Wirtschaftliche Entwickelung. Heer und Flotte, manche ihrer Städte sind moderne Groß- städte, andere wenigstens durch die Einwohnerzahl im Range von solchen, und man könnte sie nach ihrem äußeren An- sehen für vollwertige Glieder im Kulturkreise halten, wenn nicht eben gerade die Erscheinungen fehlten, zu denen das Maschinenzeitalter die Zustände des ihm vorhergehenden Zeitabschnittes umgebildet hat. Hatten die alten Industrieländer früher nur eine mäßige Bevölkerung, kleine Städte, an Wasserkraft gebundene und daher zerstreute Gewerbe und geringen Außenverkehr, so zeigen. ihre Volkswirtschaften heute unter dem Einfluß der Technik und der Maschine dichte Bevölkerung, riesige Städte als Mittelpunkte der Industrie, Großbetrieb und mächtig ent- wickelten Außenverkehr. Von diesem Bilde finden wir in den lateinisch - amerikanischen Ländern eigentlich nur eine Anzahl von Großstädten wieder, die ‚aber ihre Entstehung anderen Ursachen verdanken. In Europa und der Union haben sich im Anschluß an die Fundstellen der Hauptstoffe der Maschinenindustrie, Kohle und Eisen, aus kleinsten An- fängen Großstädte entwickelt, andere schon vorhandene Großstädte sind durch den den maschinellen Großbetrieb augenblicklich noch kennzeichnenden Vorgang der Zusammen- ziehung auf einzelne Mittelpunkte zu Riesenstädten ange- wachsen, die auf weite Kreise der auf Lohnarbeit angewiesenen Bevölkerung eine solche Anziehungskraft ausüben, daß das platte Land empfindlichen Mangel an Arbeitskräften leidet, Im lateinischen Amerika finden sich Großstädte meist als Hafenstädte entweder an der See oder an Flüssen, und nur selten hat sich eine Binnenstadt zu einer Großstadt ent- wickelt. . Diese Erscheinung hängt mit der Besiedelungs- geschichte der Länder zusammen, die vom Meere her be- siedelt wurden und ihre organischen Verbindungen nach der See und den Mutterländern hatten, weshalb die an den Küsten entstehenden Städte hauptsächlich Stapel- und Aus- fuhrplätze für die Landeserzeugnisse wurden. Naturgemäß entwickelten sich die Städte zuerst an den Orten, die mit einem guten Hafen auch die Möglichkeit leichten Eindringens in das Innere verbanden, also an Flußmündungen. „Darin wiederholt sich in Argentinien, Uruguay und, Paraguay die Bedeutung der uralten Flußmündungsstaaten Babylon und Agypten!).“ 1) Ratzel: Politische Geographie. S.: 624 u. f. 59