Industrie. Sichten den zweiten Hauptunterschied zwischen der lateinisch- amerikanischen und der europäisch- nordamerikanischen In- dustrie nicht außer acht lassen, nämlich den, daß im latei- nischen Amerika die Industrie sich zum größten Teil in den Händen von Ausländern befindet, was wiederum von nach- teiligstem Einfluß auf die Volkwirtschaft ist. In der Industrie der lateinisch-amerikanischert Länder sind zwei Hauptarten zu unterscheiden: solche, die sich auf die Erzeugnisse des Ackerbaus und der Tierzucht stützen, und solche, die sich mit der Rohstoffveredelung beschäftigen. Die erste, Art, hauptsächlich in den La Plata-Staaten und in Südbrasilien, ist Ausfuhrindustrie, da ihre in Massen ge- lieferten Artikel: Mehl, Zucker, Häute, Fleisch, Felle, Fett, Talg usw. auf dem Weltmarkt sehr begehrt sind. ‘ Diese In- dustrien sind deshalb in einer günstigeren Lage bez. des Absatzes als die rohstoffveredelnden Betriebe; sie bilden daher den stärksten Teil der Industrie in den betr. Ländern und sind wirtschaftlich am nützlichsten, da’ sie nationale Erzeugnisse industriell verarbeiten und in den Handel bringen. Sie beziehen nur Maschinen vom Auslande, sind aber sonst unabhängig von diesem und haben bei der Eigenart ihrer Erzeugnisse einen Wettbewerb weder durch Einfuhr noch teilweise auf dem Weltmarkt zu fürchten. "Bei diesen auf inländische Erzeugnisse sich stützenden Ausfuhrindustrien ist es weniger nachteilig, wenn sie sich in fremden Händen be- finden, da auch der ausländische Besitzer die zu verarbeiten- den Stoffe dem Inlande entnehmen, da er, um leistungsfähig zu bleiben, seinen Betrieb erweitern und damit der Land: wirtschaft vermehrten Absatz verschaffen, also seine aus den Erzeugnissen des Landes gewonnenen Überschüsse wieder im Lande verwerten muß, dem dadurch sein Kapital durch die Vermehrung der landwirtschaftlichen Produktion wieder zugute kommt. Diese Industrien sind also auf das engste mit den Landesinteressen verknüpft. Etwas anders liegen die Verhältnisse bei den Industrien für Rohstoffveredelung, die in allen größeren Staaten, freilich in sehr verschiedenem Umfange sich finden und nicht für die Ausfuhr, sondern nur für das Inland arbeiten. Diese müssen neben dem Betriebsmaterial, Kohle und Maschinen, auch den größten Teil der Rohstoffe einführen, da bekannt- lich diese Länder in erster Linie koloniale Handelsartikel für die Ausfuhr und weniger industrielle Rohstoffe, wie beson- ders Baumwolle, herstellen, obwohl weite Strecken für die OA S[