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        <title>Erhebung über die Produktion</title>
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      <div>Internationale Rundschau der Arbeit 
1. Wenn man von der ersten Zeit des Krieges absieht, da dieser 
Zeit der plötzlichen und völligen Desorganisation der früheren 
Absatzgebiete nur nach und nach die Entstehung neuer Märkte 
folgte, so kann man allgemein sagen, daß dieser Zeitraum eine 
Krise der Absatzmärkte nicht gekannt hat. Der Warenmangel 
war das vorherrschende Kennzeichen. 
2. Gleich nach dem Waffenstillstande hatte die plötzliche 
Beendigung des Krieges, soweit die Absatzmärkte in Frage kommen, 
im Allgemeinen die gleichen Folgeerscheinungen wie der Übergang 
zum Kriegszustande. Auch die Rückkehr zur Friedenswirtschaft 
zeitigte eine Umwälzung in Bezug auf die Absatzmärkte, sodaß 
der Beginn des Friedens genau wie der Beginn des Krieges im 
Zeichen einer Krise der Absatzmärkte stand, der „Krise des 
Friedens“. 
3. Die auf den Waffenstillstand folgende Krise der Absatz- 
märkte war jedoch, genau wie die gleiche Krise zu Anfang des 
Krieges, von nur kurzer Dauer. Schon gegen die Mitte des Jahres 
1919 war sie überwunden, und die Welt befand sich in einer 
Phase außerordentlich starken industriellen Aufschwunges. Im 
Jahre darauf folgte ihr jedoch eine Krise der Absatzmärkte, wie 
sie in gleicher Ausdehnung und Dauer bisher nicht gekannt war. 
Diese Krise zeigte sich in den ersten Monaten des Jahres 1920 
zunächst im fernen Osten, in Japan, um bald auf die Vereinigten 
Staaten überzugreifen und gegen Ende des Jahres auch in Europa 
einzusetzen. 
4. Zu verschiedenen Zeitpunkten des genannten Jahres wie 
auch im Verlaufe des folgenden Jahres tritt die Krise in allen 
Gruppen auf; am schwersten macht sie sich in der Gruppe der 
außereuropäischen Länder und in der Gruppe der neutralen 
europäischen Länder bemerkbar, desgleichen in einem der Länder 
der Kriegführenden Westeuropas, nämlich in Großbritannien. 
Weniger heftig zeigt sie sich in der Gruppe der kriegführenden 
Länder Mittel- und Osteuropas als in den kriegführenden Ländern 
Westeuropas. In der letzteren Gruppe ist das Vereinigte Königreich 
am meisten betroffen, und Frankreich und Belgien sind von ihr 
mehr und rascher betroffen als Italien. 
5. Im Ganzen gesehen, dürfte die Krise im Jahre 1921 ihren 
Höhepunkt erreicht haben. Von Ende dieses Jahres an läßt sich 
in den verschiedenen Ländern eine gewisse Besserung feststellen, 
die sich auch 1922 fortsetzt, wenngleich die allgemeine Wirtschafts- 
lage in diesem letzteren Jahre noch von der Krise beherrscht 
bleibt, die in einigen Fällen sogar noch 1923 neu aufflackert, 
während sie in anderen Ländern nachläßt oder gar völlig ver- 
schwindet. 
6. Um die Zeit, als die Fragebogen versandt wurden, führte 
ein durchaus vorübergehender Umstand, die kurze Krholung 
der Währung in mehreren Ländern Mittel- und Osteuropas, in 
diesen zu einer Krise der Absatzmärkte, die in den Antworten 
dann ihren Niederschlag fand. Dieselbe war jedoch nur vorüber- 
gehender Art. KEines der Länder dieser Gruppe, Rumänien, hat 
zu keiner Zeit eine Krise der Absatzmärkte gekannt, während in 
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