Die bürgerliche Nationalökonomie nach Marx | tivismus — der Subjektivismus, der historische Gesichtspunkt — der unhistorische Gesichtspunkt, der Gesichtspunkt der Produk- tion — der Gesichtspunkt der Konsumtion: dies ist der methodo- logische Unterschied zwischen Marx und Böhm-Bawerk. Die lo- gische Analyse dieses methodologischen Unterschieds sowohl der Grundlagen der Theorie als auch der gesamten theoretischen Kon- struktion Böhms bildet eben den Gegenstand unserer Darstellung. Es sei noch mit einigen Worten der Vorgänger der Oester- reicher Erwähnung getan. Wir finden bereits bei Condillac in seinem Werke “Le Com- merce et le Gouvernement‘ (1795) die Darstellung der grund- legenden Ideen der späteren Grenznutzentheorie. Condillac betont stark den „subjektiven‘“ Charakter des Wertes, der nach ihm nicht das gesellschaftliche Preisgesetz, sondern das individuelle Urteil ist, das einerseits auf die Nützlichkeit (utilite), anderer- seits auf die Seltenheit (rarete) fußt. Derselbe Verfasser kam der modernen Problemstellung so nahe, daß er sogar zwischen den „gegenwärtigen“ und „zukünftigen‘‘ Bedürfnissen (besoin present, besoin €loigne)°° unterscheidet, — was, wie bekannt, auch beim Hauptvertreter der österreichischen Schule, Böhm-Bawerk, bei dem Uebergang von der Werttheorie zur Zinstheorie die Haupt- rolle spielt. Aehnliche Ideen finden wir etwa zur selben Zeit bei einem ita- lienischen Oekonomen, dem Grafen Verri**, der den Wert gleich- falls als die Verbindung von Nützlichkeit und Seltenheit betrachtet. Im Jahre 1831 erschien das Buch von Auguste Walras, dem Vater des berühmten Leon Walras: „De la nature de la richesse et de lorigine de la valeur‘, worin der Verfasser den Wert von der Seltenheit der nützlichen Güter ableitet und diejenigen Oeko- nomisten zu widerlegen sucht, die ihr Augenmerk nur auf die Nützlichkeit der Güter richteten, aus denen der „Reichtum“ be- steht. Der Klarheit seines Grundgedankens wegen verdiente das Werk eine größere Beachtung seitens der Vertreter der neuen Richtung, als es der Fall ist. 50 JL’Abbe de Condillac: „Le Commerce et le Gouvernement, considere relativement l’un a l’autre‘. Paris, an III (1795), S. 6—8. $ 31 Siehe die französische Vebersetzung: Comte de Verri: „Economie poli- tique ou considerations sur la valeur de l’argent et les moyens d’en faire baisser les interets, sur les Banques, la balance de Commerce, l’Agriculture, la population, les Impots etc.“ Paris, an III (besonders die S. 14—15). 26