Der historische und der unhistorische Gesichtspunkt 51 anarchie erfolgt dieser Prozeß durch einen ganzen Uebertragungs- mechanismus der Preise, durch deren Fallen und Steigen, durch deren Druck auf die Profite, durch eine ganze Reihe von Kri- sen usw., mit einem Worte, nicht die bewußte Berechnung der Gesamtheit, sondern die blinde Kraft des sozialen Elementes, die sich in einer ganzen Reihe von sozial-wirtschaftlichen Erschei- nungen — darunter vor allem im Marktpreis — kundgibt, dies alles charakterisiert die moderne Gesellschaft und dies bildet den Gegenstand der politischen Oekonomie. In einer sozialistischen Gesellschaft wird die politische Oekonomie ihre Daseinsberech- tigung verlieren: es wird nur eine „Wirtschaftsgeographie‘* übrig- bleiben — eine Wissenschaft von idiographischem Typus, und eine „Ökonomische Politik‘, eine normative Wissenschaft; denn die Beziehungen zwischen den Menschen werden einfach und klar sein, die fetischisierte dingliche Formulierung dieser Be- ziehungen wird wegfallen und an Stelle der Gesetzmäßigkeiten des Elementarlebens wird die Gesetzmäßigkeit der bewußten Handlungen der Gesellschaft treten. Schon daraus allein ist er- sichtlich, daß bei der Erforschung des Kapitalismus seine Grund- züge beachtet werden müssen, die den kapitalistischen „Produk- tionsorganismus‘ von jedem anderen unterscheiden: denn die Erforschung des Kapitalismus ist eben die Erforschung dessen, was den Kapitalismus von jeder anderen gesellschaftlichen Struk- tur unterscheidet. Sobald wir von den für den Kapitalismus typischen Besonderheiten abstrahieren, kommen wir zu allge- meinen Kategorien, die auf alle möglichen gesellschaftlichen Pro- duktionsverhältnisse angewandt werden können und demgemäß den historisch bestimmten, ganz eigentümlichen Entwicklungs- prozeß des „modernen Kapitalismus‘ nicht zu erklären ver- mögen. Gerade in dem Vergessen dieses Grundsatzes, — sagt Marx — „liegt... die ganze Weisheit der modernen Oekonomen, die die Ewigkeit und Harmonie der bestehenden sozialen Verhält- nisse beweisen*”).‘““ Dabei ist zu beachten, daß der Kapitalismus die entwickelte Form der Warenproduktion ist. Sie wird nicht durch Tausch schlechthin, sondern durch den kapitalistischen Tausch charakterisiert. Bei diesem erscheint die Arbeitskraft als Ware auf dem Markte und die Produktionsverhältnisse („die ökonomische Struktur der Gesellschaft‘) schließen nicht nur die Beziehungen zwischen den Warenproduzenten untereinander, sondern auch die zwischen der Klasse der Kapitalisten und der der Lohnarbeiter in sich. Die Analyse des Kapitalismus erfordert 5 „Einleitung zu einer Kritik usw.‘“, S. XVI. Dies ist im Jahre 1857 ge- schrieben, doch paßt es vollkommen für das „zwanzigste Jahrhundert“.