26 Einleitung (die „Arbeitstheorien‘“ von A. Smith und D. Ricardo) betrach- tete und auf diese den Schwerpunkt der theoretischen Forschung verlegte. Diesen Standpunkt erbte die proletarische politische Oekonomie von den Klassikern. Umgekehrt sieht der Bourgeois- Rentner seine Aufgabe vor allem in der Lösung des Problems des Verbrauchs. Dieser Gesichtspunkt ist es auch, der die grund- legende, charakteristischste und neue theoretische Position der österreichischen Schule sowie der ihr nahestehenden Richtungen ausmacht. Wenn sich auch schon früher eine theoretische Rich- tung zeigte, deren Fortsetzung die österreichische Theorie ist, so hatten dennoch die Theorien, die den Verbrauch und Verbrauchs- wert der „Güter“ zur Grundlage ihrer Analyse machten, nie einen so allgemeinen Erfolg in der offiziellen Wissenschaft aufzuweisen wie gerade die österreichische Schule. Erst die neueste Entwick - lung schuf für diese Theorien eine feste Grundlage in der Rent- nerpsychologie des modernen Bourgeois““. Der krasseIndividualismus findet ebenfalls seine pünktliche Parallele in der „subjektivistisch-psychologischen‘‘ Methode der neuen Richtung. Freilich nahmen auch früher schon die Theoretiker der Bourgeoisie eine individualistische Position ein; sie hatten immer die „Robinsonaden‘ gerne. Sogar die Ver- treter der „Arbeitswerttheorien‘‘ begründeten ihre Position indi- vidualistisch: ihr Arbeitswert war nicht etwa das gesellschaft- liche „objektive“ Preisgesetz, sondern die subjektive Schätzung des „Wirtschaftssubjekts‘, welches das Gut ver- schieden einschätzt, je nachdem, ob der Arbeitsaufwand mit größeren und geringeren Unannehmlichkeiten verbunden ist (vgl. z. B. Adam Smith). Erst bei Marx nimmt der Arbeitswert den Charakter eines „Naturgesetzes‘“ an, das den Warentausch unabhängig vom Willen der Agenten der modernen Gesellschafts- ordnung regelt. Trotzdem erhielt erst jetzt, nämlich in der Lehre der österreichischen Schule, der Psychologismus in der politischen Oekonomie, d. i. der ökonomische Individualismus, seine Be- 2A Das oben aufgestellte Schema darf eben nur als Schema betrachtet werden, d. h. als eine Konstruktion, die Typen in großen Umrissen aufstellt und alles Nebensächliche außer acht läßt. T. R. Kaulla, der in seinem Buche: „Die geschichtliche Entwickelung der modernen Werttheorien“ (Tü- bingen 1906) unter anderem eine Analyse der Entstehung der österreichischen Schule zu geben versucht, hat die Bedeutung der hier hervorgehobenen Er- scheinungen nicht begriffen. x 7