Finanzwirtschaft. keinen Vorteil von dem Steigen der Preise seiner Erzeug- nisse 9). Für die Finanzverwaltung liegt hierin ein großer Scha- den. Sie hat die Zinsen der auswärtigen Schuld in Gold zu bezahlen, macht aber ihre Einnahmen in heimischem Gelde, so daß beim Fallen der Valuta ihre Ausgaben entsprechend dem Betrag dieses Rückganges sich een Brasilien!) z. B. hatte 1889 für die auswärtige Schuld 1,95 Mill. Pfund Sterling zu zahlen und brauchte bei dem damaligen Kurs des Milreis von 27 d. für die Zinsen 17,3 Mill. Milreis. 1898 war der Milreis auf 6 d. gefallen und die Zinssumme betrug deshalb für dieselbe Schuld 78,2 Mill. Milreis. Die nationale Goldanleihe, die 1889 nur 6,8 Millionen Milreis Zins kostete, erforderte 1898 an Zinsen 30,6 Millionen. Die Zinsen einer weiteren Goldschuld im Inlande waren in dem- selben Zeitraum von 6,5 auf 30 Mill. Milreis ‚gestiegen, so daß von 1889 bis 1898 die Zinsen derselben Schuldsumme von 30,6 auf 138,8 Mill. Milreis durch die Valutaentwertung gestiegen waren. | Ahnliche Vorgänge vollzogen sich auch in den anderen Ländern, und man versuchte die verschiedensten Auswege zur Erhöhung der Einnahmen. Z. B. wurde die Bezahlung eines großen Teiles der Zölle in Gold vorgeschrieben, was natürlich einer starken Zollerhöhung vollkommen gleichkam, denn bei der Ausfuhr wurde einfach der Betrag durch den Händler auf den Pflanzer abgewälzt und bei der Einfuhr auf den Warenpreis geschlagen. Ferner wurden hoch verzins- liche Schatzscheine in der entwerteten Valuta ausgegeben und die Verzinsung und Rückzahlung in Gold vorgeschrieben, wodurch die betr. Staaten bis zu 24%, Gewinn machten, also einfach Wuchergeschäfte!) mit der Bevölkerung trieben, deren Wohlstand immer mehr zurückging. Selbstredend. führten derartige, die Hauptsteuerquelle der Staaten immer: mehr schwächende Maßregeln nirgends zu einem die Finanzen regelnden Ergebnis, sondern nur auf der. abschüssigen Bahn weiter bis zum völligen finanziellen Ruin und gänzlicher, Abhängigkeit vom Auslande, / Brasilien, das. einen ‚Teil seiner Zölle verpfänden mußte, gilt heute als. das „Königreich der Rothschild“. Die kleinen Staaten mußten ihre. gesamten Zölle verpfänden, und in Honduras werden !) Vgl. Weber: Zur wirtschaftlichen Lage in den tropisch-- / amerikanischen Staaten. 53 A