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        <title>Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika</title>
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            <surname>Gemmingen</surname>
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      <div>Argentinien, 
soll, und viele wenden deshalb, wenn sie die Mittel dazu 
haben, dem Lande wieder den Rücken. 
„Nur auf dem Wege einer richtigen Kolonisation kann 
der Übergang von dem rein fiskalischen zum volkswirtschaft- 
lichen System in der Verwaltung und die Schaffung der 
Grundlage für die Fabrikindustrie, nämlich eines aufnahme- 
fähigen inneren Marktes sich vollziehen. 
Die Folgen dieser noch sehr unsicheren Zustände 
Argentiniens machen sich deutlich geltend in der Zusammen- 
setzung der Bevölkerung, deren Nationalisierung die Regierung 
mit allen Mitteln anstrebt. Die auf Seite 140 gegebenen Zahlen 
zeigen nur die auf argentinischem Boden lebende Menschen- 
zahl an, lassen aber keinen Einblick tun in die wirkliche 
Zusammensetzung der Bevölkerung. Genauere Untersuchungen 
ergeben eine sehr starke Abneigung der Ausländer gegen die 
Erwerbung der argentinischen Staatsangehörigkeit. Das Jahr 
1895 wies unter mehr als einer Million Ausländer nur 1638, 
das Jahr 1904 in der Stadt Buenos Aires unter 320 589 Aus- 
ländern nur 5183 Nationalisierte auf, ein Beweis dafür, wie 
wenig vertrauenerweckend die argentinischen Zustände den 
Fremden erscheinen, weshalb sich diese die Möglichkeit einer 
Rückwanderung dauernd offenhalten wollen. Ein Mittel hat 
die argentinische Regierung, um die Zahl der Bürger künst- 
lich zu vermehren: es besteht ein Gesetz, nach dem alle auf 
argentinischem Boden geborenen Kinder ausländischer Eltern 
ohne weiteres argentinische Staatsangehörige sind, doch 
kümmern sich die Ausländer sehr wenig um diese Bestim- 
mung. 
Die Bedeutung dieser Erscheinungen ist volkswirtschaft- 
lich nicht gering; sie liegt in der Klarstellung der unsicheren 
wirtschaftlichen Zustände Argentiniens, die eine feste Be- 
völkerungsziffer, mit der die Produktion rechnen kann, sich 
nicht bilden lassen. Ein bis zwei Krisenjahre würden ge- 
nügen, um die Bevölkerung durch Rückwanderung erheblich 
zu vermindern. Es geht daraus klar hervor, ‚daß eine 
nationale Fabrikindustrie, deren Bestreben es sein muß, 
Argentinien vom Auslande frei zu machen, unter solchen 
Bedingungen auf zu unsicherem Boden steht und ihre Ent- 
wickelung auf eine Zeit verschieben muß, zu der es der 
Regierung gelungen sein wird, die Aufnahmefähigkeit und 
Stetigkeit des inneren Marktes zu gewährleisten. 
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