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        <title>Die Werttheorie und das Problem des "Konstanten" (Technischen) Kapitals</title>
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            <forname>Antonio</forname>
            <surname>Graziadei</surname>
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        ANTONIO GRAZIADEI
Die Werliheorie
und das Problem des
66
„Konstanten“ (Technischen) Kapilals
Übersetzt von Elisabeth Salomon
Librerla Editrice Jtallana — Bolzanou
Prager = Berlin
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        ANTONIO |GRAZIADEI
Die Wertikeorie
und das Problem des
„Konslanlen“ (Technischen) Kapilals
Übersetzt von Elisabeth Salomon
Libreria Editrice Jtaliana — Bolzano
Prager — Berlin
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EINLEITUNG.

In den beiden Arbeiten «Der Begriff der Mehrarbeit und
die Werttheorie» (Bolzano, Libreria Editrice Italiana - Berlin,
Prager, 1925) und «Preis und Mehrpreis und ihre Beziehun-
gen zu Konsumenten und Arbeitern» (Bolzano, Libreria Edi-
trice Italiana - Berlin, Prager, 1925) haben wir einige der in
unserem «Preis und Mehrpreis in der kapitalistischen Wirt-
schaft» (Berlin, R. L. Prager, 1925) abgehandelten und unter-
suchten Gegenstände, besonders die in den beiden letzten Ka-
piteln erörterten, zu klären und zu vervollständigen versucht.

Mit _der vorliegenden Skizze wollen wir hingegen eine
neue Untersuchungsreihe einleiten: sie beziehen sich zwar
auf Probleme, die immer mit den Preisphänomenen und
Preisgesetzen verknüpft ‚sind, unterscheiden sich aber doch
von den in den oben zitierten Arbeiten betrachteten Fragen.

In diesen haben wir zu beweisen versucht, daß die Ri-
cardo-Marxsche Theorie vom Tauschwert (Preis) *) nicht nur
der tatsächlichen Urteils- und Handlungsweise der Men-
Schen nicht entspricht, sondern auch diejenigen Preis-
phänomene nicht zu erklären vermag, die mit einer Ein-
schränkung der produzierten Menge einzelner Waren zu-
sammenhängt, besonders die Preiserhöhung bei totalem Mo-
novol oder Syndikat, die mit der diesen Wirtschaftsgebilden

E 1) Wir erinnern ein- für allemal daran, daß wir uns, wenn
wir den Ausdruck «Preis» als Synonym von «Tauschwert»
anwenden, auf den «Preis in bezug auf lange Zeitperioden»
heziehen wollen. Man vergleiche hierüber unsere Analyse in
«Preis und Mehrpreis» etc., besonders Kapitel IV.
        <pb n="9" />
        Ed
eigentümlichen Verminderung der hergestellten und an-
gebotenen Mengen in Wechselwirkung steht.

Da in einer auf Arbeitsteilung beruhenden Wirtschaft.
auch die Phänomene der Produktion der einzelnen Waren
auf die entsprechenden Preise zurückwirken, beabsichtigen
wir, mit unseren neuen Untersuchungen vor allen Dingen
nachzuweisen, wie die Ricardo-Marxsche "Theorie vom
Tauschwert (Preis), die von ihren Urhebern geradezu als
unerläßliche Voraussetzung zum Verständnis jedes ökono-
mischen Vorganges aufgefaßt wird, eine getreue Darstellung
und genaue Auslegung derjenigen Phänomene verhindert,
die an jene Bedingung geknüpft sind, durch welche man
gleiche .und selbst größere Produktquantitäten mit tech-
nischem («konstantem») anstatt mit Lohn-Kapital erhalten
kann. Ferner beabsichtigen wir, zu beweisen, daß die gleiche
Theorie vom Tauschwert (Preis) im allgemeinen und aus
analogen Gründen ein Hindernis zur ganzen oder teilweisen
Darstellung und zum ganzen oder teilweisen Verständnis der
von der Tatsache abhängigen Phänomene bildet, daß die
Quantitäten aller in einem bestimmten Augenblick vorhan-
denen Produkte (Waren) oder eines Teiles von ihnen — wel-
ches auch immer die Formen und die Zusammensetzung des
entsrechenden Gesamtkapitals in dem darauf folgenden Au-
genblick sein mögen — infolge wachsender Produktivität der
Arbeit vermehrt sind.

Die Phänomene, auf die wir uns beziehen, sind von be-
sonderer Bedeutung, wenn man bedenkt, daß die Ersetzung
des Lohnkapitals durch das technische Kapital und all-
gemeiner die absolute oder relative Vermehrung der Pro-
duktion (die letztere natürlich in längeren Friedenszeiten)
typische Escheinungen der kapitalistischen Wirtschaft sind;
und genauer gesagt, gerade diejenigen Erscheinungen, die
in einer bestimmten historischen Epoche ihre Ueberlegenheit
über frühere ökonomische Systeme ausgebildet und darauf,
innerhalb der Grenzen ihrer Gesetze, eine bemerkenswerte
Erhöhung in der Lebenshaltung bestimmter Schichten der
Arbeiterklasse ermöglicht haben.
        <pb n="10" />
        Natürlich wird die positive Seite der Dariegung mit der
negativen — um sie so zu nennen — verflochten sein. Das
heißt, wir werden zu: beweisen suchen, daß die gleichen
Gründe, aus denen die Ricardo-Marxsche Tauschwerttheorie
nicht alle in Frage kommenden Phänomene genau dar-
zustellen vermag, hingegen für deren Darstellung durch die
von uns gestützte Theorie maßgebend werden.

Die vorliegende Arbeit ist der ersten der beiden angedeu-
teten Fragen gwidmet, d. h. der Darstellung der Folgen, die
sich aus der Ersetzung des Lohnkapitals durch das tech-
nische («konstante») Kapital ergeben, mittels des Preises. Ihr
werden andere Untersuchungen folgen, die darauf gerichtet
sind, mehr im allgemeinen die Wechselbeziehungen zwi-
schen Lohn und Profit und durch diese dann den Gang der
materiellen Bedingungen der Arbeiterklasse in der kapita-
listischen Wirtschaft zu prüfen.

-
        <pb n="11" />
        <pb n="12" />
        RES

+f)

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Z ei puüngthek 12

£ 5

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5 %

Die Marxsche Werttheorie und das ‚,, et
Kapital (technische Kapital).

$ 1. Die Ricardo-Marxsche Werttheorie und die Unproduktivität
des technischen Kapitals an Mehrwert.

In der Ricardo-Marxschen Theorie, nach welcher der
Tauschwert ausschließlich durch die Arbeit und der Gewinn
des Kapitalisten ausschließlich durch die in Mehrwert ver-
wandelte Mehrarbeit der entsprechenden Arbeiter bestimmt
wird, ist das Lohnkapital das einzige Kapital, das aus der
Natur der besonderen Ware, in die es investiert ist, (der
Ware: Arbeitskraft) den Wert des Produktes vermehrt, d. h.
das einen größeren Wert (den Mehrwert) ermöglicht. Hin-
gegen kann das in irgend einer anderen Form verwendete
Kapital, da es keine lebendige Arbeit fördert, keinerlei Mehr-
wert erzeugen.

Marx nennt das Lohnkapital variables Kapital, eben weil
es ihm nach seiner Wertlehre als das einzige erscheint, das,
da es zur Ausübung lebendiger Arbeit verwendet wird,
eine Mehrarbeit und daher mittels des entsprechenden Mehr-
wertes einen Wertzuwachs hervorbringen kann, kurz das
den Wert des eigenen Produktes in steigendem Grade-verän-
dern kann. Er nennt hingegen konstantes Kapital alle For-
men von anderweitig investiertem Kapital, da für ihn diese
Formen keine M.hrarbeit und folglich auch keinen Mehr-
wert schaffen können, sondern sich darauf beschränken, den
eigenen verbrauchten Wert auf den Wert der Ware, die sie
gemeinsam herstellen, zu übertragen und daher keine
variable, sondern eine fest bestimmte Quantität darstellen. ))

1) Da wir den Marxschen Gedanken kritisieren sollen, kön-
nen wir keine Terminologie annehmen, die so eng mit seiner
Auffassung zusammenhängt. Von jetzt an werden wir also das
sogenannte «variable» Kapital Lohnkapital, und das sogenannte
«konstante» Kapital allgemein. technisches Kapital nennen.

1.
        <pb n="13" />
        — 8

Die Annahme, daß die nicht zur Bezahlung der leben-
digen Arbeit angewandten Formen von Kapital ihrerseits
einen Mehrwert erzeugen können, würde der Verneinung
der Theorie selbst gleich kommen nach welcher der Tausch-
wert durch die Arbeit gegeben ist.

Viele Stellen bei Marx tragen dazu bei, um jeden Zwei-
fel über die von uns festgestellte Beziehung von Ursache
und Wirkung zwischen seiner Tauschwerttheorie und seinen
Schlußfolgerungen daraus auf das. konstante Kapital zu
beheben. Der folgende Abschnitt möge für alle genügen:

«Wenn ein Kapital, das prozentig aus 90 c + 10 v besteht,
bei gleichem Exploitationsgrad der Arbeit ebensoviel Mehr-
wert oder Profit erzeugte wie ein Kapital, das aus 10 c + 90 v
besteht, dann wäre es sonnenklar, daß der Mehrwert und
daher der Wert überhaupt eine ganz andere Quelle haben
müßte als die Arbeit.

Setzen wir fortwährend 1 L. gleich dem Wochenlohn
eines Arbeiters für 60 Arbeitsstunden, und die Mehrwerts-
rate = 100°. 10 Arbeiter könnten also nicht mehr liefern
als 20 Lire; und da von diesen 20 L. 10 L. den Arbeitslohn
ersetzen, so könnten die 10 keinen größeren Mehrwert schaf-
fen als 10 Lire; während die 90, deren Gesamtprodukt
= 180 Lire, und deren Arbeitslohn = 90 Lire, einen Mehr-
wert von 90 Lire schaffen würden. Die Profitrate wäre also in
einem Fall 10°%, im andern 90°. Sollte es anders sein, so
müßten Wert und Mehrwert etwas andres sein als vergegen-
ständliche Arbeit». *)
$ 2. Die Unerklärbarkeit der Einführung des technischen Kapitals

bei Annahme seiner Unproduktivität an Mehrwert.

Nach diesen Voraussetzungen und Folgerungen mußte

die Marxsche Theorie auf riesige Hindernisse stoßen.
; Vor allem hätte Marx erklären müssen, wieso, die Un-
ternehmer, wenn das Lohnkapital als einziges durch die
Produktion einen Mehrwert zuläßt, immer mehr den in ihm
angewendeten Teil des Gesamtkapitals herabsetzen und da-
gegen den in anderen Formen verwendeten Teil, das tech-
n’sche Kapital, dem keinerlei Mehrwert entspricht, ver-
mehren.

1) «Das Kapital». Hamburg 1894, Band III, Seite 127-128. Wir
machen ein- für allemal darauf aufmerksam, daß die folgenden
Zitate aus dem III. Bande des Kapitals immer dieser Ausgabe
en‘nommen sein werden.
        <pb n="14" />
        Die Erklärung wäre um so nötiger gewesen, als Marx
selbst. in den Kapiteln XIII-XV des 3. Bandes vom «Kapital»
(Buch I) Wert darauf legt, zu versichern, daß das äußerst
wichtige Gesetz von der Herabsetzung der Profitrate gerade
von der Tatsache abhängt, daß derjenige perzentuelle Teil
des Gesamtkapitals jedes Unternehmens, der in der Form
von konstantem (technischem) Kapital investiert worden
ist, danach strebt, in immer steigendem Maße im Vergleich
zu dem als Lohnkapital investiertem anzuwachsen.

Es möge genügen, u. a. folgende Stellen zu zitieren:

«Diese erzeugt mit der fortschreitenden relativen Ab-
nahme des variablen Kapitals gegen das konstante eine
steigend höhere organische Zusammensetzung des Gesamt-
kapitals, deren unmittelbare Folge ist, daß die Rate des
Mehrwerts bei gleichbleibendem und selbst bei steigendem
Exploitationsgrad der Arbeit sich in einer beständig sin-
kenden allgemeinen Profitrate ausdrückt». *)

«Da die Masse der angewandten lebendigen Arbeit stets
abnimmt im Verhältnis zu der Masse der von ihr in Bewe-
gung gesetzten vergegenständlichten Arbeit, der produktiv
konsumierten Produktionsmittel, so muß auch der Teil der
lebendigen Arbeit, der unbezahlt ist und sich in Mehrwert
vergegenständlicht, in einem stets abnehmenden Verhältnis
stehn zum Wertumfang des angewandten Gesamtkapitals». *)

Gerade wegen der Wichtigkeit dieser Feststellungen
wäre eine Erklärung darüber notwendig gewesen. Wenn
anders wir nicht eben wegen der Bedeutsamkeit dieser
Schwierigkeit bei Marx nichts darüber finden.

Man kann sogar sagen, daß einige der von Marx in dem
fruchtbarsten Teil seines gewaltigen Werkes aufgestellten
Grundsätze beweisen, wie unmöglich es sein würde, daß
die Unternehmer in dem von ihm zugegebenen Sinne han-
deln, wenn jede Anwendung von technischem Kapital wirk-
lich eine entsprechende Annullierung des Mehrwertes be-
deuten würde.

Einer der glücklichsten Grundbegriffe des ersten Ban-
des vom «Kapital» ist gerade der, alle Gesetze der kapita-
listischen Wirtschaft als Auswirkung der Interessen der
Unternehmer zu betrachten, und besonders als Ergebnis
ihrer auf höchstes Anwachsen des Mehrwertes gerichteten
Tätigkeit.

1) Id. Das Kapital, Band IM, S. 192.

2) Id. Das Kapital, Band III, S. 193.

oO
        <pb n="15" />
        Welche mysteriöse und übermenschliche Kraft vermöch-
te die Unternehmer dazu veranlassen, unaufhörlich die ab-
schute und relative Quantität des Mehrwertes, über den sie
verfügen könnten, zu verkleinern, indem sie eine ständig
zunehmende Quote ihres Gesamtkapitals aus der einzigen
Form, die ihnen einen Mehrwert erzeugt (Lohnkapital), in
diejenige, die unfruchtbar bleibt (technisches Kapital) um-
handeln?

5 3. Die Konkurrenz und die zunehmende Verwendung von

technischem Kapital,

Es wäre sinnlos, sich bei dieser Gelegenheit auf die
Konkurrenz zu berufen und zu behaupten, daß bei dem von
ırr entfesselten Spiel der Kräfte die Unternehmer zu der
angedeuteten Umwandlung gezwungen sind, weil das tech-
nische Kapital, indem es die Produktivität der Arbeit außer-
ordentlich steigert, ihnen erlaubt, billiger zu verkaufen und
daher in jedem die Hoffnung erregt, den andern in dem
auf Senkung der Preise beruhenden Kampf eine Nieder-
lage zu bereiten.

Vor allem muß man darauf achten, daß die zunehmende
Umwandlung des Gesamtkaovitals aus der Lohnform in die
technische Form auch dann stattfindet, wenn es keine Kon-
kurrenz mehr gibt; wenn sich nämlich die Unternehmer zu
einem Syndikat vereinigt haben und selbst wenn dieses
Syndikat 100% der Produzenten umfaßt, d. h. ein ftotales
Monopol darstellt. Wir haben in einer vorhergehenden
Arbeit *) gezeigt, daß gerade diejenigen Syndikate am besten
geleitet werden und am längsten dauern, die — trotz Auf-
hörens der Konkurrenz‘ wenigstens in den Formen und auf
den Gebieten, wo sie vor der Syndikatbildung kämpfte —
die Produktionskosten weiter vermindern. Nun ist es all-
gemein bekannt, daß von allen hierzu angezeigten Mitteln
gerade das wiksamste ist, den durch das technische Kapital
dargestellten Teil des Gesamtkapitals aufs höchste zu
steigern.

Wenn uns auch auf diese Weise die Konkurrenz mit
ihren eisernen Notwendigkeiten erklären könnte, warum
die Unternehmer eine wachsende Quote des eigenen Gesamt-

1) «Quantitä e prezzo di equilibrio in condizioni di concor-
renza e di monopolio». Roma, Atheneum, 1918. Einige der wesent-
Jicheren Teile dieser Untersuchung sind in Kapitel X unseres
«Preis und Mehrpreis» zusammengefaßt.

10
        <pb n="16" />
        - 4 _—
kapitals in der Form anwenden, die für jeden Mehrwert
unfruchtbar ist, bliebe es doch unverständlich, wie das
gleiche Phänomen auch unter der Herrschaft von teil-
weisem oder gar totalem. Monopol entstehen kann, in dem
das wilde Spiel der Konkurrenz seiner Definition nach. die
Tätigkeit aufgegeben hat.

Aber selbst wenn wir von einem so schwerwiegenden
Einwand absehen und auf dem Gebiete der Konkurrenz.
bleiben, ist es leicht zu beweisen, daß nicht einmal deren
tyrannische Forderungen zur Erklärung des uns beschäf-
tigenden Problems tauglich sind.

Gewiß, die Konkurrenz regt Notwendigkeiten und Kräfte
an, die den persönlichen Willen zu überwinden und zu be-
siegen scheinen. Genau analysiert bedeutet sie den Mangel
an einheitlichem Handeln zwischen den Unternehmern; und
gerade infolge dieses Mangels wird jeder vom Tun der
anderen nachgeschleift.

Jedoch auch unter Herrschaft der Konkurrenzgesetze
und auch bei der Anstrengung, im Kampf um die Billigkeit
zu siegen, würde jeder Unternehmer sich wohl hüten, einen
Teil seines Kapitals in einer Form anzulegen, die ihrer Natur
nach und vom ersten Augenblick an dazu angetan ist,
seinen Profit zu verringern. Ganz im Gegenteil will jeder”
Unternehmer den eigenen Absatz zum Schaden der anderen
ausdehnen und zu günstigeren Bedingungen verkaufen,
ohne einen unmittelbaren Verlust zu erleiden. Gerade des-
halb sucht jeder Unternehmer dieses Ergebnis vor allem
durch Herabsetzung der eigenen Produktionskosten zu er-
reichen, und zwar so, daß — die Verringerung des einheit-
lichen Verkaufspreises fällt mit dieser Herabsetzung zu-
sammen — der einheitliche Spielraum, der Profit, nicht ver-
ringert wird oder doch in geringerem Maße als der einheit-
liche Verkaufspreis.

Freilich strebt auf die Dauer jeder vollkommenere Pro-
duktionsprozeß danach, sich zu verallgemeinern, und diese
Verallgemeinerung strebt ihrerseits infolge der fortwähren-
den Wirkung der Konkurrenz danach, den . Spielraum
weiter zu verringern. Solange der neue Prozeß noch wenig
verbreitet ist, können tatsächlich diejenigen Unternehmer,
die‘ ihn zuerst angewendet haben, den Verkaufspreis in
gerıngerem Maße herabsetzen als dasjenige, zu dem sie
Später gezwungen sein werden, wenn auch die anderen
durch Anwendung des gleichen Systems imstande sind,
ihrerseits den Preis ohne absolute Verluste herabzusetzen.

+3
        <pb n="17" />
        Aber es ist etwas anderes, zuzugeben, daß die weit ent-
legenen Folgen der Konkurrenz zur Vernichtung jedes be-
sondern neuen Vorteils führen, und etwas anderes zu be-
haupten, daß sie durch übernatürlichen Zwang die einzelnen
Unternehmer nötigen kann, sich von Anfang an dürre und
unersetzliche Verluste aufzuerlegen. Die Konkurrenz könn-
te nicht die gleichen Wirkungen haben, die schließlich zum
Schaden der Unternehmer führen, wenn ihnen nicht das
unmittelbare Interesse jedes einzelnen den Weg öffnete.

Mit einem Wort, die Konkurrenz besitzt weder eigenes
Leben noch eigenen Willen unabhängig von den beteiligten
Personen, noch verfügt sie über eine bewaffnete Macht, die
jeden Unternehmer zwingt, von Anfang an gegen das eigene
unmittelbare Interesse zu handeln.

Ihr wahrer Charakter ist vor allem hinterlistig. Sie ruft
schließlich den allgemeinen Interessen auch der Einzelnen
entgegengesetzte Wirkungen hervor, sofern, und nur sofern
die Einzelnen ganz zuerst in der von ihr gewollten Rich-
tung, aber gemäß dem eigenen unmittelbaren Interesse,
handeln. Wenn es nicht so wäre, würde. der Konkurrenz-
prozeß selbst nicht zu verwirklichen sein.

Um zusa nmenzufassen: die Unternehmer sind von der
Konkurrenz gezwungen, sich in einer bestimmten Richtung zu
bewegen; wobei sie jedoch stets suchen, Mittel anzuwenden,
die — wenigstens am Anfang — den Spielraum (Mehrpreis,
Mehrwert) erweitern. Also nicht einmal durch Konkurrenz
kann die Tatsache erklärt werden, wieso die Unternehmer
sich so verschlechtern, daß sie einen wachsenden Anteil
ihres Kapitals aus der Anlage, die einen Mehrwert sichert
in die, die vom ersten Augenblick an den Mehrwert selbst
aufhebt, umwandeln.

Marx mußte also, durch die Voraussetzungen, die das
Vorproblem lösen sollten, selbst machtlos gemacht, seine
Bemühungen darauf beschränken, eine andere sekundäre
Frage zu beantworten, die, wie wichtig auch immer, der
ersten untergeordnet ist, die Frage nämlich: wieso — trotz
der verschiedenen perzentuellen Zusammensetzung der
Gesamtkapitalien der einzelnen Betriebe aus konstantem
und variablem Kapital und trotz der daraus folgenden ver-
schiedenen Höhe der Mehrwerte — die Bildung eines Durch-
schnitts-Profits möglich ist.

Kurz, Marx sagt uns nicht, wie und warum die Unter-
nehmer darauf eingehen, einen wachsenden Anteil ihres
Gesamtkapitals aus einer Form, die einen Mehrwert sicher-

17
        <pb n="18" />
        stellt, in eine Form, die als Mehrwert unfruchtbar bleibt,
z'ı investieren.

Er begnügt sich damit, uns zu beweisen, durch welchen
Vorgang nach seiner Meinung jene Verluste der betreffen-
den Mehrwerte gerecht zwischen den einzelnen Unterneh-
mern verteilt werden würden, die diese in so unerklärlicher
Weise auf sich genommen haben.

12
        <pb n="19" />
        <pb n="20" />
        Die Marxsche Werttheorie und die Umwandlung
des Mehrwertes in Profit.
$ 1. Die Umwandlung des Mehrwertes in Profit und des Profites
in Durchschnittsprofit.

Marx hatte im ersten Band des «Kapital» vor allem die
Beziehungen zwischen Mehrwert und jener besonderen
Form von Kapital dem «variablem» (Lohn-) Kapital unter-
sucht; im dritten Bande hat er, um eine größere Genauig-
keit zu erlangen, die Beziehungen zwischen Mehrwert und
gesamtem verauslagtem Kapital (von dem das variable nur
einen Teil darstellt) untersucht. Er sagt:

«Die Rate des Mehrwerts gemessen am variablen Ka-
pital heißt Rate des Mehrwerts: die Rate des Mehrwert ge-
messen am Gesamtkapital heißt Profitrate... Was den ein-
zelnen Kapitalisten angeht, so ist klar, daß das einzige, was
ihn interessiert, das Verhältnis des Mehrwerts... zu dem...
vorgeschossenen Gesamtkapital ist: während ihn das be-
stimmte Verhältnis dieses Ueberschusses zu... den beson-
deren Bestandteilen des Kapitals nicht nur nicht interes-
siert, sondern es sein Interesse ist, sich blauen Dunst über
dies bestimmte Verhältnis... vorzublasen». 2)

Und kurz darauf:

«... der Mehrwert selbst erscheint nicht als Produkt der
Aneignung von Arbeitszeit, sondern als Ueberschuß des
Verkaufspreises der Waren über ihren Kostpreis, welcher
letztere daher leicht als ihr eigentlicher Wert (valeur intrin-
s6que) sich darstellt, so daß der Profit als Ueberschuß des
Verkaufspreises der Waren über ihren immanenten Wert
erscheint». ?)

1) Das Kapital, Band III, Seite 18.

2) Das Kapital, Band III, Seite 18.

11
        <pb n="21" />
        — 16 —

Vorausgesetzt also, daß der Kapitalist sich am meisten
für die Beziehungen des eigenen Gewinnes zum ausgesetzten
Gesamtkapital, d. h. für die Profitrate, interessiert, gibt Marx
zu, daß, wenn zwei Gesamtkapitale von gleicher Größe in
verschiedenem Verhältnis zwischen variablem (Lohn-) und
konstantem Kapital verteilt sind, hierdurch allein der Pro-
fitsatz, der dem einen entspricht, sich von dem, der dem
andern entspricht, unterscheidet.

Hier eine wörtliche Zusammenfassung der Marxschen
Abhandlung (Seite 125-127):

«Wenn eine Kapitalanlage in der Produktionssphäre A
auf je 700 des Gesamtkapitals nur 100 in variablem Kapital
verausgabt und 600 in konstantem, während in der Pro-
duktionssphäre B 600 in variablem und nur 100 in konstan-
tem verausgabt werden,... wäre der Profit im ersten Fall
100/700 1/7 = 14 2/7% und im zweiten = 600/700 = 85 7/5°...
bei einer Mehrwertsrate von 100%... Kapitale von gleicher
Größe erzeugen also bei gleichem Arbeitstag und gleichem
Exploitationsgrad der Arbeit sehr verschiedene Mengen von
Profit, weil von Mehrwert, und zwar weil, nach der ver-
schiedenen organischen Kapital-Zusammensetzung in ver-
schiedenen Produktionssphären ihr variabler Teil verschieden
ist, also die Quanta der von ihnen in Bewegung gesetzten
lebendigen Arbeit verschieden, also auch die Quanta der von
ihnen angeeigneten Mehrarbeit, der Substanz des Mehrwerts
und daher des Profits».

Andererseits gibt Marx ausdrücklich zu, daß bei Kon-
kurrenzherrschaft «gleich große Kapitale in gleichen Zeit-
räumen gleich große Profite abwerfen».

Auf welche Weise sucht Marx nun, das Problem zu
lösen und zu dem Ergebnis zu gelangen, daß, trotz der Ver-
schiedenheit der Mehrwerte, die der verschiedenen Zusam-
mensetzung der Gesamtkapitalien entspricht, jedes gleich
große Kapital in der gleichen Zeiteinheit einen gleichen
Durchschnittsprofit abwirft, welches auch immer die Vertei-
lung zwischen «variablem» und «konstantem» Kapital sei?
Er sagt: *)

«Nehmen wir 5 verschiedene Produktionssphären mit
jedesmal verschiedener organischer Zusammensetzung der
ın ihnen angelegten Kapitale, etwa wie folgt:

1) Die folgenden Abschnitte sind den Seiten 133 bis 135 des
III. Bandes vom Kanital entnommen.
        <pb n="22" />
        — 11
Kapitale !) Te Mehrwert Produkt- jErotitrate
9/0 wert 9/9
1. 80c+20 v 100 20 120 20
II. 70c +30 v 100 30 | 130” Was
Il. 60 c + 40 v 100 | 40, | 1401
IV. 85c + 15 v 100 158 ha 115 vo
MV. 05 CA) 5 100 5 105 4

Wir haben hier für verschiedene Produktionssphären
bei gleichmäßiger Exploitation der Arbeit sehr verschiedene
Profitraten, entsprechend der verschiedenen organischen Zu-
sammensetzung der Kapitale.

Die Gesamtsumme der in den fünf Sphären angelegten
Kapitale ist = 500; die Gesamtsumme des von ihnen produ-
zierten Mehrwerts = 110; der Gesamtwert der von ihnen
produzierten Waren = 610. Betrachten wir die 500 als ein
einziges Kapital, von dem I-V nur verschiedene Teile bil-
den,... so wäre erstens die Durchschnittszusammensetzung
des Kapitals von 500 = 390 c + 110 v, oder prozentig
78 c + 22 v. Jedes der Kapitale von 100 nur als 1/5 des Ge-
samtkapitals betrachtet, wäre seine Zusammensetzung diese
durchschnittliche von 78 c + 22v;... durchschnittlicher Mehr-
wert 22;... Durchschnittsrate des Profits = 22°, und endlich...
der Preis... des... produzierten Gesamtproduktes = 122. Das
Produkt von jedem Fünftel des vorgeschossenen Gesamt-
kapitals müßte also zu 122 verkauft werden... Um dies noch
deutlicher zu machen, lassen wir in der folgenden Tabelle
verschiedene Teile des konstanten Kapitals in den Wert des
Produkts eingehen.

Mehr BProfit-|] Ver- a Va-tn
Kapitale ; MA » n
Il. 80c+ 20 v
Il. 79c+ vv
ll. cc +
IV. 5) © ; &amp; .
V. 95 C+H EX &gt; ;
Summa _ 390 c + 1:1) v A
‚| Durchschnitt 78 c + 22 v a Ze

1) In der ersten Kolonne kedeutet c das konstante und v das

variable Kapital.
        <pb n="23" />
        — 13 —

... Durchschnittswert = 22°. Diesen Mehrwert gleich-

mäßig auf I-V verteilt, kämen folgende Warenpreise heraus:
Kapitale Mehr 8 Wert | SAN cr Werate Mljchung des
W* | 1er Waren Waren - A NE

1. 80c+20 v ' 2 FF»

il. 70c +30 v 50 93 22

IT, 60 c + 40 v &amp; 63 22 18

DE &lt;85c 4-15 v % 727

x 195CcC+ 5v 5 1 2201 E17

Zusammengenommen werden die Waren verkauft
2+7+17 = 26 über, 8 + 18 — 26 unter dem Wert, so daß
die Preisabweichung durch gleichmäßige Verteilung des
Mehrwerts oder durch Zuschlag des durchschnittlichen Pro-
fits von 22 auf 100 vorgeschossenes Kapital... sich gegenseitig
aufheben...».

Danach nennt Marx, der schon die an sich ganz rich-
tige Unterscheidung zwischen «Wert» und «Kostenpreis»
eingeführt hatte durch den Nachweis, daß der letztere die
Differenz zwischen dem ersteren und dem Mehrwert und
daher um die ganze Größe des Mehrwerts selbst niedriger
ist als jener, «Produktionskosten» den mit dem eben an-
geführten System erhaltenen Preis.

Er sagt wörtlich die Produktionskosten der Waren sind
«gleich ihrem Kostpreis plus dem Durchschnittsprofit». ?)

In späteren Kapiteln sucht Marx dann zu beweisen, daß
der wirkliche Vorgang, durch den die verschiedenen Profite
sich um einen Durchschnittsprofit herum ausgleichen, durch
die Konkurrenz bestimmt wird... Unter ihrem Einfluß wür-
den die Kapitalien denjenign Zweigen, bei denen der Mehr-
wert wegen des größeren Anteils von konstantem Kapital in
Bezug zum variablen niedriger ist, zu Gunsten derjenigen,
bei denen er aus dem entgegengesetzten Grunde höher ist,
entzogen werden. «Das Kapital entzieht sich aber einer
Sphäre mit niedriger Profitrate, und wirft sich auf die
andre, die höheren Profit abwirft. Durch diese beständige
Aus- und Einwanderung... bewirkt es... daß der Durch-

1) Das Kapital, Band III, besonders Seite 1-15.

2) Das Kapital, Band III, Seite 136.

19
        <pb n="24" />
        schnittsprofit in den verschiedenen Produktionssphären der-
selbe wird...». *)

Wir haben so objektiv wie möglich und vorwiegend mit
Hilfe der eignen Worte des Autors dargestellt, in welcher
Weise Marx vorzugehen versucht hat, um das Problem zu
lösen, das er sich gestellt hatte.

8 2. Die Beziehungen zwischen der Werttheorie und den Produk-
tionskosten.

Sehen wir jetzt, wie er die Beziehungen zwischen der
vorgeschlagenen Lösung und der Tauschwerttheorie be-
trachtet, wie sie von ihm von den ersten Seiten des ersten
Bandes vom «Kapital» an aufgestellt worden ist.

Er gibt zu, daß Theorie und Lösung im Gegensatz zu-
einander stehen. An einer bestimmten Stelle bekennt er:
«Werden die Waren aber zu ihrem Werte verkauft, so ent-
stehn... sehr verschiedene Profitraten in den verschiedenen
Produktionssphären... ». ?)

Aber der Gegensatz wird für Marx ausgeglichen, wenn
man zwischen laufenden Preisen und Werten unterscheidet
oder besser, um seiner eigenen Ausdrucksweise zu folgen,
zwischen Produktionskosten und Werten; und wenn man
gleichzeitig nicht mehr nur die einzelnen Waren, Unterneh-
mungen und Arbeiter betrachtet, sondern die Gesamtheit
der‘ Waren, Unternehmungen und Arbeiter.

Für den ersten Punkt sind u. a. folgende Abschnitte
charakteristisch: «Die Annahme, daß die Waren der ver-
schiedenen Produktionssphären sich zu ihren Werten ver-
kaufen, bedeutet natürlich nur, daß ihr Wert der Gravita-
tionspunkt ist, um den ihre Preise sich drehn...» 3 (natür-
lich immer der auf Grund der notwendigen Arbeitsquantität
bestimmte Wert). «Was aber die Konkurrenz nicht zeigt,
das ist die Wertbestimmung, die die Bewegung der Produk-

tion beherrscht; das sind die Werte, die hinter den Produk-
tionspreisen stehn und sie in letzter Instanz bestimmen». S)
«... Mit der Verwandlung der Werte in Produktionspreise
wird die Grundlage der Wertbestimmung selbst dem Auge

1) Das Kapital, Band III, Seite 175-176.

2) Idem Seite 175.

3) Das Kapital, Band III, Seite 157.
4) Idem Seite 188.

19
        <pb n="25" />
        — ZU —
entrückt» *) (nicht nur für den Kapitalisten, sondern auch
für den Arbeiter).

Für den zweiten. Punkt sind die folgenden Abschnitte,
vielleicht mehr als alles andere von Marx kennzeichnend:
«... Und in dieser Weise ist in der Gesellschaft selbst — die
Totalität aller Produktionszweige betrachetet — die Summe
der Produktionspreise der produzierten Waren gleich der
Summe ihrer Werte». °) (Natürlich ihrer durch die Arbeits-
quantität bestimmten Werte).

«Der einzelne Kapitalist... dessen Blick borniert ist,
glaubt mit Recht, daß sein Profit nicht allein aus der von
ihm... beschäftigten Arbeit herstamme. Es ist dies ganz rich-
tig für seinen Durchschnittsprofit. Wie weit dieser Profit
vermittelt ist durch die Gesamtexploitation der Arbeit durch
das Gesamtkapital... dieser Zusammenhang ist ihm ein voll-
ständiges Mysterium... ». ) «Da nun der Gesamtwert der
Waren den Gesamtwert, dieser aber die Höhe des Durch-
schnittsprofits und daher die allgemeine Profitrate regelt...
so reguliert das Wertgesetz die Produktionspreise». *)

1) Das Kapital, Band II, Seite 147.

2) Idem, Seite 138.

3) Idem, Seite 149.

4) Idem, Seite 159.

(a
        <pb n="26" />
        PA ASLASNLASNTLAZESE$HPü
Die Marxsche Lösung und deren logische
Widersprüche.

8 1. Verneinende und aufbauende Kritik,

Die wirksamste Kritik an jedem System ist diejenige,
die nicht nur negierenden sondern auch, und dies besonders,
aufbauenden Charakter hat.

Jede wissenschaftliche Theorie ist schließlich nur ein
Mittel, um feststehende Phänomene auf eine bestimmte
Weise zu erklären. Infolge der Natur der sozialen Manifesta-
tionen selbst und der direktesten und mächtigsten Interessen,
die sie ausdrücken, wird diese allgemeine Wahrheit vollends
bestätigt, wenn es sich, um Theorien über Gesellschafts-
phänomene handelt.

Für die sozialen Ziele, die Marx in dem speziellen Fall
bei der Aufstellung seiner Theorien und bei der Ableitung
anderer aus der klassischen Schule verfolgt, und für die
Zwecke, zu deren Erreichung die sogenannten Marxisten die
gleichen Theorien und besonders die Werttheorie vertei-
digen, ist die einzige Kritik, die auf den gebildeteren Teil
der Marxisten selbst einen Einfluß ausüben kann, diejenige,
die sich nicht auf eine negative Leistung beschränkt und da-
mit die scheinbar begründete Furcht bestehen läßt, daß mit
einige Lehren des Meisters auch die mit ihnen erstrebten
Zwecke fallen, sondern eine Kritik, die auch aufbauenden
Charakter hat, d. h. die jene Lehren ersetzen will, nicht um
ihre Zwecke zu vernichten, sondern um sie auf bessere
Weise zu erreichen.

Es ist unsere Absicht auch für das uns hier beschäfti-
gende Problem eine solche Kritik anzuwenden.

Bevor wir sie auseinandersetzen, fühlen wir uns jedoch
veranlaßt, eine andere Kritik vorauszuschicken, die in sich
betrachtet auf den ersten Blick eher negativ als aufbauend
scheinen kann.

I1l.
        <pb n="27" />
        — 22 —

Zu dieser teilweisen Ausnahme von dem von uns bevor-
zugten System werden wir durch die Tatsache gezwungen,
daß wenige Argumente besser als die vorliegenden zum
Beweis dafür. dienen können, wie schwerwiegend die So-
phismen sind, in die Marx und mehr noch die angeblichen
Marxisten verfallen sind, um unhaltbare Thesen um jeden.
Preis zu verteidigen.

$ 2. Tauschwerte und Preise.

a) Notwendigkeit der Unterscheidung.

Die uns hier interessierende Frage eignet sich vor allem:
zum Beweis dafür, wie irrtümlich die Unterscheidung zwi--
schen Tauschwert und Preis ist, so wie sie von Marx und
seinen sogenannten Anhängern aufgefaßt und benutzt wird.

: Einige Kritiker — wenn nicht inkompetente, so doch
gewiß voreilige Sektierer — haben uns vorgeworfen, in un-
serm «Preis und Mehrpreis in der kapitalistischen Gesell-
Schaft» die Unterscheidung zwischen Mehrwert und Preis
vollständig verneint zu haben. Aber diese Anklage ent-
spricht durchaus nicht den Tatsachen.

Wir haben den wahren Teil dieser Unterscheidung nie
bestritten. Nur wollten wir sie in ihren richtigen Grenzen
halten. Und gerade damit sich nicht hinter der verschie-
denen Ausdrucksweise leicht eine mißbräuchliche Aus-
lezung, ein willkürliches Ueberschreiten dieser Grenzen ver-
berge, wie bei der Unterscheidung‘ zwischen «Tauschwert»
und «Preis», haben wir ‚diese durch die Unterscheidung
zwischen «Preis in bezug auf lange Zeitperioden» und «Preis
in bezug auf kurze Zeitperioden» ersetzt.

Wir sagten damals und wiederholen es jetzt: «Unter der
irrigen Unterscheidung zwischen Tauschwert und Preis
kann vielleicht. die zum Teil richtige Annahme verborgen
sein, daß, da die auf Preise wirkenden Ursachen ungeheuer
komplizierter und mannigfaltiger Natur sind, in erster Linie
eine Theorie der Austauschverhältnisse geschaffen werden
muß, die nur den wichtigsten Einflüssen Rechnung trägt
und daher die «normale» Linie der Phänomene zeichnet.
Die Tauschwerttheorie müßte dieser Linie entsprechen, wäh-
rend die Preistheorie sich auf die zufälligen Abweichungen
beziehen müßte... Aber, um dies zu erreichen, ist es wirk-
lich nicht notwendig, einen künstlichen Unterschied zu
schaffen zwischen Preis und Tauschwert, oder, noch schlim-
mer, für diesen letzten einen Prozeß zu erfinden, der ver-
        <pb n="28" />
        schieden ist von dem, der die Menschen zur Festlegung des
Preises veranlaßt... Da die wichtigsten Einflüsse diejenigen
sind, deren Wirkungen die Tendenz haben, während langer
Zeitperioden anzuhalten, während als Einflüsse von sekun-
därer Bedeutung solche anerkannt werden, deren Wirkun-
gen von kürzerer Dauer sind, so kann das Verfahren, auf
das wir hingewiesen haben, in Abhängigkeit von der Zeit
ausgedrückt werden. Man kann mit anderen Worten sagen,
daß man, um die «normalen» Gesetze für den Preis zu er-
halten, den Markt während einer genügend langen Zeit-
periode betrachten muß; daß man aber, um eine Erklärung
für die mannigfachen Abweichungen der Preise unter dem
Einfluß von Erscheinungen sekundärer Bedeutung, — Er-
scheinungen, die man gegenüber den von wichtigen Ein-
flüssen herrührenden als störend und verwirrend bezeich-
nen kann, — zu erhalten, den Markt während kürzerer
Zeitperioden betrachten muß. Die einzig zulässige Unter-
scheidung ist also nicht die zwischen Tauschwert und Preis,
sondern zwischen Preis in Abhängigkeit von genügend lan-
gen Zeitperioden und Preis in Abhängigkeit von kurzen
Zeitperioden». *)

Kein Argument eignet sich besser zum Beweis, daß die
einzige logisch haltbare Unterscheinung zwischen Tausch-
wert und Preis diejenige ist, die wir verteidigt haben und
verteidigen, als das, mit dem wir uns gegenwärtig beschäf-
tigen.

b) Normale und störende Ursachen.

Gesetzt, daß die Preise in bezug auf kurze Zeitperioden
Schwankungen aus in gewissem Sinn störenden Nebenur-
sachen erleiden, während. die Preise in bezug auf lange
Zeitperioden (d. h. die Tauschwerte) von wesentlichen
Hauptursachen bestimmt werden, würden die ersteren das
darstellen, was für den Pendel die zufälligen Schwingun-
gen sind, und die letzteren das, was für den Pendel die
Gleichgewichts-Stellung ist.

Alles kommt also nur darauf an, sich darüber zu ver-
ständigen, welche. Ursachen als nebensächlich, zufällig,
störend und welche als tieferliegend, permanent... normal zu
betrachten sind.

1) «Preis und Mehrpreis in der kapitalistischen Wirtschaft».
Berlin - Prager, Seite 39-40.

23
        <pb n="29" />
        — Z4 —

Um die angedeutete Analogie weiterzuführen: störende
Ursachen oder Bedingungen sind solche, die den Pendel aus
der Gleichgewichts-Stellung nach rechts oder nach links
schwingen lassen; nicht störende, sondern wesentliche Ur-
sachen oder Bedingungen sind solche, die danach streben,
ihn trotz dieser Schwingungen in die Gleichgewichts-Stel-
lung zurückzuführen.

Bei Untersuchung der Wirkung der Ursachen oder Be-
dingungen der zweiten Gattung kann man von den Ur-
sachen. oder Bedingungen der ersten absehen, eben weil,
wenn sie nicht vorhanden wären, der Pendel immer in
seiner Gleichgewichts-Stellung bleiben würde.

Wer umgekehrt beanspruchen wollte, die Gesetze der
Gleichgewichts-Stellung zu untersuchen, indem er von der
Schwerkraft absieht, d. h. die Schwerkraft zu den störenden
Ursachen zählen würde, beginge einen schweren Irrtum
und könnte nicht mehr das Phänomen selbst erklären, des-
sen Auslegung er unternommen hat. Tatsächlich ist die
Schwerkraft in bezug auf die Gleichgewichts-Stellung des
Pendels nicht eine sekundäre Ursache oder Bedingung, son-
dern sie ist gerade eine so wesentliche Ursache oder Bedin-
gung, daß ohne sie die Gleichgewichts-Stellung selbst nicht
mehr verständlich wäre.

c) Beziehungen zwischen der Unterscheidung von
Tauschwerten und Preisen, und der Unterscheidung von
normalen Ursachen und störenden Ursachen.

Um also zu dem Unterschied zwischen Tauschwerten
(oder besser Preisen in bezug auf lange Zeitperioden) und
Preisen in der allgemeinen Auffassung (oder besser Prei-
sen in bezug auf kurze Zeitperioden) zurückzukehren, be-
trachte man die einen und die anderen unter der Herrschaft
der Konkurrenz zwischen den Unternehmern.

Welches sind also die störenden Ursachen oder Bedin-
gungen, für die die Preise des zweiten Typus nicht mit den
Tauschwerten oder Preisen des ersten Typus übereinstim-
men? Es sind im wesentlichen diejenigen, die danach stre-
ben, sich mehr oder weniger von den Tauschwerten ihrer
Gleichgewichtsgrößen zu entfernen.

Ale diejenigen Ursachen, für die die freie Konkurrenz
nicht vollkommen wirksam ist, für die die Nachfrage nicht
ganz dem Angebot entspricht, ete., etc., können und müssen
als störende Ursachen betrachtet werden.

A
        <pb n="30" />
        =. a

Aber was würde man z. B. von jemandem denken, der
die Tendenz der Unternehmer, ihre Kapitalien solchen In-
vestierungen zuzuführen, die einen höheren Gewinn ver-
sprechen, zu den störenden Ursachen rechnen wollte? Da
diese Tendenz eine der wesentlichsten Voraussetzungen der
Konkurrenz ist, müßte man folgern, daß jener, indem er
eine der wichtigsten Ursachen oder Bedingungen zu den se-
kundären zählt, sich der Möglichkeit beraubt, die Tausch-
werte zu begreifen, die dem System der Konkurrenz ZWi-
schen den Unternehmern eigentümlich sind, und daß er,
indem er wesentliche und vorherrschende Ursachen mit
sekundären und vorübergehenden vermengt, der Unterschei-
dung zwischen Tauschwerten und Preisen im gewöhnlichen
Sinn jede logische Grundlage entzieht, die ihrerseits auf der
vorausgesetzten Unterscheidung zwischen Ursachen der
einen und Ursachen der andern Klasse beruht.

Zusammenfassend kann man also sagen, daß die Unter-
scheidung zwischen Tauschwerten und Preisen im ge-
wöhnlichen Sinn, d. h. Preisen auf lange oder kurze Zeit-
perioden bezogen, nur begründet ist, soweit die von ihr vor-
ausgesetzte Unterscheidung zwischen dauernden oder Haupt-
ursachen oder -Bedingungen und vorübergehenden oder
Nebenursachen oder -Bedingungen begründet ist, indem sie
entsprechend auf die einen oder die andern wirksam sind,
und daß die beste Bestätigung zur Beurteilung, ob diese
letzte Unterscheidung genau durchgeführt worden ist, in
der Tatsache besteht, daß man, falls die als sekundär be-
zeichneten Ursachen oder Bedingungen verschwinden soll-
ten, doch immer zugeben muß, daß die Preise im gewöhn-
lichen Sinn (Preise in bezug auf kurze Zeitperioden) ohne
weiteres mit den Tauschwerten (Preisen in bezug auf lange
Zeitperioden) übereinstimmen müssen.

d) Das «konstante» Kapital und die Unterscheidung von
Tauschwerten und Preisen.

Wir kommen jetzt zu den Wirkungen des «konstanten»
Kapitals auf die Preisbildung und auf die Abweichung der
«Werte» von den «Produktionskosten» (Verkaufspreisen)
nach Marx.

Wir haben weiter oben gesehen, wie für Marx die Fol-
gen der Verwendung von technischem (konstantem) Kapital
die Unternehmer nötigen, ihre Waren nicht mehr auf Grund
des Wertes Arbeit zu verkaufen, sondern auf Grund von
Preisen, deren Höhe größer oder kleiner ist als dieser Maß-

75
        <pb n="31" />
        — 20 —
stab, und wie die Preise auf diese Weise dauernd von denen
abweichen, die die Werte sein sollten (natürlich Werte, wie
sie nach dem Ricardo-Marxschen Gesetz bestimmt werden).

Da es nun zu leicht ist, einzuwenden, daß das Zugeben
einer solchen Tatsache gleichzeitig die Anerkennung bedeu-
tet, daß der nach jenem Gesetz zu bestimmende Wert sich
praktisch nie realisiert und daher nicht vorhanden ist, grei-
fen Marx und mehr noch die sogenannten Marxisten auf
die Unterscheidung zwischen Tauschwert und Preis zu-
rück, und stellen fest, daß, nachdem der Unterschied ein-
mal anerkannt worden ist, die Preise natürlich nicht mit
den Werten übereinstimmen.

Aber hier ist der Sophismus zu augenfällig.

Darf man tatsächlich zugeben, daß die Einführung des
«konstanten» Kapitals als sekundäre, vorübergehende, stö-
rende Ursache oder Bedingung betrachtet wird wie eine
jener Ursachen, von denen es erlaubt ist, abzusehen, wenn
die Tauschwerte anstatt der Preise geprüft werden?

Es genügt, einen solchen Grundsatz auszusprechen; um
den ganzen logischen Unsinn zu begreifen.

Die wachsende Ausdehnung des technischen («konstan-
ten») Kapitals stellt nicht nur keine sekundäre Bedingung
in bezug auf das System der kapitalistischen Konkurrenz
und allgemeiner in bezug auf das System des Kapitalismus
dar — sei es bei herrschender Konkurrenz oder totalem oder
teilweisem Monopol — sondern bildet eine seiner eigentüm-
lichsten und typischsten Bedingungen.

Die Entwicklung der Produktivkräfte, die besonders in
ihrer günstigsten Periode und immer in der Pause zwischen
zwei großen Kriegen die bürgerliche Wirtschaft gekenn-
zeichnet hat und kennzeichnet, war und ist an deren Not-
wendigkeiten und Bau aufs engste gebunden. Aber die
Hauptbedingungen einer solchen Entwicklung bestehen ihrer-
seits in dem immer größeren Anwachsen des technischen
(«konstanten») Kapitals im Verhältnis zum Lohnkapital.
‚Man darf feststellen, daß, was .die Zusammensetzung
des Gesamtkapitals jedes Unternehmens und jedes Zweiges
des Unternehmens anbetrifft, nichts die kapitalistische Pro-
duktior. — sei es bei Konkurrenz, oder Monopolherrschaft —
deutlicher kennzeichnet, als die Tendenz des fixen («kon-
stanten») Kanitals, im Verhältnis zum Lohnkapital anzu-
wachsen.

Man hat in England z. B. ausgerechnet, daß auf jeden
in der Textilindustrie angestellten. Mann, jede Frau oder
        <pb n="32" />
        jedes Kind allein als Anlagekapital 200 Lire investiert werden
d. h. insgesamt das Arbeitsequivalent von 5 Jahren; daß die
Kosten eines Handels-Dampfschiffes der Arbeit von 10 und
mehr Jahren von Seiten aller derer, die sich daran betätigen
entspricht; und das in den englischen Eisenbahnen investierte
Kapital von ca 900 Millionen Lire einer etwa zwanzigjährigen
Arbeit der 400.000 bei ihr angestellten Personen (Marshall:
«Grundsätze der Politischen Oekonomie», 2. engl. Auflage;
Seite 282/283).

Die Behauptung, daß die Preise mit den Tauschwerten
übereinstimmen würden... wenn es kein «konstantes» (fixes)
Kapital gäbe, kommt also dem Anspruch gleich, daß eine
Theorie, nach der die Pendelschwankungen sich schließlich
in die Gleichgewichtsstellung auflösen, wahr sein würde....
wenn es das Gesetz von der Schwerkraft nicht gäbe. *)

Am seltsamsten ist, daß an eıner bestimmten Stelle
Marx selbst — mag es auch zufällig sein — von der Logik
der Dinge verleitet als erster zugibt, daß die Theorie, nach
welcher der Wert durch die Arbeit bestimmt wird, sich nur
dann bewahrheiten kann, wenn es keinen Kapitalismus,
sondern immer nur Handwerker gibt: «Der Austausch von
Waren zu ihren Werten oder annähernd zu ihren Werten,
erfordert eine viel niedrigere Stufe als der Austausch zu
Produktionspreisen, wozu eine bestimmte Höhe kapitali-
stischer Entwicklung nötig ist... Es gilt dies für Zustände,
wo dem Arbeiter die Produktionsmittel gehören, und dieser
Zustand findet sich, in der alten wie in der modernen Welt,
beim 'selbstarbeitenden grundbesitzenden Bauer und beim
Handwerker». °) (Das Kapital, Band III, S. 155/156).

8 3. Preissummen und Tauschwertsummen.

a) Der Anspruch der Preisunterschiede aus der Summe
der Tauschwerte.

Um zu beweisen, daß die Theorie, nach welcher der
Wert durch die Arbeit bestimmt wird, im wesentlichen als
wahr bestehen bleibt, trotz der grundlegenden Richtigstel-
lungen, die das Phänomen des technischen («konstanten»)
Kap’tals ihnen auferlegt, wenden Marx und noch weniger

1) Ueber die ganze weiter oben behandelte Frage vergleiche
man auch unsere «Produzione capitalistica», Torino, Bocca, 1899,
besonders die Seiten 226-230.

2) Hierzu vergleiche man unser «Preis und Mehrpreis» etc.
Seite 107-108.

Bir
        <pb n="33" />
        — 283 —
glücklich viele Marxisten eine andere Ableitung an, hinter
der sich ein nicht weniger schwerwiegender Sofismus ver-
birgt.

Sie sagen, daß, wenn wegen der Notwendigkeit den Un-
ternehmern, die in «konstu.ntes» Kapital eine verhältnismäßig
größere Rate des Gesamtkapitals anlegen, einen Profit zu
sichern, der wirkliche Preis (Produktionskosten) der ein-
zelnen Waren höher oder niedriger wird als ihr Wert sein
sollte, diese Plus- oder Minus-Unterschiede verschwinden,
sobald man alle Produktionskosten zusammenzählt, so daß
die Gesamtsumme dann mit der Gesamtsumme der Werte
übereinstimmt, was sich ergeben würde, wenn die Werte
nach der Arbeit gemessen werden würden.

Dies ist tatsächlich die Schlußfolgerung, wie wır sıe am
Ende des zweiten Kapitels zitiert haben: «... Und in dieser
Weise ist... — die Totalität aller Produktionszweige betrach-
tet — die Summe der Produktionspreise der produzierten
Waren gleich der Summe ihrer Werte».

b) Unhaltbarkeit des Begriffes von_Wertsummen.

Die ganze Argumentation beruht hier auf dem Begriff
der «Tauschwertsummen». Aber ein derartiger Begriff ist in
sich widerspruchsvoll und unhaltbar.

Solange man von Gesamtwerten spricht, ist es erlaubt,
wenn auch nicht gerade ihre Summe darunter zu verstehen,
— man kann nur gleichartige Quantitäten zusammenzählen,
und die Produkte sind in Wirklichkeit unendlich verschie-
denartig — so doch ein Verzeichnis oder Gesamtinventar
von ihnen. Aber wenn man zu Tauschwerten übergeht, ist
die Sache sehr anders.

Der Tauschwert ist seiner Definition nach eine Bezie-
hung zwischen zwei Quantitäten oder zwischen zwei Waren.
Er drückt daher eine Gegenüberstellung einer Größe zur
andern, einer Ware zur andern aus. Wenn man beansprucht,
die beiden Größen zu addieren, fällt die Gegenüberstellung
dadurch allein schon zusammen, und die Beziehung ver-
schwindet.

Wenn man verschiedene Verhältnisse hat, z. B. das Ver-
hältnis a zu b, und c zu d,. so kann man — unter gewissen
Bedingungen, von denen hier nicht weiter gesprochen zu
werden braucht, — die entsprechenden Größen addieren und
feststellen, daß z. B. atc noch in einer gewissen Beziehung
zu b+d steht. Aber wenn man alle vier Größen direkt mit-
einander addieren will, besteht sofort keinerlei Beziehung
mehr.

N
7
        <pb n="34" />
        Wenn Marx also, um seine These zu beweisen, von
«Tauschwertsummen» spricht, gerät er in ein Sofisma, das
man nur auszusprechen braucht, um seinen Unsinn fest-
zustellen.

Es gibt freilich einen Milderungsgrund für einen so
schweren logischen Irrtum. In der — im übrigen vielen
Volkswirtschaftlern gemeinsamen — Illusion gewiegt, ein
Kriterium finden zu können, nach dem man den Tausch-
wert jeder beliebigen Ware immer «ex n0VO» und «ex ab-
rupto» feststellen könne, glaubte Marx in der Arbeit als
abstrakte Anwendung menschlicher Energie verstanden die-
ses Kriterium gefunden zu haben. Für ihn steht die Arbeit
also jenseits aller Waren, eben weil sie den Tauschwert von
jeder einzelnen bestimmt. Mit andern Worten: die Gleichung
zwischen der Ware A und der Ware B ist für ihn nur mög-
lich, weil beide Waren auf eine dritte anders geartete Quan-
tität bezogen werden, nämlich die gleiche Arbeit, die beide
gekostet haben. Wenn Marx also von Tauschwertsummen
spricht, addiert er zwar praktisch alle Waren, behält sich
aber immer jenseits dieser Summe die Gesamtarbeitsquan-
tität vor, die sie verlangt haben. Gerade die Beständigkeit
dieser gesonderten und anders gearteten Größe macht seinen
Irrtum auf den ersten Anblick weniger deutlich.

Wenn man die Dinge aber näher betrachtet, bleibt der
Irrtum unverändert schwerwiegend bestehen.

c) Wertsummen und Gesamtarbeit.

Da der Tauschwert immer die Beziehungen zwischen
zwei Waren ist, die Arbeit hingegen, die den Wertmaßstab
im Marxschen Sinne bildet, keine Ware ist, *) bleib£ es eine
Inkongruenz, von dem Verhältnis «Tauschwert» auch dann
noch zu sprechen; wenn alle Größen dieses Verhältnisses
miteinander addiert sind.

Die Schlußfolgerung, zu der Marx gelangt, enthält eine
Bedeutung, die man nur folgendermaßen auslegen kann: der
Gesamtheit aller Waren entspricht eine gewisse Gesamtsum-

fr 1) Wenn Marx die Arbeit als Ware betrachten will, nennt er

sie «Arbeitskraft». Im Marxschen System ist die Unterscheidung
zwischen «Arbeit» als Ursache und Maßstab des Tauschwertes
der Waren und «Arbeitskraft» als Ware selbst sehr wichtig. Es
handelt sich jedoch um eine auf einer rein scholastischen Unter-
scheidung beruhende Bedeutung.

20
        <pb n="35" />
        — U) —

me an Arbeit, und diese bleibt — bei sonst gleichen Bedin-
gungen — Konstant, welches auch die Veränderungen in
den Preisen. der einzelnen Waren sein mögen. Es handelt
sich jedoch um eine zu bescheidene Feststellung, um der
von Marx beabsichtigten Beweisführung dienen zu können.
Sie bestätigt nur einen andern Irrtum von ihm, nämlich den,
Nach dem — durch eine Vermengung von Ursache und Wir-
kung, von Maßstab und Gemessenem — die Begriffe Tausch-
wert und Arbeit eine unbewußte Tautologie bilden und der
Tauschwert ohne weiteres als Synonym von Arbeit an-
gewandt wird.

Br
        <pb n="36" />
        IV.

Die Grundirrtümer der Marxschen
Problemstellung und ihre wesentlichen Ursachen.
8 1. Die Marxsche Auffassung und die Darstellung der Produkte

durch die Arbeit.

Wir haben im vorhergehenden Kapitel — bei Annahme
der Voraussetzungen, von denen Marx ausgeht, — einige der
logischen Widersprüche geprüft, die seine Lösung des uns
beschäftigenden Problems kennzeichnen.

Indem wir nun zu einer mehr aufbauenden Kritik über-
gehen wollen, werden wir ohne weiteres die Irrtümer, die
sich hinter diesen Voraussetzungen verstecken, und ihre Ur-
sachen nachzuweisen suchen.

Marx, wie übrigens die große Mehrheit der von ihm
bekämpften Oekonomisten, glaubte auch die wichtigsten
ökonomischen Vorgänge, die der Produktion inbegriffen,
nur durch den Begriff vom Tauschwert prüfen zu können.
Die unleugbare Wahrheit, daß in einer auf Arbeitsteilung
beruhenden Wirtschaft jedes Produkt nur dann. nutzbar
wird, wenn es verkauft werden kann, und andrerseits die
hiermit in Wechselwirkung stehende Tatsache, daß jeder
einzelne Betrieb, soweit er sein Produkt abzusetzen vermag,
ein in sich beruhendes Leben zu erlangen scheint, verleiteten
auch Marx dazu, von Anfang an das, was wir anderswo den
«Begriff der einzelnen Unternehmen» genannt haben, als
Ausgangspunkt und als Grundlage für seine Untersuchun-
gen zu nehmen. Nicht zufällig sind die ersten Seiten des
«Kapitals» gänzlich der Analyse des Tauschwertes gewidmet.

Aber bei der Bemühung., ein wenigstens scheinbar voll-
ständiges Bild der hauptsächlichsten ökonomischen Vor-
gänge, und besonders des kapitalistischen Ertrages für jede
einzelne Ware und bei jedem einzelnen Betrieb zu erhalten,
mußte Marx notwendigerweise zu einem Ausdruck zurück-
greifen, der, da er jedem Betrieb und jeder Ware gemeinsam
war, allgemeinen und synthetischen Charakter aufwies und

7
        <pb n="37" />
        — dd —
so den Glauben an die Möglichkeit einer Aufdeckung der
Grundgeheimnisse der Produktion bei den einzelnen Unter-
nehmungen aufrecht erhielt, abgesehen von den Unterschie-
den zwischen den einzelnen Waren.

Er glaubte, diesen gemeinsamen Nenner, diesen allge-
meinen Ausgleichsfaktor in der Arbeit zu erkennen, und
zwar aus zwei Hauptursachen:

Vor allem aus den technischen Gründen, die wir schon
angedeutet haben.

Da es unbestreitbar ist, daß allen wiederherstellbaren
Waren — d. h. dem größten Teil der Waren, mit denen die
politische Oekonomie sich beschäftigt, und auf jeden Fall
derjenigen, welche die verschiedenen sozialen Klassen un-
mittelbar interessieren, — die Tatsache gemeinsam ist, durch
Arbeit hergestellt worden zu sein, bot sich Marx die Arbeit
als zusammenfassender und vereinfachender Ausdruck, der
ihm auf direkteste und vollkommendste Weise das gesuchte
Bild zu liefern schien.

Andrerseits bot ihm ein solcher Ausdruck Vorteile, die
nicht durch den Umkreis bloß technischer, wenn auch noch
so wichtiger Probleme begrenzt sind.

Bevor er noch ein großer Oekonomist wurde, war er ein
gewaltiger, der Sache der Arbeiter ergebener Revolutionär.
Die Arbeit nun, diese charakteristische Funktion des Prole-
tariers, die den Maßstab, und mehr noch das «Wesen» des
Tauschwertes bildet und allein fähig ist, jeder Ware die
unerläßliche Erwerbsmacht zu verleihen, schien ohne wei-
teres, eben mit ihrem wunderbaren «fiat» und durch ein
immanentes ökonomisches Gesetz das Recht des Arbeiters
am sozialen Reichtum festzustellen.

Eine solche Feststellung erlangte dann eine besonders
große Wichtigkeit, weil ihre Voraussetzungen vor Marx
schon von dem größten Vertreter der klassischen englischen
Schule, von dem Bankier Ricardo, angenommen worden
waren. Die bürgerliche Oekonomie niederschlagen mit deren
eigenen Annahmen als Ausgangspunkt — das war ein pole-
Mischer Prozeß, der freilich der umwälzenden Dialektik
von Marx nicht mißfallen konnte.
$ 2. Die Marxzsche Auffassung und der Ersatz der Produkte

durch die Arbeit.

Es ist nicht unsere Absicht, jetzt den Irrtümern nach-
zuforschen — übrigens haben wir es in anderen Untersu-
chungen getan — die sich teils hinter der allgemeinen For-

At
        <pb n="38" />
        mulierung des von Marx aufgestellten Wertproblems, teils
hinter der Wahl der Arbeit als Maßstab und «Essenz» des
Wertes selbst verbergen.

Unser gegenwärtiger Zweck ist, zu beweisen, aus wel-
chen Gründen — nachdem die Marxschen Voraussetzungen
einmal festgelegt sınd — es unmöglich wird, eine zufrieden-
stellende Lösung der an die Einführung des technischen
oder fixen («konstanten» nach der Marxschen Terminologie)
Kapitals gebundenen Probleme zu finden, und daß umge-
kehrt eine derartige Lösung eine notwendige Folge unserer
entgegengesetzen Stellungnahme ist.

Für Marx ersetzt die Arbeit schließlich die Produkte,
nachdem er sie einmal zum allgemeinen Ausgleichsfaktor,
zum zusammenfassenden Symbol dieser Produkte selbst
erhoben hat.

Da die Produkte für die einzelnen Unternehmungen,
die sie gewinnen, nur. nutzbar sind, soweit sie einen Wert
besitzen, und da dieser Wert seinerseits proportional der
Arbeit ist, die sie gekostet haben, scheint nicht mehr das
Produkt und seine Menge, sondern die Arbeit und ihre
Größe in Betracht zu kommen.

Auf diese Weise überwiegt das Symbol schließlich die
Sache selbst, und der Begriff des Produktes wird durch den
der Arbeit ersetzt.

Da dann in dem Produktionsprozeß — ein Prozeß, der
seiner Definition nach Produkt-Mengen früher noch als Pro-
dukt-Vverte schafft — die (natürlich mit den technischen
Hilfsmitteln ausgestattete) Arbeit die Ursache und die Pro-
dukte die Wirkung bilden, führt die Annahme, daß die Arbeit
nicht nur Ursache der Produkte, sondern auch Ursache und
Maßstab ihres Wertes ist, praktisch dazu, der Ursache
(Arbeit) eine größere Bedeutung als der Wirkung (Produkt)
zukommen zu lassen, und sogar die Wirkung mehr und
mehr und allmählich gänzlich durch die Ursache aus-
drücken zu lassen. Auf diese Weise wird der Ersetzung der
Sache durch das Symbol die Ersetzung der Wirkung durch
die Ursache hinzugefügt und ein einziges Ganzes gebildet.
$ 3. Die Ersetzung der Produkte durch die Arbeit und deren

Irrtum.

Aber diese fortwährende Vertretung und Vertauschung
von Wirkung und Ursache bildet vor allem einen in sich
selbst schweren logischen Irrtum.

32
        <pb n="39" />
        — 034771 —

Jede Ursache ruft gewisse Wirkungen hervor, aber nach-
dem diese Wirkungen einmal bestimmt sind, und gerade
weil sie bestimmt sind, trennen sie sich und. erlangen eine
unabhängige Physiognomie. Einmal auf eigene Beine gestellt
streben sie ihrerseits danach, Ursache zu werden; sei es weil
sie selbst neue Wirkungen hervorbringen, sei es weil sie in
tausend Arten auf das, was anfangs ihre Ursache war,
zurückwirken.

In der speziellen Frage erscheint die Vertauschung von
Ursache (Arbeit) und Wirkung (Produkte) um so schwer-
wiegender, als sie mit einer andern Vertauschung, nämlich
der von Mittel und Zweck, zusammenfällt.

Der Endzweck der Menschen besteht in der Befriedigung
der eigenen Bedürfnisse. Die Produkte werden, soweit sie
dieser... Befriedigung dienen, selbst zu. Werkzeugen (Güter
zweiter Ordnung). Mit noch mehr Grund wird also die
Arbeit, durch die die Produkte gewonnen werden, zum
Werkzeug, und zwar niederen Ranges. Isoliert man in der
Kette die Arbeit von den Produkten, und prüft nur ihre Be-
ziehungen zueinander, darf man also behaupten, daß, wenn
die Produkte als direktes Gut betrachtet werden, die Arbeit
in bezug auf sie Werkzeug und Mittel ist.

In einer auf Arbeitsteilung beruhenden Gesellschaft pro-
duziert freilich jedes Unternehmen zum Verkauf und nicht
etwa um mit dem eigenen Produkt die Bedürfnisse der ent-
sprechenden Arbeiter, Angestellten und Kapitalisten direkt
zu befriedigen. Als unmittelbarer Zweck jedes. Unterneh-
mens ergibt sich weniger der, die Produkt-Quantitäten zu
erhalten, als vielmehr der, solche Produkte, die einen
bestimmten Mehrwert haben.

Das hängt jedoch gerade und nur von der Tatsache ab-
daß infolge der erwähnten Arbeitsteilung jedes Unternehmen
nur ein Produkt gewinnt, an dessen Konsum seine Mit-
glieder oft überhaupt keinen Anteil haben oder höchstens
— der Verschiedenartigkeit und dem Umfang ihrer Bedürf-
nisse gegenüber — mit einer unendlich kleinen Quote. Wenn
unter solchen Bedingungen jedes Unternehmen am Tausch-
wert des eigenen Produktes besonders interessiert ist, ist
diese Tatsache doch immer mit der andern verknüpft, daß,
je nach der größeren oder geringeren Höhe dieses Wertes
die «Quantität» der anderen Produkte größer oder geringer
wird, die es und seine Mitglieder sich verschaffen können,
sei es für die Anforderungen zur Fortführung der Produk-
tion, sei es für die eigenen persönlichen Bedürfnisse.
        <pb n="40" />
        Mit andern Worten, da bei Arbeitsteilung das Mittel,
mit dem jeder die Produkte der andern kaufen kann, der
Verkauf der eigenen Produkte ist, ist jedes Unternehmen am
Tauschwert von zwei entgegengesetzten und sich ergänzen-
den Richtungen aus interessiert: als Verkäufer des eigenen
Produktes zu hohem Tauschwert und als Käufer der Pro-
dukte der andern zu niedrigem Tauschwert. D. h. jedes Un-
ternehmen hat das Interesse, beim Austausch gegen die ge-
ringste mögliche Quantität des eigenen Produktes die größte
mögliche Quantität der Produkte der andern zu erhalten.

Abgesehen also von den durch die Arbeitsteilung und
dem daraus hervorgehendem Produktionssystem für den
Verkauf geschaffenen Verwicklungen, bleibt immer als
wahr bestehen, daß für die Menschen nicht die Arbeit —
einfach notwendiges Mittel — am dringlichsten ist, sondern
das Produkt und seine Quantität, der Zweck.

8 4. Die Ersetzung der Produkte durch die Arbeit und das
Problem des technischen Kapitals.

Einige Marxisten werden glauben, uns der Spitzfindig-
keit zeihen zu können, und feststellen, daß Marx nur von
Arbeit anstatt von Produkten spricht und diese durch jene
darstellt, soweit er sie auf eine bestimmte soziale Organisa-
tion bezieht und sie daher als mit Wert ausgestattete Waren
betrachtet (und zwar mit einem Wert, der — nach der Ricar-
doschen und seiner eigenen Theorie — nur durch die Arbeit
gemessen werden kann).

Aber gerade dieser Anspruch, daß die Arbeit nicht nur
Ursache der Produkte, sondern auch «Ursache» und Maß des
Tauschwertes sei, ist es, der u. a. den schweren Mißstand
schafft, von dem wir sprechen. Der Einwand eines Marxisten
dieses Typus erklärt wohl den Ursprung eines derartigen
Mißstandes, aber dessen logische Grundlage und_ Folgen
kann er gewiß nicht rechtfertigen.

Wir selbst haben mehrmals die scheinbaren Vorteile an
Einfachheit und Augenscheinlichkeit zugegeben, die. dem
Marxschen System durch die doppelte Funktion, die die Ar-
beit darin zu vollziehen hat, verliehen werden: die Funktion
als Ursache der Produkte und die Funktion als_«Ursache»
und Maßstab des Tauschwertes. Y

. Aber wenn es überhaupt ein Problem gibt, das beweist,
Wle rein illusorisch diese Vorteile sind, und wie das System,
1) Vergleiche unser «Preis und Mehrpreis» etc. Seite 172-173.

35
        <pb n="41" />
        zz 30 —
das sie sicher zu stellen scheint, — durch denselben Mecha--
nismus, der ihnen als Voraussetzung dient, — zu schweren
Irrtümern und unentwirrbaren Komplikationen führt, so
ist es gerade dasjenige, mit dem wir uns eben beschäftigen.

Welches ist, um die Frage ın ihren wesentlichsten Punk-
ten zusammenzufassen, unbeschadet einer späteren ins Ein-
zelne gehenden Untersuchung, der tatsächliche Grund, aus
dem Marx annimmt, daß das technische (konstante) Kapital
keinen Mehrwert zuläßt? — Sein Hauptgrund ist genau
gesprochen folgender: da er sich daran gewöhnt hat, die Pro-
dukte nicht in sich selbst, sondern durch das Medium der
Arbeit zu betrachten und darzustellen, sieht er nur unter der
Form der Arbeit, anstatt unter der Form der Produkte, auch
die Phänomene der Produktion dieser Produkte und ihrer
Verteilung zwischen Arbeitern und Kapitalisten.
$ 5. Die Produkte und nicht die Arbeit als Gegenstand der

Verteilung und des sozialen Kampfes.

Eben weil die Produkte den Zweck und die Arbeit das
Mittel bilden, sind sie und nicht die Arbeit der wirkliche
und endgültige Gegenstand sei es der Produktion, sei es des
Klassenkampfes: auf dem Gebiet der Verteilung. Nachdem
die Arbeit einmal den Produkten zum Leben verholfen hat,
ist sie für immer verbraucht. Es bestehen nur noch ihre
Ergebnisse, die Produkte, und diese werden Gegenstand der
Aufmerksamkeit und des Streites.

Auch wenn der Arbeit in gewissem Sinn noch Rechnung
getragen wird, nachdem sie ihre Wirkungen ausgeübt hat,
geschieht das nicht bei Betrachtung der Vergangenheit, son-
dern bei Betrachtung der Zukunft, nicht weil sie bestimmte
Produkte hervorgebracht hat, sondern weil man ihr die Mög-
lichkeit zur Gewinnung neuer Produkte geben und zu die-
sem Zweck natürlich ihre Potentialität wieder herstellen will.

Uebrigens wird die Arbeit unter diesem Gesichtspunkt
— wie wir schon in unserm «Preis und Mehrpreis» etc.
S. 106/110 bewiesen haben — von der gegenwärtigen sozialen
Organisation nicht als abstrakte Energieanwendung betrach-
tet, die voll ausgewertet und sozusagen ganz auf die
Produkte übertragen werden kann — wie die Marxsche
Theorie möchte — sondern als eine Energieanwendung, die
nur bezahlt wird, soweit die Marktgesetze und die Grund-
bedingungen der kapitalistischen Wirtschaft es erlauben.

Gewiß, für diejenigen, die nur durch Verkauf der
eigenen Arbeitskraft leben können, ist auch dieses Problem
        <pb n="42" />
        eng an die Arbeit gebunden. Da für sie die erste Frage ist,
wieviel sie im Tausch gegen die eigene Arbeit erlangen
können, wird der sie unmittelbarer interessierende Gegen-
stand, das Verhältnis zwischen der Arbeitsquantität, die sie
hergeben müssen und dem durch diese Arbeit erlangten
Unterhalt.

Aber wir denken in keiner Weise daran, eine so einfache
Wahrheit zu bestreiten. Wenn wir sagen. daß die Arbeit
das Mittel und die Produkte der Zweck sind, leugnen wir
ihr Verhältnis nicht: sondern wir streben nur danach, des-
sen Charakter und Tragweite genau festzustellen. Dem, der
zum Verkauf der eigenen Arbeitskraft gezwungen ist, liegt
die Vergütung, die er dafür empfängt gerade deswegen so
sehr am Herzen, weil diese Vergütung und schließlich die
Produkte, in die sie aufgelöst wird, den wahren Endzweck
bildeu, auf den hin er den Verkauf vollzogen hat.

Nehmen wir eine sinnlose, aber zur besseren Klärung
unseres Gedankes nützliche Hypothese an: die Güter (Pro-
dukte), mit denen die Politische Oekonomie sich beschäftigt,
könnten von der Natur den Menschen, ohne deren Mitwir-
kung geliefert werden und zwar in Quantitäten, die sich
automatisch wiederherstellen, aber immer begrenzt sind.
Die auf ökonomische Zwecke gerichtete Arbeit würde der
Definition nach nicht mehr vorhanden sein. Und doch bliebe
der Kampf zwischen den Menschen um die Verteilung die-
ser Produkte bestehen. Die Tatsache also, daß der Streit um
die Verteilung der Produkte auch dann fortdauern würde,
wenn es keine Arbeit mehr gäbe, bildet — abgesehen von
dem etwas albernen Charakter der Hypothese — eine Bestä-
tigung für die Ueberlegenheit, die die Produkte — in ihrer
Eigenschaft als «Zweck» — gegenüber dem einfachen «Mit-
tel» Arbeit innehaben, wenn dieser auch die ganze Bedeu-
tung, die ihr in Wirklichkeit zukommt, zugestanden wird.
$ 6. Die Ersetzung der Produkte durch die Arbeit und die
Unproduktivität des «konstanten» Kapitals an Mehrprodukt

und an Mehrwert.

Kehren wir nun zum technischen oder fixen («konstan-
ten» nach der Marxschen Terminologie) Kapital zurück:
kurz zuvor haben wir behauptet, der wesentliche Grund,
aus dem Marx annimmt, daß dieses Kapital keinen Mehr-
wert ergibt, besteht in der Tatsache, daß er schließlich —
von der eigenen Werttheorie verführt — die Phänomene
der Produktion und der Verteilung unter der mittelbaren

27
        <pb n="43" />
        Form der Arbeit anstatt unter der. unmittelbaren Form der
Produkte betrachtet hat. Für ihn besteht der Mehrwert tat-
sächlich nur in der Form. der sozusagen kristallisierten
Mehrarbeit. Und da die Mehrarbeit — wie übrigens auch die
notwendige Arbeit — ihrer Definition nach vom Menschen;
und nur vom Menschen geleistet. werden kann, und nicht
von einer unbeseelten Sache wie eine Maschine, wird diese,
da sie zu keiner Mehrarbeit gezwungen werden kann, auch
unfähig, einen Mehrwert zu schaffen.

Wenn man hingegen die Produkte an sich betrachtet,
ist es einleuchtend, daß, falls eine bestimmte Arbeitsquantität
Zusammen mit einer bestimmten Maschine eine Summe von
Produkten ergibt, die nicht geringer, sondern sogar immer
größer ist als diejenige, die man vorher mit einer größeren
lebendigen Arbeitsquantität erhielt, die Bedingungen — an
den Produkten selbst gemessen — nicht nur unverändert
bleiben, sondern besser werden. Die absolute Größe der
Mehrarbeit ist verringert, weil die Zahl der der Mehrarbeit
gewidmeten Arbeiter infolge Ersetzung eines Teiles von
ihnen durch die Maschine herabgesetzt worden ist. Und doch
ist das, worauf es ankommt, die Quantität der Produkte, kon-
stant geblieben, ja Sogar vermehrt worden.

Ein typischer Marxist wird auch hier eine Erörterung
versuchen können, die der von uns weiter oben gemachten
analog ist. Er wird sagen können, daß Marx, da für die
einzelnen Unternehmungen die entsprechenden Produkte
Nur in Betracht kommen, wenn. sie einen Tauschwert be-
sitzen, die sei es von der notwendigen, sei es von der Mehr-
arbeit geschaffenen Produkte nicht unter der Gattung
«Quantität», sondern unter der Gattung Wert betrachtet.
Und da nach seiner Werttheorie die aus der Mehrarbeit ent-
stehenden Produkte nur einen Wert haben nach Maßgabe
der Größe dieser Mehrarbeit. konnte er nicht zugeben, daß
Produkte, deren Quantität zwar gleich groß oder größer
War, denen jedoch eine geringere Mehrarbeit entsprach,
einen ebenso großen Mehrwert wie vorher darstellen.

Unsere Antwort ist jedoch auch hier sehr leicht und
analog derjenigen, mit der wir dem früheren Einwand begeg-
neten. Wir denken durchaus nicht daran, zu bestreiten, daß
Marx es verstanden hat, mit großartigr Logik die notwen-
d’gen Schlußfolgerungen aus seinen Voraussetzungen zu
ziehen. Wir sagen. nur, daß die Ungeheuerlichkeit dieser
Schlußfolgerungen der beste Beweis für die Irrtümlichkeit
jener Voraussetzungen ist. Wenn die Theorie, nach der der
Tauschwert durch die Arbeit entsteht, die Wirkung hat, daß

38
        <pb n="44" />
        ein Teil derjenigen Produkte, die vorher den Kapitalisten
den Profit sicherten, zu verschwinden scheint, und zwar nur
durch die Tatsache, daß er anstatt mit Lohnkapital mit
technischem oder fixem Kapital gewonnen worden ist, kann
es da ein noch schwerwiegenderes Argument geben, um zu
dem Schluß zu gelangen, daß eine Werttheorie die zu der-
artigen Resultaten führt, in ihren Grundvoraussetzungen
verfehlt ist?

8 7. Die Ersetzung der Produkte durch die Arbeit und die Be-

trachtung der einzelnen Unternehmungen.

Wir haben die zweifellos direkteste Ursache der Marx-
schen Irrtümer in der uns interessierenden Frage untersucht.
Aber gleichzeitig hat eine andere Ursache mitgewirkt, die
nicht mehr die Werttheorie, wie sie von Ricardo und Marx
formuliert worden ist, an sich betrifft, sondern ganz allge-
mein den Begriff der Beziehungen von Werttheorie — wel-
che es auch immer sein möge — zur Gesamtheit der ökono-
mischen Phänomene.

Wir haben in den vorhergehenden Arbeiten nachgewie-
sen, daß, wenn auch die Auffassung von den einzelnen Unter-
nehmungen — die in einer auf Arbeitsteilung beruhenden
Gesellschaft ihrer Definition nach und als Voraussetzung für
die Betrachtung des Tauschwertes von Bedeutung ist — zur
Prüfung vieler und äußerst wichtiger ökonomischer Vor-
gänge unerläßlich ist, es doch andere gibt, für die die Auf-
fassung von der Gesamtheit der Unternehmungen — d. h.
diejenige Auffassung für welche die Waren als Produkte in
ihrer Gesamtheit abgesehen vom Wertbegriff betrachtet wer-
den — in gleichem Maße notwendig ist.

Einer der Vorteile der zweiten Auffassung ist nun
gerade der, daß sie — gerade weil sie vom Tauschwert ab-
sieht — dazu führt, die Produkte in ihrer quantitativen
Wirklichkeit zu betrachten und hiermit vor der Gefahr be-
wahrt, durch deren allmähliche Darstellung aus dem Wert
— aus irgend einem Irrtum in der Werttheorie — irgend
einen Teil jener Quantitäten unter den Augen verschwinden
zu lassen, deren tatsächliches Vorhandensein mit dieser
Auffassung vorher vergewissert worden war.

Es ist wahr, daß Marx selbst — der im ersten Band
vom «Kapital» geglaubt hatte, alle wirtschaftlichen Phäno-
mene nur mit der Betrachtung der einzelnen Betriebe beherr-
schen zu können — dann im dritten Band auch zur Betrach-
tung der Gesamtheit der Betriebe zurückgekommen ist. Aber
abgesehen davon. daß er dies nur sporadisch und zufällig

39
        <pb n="45" />
        — 240 —
getan hat, hat er sich dieser Methode nur dazu bedient, um
damit zu beweisen, daß seine eigene Werttheorie, trotz der
notwendigerweise eingeführten Korrekturen, grundsätzlich
als richtig bestehen bleibt. Da nun diese Theorie auf einer
Darstellung der Produkte durch die Arbeit beruhte und be-
ruht, mußte er, um zu seinem Ziel zu gelangen, diese Auf-
fassung auch dann aufrecht erhalten, als er sich auf die Ge-
samtheit der Betriebe bezog. Auf diese Weise hat er den gan-
zen Vorteil eingebüßt, der ihm von dem Neuen, provisorisch
angewandten Gesichtswinkel kommen konnte, und der darin
hätte bestehen müssen, ihn dazu zu führen, die Produkte
außerhalb des Bereiches der Arbeit, direkt zu betrachten,
und zuzugeben, daß gerade ihre Darstellung durch die Arbeit
Schuld daran war, wenn er nicht gesehen hatte und nicht sah,
daß das neue technische Kapital tatsächlich eine Masse von
Produkten hervorgebracht hatte, die nicht kleiner, sondern
eher größer ist als die Produktenmasse, die ‚mit dem von
ihm ersetzten Teil des Lohnkapitals erreichbar war.

Marx konnte also — in unverzeihlicher Weise von sei-
nen eigenen Voraussetzungen voreingenommen — seine
verspätete Zuflucht zum Begriff von der Gesamtheit ‚der Be-
triebe nicht ausnutzen, um seinen Irrtum von der Betrach-
tung der Arbeit anstatt der Produkte zu berichtigen, und
zuzugeben, daß das technische Kapital eine Quantität Pro-
dukte liefert, die der des von ihm ersetzten Lohnkapitals
zum MmMindesten nicht nachsteht. Er hat ganz im Gegenteil
an diesem Irrtum festgehalten und sich der angedeuteten
Auffassung — wie wir weiter oben festgestellt haben — zu
dem einzigen und begrenzten Zwecke bedient, zu beweisen,
daß die Einführung des technischen Kapitals — obwohl sie
einer Verringerung der Mehrarbeit und somit des Mehr-
wertes Raum gibt, und obwohl dies eine Modifikation aller
früheren auf Grund der Arbeit bemessenen Tauschwerte
bedeutet — trotzdem der Theorie nicht widerspricht, nach
welcher der Wert durch die Arbeit bestimmt wird.
        <pb n="46" />
        SA SWS WAS ZS EZ SWZ SID
Die Wirkungen der Anwendung des technischen Ka-
pitals bei Betrachtung der Gesamtheit der Betriebe
(in bezug auf die Kapitalisten und bei unverän-
derter Quantität der Produkte).
$ 1. Die Marxsche Darstellung und die Veränderung der Pro-
duktquantität und der Arbeit in entgegengesetztem Sinn.

Im vorhergehenden Kapitel haben wir summarisch die
allgemeinen Gründe für die Irrtümer auseinandergesetzt, die
in der Marxschen Stellung des uns beschäftigenden Problems
enthalten sind.

Wir müssen nun zu einer genaueren Analyse übergehen,
um zu beweisen, wie es möglich ist, nur durch Vermeidung
dieser Irrtümer von Anfang an, eine genaue Fragestellung
zu geben und so eine annehmbare Lösung zu erhalten.

Wie schwer auch, unserer Meinung nach, die von uns
bisher gemachten Betrachtungen wiegen mögen, ein soge-
nannter Marxist wird immer noch glauben können, daß es
sich mehr um Sofistereien als um sonst etwas handelt, und
daß, da Produkte und Arbeit gegenseitig auswechselbare Be-
griffe sind, es auf jeden Fall erlaubt bleibt, die einen durch
die andere darzustellen, sei es auch erst, nachdem die
Grundzüge des getroffenen Uebereinkommens besser geklärt
worden sind.

Die Natur der gegenwärtigen Untersuchungen selbst lie-
fert uns jedoch einen weiteren unwiderlegbaren Einwand,
der wegen seines analythischen Charakters im vorigen Kapi-
tel nicht untergebracht werden konnte.

Man kann schließlich auch zugeben, daß — abgesehen
von den logischen Irrtümern, die, wie wir gesehen haben,
einem derartigen Vorgehen eigentümlich sind, — in einem
bestimmten Augenblick und bei einem bestimmten Zusam-
mentreffen wirtschaftlicher Erscheinungen und deren Be-
ziehungen die Produkte durch Arbeitsbegriffe ausgedrückt
werden.

Solange jener Augenblick dauert und jenes Zusammen-
treffen vorhält, können die Schäden einer so mittelbaren

V.
        <pb n="47" />
        Br
und indirekten Anschauungsweise — nach einer von uns
nicht geteilten Hypothese — relativ vernachlässigt werden.

Aber es genügt, daß jener Augenblick vorübergeht und
die ökonomischen Bedingungen, die ihn kennzeichnen, sich
in einem bestimmten Sinn verändern, um durch die Ablei-
tung der Produkte aus der Arbeit die in den Produktquan-
titäten stattgefundenen Veränderungen nicht mehr erklären
zu können.

Nehmen wir z. B. an, daß aus irgend einer Ursache Pro-
dukte und Arbeit sich in entgegengesetztem Sinn verändern
oder genauer, daß die Ouantität der Produkte sich im Ver-
gleich zu der früheren vergrößert oder konstant bleibt, woge-
gen die Arbeitsquantität entsprechend abnimmt. Dann wird
die Erklärung aus der Arbeit danach trachten, die neue
Wirklichkeit sowohl der Produktquantitätn wie der Produkt-
werte zu verbergen.

Die Tatsache allein, daß die absolute Arbeitsquantität
verringert ist, macht die Erkenntnis schwer, ja, verhindert
sogar, daß trotzdem die Produktquantität entweder absolut
oder wenigstens relativ vermehrt wird.

Wenn auch durch die Auffassung ferner, daß die Ar-
beitsquantität nicht nur die Produkte darstellen, sondern
direkt ihren Tauschwert bestimmen kann, jener Teil der
Produkte, dem eine geringere Gesamtarbeit und eventuell
gar keine Mehrarbeit entspricht, infolge einer so indirekten
Darstellung wie die von uns bekämpfte, nicht verborgen
bleibt, so scheint er doch einen geringeren Wert und gar
keinen Mehrwert zu besitzen und daher für den Verkauf
weniger verwertbar oder direkt nutzlos zu sein.

Wir werden in anderen Untersuchungen sehen, daß die
Ableitung der Produkte aus der Arbeit die stattgefundenen
Veränderungen und deren Folgen — wie mittelbar auch im-
mer — auf den Mehrwert nur dann überträgt, wenn diese
Veränderungen in eine Verringerung oder Vermehrung der
an der Arbeit gemessenen Kosten der Lohnwaren, und zwar
nur dieser übertragen werden.

Die Einführung des festen Kapitals und deren Folgen
bestätigt gerade die allgemeine Regel, die wir angedeutet
haben. Es löst sich tatsächlich schließlich in eine Vermin-
derung der lebenden Arbeit und in eine entsprechende —
absolute oder, relative — Vermehrung der Produktmenge,
d. h. in eine Veränderung in entgegengesetztem Sinn des
Größenverhältnisses beider Quantitäten auf. Und gerade des-
wegen vermag die Marxsche Ableitung aus der Arbeit, d. h.
aus _dem kleiner gewordenen Element, die wirkliche Ver-

1°
        <pb n="48" />
        änderung in entgegengesetzter Richtung d. h. die in dem
anderen Element, dem Produkt, stattgefundene Vermehrung
nicht klar zum Ausdruck zu bringen.

Wir werden das Problem erst durch Anwendung des
Begriffes von der «Gesamtheit der Unternehmungen» und
dann desjenigen von den «einzelnen Unternehmungen»
prüfen, Für alle beide werden wir übrigens die Erscheinun-
gen sowohl vom Standpunkt des Unternehmers wie vom
Standpunkt des Arbeiters aus betrachten.

$ 2. Die Marxsche und unsere Darstellungsweise.

Wir beginnen also von dem Standpunkt der Unterneh-
mer aus und wenden ihn vor allem für die Auffassung von
der Gesamtheit der Unternehmungen. an.

Der größeren Einfachheit halber nehme man an, daß es
fünf Produktionszweige und Betriebe gibt, daß die ersten
drei (I, II, IV zur Gewinnung der Produkte für den aus-
schließlichen Konsum der Arbeiter dienen und die beiden
letzten (IV, V) für den ausschließlichen Konsum der Kapi-
talisten, daß das in iedem Zweig-Betrieb vorgestreckte Ka-
pital nur aus Lohnkapital gebildet wird und schließlich daß
in jedem der fünf Zweige oder Betriebe 6 Arbeiter angestellt
sind und daß der Arbeitstag 10 Stunden dauert, während
die tägliche Produktion aus 100 Einheiten des jeweiligen
Produktes und die Kosten aus 60 Einheiten (auf 300 Einhei-
ten der insgesamt verfügbaren Lohnprodukte) bestehen.

Man kann die Lage in folgendem Bild zusammenfassen:

zZ | „es 203 zES ı=5s
 ISE81 E55 lasz! SD
ZWEIGBETRIEBE (SEE SER SEE 582
ER 752 5
_- D (J 60 60' 100
Für die den Arbeitern be- SR
. stimmten Produkte 6 10 60 60! 100 |
11 | 6 10 60 60! 100
7 Für die den Kapitalisten 56 0 60‘ 60! 100
V bestimmten Produkte _ nn x vol 100°
Gesamtsumme | 30 ! -. 2y0 ll 300 ' 0
{

43
        <pb n="49" />
        44 —_

Unter dieser Bedingung würde für Marx — der, wie wir
seinerzeit gesehen haben, auch die Betrachtungsweise der
«Gesamtheit der Betriebe» ausnahmsweise und zu beson-
deren und irrtümlichen Zwecken, aber stets mit Bezug auf
die Ableitung aus der Arbeit zugegeben hat — die tägliche
Gesamtproduktion durch 300 Arbeitsstunden (60 Stunden X
5 Betriebe) repräsentiert werden; die Gesamteinnahme der
30 Arbeiter durch 180 Arbeitsstunden (60 Stunden X den 3
mit der Gewinnung der Lohnprodukte beschäftigten Be-
triebe) und die Gesamteinnahme der 5 kapitalistischen Unter-
nehmer durch 120 Stunden kollektiver Mehrarbeit (60 Stun-
den, den 2 übrigen Betrieben). *)

Für uns hingegen besteht die tägliche Gesamtproduktion
direkt aus den 500 Einheiten der 5 verschiedenen Produkte,
die tägliche Gesamteinnahme der 30 Arbeiter aus den 300
durch die ersten 3 Betriebe (kollektives notwendiges Produkt)
gewonnenen Einheiten, und die tägliche Gesamteinnahme
der 5 kapitalistischen Unternehmer aus den 200 durch die
andern beiden Betriebe gewonnenen Einheiten (kollektives
Mehrprodukt). *)

Nehmen wir nun an, daß in dem Betrieb V, 30 auf 60

1) Um den Vergleich mit unserer Art der Auffassung von
dem Kollektiv-Phänomen zu erleichtern, — eine Auffassung, die
den Verzicht auf jeden Begriff und auf jede Beihilfe des Tausch-
wertes in sich schließt, — erkennen wir hier Marx eine vollkom-
menere Auffassung von der Gesamtheit der Betriebe zu, als er
tatsächlich gehabt hat. Marx hat diese Auffassung, auch wenn
er sie zufällig einmal vertreten hat, niemals radikal von der ganz
anders gearteten Darstellungsweise durch einzelne Betriebe los-
lösen können. Er mißt daher die Gesamteinnahme der Kapita-
listen nicht an der Summe der gesamten nur in denjenigen Un-
ternehmen angewandten Arbeit, die ihre Konsumprodukte gewin-
nen, Sondern an der Summe der Mehrwerte, von denen er glaubt,
daß sie sich bei allen einzelnen Unternehmen in vollständiger
Weise bilden. Mit andern Worten: die kollektive Mehrarbeit
ergibt sich für ihn nicht aus der Summe aller, nur in denjenigen
Betrieben angewandten Tage, welche die Konsumprodukte der
Kapitalisten gewinnen, sondern aus der Summe desjenigen Tei-
les des ganzen Tages, der sich hei jedem einzelnen Betrieb —
welches auch die Bestimmung des kollektiven Produktes sein
möge — in vollständiger Weise in entsprechende Mehrarbeiten
von Einzelnen oder von Gruppen auflösen würde.

2) Man vergleiche unsere Untersuchungen: «Preis und Mehr-
preis und ihre Beziehungen zu Konsumenten und Arbeitern»,
besonders die Seiten 16-19.
        <pb n="50" />
        Einheiten des bisherigen Lohnkapitals in technsiches Kapital
(eine Maschine) umgewandelt worden sind, daß man mit
dem so in seiner Zusammensetzung modifizierten Gesamt-
kapital ebensoviel Produkte wie bisher erhalten kann (100
Einheiten), daß das neue technische Kapital: — wenigstens
in dem von uns betrachteten Zeitabschnitt — sich überhaupt
nicht verbraucht, und daß von den 6 früheren Arbeitern
die 3 durch die Maschine ersetzten arbeitslos bleiben.

Infolge dieser letzteren Tatsache werden die 30 Einhei-
ten Lohnprodukte, die vorher zum Unterhalt der jetzt be-
schäftigungslosen 3 Arbeiter notwendig waren, überzählig;
und dieser Umstand wird schließlich eine neue Verteilung
dir Arbeitsstunden und Produkte in den Betrieben I-III zur
Folge haben. Der größeren Einfachheit halber wollen wir
jedoch für den Moment von dieser weiteren Entwicklung
absehen und die Dinge betrachten, bevor sie auch nur Zeit
gefunden hat, einzusetzen, geschweige denn zu reifen.

Die neue Sachlage kann in folgendem Bild zusammen-
gefaßt werden:

äs = 365 göwie

255 228 355 ‚SE3229 Sa2

Zweigbetriebe SE 52 | 335 1ESSE5 82

5 388 573 (9EE85 "SM

* Ga — 5 SD S-

5 19 60 60 100

6 10! 60 | 60 z 100

5 10 60 60 „ 100

‚9! 60 60 100

+ es wo . 100

Gesamtsumme | 27 270 270 500
N Unter diesen Bedingungen würde für Marx die gesamte
tägliche Produktion durch 270 Arbeitsstunden ausgedrückt
werden (30 weniger als früher, als auch in Betrieb V 60 an-
statt 30 Arbeitsstunden gearbeitet wurden), die Gesamtein-
nahme der 27 (nicht mehr 30) Arbeiter wie früher durch 180
Arbeitsstunden (60 Stunden X den 3 mit der Gewinnung
der Lohnprodukte beschäftigten Betrieben), und die Gesamt-

45
ne
z ; /
        <pb n="51" />
        einnahme der 5 kapitalistischen Unternehmer durch 90
Stunden von den Betrieben IV-V gelieferte kollektive Mehr-
arbeit (30 Stunden weniger als vorher, als im Betrieb V6
anstatt 3 Arbeiter beschäftigt waren und 60 anstatt 30 leben-
dige Arbeitsstunden gearbeitet wurde). *)

Für uns hingegen würde wie vorher die tägliche Gesamt-
produktion direkt aus den 500 Einheiten, die Gesamteinnah-
me der 27 Arbeiter aus den 300 von den Betrieben I-III
gewonnenen Einheiten (kollektives notwendiges Produkt)
und die Gesamteinnahme der kapitalistischen Unternehmer
aus den 200 von den beiden übrigen Betrieben gewonnenen
Einheiten (kollektives Mehrprodukt) gebildet werden.

Wie man also sieht, erscheint die Gesamteinnahme der
Kapitalisten, wenn sie — wie bei Marx — durch die Mehr-
arbeit ausgedrückt wird, nur durch die Tatsache verkleinert,
daß im Betriebe V infolge der Einführung des technischen
Kapitals die Hälfte der lebendigen Arbeit ersetzt worden ist,
wogegen sie, wenn sie direkt durch die Produkte ausgedrückt
wird, in die sie sich tatsächlich auflöst, unverändert bleibt,
und zwar durch die einfache Tatsache, daß man mit gerin-
gerem Lohnkapital und neuem technischem Kapital. die
gleiche Produktquantität wie früher erhalten kann.

1) Auch hier schreiben wir Marx eine vollkommenere Ein-
Stellung — in bezug auf die Darstellung der Wirkungen des tech-
Nischen («konstanten») Kapitals auf die gesamte Mehrarbeit. —
zu, als er in Wirklichkeit eingenommen hat. Wir setzen so zur
größeren Bequemlichkeit der Vergleiche .die Fiktion fort, die
wir weiter oben vereinbart hatten, bevor wir die Anwendung
des technischen Kapitals betrachtet haben. Man darf jedoch nie
vergessen, daß Marx tatsächlich, auch wenn er für einen Augen-
blick die Auffassung von der Gesamtheit der Betriebe annimmt,
sich doch nie endgültig von dem Werthegriff befreit,. sondern
sich im Gegenteil seiner immer weiter ‘bedient, in der Illusion,
das einzelne Produkt und die besondere Art Arbeit jedes Betrie-
bes in vollständige Produktion und in ebenfalls vollständige not-
wendige und Mehrarbeit verwandeln zu können. Jedoch — wie
wir in ‚der vorhergehenden Anmerkung festgestellt haben, —
versteht er, auch wenn er von Mehrarbeit der ganzen Arbeiter-
klasse spricht, darunter nicht nur und nicht die ganze Arbeit
desjenigen Teils der Arbeiterklasse, der die für die Kapitalisten-
klasse bestimmten Produkte gewinnt, sondern die Summe der
von jedem einzelnen und von allen Arbeitern gelieferten Mehr-

arbeiten, welches auch immer die Bestimmung des von ihnen
Sewonnenen Produktes sei.

4r
        <pb n="52" />
        nd 4 | in
8 3. Weitere Entwicklung.

Der größeren Vollständigkeit halber müßte man jetzt
sowohl das definitive Schicksal der 3 infolge Einführung der
Maschine überzählig gewordenen Arbeiter von Betrieb V, wie
die allgemeinen Wirkungen, die deren Schicksal auf die Ge-
samt-Produktion ausübt, untersuchen. Aber da ein derar-
tiges Problem nur indirekt mit der uns näher interessieren-
den Frage zusammenhängt, mögen einige kurze Andeutun-
gen genügen.

Wenn man annimmt, daß die betreffenden Arbeiter für
immer arbeitslos bleiben und z. B. auswandern müssen,
kann die oben als Voraussetzung der Untersuchung von den
Folgen, die sich unmittelbar aus der Anwendung des tech-
nischen Kapitals ergeben, angenommene Situation sich voll
auswirken. Die Produktion der Betriebe I-III wird um die
Einheiten der Lohn-Produkte (30), die von den 3 unbeschäf-
tigt gebliebenen Arbeitern nicht mehr nachgefragt werden,
verringert werden müssen, d. h. sie muß von 300 auf 270
Einheiten abnehmen. Nimmt man an, daß diese Verringerung
des Produktes weder von einer Verringerung der entspre-
chenden Arbeiterzahl, noch der von ihnen geleisteten Ar-
beitsstunden begleitet wird, so wird sich die Gesamteinnah-
me der 27 Arbeiter aus den 5 Betrieben umgekehrt verhalten
wie die Gesamteinnahme der 5 Kapitalisten. In Arbeitsstun-
den ausgedrückt bleibt sie konstant, während sie in Pro-
dukten ausgedrückt. abnimmt (von 300 auf 270 Einheiten). *)

Wenn man hingegen annimmt, daß die 3 augenblicklich
arbeitslosen Arbeiter von demselben Betrieb V wieder auf-
g nommen werden können, in dem das technische Kapital
eingeführt worden ist, so bleiben die Bedingungen ‚der Be-
triebe I-I11 unverändert; aber in der Kollektiv-Einnahme der
5 kapitalistischen Unternehmer tritt eine Verschiebung ein.

In Arbeitsstunden ausgedrückt wird diese Einnahme,
die vorher herabgesetzt schien (von 120 auf 90 Stunden) von
dem Augenblick an, in dem mit der Wiederaufnahme der
3 vorher entlassenen Arbeiter in den Betrieb V die entspre-

1) Wir sind wegen den Minimalziffern, die wir der Einfach-
heit halber annehmen mußten, zu dieser Hypothese gezwungen.
In Wirklichkeit führen derartige Verschiebungen zu viel kom-
plizierteren und tieferen Modifikationen, da sie für eine weit
größere Anzahl Arbeiter und unendlich viel größere Produkt-
mengen stattfinden. Der Kürze halber sind wir hier trotzdem
DON deren Feststellung im Verlauf dieser Arbeit zu vernach-

ässigen.

59
        <pb n="53" />
        Een 48 ©

chende lebendige Arbeit (30 Stunden) aufs neue wirksam
ist, scheinbar ihren ehemaligen Umfang, nämlich 120 Stun-
den, annehmen. Umgekehrt’ ergibt sich, daß die gleiche Ein-
nahme, in Produkten ausgedrückt, die früher unverändert
war, unter den neuen Bedingungen gewachsen ist. Tatsäch-
lich wird infolge der Wiederaufnahme der 3 Arbeiter von
Seiten des Betriebes V, — angenommen, daß deren Produk-
tivität unverändert geblieben ist, — die, Produktquantität
für die Kapitalisten, die in Betrieb IV 100 bleibt, in Betrieb V
ceteris paribus von 100 auf 150 steigen. Insgesamt werden
also die den Kapitalisten bestimmten Einheiten von 200 auf
250 anwachsen.
        <pb n="54" />
        Die Wirkungen der Anwendung des technischen
Kapitals bei Betrachtung der einzelnen Betriebe
(in bezug auf die Kapitalisten und bei unverän-
derter Produktquanftität).
$ 1. Die Marxsche Darstellung.

Im vorhergehenden Kapitel haben wir das notwendige
Produkt und das Mehrprodukt für die «Gesamtheit der Be-
triebe» betrachtet, d. h. die Gesamtheit der Produktquanti-
täten abgesehen von jedem Tauschwertbegriff.

Da wir nunmehr jedoch zur Betrachtung der «einzelnen
Betriebe» übergehen müssen, die ihrer Definition nach die
Mitwirkung des Wertes einbegreift, wollen wir zunächst
vorausschicken, daß wir in diesen und den foglenden Ana-
lysen immer von der. Annahme ausgehen werden, daß die
Produktion sich nur bei zwischen den "Unternehmern herr-
schender Konkurrenz abwickelt und daher die andere Hypo-
these, nach ‘der sie sich unter vollständiger oder teilweiser
Monopolherrschaft abwickelt, systematisch vernachlässigen.

Da Marx tatsächlich in seinen Untersuchungen nur den
Fall der Konkurrenz in Betracht zieht, können wir die Un-
terschiede, die in Bezug auf das besondere Problem des tech-
nischen Kapitals zwischen unserm und seinem System beste-
hen, nicht genau hervorheben, wenn wir nicht zum größten
Teil von den gleichen Voraussetzungen ausgehen. Es wird
jedoch unsern Lesern nicht schwer fallen, diese Lücke durch
Anwendung der Schlußfolgerungen, zu denen wir gelangen
werden, auf die Hauptgrundsätze der totalen oder teilweisen
Monopolherrschaft, wie wir sie in unserm «Preis und Mehr-
preis» auseinandergesetzt haben, auszufüllen.

Wie wir in Kapitel IV erwähnt und in einer früheren
Untersuchung ausführlicher nachgewiesen haben, ist die Ri-
cardo-Marxsche Werttheorie und mehr noch die Marxsche
Mehrwerttheorie aufs engste an die Illusion gebunden, bei
jedem einzelnen Betrieb den gesamten Gewinn des betref-

VI
        <pb n="55" />
        39 — nn
fenden Kapitalisten gleichsam aus sich selbst hervorgebracht
und unabhängig von jedem Zirkulationsvorgang finden zu
können. Man kann sagen, daß in gewissem Sinn die Marx-
sche Darstellung des Mehrwertes gleichzeitig Ursache und
Wirkung dieser Illusion ist.

Entsprechend der Auffassung von den einzelnen Betrie-
ben, die wir nun anwenden müssen, erscheint die von Marx
versuchte Lösung des Problems an zwei eng miteinander
verbundenen Irrtümern zu kranken: dem Irrtum nämlich,
die Produkte durch die Arbeit erklären und bei jedem Be-
trieb, der nur ein Produkt herstellt, den gesamten Gewinn
des betreffenden. Kapitalisten unabhängig von der Zirkula-
tio finden zu wollen.

Kehren wir zu den 5. weiter oben untersuchten Betrie-
ben zurück, so wird für Marx der‘ Tauschwert der 100 Pro-
dukteinheiten jedes Betriebes durch den gesamten Umfang
der täglichen Arbeit, d. h.. 60, der Tauschwert der 60 Lohn-
produkt-Einheiten durch 36 Tage (100 : 60 — 60 : x), und. der
Mehrwert durch 27 (60 : 36 = 24) gegeben werden.

Nach den Marxschen Voraussetzungen kann ‚die neue
Situation also in dem Fall, in dem das vorgestreckte Kapital
nur durch Lohnkapital, gebildet wird, folgendermaßen dar-
gestellt werden:

„8 nn $
= DES US Ss On ö 29 &lt;
Zweig- 3 DE | E58 / S% | 338 | 00 | S
&lt; = =D Ss oO Sie 7 | 5 3
betriebe 3 | SR | 352 / =&gt; 398 : 3 A
x Ü a |
0) 66,66
I 6) 50 || 66,66
I el 60 | 66,66
IV 06,66 | 60 66,66
V S . U Er . 56.6611 60 106,067
| | | l
Man nehme jetzt hingegen an, daß in Betrieb V 30 Lohn-
produkt-Einheiten in technisches Kapital verwandelt werden
und daß dieses letztere, genau so wie das Lohnkapital, das
es erstzt hat, bei jedem Produktionskreislauf vollständig ver-
braucht werde. Der Tauschwert der 30 so verwandelten
        <pb n="56" />
        Lohnprodukt-Einheiten wird für Marx 18 sein (100 Produkt-
Einheiten: 60 Arbeit-Wert-Stunden = 30 Arbeit-Wert-Stun-
den: x: Folglich x =18).
Nach der Marxschen Auffassung stellt sich die neu ge-
schaffene Sachlage folgendermaßen da:
Zweig- SE3 | 55 ss | ses | 338 |
betriebe ° 1 3S&lt; | 8 | a 758
VE SS A
5
„656
66,66
r ‚66,66,
; 6) 33,33 |
Nachdem also einmal angenommen worden ist, daß der
Wert durch die Arbeit hestimmt wird, hat die einfache Tat-
sache, daß in Betireb V wegen Anwendung der Maschine
9 die Zahl der Arbeiter von 6 auf 3 verringert und entspre-
2 chend die tägliche Gesamtstundenzahl an lebender Arbeit
/ von 60 auf 30 vermindert worden ist, zur Folge, daß auch der
6 absolute Mehrwert, da er sich auf die Hälfte der früheren
1 lebendigen Arbeit bezieht. auf die Hälfte, d. h. von 24 auf 12
A herabgesetzt wird. Da ferner dieser kleinere absolute Mehr-
7 wert einem Gesamtkapital gleicher Größe entspricht (36, zu-
, sammengesetz aus 18 Lohnkapital und 18 «konstantem»
7 Kapital), wird der Profit von Betrieb V von 66,66% auf
;&amp;  33,33°% vermindert.
Der Gewinn des Kapitalisten des Unternehmens V. der
Am Nach Marx in vollständiger Weise im Innern des Betriebes
U unabhängig von jedem Tauschvorgang entsteht, wird so auf
D die Hälfte herabgesetzt. Um nun die Feststellung einer Tat-
3g sache zu vermeiden, die unter der Herrschaft des Kapita-
il lismus unsinnig sein würde, nämlich daß Gesamtkapitalien
»” „von gleicher Größe (einerlei ob verschiedenartig zusammen-
ya gesetzt) verschiedene Profite entsprechen, hat Marx — wie
w Wir in Kapitel II gesehen haben, — nur ein Mittel: er nimmt
ıs an, daß der so geschädigte Kapitalist sich mittels der Zirku-
61 _lation den entsprechenden Gewinn zu verschaffen imstande
        <pb n="57" />
        ist. den er aus dem Innern des eigenen Betriebes nicht ge-
winnen kann; d..h. daß es ihm gelingt, sich durch Hebung
des Preises seiner Ware auf ein höherer Niveau als dasjenige
ist, das eigentlich durch die entsprechende Arbeitsquantität
angezeigt wäre, zu decken, und daß er so an dem Mehr-
wert teil hat, den die anderen Kapitalisten sozusagen weiter”
innerhalb ihrer Betriebe «herstellen». Kurz, da die in Frage
kommende Unternehmung aufgehört hat, einen Teil ihres. ;
Mehrwertes selbst zu «produzieren», bleibt ihrem Kapitali-
sten nichts anderes übrig, als sich mittels Tausch einen Teil
der von den andern Unternehmen geschaffenen Mehrwerte*
anzueignen.

Daher das komplizierte Verfahren, das den eigenen Vor-
aussetzungen des Autors widerspricht, die wir ausführlicher “1
in dem oben erwähnten Kapitel II auseinandergesetzt haben;
um die nur mit dem Lohnkapital produzierten und produ- -
zierbaren Mehrwerte gerecht zu ‚verteilen, verkaufen nach.
ihm diejenigen Kapitalisten, die ein verhältnismäßig grös- -:
seres konstantes Kapital investieren, ihre Ware zu einem nf
höheren und die übrigen zu einem niedrigeren Preis als der“
von der lebendigen Arbeit vorgezeichnete. ist.

Wenden wir dieses Verfahren auf unsere in der vorigen mn
Tabelle gemachten Voraussetzungen an, so würde der per--'
zentuelle Durchschnitt für die Zusammensetzung der 5 Ge- -‘
samtkapitalien der 5 Betriebe 90 bei dem Lohnkapital («va- -ı
riablen») und 10 dem «konstanten» Kapital werden, *) der«:
durchschnittliche Mehrwert für jedes der 5 auf 100 gebrach- -ı
ten Kanitalien würde auf 21,60 sinken (24 für die 4 ersten n
Betriebe + 12 für den letzten. das ganze geteilt durch 5) und b
der durchschnittliche perzentuelle Zinsfuß des Profites aufic
59,99°% (66,66 für die ersten 4 Betriebe + 33,33 für den letzten, ‚no
das ganze geteilt durch 5). Infolgedessen würde 57,60 (36 Ka- -s£
pitalwert + 241,60 Durchschnittsprofit) der Durchschnitts--a
preis sein, zu dem die Gesamtproduktion jedes Betriebes ver--1
kauft werden müßte.

1) Wenn man das Lohnkapital von 36 auf 100 und infolge—s'
dessen das «konstante» Kapital von 18 auf 50 bringt, wird diesi|
Zusammensetzung der Kapitalien:

für Betrieb I 100 Lohn + 0 konstantes
» Ui 11100 Lohn + 0 »

» » 111100 Lohn + 0 »

» » IV 100 Lohn + 0 »

» » V.. 50 Lohn. 7.50 »
Durchschnitt 90 Lohn + 10 konstantes

592
        <pb n="58" />
        52

8 2. Die von uns vorgeschlagene Darstellung.
Nach unserer Auffassung hingegen erscheinen die Dinge
jz sehr anders und viel einfacher.
Da der Maßstab des Tauschwertes der Produkte nicht
(I nur von einer «Ursache», und schon gar nicht von der Arbeit
d bestimmt wird, sondern von allen Bedingungen gemeinsam,
b die das Gleichgewicht zwischen normaler Nachfrage und
m normalem Angebot ausmachen (und von diesen Bedingun-
3 ” gen sind die Produktionskosten, und nicht die Arbeit direkt,
9 eine unter vielen, wenn auch gewiß eine der wichtigsten),
;7 ist es klar, daß solange diese Bedingungen in ihrer Gesamt-
«heit unverändert bleiben, der Tauschwert der Produkte von
‘ Betrieb V nicht durch die bloße Tatsache abnehmen kann,
&gt; daß — wenn zunächst ihre absolute Quantität (100) gleich
1 bleibt, — ein Teil ihrer Produktionskosten — dessen Gesamt-
2 größe ebenfalls unverändert bleibt — aus Kapital besteht,
D das in Maschinen anstatt in Lohn vorgestreckt ist.
Da außerdem die Größe des Spielraums nicht durch eine
Vermehrung der sich automatisch in Mehrwert verwandeln-
) den Mehrarbeit gegeben ist, sondern durch den Unterschied
x zwischen Verkaufs- und Kostenpreis, wird es ebenso ein-
‘ leuchtend, daß, wenn außer den die Preishöhe bestimmen-
&gt; den Bedingungen (dem Diminuendus) auch die Höhe der
Kosten (der Subtrahendus) unverändert bleiben, dieser Un-
terschied sich nicht verkleinern kann; solange der einzige
Umstand, der verändert wird, sich auf die zweite Größe be-
x zieht und zwar innerhalb_der angegebenen Grenzen.
N Schließlich besteht für uns der Gewinn der einzelnen
" Kapitalisten niemals aus dem einzelnen Betrieben gewonnenen
Produkt und erst recht nicht nur aus diesem. Er bleibt imnier
» Funktion des Tausches, auch bei der Hypothese, daß das ge-
2 samte vorgestreckte Kapital jedes Unternehmers keine Quote
° an technischem Kapital enthält. Der von jedem Kapitalisten
für die gesellschaftliche Produktion geleistete Beitrag wird
nur von einer Ware gebildet; und die Art, wie sie das
4 kollektive Mehrprodukt verteilen, hängt immer — bei, sonst
ı gleichen Bedingungen — von der Höhe des Preises ab, zu
dem sie ihre jeweilige Ware verkaufen können. Das Vor-
. gehen, mit dem die einzelnen Unternehmer registrieren und
die Bedingungen für das Gleichgewicht des Marktes durch
Verkauf zu einem aus Hinzufügung des proportionellen
Durchschnittsprofites zu den Auslagen entstandenen Preise
zu festigen trachten, bleibt das gleiche, ob es nun ein tech-
nisches Kanital gibt oder nicht.
        <pb n="59" />
        — 4
Wir wollen nun in mehr analythischer Weise, und na-
türlich mit Gebrauch unserer eigenen anstatt der Marxschen
Terminologie, die konkrete Anwendung prüfen, die diese
allgemeinen Begriffe in dem uns besonders beschäftigenden
Fall finden.

Man nehme an, daß die Preise in Papierliren gemessen
werden und die Gleichgewichtsbedingungen zwischen nor-
Maler Nachfrage und normalem Angebot einen Einheitspreis
von einer Lira für alle 5 aus den 5 Betrieben gewonnenen
Produkte zulassen.

Wir beginnen mit dem Moment, für den wir in der vor-
hergehenden Analyse das technische Kapital als noch nicht
vorhanden annahmen. Dem damaligen Bilde kann jetzt —
immer gemäß unseren eigenen Begriffen und unserer eige-.
nen Terminologie — das folgende entsprechen:

= os | = O
S „9 u | =5 | SS „5 Es 35_
Zweig- 5 3 SER SS | zo SEEN 35 | 355
betriebe 3 SE SSEf ES £ 628 28 | Sa
Se 55
5 . _ +6 Lire "ll %%

L 6 1.10 60 ' 60 100 | 100 | 40 |! 66,66

I 6 | 10 1 60 " 60 ı 100|l 100 40 | 66,66

I 65 | 10 1 60 60 u 100|| 1001|) 40 ! 66,66

IV 5 09 1 60 * 60 I 100 100 40 | 66,66

% ‚1.0 50 4 jO I 1001| 100 || 40 "66,66

jesamt- a - ı) Il U

rt ALSO 300 j + 1 500 | 500 | 200 1 —

Sobald die Marktbedingungen in einem gegebenen Mo-
ment den einzelnen Unternehmern einen Profit von 66,66°/
sichern, wird jeder von ihnen diesen Stand der Dinge in
seiner Buchführung registrieren und mit dieser Registrie-
rung solange fortfahren, bis ein Wechsel in der allgemeinen
Lage ihn zu einer entsprechenden Veränderung der Ziffern
zwingt. In‘ der von uns angenommenen Situation wird also
jeder Kapitalist den Preis, zu dem er seine Ware zu verkau-
fen hofft, bilden, indem er das gesamte vorgestreckte Kapital
(wie immer es auch! zusammengesetzt sei) zu Grunde legt
und zu je 100 Liren dieses Kapitals einen Profit von 66,66°/o
hinzufügt.

A
\
        <pb n="60" />
        55

Will man eine vollständige Parallele zu den bei An-
wendung‘ der‘ Betrachtungsweise für die Gesamtheit der Be-
triebe vorausgesetzten Bedingungen aufstellen, nehme man
jetzt — analog unserem Uebereinkommen bei Auseinander-
setzung der Schlußfolgerungen vom Marxschen Gesichts-
punkt — an, daß in Betrieb V die Hälfte des vorgestreckten
Lohnkapitals, d. h. 30 Lire, in technisches Kapital verwandelt
worden sind, daß man mit dem gleichen Gesamtkapital von
60 Lire (jedoch in 30 Lire Lohn- und 30 Lire technisches
Kapital geteilt) dieselbe Produktmenge von 100 Einheiten wie
früher erhält, daß der Verbrauch des neuen technischen Ka-
pitals 100 von 100 sei, und daß die 3 durch die Maschine er-
setzten Arbeiter wenigstens für den Augenblick arbeitslos
bleiben.

Die Situation kann also ın folgendem Bild vergegen-
wärtigt werden:

' ZN Sl =) zei SE SM 25 3

EEE

5 (SS 1S8: | SS 18S8 | 22 | E52, SS | ES

&gt; ; EZ BES | sa E55) Sau 558 DS SEC

Ss OPEN a ®

{ “zZ = UE- U I —

Som 3 66,66
vo 6,66
| 60 5,66 |
1.160 66,66.
N 0,66:

Gesamt N
|| Summe nn .

Es genügt, die letzten Kolonnen dieses Bildes mit den
entsprechenden des vorigen zu vergleichen, um zu erkennen,
daß in Betrieb V, trotz Einführung des technischen Kapitals
keine Veränderung weder iın der Quantität des gewonnenen
Gesamtproduktes, noch in der totalen Roheinnahme, noch
in den absoluten und relativen Spielräumen, noch bei ihrer
Buchführung stattgefunden. hat.

Nachdem einmal das Gesamtkapital — obgleich es heute
nicht mehr aus 60 Lire reinem Lohnkapital, sondern aus
30 Lire der einen und 30 Lire der andern Art zusammen-
gesetzt ist — seine identische Größe bewahrt hat, führt das
        <pb n="61" />
        System, den gleichen perzentuellen Profit zu einem Kapital
von „gleichem: Gesamtumfang hinzuzufügen, natürlich zur
Verteilung derselben Summe auf die Produktionsquantitäten
(L. 60 vorgestrecktes und verbrauchtes Kapital + L. 40 Spiel-
raum ın absoluten Ziffern, und entsprechend L. 100 + L. 66,66
in perzentuellen Ziffern).

Da andrerseits auch d’e Produktquantität (100 Einheiten)
unverändert geblieben ist, ist nichts natürlicher als daß jede
Wareneinheit ebenfalls ihren früheren Verkaufspreis von
1 Lire behält. Um. den Preis zu erhöhen, müßte die Vertei:
lung der gleichen Ziffer (Ausgabe + Profit) für eine gerin-
gere Einheit stattfinden, d. h. die. Produktquantität müßte
verringert werden. Aber gerade unsere Erklärung der Pro-
dukte aus sich selbst anstatt aus der Arbeit erlaubt uns, fest-
zustellen, daß — nach unseren Voraussetzungen — wenn die
Quantität der lebenden Arbeit durch Ersetzung der Hälfte
der Arbeiter herabgesetzt wird, das Produkt trotzdem — und
gerade durch das technische Kapital, das jene Arbeiter er-
Setzt hat — unverändert bleibt.

Während also nach der Marxschen Auffassung die Ein-
führung des technischen («konstanten») Kapitals in verschie-
denen Proportionen in die verschiedenen Betriebe immer
eine Herabsetzung des Mehrwertes in denjenigen Beirieben,
in denen es größer ist, und daher auch eine Neubelastung
der Mehrwerte, Durchschnittsprofite und Werte pro Produkt-
einheit aller Betriebe bedeutet, hat nach unserer Auffassung
— Solänge die Größe der Gesamtkapitalien und der Produk-

tion gleich bleibt, — die Anwendung des technischen Kapi-
tals nicht einmal in dem Betrieb, in dem es verhältnismäßig
größer ist, eine Veränderung im absoluten oder perzentuel-
len Spielraum zur Folge und verlangt keinerlei Revision
in den absoluten oder perzentuellen Spielräumen oder Prei-
Sen pro Produkteinheit jedes Betriebes:

$ 3. Die beiden Auffassungen und ihre Unterschiede.

Das Vorgehen, mit dem die einzelnen Unternehmer su-
chen, sich für gleiche Größen vorgestreckten. Kapitals einen
gleichen Profit zu sichern, wie auch immer dieses Kapital
Zusammengesetzt sei, bildet innerhalb unseres Systemes kein
außergewöhnliches Mittel -— wie bei dem Marxschen —
infolge der Einführung des technischen («konstanten») Ka-
pitales und der Notwendigkeit, die beanspruchten Verluste,
die sich daraus ergeben würden, auszugleichen. Auch vor
Einführung des technischen Kapitals und unabhängig von
ihr, verhielten und verhalten sich die Kapitalisten genau so

56
        <pb n="62" />
        57

bei der Verteilung des kollektiven Mehrproduktes. Dieses
System haben wir schon ın der Untersuchung «Preis und
Mehrpreis und ihre Beziehungen zu Konsumenten und Ar-
beitern» (besonders S. 35-41) analysiert, in der wir noch
von der Einführung des technischen Kapitals und den damit
zusammenhängenden Problemen abgesehen haben.

Um zusammenzufassen: in der Marxschen auf Arbeits-
Wert beruhenden Darstellung führt die Einführung des
technischen Kapitals in jedem Fall zu einem Unterschied in
der Situation der verschiedenen Kapitalisten, die nur durch
eine Modifikation der Werte beseitigt werden kann, eine Mo-
difikation, die sich schließlich in. vollständige Verneinung
der Werttheorie selbst auflöst, die den Ausgangspunkt des
ganzen Systems bildet. Nach unserer teils auf den Quanti-
täten, teils auf den Gleichgewichtspreisen beruhenden Dar-
stellung hingegen verlangt die Einführung des technischen
Kapitals — bei unveränderten Produktquantitäten und un-
verändertem Cesamtumfang der Kapitalien — nicht nur
keine Korrektur unserer Voraussetzungen, sondern bildet, da
sie sich vollständig in deren Folgen einfügt, eine ‚weitere
Bestätigung für sie.

In Analogie mit der Entwicklung der Dinge, die wir im
vorigen Kapitel gegeben haben, müssen wir jetzt prüfen; was
mit den Preisen und Spielräumen in jeder der Betriebe I-III
geschieht, wenn die Produktion infolge Aufhörens des Kon-
sums der 3 aus Betrieb V entlassenen Arbeiter beschränkt
wird, und was in Betrieb V geschieht, wenn hingegen die 3
entlassenen Arbeiter von ihm wieder aufgenommen werden
und er infolgedessen zu dem früheren Produktionsumfang
der Betriebe I - III zurückkehrt.

Während wir jedoch bis jetzt die Vorgänge in der ein-
zelnen Unternehmungen in der Voraussetzung untersucht
haben, daß die Produktionsquantität auch in derjenigen un-
verändert bleibt, die das technische Kapital eingeführt hatte,
haben die neuen Analysen die Kenntnis der Beziehungen zur
Grundlage, die zustande kommen, wenn der Anwendung des
technischen Kapitals eine Veränderung der Produktquantität
entspricht.

Es ist also eine Verschiebung innerhalb desselben Bildes
der vorliegenden Arbeit notwendig.

Da es sich ferner tatsächlich um eine Frage handelt, die
nur indirekt mit den Problemen zusammenhängt, mit denen
wir uns jetzt beschäftigen müssen, halten wir es für zweck-
N U ECT das ganze Argument auf spätere Publikationen zu
vertagen.
        <pb n="63" />
        <pb n="64" />
        SCI SEA SE ASS ASCZASI ZZ
ve
Die Wirkungen der Anwendung des technischen
Kapitals bei Betrachtung der Gesamtheit der
Betriebe und bei Betrachtung der einzelnen
Betriebe (in bezug auf die Kapitalisten und bei
vermehrter Produkt-Quantität).

Die Ergebnisse, zu denen wir in Kapitel V und mehr
noch in Kapitel VI gelangt sind, beruhen auf der Hypothese,
daß man mit einem Lohnkapital von 30 und einem tech-
nischen Kapital von 30 die gleiche Produktionsquantität
(100 Einheiten) erhält, die man vorher mit dem Lohnkapital
von 60 erhielt.

Diese Hypothese entsprach den Regeln der Logik bei
der Gegenüberstellung. Um die besonderen Wirkungen der
Einführung des technischen Kapitals zu isolieren und deut-
licher zu zeigen, mußten wir annehmen, daß die größere
Zahl der mitwirkenden Bedingungen sowohl vorher wie
nachher unverändert bleibt.

Jetzt ist jedoch der Augenblick gekommen, in dem wir
die Veränderung einer größeren Zahl von Umständen, und
besonders der Produktionsmenge, zugeben können, oder viel-
mehr, nach einer mannigfaltigen Einsicht, zugeben müssen.

Die bereits erworbenen Grundsätze bleiben natürlich
bestehen. Aber einige der sozusagen quantitativen Folgerun-
gen, die gezogen werden dürfen, werden bei Veränderung
einiger Hypothesen nachdrücklicher betont werden.

Die Annahme, daß man mit einem Kapital von 60, das
zur Hälfte aus Lohn-, zur Hälfte aus technischem Kapital
besteht, eine geringere Produktmenge erhalten kann; als mit
eınem ausschließlichen Lohnkapital von 60, wäre in der
Wirklichkeit ohne Bedeutung.

| Das technische Kapital wird nur eingeführt, sofern seine
Mitwirkung die Gewinnung eines größeren Produktes —

VIE
        <pb n="65" />
        Ja, im allgemeinen eines unvergleichlich viel größeren Pro-
duktes — erlaubt als das bloße Lohnkapital.

Es bleibt also praktisch nur die entgegengesetzte Hypo-
these. bestehen, die schon in den zur Ausschließung der
übrigen Hypothesen vorgebrachten Begründungen einbegrif-
fen ist.

A) Betrachtung der Gesamtheit der Betriebe.

Betrachten wir das Phänomen zunächst für die Gesamt-
heit der Betriebe.

Da die in den vorhergehenden Kapiteln entwickelten
Analysen nunmehr eine flüchtigere Behandlung gestatten,
betrachte man ohne weiteres die zweite Tabelle in Kapitel V
und nehme man an, daß in dem darauf als letzten angeführten
Betrieb das Lohnkapital von 30 und das neue technische Ka-
pital von 30 (mit Verbrauch 0) nicht mehr 100, sondern 150
Produkteinheiten erzeugen.

Für Marx würde die gesamte Produktion von Betrieb V,
da sie unter den neuen Bedingungen 30 anstatt 60 verbrauch-
ter Arbeitsstunden kostet, wieder durch diese 30 Stunden
dargestellt werden und daher um die Hälfte verringert sein.
An der wirklichen Produktquantität gemessen, würde sie
hingegen von 1 auf 1.50 gewachsen sein.

Die Kollektiv-Einnahme der Arbeiterklasse würde für
Marx durch 60 in Betrieb IV und 30 in Betrieb V, im ganzen
also 90 angewandte Arbeitsstunden dargestellt werden, d. h.
also um 30. Stunden weniger als wenn ın den letzten beiden
Unternehmen, in denen das «konstante» Kapital mit einem
Verbrauch von 0 noch fehlt, 6 anstatt 3 Arbeiter wären. *)

Für uns hingegen würde das kollektive Mehrprodukt
durch 100 Einheiten aus Betrieb IV und 150 Einheiten aus
Betrieb V zusammengesetzt werden. Es würde also um 25
auf 100 angewachsen sein im Vergleich zu der Periode, in
der die Produktion in Betrieb V wegen mangelndem tech--
nischem Kapital noch aus 100 Einheiten bestand.
= Wenn man also die Arbeitsquantität ın umgekehrtem
Verhältnis’ zur Produktquantität verändert und diese durch
jene erklärt, verringert sich die Produktquantität; sie nimmt
hingegen zu, wenn man sie in sich betrachtet.

1) Ueber die Auffassung vom Kollektiv-Phänomen, die wir
auch hier Marx zuschreiben, vergleiche man die Anmerkung zu
Kapitel V.

60
        <pb n="66" />
        61

B) Betrachtung der einzelnen Betriebe.

Betrachten wir das Phänomen nunmehr für die einzel-
nen Betriebe.

Es wird nützlich sein, zunächst zu erklären, daß — wäh-
rend die tiefgehenden Unterschiede der allgemeinen Voraus-
setzungen und Schlußfolgerungen zwischen dem Marxschen
und unserem System bestehen bleiben — die Verschieden-
heiten unter dem neuen Gesichtspunkt nicht im gleichen
Verhältnis zunehmen.

Trotz ihrer Verschiedenheiten stimmen alle Tauschwert-
theorien in einem Punkt überein: nämlich dem, daß die
Kosten einen wichtigen Einfluß — in wie verschiedenem
Grade auch immer — auf den Wert ausüben, und daß bei
zwischen den Unternehmern herrschender Konkurrenz eine
Herabsetzung der Kosten in Bezug auf dieselbe Produkt-
quant’tät die Tendenz hat, den Tauschwert jeder Einheit,
aus der diese Quantität sich zusammensetzt, zu verringern.
Die von uns angenommene Hypothese, daß man mit einem
teils aus Lohn-, teils aus technischem Kapital bestehenden
Gesamtkapital eine größere Produktquantität erhält, als aus
einem gleich großen Kapital, das nur aus Lohnkapital be-
steht, führt zu der Schlußfolgerung, daß für eine größere
Anzahl von Einheiten dieselben Kosten verwendet werden
müssen und daß daher der Tauschwert jeder einzelnen ab-
nimmt. Diese Hypothese bringt uns also auf das Gebiet, auf
dem wir eine Uebereinstimmung zwischen den verschiede-
nen Werttheorien beobachtet haben. x

Im wesentlichen führen uns die neu gemachten Voraus-
setzungen zu der Tätigkeit derjenigen ökonomischen Kräfte
zurück, für die — besonders bei Konkurrenzherrschaft —
ein Gegensatz zwischen dem Reichtum gemessen an der
Produktquantität (Gebrauchswerte) und dem Reichtum ge-
messen an den Tauschwerten dieser Produkte entsteht.

Solange wir annahmen, daß infolge Einführung des
technischen Kapitals die Proportionen zwischen der Größe
der Gesamtkapitalien und der Quantität der mit ihnen erhal-
tenen Produkte unverändert bleibt, trat der Gegensatz zwi-
schen den beiden verschiedenen Massen des Reichtums
nicht in Erscheinung.

Aber sobald einmal die Produktquantität in größerem
Verhältnis als das Kapital und daher auch als. die Kosten
anwächst, läßt das geringste Gewicht, mit dem die Kosten
den Normalpreis jeder der neuen und zahlreicheren Einheiten
        <pb n="67" />
        belasten, die Bahn denjenigen Kräften frei, für die der Ein-
heitspreis der Produkte abnimmt, wenn bei gleichen Aus-
gaben die Menge derselben Produkte zunimmt. /

Von einem allgemeinen Gesichtspunkt aus erscheint der
Grundirrtum der von uns früher untersuchten Marxschen
Schlußfolgerungen Sschwerwiegender, wenn man ihn, wie
jetzt, auf eine vermehrte Produktion bezieht.

Man nehme an, daß man — immer in Betrieb V — mit
einem Gesamtkapital von 60 Liren, von denen 30 aus tech-
Nischem Kapital (mit totalem Verbrauch) besteht, nicht
mehr, wie wir in den vorhergehenden Kapiteln vorausgesetzt
haben, 100; sondern 150 Einheiten erhalte.

Für Marx konnte — auch wenn die produzierten Einhei-
ten sich auf 100 gehalten hätten, d.h. die Größe, die dem
früheren Lohnkapital von 60 entsprach, bewahrt hätten, —
‘der Profit auf die 30 Einheiten des technischen Kapitals nur
durch eine SOZzUusagen künstliche Erhöhung des Wertes jeder
dieser 100 Einheiten sicher gestellt werden. Da die Grund-
voraussetzung von Marx, die Unmöglichkeit mit technischem
(«konstantem») Kapital einen Mehrwert zu erhalten, unab-
hängig von der Größe der gewonnenen Quantitäten fest beste-
hen bleibt, ergibt sich die. Notwendigkeit einer künstlichen
Preiserhöhung des ganzen Produktes auch dann weiter,
wenn dieses von 100 auf 150 Einheiten angewachsen ist.

Von einem rein logischen Gesichtspunkt aus erscheint
also die Unfähigkeit des Marxschen Systems, die wirklichen
Größen der Produkte treu darzustellen, diesen mit einmali-
den Kriterien einen angemessenen Tauschwert und dem ent-
sprechenden Kapital ‚einen normalen Profit zu garantieren‘
in bezug auf die Wirkungen in diesem Fall noch schwer-
wiegender als im vorigen.

Wenn es schon sinnlos war, mit einer rein künstlichen
Werterhöhung die Krwerbsfähigkeit zu Gunsten eines Pro-
duktes, dessen Größe, bei sonst unveränderten Bedingungen,
gleich geblieben ist, sichern zu sollen, ud zwar nur, weil die-
ses Produkt mit einem gleich großen, aber anders zusam-
Mmengesetzten Kapital als früher gewonnen wird, muß dieser
Unsinn noch ungeheuerlicher erscheinen, wenn man diese
Methode auf ein Produkt anwenden soll, dessen Quantität
gewachsen ist.

Wenn man jedoch von diesem Irrtum absieht und ihn
sogar für einen Augenblick als eine der Grundlagen der
Ableitung annimmt, und einfach die zwischen den Tausch-
        <pb n="68" />
        63
werten bestehenden Beziehungen für den Fall, in dem die
Produktion gleich 400. Einheiten und für den Fall, ‚in dem
sie gleich 150 Einheiten ist, prüft, sind diese Beziehungen
auch nach ‚der: Marxschen Theorie nicht falsch. Wenn —
immer bei Konkurrenzherrschaft — auf 150 Wareneinheiten
die gleichen Kosten an Kapital (L. 60), der gleiche effektive
Mehrwert, der den 30 Liren Lohnkapital entspricht und, in
provortionalen Ziffern, der sozusagen künstliche Profit, der
sich auf: die 30 Lire technisches («konstantes») Kapital be-
zieht, lasten, ist es klar, daß die ganzen neuen 150 Einheiten
denselben Totalpreis wie ‚die‘ 100 von früher darstellen
müssen.

Mit andern Worten: wenn man auf 150 Einheiten die
gleiche Summe an Kosten und Profiten wie früher auf 100
verteilen muß, wird der Verkaufspreis jeder Einheit auch
nach dem Marxschen System auf 1/3 herabgesetzt werden.

Unser Ausgangspunkt ist freilich sehr verschieden: als
die Produktion 100 war, erhielt man den Profit, der den 30
Einheiten technisches Kapital zukam, nicht durch ein vom
sonstigen verschiedenes Verfahren und erst recht nicht auf
künstliche Weise. Er wurde mit dem gewohnten und natür-
lichen Verfahren gewonnen.

Jedoch auch für uns muß die arytmethische Wahrheit,
auf die wir schon hingewiesen haben, ihre ganze Schärfe
bewahren, nämlich: wenn wir auf 150 anstatt auf 100 Ein-
heiten ‚die gleiche Last an Kosten und an Profit verteilen,
wird sich der Preis jeder dieser Einheiten proportional sen-
ken. Wenn wir also auf die 150 Einheiten des Betriebes V
den Vorgang anwenden, den wir weiter oben gelegentlich
der 100 geprüft haben, wird sich auch für uns notwendiger-
weise — immer bei zwischen den Unternehmern herrschen-
der Konkurrenz — eine Herabsetzung auf 1/3 des Preises je-
der Einheit ergeben.

Aber es handelt sich hier weder um ein Verschwinden
effektiver Quantitäten, noch um eine Unbrauchbarkeit des
Systems, bestimmten Quantitäten einen angemessenen
Tauschwert und dem entsprechenden Kapital einen _norma-
len Gewinn zuzusichern.

Zu Punkt 1: der Einheitspreis nimmt ab, gerade weil die
gleiche Summe für Kosten und Profit auf eine größere Quan-
tität verteilt wird. Die Herabsetzung des Einheitspreises bil-
det also in diesem Fall nicht ein Verbergen, sondern eine
klare An zeigung der Tatsache, daß die Quantität zugenom-
men hat.
        <pb n="69" />
        Zu Punkt 2: der Profit bleibt — wie wir schon gesehen
haben — durch einen Vorgang allgemeiner Natur gesichert,
der mit dem auch vor Einführung des technischen Kapitals
üblichen vollkommen identisch ist. Der Umstand, daß dieser
Profit infolge Vermehrung der Produktquantität in geringe-
rem Verhältnis auf dem Preis jeder der neuen und zahl-
re cheren Einheiten lastet, widerspricht nicht, sondern bestä-
tirt vielmehr das normale Verfahren, dessen Anwendung
wir sahen, als wir annahmen, daß der Einführung des tech-
Nischen Kapitals eine gleich große, anstatt einer größeren
Produktquantität entspricht als vorher:

64
        <pb n="70" />
        SSLAS WARS TEA FSIAC ASS SILZnN
NZ
Die Marxsche und unsere Lösung.
$ 1. Die beiden Lösungen bei der allgemeinen Betrachtung der
Gesamtheit der Betriebe.

Nachdem wir so — wenn auch nur in gedrängter und
annähernder Weise — die tatsächlichen Wirkungen des tech-
n’schen Kapitals geprüft haben, ist die Feststellung leicht,
daß die von uns vorgeschlagene Lösung nicht nur einfache,
normale und in voller Uebereinstimmung mit den Voraus-
setzungen stehende Verfahren enthält, sondern das mit dem
Marxschen. System unerklärbar bleibende Grundproblem
wirklich löst.

Wir haben in Kapitel II gesehen, daß die Marxsche
Theorie sich um die Beantwortung eines der fraglichen Pro-
bleme bemüht, nämlich: wie der nach Einführung des tech-
nischen Kapitals übrig gebliebene Mehrwert gerecht unter
die verschiedenen Kapitalisten verteilt wird, sofern sie an-
nimmt, daß jede Ersetzung von Lohnkapital durch tech-
nisches Kapital ein entsprechendes und endgültiges Ver-
schwinden des Mehrwertes zum Schaden der Kapitalisten-
klasse bedeutet. So daß es der Marxschen Lehre durch die
von ihr selbst gegebene Problemstellung — wie wir schon
in Kapitel I bemerkt haben — unmöglich ist, zu erklären,
wieso die Kapitalisten auf einer so weiten und. stets wach-
senden Skala die Umwandlung des Lohnkapitals in tech-
Nisches Kapital vornehmen, für das der gesamte Mehrwert,
über den sie verfügen könnten, progressiv bis zur theore-
tischen Grenze abnimmt.

Mit dem von uns vorgeschlagenen System findet das
Rätsel hingegen eine sehr leichte Lösung.

Wen man die Betrachtungsweise für die Gesamtheit
der EBei.,‚ebe anwendet und die einzige der Wirklichkeit ent-
sprechende Hypothese zugibt, nämlich die, daß man mit

a
        <pb n="71" />
        einem auch aus technischem Kapital bestehenden Gesamt-
kapital von 100 ein Produkt gewinnt, das dem früher mit
einem nur in Lohnkapital. investierten gleich großen Kapital
überproportional ist, kann man sich 3 Fälle vorstellen.
Der erste in Kapitel VII betrachtete ist der, daß die An-
wendung des technischen Kapitals und: die daraus entste-
hende Vermehrung der produzierten Quantität in einem der
Unternehmen stattfindet, das die Waren für die Kapitalisten-
klasse herstellt. Dann wird es ganz klar, daß das kollektive
Mehrprodukt um den ganzen höheren Betrag zunehmen
wird, der ihm durch die Differential-Produktion dieses Un-
ternehmens zuteil wird. Sobald die Einführung des techni-
schen Kapitals und die entsprechende Zunahme der produ-
zierten. Quantität auf alle Unternehmen, die Waren für den
Konsum der Kapitalistenklasse herstellen, ausgedehnt wer-
den, nimmt das kollektive Mehrprodukt natürlich in viel
größeren Proportionen zu.

Im zweiten Fall finden die oben erwähnten Vorgänge
anstatt in.den der Produktion der Profitwaren gewidmeten
Unternehmen in den der Produktion der Lohnwaren gewi1d-
meten statt. Bei dieser Annahme würde; das Mehrprodukt
nicht sofort zunehmen, aber es könnte unter bestimmten Um-
ständen späterhin auf indirektem Wege anwachsen.

Tatsächlich würde sich, wenn wir der Bequemlichkeit
halber die Löhne als konstant annehmen, eine übermäßige
Produktion an Lohnwaren für den neuen differentialen An-
teil ergeben. Eine bestimmte Anzahl der den entsprechenden
Industrien angehörigen Arbeiter und eine bestimmte Quote
der in ihnen investierten Kapitalien würde. dann verfügbar
werden und könnte in einer folgenden Periode der Neuord-
nung zur Gewinnung neuer Profitprodukte nutzbar gemacht
werden.

Das kollektive Mehrprodukt würde so infolge der Wir-
kungen der größeren Produktivität vermehrt werden, dıe das
technische Kapital in die Betriebe.zur Herstellung der Kon-
sumwaren der Arbeiterklasse verursacht hat.

Man könnte auch einen dritten, und letzten Fall von
Zwischencharakter annehmen, für den die ‚Produktion in
den Zweigen der Konsumwaren der einen und der andern
Klasse steigt. Es ist leicht einzusehen, daß bei dieser HyDo-
these das kollektive notwendige Produkt, aber auch das kol-
lektive Mehrprodukt vermehrt werden würde.

Für das uns gegenwärtig interessierende Problem ist
keiner der. drei. Fälle besonders vorzuziehen. Aber wir wer-
den in späteren Untersuchungen sehen, sobald wir uns mit

66
        <pb n="72" />
        = 67 de
den allgemeineren Beziehungen zwischen Lohn und Profit
beschäftigen werden, daß einige dieser Fälle und besonders
der letzte besondere Bedeutung gewinnen.

Um zusammenzufassen: die Wirkungen, sei es bei Dar-
stellung der Produkte in ihrer direkten Bedeutung als Quan-
titäten, sei es bei Betrachtung der Gesamtheit der Betriebe,
beweisen uns, daß die Einführung des technischen Kapitals
entweder unmittelbar oder mittelbar den Umfang des kollek-
tiven Mehrproduktes und damit den zur Verfügung der Ka-
pitalistenklasse stehenden Reichtum an Gebrauchswerten
vermehrt.
$ 2. Die beiden Lösungen bei der allgemeinen Betrachtung der

einzelnen Betriebe.

Gehen wir jetzt zur Betrachtung der einzelnen Betriebe
über.

Nehmen wir den einfachsten Fall an, in dem die gleich-
mäßig aus Lohn- und technischem Kapital zusammengesetz-
ten Gesamtkapitalien jedes Betriebes den gleichen Umfang
wie die vorher nur in Lohn angelegten Kapitalien haben,
wobei aber jedem dieser Gesamtkapitalien eine größere Pro-
duktquantität als früher. und zwar in der einheitlichen Pro-
portion von 20°, entspricht. Die Darstellung dieser Hypo-
these würde in der letzten Tabelle von Kapitel VI leicht zu
finden sein, wenn dort die Zusammensetzung der Kapitalien
jedes Betriebes wie in Betrieb V und die Produktquantitäten
für jeden Betrieb mit 120 anstatt mit 100 angenommen wor-
den wären. *)

Wir haben nun ‚schon seinerzeit gesehen, daß die ein-
zelnen Unternehmer bei Gleichgewichtspreisen und den von
diesen Preisen freigelassenen Spielräumen — immer bei
Konkurrenzherrschaft — ihre Positionen durch Belastung
N 1) Die Hypothese, daß auch die Lohnprodukte anwachsen,
ist zwar der. allgemeinen arythmetischen Einfachkeit halber, zu

deren Zweck sie aufgestellt wird, bequem, enthält aber die große
Unannehmlichkeit, die Frage unter anderen Gesichtspunkten zu
komplizieren. Das Anwachsen dieser Produkte bedeutet eine all-
gemeine Lohnerhöhung und stellt daher aufs neue das schwie-
rige Problem einer gleichzeitigen Vermehrung sowohl des not-
wendigen wie auch des Mehrproduktes auf. Wir sind deshalb
gezwungen, die Vorteile, die die Hypothese bietet, anzunehmen,
und gleichzeitig die durch sie aufgeworfenen Fragen — vor-
läufig — zu vermeiden.
        <pb n="73" />
        x aan S ans
der gesamten Produktmenge mit allen Kosten plus dem
Durchschnittsprofit (der wie auf der erwähnten Tabelle gleich
66,66° sein würde) zu festigen suchen. '

Danach würde jeder Unternehmer die eigenen 120 Pro-
dukteinheiten zu einem Gesamtpreis von 60 Liren (verbrauch-
tes Kapital) + 40 Lire (absoluter Profit) und jede Einheit folg-
lich zum Preis von 0.49 Lire (einheitliche Kosten) + 0.34 Lire
(einheitlicher Profit), d. h. zum Preis von 0.83 Lire ver-
kaufen. *)

Infolgedessen würde die — in Geld gemessene — Pro-
portion, nach der die einzelnen Kapitalisten am kollektiven
Mehrprodukt teilhaben, dieselbe wie früher sein. Nur daß
jeder Kapitalist, da dieses kollektive Mehrprodukt jetzt in-
folge des technischen Kapitals an Gebrauchswerten zugenom-
men hat (120 anstatt 100 Einheiten für jeden der Betriebe IV
und V); durch Hinzufügung des gleichen Geldprofites auf
die entsprechenden vermehrten Produkte “sich tatsächlich
eine größere Anzahl Einheiten als früher verschafft (in ge-
nauen Ziffern: 8 Einheiten mehr auf 40 Einheiten von jeder
der Unternehmungen IV und V).

Wie man also sieht, bleibt die Position der einzelnen Un-
ternehmer unverändert, insofern alle sich in das kollektive
Mehrprodukt nach dem gleichen, in Geld gemessenen Ver-
hältnis wie früher, teilen.

Mehr noch: Nach der von uns aufgestellten Hypothese,
daß die Produkte der einzelnen Unternehmungen im gleichen
Verhältnis angewachsen sind, wächst. auch der Anteil der
einzelnen Kapitalisten sowohl an der Vermehrung der So-
zialen Produktion im allgemeinen (an Gebrauchswerten d. h.
an Produkteinheiten gemessen) als auch des kollektiven
Mehrproduktes entsprechend.

Genau gesprochen: jeder Kapitalist vermehrt das kollek-
tive notwendige und das kollektive Mehrprodukt gleich-
mäßig um 20 Einheiten und gewinnt, wie ‚wir sahen, aus
dem angewachsenen kollektiven Mehrprodukt von 40 Ein-
heiten (20 durch direkte Tätigkeit des Betriebes IV und 20
des Betriebes V) 8 neue.

1) In Proportionen: 120 Einheiten : 100 Lire — 1 Einheit : X;
der Einheitspreis x wird = Lire 0,83. Stellt man dann das Ver-
hältnis fest, so wird: 100 Lire (Gesamtpreis) : 60 Lire (Gesamt-
kosten an Kapital) = 0,83 Lire : x; man erhält x (Kosten an Ka-
pital pro Einheit) = Z. 0,29. Folglich: Lire 0,83 (einheitlicher
Me Lire 0,49 (einheitliche Kosten) = Lire 0,34 (einheitlicher
Profit).

6F
        <pb n="74" />
        — fi) —

Wir haben bis jetzt angenommen, daß die Vermehrung
der Produktion in allen Betrieben proportional sei. Aber
eine solche Hypothese diente, abgesehen davon, daß sie sehr
schwer zu verwirklichen wäre, nur zur Einführung und Er-
leichterung.

Wenn auch in der Quantität der einzelnen Produkte
keine entsprechende Vermehrung stattfindet, so bleiben doch
die Geldproportionen, mit denen die Kapitalisten, da sie die-
selben Rechnungsverfahren anwenden, am kollektiven
Mehrprodukt teilnehmen, gleich. Das einzige Gebiet, auf dem
keine Proportionalität stattfinden kann, ist gerade das, und
zwar nur das, welches sich auf die veränderte Vorausset-
zung, d. h. den neuen größeren Anteil, jedes Kapitalisten am
kollektiven und notwendigen Mehrprodukt, bezieht.

Das entspricht übrigens vollkommen dem, was wir in
einer früheren Untersuchung festgestellt haben («Preis und
Mehrpreis und ihre Beziehungen zu Konsumenten und Ar-
beitern», besonders auf S. 21 - 26).

Wir stellten damals: tatsächlich fest, daß das Verfahren,
mit dem die einzelnen Kapitalisten außer den Kosten die
Profite in Rechnung setzen, und mit dem sie auf diese Weise
an dem kollektiven Mehrprodukt teilzunehmen suchen, in
sich absolut unabhängig von dem in Quantitäten (Gebrauchs-
werten) gemessenen Anteil ist, den jeder von ihnen zur
Bildung des sozialen Reichtums im allgemeinen und des
schon erwähnten Mehrproduktes im_ besonderen beiträgt.
8 3. Die Antriebe zur wachsenden Anwendung des technischen

Kapitals.

Hier könnte man einen Einwand erheben.

Die Vermehrung des Mehrproduktes, die von uns als
Folge der Anwendung des technischen Kapitals . festgestellt
worden ist. wird den einzelnen Kapitalisten in der Form
einer größeren, mit der gleichen Geldquantität erhältlichen
Produktquantität dargeboten.

Aber ein derartiger Vorteil muß, gerade weil er in eine
bloße Vermehrung der Gebrauchswerte aufgelöst wird, als
Anreiz für die einzelnen Kapitalisten, einen wachsenden Teil
ihres Gesamtkapitals in technisches zu verwandeln, ungenü-
gend sein. In Wirklichkeit produziert jeder Unternehmer vor
allem, um zu verkaufen. Das, was ihm, bei sonst gleichen
Bedingungen, am meisten am Herzen liegt und ihn am drin-
yendsten und unmittelbarsten beschäftigt, ist die eigene, in
Tauschwerten und Erwerbsmacht ausgedrückte Einnahme.
        <pb n="75" />
        me 7) rm
Die Frage der Gebrauchswerte, die er mit dem durch den
Verkauf der eigenen Ware erworbenen Geld kaufen kann.
tritt erst ın einem späteren Moment und in indirekter Weise
auf, und ist daher nicht fühlbar genug, um unmittelbar und
allein den ausgedehnten Prozeß einer technischen Umwand-
lung bestimmen zu können.

Aber die Antwort ist leicht.

In der schon angedeuteten Arbeit «Preis und Mehrpreis
und ihre Beziehungen zu Konsumenten und Arbeitern», be-
sonders auf den Seiten 20-21 und 39-42, haben wir schon
bewiesen, daß die Beschaffenheit und Vermehrung des kol-
lektiven Mehrproduktes nicht durch vorhergehendes Ueber-
einkommen, sondern durch das Spiel von Angebot, Nach-
frage und Preisen der einzelnen Waren bestimmt werden.

‚ Der erste Beweggrund, der — immer bei Konkurrenz-
herrschaft — die einzelnen Unternehmer zur Umbildung
eines wachsenden Teiles des eigenen Gesamtkapitals in tech-
Nisches Kapital treibt, ist gerade der Wunsch, den eigenen
Geldprofit durch den Verkaufspreis zu vermehren.

Jeder Kapitalist hofft bei Einführung des technischen
Kapitals und allgemeiner bei Vervollkommnung der Produk-
tionsmethode den eigenen Gewinn entweder absolut oder
relativ zu steigern.

Die Herabsetzung der Produktionskosten erlaubt ihm,
jede Einheit seiner Ware zu einem niedrigeren Preis als die
Konkurrenten zu verkaufen und auf diese Weise den Um-
fang seines Absatzes und seiner Geschäfte zu deren Schaden
zu vermehren. Auch wenn man annimmt, daß er auf jede
Einheit seiner Ware einen geringeren Profit als früher rech-
net, wird er immer durch Vermehrung der Zahl der. ver-
kauften Einheiten die Möglichkeit haben, den absoluten Um-
fang seines Profites auszudehnen.

Da er außerdem als erster auf Grund unserer Hypothese
das technische Kapital und die Vervollkommnungen ein-
führt, und da sich der vorherrschende Verkaufspreis noch
auf allgemeine Produktionskosten, die größer als die seinen
sind, bezieht, kann er seine Ware zu einem niedrigeren
Preis als die Konkurrenten verkaufen, der ihm trotzdem er-
laubt, einen Teil des größeren Spielraums zum eigenen Nut-
zen zu realisieren, den ihm der' Unterschied zwischen dem
noch gültigen Preis und seinen eigenen tatsächlich gerin-
geren Kosten gewährt. Er kann also zum Vorteil der Käufer
seiner Ware nur einen Teil des neuen größeren Spielraumes
veräußern und so — wenn auch nur teilweise: — auch. den.

zu
        <pb n="76" />
        7X
eigenen einheitlichen Spielraum, d. h. seinen relativen Profit
vergrößert sehen.

Unter den angenommenen Umständen wird der betref-
fende Kapitalist also an einer relativ größeren Quote des
kollektiven Mehrproduktes teilnehmen können als die an-
dern Kapitalisten und zwar — bei Gleichheit des investier-
ten Gesamtkapitals — weil der Geldprofit ‚den er‘ zu reali-
sieren imstande ist, größer ist.

Natürlich werden die anderen ebenfalls von der Konkur-
renz angetriebenen Unternehmer der gleichen Branche —
außer wenn die neuen Verfahren durch ein Patent geschützt
sind — was einen besonderen Fall der Monopolherrschaft
darstellen würde, die wir ausgeschlossen haben — in der glei-
chen Richtung vorgehen. So daß nach einer gewissen Zeit die
Verallgemeinerung des Sysetms die Situation an den glei-
chen Punkt wie früher gebracht hat. Die neuen Verkaufs-
preise werden auf das ganze Gebiet der neuen geringeren
Kosten ausgedehnt werden und die Möglichkeit der Differen-
tial-Spielräume, deren Existenz und Ausnutzbarkeit die
Nichtverallgemeinerung des Systems als Voraussetzung hat-
ten, wird verschwinden.

Diese Wiederherstellung des Gleichgewichtes bezieht
sich auf jede technische Vervollkommnung und beruht auf
der Annahme, daß in der Zwischenzeit keine neuen Vervoll-
kommnungen entdeckt und angewendet werden. In Wirk-
lichkeit folgt jedoch eine Vervollkommnung der anderen mit
mehr oder weniger Unterbrechung, und jede von ihnen setzt
aufs neue den Prozeß in Bewegung, der andernfalls aufgehal-
ten worden wäre.

Mit jeder Rückkehr zum früheren Punkt hört der Anreiz
auf, der die einzelnen Unternehmer unmittelbar zur Erset-
zung eines Teiles des ehemaligen Lohnkapitals durch tech-
nisches Kapital oder allgemeiner zu technischen Verbesse-
rungen trieb, d. h. die Möglichkeit, der absoluten und rela-
tiven. in Geld gemessenen Vermehrung des eigenen Profites.
Es bleibt hingegen, zwar nicht für den Anreiz. — für ihn
wäre es ungenügend und auf jeden Fall verspätet — aber
für den erlangten Effekt das andere, weiter oben angedeutete
Resultat... durch das, bei sonst gleichen Bedingungen, und
stets bei vermehrter Produktivität der Arbeit, jeder Kapita-
list mit dem gleichen Geldprofit ein kollektives Mehrprodukt
von größerem Umfang erlangen kann: nämlich die Umwand-
lung der gleichen Netto-Geldeinnahme in eine größere Quan-
tität Gebrauchswerte.

Kurz, die Tatsache, durch welche diejenigen Kapita-
        <pb n="77" />
        = (2
listen, die als erste die neuen Vervollkommnungen angewen-
det haben, mit vorübergehenden Differentialprofiten an einer
proportional größeren Quote des kollektiven Mehrproduktes
als die anderen teil hatten, wird aufhören; aber die Tatsache:
durch die alle Kapitalisten, auch wenn sie sich in Pproportio-
nale Quoten des kollektiven Mehrproduktes teilen, sehen, daß
jede dieser Quoten sich aus einer größeren Produktquantität
zusammensetzt, wird bestehen bleiben.
$ 4. Mehrarbeit und Mehrprodukt.

Die von uns verfochtene Theorie erklärt also vollkom-
men, — Sei es bei Betrachtung der Gesamtheit der Betriebe
Oder der einzelnen Betriebe — die tieferen Gründe, aus denen
die Kapitalisten in stets wachsender Proportion technisches
Kapital einführen.

Nach der Arbeits-Wert-Theorie und der Mehrarbeits-
Mehrwerts-Theorie wird eine Ersetzung des Mehrwert pro-
duzierenden Lohnkapitals durch eine andere Art Kapital
(technisches oder «konstantes»), das keinerlei Mehrwert
schaffen und folglich unter den eigenen Füßen derjenigen,
die diese Ersetzung vornehmen, jeden Ertragsquell ersticken
würde, unverständlich. Wenn man hingegen die Produkte
Nicht durch das Medium der Arbeit, sondern direkt unter-
sucht, und wenn man ferner bedenkt, daß das Verfahren,
mit dem die einzelnen Unternehmer am kollektiven Mehr-
produkt teilnehmen, in jedem Fall einzigartig ist, wird die
Anwendung des technischen Kapitals sehr verständlich,
sofern es die Menge des kollektiven Mehrproduktes zumin-
dest unverändert läßt und sie sogar vermehrt und sowohl
der Gesamtheit der Klasse ein gleich großes oder größeres

Mehrprodukt wie ihren einzelnen Mitgliedern eine propor-
tionale und — an Gebrauchswerten gemessen — wachsende
Quote auf dieses Mehrprodukt garantiert.

Infolge der Verschiedenheit der Voraussetzungen kann
Man zu umgekehrten Schlußfolgerungen gelangen; und
diese Umkehrung kann ihrerseits zur deutlicheren Darle-
gung des ganzen Unterschiedes der beiden Systeme dienen.

Wir greifen zu diesem Zweck zu einem Beispiel, das;
obwohl es ganz abstrakt und praktisch unmöglich ist, doch
rein logisch als die theoretische Grenze. betrachtet werden
kann, auf welche — wenn gewisse mathematische Begriffe
Sich ohne weiteres auf die Gesamtheit der sozialen Phäno-
mene anwenden lassen — die fortgesetzt wachsende Erset-
zung des Lohn-Kapitals durch technisches Kapital zustrebt.
        <pb n="78" />
        Man stelle sich also vor, daß der automatische Mechanismus
an einen Punkt gelangt, für den — wenn man in dem sozia-
len Kapital, das anfangs nur als Lohnkapital 100 war, eine
Quote technischen Kapitals erst von 10, dann von 20 u. s. w.
ersetzt, — ein Moment kommt; in dem das ganze kollektive
Kapital in technisches Kapital von gleichem Umfang, das
dieselbe Menge an Gebrauchswerten produziert, umgewan-
delt ist.

Die ökonomische Zusammensetzung der Gesellschaft
würde gewiß aufs unwahrscheinlichste verändert werden.

Es gäbe keinen Proletarier mehr, der mit einem gegebe-
nen Existenzminimum arbeitet und mit den Eigentümern
des Kapitals kämpft. Wenn nur die ökonomischen Faktoren
zählen würden, würde das Proletariat verschwunden sein
oder allmählich Hungers sterben, und ausschließlich die Ka-
pitalistenklasse übrigbleiben. Aber die einfache Tatsache,
daß diese letztere leben bleibt, beweist gerade die vollstän-
dige Verschiedenheit der beiden Auffassungen in bezug auf
die materiellen Folgen der Einführung des technischen
Kapitals.

Nach unserer abstrakten Hypothese würde für Marx mit
der Ersetzung der letzten Quote des Lohnkapitals auch die
letzte Quote des Mehrwertes verschwinden, über die die Kapi-
talisten verfügen können. Also auch die Kapitalisten hätten
nur durch die Tatsache, daß sie keine Arbeiter mehr zur
AT NEUIUNE der Arbeit hätten, keine Nahrung und Kleidung
mehr.

Da nach unserer Auffassung hingegen der ganze Netto-
ertrag der sozialen Produktion den Kapitalisten zukommen
würde, auch wenn die. Produktionskosten anstatt aus dem
Brot der Arbeiter aus Maschinenöl beständen, würden diese
sich wohl hüten, sich zu Tantalusqualen zu verdammen. Nur
Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren.

In unserm Fall hingegen würden die Kaiser des Kapi-
talismus ihre Rechte durch das vollständige Verschwinden
jedes Kronprätendenten mit noch größerer Sicherheit auf-
recht erhalten. und die kapitalistische Zivilisation. würde
ihren wahrhaft endgültigen Triumph feiern. *)

1) Da man gleichsam als Vorwurf an einen analogen Ge-
danken erinnert hat, den wir in einem Jugendaufsatz in der
«Critica Sociale»- (Mailand, 16. November, 1894) geäußert haben,
geben wir zur Stütze der im Text auseinandergesetzten Beohach-
tungen den entsprechenden Abschnitt daraus wieder, obwohl
er einige heut als unvollständig erscheinende Ausdrücke ent-

73
        <pb n="79" />
        14
; Das abstrakte Beispiel, dessen wir uns bedient. haben,
dient, wie das Relief einer sozialen Karikatur, zur Hervor-
hebung der Unterschiede, zu denen man gelangt, je nach-
dem, ob man von der «Arbeit» oder von den «Produkten»
ausgeht.

Es bezieht sich tatsächlich auf den Fall, in dem die
Trennung zwischen lebender menschlicher Arbeit und Pro-
dukt vollzogen ist, den Fall. in dem das Produkt noch 'vor-
handen wäre, während es die auszubeutende menschliche
Arbeit nicht mehr gäbe. Wenn man die Erscheinung von der
Arbeit aus betrachtet, scheint der Konsumfond der Kapita-
listen mit der Tätigkeit der Arbeiter zu verschwinden. Wenn
man die Erscheinung hingegen von den Produkten aus be-
trachtet; bleibt der Fond auch dann bestehen, wenn er,
nach einer Grenzhypothese, durch einen automatischen Me-
chanismus gewonnen wird; der das Bedürfnis nach mensch-
licher Arbeit vollständig beseitigt.
hält. Wir sagten in jenem ungerecht beschuldigten Aufsatz:
«Wie der Arbeiter einen Organismus ‘darstellt, der durch ‚seine
Konstitution mehr produzieren als konsumieren kann, so ist die
Maschine ein Instrument, das eine viel größere Quantität von
Waren produzieren kann, als zu ihrer Herstellung und Erhal-
tung notwendig ist. Und wie, bei kapitalistischer Ordnung der
Gesellschaft, die physiologische Kraft des Arbeiters, mehr zu pro-
duzieren als zu konsumieren, in der sozialen Tatsache Gestalt
gewinnt, daß er nur über einen Teil dessen, was er produziert,
verfügt, so wird auch die von der Maschine besessene Macht,
eine größere Quantität Waren zu produzieren, als zu ihrer Her-
stellung und Erhaltung notwendig ist, in die soziale Tatsache
umgewandelt, daß ausschließlich die herrschende Klasse diese
überschüssige Quantität genießt. Da also das technische Kapital,
wenn nicht Mehrarbeit, so doch Mehrproduktion schafft, und da
gerade der aus dem Lohnkapital gewonnene Profit aus Mehr-
produktion besteht, produziert das technische Kapital nicht we-
niger Profit als das Lohnkapital... Dies vorausgeschickt, können
wir uns gut eine Gesellschaft vorstellen, in der ohne Mehrarbeit,
und sogar ohne lebendige Arbeit, ein Profit existiert. Wenn tat-
sächlich die jetzt vom Menschen geleistete Arbeit durch Maschi-
nen-Arbeit ersetzt werden würde, würden diese aus einer ver-
hältnismäßig kleinen Warenquantität eine viel größere herstel-
len. Bei kapitalistischer Ordnung der Gesellschaft würde diese
technische Tatsache den Grund zu der sozialen Tatsache bieten,
daß die herrschende Klasse, da sie allein den Unterschied ZWI1-
schen Produkt und Konsum der Maschine genießt, über einen
Veberschuß an Produkten verfügen würde, ‚etc.».
        <pb n="80" />
        SS SL SOC SA SEA SEA SZ
Die Wirkungen der Anwendung des technischen
Kapitals in bezug auf die weiter beschäftigten
Arbeiter.
$ 1. Die Elemente des Problems.

Wir haben das Problem bisher vom Gesichtspunkt der
Unternehmer und ihrer Situation aus betrachtet, weil er für
unsern Zweck wichtiger war.

Unser Hauptzweck war die Auffindung der Ursachen,
aus denen die einzelnen Kapitalisten das technische Kapital
einführen und daher auch der Wirkungen, die dieses Ka-
pital auf die .Warenpreise und Profite ausübt. Da die Leiter
der Produktion in der kapitalistischen Wirtschaft ihrer De-
finition nach nicht die Arbeiter, sondern die Kapitalisten sind,
hätte das technische Kapital tatsächlich ohne Uebereinstim-
mung mit den Interessen der Unternehmer nicht angewen-
det werden können. Als Ausgangspunkt unserer Untersu-
chungen erschien also die Prüfung des Problems unter Er-
wägung der fühlbaren Vor- und Nachteile für die Kapita-
listen zunächst angezeigt.

. Es wird trotzdem nützlich sein, in einem zweiten Sta-
dium das Problem auch in Beziehung auf die Lage der Ar-
beiter zu betrachten.

Vor allem wird das Bild auf diese Weise vollständiger
werden. Außerdem wird die Untersuchung, die wir uns jetzt
vornehmen, zum Beweis dienen, daß die Anklage vieler
Marxisten oder sogenannter Marxisten, unsere Lehre sei eine
Verteidigung des Kapitalismus oder wenigstens eine Mil-
derung der Kritik an ihm, auch in bezug auf das besondere,
uns gegenwärtig beschäftigende Argument unbegründet ist.

In Bezug auf die Arbeiterklasse kann man die Frage
unter zwei Gesichtspunkten prüfen: demjenigen der Lage
der Arbeiter, die — in einer ersten Phase wenigstens —
infolge Einführung der Maschinen oder allgemeiner der
neuen und vervollkommneten Produktionsprozesse entlas-

[X
        <pb n="81" />
        sen werden; und demjenigen der Lage der Arbeiter, die trotz
Einführung der Maschinen beschäftigt bleiben.

Mit. der ersten Frage würden wir alle gewiß sehr
interessanten Probleme erledigen, die sich auf das Verhältnis
zwischen Anwendung der Maschinen und Arbeitslosigkeit
beziehen. Aber abgesehen von ihrer außerordentlichen Weit-
läufigkeit und Kompliziertheit, würden uns diese Probleme
zu weit über die Grenzen der vorliegenden Untersuchung
hinausführen. Wir haben uns vorgenommen, zu ermitteln,
welche Erscheinungen innerhalb der einzelnen Betriebe
infolge Einführung der Maschinen vorkommen und welche
Gegenwirkungen sie auf die Preise der entsprechenden Wa-
ren ausüben. Das Schicksal derjenigen, die an dem Leben
des Betriebes nicht weiter teilhaben, sondern davon ausge-
schlossen bleiben, geht also das beschränkte Gebiet der vor-
liegenden Untersuchung nichts an.

Wir gehen daher ohne weiteres zu der zweiten Reihe
der von uns erwogenen Fragestellungen über, nämlich der-
jenigen. die sich auf die Arbeiter bezieht, die trotz Anwen-
dung der Maschinen in den betreffenden Betrieben beschäf-
tigt bleiben.
$ 2. Das Problem in bezug auf die Gesamtheit der Betriebe und

der beschäftigten Arbeiter.

Auch hier können die in Betracht kommenden Probleme
in bezug auf die Gesamtheit der Betriebe und in bezug auf
die einzelnen Betriebe betrachtet werden, d. h. in bezug auf
die Gesamtheit der Arbeiterklasse — immer mit Ausschluß
der Arbeitslosen — oder in bezug auf die einzelnen Grup-
pen, in die sie Betrieb für Betrieb geteilt wird.

Beginnen wir mit dem ersten Punkt.

In ihren einfachsten Umrissen kann die Situation noch-
mals durch die im letzten Teil von Kapitel V angenommenen
Hypothesen dargestellt werden.

Immer unter der Annahme, daß die Anwefidung des
technischen Kapitals auf den Zweig V beschränkt bleibt,
wird die Arbeiterklasse, die vor Anwendung dieses Kapitals
aus 30 beschäftigten Arbeitern bestand, die 500 Produktein-
heiten (300 als Lohn und 200 für die Kapitalisten) herstellten,
von nun an aus 27 beschäftigten Arbeitern gebildet werden,
die insgesamt 470 Produkteinheiten herstellen (200 für die
Kapitalisten und 270 anstatt 30 als Lohn infolge des gerin-
geren Bedürfnisses der herabgesetzten Zahl beschäftigter
Arbeiter).

76
        <pb n="82" />
        77

Die geringere Zahl der Arbeiter (27 anstat1580) Wing O0
mit der proportional gleichen Produktauasfität wie früh
entschädigt (30 Arbeiter : 300 Lohn-Pro kt-Einheiten —
Arbeiter : 270 Lohn-Produkt-Einheiten), En Den
gewonnene Produktquantität verhältnismäßig größer I
Tatsächlich müßten — wenn 30 MN im gay
500 Produkteinheiten hervorbrachten — 2 Agheite,
anstatt 470 wie in unserer Hypotlese hervor i \ A

Während also der soziale Reichtum — im tnis zu
der herabgesetzten Zahl der Arbeiter, die ihn herstellen, —
gewachsen ist, bleibt die Gesamtquote, die ihnen zukommt,
gleich; genauer ausgedrückt: die absolute Größe des kollek-
tiven Mehrproduktes bleibt unverändert, während die des
kollektiven notwendigen Produktes herabgesetzt wird.

Das Beispiel, auf dem wir aufbauen, ist für unsere Lehre
am wenigsten günstig durch die Tatsache, daß es die abso-
lute Produktquantität als nicht vermehrt und die Zweig-
betriebe. in denen technisches Kapital eingeführt wird, auf
einen einzigen beschränkt annimmt. Wenn man bedenkt,
daß diese Einführung in Wirklichkeit in allen Zweigen statt-
findet und daß ihre bezeichnendste und wichtigste Folge-
erscheinung gerade die sowohl relative wie absolute Vermeh-
rung der Produktquantitäten ist, wird es mehr als je deut-
lich, daß der bei der Arbeit verbliebene Teil der Arbeiter-
klasse — bei konstantem individuellem Lohn — eine. Quote

aus dem Gesamtreichtum erhält, der im Verhältnis zu seiner
weiteren Vermehrung eine stets zunehmende relative Herab-
setzung bedeutet. Wenn man also die relative*) anstatt der
absoluten Größe des notwendigen Klassenproduktes betrach-
tet, ergibt sich, daß mit der Steigerung der Produktivität der
Arbeit infolge des technischen Kapitals die relative Größe
des kollektiven notwendigen Produkts konstant bleibt, wäh-
rend die absolute Größe des kollektiven Mehproduktes_ zu-

1) Wie sich klar aus dem Streit selbst ergibt, verstehen wir
unter absoluter Größe des notwendigen Klassenproduktes dieje-
nige, die unabhängig von jedem Wechsel in der bei der Arbeit
gebliebenen Zahl der Arbeiter ist; unter relativer Größe hinge-
gen diejenige, die wir in Beziehung zu diesem Wechsel setzen.
Vor Einführung der Maschinen waren 30 Arbeiter beschäftigt,
von denen jeder einen Lohn 10 erhielt. Dann bleiben 27, von
denen jedoch jeder weiter den gleichen Lohn erhält. Die absolute
Größe des kollektiven Lohns verringert sich von 300 (30 Ar-
beiter : 10) auf 270 (27 Arbeiter : 10), während seine relative

Größe gleich hleibt (27 Arbeiter : 270 — 30 Arbeiter : 300).
        <pb n="83" />
        nimmt. Mit andern Worten: die weiter beschäftigten Arbei-

ter erhalten die gleiche Quantität an Lohnprodukten, obgleich

die Produktivität ihrer Arbeit zugenommen hat.

Wie wir in einem vorhergehenden Absatz: betont haben,
beruht diese letzte Schlußfolgerung auf der Hypothese, daß
der Arbeiterlohn und folglich auch die absolute Quantität
der Lohnprodukte unverändert bleibt. Eine derartige Hypo-
these ist für den Augenblick am zweckmäßigsten, sei es als
logische Norm, auf der sich die Wirkungen einer neuen Ur-
sache deutlicher abheben, unter Annahme sonst gleich blei-
bender Bedingungen, sei es weil die Prüfung einer eventuel-
len Lohnvermehrung infolge der Maschinenanwendung uns
mitten in ein Gebiet führen würde, das mit der vorliegenden
Untersuchung nichts zu tun hat, nämlich in das Problem der
Zzusammenwirkenden Veränderungen von Lohn und Profit.

‚Wir denken durchaus nicht daran, die Möglichkeit sol-

cher Veränderungen zu bestreiten. Sie kommen tatsächlich
als eine der bezeichnendsten Manifestationen wirklich kapıi-
talistischer Wirtschaft vor und zeigen auch vom politischen

Standpunkt aus sehr interessante Probleme. Wir können sie
nur in der gegenwärtigen Arbeit nicht behandeln.

... Wenn infolge Einführung der Maschinen die Produk-
tivität der Arbeit in den für die. Lohnwaren bestimmten Be-
trieben. wächst, und wenn trotzdem die Nachfrage nach die-
sen Waren eben wegen der Beständigkeit der Löhne nicht
zunimmt, wird. natürlich eine bestimmte Anzahl Arbeiter
— Wie wir schon in den Kapiteln V und VI festgestellt ha-
ben — auch aus diesen Betrieben entlassen werden müssen.

Die Arbeiterbedingungen werden sich. so — zunächst
wenigstens — weiter verschlechtern, wenn auch aus einer Ur-
sache, mit der wir uns vorläufig nicht befassen können.
$ 3. Das Problem in bezug auf die einzelnen Betriebe und die

einzelnen Arbeitergruppen.

Betrachten wir nunmehr das Problem nicht mehr ın
bezug auf die Gesamtheit der Betriebe, sondern in bezug auf
die einzelnen Betriebe.

Die Situation ergibt sich hier aus den beiden letzten in
Kapitel. VI aufgestellten Tabellen und besonders aus den
Vorgängen in dem Zweigbetrieb V.

- Vor Einführung des technischen Kapitals konnten die
Quantitäten und ökonomischen Beziehungen des Betriebes V
in folgenden Größen zusammengefaßt werden: es gab 6 Ar-
beiter, die zusammen Lire 60 erhielten, während der Kapita-
list,_der_100_ Einheiten ihres Produktes zu dem Gesamt-

78
        <pb n="84" />
        79

preis von 100 Lire verkaufte, den absoluten Spielraum von
L.. 100 —" L. 60 = L. 40 realisierte, d. h.. in bezug auf das
vorgestreckte Kapital von L. 60 einen perzentuellen  Spiel-
raum oder Profit von 66,660/°. Für jede Lire vorgestreckten
Kapitals erhielt der Unternehmer also einen Profit von
Lire 0.66. *)

Infolge Einführung des technischen Kapitals wird die
Zahl der Arbeiter auf 3 herabgesetzt, die einen Gesamtlohn
von L. 30 erhalten. Der Kapitalist hingegen verfügt weiter
über 100 Produkteinheiten und kann diese noch immer zum
Gesamtpreis von L. 100 verkaufen, da seine Kosten gleich
bleiben (L. 60). Er genießt also in Hinblick auf das gesamte
Kapital von L. 60 (L. 30 in Lohn-, +L. 30 in technischem
Kapital) weiterhin einen Profit von 66.66°%. Wenn er also für
jede Lire des gesamten aufgesetzten Kapitals (L. 60) weiter
einen Profit von L. 0,66 einkassiert, realisiert er in Wirklich-
keit nur für jede Lire desjenigen Teils dieses Kapitals, der
aus dem Lohnkapital (L. 30) gebildet wird, einen Profit von
L. 1,32,?) d. h. einen Profit von 133,32°/o.

Mit andern Worten: die weiter beschäftigten Arbeiter
erhalten den gleichen Lohn wie früher (L. 10 pro Kopf),
während der Unternehmer — eben weil er dem Profit. aus
dem auf die Hälfte herabgesetzten Lohnkapital (von L. 60 auf
L. 30) den proportional gleichen Profit aus einem technischen
Kapital von gleicher Größe (L. 30) hinzufügt — einen dop-
pelt so großen Gewinn als der, den er vorher aus den 30 L.
Lohnkapital erhielt, realisiert. So daß zum gleichen Zeitpunkt,
an dem die Einnahme des weiter beschäftigen Arbeiters kon-
stant bleibt, der Unternehmergewinn — entsprechend dem
vorgestreckten Kapital, aus dem diese Einnahme sich ergibt,
A. h. dem Lohnkapital.— verdoppelt wird. °)

1) Die Proportion, aus der sich diese letztere Ziffer ergab,
ist: L. 60 (gesamtes Kapital) : L. 40 (absoluter Spielraum) = 1:
Daher x — 0,66.

2) Dieses Ergebnis erhält man aus der folgenden Proportion:
L. 30 (Lohnkapital) : L. 40 (absoluter Spielraum) — 1; x. Fole-
lich x — LI. 1,33.

3) Die Verteidiger der kapitalistischen Wirtschaft werden
einwenden können, daß. dies alles ganz natürlich ist. Die Stei-
gerung der Produktivität der Arbeit hängt. von dem durch den
Kapitalisten vorgestreckten technischen Kapital ab. Es ist daher
logisch, daß der Unternehmer für diese wie für. jede andere Form
von Vorschuß einen proportionalen Profit. erhält. Der Einwand
        <pb n="85" />
        Y

Das gleiche Phänomen 1äßt sich auch aus dem Einheits-
preis der Ware ableiten. Sowohl vor wie nach Anwendung
der Maschinen ist der Preis jeder Produkteinheit (100 Ein-
heiten) gleich L. 4. Aber vorher lastete auf jeder Einheit das
Lohnkapital mit L. 0.60 und der Profit mit L. 0.40. Nachher.
hingegen belastet das Lohnkapital jede Einheit mit nur
L. 0.30, der Profit hingegen weiter mit L. 0.40.

Wir haben bisher den Fall betrachtet, in dem die Pro-
duktquantität konstant bleibt. Tatsächlich bedeutet, wie wir
mehrmals erinnert haben, die Einführung des technischen
Kapitals keine Beständigkeit, sondern eine Vermehrung, ja
sogar eine starke Vermehrung der produzierten Quantität.

Während dieses Phänomen seine ganze Bedeutung füh-
len 1äßt, solange man die Betriebe und Arbeiter in ihrer Ge-
samtheit und die Produktquantitäten konsequent unabhän-
gig von jedem Tauschwertbegriff betrachtet, büßt es jedoch
viel von seiner Wichtigkeit ein, sobald man einen einzelnen
Betrieb untersucht und daher das Tauschwertkriterium an-
wendet, von dem man vorher abgesehen hatte. In bezug auf
die einzelnen Betriebe gilt nicht die Quantität der betreffen-
den Produkte an sich, sondern ihre Erwerbsmacht, ihr
Tauschwert. Die Quantität der Produkte gewinnt nur inner-
halb der Grenzen eine Bedeutung, in denen sie eine Rückwir-
kung auf den Wert ausübt.

Wenn z. B. in der Hypothese von Betrieb V die Produkt-
quantität von 100 auf 200 stiege, die andern Bedingungen
aber unverändert blieben, brauchten wir für alles übrige
nur das zu wiederholen, was wir weiter oben gesagt haben.

Auch wenn wir der größeren Einfachheit halber tatsäch-
lich annehmen, daß die Zunahme von Produktion und An‘
gebot keine Preisabnahme infolge der Gesetze der Nachfrage
ist an sich sehr richtig. Aber er beweist nichts zu Gunsten der
kapitalistischen Herrschaft. Man braucht nur anzunehmen, daß
das Kapital und somit auch das technische Kapital Kollektiv-
Kigentum werden, um einzusehen, daß die Arbeiter bei dieser
Hypothese zum eigenen Nutzen soviel zurück behalten könnten
wie entsprechend der Größe des vorgestreckten technischen Ka-
pitals heute den Kapitalisten zukommt. Es ist etwas anderes,
festzustellen, daß eine gegebene Erscheinung die notwendige
Wirkung eines gegebenen Wirtschaftssystems darstellt, und et

was anderes, sich darüber zu täuschen, daß eine derartige Fest-
stellung an sich zur Festigung jener sozialen Voraussetzungen
dienen kann, von denen sie eine reine Folgeerscheinung ist.

80
        <pb n="86" />
        = 81 = &gt;
hervorruft, bleibt die Gesamteinnahme der 3 Arbeiter gleich
(L. 30 im ganzen), während der Unternehmer seinerseits die
200 Einheiten, über die er verfügt, nur zum Gesamtpreis von
L. 100 verkaufen kann. Er realisiert daher wie vorher einen
Profit von 66,66% aus dem Gesamtkapital und einen Profit
von 133,32°% aus dem Lohnkapital.

8 4. Der Parallelismus in der Lösung des Problems in bezug auf
die Gesamtheit der beschäftigten Arbeiter und in bezug auf die
einzelnen Gruppen.

Trotz der Unterschiede, die sich ergeben, je nachdem ob
man den Tauschwert betrachtet oder nicht, zeigt sich zwi-
schen den Schlußfolgerungen, zu denen wir in bezug auf die
Gesamtheit der Betriebe und der Arbeiterklasse einerseits
und in bezug auf die einzelnen Betriebe und entsprechenden
Arbeitergruppen andrerseits gelangt waren, ein bemerkens-
werter Parallelismus.

Beschränken wir uns der Kürze halber auf die Verän-
derungen in Betrieb V_ bei unveränderter Produktions-
quantität.

Betrachtet man die Arbeiterklasse als ganzes, so ergibt
sich, daß, während die soziale Produktion im Verhältnis zur
kleineren Anzahl der beschäftigt gebliebenen Arbeiter
wächst, diese letzteren mit einer konstanten Gesamtquote an
ihr teilhaben. Mit andern Worten: wenn die absolute Größe
des kollektiven Mehrproduktes zunimmt, nimmt die Größe
des kollektiven notwendigen Produktes im Verhältnis zu
ihrer früheren Größe zur Zeit als noch alle Arbeiter beschäf-
tigt waren, ab und bleibt im Verhältnis zu der verringerten
Zahl der beschäftigt gebliebenen Arbeiter gleich.

Betrachtet man nur die Gruppe von Betrieb V, so behält
das Phänomen die gleiche Richtung, aber durch das Hinzu-
kommen des Tauschwertes (Preises) zeigt es sich in Bezie-
hungen und Prozenten zwischen Lohn und Profit. Auf jede
Lire Produkt kam vor Anwendung des technischen Kapitals
L. 0.60 Lohn und L. 0.40 Profit. Nachher dagegen blieb der
Profit L. 0.40, aber der Lohn fiel auf L. 0.30. Mit anderen
Worten das Lohnkapital nimmt ab, und der Profit nimmt
im Verhältnis zu ihm zu.

Obgleich die Tatsache allein, daß wir von der Hypothese
einer Beständigkeit der Individuallöhne ausgegangen sind,
jede weitere Klärung überflüssig macht, soll doch hervor-
gehoben werden, um jedes mögliche Mißverständnis zu ver-
meiden, daß wir, wenn wir weiter oben von Verschlech-
        <pb n="87" />
        LI EZ En
terung in den Bedingungen der beschäftigten Arbeiter ge-
sprochen haben und im folgenden noch davon sprechen wer-
den, nicht beabsichtigt haben und nicht beabsichtigen, uns
auf. eine absolute Senkung der Lebenshaltung zu beziehen.
Die Verschlechterung, mit der wir uns befassen, hat relativen
Charakter: sie bezieht sich auf die ökonomische und soziale
Situation im weitesten Sinn und kommt im wesentlichen
von dem Phänomen her, daß, bei Anwachsen des sozialen
(an Gebrauchswerten gemessenen) Reichtums, infolge Eın-
führung der Maschinen, die den Kapitalisten zukommen: de
Quote wächst, wogegen die den einzelnen Arbeitern zukom-
mende unverändert bleibt.

Wir werden dann in weiteren Arbeiten sehen, daß, da
die Hypothese, von der wir ausgehen, eine einfache Bequem-
Jlichkeitshypothese ist, und da in Wirklichkeit auch die
Löhne steigen, das Problem der ökonomischen und sozialen
Bedingung der beschäftigten. Arbeiterklasse mit größerer
Genauigkeit folgendermaßen zu stellen ist: da infolge immer
größerer. Ausdehnung des technischen Kapitals der soziale
Reichtum wächst, in welchem Verhältnis steigt der Lohn
und in welchem der Profit? Eine Frage, auf welche der gut-
willige Leser unsere Antwort nunmehr leicht erraten wird.

&amp; 5. Das Problem und die Marxsche Darstellung.

Wenn wir nun zu den früheren Hypothesen zurück-
kehren, können wir einen eigenartigen Gegensatz feststellen.

Während — wie wir weiter oben angedeutet haben —
nicht wenige der sogenannten Marxisten in unseren Unter-
suchen den Versuch sehen, die Kritik am Kapitalismus abzu-
schwächen, wenn nicht gar ihn zu verteidigen, kann in
Wahrheit die relative Verschlechterung, die unter dem bis-
her angewendeten Gesichtspunkt die Anwendung des tech-
nischen Kapitals für die beschäftigt gebliebenen Arbeiter
bedeutet, nur durch unsere Darstellungsweise gesehen, oder
wenigstens genau gesehen werden. Sie wird durch die
Marxsche Methode hingegen übersehen oder. doch nur in
ungenügender Weise aufgezeigt.

Im ersten Band des «Kapital» hat Marx sich ausführlich
mit den Ausbeutungsformen menschlicher Arbeit und beson-
ders deren Intensivierung und Verdichtung befaßt, die eine
Folge der größeren Achtsamkeit und Schnelligkeit sind, die
den Arbeitern automatisch durch die Maschinen auferlegt
werden. Aber darum handelt es sich nicht. Es handelt sich
jetzt um diejenigen Beziehungen, die — angenommen, daß

Q“
        <pb n="88" />
        Q3
alle anderen Bedingungen und folglich auch die Intensität
der Arbeit konstant bleiben — nur durch die Tatsache, daß
ein bestimmter Teil des Lohnkapitals durch einen bestimm-
ten Teil technischen Kapitals ersetzt wird, zwischen kollek-
tivem Mehrprodukt und kollektivem notwendigem Produkt,
zwischen Lohn und Profit entstehen.

Wir beginnen mit der Betrachtung der Gesamtheit der
Betriebe und nehmen der Kürze halber an, daß das tech-
nische Kapital — in den bekannten Proportionen und mit
Vermehrung der Produktivität der Arbeit — nur in Be-
trieb V eingeführt worden ist.

Wir haben in den vorhergehenden Kapiteln gesehen,
daß, nach. Marx — da die Rente der Kapitalisten durch
Arbeit und nicht durch Produkte, oder genauer durch Mehr-
arbeit und nicht durch Mehrprodukte dargestellt wird, —
die Gesamteinnahme der weiter beschäftigten Arbeiter gleich
bleibt, wogegen die Gesamteinnahme der Kapitalisten. nur
durch die Tatsache, daß in dem in Frage kommenden Be-
trieb weniger lebende Arbeit angewendet wird, ab- anstatt
zunimmt. Es fehlt daher die Antithese zwischen einer relativ
unveränderten Einnahme (derjenigen der Arbeiter) und
einer gesteigerten Einnahme (derjenigen der Kapitalisten),
aus der gerade die relative Verschlechterung in den Bedin-
gungen der ersteren hervorgeht.

Gehen wir dann zur Betrachtung der einzelnen Betriebe
oder genauer des Betriebes V über, so bedeutet für Marx die
Tatsache, daß in ihr die Anwendung menschlicher Arbeit
herabgesetzt ıst (30 anstatt 60 Arbeitsstunden), notwendiger-
weise eine Herabsetzung des effektiven Mehrwertes, d. h. des
im Innern der Fabrik selbst hergestellten Mehrwertes. Die
Rente des Kapitalisten würde also abnehmen, wenn eine
künstliche Preiserhöhung der Ware ihm nicht gestatten
würde, sich durch den Tausch und nur durch ihn, den
Durchschnittsprofit zu verschaffen.

Bei einer derartigen Situation ergibt sich auch aus der
Marxschen Darstellung, daß der Unternehmergewinn propor-
tional zu derjenigen Quote seines Kapitals zunimmt, die auch
weiterhin nur in den Löhnen investiert ist. Aber es handelt
sich um ein sozusagen künstliches Phänomen, das nur einem
Hilfsmittel von seiten der Zirkulation zu verdanken ist.
Ohne dieses Hilfsmittel würde — ceteris paribus — die
Größe des Mehrwertes abnehmen wegen der Verkleinerung
des Lohnkapitals, und die relative Verschlechterung in den
Bedingungen der Arbeiter jenes gegebenen Betriebes würde
in keiner Weise offenbar werden.
        <pb n="89" />
        A 4 ——

. Und wenn selbst bei Betrachtung der einzelnen Betriebe
die Marxsche Darstellung des Phänomens durch ausnahms-
weise Zuflucht zur Zirkulation weniger unvollkommen er-
scheint, leidet sie doch weiter an den ihr eigentümlichen
schweren Irrtümern durch die Betrachtung der Gesamtheit
der Betriebe. Der Kapitalist, der die größere Quote technischen
Kapitals eingefüht hat, kann durch künstliche Preiserhöhung
seiner Ware einen Profit realisieren, der nicht zu weit hinter
den Ansprüchen seiner Position zurückbleibt; aber eben weil
dieser Profit, da er ausschließlich aus einem Zirkulations-
vorgang stammt, durch einen Abzug am Gewinn der andern
zustande kommt, ist das Ergebnis eine Senkung des Durch-
Schnittsprofites für alle. So daß auch die Darstellung der
relativen Verschlechterung der Arbeiter-Lage quantitativ
gemildert wird.

Wir wollen mit einem Hinweis schließen. Auf S. 47-48
unseres «Preis und Mehrpreis und ihre Beziehungen zu Kon-
sumenten und Arbeitern» schrieben wir: «Auf dem Gebiet
der eigentlichen Produktion ist der Gegenstand des Konflik-
tes zwischen den einzelnen Unternehmern und den von
ihnen Abhängigen nicht so sehr die Arbeit wie die Produk-
tion der Arbeit; nicht die Preise der Produkte, die sich aus
der Arbeit ergeben, sondern die Preise der Produkte, die
sich aus den viel komplizierteren und mannigfaltigeren Ge-
setzen des Marktes ergeben». Und wir fügten hinzu: «Wir
werden in einer anderen Untersuchung die ganze Tragweite
dieser Erscheinung sehen, indem wir von diesen scheinbar
So einfachen Wahrheiten ausgehen».

Betrachten wir die gegenwärtigen Untersuchungen als
eine erste und teilweise Erfüllung dieses Versprechens und
hoffen wir, daß die folgenden eine Vervollständigung bilden
werden.

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        LFESSES LLC KSICAKSLATZLZPESS
Inhalt.

Einleitung

Kapitel I: Die Marxsche Werttheorie und das «konstante»
Kapital (technische Kapital).

S$ 1. Die Ricardo Marxsche Werttheorie und die Unproduk-
tivität des technischen Kapitals an Mehrwert .

$ 2. Die Unerklärbarkeit der Einführung des technischen
Kapitals bei Annahme seiner Unproduktivität an Mehr-
wert ; 8

S 3. Die Konkurrenz und die zunehmende Verwendung von
technischem Kapital . „10

Kapitel II: Die Marxsche Werttheorie und die Umwandlung
des Mehrwertes in Profit.

S 1. Die Umwandlung des Mehrwertes in Profit und des
Profites in Durchschnittsprofit . „5

$ 2. Die Beziehungen zwischen der Werttheorie und den
Produktionskosten . „19

Kapitel III: Die Marxsche Lösung und deren ‚logische
Widersprüche.

S$ 1. Verneinende und aufbauende Kritik . ‚ 2

$ 2. Tauschwerte und Preise ; .‚ RR

S 3. Preissummen und Tauschwertsummen 27

Kapitel IV: Die Grundirrtümer der Marxschen Problem-
stellung und ihre wesentlichen Ursachen,

S 1. Die Marxsche Auffassung und die Darstellung der Pro-
dukte durch die Arbeit .

3
21
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        ZA

$ 2. Die Marxsche Auffassung und der Ersatz der Produkte
durch die Arbeit ; 3

S$ 3. Die Ersetzung der Produkte durch die Arbeit und deren
Irrtum | 33

S 4. Die Ersetzung der Produkte durch die‘Arbeit und das
Problem des technischen Kapitals 35

$ 5. Die Produkte und nicht die Arbeit als Gegenstand der
Verteilung und des sozialen Kampfes 36

S 6. Die Ersetzung der Produkte durch die Arbeit und die
Unproduktivität des «konstanten» Kapitals an Mehr-
produkt und an Mehrwert . a7

$ 7. Die Ersetzung der Produkte durch die Arbeit und die
Betrachtung der einzelnen Unternehmungen . . 39

Kapitel V: Die Wirkungen der Anwendung des technischen
Kapitals bei Betrachtung der Gesamtheit der Betriebe
(in bezug auf die Kapitalisten und bei unveränderter
Quantität der Produkte).

S$ 1. Die Marxsche Darstellung und die Veränderung der
Produktquantität und der. Arbeit in entgegengesetztem
Sinn ‚41

$ 2. Die Marxsche und unsere Darstellungsweise . Se

S$ 3. Weitere Entwicklung . ; ; x MM

Kapitel VI: Die Wirkungen der Anwendung des technischen
Kapitals bei Betrachtung der einzelnen Betriebe (in be-
zug auf die Kapitalisten und bei unveränderter Pro-
duktquantität).

8 1. Die Marxsche Darstellung . ‚ 49

$ 2. Die von uns vorgeschlagene Darstellung „588

8 3. Die heiden Auffassungen und ihre Unterschiede . 56

Kapitel VII: Die Wirkungen der Anwendung des technischen
Kapitals bei Betrachtung der Gesamtheit der Betriebe
und bei Betrachtung der einzelnen Betriebe (in bezug
auf die Kapitalisten und bei vermehrter Produkt-
Quantität)

59
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        — MM —

Kapitel VII: Die Marxsche und unsere Lösung.
$ 1. Die beiden Lösungen bei der allgemeinen Betrachtung

der Gesamtheit der Betriebe 65
$ 2. Die beiden Lösungen bei der allgemeinen Betrachtung

der einzelnen Betriebe „67
S$ 3. Die Antriebe zur wachsenden Anwendung des tech-

nischen Kapitals .. . 69
$ 4. Mehrarbeit und Mehrprodukt „72
Kapitel IX: Die Wirkungen der Anwendung des technischen

Kapitals in bezug auf die weiter beschäftigten Arbeiter.
$ 1. Die Elemente des Problems . 75
$ 2. Das Problem in bezug auf die Gesamtheit der Betriebe

und der beschäftigten Arbeiter . . 76
$ 3. Das Problem in bezug auf die einzelnen Betriebe und

die einzelnen Arbeitergruppen „78
&amp; 4. Der Parallelismus in der Lösung des Problems in be-

Zug auf die Gesamtheit der beschäftigten Arbeiter und

in bezug auf die einzelnen Gruppen 81
$ 5. Das Problem und die Marxsche Darstellung 82

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Geb. M. 6.—
Bibliographie der Rechts- u. Theorie, Geschichte und
Staatswissenschaften Praxis der Konsumenten-
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5 Helte, M. 6.— nf Mas fm Eu:

Se Da Ahr nn Die Genossenschaftsbewe-
Marx - Engels - Lassalle, Eine gung in Japan. Von K. Ogata.
Bibliographie des Sozialismus. M. 12.—, geb. 14.—

Hrsg. v. Drahn. br. 3.—, geb. 4.75, _
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M. 5.— Verständigung
Geschichte der MNational- Deutschland u. Frankreich.
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V. S. Gargas. 7.80, geb. 9.40 geb. 20.20
Der neue Reparationsplan.
Allgemeine V. H. G. Moulton. M. 2.—
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kapitalist. Wirtschaft. v. A.
Währungsiragen Der B ee en y
. z . er Begri er Mehrarbeit
Währung und Wirtschalt in u. d. Werttheorie. v. A. Gra-
Polen, Litauen, Lettland u. ziadel. M. 1.80
Estland. N Eich: Ma 10 Preis und Mehrpreis und
. ER ihre Beziehungen zn Kon-
Währungsprobleme Sowjet* sumenten und Arbeitern.
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        g:
SA —
hervorruft, bleibt die Gesamteinnahme der 3 Arbeiter gleich 7
(L. 30 im ganzen), während der Unternehmer seinerseits die ce
200 Einheiten, über die er verfügt, nur zum Gesamtpreis von ;
L. 100 verkaufen kann. Er realisiert daher wie vorher einen
Profit von 66,66% aus dem Gesamtkapital und einen Profit
von 133,32°% aus dem Lohnkapital.
8 4. Der Parallelismus in der Lösung des Problems in bezug auf
die Gesamtheit der beschäftigten Arbeiter und in bezug auf die
einzelnen Gruppen.
Trotz der Unterschiede, die sich ergeben, je nachdem ob
man den Tauschwert betrachtet oder nicht, zeigt sich zwi-
schen den Schlußfolgerungen, zu denen wir in bezug auf die
Gesamtheit der Betriebe und der Arbeiterklasse einerseits
und in bezug auf die einzelnen Betriebe und entsprechenden
Arbeitergruppen andrerseits gelangt waren, ein bemerkens-
werter Parallelismus.
Beschränken wir uns der Kürze halber auf die Verän-
derungen in Betrieb V bei unveränderter Produktions-
quantität.
Betrachtet man die Arbeiterklasse als ganzes, so ergibt
sich, daß, während die soziale Produktion im Verhältnis zur
kleineren Anzahl der beschäftigt gebliebenen Arbeiter
wächst, diese letzteren mit einer konstanten Gesamtquote an
ihr teilhaben. Mit andern Worten: wenn die absolute Größe
des kollektiven Mehrproduktes zunimmt, nimmt die Größe
des kollektiven notwendigen Produktes im Verhältnis zu
ihrer früheren Größe zur Zeit als noch alle Arbeiter beschäf-
tigt waren, ab und bleibt im Verhältnis zu der verringerten
Zahl der beschäftigt gebliebenen Arbeiter gleich. .
Betrachtet man nur die Gruppe von Betrieb V, so behält
das Phänomen die gleiche Richtung, aber durch das Hinzu-
kommen des Tauschwertes (Preises) zeigt es sich in Bezie-
hungen und Prozenten zwischen Lohn und Profit. Auf jede
Lire Produkt kam vor Anwendung des technischen Kapitals
L. 0.60 Lohn und L. 0.40 Profit. Nachher dagegen blieb der
Profit L. 0.40, aber der Lohn fiel auf L. 0.30. Mit anderen ,
Worten das Lohnkapital nimmt ab, und der Profit nimmt
im Verhältnis zu ihm zu. |
Obgleich die Tatsache allein, daß wir von der Hypothese
einer Beständigkeit der Individuallöhne ausgegangen sind,
jede weitere Klärung überflüssig macht, soll doch hervor-
gehoben werden, um jedes mögliche Mißverständnis zu ver-
meiden, daß wir, wenn wir weiter oben von Verschlech-
5

81
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