Finanzwirtschaft. einnahmen, die man aber stets von neuem auf dem einmal eingeschlagenen Wege zu heben versuchte. Daß die latei- nisch - amerikanischen Staaten durch ihre schlechte Finanz- verwaltung in. eine Papiergeldwirtschaft schlimmster Art hineingeraten sind, ist eine aus dem bisher Gesagten un- schwer abzuleitende und eine zu bekannte Tatsache, als daß darüber noch viele Worte verloren zu werden brauchten. Nur von den Folgen der Valutaentwertung auf die Hand- habung der Zolltarife muß zur Klarstellung der Gesamtver- hältnisse kurz die Rede sein. Im allgemeinen gilt der Satz, die Valutaentwertung wirke wie ein Schutzzoll oder wie eine Ausfuhrprämie, und man hat als Beispiele verschiedene europäische Länder wie Rußland, Italien, Österreich heran- gezogen, für die der Satz zweifellos richtig ist, aber nur aus dem Grunde, weil sie volkswirtschaftlich aufgebaut sind und eine nationale Industrie.haben. Für die lateinisch-amerika- nischen Staaten hat dieser Satz auch Gültigkeit, aber mit.der Beschränkung, daß die schutzzöllnerische Wirkung der Valuta- entwertung zwar der vorhandenen Industrie zugute kommt, daß aber, da diese Industrie keine nationale, sondern größten- teils eine fremde ist, der Nutzen nicht dem betr. Staate, sondern den auswärtigen Kapitalisten, den Besitzern der industriellen Betriebe zufällt, deren Gewinne das nationale Kapital nicht vermehren. Die schutzzöllnerische Wirkung der Valutaentwertung ist also für die lateinisch-amerikanischen Länder auch vorhanden, hat aber in volkswirtschaftlicher Beziehung eine andere Wirkung, was nicht übersehen wer- den darf. Nebenbei ist auch nicht zu vergessen, daß eine zu starke Erhöhung der Einfuhrzölle' von nachteiliger Wir- kung auf die Preise der fast ganz aus eingeführten Roh- stoffen erzeugten Industriewaren und damit auf. die Kaufkraft der Bevölkerung ist, deren Maß in diesen Ländern ganz besonders in einem Wechselverhältnis zu der jeweiligen Zoll- höhe steht. Da nun, wie schon mehrfach erwähnt, eine große Anzahl der mit Zoll belegten Einfuhrwaren im Lande gar nicht hergestellt werden, so paßt der ausländische Händler, der im Inlande keinen Wettbewerb zu befürchten hat und weiß, daß man seine Waren haben muß, die Preise 'ent- sprechend der Valutaentwertung. und der Goldprämie dem jeweiligen Stande der Valuta- an, von deren Schwankungen dann auch die Schwankungen der Preise der eingeführten Waren abhängig sind. Sinkt nun die Valuta, so wird zwar der Preis der Bodenerzeugnisse erhöht, aber auch. der Preis der eingeführten Waren steigt, und somit hat der Landwirt 5* 67