Die bürgerliche Nationalökonomie nach Marx 27 gründung und seine vollständigste abgeschlossene Formulie- rung” Endlich drückt sich die Angst vorder Umwälzung bei den Vertretern der Grenznutzentheorie in dem stärksten Ab- scheu gegen alles Geschichtliche aus; ihre ökonomischen Kate- gorien sollen (nach der Meinung der Verfasser) für alle Zeiten und Epochen Geltung haben; von der Untersuchung der Ent- wicklungsgesetze der modernen kapitalistischen Produktion als einer spezifisch historischen Kategorie (der Marxsche Stand- punkt) ist hier gar keine Rede. Umgekehrt werden solche Phäno- mene wie Profit, Kapitalzins usw. als ewiges Attribut der mensch- lichen Gesellschaft angesehen. Hier tritt bereits die Rechtferti- gung der gegenwärtigen Verhältnisse ganz klar zutage. Je schwächer aber die Elemente der theoretischen Erkenntnis sind, desto lauter schallt die Stimme des Apologeten der kapita- listischen Gesellschaftsordnung. „Im Wesen des Zinses (d. h. des Profits. N. B.) liegt nichts, was ihn an sich unbillig oder ungerecht erscheinen ließe‘*®, — dies ist das Endergebnis (und unseres Erachtens auch das Ziel) der umfassenden Böhm- Bawerkschen Untersuchung. Wir betrachten die „Österreichische‘‘ Theorie als die Ideologie des Bourgeois, der aus dem Produktionsprozeß bereits hinaus- gedrängt ist, die Psychologie des degradierenden Bour- geois, der die Besonderheiten seiner verfallenden Psyche in seiner — wie wir später sehen werden — wissenschaftlich völlig un- fruchtbaren Theorie verewigte. Dem widerspricht durchaus nicht der Umstand, daß die Grenznutzentheorie selbst, so, wie sie von den Oesterreichern aufgestellt ist, gegenwärtig von der noch mehr in Mode gekommenen „anglo-amerikanischen‘‘ Schule, deren her- vorragendster Vertreter Clark ist, verdrängt wird. Die gegen- wärtige Periode der kapitalistischen Entwicklung bildet eine Epoche der letzten Anstrengung aller Kräfte der kapitalistischen Welt. Der ökonomische Prozeß der Verwandlung des Kapitals in das „Finanzkapital‘*” zieht von neuem einen Teil der Bour- A Siehe Albert Schatz: „L’individualisme Economique et social‘, 1907, S. 3, S a hm-Bawerk: „Positive Theorie des Kapitals‘, 3. Aufl., 1. Halbband, ”7 Wir wenden die Terminologie von R. Hilferding an. Siehe sein „Finanz- kapital‘“, besonders S. 282—284. 2”