Industrie. Lebensbedürfnisse auf die Arbeit anderer angewiesen war. Hier zeigte es sich nun, wie wenig auch die. Leiter des Staates die so plötzlich hereingebrochene Umwälzung verstehen und in ihren Folgen übersehen konnten. Für die Landwirtschaft, deren Erträgnisse wegen Abnahme der Zahl der Bauern, wegen der Zunahme der Industriearbeiterklasse und der Zunahme der Bevölkerung überhaupt, durch intensivere Bewirtschaftung hätten gesteigert werden müssen, geschah neben der Hebung der den Großmachtsdünkel befriedigenden Industrie gar nichts, das Land brachte die Volksnahrung nicht mehr auf und es entstand eine Übervölkerung. Eine solche ist, auf diese Weise und so plötzlich entstanden, immer ein Zeichen einer ungesunden Entwickelung, ein Beweis dafür, daß von außen her Elemente eingedrungen sind, die die Lebensbedingungen des Volkes in ein Mißverhältnis zu der natürlichen Leistungsfähigkeit des Landes bringen. Und dieses Element war eben die Industrie. Nun ließe sich aber dieses Mißverhältnis durch Steigerung der Intensität in der Landwirtschaft und ‚durch die Kultivierung unbebauter Flächen, wie sie besonders auf der nördlichen Insel Jesso noch in ausgedehntem Maße vorhanden sind, derart ausgleichen, daß diese relative Übervölkerung verschwinden müßte. Es fehlt aber dafür an leitender Stelle die nötige Einwirkung, das Land verliert durch Auswanderung große Mengen tüchtiger Kräfte und zahlt dem Auslande beträchtliche Summen für Nahrungsmittel, die bei richtiger Bewirtschaftung im Lande selbst erzeugt werden könnten. Das sind die schweren Opfer, mit denen Japan seinen Eintritt in den Kulturkreis bezahlt. Seine Industrie konnte anfangs mit billigen Löhnen, also geringen Kosten arbeiten, die europäisch-amerikanische auf dem Ostasiatischen Markt erfolgreich bekämpfen. Heute, nachdem die Löhne infolge der sozialen Kämpfe bedeutend gestiegen sind, ist diese Unterbietung nur noch durch Unzuverlässigkeit, unreelle. Geschäftskniffe, durch Lieferung minderwertiger Waren möglich, was aber schon zur Folge hat, daß auf dem ostasiatischen Markt gewonnene Absatzgebiete der japanischen Industrie wieder verloren gehen, so daß dieser in absehbarer Zeit nichts übrigbleiben wird, als mit gleichwertiger Ware und gleichen Kosten die europäische Industrie zu bekämpfen, und dann wird es sich fragen, ob nicht diese durch das größere ihr zur Verfügung stehende Kapital den japanischen Wettbewerb wieder zu besiegen und ihm schwere, vielleicht unheilbare Wunden zu Schlagen im-Stande sein wird.- Die japanische Industrie, ein Fremdling v. Gemmingen, Entwickelung der Fabrikindustrie 1 A A