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        <title>Die Werttheorie und das Problem des "Konstanten" (Technischen) Kapitals</title>
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            <forname>Antonio</forname>
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        1ARADO
3
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        ANTONIO GRAZIADEI
Die Werliheorie
und das Problem des
66
„Konstanten“ (Technischen) Kapilals
Übersetzt von Elisabeth Salomon
Librerla Editrice Jtallana — Bolzanou
Prager = Berlin
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        ANTONIO |GRAZIADEI
Die Wertikeorie
und das Problem des
„Konslanlen“ (Technischen) Kapilals
Übersetzt von Elisabeth Salomon
Libreria Editrice Jtaliana — Bolzano
Prager — Berlin
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EINLEITUNG.
In den beiden Arbeiten «Der Begriff der Mehrarbeit und
die Werttheorie» (Bolzano, Libreria Editrice Italiana - Berlin,
Prager, 1925) und «Preis und Mehrpreis und ihre Beziehungen
 zu Konsumenten und Arbeitern» (Bolzano, Libreria Editrice
 Italiana - Berlin, Prager, 1925) haben wir einige der in
unserem «Preis und Mehrpreis in der kapitalistischen Wirtschaft»
 (Berlin, R. L. Prager, 1925) abgehandelten und untersuchten
 Gegenstände, besonders die in den beiden letzten Kapiteln
 erörterten, zu klären und zu vervollständigen versucht.
Mit _der vorliegenden Skizze wollen wir hingegen eine
neue Untersuchungsreihe einleiten: sie beziehen sich zwar
auf Probleme, die immer mit den Preisphänomenen und
Preisgesetzen verknüpft ‚sind, unterscheiden sich aber doch
von den in den oben zitierten Arbeiten betrachteten Fragen.
In diesen haben wir zu beweisen versucht, daß die Ricardo-Marxsche
 Theorie vom Tauschwert (Preis) *) nicht nur
der tatsächlichen Urteils- und Handlungsweise der Men-Schen
 nicht entspricht, sondern auch diejenigen Preisphänomene
 nicht zu erklären vermag, die mit einer Einschränkung
 der produzierten Menge einzelner Waren zusammenhängt,
 besonders die Preiserhöhung bei totalem Monovol
 oder Syndikat, die mit der diesen Wirtschaftsgebilden
E 1) Wir erinnern ein- für allemal daran, daß wir uns, wenn
wir den Ausdruck «Preis» als Synonym von «Tauschwert»
anwenden, auf den «Preis in bezug auf lange Zeitperioden»
heziehen wollen. Man vergleiche hierüber unsere Analyse in
«Preis und Mehrpreis» etc., besonders Kapitel IV.
        <pb n="6" />
        Ed
eigentümlichen Verminderung der hergestellten und angebotenen
 Mengen in Wechselwirkung steht.
Da in einer auf Arbeitsteilung beruhenden Wirtschaft.
auch die Phänomene der Produktion der einzelnen Waren
auf die entsprechenden Preise zurückwirken, beabsichtigen
wir, mit unseren neuen Untersuchungen vor allen Dingen
nachzuweisen, wie die Ricardo-Marxsche "Theorie vom
Tauschwert (Preis), die von ihren Urhebern geradezu als
unerläßliche Voraussetzung zum Verständnis jedes ökonomischen
 Vorganges aufgefaßt wird, eine getreue Darstellung
und genaue Auslegung derjenigen Phänomene verhindert,
die an jene Bedingung geknüpft sind, durch welche man
gleiche .und selbst größere Produktquantitäten mit technischem
 («konstantem») anstatt mit Lohn-Kapital erhalten
kann. Ferner beabsichtigen wir, zu beweisen, daß die gleiche
Theorie vom Tauschwert (Preis) im allgemeinen und aus
analogen Gründen ein Hindernis zur ganzen oder teilweisen
Darstellung und zum ganzen oder teilweisen Verständnis der
von der Tatsache abhängigen Phänomene bildet, daß die
Quantitäten aller in einem bestimmten Augenblick vorhandenen
 Produkte (Waren) oder eines Teiles von ihnen — welches
 auch immer die Formen und die Zusammensetzung des
entsrechenden Gesamtkapitals in dem darauf folgenden Augenblick
 sein mögen — infolge wachsender Produktivität der
Arbeit vermehrt sind.
Die Phänomene, auf die wir uns beziehen, sind von besonderer
 Bedeutung, wenn man bedenkt, daß die Ersetzung
des Lohnkapitals durch das technische Kapital und allgemeiner
 die absolute oder relative Vermehrung der Produktion
 (die letztere natürlich in längeren Friedenszeiten)
typische Escheinungen der kapitalistischen Wirtschaft sind;
und genauer gesagt, gerade diejenigen Erscheinungen, die
in einer bestimmten historischen Epoche ihre Ueberlegenheit
über frühere ökonomische Systeme ausgebildet und darauf,
innerhalb der Grenzen ihrer Gesetze, eine bemerkenswerte
Erhöhung in der Lebenshaltung bestimmter Schichten der
Arbeiterklasse ermöglicht haben.
        <pb n="7" />
        Natürlich wird die positive Seite der Dariegung mit der
negativen — um sie so zu nennen — verflochten sein. Das
heißt, wir werden zu: beweisen suchen, daß die gleichen
Gründe, aus denen die Ricardo-Marxsche Tauschwerttheorie
nicht alle in Frage kommenden Phänomene genau darzustellen
 vermag, hingegen für deren Darstellung durch die
von uns gestützte Theorie maßgebend werden.
Die vorliegende Arbeit ist der ersten der beiden angedeuteten
 Fragen gwidmet, d. h. der Darstellung der Folgen, die
sich aus der Ersetzung des Lohnkapitals durch das technische
 («konstante») Kapital ergeben, mittels des Preises. Ihr
werden andere Untersuchungen folgen, die darauf gerichtet
sind, mehr im allgemeinen die Wechselbeziehungen zwischen
 Lohn und Profit und durch diese dann den Gang der
materiellen Bedingungen der Arbeiterklasse in der kapitalistischen
 Wirtschaft zu prüfen.

-
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Z ei puüngthek 12
£ 5
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5 %
Die Marxsche Werttheorie und das ‚,, et
Kapital (technische Kapital).
$ 1. Die Ricardo-Marxsche Werttheorie und die Unproduktivität
des technischen Kapitals an Mehrwert.
In der Ricardo-Marxschen Theorie, nach welcher der
Tauschwert ausschließlich durch die Arbeit und der Gewinn
des Kapitalisten ausschließlich durch die in Mehrwert verwandelte
 Mehrarbeit der entsprechenden Arbeiter bestimmt
wird, ist das Lohnkapital das einzige Kapital, das aus der
Natur der besonderen Ware, in die es investiert ist, (der
Ware: Arbeitskraft) den Wert des Produktes vermehrt, d. h.
das einen größeren Wert (den Mehrwert) ermöglicht. Hingegen
 kann das in irgend einer anderen Form verwendete
Kapital, da es keine lebendige Arbeit fördert, keinerlei Mehrwert
 erzeugen.
Marx nennt das Lohnkapital variables Kapital, eben weil
es ihm nach seiner Wertlehre als das einzige erscheint, das,
da es zur Ausübung lebendiger Arbeit verwendet wird,
eine Mehrarbeit und daher mittels des entsprechenden Mehrwertes
 einen Wertzuwachs hervorbringen kann, kurz das
den Wert des eigenen Produktes in steigendem Grade-verändern
 kann. Er nennt hingegen konstantes Kapital alle Formen
 von anderweitig investiertem Kapital, da für ihn diese
Formen keine M.hrarbeit und folglich auch keinen Mehrwert
 schaffen können, sondern sich darauf beschränken, den
eigenen verbrauchten Wert auf den Wert der Ware, die sie
gemeinsam herstellen, zu übertragen und daher keine
variable, sondern eine fest bestimmte Quantität darstellen. ))
1) Da wir den Marxschen Gedanken kritisieren sollen, können
 wir keine Terminologie annehmen, die so eng mit seiner
Auffassung zusammenhängt. Von jetzt an werden wir also das
sogenannte «variable» Kapital Lohnkapital, und das sogenannte
«konstante» Kapital allgemein. technisches Kapital nennen.

1.
        <pb n="9" />
        — 8
Die Annahme, daß die nicht zur Bezahlung der lebendigen
 Arbeit angewandten Formen von Kapital ihrerseits
einen Mehrwert erzeugen können, würde der Verneinung
der Theorie selbst gleich kommen nach welcher der Tauschwert
 durch die Arbeit gegeben ist.
Viele Stellen bei Marx tragen dazu bei, um jeden Zweifel
 über die von uns festgestellte Beziehung von Ursache
und Wirkung zwischen seiner Tauschwerttheorie und seinen
Schlußfolgerungen daraus auf das. konstante Kapital zu
beheben. Der folgende Abschnitt möge für alle genügen:
«Wenn ein Kapital, das prozentig aus 90 c + 10 v besteht,
bei gleichem Exploitationsgrad der Arbeit ebensoviel Mehrwert
 oder Profit erzeugte wie ein Kapital, das aus 10 c + 90 v
besteht, dann wäre es sonnenklar, daß der Mehrwert und
daher der Wert überhaupt eine ganz andere Quelle haben
müßte als die Arbeit.
Setzen wir fortwährend 1 L. gleich dem Wochenlohn
eines Arbeiters für 60 Arbeitsstunden, und die Mehrwertsrate
 = 100°. 10 Arbeiter könnten also nicht mehr liefern
als 20 Lire; und da von diesen 20 L. 10 L. den Arbeitslohn
ersetzen, so könnten die 10 keinen größeren Mehrwert schaffen
 als 10 Lire; während die 90, deren Gesamtprodukt
= 180 Lire, und deren Arbeitslohn = 90 Lire, einen Mehrwert
 von 90 Lire schaffen würden. Die Profitrate wäre also in
einem Fall 10°%, im andern 90°. Sollte es anders sein, so
müßten Wert und Mehrwert etwas andres sein als vergegenständliche
 Arbeit». *)
$ 2. Die Unerklärbarkeit der Einführung des technischen Kapitals
bei Annahme seiner Unproduktivität an Mehrwert.
Nach diesen Voraussetzungen und Folgerungen mußte
die Marxsche Theorie auf riesige Hindernisse stoßen.
; Vor allem hätte Marx erklären müssen, wieso, die Unternehmer,
 wenn das Lohnkapital als einziges durch die
Produktion einen Mehrwert zuläßt, immer mehr den in ihm
angewendeten Teil des Gesamtkapitals herabsetzen und dagegen
 den in anderen Formen verwendeten Teil, das techn’sche
 Kapital, dem keinerlei Mehrwert entspricht, vermehren.

1) «Das Kapital». Hamburg 1894, Band III, Seite 127-128. Wir
machen ein- für allemal darauf aufmerksam, daß die folgenden
Zitate aus dem III. Bande des Kapitals immer dieser Ausgabe
en‘nommen sein werden.
        <pb n="10" />
        Die Erklärung wäre um so nötiger gewesen, als Marx
selbst. in den Kapiteln XIII-XV des 3. Bandes vom «Kapital»
(Buch I) Wert darauf legt, zu versichern, daß das äußerst
wichtige Gesetz von der Herabsetzung der Profitrate gerade
von der Tatsache abhängt, daß derjenige perzentuelle Teil
des Gesamtkapitals jedes Unternehmens, der in der Form
von konstantem (technischem) Kapital investiert worden
ist, danach strebt, in immer steigendem Maße im Vergleich
zu dem als Lohnkapital investiertem anzuwachsen.
Es möge genügen, u. a. folgende Stellen zu zitieren:
«Diese erzeugt mit der fortschreitenden relativen Abnahme
 des variablen Kapitals gegen das konstante eine
steigend höhere organische Zusammensetzung des Gesamtkapitals,
 deren unmittelbare Folge ist, daß die Rate des
Mehrwerts bei gleichbleibendem und selbst bei steigendem
Exploitationsgrad der Arbeit sich in einer beständig sinkenden
 allgemeinen Profitrate ausdrückt». *)
«Da die Masse der angewandten lebendigen Arbeit stets
abnimmt im Verhältnis zu der Masse der von ihr in Bewegung
 gesetzten vergegenständlichten Arbeit, der produktiv
konsumierten Produktionsmittel, so muß auch der Teil der
lebendigen Arbeit, der unbezahlt ist und sich in Mehrwert
vergegenständlicht, in einem stets abnehmenden Verhältnis
stehn zum Wertumfang des angewandten Gesamtkapitals». *)
Gerade wegen der Wichtigkeit dieser Feststellungen
wäre eine Erklärung darüber notwendig gewesen. Wenn
anders wir nicht eben wegen der Bedeutsamkeit dieser
Schwierigkeit bei Marx nichts darüber finden.
Man kann sogar sagen, daß einige der von Marx in dem
fruchtbarsten Teil seines gewaltigen Werkes aufgestellten
Grundsätze beweisen, wie unmöglich es sein würde, daß
die Unternehmer in dem von ihm zugegebenen Sinne handeln,
 wenn jede Anwendung von technischem Kapital wirklich
 eine entsprechende Annullierung des Mehrwertes bedeuten
 würde.
Einer der glücklichsten Grundbegriffe des ersten Bandes
 vom «Kapital» ist gerade der, alle Gesetze der kapitalistischen
 Wirtschaft als Auswirkung der Interessen der
Unternehmer zu betrachten, und besonders als Ergebnis
ihrer auf höchstes Anwachsen des Mehrwertes gerichteten
Tätigkeit.
1) Id. Das Kapital, Band IM, S. 192.
2) Id. Das Kapital, Band III, S. 193.

oO
        <pb n="11" />
        Welche mysteriöse und übermenschliche Kraft vermöchte
 die Unternehmer dazu veranlassen, unaufhörlich die abschute
 und relative Quantität des Mehrwertes, über den sie
verfügen könnten, zu verkleinern, indem sie eine ständig
zunehmende Quote ihres Gesamtkapitals aus der einzigen
Form, die ihnen einen Mehrwert erzeugt (Lohnkapital), in
diejenige, die unfruchtbar bleibt (technisches Kapital) umhandeln?

5 3. Die Konkurrenz und die zunehmende Verwendung von
technischem Kapital,
Es wäre sinnlos, sich bei dieser Gelegenheit auf die
Konkurrenz zu berufen und zu behaupten, daß bei dem von
ırr entfesselten Spiel der Kräfte die Unternehmer zu der
angedeuteten Umwandlung gezwungen sind, weil das technische
 Kapital, indem es die Produktivität der Arbeit außerordentlich
 steigert, ihnen erlaubt, billiger zu verkaufen und
daher in jedem die Hoffnung erregt, den andern in dem
auf Senkung der Preise beruhenden Kampf eine Niederlage
 zu bereiten.
Vor allem muß man darauf achten, daß die zunehmende
Umwandlung des Gesamtkaovitals aus der Lohnform in die
technische Form auch dann stattfindet, wenn es keine Konkurrenz
 mehr gibt; wenn sich nämlich die Unternehmer zu
einem Syndikat vereinigt haben und selbst wenn dieses
Syndikat 100% der Produzenten umfaßt, d. h. ein ftotales
Monopol darstellt. Wir haben in einer vorhergehenden
Arbeit *) gezeigt, daß gerade diejenigen Syndikate am besten
geleitet werden und am längsten dauern, die — trotz Aufhörens
 der Konkurrenz‘ wenigstens in den Formen und auf
den Gebieten, wo sie vor der Syndikatbildung kämpfte —
die Produktionskosten weiter vermindern. Nun ist es allgemein
 bekannt, daß von allen hierzu angezeigten Mitteln
gerade das wiksamste ist, den durch das technische Kapital
dargestellten Teil des Gesamtkapitals aufs höchste zu
steigern.
Wenn uns auch auf diese Weise die Konkurrenz mit
ihren eisernen Notwendigkeiten erklären könnte, warum
die Unternehmer eine wachsende Quote des eigenen Gesamt-1)
 «Quantitä e prezzo di equilibrio in condizioni di concorrenza
 e di monopolio». Roma, Atheneum, 1918. Einige der wesent-Jicheren
 Teile dieser Untersuchung sind in Kapitel X unseres
«Preis und Mehrpreis» zusammengefaßt.

10
        <pb n="12" />
        - 4 _—
kapitals in der Form anwenden, die für jeden Mehrwert
unfruchtbar ist, bliebe es doch unverständlich, wie das
gleiche Phänomen auch unter der Herrschaft von teilweisem
 oder gar totalem. Monopol entstehen kann, in dem
das wilde Spiel der Konkurrenz seiner Definition nach. die
Tätigkeit aufgegeben hat.
Aber selbst wenn wir von einem so schwerwiegenden
Einwand absehen und auf dem Gebiete der Konkurrenz.
bleiben, ist es leicht zu beweisen, daß nicht einmal deren
tyrannische Forderungen zur Erklärung des uns beschäftigenden
 Problems tauglich sind.
Gewiß, die Konkurrenz regt Notwendigkeiten und Kräfte
an, die den persönlichen Willen zu überwinden und zu besiegen
 scheinen. Genau analysiert bedeutet sie den Mangel
an einheitlichem Handeln zwischen den Unternehmern; und
gerade infolge dieses Mangels wird jeder vom Tun der
anderen nachgeschleift.
Jedoch auch unter Herrschaft der Konkurrenzgesetze
und auch bei der Anstrengung, im Kampf um die Billigkeit
zu siegen, würde jeder Unternehmer sich wohl hüten, einen
Teil seines Kapitals in einer Form anzulegen, die ihrer Natur
nach und vom ersten Augenblick an dazu angetan ist,
seinen Profit zu verringern. Ganz im Gegenteil will jeder”
Unternehmer den eigenen Absatz zum Schaden der anderen
ausdehnen und zu günstigeren Bedingungen verkaufen,
ohne einen unmittelbaren Verlust zu erleiden. Gerade deshalb
 sucht jeder Unternehmer dieses Ergebnis vor allem
durch Herabsetzung der eigenen Produktionskosten zu erreichen,
 und zwar so, daß — die Verringerung des einheitlichen
 Verkaufspreises fällt mit dieser Herabsetzung zusammen
 — der einheitliche Spielraum, der Profit, nicht verringert
 wird oder doch in geringerem Maße als der einheitliche
 Verkaufspreis.
Freilich strebt auf die Dauer jeder vollkommenere Produktionsprozeß
 danach, sich zu verallgemeinern, und diese
Verallgemeinerung strebt ihrerseits infolge der fortwährenden
 Wirkung der Konkurrenz danach, den . Spielraum
weiter zu verringern. Solange der neue Prozeß noch wenig
verbreitet ist, können tatsächlich diejenigen Unternehmer,
die‘ ihn zuerst angewendet haben, den Verkaufspreis in
gerıngerem Maße herabsetzen als dasjenige, zu dem sie
Später gezwungen sein werden, wenn auch die anderen
durch Anwendung des gleichen Systems imstande sind,
ihrerseits den Preis ohne absolute Verluste herabzusetzen.

+3
        <pb n="13" />
        Aber es ist etwas anderes, zuzugeben, daß die weit entlegenen
 Folgen der Konkurrenz zur Vernichtung jedes besondern
 neuen Vorteils führen, und etwas anderes zu behaupten,
 daß sie durch übernatürlichen Zwang die einzelnen
Unternehmer nötigen kann, sich von Anfang an dürre und
unersetzliche Verluste aufzuerlegen. Die Konkurrenz könnte
 nicht die gleichen Wirkungen haben, die schließlich zum
Schaden der Unternehmer führen, wenn ihnen nicht das
unmittelbare Interesse jedes einzelnen den Weg öffnete.
Mit einem Wort, die Konkurrenz besitzt weder eigenes
Leben noch eigenen Willen unabhängig von den beteiligten
Personen, noch verfügt sie über eine bewaffnete Macht, die
jeden Unternehmer zwingt, von Anfang an gegen das eigene
unmittelbare Interesse zu handeln.
Ihr wahrer Charakter ist vor allem hinterlistig. Sie ruft
schließlich den allgemeinen Interessen auch der Einzelnen
entgegengesetzte Wirkungen hervor, sofern, und nur sofern
die Einzelnen ganz zuerst in der von ihr gewollten Richtung,
 aber gemäß dem eigenen unmittelbaren Interesse,
handeln. Wenn es nicht so wäre, würde. der Konkurrenzprozeß
 selbst nicht zu verwirklichen sein.
Um zusa nmenzufassen: die Unternehmer sind von der
Konkurrenz gezwungen, sich in einer bestimmten Richtung zu
bewegen; wobei sie jedoch stets suchen, Mittel anzuwenden,
die — wenigstens am Anfang — den Spielraum (Mehrpreis,
Mehrwert) erweitern. Also nicht einmal durch Konkurrenz
kann die Tatsache erklärt werden, wieso die Unternehmer
sich so verschlechtern, daß sie einen wachsenden Anteil
ihres Kapitals aus der Anlage, die einen Mehrwert sichert
in die, die vom ersten Augenblick an den Mehrwert selbst
aufhebt, umwandeln.
Marx mußte also, durch die Voraussetzungen, die das
Vorproblem lösen sollten, selbst machtlos gemacht, seine
Bemühungen darauf beschränken, eine andere sekundäre
Frage zu beantworten, die, wie wichtig auch immer, der
ersten untergeordnet ist, die Frage nämlich: wieso — trotz
der verschiedenen perzentuellen Zusammensetzung der
Gesamtkapitalien der einzelnen Betriebe aus konstantem
und variablem Kapital und trotz der daraus folgenden verschiedenen
 Höhe der Mehrwerte — die Bildung eines Durchschnitts-Profits
 möglich ist.
Kurz, Marx sagt uns nicht, wie und warum die Unternehmer
 darauf eingehen, einen wachsenden Anteil ihres
Gesamtkapitals aus einer Form, die einen Mehrwert sicher-17
        <pb n="14" />
        stellt, in eine Form, die als Mehrwert unfruchtbar bleibt,
z'ı investieren.
Er begnügt sich damit, uns zu beweisen, durch welchen
Vorgang nach seiner Meinung jene Verluste der betreffenden
 Mehrwerte gerecht zwischen den einzelnen Unternehmern
 verteilt werden würden, die diese in so unerklärlicher
Weise auf sich genommen haben.

12
        <pb n="15" />
        Die Marxsche Werttheorie und die Umwandlung
des Mehrwertes in Profit.
$ 1. Die Umwandlung des Mehrwertes in Profit und des Profites
in Durchschnittsprofit.
Marx hatte im ersten Band des «Kapital» vor allem die
Beziehungen zwischen Mehrwert und jener besonderen
Form von Kapital dem «variablem» (Lohn-) Kapital untersucht;
 im dritten Bande hat er, um eine größere Genauigkeit
 zu erlangen, die Beziehungen zwischen Mehrwert und
gesamtem verauslagtem Kapital (von dem das variable nur
einen Teil darstellt) untersucht. Er sagt:
«Die Rate des Mehrwerts gemessen am variablen Kapital
 heißt Rate des Mehrwerts: die Rate des Mehrwert gemessen
 am Gesamtkapital heißt Profitrate... Was den einzelnen
 Kapitalisten angeht, so ist klar, daß das einzige, was
ihn interessiert, das Verhältnis des Mehrwerts... zu dem...
vorgeschossenen Gesamtkapital ist: während ihn das bestimmte
 Verhältnis dieses Ueberschusses zu... den besonderen
 Bestandteilen des Kapitals nicht nur nicht interessiert,
 sondern es sein Interesse ist, sich blauen Dunst über
dies bestimmte Verhältnis... vorzublasen». 2)
Und kurz darauf:
«... der Mehrwert selbst erscheint nicht als Produkt der
Aneignung von Arbeitszeit, sondern als Ueberschuß des
Verkaufspreises der Waren über ihren Kostpreis, welcher
letztere daher leicht als ihr eigentlicher Wert (valeur intrins6que)
 sich darstellt, so daß der Profit als Ueberschuß des
Verkaufspreises der Waren über ihren immanenten Wert
erscheint». ?)
1) Das Kapital, Band III, Seite 18.
2) Das Kapital, Band III, Seite 18.

11
        <pb n="16" />
        — 16 —
Vorausgesetzt also, daß der Kapitalist sich am meisten
für die Beziehungen des eigenen Gewinnes zum ausgesetzten
Gesamtkapital, d. h. für die Profitrate, interessiert, gibt Marx
zu, daß, wenn zwei Gesamtkapitale von gleicher Größe in
verschiedenem Verhältnis zwischen variablem (Lohn-) und
konstantem Kapital verteilt sind, hierdurch allein der Profitsatz,
 der dem einen entspricht, sich von dem, der dem
andern entspricht, unterscheidet.
Hier eine wörtliche Zusammenfassung der Marxschen
Abhandlung (Seite 125-127):
«Wenn eine Kapitalanlage in der Produktionssphäre A
auf je 700 des Gesamtkapitals nur 100 in variablem Kapital
verausgabt und 600 in konstantem, während in der Produktionssphäre
 B 600 in variablem und nur 100 in konstantem
 verausgabt werden,... wäre der Profit im ersten Fall
100/700 1/7 = 14 2/7% und im zweiten = 600/700 = 85 7/5°...
bei einer Mehrwertsrate von 100%... Kapitale von gleicher
Größe erzeugen also bei gleichem Arbeitstag und gleichem
Exploitationsgrad der Arbeit sehr verschiedene Mengen von
Profit, weil von Mehrwert, und zwar weil, nach der verschiedenen
 organischen Kapital-Zusammensetzung in verschiedenen
 Produktionssphären ihr variabler Teil verschieden
ist, also die Quanta der von ihnen in Bewegung gesetzten
lebendigen Arbeit verschieden, also auch die Quanta der von
ihnen angeeigneten Mehrarbeit, der Substanz des Mehrwerts
und daher des Profits».
Andererseits gibt Marx ausdrücklich zu, daß bei Konkurrenzherrschaft
 «gleich große Kapitale in gleichen Zeiträumen
 gleich große Profite abwerfen».
Auf welche Weise sucht Marx nun, das Problem zu
lösen und zu dem Ergebnis zu gelangen, daß, trotz der Verschiedenheit
 der Mehrwerte, die der verschiedenen Zusammensetzung
 der Gesamtkapitalien entspricht, jedes gleich
große Kapital in der gleichen Zeiteinheit einen gleichen
Durchschnittsprofit abwirft, welches auch immer die Verteilung
 zwischen «variablem» und «konstantem» Kapital sei?
Er sagt: *)
«Nehmen wir 5 verschiedene Produktionssphären mit
jedesmal verschiedener organischer Zusammensetzung der
ın ihnen angelegten Kapitale, etwa wie folgt:
1) Die folgenden Abschnitte sind den Seiten 133 bis 135 des
III. Bandes vom Kanital entnommen.
        <pb n="17" />
        — 11
Kapitale !) Te Mehrwert Produkt- jErotitrate
9/0 wert 9/9
1. 80c+20 v 100 20 120 20
II. 70c +30 v 100 30 | 130” Was
Il. 60 c + 40 v 100 | 40, | 1401
IV. 85c + 15 v 100 158 ha 115 vo
MV. 05 CA) 5 100 5 105 4
Wir haben hier für verschiedene Produktionssphären
bei gleichmäßiger Exploitation der Arbeit sehr verschiedene
Profitraten, entsprechend der verschiedenen organischen Zusammensetzung
 der Kapitale.
Die Gesamtsumme der in den fünf Sphären angelegten
Kapitale ist = 500; die Gesamtsumme des von ihnen produzierten
 Mehrwerts = 110; der Gesamtwert der von ihnen
produzierten Waren = 610. Betrachten wir die 500 als ein
einziges Kapital, von dem I-V nur verschiedene Teile bilden,...
 so wäre erstens die Durchschnittszusammensetzung
des Kapitals von 500 = 390 c + 110 v, oder prozentig
78 c + 22 v. Jedes der Kapitale von 100 nur als 1/5 des Gesamtkapitals
 betrachtet, wäre seine Zusammensetzung diese
durchschnittliche von 78 c + 22v;... durchschnittlicher Mehrwert
 22;... Durchschnittsrate des Profits = 22°, und endlich...
der Preis... des... produzierten Gesamtproduktes = 122. Das
Produkt von jedem Fünftel des vorgeschossenen Gesamtkapitals
 müßte also zu 122 verkauft werden... Um dies noch
deutlicher zu machen, lassen wir in der folgenden Tabelle
verschiedene Teile des konstanten Kapitals in den Wert des
Produkts eingehen.
Mehr BProfit-|] Ver- a Va-tn
Kapitale ; MA » n
Il. 80c+ 20 v
Il. 79c+ vv
ll. cc +
IV. 5) © ; &amp;amp; .
V. 95 C+H EX &amp;gt; ;
Summa _ 390 c + 1:1) v A
‚| Durchschnitt 78 c + 22 v a Ze
1) In der ersten Kolonne kedeutet c das konstante und v das
variable Kapital.
        <pb n="18" />
        — 13 —
... Durchschnittswert = 22°. Diesen Mehrwert gleichmäßig
 auf I-V verteilt, kämen folgende Warenpreise heraus:
Kapitale Mehr 8 Wert | SAN cr Werate Mljchung des
W* | 1er Waren Waren - A NE
1. 80c+20 v ' 2 FF»
il. 70c +30 v 50 93 22
IT, 60 c + 40 v &amp;amp; 63 22 18
DE &amp;lt;85c 4-15 v % 727
x 195CcC+ 5v 5 1 2201 E17
Zusammengenommen werden die Waren verkauft
2+7+17 = 26 über, 8 + 18 — 26 unter dem Wert, so daß
die Preisabweichung durch gleichmäßige Verteilung des
Mehrwerts oder durch Zuschlag des durchschnittlichen Profits
 von 22 auf 100 vorgeschossenes Kapital... sich gegenseitig
aufheben...».
Danach nennt Marx, der schon die an sich ganz richtige
 Unterscheidung zwischen «Wert» und «Kostenpreis»
eingeführt hatte durch den Nachweis, daß der letztere die
Differenz zwischen dem ersteren und dem Mehrwert und
daher um die ganze Größe des Mehrwerts selbst niedriger
ist als jener, «Produktionskosten» den mit dem eben angeführten
 System erhaltenen Preis.
Er sagt wörtlich die Produktionskosten der Waren sind
«gleich ihrem Kostpreis plus dem Durchschnittsprofit». ?)
In späteren Kapiteln sucht Marx dann zu beweisen, daß
der wirkliche Vorgang, durch den die verschiedenen Profite
sich um einen Durchschnittsprofit herum ausgleichen, durch
die Konkurrenz bestimmt wird... Unter ihrem Einfluß würden
 die Kapitalien denjenign Zweigen, bei denen der Mehrwert
 wegen des größeren Anteils von konstantem Kapital in
Bezug zum variablen niedriger ist, zu Gunsten derjenigen,
bei denen er aus dem entgegengesetzten Grunde höher ist,
entzogen werden. «Das Kapital entzieht sich aber einer
Sphäre mit niedriger Profitrate, und wirft sich auf die
andre, die höheren Profit abwirft. Durch diese beständige
Aus- und Einwanderung... bewirkt es... daß der Durch-1)
 Das Kapital, Band III, besonders Seite 1-15.
2) Das Kapital, Band III, Seite 136.

19
        <pb n="19" />
        schnittsprofit in den verschiedenen Produktionssphären derselbe
 wird...». *)
Wir haben so objektiv wie möglich und vorwiegend mit
Hilfe der eignen Worte des Autors dargestellt, in welcher
Weise Marx vorzugehen versucht hat, um das Problem zu
lösen, das er sich gestellt hatte.
8 2. Die Beziehungen zwischen der Werttheorie und den Produktionskosten.

Sehen wir jetzt, wie er die Beziehungen zwischen der
vorgeschlagenen Lösung und der Tauschwerttheorie betrachtet,
 wie sie von ihm von den ersten Seiten des ersten
Bandes vom «Kapital» an aufgestellt worden ist.
Er gibt zu, daß Theorie und Lösung im Gegensatz zueinander
 stehen. An einer bestimmten Stelle bekennt er:
«Werden die Waren aber zu ihrem Werte verkauft, so entstehn...
 sehr verschiedene Profitraten in den verschiedenen
Produktionssphären... ». ?)
Aber der Gegensatz wird für Marx ausgeglichen, wenn
man zwischen laufenden Preisen und Werten unterscheidet
oder besser, um seiner eigenen Ausdrucksweise zu folgen,
zwischen Produktionskosten und Werten; und wenn man
gleichzeitig nicht mehr nur die einzelnen Waren, Unternehmungen
 und Arbeiter betrachtet, sondern die Gesamtheit
der‘ Waren, Unternehmungen und Arbeiter.
Für den ersten Punkt sind u. a. folgende Abschnitte
charakteristisch: «Die Annahme, daß die Waren der verschiedenen
 Produktionssphären sich zu ihren Werten verkaufen,
 bedeutet natürlich nur, daß ihr Wert der Gravitationspunkt
 ist, um den ihre Preise sich drehn...» 3 (natürlich
 immer der auf Grund der notwendigen Arbeitsquantität
bestimmte Wert). «Was aber die Konkurrenz nicht zeigt,
das ist die Wertbestimmung, die die Bewegung der Produktion
 beherrscht; das sind die Werte, die hinter den Produktionspreisen
 stehn und sie in letzter Instanz bestimmen». S)
«... Mit der Verwandlung der Werte in Produktionspreise
wird die Grundlage der Wertbestimmung selbst dem Auge
1) Das Kapital, Band III, Seite 175-176.
2) Idem Seite 175.
3) Das Kapital, Band III, Seite 157.
4) Idem Seite 188.

19
        <pb n="20" />
        — ZU —
entrückt» *) (nicht nur für den Kapitalisten, sondern auch
für den Arbeiter).
Für den zweiten. Punkt sind die folgenden Abschnitte,
vielleicht mehr als alles andere von Marx kennzeichnend:
«... Und in dieser Weise ist in der Gesellschaft selbst — die
Totalität aller Produktionszweige betrachetet — die Summe
der Produktionspreise der produzierten Waren gleich der
Summe ihrer Werte». °) (Natürlich ihrer durch die Arbeitsquantität
 bestimmten Werte).
«Der einzelne Kapitalist... dessen Blick borniert ist,
glaubt mit Recht, daß sein Profit nicht allein aus der von
ihm... beschäftigten Arbeit herstamme. Es ist dies ganz richtig
 für seinen Durchschnittsprofit. Wie weit dieser Profit
vermittelt ist durch die Gesamtexploitation der Arbeit durch
das Gesamtkapital... dieser Zusammenhang ist ihm ein vollständiges
 Mysterium... ». ) «Da nun der Gesamtwert der
Waren den Gesamtwert, dieser aber die Höhe des Durchschnittsprofits
 und daher die allgemeine Profitrate regelt...
so reguliert das Wertgesetz die Produktionspreise». *)
1) Das Kapital, Band II, Seite 147.
2) Idem, Seite 138.
3) Idem, Seite 149.
4) Idem, Seite 159.

(a
        <pb n="21" />
        PA ASLASNLASNTLAZESE$HPü
Die Marxsche Lösung und deren logische
Widersprüche.
8 1. Verneinende und aufbauende Kritik,
Die wirksamste Kritik an jedem System ist diejenige,
die nicht nur negierenden sondern auch, und dies besonders,
aufbauenden Charakter hat.
Jede wissenschaftliche Theorie ist schließlich nur ein
Mittel, um feststehende Phänomene auf eine bestimmte
Weise zu erklären. Infolge der Natur der sozialen Manifestationen
 selbst und der direktesten und mächtigsten Interessen,
die sie ausdrücken, wird diese allgemeine Wahrheit vollends
bestätigt, wenn es sich, um Theorien über Gesellschaftsphänomene
 handelt.
Für die sozialen Ziele, die Marx in dem speziellen Fall
bei der Aufstellung seiner Theorien und bei der Ableitung
anderer aus der klassischen Schule verfolgt, und für die
Zwecke, zu deren Erreichung die sogenannten Marxisten die
gleichen Theorien und besonders die Werttheorie verteidigen,
 ist die einzige Kritik, die auf den gebildeteren Teil
der Marxisten selbst einen Einfluß ausüben kann, diejenige,
die sich nicht auf eine negative Leistung beschränkt und damit
 die scheinbar begründete Furcht bestehen läßt, daß mit
einige Lehren des Meisters auch die mit ihnen erstrebten
Zwecke fallen, sondern eine Kritik, die auch aufbauenden
Charakter hat, d. h. die jene Lehren ersetzen will, nicht um
ihre Zwecke zu vernichten, sondern um sie auf bessere
Weise zu erreichen.
Es ist unsere Absicht auch für das uns hier beschäftigende
 Problem eine solche Kritik anzuwenden.
Bevor wir sie auseinandersetzen, fühlen wir uns jedoch
veranlaßt, eine andere Kritik vorauszuschicken, die in sich
betrachtet auf den ersten Blick eher negativ als aufbauend
scheinen kann.

I1l.
        <pb n="22" />
        — 22 —
Zu dieser teilweisen Ausnahme von dem von uns bevorzugten
 System werden wir durch die Tatsache gezwungen,
daß wenige Argumente besser als die vorliegenden zum
Beweis dafür. dienen können, wie schwerwiegend die Sophismen
 sind, in die Marx und mehr noch die angeblichen
Marxisten verfallen sind, um unhaltbare Thesen um jeden.
Preis zu verteidigen.
$ 2. Tauschwerte und Preise.
a) Notwendigkeit der Unterscheidung.
Die uns hier interessierende Frage eignet sich vor allem:
zum Beweis dafür, wie irrtümlich die Unterscheidung zwi--schen
 Tauschwert und Preis ist, so wie sie von Marx und
seinen sogenannten Anhängern aufgefaßt und benutzt wird.
: Einige Kritiker — wenn nicht inkompetente, so doch
gewiß voreilige Sektierer — haben uns vorgeworfen, in unserm
 «Preis und Mehrpreis in der kapitalistischen Gesell-Schaft»
 die Unterscheidung zwischen Mehrwert und Preis
vollständig verneint zu haben. Aber diese Anklage entspricht
 durchaus nicht den Tatsachen.
Wir haben den wahren Teil dieser Unterscheidung nie
bestritten. Nur wollten wir sie in ihren richtigen Grenzen
halten. Und gerade damit sich nicht hinter der verschiedenen
 Ausdrucksweise leicht eine mißbräuchliche Auslezung,
 ein willkürliches Ueberschreiten dieser Grenzen verberge,
 wie bei der Unterscheidung‘ zwischen «Tauschwert»
und «Preis», haben wir ‚diese durch die Unterscheidung
zwischen «Preis in bezug auf lange Zeitperioden» und «Preis
in bezug auf kurze Zeitperioden» ersetzt.
Wir sagten damals und wiederholen es jetzt: «Unter der
irrigen Unterscheidung zwischen Tauschwert und Preis
kann vielleicht. die zum Teil richtige Annahme verborgen
sein, daß, da die auf Preise wirkenden Ursachen ungeheuer
komplizierter und mannigfaltiger Natur sind, in erster Linie
eine Theorie der Austauschverhältnisse geschaffen werden
muß, die nur den wichtigsten Einflüssen Rechnung trägt
und daher die «normale» Linie der Phänomene zeichnet.
Die Tauschwerttheorie müßte dieser Linie entsprechen, während
 die Preistheorie sich auf die zufälligen Abweichungen
beziehen müßte... Aber, um dies zu erreichen, ist es wirklich
 nicht notwendig, einen künstlichen Unterschied zu
schaffen zwischen Preis und Tauschwert, oder, noch schlimmer,
 für diesen letzten einen Prozeß zu erfinden, der ver-
        <pb n="23" />
        schieden ist von dem, der die Menschen zur Festlegung des
Preises veranlaßt... Da die wichtigsten Einflüsse diejenigen
sind, deren Wirkungen die Tendenz haben, während langer
Zeitperioden anzuhalten, während als Einflüsse von sekundärer
 Bedeutung solche anerkannt werden, deren Wirkungen
 von kürzerer Dauer sind, so kann das Verfahren, auf
das wir hingewiesen haben, in Abhängigkeit von der Zeit
ausgedrückt werden. Man kann mit anderen Worten sagen,
daß man, um die «normalen» Gesetze für den Preis zu erhalten,
 den Markt während einer genügend langen Zeitperiode
 betrachten muß; daß man aber, um eine Erklärung
für die mannigfachen Abweichungen der Preise unter dem
Einfluß von Erscheinungen sekundärer Bedeutung, — Erscheinungen,
 die man gegenüber den von wichtigen Einflüssen
 herrührenden als störend und verwirrend bezeichnen
 kann, — zu erhalten, den Markt während kürzerer
Zeitperioden betrachten muß. Die einzig zulässige Unterscheidung
 ist also nicht die zwischen Tauschwert und Preis,
sondern zwischen Preis in Abhängigkeit von genügend langen
 Zeitperioden und Preis in Abhängigkeit von kurzen
Zeitperioden». *)
Kein Argument eignet sich besser zum Beweis, daß die
einzige logisch haltbare Unterscheinung zwischen Tauschwert
 und Preis diejenige ist, die wir verteidigt haben und
verteidigen, als das, mit dem wir uns gegenwärtig beschäftigen.

b) Normale und störende Ursachen.
Gesetzt, daß die Preise in bezug auf kurze Zeitperioden
Schwankungen aus in gewissem Sinn störenden Nebenursachen
 erleiden, während. die Preise in bezug auf lange
Zeitperioden (d. h. die Tauschwerte) von wesentlichen
Hauptursachen bestimmt werden, würden die ersteren das
darstellen, was für den Pendel die zufälligen Schwingungen
 sind, und die letzteren das, was für den Pendel die
Gleichgewichts-Stellung ist.
Alles kommt also nur darauf an, sich darüber zu verständigen,
 welche. Ursachen als nebensächlich, zufällig,
störend und welche als tieferliegend, permanent... normal zu
betrachten sind.
1) «Preis und Mehrpreis in der kapitalistischen Wirtschaft».
Berlin - Prager, Seite 39-40.

23
        <pb n="24" />
        — Z4 —
Um die angedeutete Analogie weiterzuführen: störende
Ursachen oder Bedingungen sind solche, die den Pendel aus
der Gleichgewichts-Stellung nach rechts oder nach links
schwingen lassen; nicht störende, sondern wesentliche Ursachen
 oder Bedingungen sind solche, die danach streben,
ihn trotz dieser Schwingungen in die Gleichgewichts-Stellung
 zurückzuführen.
Bei Untersuchung der Wirkung der Ursachen oder Bedingungen
 der zweiten Gattung kann man von den Ursachen.
 oder Bedingungen der ersten absehen, eben weil,
wenn sie nicht vorhanden wären, der Pendel immer in
seiner Gleichgewichts-Stellung bleiben würde.
Wer umgekehrt beanspruchen wollte, die Gesetze der
Gleichgewichts-Stellung zu untersuchen, indem er von der
Schwerkraft absieht, d. h. die Schwerkraft zu den störenden
Ursachen zählen würde, beginge einen schweren Irrtum
und könnte nicht mehr das Phänomen selbst erklären, dessen
 Auslegung er unternommen hat. Tatsächlich ist die
Schwerkraft in bezug auf die Gleichgewichts-Stellung des
Pendels nicht eine sekundäre Ursache oder Bedingung, sondern
 sie ist gerade eine so wesentliche Ursache oder Bedingung,
 daß ohne sie die Gleichgewichts-Stellung selbst nicht
mehr verständlich wäre.
c) Beziehungen zwischen der Unterscheidung von
Tauschwerten und Preisen, und der Unterscheidung von
normalen Ursachen und störenden Ursachen.
Um also zu dem Unterschied zwischen Tauschwerten
(oder besser Preisen in bezug auf lange Zeitperioden) und
Preisen in der allgemeinen Auffassung (oder besser Preisen
 in bezug auf kurze Zeitperioden) zurückzukehren, betrachte
 man die einen und die anderen unter der Herrschaft
der Konkurrenz zwischen den Unternehmern.
Welches sind also die störenden Ursachen oder Bedingungen,
 für die die Preise des zweiten Typus nicht mit den
Tauschwerten oder Preisen des ersten Typus übereinstimmen?
 Es sind im wesentlichen diejenigen, die danach streben,
 sich mehr oder weniger von den Tauschwerten ihrer
Gleichgewichtsgrößen zu entfernen.
Ale diejenigen Ursachen, für die die freie Konkurrenz
nicht vollkommen wirksam ist, für die die Nachfrage nicht
ganz dem Angebot entspricht, ete., etc., können und müssen
als störende Ursachen betrachtet werden.

A
        <pb n="25" />
        =. a
Aber was würde man z. B. von jemandem denken, der
die Tendenz der Unternehmer, ihre Kapitalien solchen Investierungen
 zuzuführen, die einen höheren Gewinn versprechen,
 zu den störenden Ursachen rechnen wollte? Da
diese Tendenz eine der wesentlichsten Voraussetzungen der
Konkurrenz ist, müßte man folgern, daß jener, indem er
eine der wichtigsten Ursachen oder Bedingungen zu den sekundären
 zählt, sich der Möglichkeit beraubt, die Tauschwerte
 zu begreifen, die dem System der Konkurrenz ZWischen
 den Unternehmern eigentümlich sind, und daß er,
indem er wesentliche und vorherrschende Ursachen mit
sekundären und vorübergehenden vermengt, der Unterscheidung
 zwischen Tauschwerten und Preisen im gewöhnlichen
Sinn jede logische Grundlage entzieht, die ihrerseits auf der
vorausgesetzten Unterscheidung zwischen Ursachen der
einen und Ursachen der andern Klasse beruht.
Zusammenfassend kann man also sagen, daß die Unterscheidung
 zwischen Tauschwerten und Preisen im gewöhnlichen
 Sinn, d. h. Preisen auf lange oder kurze Zeitperioden
 bezogen, nur begründet ist, soweit die von ihr vorausgesetzte
 Unterscheidung zwischen dauernden oder Hauptursachen
 oder -Bedingungen und vorübergehenden oder
Nebenursachen oder -Bedingungen begründet ist, indem sie
entsprechend auf die einen oder die andern wirksam sind,
und daß die beste Bestätigung zur Beurteilung, ob diese
letzte Unterscheidung genau durchgeführt worden ist, in
der Tatsache besteht, daß man, falls die als sekundär bezeichneten
 Ursachen oder Bedingungen verschwinden sollten,
 doch immer zugeben muß, daß die Preise im gewöhnlichen
 Sinn (Preise in bezug auf kurze Zeitperioden) ohne
weiteres mit den Tauschwerten (Preisen in bezug auf lange
Zeitperioden) übereinstimmen müssen.
d) Das «konstante» Kapital und die Unterscheidung von
Tauschwerten und Preisen.
Wir kommen jetzt zu den Wirkungen des «konstanten»
Kapitals auf die Preisbildung und auf die Abweichung der
«Werte» von den «Produktionskosten» (Verkaufspreisen)
nach Marx.
Wir haben weiter oben gesehen, wie für Marx die Folgen
 der Verwendung von technischem (konstantem) Kapital
die Unternehmer nötigen, ihre Waren nicht mehr auf Grund
des Wertes Arbeit zu verkaufen, sondern auf Grund von
Preisen, deren Höhe größer oder kleiner ist als dieser Maß-75
        <pb n="26" />
        — 20 —
stab, und wie die Preise auf diese Weise dauernd von denen
abweichen, die die Werte sein sollten (natürlich Werte, wie
sie nach dem Ricardo-Marxschen Gesetz bestimmt werden).
Da es nun zu leicht ist, einzuwenden, daß das Zugeben
einer solchen Tatsache gleichzeitig die Anerkennung bedeutet,
 daß der nach jenem Gesetz zu bestimmende Wert sich
praktisch nie realisiert und daher nicht vorhanden ist, greifen
 Marx und mehr noch die sogenannten Marxisten auf
die Unterscheidung zwischen Tauschwert und Preis zurück,
 und stellen fest, daß, nachdem der Unterschied einmal
 anerkannt worden ist, die Preise natürlich nicht mit
den Werten übereinstimmen.
Aber hier ist der Sophismus zu augenfällig.
Darf man tatsächlich zugeben, daß die Einführung des
«konstanten» Kapitals als sekundäre, vorübergehende, störende
 Ursache oder Bedingung betrachtet wird wie eine
jener Ursachen, von denen es erlaubt ist, abzusehen, wenn
die Tauschwerte anstatt der Preise geprüft werden?
Es genügt, einen solchen Grundsatz auszusprechen; um
den ganzen logischen Unsinn zu begreifen.
Die wachsende Ausdehnung des technischen («konstanten»)
 Kapitals stellt nicht nur keine sekundäre Bedingung
in bezug auf das System der kapitalistischen Konkurrenz
und allgemeiner in bezug auf das System des Kapitalismus
dar — sei es bei herrschender Konkurrenz oder totalem oder
teilweisem Monopol — sondern bildet eine seiner eigentümlichsten
 und typischsten Bedingungen.
Die Entwicklung der Produktivkräfte, die besonders in
ihrer günstigsten Periode und immer in der Pause zwischen
zwei großen Kriegen die bürgerliche Wirtschaft gekennzeichnet
 hat und kennzeichnet, war und ist an deren Notwendigkeiten
 und Bau aufs engste gebunden. Aber die
Hauptbedingungen einer solchen Entwicklung bestehen ihrerseits
 in dem immer größeren Anwachsen des technischen
(«konstanten») Kapitals im Verhältnis zum Lohnkapital.
‚Man darf feststellen, daß, was .die Zusammensetzung
des Gesamtkapitals jedes Unternehmens und jedes Zweiges
des Unternehmens anbetrifft, nichts die kapitalistische Produktior.
 — sei es bei Konkurrenz, oder Monopolherrschaft —
deutlicher kennzeichnet, als die Tendenz des fixen («konstanten»)
 Kanitals, im Verhältnis zum Lohnkapital anzuwachsen.

Man hat in England z. B. ausgerechnet, daß auf jeden
in der Textilindustrie angestellten. Mann, jede Frau oder
        <pb n="27" />
        jedes Kind allein als Anlagekapital 200 Lire investiert werden
d. h. insgesamt das Arbeitsequivalent von 5 Jahren; daß die
Kosten eines Handels-Dampfschiffes der Arbeit von 10 und
mehr Jahren von Seiten aller derer, die sich daran betätigen
entspricht; und das in den englischen Eisenbahnen investierte
Kapital von ca 900 Millionen Lire einer etwa zwanzigjährigen
Arbeit der 400.000 bei ihr angestellten Personen (Marshall:
«Grundsätze der Politischen Oekonomie», 2. engl. Auflage;
Seite 282/283).
Die Behauptung, daß die Preise mit den Tauschwerten
übereinstimmen würden... wenn es kein «konstantes» (fixes)
Kapital gäbe, kommt also dem Anspruch gleich, daß eine
Theorie, nach der die Pendelschwankungen sich schließlich
in die Gleichgewichtsstellung auflösen, wahr sein würde....
wenn es das Gesetz von der Schwerkraft nicht gäbe. *)
Am seltsamsten ist, daß an eıner bestimmten Stelle
Marx selbst — mag es auch zufällig sein — von der Logik
der Dinge verleitet als erster zugibt, daß die Theorie, nach
welcher der Wert durch die Arbeit bestimmt wird, sich nur
dann bewahrheiten kann, wenn es keinen Kapitalismus,
sondern immer nur Handwerker gibt: «Der Austausch von
Waren zu ihren Werten oder annähernd zu ihren Werten,
erfordert eine viel niedrigere Stufe als der Austausch zu
Produktionspreisen, wozu eine bestimmte Höhe kapitalistischer
 Entwicklung nötig ist... Es gilt dies für Zustände,
wo dem Arbeiter die Produktionsmittel gehören, und dieser
Zustand findet sich, in der alten wie in der modernen Welt,
beim 'selbstarbeitenden grundbesitzenden Bauer und beim
Handwerker». °) (Das Kapital, Band III, S. 155/156).
8 3. Preissummen und Tauschwertsummen.
a) Der Anspruch der Preisunterschiede aus der Summe
der Tauschwerte.
Um zu beweisen, daß die Theorie, nach welcher der
Wert durch die Arbeit bestimmt wird, im wesentlichen als
wahr bestehen bleibt, trotz der grundlegenden Richtigstellungen,
 die das Phänomen des technischen («konstanten»)
Kap’tals ihnen auferlegt, wenden Marx und noch weniger
1) Ueber die ganze weiter oben behandelte Frage vergleiche
man auch unsere «Produzione capitalistica», Torino, Bocca, 1899,
besonders die Seiten 226-230.
2) Hierzu vergleiche man unser «Preis und Mehrpreis» etc.
Seite 107-108.

Bir
        <pb n="28" />
        — 283 —
glücklich viele Marxisten eine andere Ableitung an, hinter
der sich ein nicht weniger schwerwiegender Sofismus verbirgt.

Sie sagen, daß, wenn wegen der Notwendigkeit den Unternehmern,
 die in «konstu.ntes» Kapital eine verhältnismäßig
größere Rate des Gesamtkapitals anlegen, einen Profit zu
sichern, der wirkliche Preis (Produktionskosten) der einzelnen
 Waren höher oder niedriger wird als ihr Wert sein
sollte, diese Plus- oder Minus-Unterschiede verschwinden,
sobald man alle Produktionskosten zusammenzählt, so daß
die Gesamtsumme dann mit der Gesamtsumme der Werte
übereinstimmt, was sich ergeben würde, wenn die Werte
nach der Arbeit gemessen werden würden.
Dies ist tatsächlich die Schlußfolgerung, wie wır sıe am
Ende des zweiten Kapitels zitiert haben: «... Und in dieser
Weise ist... — die Totalität aller Produktionszweige betrachtet
 — die Summe der Produktionspreise der produzierten
Waren gleich der Summe ihrer Werte».
b) Unhaltbarkeit des Begriffes von_Wertsummen.
Die ganze Argumentation beruht hier auf dem Begriff
der «Tauschwertsummen». Aber ein derartiger Begriff ist in
sich widerspruchsvoll und unhaltbar.
Solange man von Gesamtwerten spricht, ist es erlaubt,
wenn auch nicht gerade ihre Summe darunter zu verstehen,
— man kann nur gleichartige Quantitäten zusammenzählen,
und die Produkte sind in Wirklichkeit unendlich verschiedenartig
 — so doch ein Verzeichnis oder Gesamtinventar
von ihnen. Aber wenn man zu Tauschwerten übergeht, ist
die Sache sehr anders.
Der Tauschwert ist seiner Definition nach eine Beziehung
 zwischen zwei Quantitäten oder zwischen zwei Waren.
Er drückt daher eine Gegenüberstellung einer Größe zur
andern, einer Ware zur andern aus. Wenn man beansprucht,
die beiden Größen zu addieren, fällt die Gegenüberstellung
dadurch allein schon zusammen, und die Beziehung verschwindet.

Wenn man verschiedene Verhältnisse hat, z. B. das Verhältnis
 a zu b, und c zu d,. so kann man — unter gewissen
Bedingungen, von denen hier nicht weiter gesprochen zu
werden braucht, — die entsprechenden Größen addieren und
feststellen, daß z. B. atc noch in einer gewissen Beziehung
zu b+d steht. Aber wenn man alle vier Größen direkt miteinander
 addieren will, besteht sofort keinerlei Beziehung
mehr.

N
7
        <pb n="29" />
        Wenn Marx also, um seine These zu beweisen, von
«Tauschwertsummen» spricht, gerät er in ein Sofisma, das
man nur auszusprechen braucht, um seinen Unsinn festzustellen.

Es gibt freilich einen Milderungsgrund für einen so
schweren logischen Irrtum. In der — im übrigen vielen
Volkswirtschaftlern gemeinsamen — Illusion gewiegt, ein
Kriterium finden zu können, nach dem man den Tauschwert
 jeder beliebigen Ware immer «ex n0VO» und «ex abrupto»
 feststellen könne, glaubte Marx in der Arbeit als
abstrakte Anwendung menschlicher Energie verstanden dieses
 Kriterium gefunden zu haben. Für ihn steht die Arbeit
also jenseits aller Waren, eben weil sie den Tauschwert von
jeder einzelnen bestimmt. Mit andern Worten: die Gleichung
zwischen der Ware A und der Ware B ist für ihn nur möglich,
 weil beide Waren auf eine dritte anders geartete Quantität
 bezogen werden, nämlich die gleiche Arbeit, die beide
gekostet haben. Wenn Marx also von Tauschwertsummen
spricht, addiert er zwar praktisch alle Waren, behält sich
aber immer jenseits dieser Summe die Gesamtarbeitsquantität
 vor, die sie verlangt haben. Gerade die Beständigkeit
dieser gesonderten und anders gearteten Größe macht seinen
Irrtum auf den ersten Anblick weniger deutlich.
Wenn man die Dinge aber näher betrachtet, bleibt der
Irrtum unverändert schwerwiegend bestehen.
c) Wertsummen und Gesamtarbeit.
Da der Tauschwert immer die Beziehungen zwischen
zwei Waren ist, die Arbeit hingegen, die den Wertmaßstab
im Marxschen Sinne bildet, keine Ware ist, *) bleib£ es eine
Inkongruenz, von dem Verhältnis «Tauschwert» auch dann
noch zu sprechen; wenn alle Größen dieses Verhältnisses
miteinander addiert sind.
Die Schlußfolgerung, zu der Marx gelangt, enthält eine
Bedeutung, die man nur folgendermaßen auslegen kann: der
Gesamtheit aller Waren entspricht eine gewisse Gesamtsumfr
 1) Wenn Marx die Arbeit als Ware betrachten will, nennt er
sie «Arbeitskraft». Im Marxschen System ist die Unterscheidung
zwischen «Arbeit» als Ursache und Maßstab des Tauschwertes
der Waren und «Arbeitskraft» als Ware selbst sehr wichtig. Es
handelt sich jedoch um eine auf einer rein scholastischen Unterscheidung
 beruhende Bedeutung.

20
        <pb n="30" />
        — U) —
me an Arbeit, und diese bleibt — bei sonst gleichen Bedingungen
 — Konstant, welches auch die Veränderungen in
den Preisen. der einzelnen Waren sein mögen. Es handelt
sich jedoch um eine zu bescheidene Feststellung, um der
von Marx beabsichtigten Beweisführung dienen zu können.
Sie bestätigt nur einen andern Irrtum von ihm, nämlich den,
Nach dem — durch eine Vermengung von Ursache und Wirkung,
 von Maßstab und Gemessenem — die Begriffe Tauschwert
 und Arbeit eine unbewußte Tautologie bilden und der
Tauschwert ohne weiteres als Synonym von Arbeit angewandt
 wird.

Br
        <pb n="31" />
        IV.
Die Grundirrtümer der Marxschen
Problemstellung und ihre wesentlichen Ursachen.
8 1. Die Marxsche Auffassung und die Darstellung der Produkte
durch die Arbeit.
Wir haben im vorhergehenden Kapitel — bei Annahme
der Voraussetzungen, von denen Marx ausgeht, — einige der
logischen Widersprüche geprüft, die seine Lösung des uns
beschäftigenden Problems kennzeichnen.
Indem wir nun zu einer mehr aufbauenden Kritik übergehen
 wollen, werden wir ohne weiteres die Irrtümer, die
sich hinter diesen Voraussetzungen verstecken, und ihre Ursachen
 nachzuweisen suchen.
Marx, wie übrigens die große Mehrheit der von ihm
bekämpften Oekonomisten, glaubte auch die wichtigsten
ökonomischen Vorgänge, die der Produktion inbegriffen,
nur durch den Begriff vom Tauschwert prüfen zu können.
Die unleugbare Wahrheit, daß in einer auf Arbeitsteilung
beruhenden Wirtschaft jedes Produkt nur dann. nutzbar
wird, wenn es verkauft werden kann, und andrerseits die
hiermit in Wechselwirkung stehende Tatsache, daß jeder
einzelne Betrieb, soweit er sein Produkt abzusetzen vermag,
ein in sich beruhendes Leben zu erlangen scheint, verleiteten
auch Marx dazu, von Anfang an das, was wir anderswo den
«Begriff der einzelnen Unternehmen» genannt haben, als
Ausgangspunkt und als Grundlage für seine Untersuchungen
 zu nehmen. Nicht zufällig sind die ersten Seiten des
«Kapitals» gänzlich der Analyse des Tauschwertes gewidmet.
Aber bei der Bemühung., ein wenigstens scheinbar vollständiges
 Bild der hauptsächlichsten ökonomischen Vorgänge,
 und besonders des kapitalistischen Ertrages für jede
einzelne Ware und bei jedem einzelnen Betrieb zu erhalten,
mußte Marx notwendigerweise zu einem Ausdruck zurückgreifen,
 der, da er jedem Betrieb und jeder Ware gemeinsam
war, allgemeinen und synthetischen Charakter aufwies und

7
        <pb n="32" />
        — dd —
so den Glauben an die Möglichkeit einer Aufdeckung der
Grundgeheimnisse der Produktion bei den einzelnen Unternehmungen
 aufrecht erhielt, abgesehen von den Unterschieden
 zwischen den einzelnen Waren.
Er glaubte, diesen gemeinsamen Nenner, diesen allgemeinen
 Ausgleichsfaktor in der Arbeit zu erkennen, und
zwar aus zwei Hauptursachen:
Vor allem aus den technischen Gründen, die wir schon
angedeutet haben.
Da es unbestreitbar ist, daß allen wiederherstellbaren
Waren — d. h. dem größten Teil der Waren, mit denen die
politische Oekonomie sich beschäftigt, und auf jeden Fall
derjenigen, welche die verschiedenen sozialen Klassen unmittelbar
 interessieren, — die Tatsache gemeinsam ist, durch
Arbeit hergestellt worden zu sein, bot sich Marx die Arbeit
als zusammenfassender und vereinfachender Ausdruck, der
ihm auf direkteste und vollkommendste Weise das gesuchte
Bild zu liefern schien.
Andrerseits bot ihm ein solcher Ausdruck Vorteile, die
nicht durch den Umkreis bloß technischer, wenn auch noch
so wichtiger Probleme begrenzt sind.
Bevor er noch ein großer Oekonomist wurde, war er ein
gewaltiger, der Sache der Arbeiter ergebener Revolutionär.
Die Arbeit nun, diese charakteristische Funktion des Proletariers,
 die den Maßstab, und mehr noch das «Wesen» des
Tauschwertes bildet und allein fähig ist, jeder Ware die
unerläßliche Erwerbsmacht zu verleihen, schien ohne weiteres,
 eben mit ihrem wunderbaren «fiat» und durch ein
immanentes ökonomisches Gesetz das Recht des Arbeiters
am sozialen Reichtum festzustellen.
Eine solche Feststellung erlangte dann eine besonders
große Wichtigkeit, weil ihre Voraussetzungen vor Marx
schon von dem größten Vertreter der klassischen englischen
Schule, von dem Bankier Ricardo, angenommen worden
waren. Die bürgerliche Oekonomie niederschlagen mit deren
eigenen Annahmen als Ausgangspunkt — das war ein pole-Mischer
 Prozeß, der freilich der umwälzenden Dialektik
von Marx nicht mißfallen konnte.
$ 2. Die Marxzsche Auffassung und der Ersatz der Produkte
durch die Arbeit.
Es ist nicht unsere Absicht, jetzt den Irrtümern nachzuforschen
 — übrigens haben wir es in anderen Untersuchungen
 getan — die sich teils hinter der allgemeinen For-At
        <pb n="33" />
        mulierung des von Marx aufgestellten Wertproblems, teils
hinter der Wahl der Arbeit als Maßstab und «Essenz» des
Wertes selbst verbergen.
Unser gegenwärtiger Zweck ist, zu beweisen, aus welchen
 Gründen — nachdem die Marxschen Voraussetzungen
einmal festgelegt sınd — es unmöglich wird, eine zufriedenstellende
 Lösung der an die Einführung des technischen
oder fixen («konstanten» nach der Marxschen Terminologie)
Kapitals gebundenen Probleme zu finden, und daß umgekehrt
 eine derartige Lösung eine notwendige Folge unserer
entgegengesetzen Stellungnahme ist.
Für Marx ersetzt die Arbeit schließlich die Produkte,
nachdem er sie einmal zum allgemeinen Ausgleichsfaktor,
zum zusammenfassenden Symbol dieser Produkte selbst
erhoben hat.
Da die Produkte für die einzelnen Unternehmungen,
die sie gewinnen, nur. nutzbar sind, soweit sie einen Wert
besitzen, und da dieser Wert seinerseits proportional der
Arbeit ist, die sie gekostet haben, scheint nicht mehr das
Produkt und seine Menge, sondern die Arbeit und ihre
Größe in Betracht zu kommen.
Auf diese Weise überwiegt das Symbol schließlich die
Sache selbst, und der Begriff des Produktes wird durch den
der Arbeit ersetzt.
Da dann in dem Produktionsprozeß — ein Prozeß, der
seiner Definition nach Produkt-Mengen früher noch als Produkt-Vverte
 schafft — die (natürlich mit den technischen
Hilfsmitteln ausgestattete) Arbeit die Ursache und die Produkte
 die Wirkung bilden, führt die Annahme, daß die Arbeit
nicht nur Ursache der Produkte, sondern auch Ursache und
Maßstab ihres Wertes ist, praktisch dazu, der Ursache
(Arbeit) eine größere Bedeutung als der Wirkung (Produkt)
zukommen zu lassen, und sogar die Wirkung mehr und
mehr und allmählich gänzlich durch die Ursache ausdrücken
 zu lassen. Auf diese Weise wird der Ersetzung der
Sache durch das Symbol die Ersetzung der Wirkung durch
die Ursache hinzugefügt und ein einziges Ganzes gebildet.
$ 3. Die Ersetzung der Produkte durch die Arbeit und deren
Irrtum.
Aber diese fortwährende Vertretung und Vertauschung
von Wirkung und Ursache bildet vor allem einen in sich
selbst schweren logischen Irrtum.

32
        <pb n="34" />
        — 034771 —
Jede Ursache ruft gewisse Wirkungen hervor, aber nachdem
 diese Wirkungen einmal bestimmt sind, und gerade
weil sie bestimmt sind, trennen sie sich und. erlangen eine
unabhängige Physiognomie. Einmal auf eigene Beine gestellt
streben sie ihrerseits danach, Ursache zu werden; sei es weil
sie selbst neue Wirkungen hervorbringen, sei es weil sie in
tausend Arten auf das, was anfangs ihre Ursache war,
zurückwirken.
In der speziellen Frage erscheint die Vertauschung von
Ursache (Arbeit) und Wirkung (Produkte) um so schwerwiegender,
 als sie mit einer andern Vertauschung, nämlich
der von Mittel und Zweck, zusammenfällt.
Der Endzweck der Menschen besteht in der Befriedigung
der eigenen Bedürfnisse. Die Produkte werden, soweit sie
dieser... Befriedigung dienen, selbst zu. Werkzeugen (Güter
zweiter Ordnung). Mit noch mehr Grund wird also die
Arbeit, durch die die Produkte gewonnen werden, zum
Werkzeug, und zwar niederen Ranges. Isoliert man in der
Kette die Arbeit von den Produkten, und prüft nur ihre Beziehungen
 zueinander, darf man also behaupten, daß, wenn
die Produkte als direktes Gut betrachtet werden, die Arbeit
in bezug auf sie Werkzeug und Mittel ist.
In einer auf Arbeitsteilung beruhenden Gesellschaft produziert
 freilich jedes Unternehmen zum Verkauf und nicht
etwa um mit dem eigenen Produkt die Bedürfnisse der entsprechenden
 Arbeiter, Angestellten und Kapitalisten direkt
zu befriedigen. Als unmittelbarer Zweck jedes. Unternehmens
 ergibt sich weniger der, die Produkt-Quantitäten zu
erhalten, als vielmehr der, solche Produkte, die einen
bestimmten Mehrwert haben.
Das hängt jedoch gerade und nur von der Tatsache abdaß
 infolge der erwähnten Arbeitsteilung jedes Unternehmen
nur ein Produkt gewinnt, an dessen Konsum seine Mitglieder
 oft überhaupt keinen Anteil haben oder höchstens
— der Verschiedenartigkeit und dem Umfang ihrer Bedürfnisse
 gegenüber — mit einer unendlich kleinen Quote. Wenn
unter solchen Bedingungen jedes Unternehmen am Tauschwert
 des eigenen Produktes besonders interessiert ist, ist
diese Tatsache doch immer mit der andern verknüpft, daß,
je nach der größeren oder geringeren Höhe dieses Wertes
die «Quantität» der anderen Produkte größer oder geringer
wird, die es und seine Mitglieder sich verschaffen können,
sei es für die Anforderungen zur Fortführung der Produktion,
 sei es für die eigenen persönlichen Bedürfnisse.
        <pb n="35" />
        Mit andern Worten, da bei Arbeitsteilung das Mittel,
mit dem jeder die Produkte der andern kaufen kann, der
Verkauf der eigenen Produkte ist, ist jedes Unternehmen am
Tauschwert von zwei entgegengesetzten und sich ergänzenden
 Richtungen aus interessiert: als Verkäufer des eigenen
Produktes zu hohem Tauschwert und als Käufer der Produkte
 der andern zu niedrigem Tauschwert. D. h. jedes Unternehmen
 hat das Interesse, beim Austausch gegen die geringste
 mögliche Quantität des eigenen Produktes die größte
mögliche Quantität der Produkte der andern zu erhalten.
Abgesehen also von den durch die Arbeitsteilung und
dem daraus hervorgehendem Produktionssystem für den
Verkauf geschaffenen Verwicklungen, bleibt immer als
wahr bestehen, daß für die Menschen nicht die Arbeit —
einfach notwendiges Mittel — am dringlichsten ist, sondern
das Produkt und seine Quantität, der Zweck.
8 4. Die Ersetzung der Produkte durch die Arbeit und das
Problem des technischen Kapitals.
Einige Marxisten werden glauben, uns der Spitzfindigkeit
 zeihen zu können, und feststellen, daß Marx nur von
Arbeit anstatt von Produkten spricht und diese durch jene
darstellt, soweit er sie auf eine bestimmte soziale Organisation
 bezieht und sie daher als mit Wert ausgestattete Waren
betrachtet (und zwar mit einem Wert, der — nach der Ricardoschen
 und seiner eigenen Theorie — nur durch die Arbeit
gemessen werden kann).
Aber gerade dieser Anspruch, daß die Arbeit nicht nur
Ursache der Produkte, sondern auch «Ursache» und Maß des
Tauschwertes sei, ist es, der u. a. den schweren Mißstand
schafft, von dem wir sprechen. Der Einwand eines Marxisten
dieses Typus erklärt wohl den Ursprung eines derartigen
Mißstandes, aber dessen logische Grundlage und_ Folgen
kann er gewiß nicht rechtfertigen.
Wir selbst haben mehrmals die scheinbaren Vorteile an
Einfachheit und Augenscheinlichkeit zugegeben, die. dem
Marxschen System durch die doppelte Funktion, die die Arbeit
 darin zu vollziehen hat, verliehen werden: die Funktion
als Ursache der Produkte und die Funktion als_«Ursache»
und Maßstab des Tauschwertes. Y
. Aber wenn es überhaupt ein Problem gibt, das beweist,
Wle rein illusorisch diese Vorteile sind, und wie das System,
1) Vergleiche unser «Preis und Mehrpreis» etc. Seite 172-173.

35
        <pb n="36" />
        zz 30 —
das sie sicher zu stellen scheint, — durch denselben Mecha--nismus,
 der ihnen als Voraussetzung dient, — zu schweren
Irrtümern und unentwirrbaren Komplikationen führt, so
ist es gerade dasjenige, mit dem wir uns eben beschäftigen.
Welches ist, um die Frage ın ihren wesentlichsten Punkten
 zusammenzufassen, unbeschadet einer späteren ins Einzelne
 gehenden Untersuchung, der tatsächliche Grund, aus
dem Marx annimmt, daß das technische (konstante) Kapital
keinen Mehrwert zuläßt? — Sein Hauptgrund ist genau
gesprochen folgender: da er sich daran gewöhnt hat, die Produkte
 nicht in sich selbst, sondern durch das Medium der
Arbeit zu betrachten und darzustellen, sieht er nur unter der
Form der Arbeit, anstatt unter der Form der Produkte, auch
die Phänomene der Produktion dieser Produkte und ihrer
Verteilung zwischen Arbeitern und Kapitalisten.
$ 5. Die Produkte und nicht die Arbeit als Gegenstand der
Verteilung und des sozialen Kampfes.
Eben weil die Produkte den Zweck und die Arbeit das
Mittel bilden, sind sie und nicht die Arbeit der wirkliche
und endgültige Gegenstand sei es der Produktion, sei es des
Klassenkampfes: auf dem Gebiet der Verteilung. Nachdem
die Arbeit einmal den Produkten zum Leben verholfen hat,
ist sie für immer verbraucht. Es bestehen nur noch ihre
Ergebnisse, die Produkte, und diese werden Gegenstand der
Aufmerksamkeit und des Streites.
Auch wenn der Arbeit in gewissem Sinn noch Rechnung
getragen wird, nachdem sie ihre Wirkungen ausgeübt hat,
geschieht das nicht bei Betrachtung der Vergangenheit, sondern
 bei Betrachtung der Zukunft, nicht weil sie bestimmte
Produkte hervorgebracht hat, sondern weil man ihr die Möglichkeit
 zur Gewinnung neuer Produkte geben und zu diesem
 Zweck natürlich ihre Potentialität wieder herstellen will.
Uebrigens wird die Arbeit unter diesem Gesichtspunkt
— wie wir schon in unserm «Preis und Mehrpreis» etc.
S. 106/110 bewiesen haben — von der gegenwärtigen sozialen
Organisation nicht als abstrakte Energieanwendung betrachtet,
 die voll ausgewertet und sozusagen ganz auf die
Produkte übertragen werden kann — wie die Marxsche
Theorie möchte — sondern als eine Energieanwendung, die
nur bezahlt wird, soweit die Marktgesetze und die Grundbedingungen
 der kapitalistischen Wirtschaft es erlauben.
Gewiß, für diejenigen, die nur durch Verkauf der
eigenen Arbeitskraft leben können, ist auch dieses Problem
        <pb n="37" />
        eng an die Arbeit gebunden. Da für sie die erste Frage ist,
wieviel sie im Tausch gegen die eigene Arbeit erlangen
können, wird der sie unmittelbarer interessierende Gegenstand,
 das Verhältnis zwischen der Arbeitsquantität, die sie
hergeben müssen und dem durch diese Arbeit erlangten
Unterhalt.
Aber wir denken in keiner Weise daran, eine so einfache
Wahrheit zu bestreiten. Wenn wir sagen. daß die Arbeit
das Mittel und die Produkte der Zweck sind, leugnen wir
ihr Verhältnis nicht: sondern wir streben nur danach, dessen
 Charakter und Tragweite genau festzustellen. Dem, der
zum Verkauf der eigenen Arbeitskraft gezwungen ist, liegt
die Vergütung, die er dafür empfängt gerade deswegen so
sehr am Herzen, weil diese Vergütung und schließlich die
Produkte, in die sie aufgelöst wird, den wahren Endzweck
bildeu, auf den hin er den Verkauf vollzogen hat.
Nehmen wir eine sinnlose, aber zur besseren Klärung
unseres Gedankes nützliche Hypothese an: die Güter (Produkte),
 mit denen die Politische Oekonomie sich beschäftigt,
könnten von der Natur den Menschen, ohne deren Mitwirkung
 geliefert werden und zwar in Quantitäten, die sich
automatisch wiederherstellen, aber immer begrenzt sind.
Die auf ökonomische Zwecke gerichtete Arbeit würde der
Definition nach nicht mehr vorhanden sein. Und doch bliebe
der Kampf zwischen den Menschen um die Verteilung dieser
 Produkte bestehen. Die Tatsache also, daß der Streit um
die Verteilung der Produkte auch dann fortdauern würde,
wenn es keine Arbeit mehr gäbe, bildet — abgesehen von
dem etwas albernen Charakter der Hypothese — eine Bestätigung
 für die Ueberlegenheit, die die Produkte — in ihrer
Eigenschaft als «Zweck» — gegenüber dem einfachen «Mittel»
 Arbeit innehaben, wenn dieser auch die ganze Bedeutung,
 die ihr in Wirklichkeit zukommt, zugestanden wird.
$ 6. Die Ersetzung der Produkte durch die Arbeit und die
Unproduktivität des «konstanten» Kapitals an Mehrprodukt
und an Mehrwert.
Kehren wir nun zum technischen oder fixen («konstanten»
 nach der Marxschen Terminologie) Kapital zurück:
kurz zuvor haben wir behauptet, der wesentliche Grund,
aus dem Marx annimmt, daß dieses Kapital keinen Mehrwert
 ergibt, besteht in der Tatsache, daß er schließlich —
von der eigenen Werttheorie verführt — die Phänomene
der Produktion und der Verteilung unter der mittelbaren

27
        <pb n="38" />
        Form der Arbeit anstatt unter der. unmittelbaren Form der
Produkte betrachtet hat. Für ihn besteht der Mehrwert tatsächlich
 nur in der Form. der sozusagen kristallisierten
Mehrarbeit. Und da die Mehrarbeit — wie übrigens auch die
notwendige Arbeit — ihrer Definition nach vom Menschen;
und nur vom Menschen geleistet. werden kann, und nicht
von einer unbeseelten Sache wie eine Maschine, wird diese,
da sie zu keiner Mehrarbeit gezwungen werden kann, auch
unfähig, einen Mehrwert zu schaffen.
Wenn man hingegen die Produkte an sich betrachtet,
ist es einleuchtend, daß, falls eine bestimmte Arbeitsquantität
Zusammen mit einer bestimmten Maschine eine Summe von
Produkten ergibt, die nicht geringer, sondern sogar immer
größer ist als diejenige, die man vorher mit einer größeren
lebendigen Arbeitsquantität erhielt, die Bedingungen — an
den Produkten selbst gemessen — nicht nur unverändert
bleiben, sondern besser werden. Die absolute Größe der
Mehrarbeit ist verringert, weil die Zahl der der Mehrarbeit
gewidmeten Arbeiter infolge Ersetzung eines Teiles von
ihnen durch die Maschine herabgesetzt worden ist. Und doch
ist das, worauf es ankommt, die Quantität der Produkte, konstant
 geblieben, ja Sogar vermehrt worden.
Ein typischer Marxist wird auch hier eine Erörterung
versuchen können, die der von uns weiter oben gemachten
analog ist. Er wird sagen können, daß Marx, da für die
einzelnen Unternehmungen die entsprechenden Produkte
Nur in Betracht kommen, wenn. sie einen Tauschwert besitzen,
 die sei es von der notwendigen, sei es von der Mehrarbeit
 geschaffenen Produkte nicht unter der Gattung
«Quantität», sondern unter der Gattung Wert betrachtet.
Und da nach seiner Werttheorie die aus der Mehrarbeit entstehenden
 Produkte nur einen Wert haben nach Maßgabe
der Größe dieser Mehrarbeit. konnte er nicht zugeben, daß
Produkte, deren Quantität zwar gleich groß oder größer
War, denen jedoch eine geringere Mehrarbeit entsprach,
einen ebenso großen Mehrwert wie vorher darstellen.
Unsere Antwort ist jedoch auch hier sehr leicht und
analog derjenigen, mit der wir dem früheren Einwand begegneten.
 Wir denken durchaus nicht daran, zu bestreiten, daß
Marx es verstanden hat, mit großartigr Logik die notwend’gen
 Schlußfolgerungen aus seinen Voraussetzungen zu
ziehen. Wir sagen. nur, daß die Ungeheuerlichkeit dieser
Schlußfolgerungen der beste Beweis für die Irrtümlichkeit
jener Voraussetzungen ist. Wenn die Theorie, nach der der
Tauschwert durch die Arbeit entsteht, die Wirkung hat, daß

38
        <pb n="39" />
        ein Teil derjenigen Produkte, die vorher den Kapitalisten
den Profit sicherten, zu verschwinden scheint, und zwar nur
durch die Tatsache, daß er anstatt mit Lohnkapital mit
technischem oder fixem Kapital gewonnen worden ist, kann
es da ein noch schwerwiegenderes Argument geben, um zu
dem Schluß zu gelangen, daß eine Werttheorie die zu derartigen
 Resultaten führt, in ihren Grundvoraussetzungen
verfehlt ist?
8 7. Die Ersetzung der Produkte durch die Arbeit und die Betrachtung
 der einzelnen Unternehmungen.
Wir haben die zweifellos direkteste Ursache der Marxschen
 Irrtümer in der uns interessierenden Frage untersucht.
Aber gleichzeitig hat eine andere Ursache mitgewirkt, die
nicht mehr die Werttheorie, wie sie von Ricardo und Marx
formuliert worden ist, an sich betrifft, sondern ganz allgemein
 den Begriff der Beziehungen von Werttheorie — welche
 es auch immer sein möge — zur Gesamtheit der ökonomischen
 Phänomene.
Wir haben in den vorhergehenden Arbeiten nachgewiesen,
 daß, wenn auch die Auffassung von den einzelnen Unternehmungen
 — die in einer auf Arbeitsteilung beruhenden
Gesellschaft ihrer Definition nach und als Voraussetzung für
die Betrachtung des Tauschwertes von Bedeutung ist — zur
Prüfung vieler und äußerst wichtiger ökonomischer Vorgänge
 unerläßlich ist, es doch andere gibt, für die die Auffassung
 von der Gesamtheit der Unternehmungen — d. h.
diejenige Auffassung für welche die Waren als Produkte in
ihrer Gesamtheit abgesehen vom Wertbegriff betrachtet werden
 — in gleichem Maße notwendig ist.
Einer der Vorteile der zweiten Auffassung ist nun
gerade der, daß sie — gerade weil sie vom Tauschwert absieht
 — dazu führt, die Produkte in ihrer quantitativen
Wirklichkeit zu betrachten und hiermit vor der Gefahr bewahrt,
 durch deren allmähliche Darstellung aus dem Wert
— aus irgend einem Irrtum in der Werttheorie — irgend
einen Teil jener Quantitäten unter den Augen verschwinden
zu lassen, deren tatsächliches Vorhandensein mit dieser
Auffassung vorher vergewissert worden war.
Es ist wahr, daß Marx selbst — der im ersten Band
vom «Kapital» geglaubt hatte, alle wirtschaftlichen Phänomene
 nur mit der Betrachtung der einzelnen Betriebe beherrschen
 zu können — dann im dritten Band auch zur Betrachtung
 der Gesamtheit der Betriebe zurückgekommen ist. Aber
abgesehen davon. daß er dies nur sporadisch und zufällig

39
        <pb n="40" />
        — 240 —
getan hat, hat er sich dieser Methode nur dazu bedient, um
damit zu beweisen, daß seine eigene Werttheorie, trotz der
notwendigerweise eingeführten Korrekturen, grundsätzlich
als richtig bestehen bleibt. Da nun diese Theorie auf einer
Darstellung der Produkte durch die Arbeit beruhte und beruht,
 mußte er, um zu seinem Ziel zu gelangen, diese Auffassung
 auch dann aufrecht erhalten, als er sich auf die Gesamtheit
 der Betriebe bezog. Auf diese Weise hat er den ganzen
 Vorteil eingebüßt, der ihm von dem Neuen, provisorisch
angewandten Gesichtswinkel kommen konnte, und der darin
hätte bestehen müssen, ihn dazu zu führen, die Produkte
außerhalb des Bereiches der Arbeit, direkt zu betrachten,
und zuzugeben, daß gerade ihre Darstellung durch die Arbeit
Schuld daran war, wenn er nicht gesehen hatte und nicht sah,
daß das neue technische Kapital tatsächlich eine Masse von
Produkten hervorgebracht hatte, die nicht kleiner, sondern
eher größer ist als die Produktenmasse, die ‚mit dem von
ihm ersetzten Teil des Lohnkapitals erreichbar war.
Marx konnte also — in unverzeihlicher Weise von seinen
 eigenen Voraussetzungen voreingenommen — seine
verspätete Zuflucht zum Begriff von der Gesamtheit ‚der Betriebe
 nicht ausnutzen, um seinen Irrtum von der Betrachtung
 der Arbeit anstatt der Produkte zu berichtigen, und
zuzugeben, daß das technische Kapital eine Quantität Produkte
 liefert, die der des von ihm ersetzten Lohnkapitals
zum MmMindesten nicht nachsteht. Er hat ganz im Gegenteil
an diesem Irrtum festgehalten und sich der angedeuteten
Auffassung — wie wir weiter oben festgestellt haben — zu
dem einzigen und begrenzten Zwecke bedient, zu beweisen,
daß die Einführung des technischen Kapitals — obwohl sie
einer Verringerung der Mehrarbeit und somit des Mehrwertes
 Raum gibt, und obwohl dies eine Modifikation aller
früheren auf Grund der Arbeit bemessenen Tauschwerte
bedeutet — trotzdem der Theorie nicht widerspricht, nach
welcher der Wert durch die Arbeit bestimmt wird.
        <pb n="41" />
        SA SWS WAS ZS EZ SWZ SID
Die Wirkungen der Anwendung des technischen Kapitals
 bei Betrachtung der Gesamtheit der Betriebe
(in bezug auf die Kapitalisten und bei unveränderter
 Quantität der Produkte).
$ 1. Die Marxsche Darstellung und die Veränderung der Produktquantität
 und der Arbeit in entgegengesetztem Sinn.
Im vorhergehenden Kapitel haben wir summarisch die
allgemeinen Gründe für die Irrtümer auseinandergesetzt, die
in der Marxschen Stellung des uns beschäftigenden Problems
enthalten sind.
Wir müssen nun zu einer genaueren Analyse übergehen,
um zu beweisen, wie es möglich ist, nur durch Vermeidung
dieser Irrtümer von Anfang an, eine genaue Fragestellung
zu geben und so eine annehmbare Lösung zu erhalten.
Wie schwer auch, unserer Meinung nach, die von uns
bisher gemachten Betrachtungen wiegen mögen, ein sogenannter
 Marxist wird immer noch glauben können, daß es
sich mehr um Sofistereien als um sonst etwas handelt, und
daß, da Produkte und Arbeit gegenseitig auswechselbare Begriffe
 sind, es auf jeden Fall erlaubt bleibt, die einen durch
die andere darzustellen, sei es auch erst, nachdem die
Grundzüge des getroffenen Uebereinkommens besser geklärt
worden sind.
Die Natur der gegenwärtigen Untersuchungen selbst liefert
 uns jedoch einen weiteren unwiderlegbaren Einwand,
der wegen seines analythischen Charakters im vorigen Kapitel
 nicht untergebracht werden konnte.
Man kann schließlich auch zugeben, daß — abgesehen
von den logischen Irrtümern, die, wie wir gesehen haben,
einem derartigen Vorgehen eigentümlich sind, — in einem
bestimmten Augenblick und bei einem bestimmten Zusammentreffen
 wirtschaftlicher Erscheinungen und deren Beziehungen
 die Produkte durch Arbeitsbegriffe ausgedrückt
werden.
Solange jener Augenblick dauert und jenes Zusammentreffen
 vorhält, können die Schäden einer so mittelbaren

V.
        <pb n="42" />
        Br
und indirekten Anschauungsweise — nach einer von uns
nicht geteilten Hypothese — relativ vernachlässigt werden.
Aber es genügt, daß jener Augenblick vorübergeht und
die ökonomischen Bedingungen, die ihn kennzeichnen, sich
in einem bestimmten Sinn verändern, um durch die Ableitung
 der Produkte aus der Arbeit die in den Produktquantitäten
 stattgefundenen Veränderungen nicht mehr erklären
zu können.
Nehmen wir z. B. an, daß aus irgend einer Ursache Produkte
 und Arbeit sich in entgegengesetztem Sinn verändern
oder genauer, daß die Ouantität der Produkte sich im Vergleich
 zu der früheren vergrößert oder konstant bleibt, wogegen
 die Arbeitsquantität entsprechend abnimmt. Dann wird
die Erklärung aus der Arbeit danach trachten, die neue
Wirklichkeit sowohl der Produktquantitätn wie der Produktwerte
 zu verbergen.
Die Tatsache allein, daß die absolute Arbeitsquantität
verringert ist, macht die Erkenntnis schwer, ja, verhindert
sogar, daß trotzdem die Produktquantität entweder absolut
oder wenigstens relativ vermehrt wird.
Wenn auch durch die Auffassung ferner, daß die Arbeitsquantität
 nicht nur die Produkte darstellen, sondern
direkt ihren Tauschwert bestimmen kann, jener Teil der
Produkte, dem eine geringere Gesamtarbeit und eventuell
gar keine Mehrarbeit entspricht, infolge einer so indirekten
Darstellung wie die von uns bekämpfte, nicht verborgen
bleibt, so scheint er doch einen geringeren Wert und gar
keinen Mehrwert zu besitzen und daher für den Verkauf
weniger verwertbar oder direkt nutzlos zu sein.
Wir werden in anderen Untersuchungen sehen, daß die
Ableitung der Produkte aus der Arbeit die stattgefundenen
Veränderungen und deren Folgen — wie mittelbar auch immer
 — auf den Mehrwert nur dann überträgt, wenn diese
Veränderungen in eine Verringerung oder Vermehrung der
an der Arbeit gemessenen Kosten der Lohnwaren, und zwar
nur dieser übertragen werden.
Die Einführung des festen Kapitals und deren Folgen
bestätigt gerade die allgemeine Regel, die wir angedeutet
haben. Es löst sich tatsächlich schließlich in eine Verminderung
 der lebenden Arbeit und in eine entsprechende —
absolute oder, relative — Vermehrung der Produktmenge,
d. h. in eine Veränderung in entgegengesetztem Sinn des
Größenverhältnisses beider Quantitäten auf. Und gerade deswegen
 vermag die Marxsche Ableitung aus der Arbeit, d. h.
aus _dem kleiner gewordenen Element, die wirkliche Ver-1°
        <pb n="43" />
        änderung in entgegengesetzter Richtung d. h. die in dem
anderen Element, dem Produkt, stattgefundene Vermehrung
nicht klar zum Ausdruck zu bringen.
Wir werden das Problem erst durch Anwendung des
Begriffes von der «Gesamtheit der Unternehmungen» und
dann desjenigen von den «einzelnen Unternehmungen»
prüfen, Für alle beide werden wir übrigens die Erscheinungen
 sowohl vom Standpunkt des Unternehmers wie vom
Standpunkt des Arbeiters aus betrachten.
$ 2. Die Marxsche und unsere Darstellungsweise.
Wir beginnen also von dem Standpunkt der Unternehmer
 aus und wenden ihn vor allem für die Auffassung von
der Gesamtheit der Unternehmungen. an.
Der größeren Einfachheit halber nehme man an, daß es
fünf Produktionszweige und Betriebe gibt, daß die ersten
drei (I, II, IV zur Gewinnung der Produkte für den ausschließlichen
 Konsum der Arbeiter dienen und die beiden
letzten (IV, V) für den ausschließlichen Konsum der Kapitalisten,
 daß das in iedem Zweig-Betrieb vorgestreckte Kapital
 nur aus Lohnkapital gebildet wird und schließlich daß
in jedem der fünf Zweige oder Betriebe 6 Arbeiter angestellt
sind und daß der Arbeitstag 10 Stunden dauert, während
die tägliche Produktion aus 100 Einheiten des jeweiligen
Produktes und die Kosten aus 60 Einheiten (auf 300 Einheiten
 der insgesamt verfügbaren Lohnprodukte) bestehen.
Man kann die Lage in folgendem Bild zusammenfassen:
zZ | „es 203 zES ı=5s
 ISE81 E55 lasz! SD
ZWEIGBETRIEBE (SEE SER SEE 582
ER 752 5
_- D (J 60 60' 100
Für die den Arbeitern be- SR
. stimmten Produkte 6 10 60 60! 100 |
11 | 6 10 60 60! 100
7 Für die den Kapitalisten 56 0 60‘ 60! 100
V bestimmten Produkte _ nn x vol 100°
Gesamtsumme | 30 ! -. 2y0 ll 300 ' 0
{

43
        <pb n="44" />
        44 —_
Unter dieser Bedingung würde für Marx — der, wie wir
seinerzeit gesehen haben, auch die Betrachtungsweise der
«Gesamtheit der Betriebe» ausnahmsweise und zu besonderen
 und irrtümlichen Zwecken, aber stets mit Bezug auf
die Ableitung aus der Arbeit zugegeben hat — die tägliche
Gesamtproduktion durch 300 Arbeitsstunden (60 Stunden X
5 Betriebe) repräsentiert werden; die Gesamteinnahme der
30 Arbeiter durch 180 Arbeitsstunden (60 Stunden X den 3
mit der Gewinnung der Lohnprodukte beschäftigten Betriebe)
 und die Gesamteinnahme der 5 kapitalistischen Unternehmer
 durch 120 Stunden kollektiver Mehrarbeit (60 Stunden,
 den 2 übrigen Betrieben). *)
Für uns hingegen besteht die tägliche Gesamtproduktion
direkt aus den 500 Einheiten der 5 verschiedenen Produkte,
die tägliche Gesamteinnahme der 30 Arbeiter aus den 300
durch die ersten 3 Betriebe (kollektives notwendiges Produkt)
gewonnenen Einheiten, und die tägliche Gesamteinnahme
der 5 kapitalistischen Unternehmer aus den 200 durch die
andern beiden Betriebe gewonnenen Einheiten (kollektives
Mehrprodukt). *)
Nehmen wir nun an, daß in dem Betrieb V, 30 auf 60
1) Um den Vergleich mit unserer Art der Auffassung von
dem Kollektiv-Phänomen zu erleichtern, — eine Auffassung, die
den Verzicht auf jeden Begriff und auf jede Beihilfe des Tauschwertes
 in sich schließt, — erkennen wir hier Marx eine vollkommenere
 Auffassung von der Gesamtheit der Betriebe zu, als er
tatsächlich gehabt hat. Marx hat diese Auffassung, auch wenn
er sie zufällig einmal vertreten hat, niemals radikal von der ganz
anders gearteten Darstellungsweise durch einzelne Betriebe loslösen
 können. Er mißt daher die Gesamteinnahme der Kapitalisten
 nicht an der Summe der gesamten nur in denjenigen Unternehmen
 angewandten Arbeit, die ihre Konsumprodukte gewinnen,
 Sondern an der Summe der Mehrwerte, von denen er glaubt,
daß sie sich bei allen einzelnen Unternehmen in vollständiger
Weise bilden. Mit andern Worten: die kollektive Mehrarbeit
ergibt sich für ihn nicht aus der Summe aller, nur in denjenigen
Betrieben angewandten Tage, welche die Konsumprodukte der
Kapitalisten gewinnen, sondern aus der Summe desjenigen Teiles
 des ganzen Tages, der sich hei jedem einzelnen Betrieb —
welches auch die Bestimmung des kollektiven Produktes sein
möge — in vollständiger Weise in entsprechende Mehrarbeiten
von Einzelnen oder von Gruppen auflösen würde.
2) Man vergleiche unsere Untersuchungen: «Preis und Mehrpreis
 und ihre Beziehungen zu Konsumenten und Arbeitern»,
besonders die Seiten 16-19.
        <pb n="45" />
        Einheiten des bisherigen Lohnkapitals in technsiches Kapital
(eine Maschine) umgewandelt worden sind, daß man mit
dem so in seiner Zusammensetzung modifizierten Gesamtkapital
 ebensoviel Produkte wie bisher erhalten kann (100
Einheiten), daß das neue technische Kapital: — wenigstens
in dem von uns betrachteten Zeitabschnitt — sich überhaupt
nicht verbraucht, und daß von den 6 früheren Arbeitern
die 3 durch die Maschine ersetzten arbeitslos bleiben.
Infolge dieser letzteren Tatsache werden die 30 Einheiten
 Lohnprodukte, die vorher zum Unterhalt der jetzt beschäftigungslosen
 3 Arbeiter notwendig waren, überzählig;
und dieser Umstand wird schließlich eine neue Verteilung
dir Arbeitsstunden und Produkte in den Betrieben I-III zur
Folge haben. Der größeren Einfachheit halber wollen wir
jedoch für den Moment von dieser weiteren Entwicklung
absehen und die Dinge betrachten, bevor sie auch nur Zeit
gefunden hat, einzusetzen, geschweige denn zu reifen.
Die neue Sachlage kann in folgendem Bild zusammengefaßt
 werden:
äs = 365 göwie
255 228 355 ‚SE3229 Sa2
Zweigbetriebe SE 52 | 335 1ESSE5 82
5 388 573 (9EE85 "SM
* Ga — 5 SD S-5
 19 60 60 100
6 10! 60 | 60 z 100
5 10 60 60 „ 100
‚9! 60 60 100
+ es wo . 100
Gesamtsumme | 27 270 270 500
N Unter diesen Bedingungen würde für Marx die gesamte
tägliche Produktion durch 270 Arbeitsstunden ausgedrückt
werden (30 weniger als früher, als auch in Betrieb V 60 anstatt
 30 Arbeitsstunden gearbeitet wurden), die Gesamteinnahme
 der 27 (nicht mehr 30) Arbeiter wie früher durch 180
Arbeitsstunden (60 Stunden X den 3 mit der Gewinnung
der Lohnprodukte beschäftigten Betrieben), und die Gesamt-45


ne
z ; /
        <pb n="46" />
        einnahme der 5 kapitalistischen Unternehmer durch 90
Stunden von den Betrieben IV-V gelieferte kollektive Mehrarbeit
 (30 Stunden weniger als vorher, als im Betrieb V6
anstatt 3 Arbeiter beschäftigt waren und 60 anstatt 30 lebendige
 Arbeitsstunden gearbeitet wurde). *)
Für uns hingegen würde wie vorher die tägliche Gesamtproduktion
 direkt aus den 500 Einheiten, die Gesamteinnahme
 der 27 Arbeiter aus den 300 von den Betrieben I-III
gewonnenen Einheiten (kollektives notwendiges Produkt)
und die Gesamteinnahme der kapitalistischen Unternehmer
aus den 200 von den beiden übrigen Betrieben gewonnenen
Einheiten (kollektives Mehrprodukt) gebildet werden.
Wie man also sieht, erscheint die Gesamteinnahme der
Kapitalisten, wenn sie — wie bei Marx — durch die Mehrarbeit
 ausgedrückt wird, nur durch die Tatsache verkleinert,
daß im Betriebe V infolge der Einführung des technischen
Kapitals die Hälfte der lebendigen Arbeit ersetzt worden ist,
wogegen sie, wenn sie direkt durch die Produkte ausgedrückt
wird, in die sie sich tatsächlich auflöst, unverändert bleibt,
und zwar durch die einfache Tatsache, daß man mit geringerem
 Lohnkapital und neuem technischem Kapital. die
gleiche Produktquantität wie früher erhalten kann.
1) Auch hier schreiben wir Marx eine vollkommenere Ein-Stellung
 — in bezug auf die Darstellung der Wirkungen des tech-Nischen
 («konstanten») Kapitals auf die gesamte Mehrarbeit. —
zu, als er in Wirklichkeit eingenommen hat. Wir setzen so zur
größeren Bequemlichkeit der Vergleiche .die Fiktion fort, die
wir weiter oben vereinbart hatten, bevor wir die Anwendung
des technischen Kapitals betrachtet haben. Man darf jedoch nie
vergessen, daß Marx tatsächlich, auch wenn er für einen Augenblick
 die Auffassung von der Gesamtheit der Betriebe annimmt,
sich doch nie endgültig von dem Werthegriff befreit,. sondern
sich im Gegenteil seiner immer weiter ‘bedient, in der Illusion,
das einzelne Produkt und die besondere Art Arbeit jedes Betriebes
 in vollständige Produktion und in ebenfalls vollständige notwendige
 und Mehrarbeit verwandeln zu können. Jedoch — wie
wir in ‚der vorhergehenden Anmerkung festgestellt haben, —
versteht er, auch wenn er von Mehrarbeit der ganzen Arbeiterklasse
 spricht, darunter nicht nur und nicht die ganze Arbeit
desjenigen Teils der Arbeiterklasse, der die für die Kapitalistenklasse
 bestimmten Produkte gewinnt, sondern die Summe der
von jedem einzelnen und von allen Arbeitern gelieferten Mehrarbeiten,
 welches auch immer die Bestimmung des von ihnen
Sewonnenen Produktes sei.

4r
        <pb n="47" />
        nd 4 | in
8 3. Weitere Entwicklung.
Der größeren Vollständigkeit halber müßte man jetzt
sowohl das definitive Schicksal der 3 infolge Einführung der
Maschine überzählig gewordenen Arbeiter von Betrieb V, wie
die allgemeinen Wirkungen, die deren Schicksal auf die Gesamt-Produktion
 ausübt, untersuchen. Aber da ein derartiges
 Problem nur indirekt mit der uns näher interessierenden
 Frage zusammenhängt, mögen einige kurze Andeutungen
 genügen.
Wenn man annimmt, daß die betreffenden Arbeiter für
immer arbeitslos bleiben und z. B. auswandern müssen,
kann die oben als Voraussetzung der Untersuchung von den
Folgen, die sich unmittelbar aus der Anwendung des technischen
 Kapitals ergeben, angenommene Situation sich voll
auswirken. Die Produktion der Betriebe I-III wird um die
Einheiten der Lohn-Produkte (30), die von den 3 unbeschäftigt
 gebliebenen Arbeitern nicht mehr nachgefragt werden,
verringert werden müssen, d. h. sie muß von 300 auf 270
Einheiten abnehmen. Nimmt man an, daß diese Verringerung
des Produktes weder von einer Verringerung der entsprechenden
 Arbeiterzahl, noch der von ihnen geleisteten Arbeitsstunden
 begleitet wird, so wird sich die Gesamteinnahme
 der 27 Arbeiter aus den 5 Betrieben umgekehrt verhalten
wie die Gesamteinnahme der 5 Kapitalisten. In Arbeitsstunden
 ausgedrückt bleibt sie konstant, während sie in Produkten
 ausgedrückt. abnimmt (von 300 auf 270 Einheiten). *)
Wenn man hingegen annimmt, daß die 3 augenblicklich
arbeitslosen Arbeiter von demselben Betrieb V wieder aufg
 nommen werden können, in dem das technische Kapital
eingeführt worden ist, so bleiben die Bedingungen ‚der Betriebe
 I-I11 unverändert; aber in der Kollektiv-Einnahme der
5 kapitalistischen Unternehmer tritt eine Verschiebung ein.
In Arbeitsstunden ausgedrückt wird diese Einnahme,
die vorher herabgesetzt schien (von 120 auf 90 Stunden) von
dem Augenblick an, in dem mit der Wiederaufnahme der
3 vorher entlassenen Arbeiter in den Betrieb V die entspre-1)
 Wir sind wegen den Minimalziffern, die wir der Einfachheit
 halber annehmen mußten, zu dieser Hypothese gezwungen.
In Wirklichkeit führen derartige Verschiebungen zu viel komplizierteren
 und tieferen Modifikationen, da sie für eine weit
größere Anzahl Arbeiter und unendlich viel größere Produktmengen
 stattfinden. Der Kürze halber sind wir hier trotzdem
DON deren Feststellung im Verlauf dieser Arbeit zu vernachässigen.


59
        <pb n="48" />
        Een 48 ©
chende lebendige Arbeit (30 Stunden) aufs neue wirksam
ist, scheinbar ihren ehemaligen Umfang, nämlich 120 Stunden,
 annehmen. Umgekehrt’ ergibt sich, daß die gleiche Einnahme,
 in Produkten ausgedrückt, die früher unverändert
war, unter den neuen Bedingungen gewachsen ist. Tatsächlich
 wird infolge der Wiederaufnahme der 3 Arbeiter von
Seiten des Betriebes V, — angenommen, daß deren Produktivität
 unverändert geblieben ist, — die, Produktquantität
für die Kapitalisten, die in Betrieb IV 100 bleibt, in Betrieb V
ceteris paribus von 100 auf 150 steigen. Insgesamt werden
also die den Kapitalisten bestimmten Einheiten von 200 auf
250 anwachsen.
        <pb n="49" />
        Die Wirkungen der Anwendung des technischen
Kapitals bei Betrachtung der einzelnen Betriebe
(in bezug auf die Kapitalisten und bei unveränderter
 Produktquanftität).
$ 1. Die Marxsche Darstellung.
Im vorhergehenden Kapitel haben wir das notwendige
Produkt und das Mehrprodukt für die «Gesamtheit der Betriebe»
 betrachtet, d. h. die Gesamtheit der Produktquantitäten
 abgesehen von jedem Tauschwertbegriff.
Da wir nunmehr jedoch zur Betrachtung der «einzelnen
Betriebe» übergehen müssen, die ihrer Definition nach die
Mitwirkung des Wertes einbegreift, wollen wir zunächst
vorausschicken, daß wir in diesen und den foglenden Analysen
 immer von der. Annahme ausgehen werden, daß die
Produktion sich nur bei zwischen den "Unternehmern herrschender
 Konkurrenz abwickelt und daher die andere Hypothese,
 nach ‘der sie sich unter vollständiger oder teilweiser
Monopolherrschaft abwickelt, systematisch vernachlässigen.
Da Marx tatsächlich in seinen Untersuchungen nur den
Fall der Konkurrenz in Betracht zieht, können wir die Unterschiede,
 die in Bezug auf das besondere Problem des technischen
 Kapitals zwischen unserm und seinem System bestehen,
 nicht genau hervorheben, wenn wir nicht zum größten
Teil von den gleichen Voraussetzungen ausgehen. Es wird
jedoch unsern Lesern nicht schwer fallen, diese Lücke durch
Anwendung der Schlußfolgerungen, zu denen wir gelangen
werden, auf die Hauptgrundsätze der totalen oder teilweisen
Monopolherrschaft, wie wir sie in unserm «Preis und Mehrpreis»
 auseinandergesetzt haben, auszufüllen.
Wie wir in Kapitel IV erwähnt und in einer früheren
Untersuchung ausführlicher nachgewiesen haben, ist die Ricardo-Marxsche
 Werttheorie und mehr noch die Marxsche
Mehrwerttheorie aufs engste an die Illusion gebunden, bei
jedem einzelnen Betrieb den gesamten Gewinn des betref-VI
        <pb n="50" />
        39 — nn
fenden Kapitalisten gleichsam aus sich selbst hervorgebracht
und unabhängig von jedem Zirkulationsvorgang finden zu
können. Man kann sagen, daß in gewissem Sinn die Marxsche
 Darstellung des Mehrwertes gleichzeitig Ursache und
Wirkung dieser Illusion ist.
Entsprechend der Auffassung von den einzelnen Betrieben,
 die wir nun anwenden müssen, erscheint die von Marx
versuchte Lösung des Problems an zwei eng miteinander
verbundenen Irrtümern zu kranken: dem Irrtum nämlich,
die Produkte durch die Arbeit erklären und bei jedem Betrieb,
 der nur ein Produkt herstellt, den gesamten Gewinn
des betreffenden. Kapitalisten unabhängig von der Zirkulatio
 finden zu wollen.
Kehren wir zu den 5. weiter oben untersuchten Betrieben
 zurück, so wird für Marx der‘ Tauschwert der 100 Produkteinheiten
 jedes Betriebes durch den gesamten Umfang
der täglichen Arbeit, d. h.. 60, der Tauschwert der 60 Lohnprodukt-Einheiten
 durch 36 Tage (100 : 60 — 60 : x), und. der
Mehrwert durch 27 (60 : 36 = 24) gegeben werden.
Nach den Marxschen Voraussetzungen kann ‚die neue
Situation also in dem Fall, in dem das vorgestreckte Kapital
nur durch Lohnkapital, gebildet wird, folgendermaßen dargestellt
 werden:
„8 nn $
= DES US Ss On ö 29 &amp;lt;
Zweig- 3 DE | E58 / S% | 338 | 00 | S
&amp;lt; = =D Ss oO Sie 7 | 5 3
betriebe 3 | SR | 352 / =&amp;gt; 398 : 3 A
x Ü a |
0) 66,66
I 6) 50 || 66,66
I el 60 | 66,66
IV 06,66 | 60 66,66
V S . U Er . 56.6611 60 106,067
| | | l
Man nehme jetzt hingegen an, daß in Betrieb V 30 Lohnprodukt-Einheiten
 in technisches Kapital verwandelt werden
und daß dieses letztere, genau so wie das Lohnkapital, das
es erstzt hat, bei jedem Produktionskreislauf vollständig verbraucht
 werde. Der Tauschwert der 30 so verwandelten
        <pb n="51" />
        Lohnprodukt-Einheiten wird für Marx 18 sein (100 Produkt-Einheiten:
 60 Arbeit-Wert-Stunden = 30 Arbeit-Wert-Stunden:
 x: Folglich x =18).
Nach der Marxschen Auffassung stellt sich die neu geschaffene
 Sachlage folgendermaßen da:
Zweig- SE3 | 55 ss | ses | 338 |
betriebe ° 1 3S&amp;lt; | 8 | a 758
VE SS A
5
„656
66,66
r ‚66,66,
; 6) 33,33 |
Nachdem also einmal angenommen worden ist, daß der
Wert durch die Arbeit hestimmt wird, hat die einfache Tatsache,
 daß in Betireb V wegen Anwendung der Maschine
9 die Zahl der Arbeiter von 6 auf 3 verringert und entspre-2
 chend die tägliche Gesamtstundenzahl an lebender Arbeit
/ von 60 auf 30 vermindert worden ist, zur Folge, daß auch der
6 absolute Mehrwert, da er sich auf die Hälfte der früheren
1 lebendigen Arbeit bezieht. auf die Hälfte, d. h. von 24 auf 12
A herabgesetzt wird. Da ferner dieser kleinere absolute Mehr-7
 wert einem Gesamtkapital gleicher Größe entspricht (36, zu-,
 sammengesetz aus 18 Lohnkapital und 18 «konstantem»
7 Kapital), wird der Profit von Betrieb V von 66,66% auf
;&amp;amp;  33,33°% vermindert.
Der Gewinn des Kapitalisten des Unternehmens V. der
Am Nach Marx in vollständiger Weise im Innern des Betriebes
U unabhängig von jedem Tauschvorgang entsteht, wird so auf
D die Hälfte herabgesetzt. Um nun die Feststellung einer Tat-3g
 sache zu vermeiden, die unter der Herrschaft des Kapitail
 lismus unsinnig sein würde, nämlich daß Gesamtkapitalien
»” „von gleicher Größe (einerlei ob verschiedenartig zusammenya
 gesetzt) verschiedene Profite entsprechen, hat Marx — wie
w Wir in Kapitel II gesehen haben, — nur ein Mittel: er nimmt
ıs an, daß der so geschädigte Kapitalist sich mittels der Zirku-61
 _lation den entsprechenden Gewinn zu verschaffen imstande
        <pb n="52" />
        ist. den er aus dem Innern des eigenen Betriebes nicht gewinnen
 kann; d..h. daß es ihm gelingt, sich durch Hebung
des Preises seiner Ware auf ein höherer Niveau als dasjenige
ist, das eigentlich durch die entsprechende Arbeitsquantität
angezeigt wäre, zu decken, und daß er so an dem Mehrwert
 teil hat, den die anderen Kapitalisten sozusagen weiter”
innerhalb ihrer Betriebe «herstellen». Kurz, da die in Frage
kommende Unternehmung aufgehört hat, einen Teil ihres. ;
Mehrwertes selbst zu «produzieren», bleibt ihrem Kapitalisten
 nichts anderes übrig, als sich mittels Tausch einen Teil
der von den andern Unternehmen geschaffenen Mehrwerte*
anzueignen.
Daher das komplizierte Verfahren, das den eigenen Voraussetzungen
 des Autors widerspricht, die wir ausführlicher “1
in dem oben erwähnten Kapitel II auseinandergesetzt haben;
um die nur mit dem Lohnkapital produzierten und produ- -
zierbaren Mehrwerte gerecht zu ‚verteilen, verkaufen nach.
ihm diejenigen Kapitalisten, die ein verhältnismäßig grös- -:
seres konstantes Kapital investieren, ihre Ware zu einem nf
höheren und die übrigen zu einem niedrigeren Preis als der“
von der lebendigen Arbeit vorgezeichnete. ist.
Wenden wir dieses Verfahren auf unsere in der vorigen mn
Tabelle gemachten Voraussetzungen an, so würde der per--'
zentuelle Durchschnitt für die Zusammensetzung der 5 Ge- -‘
samtkapitalien der 5 Betriebe 90 bei dem Lohnkapital («va- -ı
riablen») und 10 dem «konstanten» Kapital werden, *) der«:
durchschnittliche Mehrwert für jedes der 5 auf 100 gebrach- -ı
ten Kanitalien würde auf 21,60 sinken (24 für die 4 ersten n
Betriebe + 12 für den letzten. das ganze geteilt durch 5) und b
der durchschnittliche perzentuelle Zinsfuß des Profites aufic
59,99°% (66,66 für die ersten 4 Betriebe + 33,33 für den letzten, ‚no
das ganze geteilt durch 5). Infolgedessen würde 57,60 (36 Ka- -s£
pitalwert + 241,60 Durchschnittsprofit) der Durchschnitts--a
preis sein, zu dem die Gesamtproduktion jedes Betriebes ver--1
kauft werden müßte.
1) Wenn man das Lohnkapital von 36 auf 100 und infolge—s'
dessen das «konstante» Kapital von 18 auf 50 bringt, wird diesi|
Zusammensetzung der Kapitalien:
für Betrieb I 100 Lohn + 0 konstantes
» Ui 11100 Lohn + 0 »
» » 111100 Lohn + 0 »
» » IV 100 Lohn + 0 »
» » V.. 50 Lohn. 7.50 »
Durchschnitt 90 Lohn + 10 konstantes

592
        <pb n="53" />
        52

8 2. Die von uns vorgeschlagene Darstellung.
Nach unserer Auffassung hingegen erscheinen die Dinge
jz sehr anders und viel einfacher.
Da der Maßstab des Tauschwertes der Produkte nicht
(I nur von einer «Ursache», und schon gar nicht von der Arbeit
d bestimmt wird, sondern von allen Bedingungen gemeinsam,
b die das Gleichgewicht zwischen normaler Nachfrage und
m normalem Angebot ausmachen (und von diesen Bedingun-3
 ” gen sind die Produktionskosten, und nicht die Arbeit direkt,
9 eine unter vielen, wenn auch gewiß eine der wichtigsten),
;7 ist es klar, daß solange diese Bedingungen in ihrer Gesamt-«heit
 unverändert bleiben, der Tauschwert der Produkte von
‘ Betrieb V nicht durch die bloße Tatsache abnehmen kann,
&amp;gt; daß — wenn zunächst ihre absolute Quantität (100) gleich
1 bleibt, — ein Teil ihrer Produktionskosten — dessen Gesamt-2
 größe ebenfalls unverändert bleibt — aus Kapital besteht,
D das in Maschinen anstatt in Lohn vorgestreckt ist.
Da außerdem die Größe des Spielraums nicht durch eine
Vermehrung der sich automatisch in Mehrwert verwandeln-)
 den Mehrarbeit gegeben ist, sondern durch den Unterschied
x zwischen Verkaufs- und Kostenpreis, wird es ebenso ein-‘
 leuchtend, daß, wenn außer den die Preishöhe bestimmen-&amp;gt;
 den Bedingungen (dem Diminuendus) auch die Höhe der
Kosten (der Subtrahendus) unverändert bleiben, dieser Unterschied
 sich nicht verkleinern kann; solange der einzige
Umstand, der verändert wird, sich auf die zweite Größe bex
 zieht und zwar innerhalb_der angegebenen Grenzen.
N Schließlich besteht für uns der Gewinn der einzelnen
" Kapitalisten niemals aus dem einzelnen Betrieben gewonnenen
Produkt und erst recht nicht nur aus diesem. Er bleibt imnier
» Funktion des Tausches, auch bei der Hypothese, daß das ge-2
 samte vorgestreckte Kapital jedes Unternehmers keine Quote
° an technischem Kapital enthält. Der von jedem Kapitalisten
für die gesellschaftliche Produktion geleistete Beitrag wird
nur von einer Ware gebildet; und die Art, wie sie das
4 kollektive Mehrprodukt verteilen, hängt immer — bei, sonst
ı gleichen Bedingungen — von der Höhe des Preises ab, zu
dem sie ihre jeweilige Ware verkaufen können. Das Vor-.
 gehen, mit dem die einzelnen Unternehmer registrieren und
die Bedingungen für das Gleichgewicht des Marktes durch
Verkauf zu einem aus Hinzufügung des proportionellen
Durchschnittsprofites zu den Auslagen entstandenen Preise
zu festigen trachten, bleibt das gleiche, ob es nun ein technisches
 Kanital gibt oder nicht.
        <pb n="54" />
        — 4
Wir wollen nun in mehr analythischer Weise, und natürlich
 mit Gebrauch unserer eigenen anstatt der Marxschen
Terminologie, die konkrete Anwendung prüfen, die diese
allgemeinen Begriffe in dem uns besonders beschäftigenden
Fall finden.
Man nehme an, daß die Preise in Papierliren gemessen
werden und die Gleichgewichtsbedingungen zwischen nor-Maler
 Nachfrage und normalem Angebot einen Einheitspreis
von einer Lira für alle 5 aus den 5 Betrieben gewonnenen
Produkte zulassen.
Wir beginnen mit dem Moment, für den wir in der vorhergehenden
 Analyse das technische Kapital als noch nicht
vorhanden annahmen. Dem damaligen Bilde kann jetzt —
immer gemäß unseren eigenen Begriffen und unserer eige-.
nen Terminologie — das folgende entsprechen:
= os | = O
S „9 u | =5 | SS „5 Es 35_
Zweig- 5 3 SER SS | zo SEEN 35 | 355
betriebe 3 SE SSEf ES £ 628 28 | Sa
Se 55
5 . _ +6 Lire "ll %%
L 6 1.10 60 ' 60 100 | 100 | 40 |! 66,66
I 6 | 10 1 60 " 60 ı 100|l 100 40 | 66,66
I 65 | 10 1 60 60 u 100|| 1001|) 40 ! 66,66
IV 5 09 1 60 * 60 I 100 100 40 | 66,66
% ‚1.0 50 4 jO I 1001| 100 || 40 "66,66
jesamt- a - ı) Il U
rt ALSO 300 j + 1 500 | 500 | 200 1 —
Sobald die Marktbedingungen in einem gegebenen Moment
 den einzelnen Unternehmern einen Profit von 66,66°/
sichern, wird jeder von ihnen diesen Stand der Dinge in
seiner Buchführung registrieren und mit dieser Registrierung
 solange fortfahren, bis ein Wechsel in der allgemeinen
Lage ihn zu einer entsprechenden Veränderung der Ziffern
zwingt. In‘ der von uns angenommenen Situation wird also
jeder Kapitalist den Preis, zu dem er seine Ware zu verkaufen
 hofft, bilden, indem er das gesamte vorgestreckte Kapital
(wie immer es auch! zusammengesetzt sei) zu Grunde legt
und zu je 100 Liren dieses Kapitals einen Profit von 66,66°/o
hinzufügt.

A
\
        <pb n="55" />
        55

Will man eine vollständige Parallele zu den bei Anwendung‘
 der‘ Betrachtungsweise für die Gesamtheit der Betriebe
 vorausgesetzten Bedingungen aufstellen, nehme man
jetzt — analog unserem Uebereinkommen bei Auseinandersetzung
 der Schlußfolgerungen vom Marxschen Gesichtspunkt
 — an, daß in Betrieb V die Hälfte des vorgestreckten
Lohnkapitals, d. h. 30 Lire, in technisches Kapital verwandelt
worden sind, daß man mit dem gleichen Gesamtkapital von
60 Lire (jedoch in 30 Lire Lohn- und 30 Lire technisches
Kapital geteilt) dieselbe Produktmenge von 100 Einheiten wie
früher erhält, daß der Verbrauch des neuen technischen Kapitals
 100 von 100 sei, und daß die 3 durch die Maschine ersetzten
 Arbeiter wenigstens für den Augenblick arbeitslos
bleiben.
Die Situation kann also ın folgendem Bild vergegenwärtigt
 werden:
' ZN Sl =) zei SE SM 25 3
EEE
5 (SS 1S8: | SS 18S8 | 22 | E52, SS | ES
&amp;gt; ; EZ BES | sa E55) Sau 558 DS SEC
Ss OPEN a ®
{ “zZ = UE- U I —
Som 3 66,66
vo 6,66
| 60 5,66 |
1.160 66,66.
N 0,66:
Gesamt N
|| Summe nn .
Es genügt, die letzten Kolonnen dieses Bildes mit den
entsprechenden des vorigen zu vergleichen, um zu erkennen,
daß in Betrieb V, trotz Einführung des technischen Kapitals
keine Veränderung weder iın der Quantität des gewonnenen
Gesamtproduktes, noch in der totalen Roheinnahme, noch
in den absoluten und relativen Spielräumen, noch bei ihrer
Buchführung stattgefunden. hat.
Nachdem einmal das Gesamtkapital — obgleich es heute
nicht mehr aus 60 Lire reinem Lohnkapital, sondern aus
30 Lire der einen und 30 Lire der andern Art zusammengesetzt
 ist — seine identische Größe bewahrt hat, führt das
        <pb n="56" />
        System, den gleichen perzentuellen Profit zu einem Kapital
von „gleichem: Gesamtumfang hinzuzufügen, natürlich zur
Verteilung derselben Summe auf die Produktionsquantitäten
(L. 60 vorgestrecktes und verbrauchtes Kapital + L. 40 Spielraum
 ın absoluten Ziffern, und entsprechend L. 100 + L. 66,66
in perzentuellen Ziffern).
Da andrerseits auch d’e Produktquantität (100 Einheiten)
unverändert geblieben ist, ist nichts natürlicher als daß jede
Wareneinheit ebenfalls ihren früheren Verkaufspreis von
1 Lire behält. Um. den Preis zu erhöhen, müßte die Vertei:
lung der gleichen Ziffer (Ausgabe + Profit) für eine geringere
 Einheit stattfinden, d. h. die. Produktquantität müßte
verringert werden. Aber gerade unsere Erklärung der Produkte
 aus sich selbst anstatt aus der Arbeit erlaubt uns, festzustellen,
 daß — nach unseren Voraussetzungen — wenn die
Quantität der lebenden Arbeit durch Ersetzung der Hälfte
der Arbeiter herabgesetzt wird, das Produkt trotzdem — und
gerade durch das technische Kapital, das jene Arbeiter er-Setzt
 hat — unverändert bleibt.
Während also nach der Marxschen Auffassung die Einführung
 des technischen («konstanten») Kapitals in verschiedenen
 Proportionen in die verschiedenen Betriebe immer
eine Herabsetzung des Mehrwertes in denjenigen Beirieben,
in denen es größer ist, und daher auch eine Neubelastung
der Mehrwerte, Durchschnittsprofite und Werte pro Produkteinheit
 aller Betriebe bedeutet, hat nach unserer Auffassung
— Solänge die Größe der Gesamtkapitalien und der Produktion
 gleich bleibt, — die Anwendung des technischen Kapitals
 nicht einmal in dem Betrieb, in dem es verhältnismäßig
größer ist, eine Veränderung im absoluten oder perzentuellen
 Spielraum zur Folge und verlangt keinerlei Revision
in den absoluten oder perzentuellen Spielräumen oder Prei-Sen
 pro Produkteinheit jedes Betriebes:
$ 3. Die beiden Auffassungen und ihre Unterschiede.
Das Vorgehen, mit dem die einzelnen Unternehmer suchen,
 sich für gleiche Größen vorgestreckten. Kapitals einen
gleichen Profit zu sichern, wie auch immer dieses Kapital
Zusammengesetzt sei, bildet innerhalb unseres Systemes kein
außergewöhnliches Mittel -— wie bei dem Marxschen —
infolge der Einführung des technischen («konstanten») Kapitales
 und der Notwendigkeit, die beanspruchten Verluste,
die sich daraus ergeben würden, auszugleichen. Auch vor
Einführung des technischen Kapitals und unabhängig von
ihr, verhielten und verhalten sich die Kapitalisten genau so

56
        <pb n="57" />
        57

bei der Verteilung des kollektiven Mehrproduktes. Dieses
System haben wir schon ın der Untersuchung «Preis und
Mehrpreis und ihre Beziehungen zu Konsumenten und Arbeitern»
 (besonders S. 35-41) analysiert, in der wir noch
von der Einführung des technischen Kapitals und den damit
zusammenhängenden Problemen abgesehen haben.
Um zusammenzufassen: in der Marxschen auf Arbeits-Wert
 beruhenden Darstellung führt die Einführung des
technischen Kapitals in jedem Fall zu einem Unterschied in
der Situation der verschiedenen Kapitalisten, die nur durch
eine Modifikation der Werte beseitigt werden kann, eine Modifikation,
 die sich schließlich in. vollständige Verneinung
der Werttheorie selbst auflöst, die den Ausgangspunkt des
ganzen Systems bildet. Nach unserer teils auf den Quantitäten,
 teils auf den Gleichgewichtspreisen beruhenden Darstellung
 hingegen verlangt die Einführung des technischen
Kapitals — bei unveränderten Produktquantitäten und unverändertem
 Cesamtumfang der Kapitalien — nicht nur
keine Korrektur unserer Voraussetzungen, sondern bildet, da
sie sich vollständig in deren Folgen einfügt, eine ‚weitere
Bestätigung für sie.
In Analogie mit der Entwicklung der Dinge, die wir im
vorigen Kapitel gegeben haben, müssen wir jetzt prüfen; was
mit den Preisen und Spielräumen in jeder der Betriebe I-III
geschieht, wenn die Produktion infolge Aufhörens des Konsums
 der 3 aus Betrieb V entlassenen Arbeiter beschränkt
wird, und was in Betrieb V geschieht, wenn hingegen die 3
entlassenen Arbeiter von ihm wieder aufgenommen werden
und er infolgedessen zu dem früheren Produktionsumfang
der Betriebe I - III zurückkehrt.
Während wir jedoch bis jetzt die Vorgänge in der einzelnen
 Unternehmungen in der Voraussetzung untersucht
haben, daß die Produktionsquantität auch in derjenigen unverändert
 bleibt, die das technische Kapital eingeführt hatte,
haben die neuen Analysen die Kenntnis der Beziehungen zur
Grundlage, die zustande kommen, wenn der Anwendung des
technischen Kapitals eine Veränderung der Produktquantität
entspricht.
Es ist also eine Verschiebung innerhalb desselben Bildes
der vorliegenden Arbeit notwendig.
Da es sich ferner tatsächlich um eine Frage handelt, die
nur indirekt mit den Problemen zusammenhängt, mit denen
wir uns jetzt beschäftigen müssen, halten wir es für zweck-N
 U ECT das ganze Argument auf spätere Publikationen zu
vertagen.
        <pb n="58" />
        SCI SEA SE ASS ASCZASI ZZ
ve
Die Wirkungen der Anwendung des technischen
Kapitals bei Betrachtung der Gesamtheit der
Betriebe und bei Betrachtung der einzelnen
Betriebe (in bezug auf die Kapitalisten und bei
vermehrter Produkt-Quantität).
Die Ergebnisse, zu denen wir in Kapitel V und mehr
noch in Kapitel VI gelangt sind, beruhen auf der Hypothese,
daß man mit einem Lohnkapital von 30 und einem technischen
 Kapital von 30 die gleiche Produktionsquantität
(100 Einheiten) erhält, die man vorher mit dem Lohnkapital
von 60 erhielt.
Diese Hypothese entsprach den Regeln der Logik bei
der Gegenüberstellung. Um die besonderen Wirkungen der
Einführung des technischen Kapitals zu isolieren und deutlicher
 zu zeigen, mußten wir annehmen, daß die größere
Zahl der mitwirkenden Bedingungen sowohl vorher wie
nachher unverändert bleibt.
Jetzt ist jedoch der Augenblick gekommen, in dem wir
die Veränderung einer größeren Zahl von Umständen, und
besonders der Produktionsmenge, zugeben können, oder vielmehr,
 nach einer mannigfaltigen Einsicht, zugeben müssen.
Die bereits erworbenen Grundsätze bleiben natürlich
bestehen. Aber einige der sozusagen quantitativen Folgerungen,
 die gezogen werden dürfen, werden bei Veränderung
einiger Hypothesen nachdrücklicher betont werden.
Die Annahme, daß man mit einem Kapital von 60, das
zur Hälfte aus Lohn-, zur Hälfte aus technischem Kapital
besteht, eine geringere Produktmenge erhalten kann; als mit
eınem ausschließlichen Lohnkapital von 60, wäre in der
Wirklichkeit ohne Bedeutung.
| Das technische Kapital wird nur eingeführt, sofern seine
Mitwirkung die Gewinnung eines größeren Produktes —

VIE
        <pb n="59" />
        Ja, im allgemeinen eines unvergleichlich viel größeren Produktes
 — erlaubt als das bloße Lohnkapital.
Es bleibt also praktisch nur die entgegengesetzte Hypothese.
 bestehen, die schon in den zur Ausschließung der
übrigen Hypothesen vorgebrachten Begründungen einbegriffen
 ist.
A) Betrachtung der Gesamtheit der Betriebe.
Betrachten wir das Phänomen zunächst für die Gesamtheit
 der Betriebe.
Da die in den vorhergehenden Kapiteln entwickelten
Analysen nunmehr eine flüchtigere Behandlung gestatten,
betrachte man ohne weiteres die zweite Tabelle in Kapitel V
und nehme man an, daß in dem darauf als letzten angeführten
Betrieb das Lohnkapital von 30 und das neue technische Kapital
 von 30 (mit Verbrauch 0) nicht mehr 100, sondern 150
Produkteinheiten erzeugen.
Für Marx würde die gesamte Produktion von Betrieb V,
da sie unter den neuen Bedingungen 30 anstatt 60 verbrauchter
 Arbeitsstunden kostet, wieder durch diese 30 Stunden
dargestellt werden und daher um die Hälfte verringert sein.
An der wirklichen Produktquantität gemessen, würde sie
hingegen von 1 auf 1.50 gewachsen sein.
Die Kollektiv-Einnahme der Arbeiterklasse würde für
Marx durch 60 in Betrieb IV und 30 in Betrieb V, im ganzen
also 90 angewandte Arbeitsstunden dargestellt werden, d. h.
also um 30. Stunden weniger als wenn ın den letzten beiden
Unternehmen, in denen das «konstante» Kapital mit einem
Verbrauch von 0 noch fehlt, 6 anstatt 3 Arbeiter wären. *)
Für uns hingegen würde das kollektive Mehrprodukt
durch 100 Einheiten aus Betrieb IV und 150 Einheiten aus
Betrieb V zusammengesetzt werden. Es würde also um 25
auf 100 angewachsen sein im Vergleich zu der Periode, in
der die Produktion in Betrieb V wegen mangelndem tech--nischem
 Kapital noch aus 100 Einheiten bestand.
= Wenn man also die Arbeitsquantität ın umgekehrtem
Verhältnis’ zur Produktquantität verändert und diese durch
jene erklärt, verringert sich die Produktquantität; sie nimmt
hingegen zu, wenn man sie in sich betrachtet.
1) Ueber die Auffassung vom Kollektiv-Phänomen, die wir
auch hier Marx zuschreiben, vergleiche man die Anmerkung zu
Kapitel V.

60
        <pb n="60" />
        61

B) Betrachtung der einzelnen Betriebe.
Betrachten wir das Phänomen nunmehr für die einzelnen
 Betriebe.
Es wird nützlich sein, zunächst zu erklären, daß — während
 die tiefgehenden Unterschiede der allgemeinen Voraussetzungen
 und Schlußfolgerungen zwischen dem Marxschen
und unserem System bestehen bleiben — die Verschiedenheiten
 unter dem neuen Gesichtspunkt nicht im gleichen
Verhältnis zunehmen.
Trotz ihrer Verschiedenheiten stimmen alle Tauschwerttheorien
 in einem Punkt überein: nämlich dem, daß die
Kosten einen wichtigen Einfluß — in wie verschiedenem
Grade auch immer — auf den Wert ausüben, und daß bei
zwischen den Unternehmern herrschender Konkurrenz eine
Herabsetzung der Kosten in Bezug auf dieselbe Produktquant’tät
 die Tendenz hat, den Tauschwert jeder Einheit,
aus der diese Quantität sich zusammensetzt, zu verringern.
Die von uns angenommene Hypothese, daß man mit einem
teils aus Lohn-, teils aus technischem Kapital bestehenden
Gesamtkapital eine größere Produktquantität erhält, als aus
einem gleich großen Kapital, das nur aus Lohnkapital besteht,
 führt zu der Schlußfolgerung, daß für eine größere
Anzahl von Einheiten dieselben Kosten verwendet werden
müssen und daß daher der Tauschwert jeder einzelnen abnimmt.
 Diese Hypothese bringt uns also auf das Gebiet, auf
dem wir eine Uebereinstimmung zwischen den verschiedenen
 Werttheorien beobachtet haben. x
Im wesentlichen führen uns die neu gemachten Voraussetzungen
 zu der Tätigkeit derjenigen ökonomischen Kräfte
zurück, für die — besonders bei Konkurrenzherrschaft —
ein Gegensatz zwischen dem Reichtum gemessen an der
Produktquantität (Gebrauchswerte) und dem Reichtum gemessen
 an den Tauschwerten dieser Produkte entsteht.
Solange wir annahmen, daß infolge Einführung des
technischen Kapitals die Proportionen zwischen der Größe
der Gesamtkapitalien und der Quantität der mit ihnen erhaltenen
 Produkte unverändert bleibt, trat der Gegensatz zwischen
 den beiden verschiedenen Massen des Reichtums
nicht in Erscheinung.
Aber sobald einmal die Produktquantität in größerem
Verhältnis als das Kapital und daher auch als. die Kosten
anwächst, läßt das geringste Gewicht, mit dem die Kosten
den Normalpreis jeder der neuen und zahlreicheren Einheiten
        <pb n="61" />
        belasten, die Bahn denjenigen Kräften frei, für die der Einheitspreis
 der Produkte abnimmt, wenn bei gleichen Ausgaben
 die Menge derselben Produkte zunimmt. /
Von einem allgemeinen Gesichtspunkt aus erscheint der
Grundirrtum der von uns früher untersuchten Marxschen
Schlußfolgerungen Sschwerwiegender, wenn man ihn, wie
jetzt, auf eine vermehrte Produktion bezieht.
Man nehme an, daß man — immer in Betrieb V — mit
einem Gesamtkapital von 60 Liren, von denen 30 aus tech-Nischem
 Kapital (mit totalem Verbrauch) besteht, nicht
mehr, wie wir in den vorhergehenden Kapiteln vorausgesetzt
haben, 100; sondern 150 Einheiten erhalte.
Für Marx konnte — auch wenn die produzierten Einheiten
 sich auf 100 gehalten hätten, d.h. die Größe, die dem
früheren Lohnkapital von 60 entsprach, bewahrt hätten, —
‘der Profit auf die 30 Einheiten des technischen Kapitals nur
durch eine SOZzUusagen künstliche Erhöhung des Wertes jeder
dieser 100 Einheiten sicher gestellt werden. Da die Grundvoraussetzung
 von Marx, die Unmöglichkeit mit technischem
(«konstantem») Kapital einen Mehrwert zu erhalten, unabhängig
 von der Größe der gewonnenen Quantitäten fest bestehen
 bleibt, ergibt sich die. Notwendigkeit einer künstlichen
Preiserhöhung des ganzen Produktes auch dann weiter,
wenn dieses von 100 auf 150 Einheiten angewachsen ist.
Von einem rein logischen Gesichtspunkt aus erscheint
also die Unfähigkeit des Marxschen Systems, die wirklichen
Größen der Produkte treu darzustellen, diesen mit einmaliden
 Kriterien einen angemessenen Tauschwert und dem entsprechenden
 Kapital ‚einen normalen Profit zu garantieren‘
in bezug auf die Wirkungen in diesem Fall noch schwerwiegender
 als im vorigen.
Wenn es schon sinnlos war, mit einer rein künstlichen
Werterhöhung die Krwerbsfähigkeit zu Gunsten eines Produktes,
 dessen Größe, bei sonst unveränderten Bedingungen,
gleich geblieben ist, sichern zu sollen, ud zwar nur, weil dieses
 Produkt mit einem gleich großen, aber anders zusam-Mmengesetzten
 Kapital als früher gewonnen wird, muß dieser
Unsinn noch ungeheuerlicher erscheinen, wenn man diese
Methode auf ein Produkt anwenden soll, dessen Quantität
gewachsen ist.
Wenn man jedoch von diesem Irrtum absieht und ihn
sogar für einen Augenblick als eine der Grundlagen der
Ableitung annimmt, und einfach die zwischen den Tausch-
        <pb n="62" />
        63

werten bestehenden Beziehungen für den Fall, in dem die
Produktion gleich 400. Einheiten und für den Fall, ‚in dem
sie gleich 150 Einheiten ist, prüft, sind diese Beziehungen
auch nach ‚der: Marxschen Theorie nicht falsch. Wenn —
immer bei Konkurrenzherrschaft — auf 150 Wareneinheiten
die gleichen Kosten an Kapital (L. 60), der gleiche effektive
Mehrwert, der den 30 Liren Lohnkapital entspricht und, in
provortionalen Ziffern, der sozusagen künstliche Profit, der
sich auf: die 30 Lire technisches («konstantes») Kapital bezieht,
 lasten, ist es klar, daß die ganzen neuen 150 Einheiten
denselben Totalpreis wie ‚die‘ 100 von früher darstellen
müssen.
Mit andern Worten: wenn man auf 150 Einheiten die
gleiche Summe an Kosten und Profiten wie früher auf 100
verteilen muß, wird der Verkaufspreis jeder Einheit auch
nach dem Marxschen System auf 1/3 herabgesetzt werden.
Unser Ausgangspunkt ist freilich sehr verschieden: als
die Produktion 100 war, erhielt man den Profit, der den 30
Einheiten technisches Kapital zukam, nicht durch ein vom
sonstigen verschiedenes Verfahren und erst recht nicht auf
künstliche Weise. Er wurde mit dem gewohnten und natürlichen
 Verfahren gewonnen.
Jedoch auch für uns muß die arytmethische Wahrheit,
auf die wir schon hingewiesen haben, ihre ganze Schärfe
bewahren, nämlich: wenn wir auf 150 anstatt auf 100 Einheiten
 ‚die gleiche Last an Kosten und an Profit verteilen,
wird sich der Preis jeder dieser Einheiten proportional senken.
 Wenn wir also auf die 150 Einheiten des Betriebes V
den Vorgang anwenden, den wir weiter oben gelegentlich
der 100 geprüft haben, wird sich auch für uns notwendigerweise
 — immer bei zwischen den Unternehmern herrschender
 Konkurrenz — eine Herabsetzung auf 1/3 des Preises jeder
 Einheit ergeben.
Aber es handelt sich hier weder um ein Verschwinden
effektiver Quantitäten, noch um eine Unbrauchbarkeit des
Systems, bestimmten Quantitäten einen angemessenen
Tauschwert und dem entsprechenden Kapital einen _normalen
 Gewinn zuzusichern.
Zu Punkt 1: der Einheitspreis nimmt ab, gerade weil die
gleiche Summe für Kosten und Profit auf eine größere Quantität
 verteilt wird. Die Herabsetzung des Einheitspreises bildet
 also in diesem Fall nicht ein Verbergen, sondern eine
klare An zeigung der Tatsache, daß die Quantität zugenommen
 hat.
        <pb n="63" />
        Zu Punkt 2: der Profit bleibt — wie wir schon gesehen
haben — durch einen Vorgang allgemeiner Natur gesichert,
der mit dem auch vor Einführung des technischen Kapitals
üblichen vollkommen identisch ist. Der Umstand, daß dieser
Profit infolge Vermehrung der Produktquantität in geringerem
 Verhältnis auf dem Preis jeder der neuen und zahlre
 cheren Einheiten lastet, widerspricht nicht, sondern bestätirt
 vielmehr das normale Verfahren, dessen Anwendung
wir sahen, als wir annahmen, daß der Einführung des tech-Nischen
 Kapitals eine gleich große, anstatt einer größeren
Produktquantität entspricht als vorher:

64
        <pb n="64" />
        SSLAS WARS TEA FSIAC ASS SILZnN
NZ
Die Marxsche und unsere Lösung.
$ 1. Die beiden Lösungen bei der allgemeinen Betrachtung der
Gesamtheit der Betriebe.
Nachdem wir so — wenn auch nur in gedrängter und
annähernder Weise — die tatsächlichen Wirkungen des techn’schen
 Kapitals geprüft haben, ist die Feststellung leicht,
daß die von uns vorgeschlagene Lösung nicht nur einfache,
normale und in voller Uebereinstimmung mit den Voraussetzungen
 stehende Verfahren enthält, sondern das mit dem
Marxschen. System unerklärbar bleibende Grundproblem
wirklich löst.
Wir haben in Kapitel II gesehen, daß die Marxsche
Theorie sich um die Beantwortung eines der fraglichen Probleme
 bemüht, nämlich: wie der nach Einführung des technischen
 Kapitals übrig gebliebene Mehrwert gerecht unter
die verschiedenen Kapitalisten verteilt wird, sofern sie annimmt,
 daß jede Ersetzung von Lohnkapital durch technisches
 Kapital ein entsprechendes und endgültiges Verschwinden
 des Mehrwertes zum Schaden der Kapitalistenklasse
 bedeutet. So daß es der Marxschen Lehre durch die
von ihr selbst gegebene Problemstellung — wie wir schon
in Kapitel I bemerkt haben — unmöglich ist, zu erklären,
wieso die Kapitalisten auf einer so weiten und. stets wachsenden
 Skala die Umwandlung des Lohnkapitals in tech-Nisches
 Kapital vornehmen, für das der gesamte Mehrwert,
über den sie verfügen könnten, progressiv bis zur theoretischen
 Grenze abnimmt.
Mit dem von uns vorgeschlagenen System findet das
Rätsel hingegen eine sehr leichte Lösung.
Wen man die Betrachtungsweise für die Gesamtheit
der EBei.,‚ebe anwendet und die einzige der Wirklichkeit entsprechende
 Hypothese zugibt, nämlich die, daß man mit

a
        <pb n="65" />
        einem auch aus technischem Kapital bestehenden Gesamtkapital
 von 100 ein Produkt gewinnt, das dem früher mit
einem nur in Lohnkapital. investierten gleich großen Kapital
überproportional ist, kann man sich 3 Fälle vorstellen.
Der erste in Kapitel VII betrachtete ist der, daß die Anwendung
 des technischen Kapitals und: die daraus entstehende
 Vermehrung der produzierten Quantität in einem der
Unternehmen stattfindet, das die Waren für die Kapitalistenklasse
 herstellt. Dann wird es ganz klar, daß das kollektive
Mehrprodukt um den ganzen höheren Betrag zunehmen
wird, der ihm durch die Differential-Produktion dieses Unternehmens
 zuteil wird. Sobald die Einführung des technischen
 Kapitals und die entsprechende Zunahme der produzierten.
 Quantität auf alle Unternehmen, die Waren für den
Konsum der Kapitalistenklasse herstellen, ausgedehnt werden,
 nimmt das kollektive Mehrprodukt natürlich in viel
größeren Proportionen zu.
Im zweiten Fall finden die oben erwähnten Vorgänge
anstatt in.den der Produktion der Profitwaren gewidmeten
Unternehmen in den der Produktion der Lohnwaren gewi1dmeten
 statt. Bei dieser Annahme würde; das Mehrprodukt
nicht sofort zunehmen, aber es könnte unter bestimmten Umständen
 späterhin auf indirektem Wege anwachsen.
Tatsächlich würde sich, wenn wir der Bequemlichkeit
halber die Löhne als konstant annehmen, eine übermäßige
Produktion an Lohnwaren für den neuen differentialen Anteil
 ergeben. Eine bestimmte Anzahl der den entsprechenden
Industrien angehörigen Arbeiter und eine bestimmte Quote
der in ihnen investierten Kapitalien würde. dann verfügbar
werden und könnte in einer folgenden Periode der Neuordnung
 zur Gewinnung neuer Profitprodukte nutzbar gemacht
werden.
Das kollektive Mehrprodukt würde so infolge der Wirkungen
 der größeren Produktivität vermehrt werden, dıe das
technische Kapital in die Betriebe.zur Herstellung der Konsumwaren
 der Arbeiterklasse verursacht hat.
Man könnte auch einen dritten, und letzten Fall von
Zwischencharakter annehmen, für den die ‚Produktion in
den Zweigen der Konsumwaren der einen und der andern
Klasse steigt. Es ist leicht einzusehen, daß bei dieser HyDothese
 das kollektive notwendige Produkt, aber auch das kollektive
 Mehrprodukt vermehrt werden würde.
Für das uns gegenwärtig interessierende Problem ist
keiner der. drei. Fälle besonders vorzuziehen. Aber wir werden
 in späteren Untersuchungen sehen, sobald wir uns mit

66
        <pb n="66" />
        = 67 de
den allgemeineren Beziehungen zwischen Lohn und Profit
beschäftigen werden, daß einige dieser Fälle und besonders
der letzte besondere Bedeutung gewinnen.
Um zusammenzufassen: die Wirkungen, sei es bei Darstellung
 der Produkte in ihrer direkten Bedeutung als Quantitäten,
 sei es bei Betrachtung der Gesamtheit der Betriebe,
beweisen uns, daß die Einführung des technischen Kapitals
entweder unmittelbar oder mittelbar den Umfang des kollektiven
 Mehrproduktes und damit den zur Verfügung der Kapitalistenklasse
 stehenden Reichtum an Gebrauchswerten
vermehrt.
$ 2. Die beiden Lösungen bei der allgemeinen Betrachtung der
einzelnen Betriebe.
Gehen wir jetzt zur Betrachtung der einzelnen Betriebe
über.
Nehmen wir den einfachsten Fall an, in dem die gleichmäßig
 aus Lohn- und technischem Kapital zusammengesetzten
 Gesamtkapitalien jedes Betriebes den gleichen Umfang
wie die vorher nur in Lohn angelegten Kapitalien haben,
wobei aber jedem dieser Gesamtkapitalien eine größere Produktquantität
 als früher. und zwar in der einheitlichen Proportion
 von 20°, entspricht. Die Darstellung dieser Hypothese
 würde in der letzten Tabelle von Kapitel VI leicht zu
finden sein, wenn dort die Zusammensetzung der Kapitalien
jedes Betriebes wie in Betrieb V und die Produktquantitäten
für jeden Betrieb mit 120 anstatt mit 100 angenommen worden
 wären. *)
Wir haben nun ‚schon seinerzeit gesehen, daß die einzelnen
 Unternehmer bei Gleichgewichtspreisen und den von
diesen Preisen freigelassenen Spielräumen — immer bei
Konkurrenzherrschaft — ihre Positionen durch Belastung
N 1) Die Hypothese, daß auch die Lohnprodukte anwachsen,
ist zwar der. allgemeinen arythmetischen Einfachkeit halber, zu
deren Zweck sie aufgestellt wird, bequem, enthält aber die große
Unannehmlichkeit, die Frage unter anderen Gesichtspunkten zu
komplizieren. Das Anwachsen dieser Produkte bedeutet eine allgemeine
 Lohnerhöhung und stellt daher aufs neue das schwierige
 Problem einer gleichzeitigen Vermehrung sowohl des notwendigen
 wie auch des Mehrproduktes auf. Wir sind deshalb
gezwungen, die Vorteile, die die Hypothese bietet, anzunehmen,
und gleichzeitig die durch sie aufgeworfenen Fragen — vorläufig
 — zu vermeiden.
        <pb n="67" />
        x aan S ans
der gesamten Produktmenge mit allen Kosten plus dem
Durchschnittsprofit (der wie auf der erwähnten Tabelle gleich
66,66° sein würde) zu festigen suchen. '
Danach würde jeder Unternehmer die eigenen 120 Produkteinheiten
 zu einem Gesamtpreis von 60 Liren (verbrauchtes
 Kapital) + 40 Lire (absoluter Profit) und jede Einheit folglich
 zum Preis von 0.49 Lire (einheitliche Kosten) + 0.34 Lire
(einheitlicher Profit), d. h. zum Preis von 0.83 Lire verkaufen.
 *)
Infolgedessen würde die — in Geld gemessene — Proportion,
 nach der die einzelnen Kapitalisten am kollektiven
Mehrprodukt teilhaben, dieselbe wie früher sein. Nur daß
jeder Kapitalist, da dieses kollektive Mehrprodukt jetzt infolge
 des technischen Kapitals an Gebrauchswerten zugenommen
 hat (120 anstatt 100 Einheiten für jeden der Betriebe IV
und V); durch Hinzufügung des gleichen Geldprofites auf
die entsprechenden vermehrten Produkte “sich tatsächlich
eine größere Anzahl Einheiten als früher verschafft (in genauen
 Ziffern: 8 Einheiten mehr auf 40 Einheiten von jeder
der Unternehmungen IV und V).
Wie man also sieht, bleibt die Position der einzelnen Unternehmer
 unverändert, insofern alle sich in das kollektive
Mehrprodukt nach dem gleichen, in Geld gemessenen Verhältnis
 wie früher, teilen.
Mehr noch: Nach der von uns aufgestellten Hypothese,
daß die Produkte der einzelnen Unternehmungen im gleichen
Verhältnis angewachsen sind, wächst. auch der Anteil der
einzelnen Kapitalisten sowohl an der Vermehrung der Sozialen
 Produktion im allgemeinen (an Gebrauchswerten d. h.
an Produkteinheiten gemessen) als auch des kollektiven
Mehrproduktes entsprechend.
Genau gesprochen: jeder Kapitalist vermehrt das kollektive
 notwendige und das kollektive Mehrprodukt gleichmäßig
 um 20 Einheiten und gewinnt, wie ‚wir sahen, aus
dem angewachsenen kollektiven Mehrprodukt von 40 Einheiten
 (20 durch direkte Tätigkeit des Betriebes IV und 20
des Betriebes V) 8 neue.
1) In Proportionen: 120 Einheiten : 100 Lire — 1 Einheit : X;
der Einheitspreis x wird = Lire 0,83. Stellt man dann das Verhältnis
 fest, so wird: 100 Lire (Gesamtpreis) : 60 Lire (Gesamtkosten
 an Kapital) = 0,83 Lire : x; man erhält x (Kosten an Kapital
 pro Einheit) = Z. 0,29. Folglich: Lire 0,83 (einheitlicher
Me Lire 0,49 (einheitliche Kosten) = Lire 0,34 (einheitlicher
Profit).

6F
        <pb n="68" />
        — fi) —
Wir haben bis jetzt angenommen, daß die Vermehrung
der Produktion in allen Betrieben proportional sei. Aber
eine solche Hypothese diente, abgesehen davon, daß sie sehr
schwer zu verwirklichen wäre, nur zur Einführung und Erleichterung.

Wenn auch in der Quantität der einzelnen Produkte
keine entsprechende Vermehrung stattfindet, so bleiben doch
die Geldproportionen, mit denen die Kapitalisten, da sie dieselben
 Rechnungsverfahren anwenden, am kollektiven
Mehrprodukt teilnehmen, gleich. Das einzige Gebiet, auf dem
keine Proportionalität stattfinden kann, ist gerade das, und
zwar nur das, welches sich auf die veränderte Voraussetzung,
 d. h. den neuen größeren Anteil, jedes Kapitalisten am
kollektiven und notwendigen Mehrprodukt, bezieht.
Das entspricht übrigens vollkommen dem, was wir in
einer früheren Untersuchung festgestellt haben («Preis und
Mehrpreis und ihre Beziehungen zu Konsumenten und Arbeitern»,
 besonders auf S. 21 - 26).
Wir stellten damals: tatsächlich fest, daß das Verfahren,
mit dem die einzelnen Kapitalisten außer den Kosten die
Profite in Rechnung setzen, und mit dem sie auf diese Weise
an dem kollektiven Mehrprodukt teilzunehmen suchen, in
sich absolut unabhängig von dem in Quantitäten (Gebrauchswerten)
 gemessenen Anteil ist, den jeder von ihnen zur
Bildung des sozialen Reichtums im allgemeinen und des
schon erwähnten Mehrproduktes im_ besonderen beiträgt.
8 3. Die Antriebe zur wachsenden Anwendung des technischen
Kapitals.
Hier könnte man einen Einwand erheben.
Die Vermehrung des Mehrproduktes, die von uns als
Folge der Anwendung des technischen Kapitals . festgestellt
worden ist. wird den einzelnen Kapitalisten in der Form
einer größeren, mit der gleichen Geldquantität erhältlichen
Produktquantität dargeboten.
Aber ein derartiger Vorteil muß, gerade weil er in eine
bloße Vermehrung der Gebrauchswerte aufgelöst wird, als
Anreiz für die einzelnen Kapitalisten, einen wachsenden Teil
ihres Gesamtkapitals in technisches zu verwandeln, ungenügend
 sein. In Wirklichkeit produziert jeder Unternehmer vor
allem, um zu verkaufen. Das, was ihm, bei sonst gleichen
Bedingungen, am meisten am Herzen liegt und ihn am drinyendsten
 und unmittelbarsten beschäftigt, ist die eigene, in
Tauschwerten und Erwerbsmacht ausgedrückte Einnahme.
        <pb n="69" />
        me 7) rm
Die Frage der Gebrauchswerte, die er mit dem durch den
Verkauf der eigenen Ware erworbenen Geld kaufen kann.
tritt erst ın einem späteren Moment und in indirekter Weise
auf, und ist daher nicht fühlbar genug, um unmittelbar und
allein den ausgedehnten Prozeß einer technischen Umwandlung
 bestimmen zu können.
Aber die Antwort ist leicht.
In der schon angedeuteten Arbeit «Preis und Mehrpreis
und ihre Beziehungen zu Konsumenten und Arbeitern», besonders
 auf den Seiten 20-21 und 39-42, haben wir schon
bewiesen, daß die Beschaffenheit und Vermehrung des kollektiven
 Mehrproduktes nicht durch vorhergehendes Uebereinkommen,
 sondern durch das Spiel von Angebot, Nachfrage
 und Preisen der einzelnen Waren bestimmt werden.
‚ Der erste Beweggrund, der — immer bei Konkurrenzherrschaft
 — die einzelnen Unternehmer zur Umbildung
eines wachsenden Teiles des eigenen Gesamtkapitals in tech-Nisches
 Kapital treibt, ist gerade der Wunsch, den eigenen
Geldprofit durch den Verkaufspreis zu vermehren.
Jeder Kapitalist hofft bei Einführung des technischen
Kapitals und allgemeiner bei Vervollkommnung der Produktionsmethode
 den eigenen Gewinn entweder absolut oder
relativ zu steigern.
Die Herabsetzung der Produktionskosten erlaubt ihm,
jede Einheit seiner Ware zu einem niedrigeren Preis als die
Konkurrenten zu verkaufen und auf diese Weise den Umfang
 seines Absatzes und seiner Geschäfte zu deren Schaden
zu vermehren. Auch wenn man annimmt, daß er auf jede
Einheit seiner Ware einen geringeren Profit als früher rechnet,
 wird er immer durch Vermehrung der Zahl der. verkauften
 Einheiten die Möglichkeit haben, den absoluten Umfang
 seines Profites auszudehnen.
Da er außerdem als erster auf Grund unserer Hypothese
das technische Kapital und die Vervollkommnungen einführt,
 und da sich der vorherrschende Verkaufspreis noch
auf allgemeine Produktionskosten, die größer als die seinen
sind, bezieht, kann er seine Ware zu einem niedrigeren
Preis als die Konkurrenten verkaufen, der ihm trotzdem erlaubt,
 einen Teil des größeren Spielraums zum eigenen Nutzen
 zu realisieren, den ihm der' Unterschied zwischen dem
noch gültigen Preis und seinen eigenen tatsächlich geringeren
 Kosten gewährt. Er kann also zum Vorteil der Käufer
seiner Ware nur einen Teil des neuen größeren Spielraumes
veräußern und so — wenn auch nur teilweise: — auch. den.

zu
        <pb n="70" />
        7X
eigenen einheitlichen Spielraum, d. h. seinen relativen Profit
vergrößert sehen.
Unter den angenommenen Umständen wird der betreffende
 Kapitalist also an einer relativ größeren Quote des
kollektiven Mehrproduktes teilnehmen können als die andern
 Kapitalisten und zwar — bei Gleichheit des investierten
 Gesamtkapitals — weil der Geldprofit ‚den er‘ zu realisieren
 imstande ist, größer ist.
Natürlich werden die anderen ebenfalls von der Konkurrenz
 angetriebenen Unternehmer der gleichen Branche —
außer wenn die neuen Verfahren durch ein Patent geschützt
sind — was einen besonderen Fall der Monopolherrschaft
darstellen würde, die wir ausgeschlossen haben — in der gleichen
 Richtung vorgehen. So daß nach einer gewissen Zeit die
Verallgemeinerung des Sysetms die Situation an den gleichen
 Punkt wie früher gebracht hat. Die neuen Verkaufspreise
 werden auf das ganze Gebiet der neuen geringeren
Kosten ausgedehnt werden und die Möglichkeit der Differential-Spielräume,
 deren Existenz und Ausnutzbarkeit die
Nichtverallgemeinerung des Systems als Voraussetzung hatten,
 wird verschwinden.
Diese Wiederherstellung des Gleichgewichtes bezieht
sich auf jede technische Vervollkommnung und beruht auf
der Annahme, daß in der Zwischenzeit keine neuen Vervollkommnungen
 entdeckt und angewendet werden. In Wirklichkeit
 folgt jedoch eine Vervollkommnung der anderen mit
mehr oder weniger Unterbrechung, und jede von ihnen setzt
aufs neue den Prozeß in Bewegung, der andernfalls aufgehalten
 worden wäre.
Mit jeder Rückkehr zum früheren Punkt hört der Anreiz
auf, der die einzelnen Unternehmer unmittelbar zur Ersetzung
 eines Teiles des ehemaligen Lohnkapitals durch technisches
 Kapital oder allgemeiner zu technischen Verbesserungen
 trieb, d. h. die Möglichkeit, der absoluten und relativen.
 in Geld gemessenen Vermehrung des eigenen Profites.
Es bleibt hingegen, zwar nicht für den Anreiz. — für ihn
wäre es ungenügend und auf jeden Fall verspätet — aber
für den erlangten Effekt das andere, weiter oben angedeutete
Resultat... durch das, bei sonst gleichen Bedingungen, und
stets bei vermehrter Produktivität der Arbeit, jeder Kapitalist
 mit dem gleichen Geldprofit ein kollektives Mehrprodukt
von größerem Umfang erlangen kann: nämlich die Umwandlung
 der gleichen Netto-Geldeinnahme in eine größere Quantität
 Gebrauchswerte.
Kurz, die Tatsache, durch welche diejenigen Kapita-
        <pb n="71" />
        = (2
listen, die als erste die neuen Vervollkommnungen angewendet
 haben, mit vorübergehenden Differentialprofiten an einer
proportional größeren Quote des kollektiven Mehrproduktes
als die anderen teil hatten, wird aufhören; aber die Tatsache:
durch die alle Kapitalisten, auch wenn sie sich in Pproportionale
 Quoten des kollektiven Mehrproduktes teilen, sehen, daß
jede dieser Quoten sich aus einer größeren Produktquantität
zusammensetzt, wird bestehen bleiben.
$ 4. Mehrarbeit und Mehrprodukt.
Die von uns verfochtene Theorie erklärt also vollkommen,
 — Sei es bei Betrachtung der Gesamtheit der Betriebe
Oder der einzelnen Betriebe — die tieferen Gründe, aus denen
die Kapitalisten in stets wachsender Proportion technisches
Kapital einführen.
Nach der Arbeits-Wert-Theorie und der Mehrarbeits-Mehrwerts-Theorie
 wird eine Ersetzung des Mehrwert produzierenden
 Lohnkapitals durch eine andere Art Kapital
(technisches oder «konstantes»), das keinerlei Mehrwert
schaffen und folglich unter den eigenen Füßen derjenigen,
die diese Ersetzung vornehmen, jeden Ertragsquell ersticken
würde, unverständlich. Wenn man hingegen die Produkte
Nicht durch das Medium der Arbeit, sondern direkt untersucht,
 und wenn man ferner bedenkt, daß das Verfahren,
mit dem die einzelnen Unternehmer am kollektiven Mehrprodukt
 teilnehmen, in jedem Fall einzigartig ist, wird die
Anwendung des technischen Kapitals sehr verständlich,
sofern es die Menge des kollektiven Mehrproduktes zumindest
 unverändert läßt und sie sogar vermehrt und sowohl
der Gesamtheit der Klasse ein gleich großes oder größeres
Mehrprodukt wie ihren einzelnen Mitgliedern eine proportionale
 und — an Gebrauchswerten gemessen — wachsende
Quote auf dieses Mehrprodukt garantiert.
Infolge der Verschiedenheit der Voraussetzungen kann
Man zu umgekehrten Schlußfolgerungen gelangen; und
diese Umkehrung kann ihrerseits zur deutlicheren Darlegung
 des ganzen Unterschiedes der beiden Systeme dienen.
Wir greifen zu diesem Zweck zu einem Beispiel, das;
obwohl es ganz abstrakt und praktisch unmöglich ist, doch
rein logisch als die theoretische Grenze. betrachtet werden
kann, auf welche — wenn gewisse mathematische Begriffe
Sich ohne weiteres auf die Gesamtheit der sozialen Phänomene
 anwenden lassen — die fortgesetzt wachsende Ersetzung
 des Lohn-Kapitals durch technisches Kapital zustrebt.
        <pb n="72" />
        Man stelle sich also vor, daß der automatische Mechanismus
an einen Punkt gelangt, für den — wenn man in dem sozialen
 Kapital, das anfangs nur als Lohnkapital 100 war, eine
Quote technischen Kapitals erst von 10, dann von 20 u. s. w.
ersetzt, — ein Moment kommt; in dem das ganze kollektive
Kapital in technisches Kapital von gleichem Umfang, das
dieselbe Menge an Gebrauchswerten produziert, umgewandelt
 ist.
Die ökonomische Zusammensetzung der Gesellschaft
würde gewiß aufs unwahrscheinlichste verändert werden.
Es gäbe keinen Proletarier mehr, der mit einem gegebenen
 Existenzminimum arbeitet und mit den Eigentümern
des Kapitals kämpft. Wenn nur die ökonomischen Faktoren
zählen würden, würde das Proletariat verschwunden sein
oder allmählich Hungers sterben, und ausschließlich die Kapitalistenklasse
 übrigbleiben. Aber die einfache Tatsache,
daß diese letztere leben bleibt, beweist gerade die vollständige
 Verschiedenheit der beiden Auffassungen in bezug auf
die materiellen Folgen der Einführung des technischen
Kapitals.
Nach unserer abstrakten Hypothese würde für Marx mit
der Ersetzung der letzten Quote des Lohnkapitals auch die
letzte Quote des Mehrwertes verschwinden, über die die Kapitalisten
 verfügen können. Also auch die Kapitalisten hätten
nur durch die Tatsache, daß sie keine Arbeiter mehr zur
AT NEUIUNE der Arbeit hätten, keine Nahrung und Kleidung
mehr.
Da nach unserer Auffassung hingegen der ganze Nettoertrag
 der sozialen Produktion den Kapitalisten zukommen
würde, auch wenn die. Produktionskosten anstatt aus dem
Brot der Arbeiter aus Maschinenöl beständen, würden diese
sich wohl hüten, sich zu Tantalusqualen zu verdammen. Nur
Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren.
In unserm Fall hingegen würden die Kaiser des Kapitalismus
 ihre Rechte durch das vollständige Verschwinden
jedes Kronprätendenten mit noch größerer Sicherheit aufrecht
 erhalten. und die kapitalistische Zivilisation. würde
ihren wahrhaft endgültigen Triumph feiern. *)
1) Da man gleichsam als Vorwurf an einen analogen Gedanken
 erinnert hat, den wir in einem Jugendaufsatz in der
«Critica Sociale»- (Mailand, 16. November, 1894) geäußert haben,
geben wir zur Stütze der im Text auseinandergesetzten Beohachtungen
 den entsprechenden Abschnitt daraus wieder, obwohl
er einige heut als unvollständig erscheinende Ausdrücke ent-73
        <pb n="73" />
        14
; Das abstrakte Beispiel, dessen wir uns bedient. haben,
dient, wie das Relief einer sozialen Karikatur, zur Hervorhebung
 der Unterschiede, zu denen man gelangt, je nachdem,
 ob man von der «Arbeit» oder von den «Produkten»
ausgeht.
Es bezieht sich tatsächlich auf den Fall, in dem die
Trennung zwischen lebender menschlicher Arbeit und Produkt
 vollzogen ist, den Fall. in dem das Produkt noch 'vorhanden
 wäre, während es die auszubeutende menschliche
Arbeit nicht mehr gäbe. Wenn man die Erscheinung von der
Arbeit aus betrachtet, scheint der Konsumfond der Kapitalisten
 mit der Tätigkeit der Arbeiter zu verschwinden. Wenn
man die Erscheinung hingegen von den Produkten aus betrachtet;
 bleibt der Fond auch dann bestehen, wenn er,
nach einer Grenzhypothese, durch einen automatischen Mechanismus
 gewonnen wird; der das Bedürfnis nach menschlicher
 Arbeit vollständig beseitigt.
hält. Wir sagten in jenem ungerecht beschuldigten Aufsatz:
«Wie der Arbeiter einen Organismus ‘darstellt, der durch ‚seine
Konstitution mehr produzieren als konsumieren kann, so ist die
Maschine ein Instrument, das eine viel größere Quantität von
Waren produzieren kann, als zu ihrer Herstellung und Erhaltung
 notwendig ist. Und wie, bei kapitalistischer Ordnung der
Gesellschaft, die physiologische Kraft des Arbeiters, mehr zu produzieren
 als zu konsumieren, in der sozialen Tatsache Gestalt
gewinnt, daß er nur über einen Teil dessen, was er produziert,
verfügt, so wird auch die von der Maschine besessene Macht,
eine größere Quantität Waren zu produzieren, als zu ihrer Herstellung
 und Erhaltung notwendig ist, in die soziale Tatsache
umgewandelt, daß ausschließlich die herrschende Klasse diese
überschüssige Quantität genießt. Da also das technische Kapital,
wenn nicht Mehrarbeit, so doch Mehrproduktion schafft, und da
gerade der aus dem Lohnkapital gewonnene Profit aus Mehrproduktion
 besteht, produziert das technische Kapital nicht weniger
 Profit als das Lohnkapital... Dies vorausgeschickt, können
wir uns gut eine Gesellschaft vorstellen, in der ohne Mehrarbeit,
und sogar ohne lebendige Arbeit, ein Profit existiert. Wenn tatsächlich
 die jetzt vom Menschen geleistete Arbeit durch Maschinen-Arbeit
 ersetzt werden würde, würden diese aus einer verhältnismäßig
 kleinen Warenquantität eine viel größere herstellen.
 Bei kapitalistischer Ordnung der Gesellschaft würde diese
technische Tatsache den Grund zu der sozialen Tatsache bieten,
daß die herrschende Klasse, da sie allein den Unterschied ZWI1-schen
 Produkt und Konsum der Maschine genießt, über einen
Veberschuß an Produkten verfügen würde, ‚etc.».
        <pb n="74" />
        SS SL SOC SA SEA SEA SZ
Die Wirkungen der Anwendung des technischen
Kapitals in bezug auf die weiter beschäftigten
Arbeiter.
$ 1. Die Elemente des Problems.
Wir haben das Problem bisher vom Gesichtspunkt der
Unternehmer und ihrer Situation aus betrachtet, weil er für
unsern Zweck wichtiger war.
Unser Hauptzweck war die Auffindung der Ursachen,
aus denen die einzelnen Kapitalisten das technische Kapital
einführen und daher auch der Wirkungen, die dieses Kapital
 auf die .Warenpreise und Profite ausübt. Da die Leiter
der Produktion in der kapitalistischen Wirtschaft ihrer Definition
 nach nicht die Arbeiter, sondern die Kapitalisten sind,
hätte das technische Kapital tatsächlich ohne Uebereinstimmung
 mit den Interessen der Unternehmer nicht angewendet
 werden können. Als Ausgangspunkt unserer Untersuchungen
 erschien also die Prüfung des Problems unter Erwägung
 der fühlbaren Vor- und Nachteile für die Kapitalisten
 zunächst angezeigt.
. Es wird trotzdem nützlich sein, in einem zweiten Stadium
 das Problem auch in Beziehung auf die Lage der Arbeiter
 zu betrachten.
Vor allem wird das Bild auf diese Weise vollständiger
werden. Außerdem wird die Untersuchung, die wir uns jetzt
vornehmen, zum Beweis dienen, daß die Anklage vieler
Marxisten oder sogenannter Marxisten, unsere Lehre sei eine
Verteidigung des Kapitalismus oder wenigstens eine Milderung
 der Kritik an ihm, auch in bezug auf das besondere,
uns gegenwärtig beschäftigende Argument unbegründet ist.
In Bezug auf die Arbeiterklasse kann man die Frage
unter zwei Gesichtspunkten prüfen: demjenigen der Lage
der Arbeiter, die — in einer ersten Phase wenigstens —
infolge Einführung der Maschinen oder allgemeiner der
neuen und vervollkommneten Produktionsprozesse entlas-[X
        <pb n="75" />
        sen werden; und demjenigen der Lage der Arbeiter, die trotz
Einführung der Maschinen beschäftigt bleiben.
Mit. der ersten Frage würden wir alle gewiß sehr
interessanten Probleme erledigen, die sich auf das Verhältnis
zwischen Anwendung der Maschinen und Arbeitslosigkeit
beziehen. Aber abgesehen von ihrer außerordentlichen Weitläufigkeit
 und Kompliziertheit, würden uns diese Probleme
zu weit über die Grenzen der vorliegenden Untersuchung
hinausführen. Wir haben uns vorgenommen, zu ermitteln,
welche Erscheinungen innerhalb der einzelnen Betriebe
infolge Einführung der Maschinen vorkommen und welche
Gegenwirkungen sie auf die Preise der entsprechenden Waren
 ausüben. Das Schicksal derjenigen, die an dem Leben
des Betriebes nicht weiter teilhaben, sondern davon ausgeschlossen
 bleiben, geht also das beschränkte Gebiet der vorliegenden
 Untersuchung nichts an.
Wir gehen daher ohne weiteres zu der zweiten Reihe
der von uns erwogenen Fragestellungen über, nämlich derjenigen.
 die sich auf die Arbeiter bezieht, die trotz Anwendung
 der Maschinen in den betreffenden Betrieben beschäftigt
 bleiben.
$ 2. Das Problem in bezug auf die Gesamtheit der Betriebe und
der beschäftigten Arbeiter.
Auch hier können die in Betracht kommenden Probleme
in bezug auf die Gesamtheit der Betriebe und in bezug auf
die einzelnen Betriebe betrachtet werden, d. h. in bezug auf
die Gesamtheit der Arbeiterklasse — immer mit Ausschluß
der Arbeitslosen — oder in bezug auf die einzelnen Gruppen,
 in die sie Betrieb für Betrieb geteilt wird.
Beginnen wir mit dem ersten Punkt.
In ihren einfachsten Umrissen kann die Situation nochmals
 durch die im letzten Teil von Kapitel V angenommenen
Hypothesen dargestellt werden.
Immer unter der Annahme, daß die Anwefidung des
technischen Kapitals auf den Zweig V beschränkt bleibt,
wird die Arbeiterklasse, die vor Anwendung dieses Kapitals
aus 30 beschäftigten Arbeitern bestand, die 500 Produkteinheiten
 (300 als Lohn und 200 für die Kapitalisten) herstellten,
von nun an aus 27 beschäftigten Arbeitern gebildet werden,
die insgesamt 470 Produkteinheiten herstellen (200 für die
Kapitalisten und 270 anstatt 30 als Lohn infolge des geringeren
 Bedürfnisses der herabgesetzten Zahl beschäftigter
Arbeiter).

76
        <pb n="76" />
        77

Die geringere Zahl der Arbeiter (27 anstat1580) Wing O0
mit der proportional gleichen Produktauasfität wie früh
entschädigt (30 Arbeiter : 300 Lohn-Pro kt-Einheiten —
Arbeiter : 270 Lohn-Produkt-Einheiten), En Den
gewonnene Produktquantität verhältnismäßig größer I
Tatsächlich müßten — wenn 30 MN im gay
500 Produkteinheiten hervorbrachten — 2 Agheite,
anstatt 470 wie in unserer Hypotlese hervor i \ A
Während also der soziale Reichtum — im tnis zu
der herabgesetzten Zahl der Arbeiter, die ihn herstellen, —
gewachsen ist, bleibt die Gesamtquote, die ihnen zukommt,
gleich; genauer ausgedrückt: die absolute Größe des kollektiven
 Mehrproduktes bleibt unverändert, während die des
kollektiven notwendigen Produktes herabgesetzt wird.
Das Beispiel, auf dem wir aufbauen, ist für unsere Lehre
am wenigsten günstig durch die Tatsache, daß es die absolute
 Produktquantität als nicht vermehrt und die Zweigbetriebe.
 in denen technisches Kapital eingeführt wird, auf
einen einzigen beschränkt annimmt. Wenn man bedenkt,
daß diese Einführung in Wirklichkeit in allen Zweigen stattfindet
 und daß ihre bezeichnendste und wichtigste Folgeerscheinung
 gerade die sowohl relative wie absolute Vermehrung
 der Produktquantitäten ist, wird es mehr als je deutlich,
 daß der bei der Arbeit verbliebene Teil der Arbeiterklasse
 — bei konstantem individuellem Lohn — eine. Quote
aus dem Gesamtreichtum erhält, der im Verhältnis zu seiner
weiteren Vermehrung eine stets zunehmende relative Herabsetzung
 bedeutet. Wenn man also die relative*) anstatt der
absoluten Größe des notwendigen Klassenproduktes betrachtet,
 ergibt sich, daß mit der Steigerung der Produktivität der
Arbeit infolge des technischen Kapitals die relative Größe
des kollektiven notwendigen Produkts konstant bleibt, während
 die absolute Größe des kollektiven Mehproduktes_ zu-1)
 Wie sich klar aus dem Streit selbst ergibt, verstehen wir
unter absoluter Größe des notwendigen Klassenproduktes diejenige,
 die unabhängig von jedem Wechsel in der bei der Arbeit
gebliebenen Zahl der Arbeiter ist; unter relativer Größe hingegen
 diejenige, die wir in Beziehung zu diesem Wechsel setzen.
Vor Einführung der Maschinen waren 30 Arbeiter beschäftigt,
von denen jeder einen Lohn 10 erhielt. Dann bleiben 27, von
denen jedoch jeder weiter den gleichen Lohn erhält. Die absolute
Größe des kollektiven Lohns verringert sich von 300 (30 Arbeiter
 : 10) auf 270 (27 Arbeiter : 10), während seine relative
Größe gleich hleibt (27 Arbeiter : 270 — 30 Arbeiter : 300).
        <pb n="77" />
        nimmt. Mit andern Worten: die weiter beschäftigten Arbeiter
 erhalten die gleiche Quantität an Lohnprodukten, obgleich
die Produktivität ihrer Arbeit zugenommen hat.
Wie wir in einem vorhergehenden Absatz: betont haben,
beruht diese letzte Schlußfolgerung auf der Hypothese, daß
der Arbeiterlohn und folglich auch die absolute Quantität
der Lohnprodukte unverändert bleibt. Eine derartige Hypothese
 ist für den Augenblick am zweckmäßigsten, sei es als
logische Norm, auf der sich die Wirkungen einer neuen Ursache
 deutlicher abheben, unter Annahme sonst gleich bleibender
 Bedingungen, sei es weil die Prüfung einer eventuellen
 Lohnvermehrung infolge der Maschinenanwendung uns
mitten in ein Gebiet führen würde, das mit der vorliegenden
Untersuchung nichts zu tun hat, nämlich in das Problem der
Zzusammenwirkenden Veränderungen von Lohn und Profit.
‚Wir denken durchaus nicht daran, die Möglichkeit solcher
 Veränderungen zu bestreiten. Sie kommen tatsächlich
als eine der bezeichnendsten Manifestationen wirklich kapıitalistischer
 Wirtschaft vor und zeigen auch vom politischen
Standpunkt aus sehr interessante Probleme. Wir können sie
nur in der gegenwärtigen Arbeit nicht behandeln.
... Wenn infolge Einführung der Maschinen die Produktivität
 der Arbeit in den für die. Lohnwaren bestimmten Betrieben.
 wächst, und wenn trotzdem die Nachfrage nach diesen
 Waren eben wegen der Beständigkeit der Löhne nicht
zunimmt, wird. natürlich eine bestimmte Anzahl Arbeiter
— Wie wir schon in den Kapiteln V und VI festgestellt haben
 — auch aus diesen Betrieben entlassen werden müssen.
Die Arbeiterbedingungen werden sich. so — zunächst
wenigstens — weiter verschlechtern, wenn auch aus einer Ursache,
 mit der wir uns vorläufig nicht befassen können.
$ 3. Das Problem in bezug auf die einzelnen Betriebe und die
einzelnen Arbeitergruppen.
Betrachten wir nunmehr das Problem nicht mehr ın
bezug auf die Gesamtheit der Betriebe, sondern in bezug auf
die einzelnen Betriebe.
Die Situation ergibt sich hier aus den beiden letzten in
Kapitel. VI aufgestellten Tabellen und besonders aus den
Vorgängen in dem Zweigbetrieb V.
- Vor Einführung des technischen Kapitals konnten die
Quantitäten und ökonomischen Beziehungen des Betriebes V
in folgenden Größen zusammengefaßt werden: es gab 6 Arbeiter,
 die zusammen Lire 60 erhielten, während der Kapitalist,_der_100_
 Einheiten ihres Produktes zu dem Gesamt-78
        <pb n="78" />
        79

preis von 100 Lire verkaufte, den absoluten Spielraum von
L.. 100 —" L. 60 = L. 40 realisierte, d. h.. in bezug auf das
vorgestreckte Kapital von L. 60 einen perzentuellen  Spielraum
 oder Profit von 66,660/°. Für jede Lire vorgestreckten
Kapitals erhielt der Unternehmer also einen Profit von
Lire 0.66. *)
Infolge Einführung des technischen Kapitals wird die
Zahl der Arbeiter auf 3 herabgesetzt, die einen Gesamtlohn
von L. 30 erhalten. Der Kapitalist hingegen verfügt weiter
über 100 Produkteinheiten und kann diese noch immer zum
Gesamtpreis von L. 100 verkaufen, da seine Kosten gleich
bleiben (L. 60). Er genießt also in Hinblick auf das gesamte
Kapital von L. 60 (L. 30 in Lohn-, +L. 30 in technischem
Kapital) weiterhin einen Profit von 66.66°%. Wenn er also für
jede Lire des gesamten aufgesetzten Kapitals (L. 60) weiter
einen Profit von L. 0,66 einkassiert, realisiert er in Wirklichkeit
 nur für jede Lire desjenigen Teils dieses Kapitals, der
aus dem Lohnkapital (L. 30) gebildet wird, einen Profit von
L. 1,32,?) d. h. einen Profit von 133,32°/o.
Mit andern Worten: die weiter beschäftigten Arbeiter
erhalten den gleichen Lohn wie früher (L. 10 pro Kopf),
während der Unternehmer — eben weil er dem Profit. aus
dem auf die Hälfte herabgesetzten Lohnkapital (von L. 60 auf
L. 30) den proportional gleichen Profit aus einem technischen
Kapital von gleicher Größe (L. 30) hinzufügt — einen doppelt
 so großen Gewinn als der, den er vorher aus den 30 L.
Lohnkapital erhielt, realisiert. So daß zum gleichen Zeitpunkt,
an dem die Einnahme des weiter beschäftigen Arbeiters konstant
 bleibt, der Unternehmergewinn — entsprechend dem
vorgestreckten Kapital, aus dem diese Einnahme sich ergibt,
A. h. dem Lohnkapital.— verdoppelt wird. °)
1) Die Proportion, aus der sich diese letztere Ziffer ergab,
ist: L. 60 (gesamtes Kapital) : L. 40 (absoluter Spielraum) = 1:
Daher x — 0,66.
2) Dieses Ergebnis erhält man aus der folgenden Proportion:
L. 30 (Lohnkapital) : L. 40 (absoluter Spielraum) — 1; x. Folelich
 x — LI. 1,33.
3) Die Verteidiger der kapitalistischen Wirtschaft werden
einwenden können, daß. dies alles ganz natürlich ist. Die Steigerung
 der Produktivität der Arbeit hängt. von dem durch den
Kapitalisten vorgestreckten technischen Kapital ab. Es ist daher
logisch, daß der Unternehmer für diese wie für. jede andere Form
von Vorschuß einen proportionalen Profit. erhält. Der Einwand
        <pb n="79" />
        Y
Das gleiche Phänomen 1äßt sich auch aus dem Einheitspreis
 der Ware ableiten. Sowohl vor wie nach Anwendung
der Maschinen ist der Preis jeder Produkteinheit (100 Einheiten)
 gleich L. 4. Aber vorher lastete auf jeder Einheit das
Lohnkapital mit L. 0.60 und der Profit mit L. 0.40. Nachher.
hingegen belastet das Lohnkapital jede Einheit mit nur
L. 0.30, der Profit hingegen weiter mit L. 0.40.
Wir haben bisher den Fall betrachtet, in dem die Produktquantität
 konstant bleibt. Tatsächlich bedeutet, wie wir
mehrmals erinnert haben, die Einführung des technischen
Kapitals keine Beständigkeit, sondern eine Vermehrung, ja
sogar eine starke Vermehrung der produzierten Quantität.
Während dieses Phänomen seine ganze Bedeutung fühlen
 1äßt, solange man die Betriebe und Arbeiter in ihrer Gesamtheit
 und die Produktquantitäten konsequent unabhängig
 von jedem Tauschwertbegriff betrachtet, büßt es jedoch
viel von seiner Wichtigkeit ein, sobald man einen einzelnen
Betrieb untersucht und daher das Tauschwertkriterium anwendet,
 von dem man vorher abgesehen hatte. In bezug auf
die einzelnen Betriebe gilt nicht die Quantität der betreffenden
 Produkte an sich, sondern ihre Erwerbsmacht, ihr
Tauschwert. Die Quantität der Produkte gewinnt nur innerhalb
 der Grenzen eine Bedeutung, in denen sie eine Rückwirkung
 auf den Wert ausübt.
Wenn z. B. in der Hypothese von Betrieb V die Produktquantität
 von 100 auf 200 stiege, die andern Bedingungen
aber unverändert blieben, brauchten wir für alles übrige
nur das zu wiederholen, was wir weiter oben gesagt haben.
Auch wenn wir der größeren Einfachheit halber tatsächlich
 annehmen, daß die Zunahme von Produktion und An‘
gebot keine Preisabnahme infolge der Gesetze der Nachfrage
ist an sich sehr richtig. Aber er beweist nichts zu Gunsten der
kapitalistischen Herrschaft. Man braucht nur anzunehmen, daß
das Kapital und somit auch das technische Kapital Kollektiv-Kigentum
 werden, um einzusehen, daß die Arbeiter bei dieser
Hypothese zum eigenen Nutzen soviel zurück behalten könnten
wie entsprechend der Größe des vorgestreckten technischen Kapitals
 heute den Kapitalisten zukommt. Es ist etwas anderes,
festzustellen, daß eine gegebene Erscheinung die notwendige
Wirkung eines gegebenen Wirtschaftssystems darstellt, und et
was anderes, sich darüber zu täuschen, daß eine derartige Feststellung
 an sich zur Festigung jener sozialen Voraussetzungen
dienen kann, von denen sie eine reine Folgeerscheinung ist.

80
        <pb n="80" />
        = 81 = &amp;gt;
hervorruft, bleibt die Gesamteinnahme der 3 Arbeiter gleich
(L. 30 im ganzen), während der Unternehmer seinerseits die
200 Einheiten, über die er verfügt, nur zum Gesamtpreis von
L. 100 verkaufen kann. Er realisiert daher wie vorher einen
Profit von 66,66% aus dem Gesamtkapital und einen Profit
von 133,32°% aus dem Lohnkapital.
8 4. Der Parallelismus in der Lösung des Problems in bezug auf
die Gesamtheit der beschäftigten Arbeiter und in bezug auf die
einzelnen Gruppen.
Trotz der Unterschiede, die sich ergeben, je nachdem ob
man den Tauschwert betrachtet oder nicht, zeigt sich zwischen
 den Schlußfolgerungen, zu denen wir in bezug auf die
Gesamtheit der Betriebe und der Arbeiterklasse einerseits
und in bezug auf die einzelnen Betriebe und entsprechenden
Arbeitergruppen andrerseits gelangt waren, ein bemerkenswerter
 Parallelismus.
Beschränken wir uns der Kürze halber auf die Veränderungen
 in Betrieb V_ bei unveränderter Produktionsquantität.

Betrachtet man die Arbeiterklasse als ganzes, so ergibt
sich, daß, während die soziale Produktion im Verhältnis zur
kleineren Anzahl der beschäftigt gebliebenen Arbeiter
wächst, diese letzteren mit einer konstanten Gesamtquote an
ihr teilhaben. Mit andern Worten: wenn die absolute Größe
des kollektiven Mehrproduktes zunimmt, nimmt die Größe
des kollektiven notwendigen Produktes im Verhältnis zu
ihrer früheren Größe zur Zeit als noch alle Arbeiter beschäftigt
 waren, ab und bleibt im Verhältnis zu der verringerten
Zahl der beschäftigt gebliebenen Arbeiter gleich.
Betrachtet man nur die Gruppe von Betrieb V, so behält
das Phänomen die gleiche Richtung, aber durch das Hinzukommen
 des Tauschwertes (Preises) zeigt es sich in Beziehungen
 und Prozenten zwischen Lohn und Profit. Auf jede
Lire Produkt kam vor Anwendung des technischen Kapitals
L. 0.60 Lohn und L. 0.40 Profit. Nachher dagegen blieb der
Profit L. 0.40, aber der Lohn fiel auf L. 0.30. Mit anderen
Worten das Lohnkapital nimmt ab, und der Profit nimmt
im Verhältnis zu ihm zu.
Obgleich die Tatsache allein, daß wir von der Hypothese
einer Beständigkeit der Individuallöhne ausgegangen sind,
jede weitere Klärung überflüssig macht, soll doch hervorgehoben
 werden, um jedes mögliche Mißverständnis zu vermeiden,
 daß wir, wenn wir weiter oben von Verschlech-
        <pb n="81" />
        LI EZ En
terung in den Bedingungen der beschäftigten Arbeiter gesprochen
 haben und im folgenden noch davon sprechen werden,
 nicht beabsichtigt haben und nicht beabsichtigen, uns
auf. eine absolute Senkung der Lebenshaltung zu beziehen.
Die Verschlechterung, mit der wir uns befassen, hat relativen
Charakter: sie bezieht sich auf die ökonomische und soziale
Situation im weitesten Sinn und kommt im wesentlichen
von dem Phänomen her, daß, bei Anwachsen des sozialen
(an Gebrauchswerten gemessenen) Reichtums, infolge Eınführung
 der Maschinen, die den Kapitalisten zukommen: de
Quote wächst, wogegen die den einzelnen Arbeitern zukommende
 unverändert bleibt.
Wir werden dann in weiteren Arbeiten sehen, daß, da
die Hypothese, von der wir ausgehen, eine einfache Bequem-Jlichkeitshypothese
 ist, und da in Wirklichkeit auch die
Löhne steigen, das Problem der ökonomischen und sozialen
Bedingung der beschäftigten. Arbeiterklasse mit größerer
Genauigkeit folgendermaßen zu stellen ist: da infolge immer
größerer. Ausdehnung des technischen Kapitals der soziale
Reichtum wächst, in welchem Verhältnis steigt der Lohn
und in welchem der Profit? Eine Frage, auf welche der gutwillige
 Leser unsere Antwort nunmehr leicht erraten wird.
&amp;amp; 5. Das Problem und die Marxsche Darstellung.
Wenn wir nun zu den früheren Hypothesen zurückkehren,
 können wir einen eigenartigen Gegensatz feststellen.
Während — wie wir weiter oben angedeutet haben —
nicht wenige der sogenannten Marxisten in unseren Untersuchen
 den Versuch sehen, die Kritik am Kapitalismus abzuschwächen,
 wenn nicht gar ihn zu verteidigen, kann in
Wahrheit die relative Verschlechterung, die unter dem bisher
 angewendeten Gesichtspunkt die Anwendung des technischen
 Kapitals für die beschäftigt gebliebenen Arbeiter
bedeutet, nur durch unsere Darstellungsweise gesehen, oder
wenigstens genau gesehen werden. Sie wird durch die
Marxsche Methode hingegen übersehen oder. doch nur in
ungenügender Weise aufgezeigt.
Im ersten Band des «Kapital» hat Marx sich ausführlich
mit den Ausbeutungsformen menschlicher Arbeit und besonders
 deren Intensivierung und Verdichtung befaßt, die eine
Folge der größeren Achtsamkeit und Schnelligkeit sind, die
den Arbeitern automatisch durch die Maschinen auferlegt
werden. Aber darum handelt es sich nicht. Es handelt sich
jetzt um diejenigen Beziehungen, die — angenommen, daß

Q“
        <pb n="82" />
        Q3

alle anderen Bedingungen und folglich auch die Intensität
der Arbeit konstant bleiben — nur durch die Tatsache, daß
ein bestimmter Teil des Lohnkapitals durch einen bestimmten
 Teil technischen Kapitals ersetzt wird, zwischen kollektivem
 Mehrprodukt und kollektivem notwendigem Produkt,
zwischen Lohn und Profit entstehen.
Wir beginnen mit der Betrachtung der Gesamtheit der
Betriebe und nehmen der Kürze halber an, daß das technische
 Kapital — in den bekannten Proportionen und mit
Vermehrung der Produktivität der Arbeit — nur in Betrieb
 V eingeführt worden ist.
Wir haben in den vorhergehenden Kapiteln gesehen,
daß, nach. Marx — da die Rente der Kapitalisten durch
Arbeit und nicht durch Produkte, oder genauer durch Mehrarbeit
 und nicht durch Mehrprodukte dargestellt wird, —
die Gesamteinnahme der weiter beschäftigten Arbeiter gleich
bleibt, wogegen die Gesamteinnahme der Kapitalisten. nur
durch die Tatsache, daß in dem in Frage kommenden Betrieb
 weniger lebende Arbeit angewendet wird, ab- anstatt
zunimmt. Es fehlt daher die Antithese zwischen einer relativ
unveränderten Einnahme (derjenigen der Arbeiter) und
einer gesteigerten Einnahme (derjenigen der Kapitalisten),
aus der gerade die relative Verschlechterung in den Bedingungen
 der ersteren hervorgeht.
Gehen wir dann zur Betrachtung der einzelnen Betriebe
oder genauer des Betriebes V über, so bedeutet für Marx die
Tatsache, daß in ihr die Anwendung menschlicher Arbeit
herabgesetzt ıst (30 anstatt 60 Arbeitsstunden), notwendigerweise
 eine Herabsetzung des effektiven Mehrwertes, d. h. des
im Innern der Fabrik selbst hergestellten Mehrwertes. Die
Rente des Kapitalisten würde also abnehmen, wenn eine
künstliche Preiserhöhung der Ware ihm nicht gestatten
würde, sich durch den Tausch und nur durch ihn, den
Durchschnittsprofit zu verschaffen.
Bei einer derartigen Situation ergibt sich auch aus der
Marxschen Darstellung, daß der Unternehmergewinn proportional
 zu derjenigen Quote seines Kapitals zunimmt, die auch
weiterhin nur in den Löhnen investiert ist. Aber es handelt
sich um ein sozusagen künstliches Phänomen, das nur einem
Hilfsmittel von seiten der Zirkulation zu verdanken ist.
Ohne dieses Hilfsmittel würde — ceteris paribus — die
Größe des Mehrwertes abnehmen wegen der Verkleinerung
des Lohnkapitals, und die relative Verschlechterung in den
Bedingungen der Arbeiter jenes gegebenen Betriebes würde
in keiner Weise offenbar werden.
        <pb n="83" />
        A 4 ——
. Und wenn selbst bei Betrachtung der einzelnen Betriebe
die Marxsche Darstellung des Phänomens durch ausnahmsweise
 Zuflucht zur Zirkulation weniger unvollkommen erscheint,
 leidet sie doch weiter an den ihr eigentümlichen
schweren Irrtümern durch die Betrachtung der Gesamtheit
der Betriebe. Der Kapitalist, der die größere Quote technischen
Kapitals eingefüht hat, kann durch künstliche Preiserhöhung
seiner Ware einen Profit realisieren, der nicht zu weit hinter
den Ansprüchen seiner Position zurückbleibt; aber eben weil
dieser Profit, da er ausschließlich aus einem Zirkulationsvorgang
 stammt, durch einen Abzug am Gewinn der andern
zustande kommt, ist das Ergebnis eine Senkung des Durch-Schnittsprofites
 für alle. So daß auch die Darstellung der
relativen Verschlechterung der Arbeiter-Lage quantitativ
gemildert wird.
Wir wollen mit einem Hinweis schließen. Auf S. 47-48
unseres «Preis und Mehrpreis und ihre Beziehungen zu Konsumenten
 und Arbeitern» schrieben wir: «Auf dem Gebiet
der eigentlichen Produktion ist der Gegenstand des Konfliktes
 zwischen den einzelnen Unternehmern und den von
ihnen Abhängigen nicht so sehr die Arbeit wie die Produktion
 der Arbeit; nicht die Preise der Produkte, die sich aus
der Arbeit ergeben, sondern die Preise der Produkte, die
sich aus den viel komplizierteren und mannigfaltigeren Gesetzen
 des Marktes ergeben». Und wir fügten hinzu: «Wir
werden in einer anderen Untersuchung die ganze Tragweite
dieser Erscheinung sehen, indem wir von diesen scheinbar
So einfachen Wahrheiten ausgehen».
Betrachten wir die gegenwärtigen Untersuchungen als
eine erste und teilweise Erfüllung dieses Versprechens und
hoffen wir, daß die folgenden eine Vervollständigung bilden
werden.

eK
        <pb n="84" />
        LFESSES LLC KSICAKSLATZLZPESS
Inhalt.
Einleitung
Kapitel I: Die Marxsche Werttheorie und das «konstante»
Kapital (technische Kapital).
S$ 1. Die Ricardo Marxsche Werttheorie und die Unproduktivität
 des technischen Kapitals an Mehrwert .
$ 2. Die Unerklärbarkeit der Einführung des technischen
Kapitals bei Annahme seiner Unproduktivität an Mehrwert
 ; 8
S 3. Die Konkurrenz und die zunehmende Verwendung von
technischem Kapital . „10
Kapitel II: Die Marxsche Werttheorie und die Umwandlung
des Mehrwertes in Profit.
S 1. Die Umwandlung des Mehrwertes in Profit und des
Profites in Durchschnittsprofit . „5
$ 2. Die Beziehungen zwischen der Werttheorie und den
Produktionskosten . „19
Kapitel III: Die Marxsche Lösung und deren ‚logische
Widersprüche.
S$ 1. Verneinende und aufbauende Kritik . ‚ 2
$ 2. Tauschwerte und Preise ; .‚ RR
S 3. Preissummen und Tauschwertsummen 27
Kapitel IV: Die Grundirrtümer der Marxschen Problemstellung
 und ihre wesentlichen Ursachen,
S 1. Die Marxsche Auffassung und die Darstellung der Produkte
 durch die Arbeit .

3
21
        <pb n="85" />
        ZA
$ 2. Die Marxsche Auffassung und der Ersatz der Produkte
durch die Arbeit ; 3
S$ 3. Die Ersetzung der Produkte durch die Arbeit und deren
Irrtum | 33
S 4. Die Ersetzung der Produkte durch die‘Arbeit und das
Problem des technischen Kapitals 35
$ 5. Die Produkte und nicht die Arbeit als Gegenstand der
Verteilung und des sozialen Kampfes 36
S 6. Die Ersetzung der Produkte durch die Arbeit und die
Unproduktivität des «konstanten» Kapitals an Mehrprodukt
 und an Mehrwert . a7
$ 7. Die Ersetzung der Produkte durch die Arbeit und die
Betrachtung der einzelnen Unternehmungen . . 39
Kapitel V: Die Wirkungen der Anwendung des technischen
Kapitals bei Betrachtung der Gesamtheit der Betriebe
(in bezug auf die Kapitalisten und bei unveränderter
Quantität der Produkte).
S$ 1. Die Marxsche Darstellung und die Veränderung der
Produktquantität und der. Arbeit in entgegengesetztem
Sinn ‚41
$ 2. Die Marxsche und unsere Darstellungsweise . Se
S$ 3. Weitere Entwicklung . ; ; x MM
Kapitel VI: Die Wirkungen der Anwendung des technischen
Kapitals bei Betrachtung der einzelnen Betriebe (in bezug
 auf die Kapitalisten und bei unveränderter Produktquantität).

8 1. Die Marxsche Darstellung . ‚ 49
$ 2. Die von uns vorgeschlagene Darstellung „588
8 3. Die heiden Auffassungen und ihre Unterschiede . 56
Kapitel VII: Die Wirkungen der Anwendung des technischen
Kapitals bei Betrachtung der Gesamtheit der Betriebe
und bei Betrachtung der einzelnen Betriebe (in bezug
auf die Kapitalisten und bei vermehrter Produkt-Quantität)


59
        <pb n="86" />
        — MM —
Kapitel VII: Die Marxsche und unsere Lösung.
$ 1. Die beiden Lösungen bei der allgemeinen Betrachtung
der Gesamtheit der Betriebe 65
$ 2. Die beiden Lösungen bei der allgemeinen Betrachtung
der einzelnen Betriebe „67
S$ 3. Die Antriebe zur wachsenden Anwendung des technischen
 Kapitals .. . 69
$ 4. Mehrarbeit und Mehrprodukt „72
Kapitel IX: Die Wirkungen der Anwendung des technischen
Kapitals in bezug auf die weiter beschäftigten Arbeiter.
$ 1. Die Elemente des Problems . 75
$ 2. Das Problem in bezug auf die Gesamtheit der Betriebe
und der beschäftigten Arbeiter . . 76
$ 3. Das Problem in bezug auf die einzelnen Betriebe und
die einzelnen Arbeitergruppen „78
&amp;amp; 4. Der Parallelismus in der Lösung des Problems in be-Zug
 auf die Gesamtheit der beschäftigten Arbeiter und
in bezug auf die einzelnen Gruppen 81
$ 5. Das Problem und die Marxsche Darstellung 82

ap
x
        <pb n="87" />
        ° ®
Wichtige Neuere Verlags - Werke
-7000000000-—
Bibliographie ' None der auswärtigen
Wech Se.V.G.)J.
Bio - Bibliographische Bei- SCNSC/COUTSE-V.G.). Göschen
een zur Chir der
echts- und Staatswissenschaften.
 Bisher erschienen Ar- Genossenschaits
beiten über Seckel, Neubecker, wesen
 eMit. MOST un 1 BrOSCHÖrE EN Anthologie des Genossen-Bakunin
 a M. 1.20 bis 3.75. schaftswesens. V. V. Totomianz-Geb.
 M. 6.—
Bibliographie der Rechts- u. Theorie, Geschichte und
Staatswissenschaften Praxis der Konsumenten-Erechelit
 im St, Jahrgang, Jännich Organisation. v. v. Totomianz,
5 Helte, M. 6.— nf Mas fm Eu:
Se Da Ahr nn Die Genossenschaftsbewe-Marx
 - Engels - Lassalle, Eine gung in Japan. Von K. Ogata.
Bibliographie des Sozialismus. M. 12.—, geb. 14.—
Hrsg. v. Drahn. br. 3.—, geb. 4.75, _
auf Schreibpap. geb. 6.—
Reparation und
Ferdinand Lassalle. m ; as
12 Bild M. Vorw., v. P. THOMSON. Völker-M.
 5.— Verständigung
Geschichte der MNational- Deutschland u. Frankreich.
ökonomie im alten Polen. Hrsg. v. Kuczynski. 2 Bde. M. 17.—,
V. S. Gargas. 7.80, geb. 9.40 geb. 20.20
Der neue Reparationsplan.
Allgemeine V. H. G. Moulton. M. 2.—
Die Demokratisierung d.
Volkswirtschaft amerik. Wirtschalit. v. R. S.
Bibliothek der Volkswirt- Brookings. M* 1.30
schaftslehreu.Gesellschafts- ; 5
wissenschaft. Bish hi =
Werke v. Malthus,L. Blanc, Sismondi, Marxismus
OMPSOR, KOWAINAKY- Jeder DE Preis u. Mehrpreis in der
kapitalist. Wirtschaft. v. A.
Währungsiragen Der B ee en y
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Währung und Wirtschalt in u. d. Werttheorie. v. A. Gra-Polen,
 Litauen, Lettland u. ziadel. M. 1.80
Estland. N Eich: Ma 10 Preis und Mehrpreis und
. ER ihre Beziehungen zn Kon-Währungsprobleme
 Sowjet* sumenten und Arbeitern.
RußlandSs.von L. Jurowsky M. 4.50 V. A. Graziadei M. 2.50
R. L. PRAGER - BERLIN NW 7
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hervorruft, bleibt die Gesamteinnahme der 3 Arbeiter gleich 7
(L. 30 im ganzen), während der Unternehmer seinerseits die ce
200 Einheiten, über die er verfügt, nur zum Gesamtpreis von ;
L. 100 verkaufen kann. Er realisiert daher wie vorher einen
Profit von 66,66% aus dem Gesamtkapital und einen Profit
von 133,32°% aus dem Lohnkapital.
8 4. Der Parallelismus in der Lösung des Problems in bezug auf
die Gesamtheit der beschäftigten Arbeiter und in bezug auf die
einzelnen Gruppen.
Trotz der Unterschiede, die sich ergeben, je nachdem ob
man den Tauschwert betrachtet oder nicht, zeigt sich zwischen
 den Schlußfolgerungen, zu denen wir in bezug auf die
Gesamtheit der Betriebe und der Arbeiterklasse einerseits
und in bezug auf die einzelnen Betriebe und entsprechenden
Arbeitergruppen andrerseits gelangt waren, ein bemerkenswerter
 Parallelismus.
Beschränken wir uns der Kürze halber auf die Veränderungen
 in Betrieb V bei unveränderter Produktionsquantität.

Betrachtet man die Arbeiterklasse als ganzes, so ergibt
sich, daß, während die soziale Produktion im Verhältnis zur
kleineren Anzahl der beschäftigt gebliebenen Arbeiter
wächst, diese letzteren mit einer konstanten Gesamtquote an
ihr teilhaben. Mit andern Worten: wenn die absolute Größe
des kollektiven Mehrproduktes zunimmt, nimmt die Größe
des kollektiven notwendigen Produktes im Verhältnis zu
ihrer früheren Größe zur Zeit als noch alle Arbeiter beschäftigt
 waren, ab und bleibt im Verhältnis zu der verringerten
Zahl der beschäftigt gebliebenen Arbeiter gleich. .
Betrachtet man nur die Gruppe von Betrieb V, so behält
das Phänomen die gleiche Richtung, aber durch das Hinzukommen
 des Tauschwertes (Preises) zeigt es sich in Beziehungen
 und Prozenten zwischen Lohn und Profit. Auf jede
Lire Produkt kam vor Anwendung des technischen Kapitals
L. 0.60 Lohn und L. 0.40 Profit. Nachher dagegen blieb der
Profit L. 0.40, aber der Lohn fiel auf L. 0.30. Mit anderen ,
Worten das Lohnkapital nimmt ab, und der Profit nimmt
im Verhältnis zu ihm zu. |
Obgleich die Tatsache allein, daß wir von der Hypothese
einer Beständigkeit der Individuallöhne ausgegangen sind,
jede weitere Klärung überflüssig macht, soll doch hervorgehoben
 werden, um jedes mögliche Mißverständnis zu vermeiden,
 daß wir, wenn wir weiter oben von Verschlech-5


81
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