Wirtschaftliche Entwickelung. stand. ist. aber nicht neu. Die europäischen :Handesmächte, besonders England, die sich durch die Monopolisierung des Handels mit Südamerika durch Spanien und Portugal. in ihrem Absatz beengt fühlten, hatten den Unabhängigkeits- bestrebungen der lateinischen Kolonien in Amerika eine rege Unterstützung zuteil werden lassen und in den selbständig gewordenen, kapitalarmen Staaten ziemlich rasch die führende Stellung im Handel erobert, ohne bis heute aus dieser Vor- herrschaft durch das nationale Kapital verdrängt werden zu können. Der Grund für diese Tatsache liegt hauptsächlich in der schon früher geschilderten Zusammensetzung der Be- völkerung, die besonders in den tropischen Ländern durch das an Zahl nur sehr schwache weiße Element niemals eine derartige Durchdringung ‚und Umbildung durch die Europäer erfahren hat, daß eine soziale Berührung der einzelnen Klassen zu gemeinsamer Arbeit stattfinden konnte: Der Kreole bildet eine besondere gesellschaftliche Schicht, die zu hoch über den anderen steht, um sie nach ihrer Art formen zu können. Daher fehlten dem Kreolen für große Betriebe die geeigneten Mitarbeiter, wie sie die in den europäischen Handelshäusern tätigen Angestellten darstellen, nebenbei fehlten ihm Kapital und Kredit, die im Inlande nicht zu haben waren, dem ausländischen Kaufmann aber in seinem Mutter- lande zur Verfügung stehen. Es gelang daher dem Kreolen nicht, den Großhandel in seine Hände zu bringen, sondern die Handelshäuser sind entweder selbständige europäische Oder Zweighäuser europäischer Firmen und daher weniger Glieder einer nationalen. Volkswirtschaft des betr. amerika- nischen als ihres europäischen Landes. Der Handel konnte also niemals zur Bildung eines Überschusses führen, der das Kapital! für eine nationale Fabrikindustrie hätte liefern können. „Der handeltreibende Brasilianer oder Kreole ist wohl Einkaufszwischenhändler für die europäischen Häuser, aber nie selbständiger Grossist für den Export und nie kommt er mit seinen Waren an ‚die großen Kaffeemärkte der Welt. Von diesen trennt ihn der europäische. oder nordamerikanische Händler, der seine Waren in Südamerika aufkauft und‘ durch seine Stellung zum Markt die Preis- bildung beherrscht. Für den Import gehen fremde ansässige Kaufleute zurück, aber nicht, weil ‚einheimische Firmen aufkommen, sondern weil die importierenden Firmen durch Reisende direkt verkaufen !).“ „Das KEigentümliche ist . ') Vgl. Kundt: „Die Zukunft unseres Überseehandels“. 6