens.
Petersburg 1905. Russ.
8. 1910. A. Gerasimov: Geologische Untersuchungen im zentralen
Transbaikalien. Geologische Untersuchungen und Forschungsarbeiten
 längs der sibirischen Eisenbahn. 1910. 23. Teil II.
Russ.
9. 1912. K, Bogdanovi@l: Erzlagerstätten. Bd. II. 1912. St. Petersburg.
 Russ.
*) Vollständige Literaturverzeichnisse finden sich in den Arbeiten von
Sugeinskij, Meister, Polevojund Tetjaev.
        <pb n="89" />
        nn Literaturverzeichnis 81
10. 1913. P. Orlov: Zur Frage der Entdeckung radioaktiver Bestandteile
 in den Schlicken der goldführenden Gebiete Sibiriens.
Arbeiten der Radiumexpedition der Akademie der Wissenschaften.
 St. Petersburg 1915. No. 6.
11. 1913. V. Weber: Die nutzbaren Lagerstätten Turkestans 1913 und
Nachtrag 1915. Ausgabe des Geologischen Komitees. Petersburg.
 Russ.
12. 1916. P. Sus&amp;amp;inskij: Übersicht der Wolfram- und Zinnlagerstätten
 Rußlands. (Literatur.) Materialien zur KErforschung
 der natürlichen Produktionskräfte Rußlands. No. 5.
Petrograd 1916. Russ.
13. 1916. M. Tetjaev: Besprechung der Arbeit Sugz&amp;amp;inskijs.
Poverchnost’ i Nedra 1916. I. 6. S. 259, Russ.
14. 1917. V. Kotul’skij: Die Wolfram- und Zinnlagerstätten der
Kalbagebirgskette. Poveschnost’ i Nedra. 1917. II. 5—6.
Russ,
15. 1917. P. SuS&amp;amp;€inskij: Kurzer Bericht über die Untersuchungen
der Wolframlagerstätten des Transbaikalgebietes, insbesondere
 des Bezirkes von Bukuka im Jahre 1916. Bull.
Comite G&amp;amp;ol. 1917. XXXVI. 1. S. 248—254. Russ.
16. 1917. M. Tetjaev: Kurzer Bericht über die Untersuchungen der
Zinn- und Wolframlagerstätten im zentralen Transbaikalien
im Jahre 1916. Bull. Comite G6ol. XXXVI. 1. S. 239—248.
Russ.
17. 1918. — Vorläufiger Bericht über die Besichtigung der Wolframund
 Zinnlagerstätten Transbaikaliens. Buil, Comite@ Geol.,
XXXVI. 1918. 1. S. 162—163. Russ.
18. 1918. A. Meister: Zinn. Die natürlichen Produktionskräfte Rußlands.
 Bd. IV. 12. Petrograd. Russ.
19. 1918. M. Tetiaeff (Tetjaev): Les gisements de tungstene et d’etain
de la region de 1l’Onon—Borzia en Transbaikalie. Materiaux
pour la Geologie generale et appliquee. Liv. 32. Petrograd
1918. (Litera tur.) Russ.
20. 1921. Neue Lagerstätten von Zinnerzen in Sibirien. Priroda 1921,
No. 4—6. S. 82—83. Russ.
21. 1922. N. Tichonovi@: Tätigkeitsbericht der Zentralverwaltung der
wirtschaftlichen Untersuchungen. Travaux de la Direction
Centrale des Recherches Mini@res et de Prospection. Moskau
1922.-I. 8: 233—9235 u. 237. Russ.
22, 1923. P. Polevoj: Useful Minerals of the Russian Far East. Records
of the Geological Committee of the Russian Far East. 1923.
No. 27. Wladivostok. Russ.
23. 1923. A. Fersman und D. Sterbakov: Chemisch-technischer
Leitfaden. I. Lagerstätten. 2. Aufl. Petrograd 1923. (Literatur.)
 Russ,
Quellen u. Studien, III. Abt, N. F. Heft 1: L. v. zur Mühlen, Lagerstätten von Wolfram etc. 6
        <pb n="90" />
        82 Verwendung, Vorkommen und Gewinnung von Molybdän
Verwendung, Vorkommen und Gewinnung
von Molybdän.
Gleich dem Wolfram findet Molybdän seine Hauptverwendung
in der Stahlindustrie, hauptsächlich zur Herstellung von Molybdänstahl,
 dessen Eigenschaften in keiner Weise hinter dem Wolframstahl
 zurückstehen. Diesen übertrifft vielmehr der Molybdänstahl
noch durch größere Widerstandskraft, wie er auch nur einen
2—3 mal so geringen Zusatz erfordert. In Europa benutzt man
Molybdän vorwiegend zur Herstellung von Schnelldrehstahl,
seltener zu Konstruktionsstahl und als Desoxydationsmittel.
In den Vereinigten Staaten hingegen erfreut er sich auch bei der
Herstellung von Maschinenbestandteilen, besonders bei Lokomotiven
 und Kraftwagen, einer weiten Verbreitung und ist dort
dank den seit Kriegsschluß reichlich zur Verfügung stehenden
Erzvorräten, namentlich seit 1922, viel ausgebreiteter zur allgemeinen
 . Stahlveredelung verwendet worden. Besonders verständlich
 wird dieses, wenn man bedenkt, daß sich die gleichwertigen
 Edelstahlsorten anderer Legierungen gleich teuer oder
sogar etwas teurer stellen und daß bei der Fabrikation noch Ersparnisse
 erzielt werden.
Molybdänstahl mit 0,5—2 % Molybdän besitzt alle Eigenschaften
 eines vorzüglichen Schnelldrehstahls. Die höchstwertigen
Sorten erfordern einen Zusatz von 12—19 % Mo. Auch in der
Rüstungsindustrie kommt Molybdän allerdings in kleineren Beimengungen
 zur Verwendung, ebenso bei der Fabrikation von
Magneten, die einen Zusatz von 3,7 % Mo und 1,2 % C erfordern.
Metallischen Molybdän verwendet die Elektrotechnik vornehmlich
zu Teilkonstruktionen von elektrischen Öfen, Lampen, Kontakten
und dergleichen. Molybdänerz gebraucht man ferner in der chemischen
 und der Farbstoffindustrie, desgleichen bedient man sich
größerer Molybdänglanzblätter bei der drahtlosen Telegraphie.
Die Hauptmasse des Molybdäns kommt jedoch der Stahlindustrie
zugute, die zu den besten Abnehmern des Erzes gehört. Gewöhnlich
 verwendet man es als eine Eisen-Kohlenstoff-Molybdänlegierung,
 dem sog. Ferromolybdän mit 50 % Mo. Die hochwertigen
 Sorten enthalten 80—85 % Mo. Gelegentlich verwendet
        <pb n="91" />
        I Verwendung, Vorkommen und Gewinnung von Molybdän 83
man auch vierfache Legierungen, .d. h. Ferromolybdän mit anderen
Metallen.
Molybdänerze von allgemeiner Verbreitung sind Molybdänglanz
 (Mo S,), Wulfenit (Pb Mo O,) und Molybdänocker (Mo Os).
Die Hauptbedeutung kommt dem Molybdänglanz zu, der den
größten Teil der Weltförderung deckt. Wulfenit tritt in seiner
Verbreitung und Verwendung beträchtlich hinter diesem zurück
und spielt auf dem Weltmarkt keine nennenswerte Rolle.
Geologisch ist der Molybdänglanz in den weitaus häufigsten
Fällen an Gänge und Imprägnationszonen gebunden, vorwiegend
an saure Eruptivgesteine oder deren nächste Nachbarschaft,
gewöhnlich Granite. Die einzelnen Lagerstätten sind verstreut,
jedoch weit verbreitet und besitzen in vielen Fällen nur ein mineralogisches
 Interesse. Abbauwürdige und namentlich reiche Vorkommen
 treten zurück, auch halten sie nur gering aus. Man baut
zumeist auf armen Gängen, solchen mit 0,4 bis zu einigen Prozenten
Mo S,.
Für die Aufbereitung des Molybdänglanzes liegt ein allgemein
anwendbares Schema nicht vor. Von Fall zu Fall hat man sich
für diese oder jene Methode zu entscheiden, wobei neben der
trockenen, wässerigen und magnetischen Aufbereitung noch die
Anwendung von Ölen im Schwimmverfahren herangezogen wird.
Nicht selten ist man gezwungen, auf die Kombination dieser oder
jener Verfahren zurückzugreifen.
Russlands Molybdänlagerstätten.
I. Molybdänlagerstätten im Transbaikalgebiete.
1. Die Lagerstätte Gutaj.
Die einzige fördernde Molybdänlagerstätte Rußlands liegt
im westlichen Transbaikalgebiete, am rechten Ufer des Flusses
Öikoj, gegenüber dem Dorfe Gutaj (Fig. 13), etwa 250 km südlich
der Eisenbahnstation Petrovskij Zavod. Bisher hat man Molybdänerze
 vornehmlich am rechten, durch schroff abstürzende Felswände
 gekennzeichneten Ufer des genannten Flusses, zwischen
den Dörfern Gutaj und Grechnovo nachweisen können. Am
geologischen Aufbau der Gegend beteiligen sich vorherrschend
schiefrige kristalline Gesteine, hauptsächlich dunkelgrüne, z. T.
        <pb n="92" />
        84 Rußlands Molybdänlagerstätten 7
durch Granitinjektionen gebänderte Amphibolite, wechsellagernd
mit hellgrauen Gneisen und bisweilen leicht schichtigen rosafarbigen
 feinkörnigen Apliten. Beschränkt verbreitet sind ferner
dunkelgrüne lamprophyrische Ganggesteine. Der ganze Gesteinskomplex
 ist stark gestört und zeigt eine Reihe isoklinaler, nach
NO überkippter Falten, ferner unbedeutende Verwerfungen,
Überschiebungen und Trümmerzonen. Am Nordende des Dorfes
sind die Gesteine von einem grobkörnigen Hornblende-Biotitgranit
| Tb
AV
DE A OSTSKE
Mon Qua u
|. e Ma
Grüii%«
N. x 7
| 1 Grechnos
ZU S HN
/ Maßstab ZWwerat - 1201 /
A Y ZZ. 7
Fig. 13. (Nach Tetjaev.)
durchbrochen, dessen Ausbiß in etwa 1%—2 km Ausdehnung
zutage geht. Die Schiefer streichen ungefähr 0O—W. Beim Dorfe
Gutaj fallen sie 30—40° nach N, weiter nach Grechnevo stellen
sich bereits die Störungszonen ein. Im S, beim Tälchen Frolova,
werden die Injektionsgesteine durch Kalkstein abgelöst. Den
ganzen Schichtenkomplex spricht man nach den Untersuchungen
ObruClevs als präkambrisch, anscheinend archäisch an.
Die von Tetjaev und Doktorovic-Grebnickij
beschriebene Lagerstätte ist an eine Reihe von Quarzgängen gebunden,
 deren Ausbisse an verschiedenen Stellen der Felswände

a
        <pb n="93" />
        nn I. Molybdänlagerstätten im Transbaikalgebiete 85
zu erkennen sind. Sie werden nach Tetjaev von einem Quarz-Karbonatgestein
 gebildet, das zuweilen Feldspäte einschließt
und neben Molybdänglanz noch Pyrit, Bleiglanz und Eisenglanz
führt. Sekundäre Veränderungen sind am Nebengestein nicht
wahrzunehmen. Im allgemeinen durchschwärmen die Gänge
das Gestein in verschiedenen Richtungen. Molybdänglanz tritt
ausschließlich innerhalb der injizierten Gneise auf, im Gebiete
der kristallinen Kalke fehlt er.
Gefördert wurde bisher auf einem einzigen, allerdings dem
bedeutendsten dieser Gänge gegenüber dem Südende des Dorfes
Gutaj. Die schroffe Felswand gibt einen vorzüglichen Aufschluß
in der Fallrichtung des Ganges, bei 30°—40° NNO Einfallen
etwa 50 m. Im allgemeinen beträgt die Gangmächtigkeit 13 bis
17,5 cm, ausnahmsweise vermindert sie sich bis zu 9 cm. Nur
im oberen Abschnitt ist eine Zersplitterung des Ganges in kleine
Nebengänge mit nesterförmigem Charakter nachzuweisen, nach
unten zu hält er aus und setzt bei gleichbleibender Mächtigkeit
bis an den Wasserspiegel des Flusses Cikoj nieder.
Die Gangausfüllung des Hauptganges besteht aus Milchquarz
mit Kalzitbeimengungen. Der Molybdänglanz beschränkt sich
vorherrschend auf die Salbänder, seltener bildet er Nester innerhalb
 der Gangmasse. Bei geringer Mächtigkeit können die gegenseitigen
 Salbandbeläge sich miteinander vereinigen und einen
regelrechten Molybdängang mit Quarzeinschlüssen bilden. Alle
Ganganschwellungen sind durch große Mengen tauben Gesteins
gekennzeichnet. Pyrit tritt seltener auf, vorwiegend im anschliessenden
 Nebengestein, wo er selbständige Gängchen bildet. Infolge
 der regelmäßigen Lagerung des Nebengesteins ist die Erzführung
 gleichmäßig. Anders beim Dorfe Grechnovo. Dort hat
die intensive Faltung es zu keiner regelrechten Gangbildung
kommen lassen, so daß nur Nester und Linsen vorliegen. Außerdem
hat man in nächster Nähe der Grube auf weitere Vorkommen
geschürft, allerdings mit Ausnahme zweier, etwa 1—3 und 10 cm
mächtiger, ausreichend erzführender Gänge, ergebnislos.
Der durchschnittliche Erzgehalt des Ganggesteines beträgt
nach den bisherigen Ergebnissen bei einem Molybdängehalt von
45 % etwa 5—5% %. Nach einer Analyse des Petersburger
Berginstitutes setzte sich das Erz folgendermaßen zusammen:
        <pb n="94" />
        86 X Rußlands Molybdänlagerstätten nn
Mo  00,86 %
Ser
99,34 %
Der Abbau der Lagerstätte geschah anfangs im Tagebau, später
mit in die Felswand vorgetriebenen, etwa 2—3 m breiten und
2—4 hohen Stollen. Bis zum Juli 1917 hatte man fünf Stollen
aufgefahren, deren Länge zwischen 10—16 m schwankte.
Gefördert wurde, abgesehen von einer kurzen Zeitspanne
vor dem Kriege, in den Sommermonaten der Jahre 1916 und 1917.
Die Gesamtausbeute in dieser Zeit betrug 1,6 t*) Konzentrat,
bei einer Belegschaft von 30 Mann, von denen 10 im Abbau und
20 bei der Aufbereitung und den Schurfarbeiten beschäftigt
waren. Durchschnittlich erzielte die Förderung 1 Pud = 16,3 kg
pro Tag.
Über die Erzvorräte ist man schlecht unterrichtet. Infolge
einer Verwerfung nahe am Ausgehenden des Ganges kann man
ein Bild erst durch Stollenvortrieb in der Streichrichtung gewinnen.
 Nach den bisherigen Ergebnissen darf man insgesamt
mit etwa 7 t Konzentrat rechnen. Eine Verarmung in der Streichrichtung
 hat man nicht wahrgenommen. Es ist demnach mit einem
Aushalten des Ganges zu rechnen, so daß man mit jedem vorgetriebenen
 Meter Stollen eine Ausbeute von 0,8 t Konzentrat
erwarten darf. Für die Aufbereitung des Erzes gibt Doktorovic-Grebnickij
 folgendes Schema an:
1. Handscheidung des Fördererzes.
2. Zerkleinerung mit Hämmern im Handbetriebe und Aussortierung
 der Molybdänerzstufen.
3. Durchwaschung auf den Waschherden.
4. Durchsiebung zur Aussonderung des grobspätigen Konzentrats.

5. Ausscheidung der restlichen Produkte des mittleren Konzentrates
 durch Abklopfen auf eisernen Tafeln.
6. Durchwaschung der Sande und Mehle in Stoßherden und
Anreicherung des feinen Konzentrats.
—_ * Edelstein (Chemisch-technischer Leitfaden) gibt, abgesehen von
der 0,8 t Förderung der Vorkriegszeit, eine Gesamtausbeute von 4,8 t
Molybdänglanz an!
        <pb n="95" />
        I. Molybdänlagerstätten im Transbaikalgebiete nn 87
Von den im Jahre 1916 geförderten 48 Pud Erz enthielten
nach Tetjaev:
°
9 Pud — 45.70 % Mo ) Analysen der
32 Pud-— 48,20 % Mo j J#orskij-Hütte.
Der Rückstand ergab:
1. Nach Ablassen und Durchwaschen mit dem Sieb No. 34 32,78 % Mo *)
2, Nach Durchwaschung mit dem Sieb No. 34 .. .. . 26,47 % Mo *)
3. Mehle ‚nach Ablassen und Durchwaschung . . . . . 21,92 % Mo *)
4. Staub vom Winde fortgetragen (Sieb No. 1, 2 und 3) 16,31 % Mo *)
Demnach stand die damalige Aufbereitung nicht auf der Höhe
und bedurfte einer gründlichen Verbesserung.
Wenngleich der Lagerstätte keine Weltbedeutung zukommt,
so ist ihr doch von russischer Seite zweifelsohne bedeutendes
Interesse entgegenzubringen, insbesondere da man über ihre
Vorräte vollkommen ungenügend unterrichtet ist. Nach den bisherigen
 Ergebnissen muß die Erzführung gegenüber anderen Gruben
als reich angesprochen werden. Auch ist der Erschürfung neuer
Erzgänge in der nächsten Umgebung der Grube Rechnung zu
tragen.
2. Molybdän aus dem übrigen Transbaikalgebiete.
Molybdänerze gehören im Transbaikalgebiete nicht zu den Seltenheiten.
 Außer der Grube von Gutaj gibt Pole v oj noch 14 weitere
Vorkommen an, die jedoch meist nur ein mineralogisches Interesse
 besitzen dürften. Lagerstätten wirtschaftlichen Wertes
sind bisher unbekannt. In vielen Fällen sind die einzelnen Vorkommen
 noch ungenügend untersucht. Beachtung verdient ein
von Svital’skij entdeckter Fundpunkt 5—7 km westlich
des Dorfes Duldurga am Bache Uletui, einem Nebenfluß der Ilja.
Am geologischen Aufbau der nächsten Umgebung nehmen ausschließlich
 Granite teil. Auf Grund molybdänführender Quarzgerölle
 im Flußbett hat man an den stark mit Schutt verdeckten
Hängen nach der anstehenden Lagerstätte geschürft, wobei große
Granitblöcke freigelegt wurden, die von 2—13 cm müächtigen
Quarzadern durchzogen waren. Von Erzen führte das Gestein
viel Molybdänglanz, Pyrit, Kupferkies und Malachit. Leider sind
*) Analysen des Geologischen Komitees.
        <pb n="96" />
        88 Rußlands Molybdänlagerstätten ——
die Schürfungen nicht bis zum anstehenden Gang vorgedrungen,
in dem, nach den Blöcken zu urteilen, eine reiche Molybdänglanzführung
 zu erwarten ist. Weitere Untersuchungen dieser Lagerstätte
 wären angebracht.
I. Molybdänlagerstätten in der Ussuri-Provinz des Fernen Ostens.
Wirtschaftliche Bedeutung dürfte vielleicht eine Molybdänlagerstätte
 im Ussurigebiete, 11 km südöstlich der Plastunbucht
(nördlich Wladiwostok) besitzen. Das Erz soll dort als grobe
Einsprenglinge an Granite gebunden sein, die das dortige „Felsitmassiv“
 durchbrechen. Das Vorkommen liegt am Meeresufer
und ist 10 m im Fallen und 5,5 m im Streichen aufgeschlossen,
bei einer Mächtigkeit von 2,25 m. Der Molybdängehalt wird
nach einer Angabe auf 1,15 %, nach einer anderen auf 10,6 %
(anscheinend angereichert) geschätzt. Der sichtbare Erzvorrat
beträgt 348 t. Ob das Vorkommen an einen Gang oder Stock
gebunden ist, bleibt ungewiß. Nach einer Analyse des Geologischen
Komitees enthält das Erz 33,39 % Mo.
Außerdem kennt man noch Molybdänglanz am Meeresufer
in der Nähe von Kap Bodisko zwischen den Buchten Preobra-Zenija
 und Valentina, und zwar als reichliche feine Einsprenglinge
 in zwei 0,26 m bezw. 1 m mächtigen Gängen eines dichten
dunklen Gesteins und deren Quarznebengängen, mit Granit als
Nebengestein. Der Ausbiß konnte über 400 m verfolgt werden.
Inwieweit dieser Lagerstätte praktische Bedeutung zukommt,
ist ungewiß.
II. Sonstige Molybdänvorkommen Russlands.
Molybdänerze werden ferner aus dem nördlichen Teile des
europäischen Rußlands, aus Podolien, dem Kaukasus, dem Ural,
der Kirgisensteppe, aus Turkestan, dem westlichen Altai, dem
Gouvernement Jenissei, dem Amurgebiet und aus Kamtschatka
gemeldet. Ein genaues Verzeichnis der einzelnen Vorkommen
gibt Edelstein in seiner Übersicht über die russischen Molybdänerze.
 Wirtschaftliche Bedeutung kommt nach den bisherigen
Ergebnissen keinem dieser Vorkommen zu. Hingegen erwähnt
Sterbakov im chemisch-technischen Leitfaden kurz eine
neue, mit Kupfererzen verbundene Molybdänlagerstätte am See
        <pb n="97" />
        5 III. Sonstige Molybdänvorkommen Rußlands 89
Suozero im Kreise Kem’ des Gouvernements Archangelsk, der er
praktische Bedeutung zuspricht.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Molybdänlagerstätten
 und die Stellung der russischen
Lagerstätten.
Der große Bedarf an Molybdänerzen hat namentlich während
der Kriegsjahre einen regen Bergbau hervorgerufen, mit einer
Höchstförderung im Jahre 1918. Die Weltproduktion der Vorkriegszeit
 wird auf höchstens 300 t Mo S, geschätzt, von denen
1912 Queensland 102,3 t und Neu-Süd-Wales 55,55 t stellten.
1913 entfielen auf diesen Staat 78,8 t, wogegen jener eine Förderung
 von 66 t aufzuweisen hatte. Somit lieferte Australien
etwa die Hälfte der Weltausbeute; dazu kamen noch Schweden
und Norwegen mit durchschnittlich 25—40 t jährlich. Während
des Krieges setzte eine vollkommene Verschiebung der Verhältnisse
 ein. Das Schwergewicht verlegte sich nach Nordamerika,
vornehmlich den Vereinigten Staaten, die sich die Führung der
Weltförderung aneigneten. Der plötzliche Kriegsschluß und die
während der Hochkonjunktur angereicherten Erzvorräte brachten
den dortigen Bergbau vollkommen zum Erliegen, trotz einer in
den letzten Jahren gegenüber der Vorkriegszeit reichlichen Nachfrage.
 Da erst 1924 ein Verbrauch der Reserven vorauszusehen
war, mußten die mit modern ausgerüsteten Aufbereitungsanlagen
versehenen amerikanischen Gruben ihre Betriebe bis zum heutigen
Tage stillegen. Auch in den anderen Ländern ging der nach dem
Kriege zuerst schnell aufblühende Bergbau beträchtlich zurück
und erst heute, bei der scheinbaren wirtschaftlichen Stabilisierung
haben die alten Förderzentren und Weltmarktlieferanten Australiens
 und Skandinaviens die Führung wieder an sich gerissen,
obgleich sie, namentlich jenes Land, bedeutend hinter der Friedensförderung
 zurückstehen. Normale Verhältnisse in diesem Zweige
des Bergbaues dürften erst nach einem vollkommenen Verbrauch
der reichen, seit dem Kriege aufgespeicherten Vorräte eintreten.
Untenstehende der „The Mineral Industry“. Vol. XXXII für
1923. S. 454 entnommene Tabelle veranschaulicht dieses in vorzüglicher
 Weise.
        <pb n="98" />
        90 Die wirtschaftliche Bedeutung der Molybdänlagerstätten
Weltproduktionan Molybdänerzin metr. t.
(Konzentrate.)
1918 ' 1919 | 1920| 1921 | 1922 | 1923
Australien,Neu-Süd-Wales 48,00 33,52 720;38 | 0,90 5,43
Australien, Queensland . 55,71 | 59,79 | 15,40 93 | 0,90 | 5,43
Australien, Viktoria . . -- 2,71 1,35  — 7.70 P418,12
Kanada. 2 02, 38.22.65 - —  58— =
Japan. 4 HAT 3,17 | == 4,07 | .._ Rn
Korsa NG 34 1,81 4,07 )
Norwegen... .ı. 4118230004303 Ä. — - 20,83
Spanien N 7,04 1,35 | 3,62 =
Schweden. U 3850 — | .
Vereinigte Staaten von &amp;gt;
‚Nordamerika. , . . .1390,48 , 134,99 | 15,85 | =
Übrige Länder... . 22,191 7,248 40700 ,
Weltjahresförderung . ‚1792,75 | 307,13 | 68,85 | 4,98 / 9,51 | 49,83 ;
Deutschland hat keine nennenswerte Molybdäneigenproduktion
aufzuweisen gehabt und ist stets auf Einfuhr ausländischen Erzes
angewiesen. Demnach hat es sein Augenmerk auf den Erwerb
ausländischer Lagerstätten zu richten. Nach den bisherigen
Ergebnissen erwecken die zurzeit bekannten russischen Vorkommen
 wenig Hoffnung, doch ist entsprechend der weiten Ausbreitung
 saurer Eruptivgesteine im N des europäischen Rußlands
und Sibiriens stets mit der Erschließung derartiger Gänge zu
rechnen, Die zurzeit bekannten Molybdänlagerstätten Rußlands
dürften ausschließlich dem Eigenverbrauch dieses Landes zugute
kommen, an eine Ausfuhr ist schwerlich zu denken.
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        <pb n="99" />
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        <pb n="100" />
        92 Ortsregister
Ortsregister.
Die Buchstaben ©, S und Z stehen hinter C, S und Z.
Seite Seite
Adun-Colon 4. ; . 24.460,61 62 Chadabulak . .. 1... 44,50
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Asinsk Steppe. 244.1 562 57, 58, 59, 61, 66, 67
AKatul 4, 30 WG BC. 2 en, 6, 63, 64. 65
Akmolinsk 1. N LO Chinesische Grube... 4. 159
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Alexejevsk . he W  Cenkyricha 4 0 61,58
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Antonova Cora 27, 28,35,38,47 55 A Duturul 0 0.0 A
56,57, 62, 66 Pond 63
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Niznij-Saronaj. ........77 Serlovaja Gora 16, 18, 21, 23, 26, 35
Nord-Amerika . ... . 63,89 45, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 60, 62
Nord-Australien.:. . u 60 61, 66, 67
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Norwegen nr U re 8 Od un eine ea NE
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Oldanda 27, 28, 35, 36, 38, 47, 56, 57,
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Ol’ginskij-Bezirk 4. 70 Talangui 1 4. 040, 60
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        £. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Erwin Nägele) G.m. b. H.
in Stuttgart.
Grundzüge der Geologie
Ein Lehrbuch
für Studierende, Bergleute und Ingenieure
Mit Unterstützung zahlreicher Fachgelehrter herausgegeben von
Prof. Ur. W. Salomon-Meidelberg
Band I: Allgemeine Geologie.
Teil I: Innere Dynamik — Teil II: Außere Dynamik
Gr.-8°, 877 Seiten mit Taf. I, IL und 331 Textabbildungen,
{nhalt des I. Bandes: Joh. Koenigsberger: Die Gestalt der Erde
und ihre physikalischen Eigenschaften. W. Salomon: Das Gesteinsmaterial
 der Erdkruste. A. Bergeat: Plutonismus und Vulkanismus.
 W. Salomon: Orogenesis = gebirgsbildende Vorgänge,
A. G. Högbom: Epeirogenetische Bewegungen. A. Sieberg:
Erdbeben. L. Milch: Die Umwandlung der Gesteine. P. Krusch:
Erzlagerstättenlehre. Andree: Geolog. Tätigkeit des Meeres,
Salomon: Geolog. Tätigkeit der festländischen. Gewässer,
Philipp: Geolog. Tätigkeit des Eises. Passarge: Geolog.
Wirkung des Windes. Andr&amp;amp;e: Geolog. Tätigkeit der Organismen.
v. Bubnoff: Überblick über den geol. Bau von Europa.
== Preis in ganz Leinen geb. R.M. 32.50. ==—
Band II: Erdgeschichte
Teil I: Archäikum, Proterozoikum (Archäozoikum,
Algonkium), Paläozoikum
Gr.-8°. 309 Seiten mit Taf. I—VII, 211 Textfiguren und 1 Tabelle,
Inhalt von Band II Teil I:: Salomon: Grundbegriffe der. Erdgeschichte.
 Sederholm: Archäikum, Proterozoikum. Born:
Cambrium, Ordovicium, Gotlandium. Wedekind: Devonische
Formation. Harrassowitz: -Karbonformation , Permformation.
== Preis broschiert R.M. 16.—. ==—
Teil IL: Mesozoikum und Neozoikum
[nhalt von Band II Teil I: Wurm: Trias. Dacque: Jura. Stol-[ey:
 Kreide. Schaffer: Neozoische Formationsgruppe. Keilhack:
 Quartär. — Broili: Entwicklungsgeschichte der Tiere.
Salfeld: Entwicklungsgeschichte der Pflanzen, Mollison:
Fossile Menschenaffen und Menschen.
== Erscheint in kurzem. =—=—==
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        E. Schweizerbart’scheVerlagsbuchhandlung (Erwin Nägele) G.m. b.H
in Stuttgart.
Rosenbusch-Mügge:
Mikroskopische
Physiographie
I. Band. 2. Hälfte:
Die petrographisch wichtigen Mineralien.
Spezieller Teil.
5. erweiterte Auflage.
Erste Lieferung.
Lex,-8°. VIXu. 276 Seiten mit 28 Textfiguren und 9 Tafeln — RM.24.—
Mit dieser Lieferung beginnt die zweite Hälfte des ersten Bandes
dieses klassischen Werkes, was in Fachkreisen mit Freuden begrüßt
 werden wird, Die erste Hälfte-des ersten Bandes — Untersuchungsmethoden
 '— in 5. völlig umgearbeiteter Auflage von
E. A. WüLFINGe. mit XXIV u. 848 S., sowie 680 Textfiguren und
15 Tafeln liegt vollständig vor — broschiert oder geschmackvoll
halbfranz gebunden.
E.Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Erwin Nägele) G. m. b. H.
in Stuttgart.
Erz- und Minerallagerstätten
von
Prof. Dr. M. Henglein
Karlsruhe
Lex. 196 Seiten mit 27 Textabbildungen — RM. 10.—
Das Werk bietet eine zusammenfassende Darstellung der im
Schwarzwald und an seinen Rändern gelegenen nutzbaren Mineralien
 und wird wegen seines auf knappem Raum dargebotenen
reichen Inhaltes von fachwissenschaftlichen, bergbaulichen und
wirtschaftlichen Kreisen vielfach zu Rate gezogen werden
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        ©
—— X. Molybdänlagerstätten im Transbaikalgebiete 87 ;
Von den im Jahre 1916 geförderten 48 Pud Erz enthielten f
nach Tetjaev:
EN °
9 Pud — 45.70 % Mo BZ
32 Pud — 48,20 % Mo j J#orskij-Hütte,
Der Rückstand ergab:
1. Nach Ablassen und Durchwaschen mit dem Sieb No. 34 32,78 % Mo *)
2. Nach Durchwaschung. mit dem Sieb No. 34... . . .26,47.% Mo *)
3. Mehle .nach Ablassen und Durchwaschung . . . . . 21,92 % Mo *)
4. Staub vom Winde fortgetragen (Sieb No. 1, 2 und 3) 16,31 % Mo *)
Demnach stand die damalige Aufbereitung nicht äuf der Höhe
und bedurfte einer gründlichen Verbesserung.
Wenngleich der Lagerstätte keine Weltbedeutung zukommt,
so ist ihr doch von russischer Seite zweifelsohne bedeutendes
Interesse entgegenzubringen, insbesondere da man über ihre
Vorräte vollkommen ungenügend unterrichtet ist. Nach den bisherigen
 Ergebnissen muß die Erzführung gegenüber anderen Gruben
als reich angesprochen werden. Auch ist der Erschürfung neuer
Erzgänge in der nächsten Umgebung der Grube Rechnung zu
tragen.
2. Molybdän aus dem übrigen Transbaikalgebiete.
Molybdänerze gehören im Transbaikalgebiete nicht zu den Seltenheiten.
 Außer der Grube von Gutaj gibt Pole v oj noch 14 weitere
Vorkommen an, die jedoch meist nur ein mineralogisches Interesse
 besitzen dürften. Lagerstätten wirtschaftlichen Wertes
sind bisher unbekannt. In vielen Fällen sind die einzelnen Vorkommen
 noch ungenügend untersucht. Beachtung verdient ein
von Svital’skij entdeckter Fundpunkt 5—7 km westlich
des Dorfes Duldurga am Bache Uletui, einem Nebenfluß der Ilja.
Am geologischen Aufbau der nächsten Umgebung nehmen ausschließlich
 Granite teil. Auf Grund molybdänführender Quarzgerölle
 im Flußbett hat man an den stark mit Schutt verdeckten
Hängen nach der anstehenden Lagerstätte geschürft, wobei große
Granitblöcke freigelegt wurden, die von 2—13 cm müächtigen
Quarzadern durchzogen waren. Von Erzen führte das Gestein
viel Molybdänglanz, Pyrit, Kupferkies und Malachit. Leider sind
*) Analysen des Geologischen Komitees.
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