Geographische Verhältnisse. mit ihm. Der Wald zersplittert solche Völker in kleine Völkchen, läßt keine starken politischen Organisationen auf- kommen, erschwert den Verkehr und hält die Entwickelung von Ackerbau und Viehzucht auf.“ Für die teilweise mächtig aufstrebenden lateinisch- amerikanischen Staaten gibt es aber, wie für alle übrigen Staaten, zur Entwickelung und Erhaltung ihrer Daseins- bedingungen nur den Fortschritt, die äußerste Ausnutzung aller natürlichen Hilfsquellen, die nicht Halt machen darf vor dem rein menschlichen Gefühl, den Besitz und die Eigenart der Ureinwohner schonen zu müssen, die sich in ihrer bisherigen Daseinsform in ein modernes, mit dem Wirtschaftsleben der Kulturländer der Alten Welt in Weitt- bewerb tretendes Staatswesen, in dem jeder einzelne zur Schaffung von Kulturwerten beitragen muß, nicht einfügen lassen. Es bleibt also für die Eingeborenen nichts übrig, als sich der vordringenden Kultur anzupassen, oder wenn sie dies nicht vermögen, in aussichtslosem Kampfe gegen diese zugrunde zu gehen. Sehen wir nun im tropischen Amerika den Wald, be- sonders da, wo er noch Urwaldcharakter trägt, ein voll- ständiges Hindernis für den Verkehr, andererseits aber durch seinen Reichtum an kostbaren Hölzern und Gummi ein reiches Feld für die Gewinnung wertvoller industrieller Roh- stoffe bilden, so wird ohne weiteres klar, daß der Indianer einer geregelten wirtschaftlichen Ausbeutung der Wälder wird weichen müssen, wenn auch diese in ihrem Bestande sicherlich so lange geschont werden, bis die Zunahme der Bevölkerung eine Vermehrung der bewohnbaren Räume und eine Erweiterung des in Kultur zu nehmenden Landes er- fordert. Die Art und Weise, wie solche Bewegungshindernisse dem Verkehr. zugänglich gemacht werden müssen, zeigt ein Blick auf die Entwickelung des Verkehrs bei alten Kultur- völkern!). Diese haben, während der heutige Verkehr in den Mitteln der Ortsveränderung gipfelt, die Verkehrs- möglichkeit hauptsächlich durch Anlegung guter Straßen und Wege geschaffen, wie sie in den Ländern der Tolteken und Inka gefunden wurden. Die Naturvölker dagegen haben nur Pfade, keine Straßen, nirgends brauchbare Brücken, kein zweckmäßiges Wegenetz. Es wird also die Aufgabe der beteiligten Länder in erster Linie darin bestehen, die Wälder für die wirtschaftliche Ausnutzung zugänglich zu. machen 1) Ratzel: Anthropogeographie Il. 1882 S. 127 u. f. ) 10