Wirtschaftliche Entwickelung. nicht ackerbauende Kolonisten sind, ein Entfernen von der Küste und den Städten zunächst‘ noch nicht ratsam erscheinen lassen. / Hierdurch hat sich natürlich die einzige wirtschaft- lichen leistungsfähige Bevölkerungsschicht: in den großen Städten vereinigt, und da nur hier Kaufkraft zu finden ist, hat sich auch die Fabrikindustrie in der Hauptsache an ihr bestes Absatzgebiet, die großen Städte, herangezogen. Dieser dem europäischen gleichartige Vorgang, hat auch noch zur Vermehrung der Bevölkerung beigetragen, spielt aber bei weitem nicht dieselbe. Rolle, wie die anderen hierfür an- geführten Umstände. Die lateinisch-amerikanischen Städte tragen somit alle den gleichen Charakter und weisen nicht die großen Unter- schiede in der Eigenart auf, wie wir sie in dem kulturell hochentwickelten Europa in der arbeitsteiligen Verschiedenheit der Zwecke der Handels-, Industrie-, See-, Binnen-, Univer- sitäts-, Residenz- pp.. Städte zu sehen gewohnt sind!. In Amerika beruht die Entwickelung der Städte nur auf dem Ausfuhrhandel, und. die Fabrikindustrie, die wegen Fehlens von Kohle und Eisen an besondere‘ Punkte nicht gebunden ist, hat sich naturgemäß; besonders der schlechten Verkehrs- verhältnisse wegen, den ihr Hauptabsatzgebiet bildenden Städten angegliedert. Sieht man nun als einzige neuzeitliche Erscheinung im lateinischen Amerika die Küstenstädte unter dem Zeichen des Handels mächtig emporwachsen, vergegenwärtigt man sich aber auch, daß dieser Handel hauptsächlich in fremden Händen befindlich, keinen Zuwachs für das Nationalvermögen der dortigen Länder bringt, so muß man sich fragen, aus welchen Quellen die Regierung die Mittel schöpft, um die staatlichen Aufgaben in ihren Ländern zu erfüllen. Die fest- ländischen europäischen Großstaaten erzeugen noch 75-—90 %, ihrer Nahrungsmittel. selbst, Großbritannien 25—50 %. Die Einfuhr an Lebensmitteln und damit die Geldabwanderung für die einfachsten Lebensbedürfnisse in das Ausland ist also, besonders bei der ersten Gruppe gering; ihre Einfuhr be- steht hauptsächlich in den Roherzeugnissen für die Fabrik- industrie, die sie als Fertigfabrikate vielfach gerade den Ur- sprungsländern der Rohstoffe‘ durch die Ausfuhr wieder zuführt. Die lateinisch-amerikanischen Länder dagegen führen fast sämtliche Nahrungsmittel und wegen Fehlens einer '), Hettner: Die wirtschaftlichen Typen der Ansiedelungen. S. 92. 51