58 Die methodologischen Grundlagen d. Grenznutzentheorie u. d. Marxismus jektes®*. Und so ist es nicht zu verwundern, daß zum Ausgangs- punkt der Analyse nicht die Wirtschaftsgüter als Produkte ge- macht werden, sondern ein (a priori) gegebenes Quantum der- selben, ein „Vorrat“, von dem man nicht weiß, woher er plötz- lich kommt. Damit wird fernerhin auch die ganze Werttheorie als der Zentralpunkt des theoretischen Systems vorausbestimmt. Da der Produktionsfaktor von vornherein ausgeschaltet wird, ist es klar, daß eine Werttheorie zustandekommen muß, die außer- halb jeder Produktion liegt. Im Zusammenhang damit steht auch die eigentümliche Anwendung der Methode der „isolieren- den Abstraktion“: so läßt Böhm-Bawerk bei der Wertanalyse seine Robinsons nicht etwa Güter produzieren, sondern dieselben verlieren, auf sie „verzichten‘‘. Dabei wird die Produktions- oder Reproduktionsmöglichkeit nicht als ein Phänomen, das vor allem der Analyse unterliegen muß, sondern als ein erschwerendes Moment betrachtet“. Es ist deshalb nur folgerichtig, daß der „Nutzen“ zum Grundbegriff der österreichischen Schule wird, aus dem dann der Begriff des subjektiven und daraufhin auch des objektiven Wertes abgeleitet wird. Der Nutzbegriff setzt ja weder irgendeinen „Arbeitsaufwand“ noch eine Produktion voraus; er drückt kein aktives, sondern ein rein passives Verhältnis zu den %1 Aehnlich auch Jevons: „Political Economy must be founded upon a full and accurate investigation of the conditions of utility: and, to understand this element, we must necessarily examine the character of the wants and desires of men. We, first of all, need a theory of the consumption of wealth‘“ (The theory of politic. economy. London and New York 1871, S. 46, Sperrdruck vom Verfasser). L. Walras (Etudes d’econ. sociale, p. 51) zählt zur reinen Oekonomie nur die Betrachtung „de la richesse‘“, während die Analyse der Produktion nach ihm ins Gebiet der angewandten Oekonomie (&conomie politique appliquee) fällt. Bei Carver sehen wir eine noch weitere Annäherung an den Standpunkt der Produktion. Darin ist er mit Marshall solidarisch: „In other words, economic activities, rather than economic goods form the subject-matter of the science‘ (XI). An einer anderen Stelle des- selben Werkes „The distribution of wealth‘‘ ordnet er diese „activities“ fol- gendermaßen: Produktion, Konsumtion und Wertschätzung. (Production, consumtion, valuation.) Bei all diesen Autoren finden wir verschiedene Nuan- cen, die einen Eklektizismus bedeuten, einerseits in bezug auf Marx, anderer- seits — auf Böhm-Bawerk. 62 Kautsky hat mit seiner Bemerkung recht, daß die österreichische Schule die Robinsonaden des 18. Jahrhunderts noch dadurch verbesserte, daß sie Robinson seine Verbrauchsgegenstände nicht durch Arbeit herstellen, sondern sie ihm vom Himmel fallen läßt. (L. Boudin, 1. c. Vorwort v. Kautsky, S. X.) Die bekannten Tauschgleichungen von Leon Walras schließen sich vollstän- dig dem österreichischen Standpunkt an. (Vgl. L. Walras: „Principe d’une theorie mathematique de l’echange“, S. 9): „Etant donnees les quantite&s des marchandises, formuler le systeme d’e&quation dont les prix des marchandises sont les racines,‘“ — so formuliert er seine Aufgabe. Wie der Leser sieht, ist hier von Produktion ebenfalls nicht die Rede.