Die Republik Chile. sehr bedeutend, und außerdem sind sehr zahlreiche Silberund besonders Kupferminen vorhanden. Der mittlere Teil des Landes etwa bis zum 40. Grade s. Br. ist die Zone des Ackerbaus, in der bei sehr gutem Klima Wein, Oliven, Getreide vorzüglich gedeihen. Der Reichtum des südlichen Teiles endlich besteht in den Erträgnissen der großen Wälder. Auch sind hier gute Steinkohlen gefunden worden, und die Viehzucht mit reichen Erträgen an Wolle fängt gleichfalls an sich zu entwickeln. Alle die genannten Erzeugnisse aber treten zurück hinter dem Salpeter, der mit seinen Erträgnissen noch das Rückgrat der chilenischen Einnahmen bildet und an die Stelle der in Argentinien dieselbe Rolle spielenden landwirtschaftlichen Erzeugnisse tritt. Und wie die La Plata-Republik, so bedarf auch Chile zunächst noch einer in Bodenschätzen beruhenden Hauptquelle für seinen Staatshaushalt, da aus dem erst im Werden begriffenen Lande mit seiner schwachen unbemittelten Bevölkerung sonst nicht viel herauszuholen ist. Was folgt nun aus dem Gesagten für die Zukunft Chiles? Augenblicklich ist die Lebensfähigkeit der Republik gestützt auf die Salpeterausfuhr, aber diese geht nach sachkundiger Schätzung ihrem Ende entgegen. Allerdings gehen die Annahmen bez. des Zeitpunktes, an dem das Versiegen dieser Einnahmequelle eintreten wird, weit auseinander. Die einen sehen den Vorrat der Salpeterfelder schon in etwa 25 Jahren erschöpft, während andere dieses Ereignis erst nach einem Zeitraum von etwa 100 Jahren annehmen‘!). Jedenfalls steht fest, daß Chile” seine Haupteinnahmequelle in absehbarer Zeit verlieren wird und zeitig auf einen Ersatz bedacht sein muß. Bei aufmerksamer Betrachtung kann man wohl heute schon feststellen, wie Chile sich dieser Aufgabe zu entledigen gedenkt. Zunächst finden sich Ansätze einer vermehrten Ausbeutung ‚neuer, oder der Verbesserung schon bestehender natürlicher Produktionsquellen. Zu den neuen Produkten gehört die Wolle. Liefert der Norden des Landes die reichen Mineralschätze, so ist der Süden der Boden der aufblühenden Viehzucht, namentlich der Schafzucht, zu der sich die für andere Kulturen nicht geeigneten Flächen des rauhen und kalten Territoriums Magellanes (Patagonien und Feuerland) sehr 1) Bericht des K. u. K. Österr.- Ungar. Konsulats in Iquique über das Jahr 1904. 190