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        <title>Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika</title>
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            <surname>Gemmingen</surname>
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      <div>Argentinien. 
bauten zu erschließen. Sie lassen also unbekümmert um 
die Not der Landwirtschaft das umfangreiche Material für die 
neuen Bahnlinien kommen und vermehren damit. die Einfuhr. 
Ihr Unternehmen ist ja ganz unabhängig von der augen- 
blicklichen finanziellen Lage des Landes, es wendet sich an 
die Zukunft, an die Einwanderer, die in den neu erschlos- 
senen Gebieten Land kaufen. Auch die Gesellschaften für 
Elektrizitäts- und Wasserwerke, für Straßenbahnen usw. wer- 
den in ihren Unternehmungen durch die landwirtschaftliche 
Notlage nicht berührt, ihr Kapital entstammt nicht den Er- 
trägnissen des argentinischen Bodens, es verfolgt also un- 
abhängig von der wirtschaftlichen Lage Argentiniens seine 
eigenen Zwecke, und so kann es kommen, daß trotz einer 
nationalen Notlage die Einfuhr zunimmt und schließlich eine 
passive Handelsbilanz entsteht, die niemals eintreten würde, 
wenn die Einfuhr nicht von solchen Maßnahmen und der 
Spekulation, sondern lediglich von der Kaufkraft des Landes 
vorgeschrieben würde. 
Durch solche Betrachtungen gewinnt das Bild, das von 
argentinischer Seite geflissentlich von dem zunehmenden 
Wohlstand und dem Aufblühen des Landes gezeichnet wird, 
ein wesentlich anderes Aussehen, und es wird sich so lange 
nicht ändern, als man nicht in Argentinien ausländisches 
Kapital nur als Leihkapital zur Gründung nationaler 
Unternehmungen heranzieht, die dann die Summen für die 
Verzinsung und Amortisation des geliehenen Kapitals auf- 
bringen und allmählich unabhängig vom Auslande werden. 
Solange man dagegen die Ausländer selbst mit ihrem Kapital auf 
argentinischem Boden wirtschaften und den ganzen Gewinn 
dem Lande entziehen läßt, kann eine wirtschaftliche Kräfti- 
gung und Befreiung von der fremden Abhängigkeit nicht 
eintreten. 
Es gehen augenblicklich drei wirtschaftliche Erschei- 
nungen nebeneinander her: Die rein fiskalische Wirtschaft 
des Staates, die Bildung argentinischen Kapitals durch die 
hohen Erträge der Ausfuhr und die Ausbeutung des Landes 
durch das Kapital der angesessenen Ausländer. Dazwischen 
steht die breite Masse des Volkes, für die von dem sehr 
hohen jährlichen: Gewinn des arbeitenden Kapitals nichts 
abfällt und die in einer kümmerlichen Weise ihr Leben fristen 
muß. Nirgends stehen sich Reichtum und Armut so unver- 
mittelt gegenüber wie gerade in Argentinien. Von einer 
Zunahme des Wohlstandes, wie sie immer zum Zwecke des 
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18,</div>
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