Die bürgerliche Nationalökonomie nach Marx _ bestimmen die allgemeinen Gedankengänge, die Gesichtspunkte, von denen aus die Wirklichkeit betrachtet und logisch verarbeitet wird. Wenn es mitunter sogar bei sehr eingehender Analyse eines einzelnen isolierten Satzes irgendeiner Theorie nicht gelingt. seinen sozialen Unterbau aufzudecken, so tritt dieser Unterbau dagegen stets klar zutage, sobald die unterscheidenden Merkmale des gegebenen theoretischen Systems, dessen allgemeine Ge- sichtspunkte hervorgehoben werden; dann erhält jeder einzelne Satz einen neuen Sinn, er wird zu einem notwendigen Glied einer ganzen Kette, die die Lebenserfahrung einer gewissen Klasse, einer gewissen gesellschaftlichen Gruppe umfaßt. Wenn wir uns nun der österreichischen Schule resp. ihrem hervorragendsten Vertreter, Böhm-Bawerk, zuwenden, so finden wir, daß die oben festgestellten psychologischen Eigenschaften der Rentner hier ihr logisches Aequivalent haben. Vor allem wird hier zum erstenmal der Standpunkt des Konsums konsequent durchgeführt. Das Anfangsstadium der Entwicklung der bürgerlichen politischen Oekonomie, die wäh- rend der Herrschaft des Handelskapitals (Merkantilismus) ent- stand, ist dadurch charakterisiert, daß es die wirtschaftlichen Erscheinungen vom Standpunkte des Tausches betrachtet. LS entspricht übrigens dem bürgerlichen Horizont, — sagt Marx — wo das Geschäftchenmachen den ganzen Kopf einnimmt, nicht im Charakter der Produktionsweise die Grundlage der ihr ent- sprechenden Verkehrsweise zu sehen, sondern umgekehrt“, Das folgende Stadium entsprach einer Epoche, in der das Kapital zum Organisator der Produktion wurde; der ideologische Ausdruck dieser Verhältnisse war die „klassische Schule‘‘, die die Wirtschaftsprobleme eben vom Gesichtspunkte der Produktion * Karl Marx: „Das Kapital‘, Bd. II, S. 88. An den Merkantilisten sieht man den Zusammenhang zwischen Theorie und Praxis besonders klar; die hervorragenden Ideologen waren zugleich hervor- ragende Praktiker: Gresham z. B. war Ratgeber der Königin Elisabeth und (ührte den direkten Kampf gegen die Hansa; Thomas Mun war Mitglied der Verwaltung der ostindischen Kompanie; Dudley North war einer der größten Kaufleute, die einen für die damalige Zeit umfassenden internationalen Handel trieben usw. Vgl. Oncken: „Geschichte der Nationalökonomie‘. Ueber den Tausch als Ausgangspunkt der Forschung vgl. K. Pribram: „Die Idee des Gleichgewichts in der älteren nationalökonomischen Theorie“, Zeitschrift für Volkswirtschaft, Sozialpolitik und Verwaltung, Bd. XVII, S. 1. Daselbst auch Literaturangabe.