Finanzwirtschaft. schluß an das gesamte Steuersystem mit dem Charakter einer Ergänzungssteuer kaum zulässig erscheinen, und doch kann oder konnte lange Zeit nur auf diesem Wege das Einkommen des Einzelnen für den Staat nutzbar gemacht werden. Selbstredend muß aber die Höhe der Steuer in einem richtigen Verhältnis zu dem Einkommen der Bevölkerung stehen, sonst verliert sie ihre Ertragsfähigkeit, wie das oben angeführte Beispiel Brasiliens beweist, wo, infolge der Warenverteuerungen durch die Zollerhöhungen auch das Einkommen und die Kaufkraft der Bevölkerung und damit der Ertrag der Verbrauchssteuer stark zurückging. Von einem Fehler sind die Regierungen der südamerikanischen Staaten nicht freizusprechen: sie unterlassen es, wie Mexiko dies tut, ihr Steuersystem den Veränderungen der Einnahmequellen anzupassen, um durch Erschließung neuer Einnahmen den Druck der bisherigen schweren und durch ihr. Fortbestehen ungerecht werdenden Abgaben zu beseitigen. Z. B. hat Argentinien, das sich bis vor wenigen Jahrzehnten von den übrigen südamerikanischen Staaten nur wenig unterschied, mit einem Schlage den Sprung zu einem der ersten Getreideausfuhrländer gemacht. Hand in Hand damit geht ein sehr bedeutender Handel mit Grundstücken, der sich jährlich auf über 300 Mill. Pesos beläuft. Es müßte also eine Stempelsteuer, wie sie Mexiko mit großem Erfolge eingeführt hat, bedeutende Einnahmen bringen. Da die Ausfuhrzölle abgeschafft sind, so bleibt eine sehr leistungsfähige ‚Bevölkerungsklasse, die Latifundienbesitzer, nahezu steuerfrei, und die Industrie, der Handel und der Arbeiter haben die ganze Steuerlast ‚aufzubringen, deren gleichmäßige Verteilung nicht nur im Interesse der überlasteten Klassen, sondern auch der Regierung liegen müßte, da die Entlastung der Klassen mit geringer Leistungsfähigkeit deren Kaufkraft für Industrieerzeugnisse hebt... Die Anderung dieser Zustände scheint aber auf innerpolitische Hindernisse zu stoßen. | 71