Wirtschaftliche Entwickelung. die Vorstellung wirtschaftlicher Arbeit war unbekannt, wie auch die Erkenntnis des wirtschaftlich Nützlichen und der Drang, es durch Mühe zu erreichen, gänzlich fehlten. Alle die natür- lichen Schätze, die in der Folge diese Länder den Europäern so begehrenswert machten, waren von jeher vorhanden, aber die Indianer, fern von. aller Berührung mit Menschen anderer Rassen und Erdteile, hatten an ihren so gleichartigen Bedürfnissen keinen Maßstab für den Wert ihres Besitzes und keine Gelegenheit, durch Austausch der Erzeugnisse ihrer Länder deren Wert für die Vertreter höherer Kulturen kennen zu lernen. Dies alles änderte sich mit. dem Erscheinen der Europäer. Diese erkannten sofort die ungeheueren natür- lichen Reichtümer jener Länder und auch die Eingeborenen lernten sie kennen, aber nur dadurch, daß sie von den Weißen mit Gewalt zur Steigerung der Bodenerzeugnisse über ihren natürlichen Ertrag hinaus gezwungen wurden,. ohne selbst irgendwelchen Nutzen von dieser Arbeit zu haben; der sie der damit verbundenen großen Anstrengung wegen in Massen erlagen. Die von den Europäern in diesen Ländern eingeführte Bodenkultur hat also mit der Volkser- nährung nichts zu tun; die in den Plantagen gewonnenen Bodenerzeugnisse wurden Handelsartikel für die Eroberer und daher konnte auch ein wirtschaftlicher Gegensatz zwischen Landwirtschaft — sofern man den Plantagenbau, die Weide- wirtschaft und die Gewinnung von Urwald- und Steppener- zeugnissen so nennen will — und den rein wirtschaftlichen Berufen nicht aufkommen. Der Kaufmann steht in viel engerer Beziehung zu der Bodenproduktion als in Europa; die meisten Handelshäuser haben ihre eigenen Plantagen und auch industrielle Anlagen, die dazu dienen, die Bodener- zeugnisse ausfuhrfähiger zu machen‘). Die Schäden dieses Systems traten nicht in die Er- scheinung, solange die lateinisch-amerikanischen Länder eu- ropäische Kultivationen waren, als sie aber selbständig ge- worden waren, zeigte sich. im Laufe der Zeit immer mehr, daß ein Staat nicht lebensfähig ist, wenn nicht eine Klasse der Bevölkerung die Erzeugung der Nahrungsmittel und die Versorgung des Landes mit solchen übernimmt, wodurch dieses sich vom Auslande wirtschaftlich unabhängiger macht und einen tüchtigen, mit den Interessen des Landes auf das engste verbundenen Stamm von Bewohnern erhält, dessen 1) Vgl. Preyer: Überseeische Aktiengesellschaften u. Großbe- triebe. S. 2. As