Das Maß des Wertes und der Einheitswert 77 Da der Nutzen eines Gutes in dessen Fähigkeit, irgendein Bedürfnis zu befriedigen, besteht, so ist es selbstverständlich not- wendig, diese Bedürfnisse zu analysieren. Nach der Lehre der österreichischen Schule muß beachtet werden: erstens die Ver- schiedenheit der Bedürfnisse; zweitens die Dringlich- keit der Bedürfnisse nach irgendeinem Gegenstand einer be- stimmten Art. Die verschiedenen Bedürfnisse lassen sich je nach dem Grad ihrer zu- oder abnehmenden Wichtigkeit für das „Wohlsein des Subjektes‘‘ einteilen. Andererseits ist die Dring- lichkeit der Bedürfnisse einer bestimmten Art von dem Maße ab- hängig, in dem die Sättigung erfolgt. Je mehr ein Bedürfnis be- friedigt wird, um so weniger „dringlich“‘“ ist das Bedürfnis*®. Auf Grund dieser Erwägungen stellte Menger die berühmte „Bedürfnis-Skala‘‘ auf, die in der einen oder anderen Form in allen Werken der österreichischen Schule über den Wert figu- riert. Wir geben diese Skala in der Form wieder, wie sie bei Böhm-Bawerk angeführt ist. I” 1 IV \ VI VII. VIHN-- IX 10 . x u” : uw CS + { 4 # . “ . - < . 7 Ze 1 . 1 ) ; 0 0 0 0 U 0 0 U 0 0 Die Vertikalreihen, die mit römischen Ziffern bezeichnet sind, drücken die verschiedenen Arten von Bedürfnissen aus, begin- 28° Darin besteht das eigentliche sogenannte „Gesetz Gossen‘“, der es wie folgt formuliert: I. „Die Größe eines und desselben Genusses nimmt, wenn wir mit Bereitung des Genusses ununterbrochen fortfahren, fortwährend ab, bis zuletzt Sättigung eintritt. — II. Eine ähnliche Abnahme der Größe des Genusses tritt ein, wenn wir den früher bereiteten Genuß wiederholen, und nicht bloß, daß bei wiederholter Bereitung die ähnliche Abnahme eintritt, auch die Größe des Genusses bei seinem Beginnen ist eine geringere, und die Dauer, während welcher etwas als Genuß empfunden wird, verkürzt sich bei der Wiederholung, es tritt früher Sättigung ein, und beides, anfängliche Größe so- wohl wie Dauer, vermindern sich um so mehr, je rascher die Wiederholung er- folgt.“ (Hermann Gossen: „Entwicklung der Gesetze des menschlichen Verkehrs und der daraus fließenden Regeln für menschliches Handeln“, Braunschweig 1854, S. 5.) Ueber dieses Gesetz sagt Wieser: „Das gilt von allen Regungen, vom Hunger bis zur Liebe“, Wieser: „Der natürliche Wert“, Wien 1889, S. 9,