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            <forname>Hubert</forname>
            <surname>Winkler</surname>
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        Bangerts Ausland-Bücherei/ Nr. 33
Reihe: Wohltmann-Bücher [;Bd. 3
Monographien zur Landwirtschaft warmer Länder
Herausgegeben von Dr. Walter Busse
KR LS
Professor Dr. Hubert Winkler
£75s ©
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7
Deutscher Auslandverlag Walter Bangert
Hamburg 8, Dovenhof
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Alle Rechte vorbehalten
Copyright 1926 by Deutscher Auslandverlag
Walter Bangert, Hamburg
Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig
        <pb n="3" />
        Vorwort.

Es gibt in der deutschen Literatur kürzere und auch einige
ausführlichere Darstellungen über den Reis; doch sind sie teils
nicht umfassend, teils veraltet. In den letzten beiden Jahrzehnten
ist diese Getreidepflanze Gegenstand zahlreicher wissenschaft-
licher Arbeiten gewesen, besonders auf dem Gebiete der Kultur,
der Züchtung und Schädlingserforschung, so daß eine Zusammen-
fassung unserer Kenntnisse einem Bedürfnis entspricht. Freilich
war es nicht leicht, die sehr zerstreute, fast ausschließlich fremd-
sprachige Literatur nach dem Kriege in Deutschland zu be-
kommen; manches kenne ich denn auch nur aus Referaten. Die
englische, 1924 erschienene Monographie E. B. Copeland’s
kam erst kurz vor Abschluß des Manuskriptes in meine Hände,
ist aber nach Möglichkeit noch benutzt worden. — Eine noch
ausführlichere Liste von Schriften über den Reis konnte der
Raumbeschränkung wegen hier leider nicht gegeben werden.
Deshalb habe ich wenigstens die Züchtungs- und Schädlings-
frage in eigenen, im „Tropenpflanzer‘“‘ (XXVIII. Jahrg., 1925,
Heft 3, 4 und 5) ersehienenen Aufsätzen etwas ausführlicher be-
handelt. Ich bemerke noch, daß ich selbst in den Jahren 1904
bis 1905 im Botanischen Garten in Victoria Kulturversuche zum
Zweck der Verbreitung des Reises in Kamerun gemacht und
später auch auf Java, Borneo und der Malaiischen Halbinsel
dem Reisbau meine besondere Aufmerksamkeit zugewendet habe.

Breslau, 1. Juli 1925.

Hubert Winkler.
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        <pb n="5" />
        Inhalt.

Seite
I. Bedeutung und Geschichte des Reises . AS
1]. Botanisches‘ . A TE AT ET U ed le a4 23
1. Stammpflanze. . Re | A
2. /Veredlung und Züchtung 2.57 1 ; u A
Ill. Anbau .. a PO Th 7a 2 Tal 213
1. Natürliche Vorbedingungen ... “. .. +
A. Temperatur. 7 Be 1 3
Wassermreis eh ern a 1% HS
Trockenreis,. ...0. ZN en DE
B. Niederschläge, Licht und Wind. X. 6
C.:Boden . . DEE An a On Ye 47 Ko Fa le WELT
Physikalische Beschaffenheitz 4.5. BR le 7
Salzböden 1... Sn ehe Hl7
Sumpfland +5. dr na edel der ea L9
2. Bodenbearbeitung +)... +4 V+. ee A a A A 19
Arockenreis ‘SAD RA N Der 20
Wasserreis .‘ . . . 4 A N A
Allgemeine Gesichtspunkte ... . A LE
Geräte und Maschinen zur Bodenbearbeitung . We
Einzelne Verfahren aus verschiedenen Anbaugebieten . 29
3. Düngung . 1. _- Areale ee ate dl
Düngende Wirkungen der Bewässerung. ....... 3
Düngung in; China: und Japan 2 te se nee EN
Gründüngung . 0. ni A fear IE ce ed
Stickstoff, Kali, Phosphorsätfe .. ehe en in er 87
4. Fruchtfolge und Zwischenkulturen „41

Gehäufter Reisbau und Fruchtwechsel in verschiedenen
Anbaugebieten „EN a
Zwischenkulturen N A
5. AUSSa@E  edce er en a Pa la + 147
Saatzeit =... £ . a . A
Verschiedene Verfahren der Aussaat . Kr er 47
Saatbeete, Verpflanzentr.- u be
Pflanzweite . . Do. &gt; SE a a
        <pb n="6" />
        VL
Seite
6. Bewässerung ... ., . AA 57
Wasserentnahme 7. AA 57
Allgemeine Gesichtspunkte 9.1. a. , FGO
Höhe der Kinstauung!. . 0.0. NR. 61
Zeitweiliges Jrockenlegen: .. "7.1... ..".. . B6c2
Keisbau und Malaria... SS 64
Wasserverbrauch: Al... A ” GA
A
Unkräuter. . .. ; TE 1 Ta
Gckämpfung des Unkrauts”. dr  HH67
8. Ernte und Aufbereitung; Erträge “1... A 69
Erntezeit .....0 0.41 TA R 69
Verschiedene Ernteverfahren, Geräte und Maschinen . 71
Dreschen und Entspelzen . AA 7
SC U
Erträge. .— . . EEE
IV. Schädlinge und Krankheiten]. +. 78
1... Tierische Schädlinge |... AA, ZS
2. Pflanzliche Schädlinge.{ . ..;. A, ESG
S.Erkrankunsen anderen Ursprungs 2 . 0. SI
V. Geographie und Statistik. AHLEN NUR 202
A N N
DSSAMTIKA CN ET + «ie LAS 106
8. Amerika .... A . a AU
A. Südamerika, Westindien, Mittelamerika ....... . . ./107
B: Nordamerika. "A. a EHE
4. Europa |... "&gt; N. LI
5. Welterzeugung, Handel und. Verbrauch mt A 114
VI. Nutzung . FE EEE LT
1. Reis’ als Nahrungsmittel... — a OL m 117
Zubereitungsarten . "0 A . PS
Chemische Zusammensetzung des Reiskorns,._.. . . . 119
Handelssorten „1. 2 CHE ae Se a N
2, Sonstige Nutzunesarfen u. LA a
Reis als Viehfutter  :./.\ N. ; U
Reisstärke, ihre Gewinnung und Anwendung. ... . . 127
Reiskeime, Reisstroh, Reisspelzen.. ... . m. 129
Alkoholische_Getränke aus Reis... AA AST
VII. Schriitenverzeichnis ... 0 se 1

3
122
        <pb n="7" />
        L. Bedeutung und Geschichte des Reises.

Das Hauptnahrungsmittel der Menschheit ist das Getreide:
Hirse, Reis, Mais, Weizen, Roggen, Gerste, auch Hafer in stei-
gendem Maße. Die Hirse war die älteste und in der Vorzeit
wichtigste Getreideart. Ob sich der größte Teil der Menschheit
heute von Hirse oder von Reis nährt, wird sich wohl mit
Sicherheit nicht entscheiden lassen. Man hat geschätzt, daß
640—750 Milkonen, also 2/-—3/. aller Menschen, mehr oder
weniger vom Reise leben; viele Millionen genießen ihn außer-
dem neben anderen Getreidefrüchten. Dem Reis kommt also
unter allen Nährpflanzen mit die größte Bedeutung zu. Vor
allem lebt die Bevölkerung Süd- und Ostasiens vorzugsweise
oder fast ausschließlich von ihm. Diese Wichtigkeit drückt
sich in Sprache, Gewohnheiten und religiösen Anschauungen
aus. Wie wir von Frühbrot, Mittagbrot, Abendbrot spre-
chen, so bezeichnen die Japaner die drei täglichen Hauptmahl-
zeiten als Morgen-, Mittag- und Abendreis. „Reis und Tee“
bedeutet in Japan soviel wie „Essen und Trinken‘‘. In Südchina
soll das Sprichwort ‚Keinen Reis mehr haben“‘ soviel heißen
wie „Auf dem letzten Loche pfeifen‘, „Mit dem Leben abge-
schlossen haben‘‘. Im Sanskrit hat der Reis außer seinem später
noch zu erwähnenden Namen auch die bildliche Bezeichnung
dhänya, d. h. Erhalter des Menschengeschlechts. Über den
Ursprung des Reises gibt es drei malailische Legenden, die ihn
alle als ein Geschenk der Götter bezeichnen. Bei den Indern ist
der Reis das Symbol des Reichtums und der Fruchtbarkeit; er
spielt dort im Hochzeitsritus, beim Liebesorakel, als Aphro-
disiakum, als Schönheits- und Allheilmittel eine Rolle. Auch
in England wirft man der Braut Reiskörner nach.

Wo der Reis zuerst in Kultur genommen worden, ist nicht
mehr mit Sicherheit festzustellen. Chinesische Überlieferungen,
Winkler, Reis (Monograph. z. Landwirtsch. warm. Länd.). Bd. III.
        <pb n="8" />
        A

die bis in die mythische Zeit zurückweisen, besagen, daß der
Reis schon 2800 v. Chr. bei einer religiösen Zeremonie vom
Kaiser Shen nung (Yen Ti, dessen Regierung von anderen zwi-
schen 2737 und 2705 gesetzt wird), dem Begründer des chine-
sischen Ackerbaues, ausgesät wurde. Diese Überlieferung scheint
für China als das Land der ältesten Reiskultur zu sprechen.
Doch gibt es viele Gründe sprachlicher und historischer Natur
dafür, daß in Indien die Reiskultur zuerst aufgekommen sei.
Oryza oder Oryzon heißt der Reis schon bei den Griechen.
Der Name ist von Sanskrit vrihis abzuleiten; über das alt-
persische brizi und das arabische arruz gelangte das Wort in
die europäischen Sprachen. Das deutsche Reis stammt un-
mittelbar vom italienischen riso. Weder im Alten noch im
Neuen Testamente wird der Reis erwähnt, wohl aber im Talmud.

Von Indien aus machte das Abendland durch die Feldzüge
Alexanders des Großen mit dem Reis Bekanntschaft. Zunächst
wurde er aber nicht als Nahrung, sondern. nur medizinisch be-
nutzt; die griechisch-römischen Ärzte bereiteten ein schleimiges
Getränk aus ihm. Anbauversuche wurden damals im Abend-
lande noch nicht gemacht, Erst durch die Araber wurde die
Reiskultur nach Westen verbreitet, und zwar zunächst nach der
Eroberung Ägyptens im Nildelta und in den Oasen, bei ihrem
weiteren Vorrücken auch in Spanien. Mit dem Festsetzen der
spanischen Macht in Neapel und Mailand wurde auch die Reis-
kultur nach Italien übergeführt. Man stürzte sich, in der Hoff-
nung auf große Gewinne, mit Macht auf sie, so daß die Regierung
gegen die Ausdehnung der gesundheitsschädlichen Reisländereien
(Malaria!) einschritt. Zu einem Welthandelsartikel aber wurde
der Reis erst — wie Kaffee, Zuckerrohr und Baumwolle —
nach seiner Versetzung in-die neue Welt, die zwischen 1650
und 1700 geschah.
        <pb n="9" />
        11. Botanisches.
1. Stammpflanze.

Die Stammpflanze des Reises gehört der Grasgattung Oryza
an. Noch einige andre, nahe verwandte Gattungen werden in
der Literatur und in Volksnamen als „Reis‘* bezeichnet, manche
als „Wilder Reis‘‘ oder ‚„‚Wildreis‘‘, was aber nicht bedeutet,
daß sie die Stammpflanzen des Reises seien. Von den 16 bis
20 Arten der Gattung Oryza, die bis auf drei tropisch-amerika-
nische der heißen Zone der alten Welt angehören, ist, abgesehen
von einigen ganz beschränkt gebauten afrikanischen Arten, nur
eine einzige in Kultur genommen worden, Oryza sativa, der
Reis. Soweit man heute überhaupt noch Ursprüngliches von
verwildertem Vorkommen unterscheiden kann, ist die Stamm-
pflanze vom südlichen China und von Indien bis nach dem
tropischen Australien und Westafrika verbreitet.

Abgesehen von einer aus Afrika bekannten ausdauernden Art
ist der Reis eine Pflanze von kurzer, nicht einmal einjähriger
Lebensdauer. Doch hat bei den einzelnen Kulturvarietäten die
Vegetationszeit — von der Keimung bis zur Samenreife — sehr
verschiedene Länge. In Indien gibt es frühreife Sorten, die
schon 50—60 Tage nach der Aussaat geerntet werden können;
bei mehr als 1200 Varietäten auf den Philippinen wurden als
kürzeste Vegetationszeit 94, als längste 221 Tage beobachtet,
Die spätreifen‘ Sorten geben im allgemeinen mehr und höher-
wertigen Ertrag.

Die Variation aller gestaltlichen und physiologischen Merk-
male der Reispflanze beschreibt Copeland (s. Lit.-Verzeichnis
Nr. 43) eingehend. Sie ist ein kräftiges Gewächs von 1—1,8 m
Höhe, oft durch reiche Verzweigung der Grundachse gut be-
stockt; die Anzahl der Halme kann — je nach Sorte, Boden-
        <pb n="10" />
        [ruchtbarkeit und Pflanzweite — zwischen 3 und 50 schwanken.
Unter gewöhnlichen mittleren Wachstumsbedingungen sind
18—20 Schosse eine gute Durchschnittszahl. Die eben an-
gegebenen Maße der Reispflanze stellen die gewöhnlichen
Grenzen dar. Es gibt aber eine ganze Anzahl frühreifer Sorten,
die nur 18 Zoll bis 2 Fuß hoch werden. Sie haben den großen
Vorteil, nicht so leicht zu lagern, der aber durch spärliches
Schossen und ärmliche Rispen wettgemacht wird. Manche Reis-
sorten überschreiten das gewöhnliche Maß bis zu 6 Fuß Höhe
und mehr. Eine sehr eigenartige Form kommt in Cochinchina
vor. Sie ist langhalmig, wird bei hohem Wasserstande gezogen
und flutet. Wenn das Wasser abgelassen wird, legen sich die
Halme auf den Boden, treiben aus den oberen Knoten Wurzeln
und Schosse, und so wächst, während der untere Teil der Pflanze
zugrunde geht, aus dem oberen eine neue Reispflanze heran,
die bis 3600 kg Ertrag auf den Hektar gibt.

Das Wurzelsystem der Reispflanze besteht aus zahlreichen
langen, feinen, oft verzweigten Faserwurzeln. die sich an der
Pflanze früh und schnell entwickeln; doch vermag der Reis bis
zur Zeit des Fruchtansatzes neue Wurzeln zu bilden, so daß
schließlich eine Bodenfläche von 60 bis 80 cm Durchmesser von
dem Wurzelsystem durchzogen werden kann. Die große Auf-
saugfläche, die dieses Wurzelsystem bildet, wird eingeschränkt
durch die geringe Neigung, Wurzelhaare zu erzeugen. Aus der
Bereitwilligkeit des Reises, Wurzeln und Schosse zu bilden, kann
man bei Züchtungsversuchen durch Teilung der Pflanzen Nutzen
ziehen.

Der hohle, oben stielrunde, unten schwach zusammengedrückte,
unbehaarte Halm ist von kräftigen, kahlen Knoten unterbrochen,
die sich, sobald sie freiliegen, bräunen. Die zuweilen bis fast
meterlangen Blätter tragen eine linealische, am Grunde ver-
schmälerte. nach oben allmählich spitz zulaufende, ziemlich
derbe Spreite, die von einem kräftigen Mittelnerven und 8—10
dünnen seitlichen Nerven durchzogen wird. Die Blattscheiden
sind meist etwas kürzer als die Knotenzwischenglieder, haben
übereinandergreifende Ränder und an der Grenze von Scheide
        <pb n="11" />
        Silberhäutchen entwickelt. Die Kleberzellen sind klein. Das
Nährgewebe ist größtenteils glasig, nur an einzelnen Stellen,
z. B. in der Nachbarschaft des seitlich anliegenden Keimlings,
mehlig. Dieser ist kaum !/, so lang wie das Nährgewebe und
wird beim Schälen der Frucht entfernt, so daß er dem Handels-
reise fehlt.

Das Reiskorn keimt leicht. Jack (73, S. 21) berichtet vom
Auswachsen des Reises bei feuchtem Erntewetter. Das Keimen
soll durch starkes Austrocknen des Saatgutes beschleunigt wer-
den. Die Vorkeimung für das Einsäen in die Saatbeete muß in
Java bei den meisten frühreifen Sorten nach zwei Tagen abge-
brochen werden, da sonst die Wurzeln der nebeneinanderliegen-
den Körner durcheinanderwachsen. Die Keimschnelligkeit ist
von der das Korn umgebenden Temperatur abhängig. Ver-
suche mit verschiedenen Rassen der Philippinen haben er-
geben, daß Reis bei einer Bodentemperatur von 32 °—36° C in
2—3 Tagen, bei 28°C in 4 Tagen, bei 24°C in 4—5 Tagen,
bei 20° und 40°C in 5—6 Tagen, bei 16°C in 8—14 Tagen
keimt. Bei den an der Polargrenze der Reiskultur wachsenden
Varietäten liegt natürlich die Mindesttemperatur, bei der die
Keimung noch stattfindet, tiefer (10°—12° C). In feuchtem
Boden geht die Keimung besser vonstatten als unter Wasser.
Das Licht hat keinen Einfluß auf sie. Unter ungünstigen Be-
dingungen, besonders feucht und dumpfig, aufbewahrte Saat
büßt leicht an Keimkraft ein (43, S. 7—9).

Der wilde Reis, der meist begrannt ist, unterscheidet sich
vom Kulturreise dadurch, daß die reifen Ährchen abfallen.
Diese Urform des Reises oder aus dem Kulturreis in die Wild-
form zurückgeschlagene Rassen haben sich vielfach in die Reis-
felder eingeschlichen und bedrohen stellenweise die Reiskultur
ernstlich, da sie selbst bei ausgebildeter Rispe noch nicht zu
erkennen sind, also nicht rechtzeitig ausgerottet werden können.
Da die Samen der wild gesammelten Reispflanzen wie die aller
andern wilden Oryzaarten stets braun sind, so kann man wohl
schließen, daß der Reis das weiße Korn erst in der Kultur er-
worben hat.
        <pb n="12" />
        Von allen. Getreidearten; hat. der Reis die meisten
Kulturformen. In jedem größeren Reislande werden mehrere
Hundert, in einzelnen über Tausend kultiviert. Es ist mehrfach
versucht worden, die Rassen des Kulturreises zusammenzu-
stellen und in ein System zu bringen. In der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts hat Desvaux etwa 30 Reisvarietäten nach der
Begrannung der Spelzen und der Form der Früchte unter-
Schieden. Eine etwas spätere Einteilung stammt von dem be-
rühmten französischen Agronomen Heuze; in ihr werden
3 Arten unterschieden: Oryzarsativa,.. 0. glutinosa,
OO: japonica, 0. mutica. 0. montana, und bei der
weiteren Gruppierung ebenfalls Begrannung, Form und Farbe
der Frucht zugrunde gelegt. Eine allgemeinere Zusammen-
stellung gab 1885 Körnicke (83, S. 232). Die Hauptunter-
scheidung, die er vornimmt, nämlich zwischen „gebräuchlichem
Reis‘ (Utilissima) und „Klebreis‘“ (Glutinosa), beruht auf
der chemischen Zusammensetzung des Korns. Beim gewöhn-
lichen Reis ist es durchscheinend, im Bruch glasig, etwas glän-
zend; sein Klebergehalt ist sehr gering. Das Korn des Kleb-
reises dagegen ist matt, im Bruch von stearinartigem Aussehen,
schneidet sich aber ebenso hart wie der, gewöhnliche Reis. Die
Stärkekörner des Klebreises zeigen ein auffallend verschiedenes
Verhalten von der gewöhnlichen Stärke: sie färben sich mit Jod
nicht violett, sondern rötlich bis gelbbraun, was von einer Bei-

mengung von Dextrin und Amylodextrin herrührt. Bei der
Durchführung seines Systems wendet Körnicke dieselben
Grundsätze wie Desvaux und Heuze an. Über die leitenden
Gesichtspunkte, nach denen eine sachgemäße Einteilung der
Kulturreisvarietäten vorzunehmen wäre, sprechen sich! R: J.D:
Graham (62) und Copeland (43) aus.
2. Veredlung und Züchtung.

Die Zuchtziele beim Reis erstrecken sich in erster Linie und
allgemein auf den Ertrag und die Güte der Körner. Erst in
zweiter Reihe und unter besonderen Umständen können andere
        <pb n="13" />
        U

Eigenschaften der Reispflanze Leitgedanke der Züchtung sein,
z. B. Frühreife, Lagerfestigkeit, Widerstandsfähigkeit gegen
Krankheiten. Sicher ist seit alter Zeit eine Massenauslese geübt
worden. Aus Assam wird berichtet, daß dort bei den Einge-
borenen ein ganz bestimmtes Selektionsverfahren üblich ist;
nur die mit der Hand ausgelesenen besten Körner, die manch-
mal noch von einem eigens zur Saatreisgewinnung bepflanzten
Stück genommen sind, kommen zur Aussaat. Diese Massen-
auslese, durch die man auf den Philippinen eine Verdoppe-
lung des Ertrages erreicht hat, darf beim Züchtungsverfahren
nicht vernachlässigt werden. Sie ist besonders in Italien und
Spanien gepflegt worden, nach folgender Methode. Im Lauf
der Ernte wird eine Anzahl Rispen auf dem Felde ausgewählt
und für sich gehalten. Dabei sieht man auf Gleichmäßigkeit
und auf die Eigenschaften, die der Selektion besonders unter-
worfen sein sollen. Pflanzen vom Feldrande oder von irgend-
welchen ungewöhnlichen, z. B. zufällig stärker gedüngten Stand-
orten innerhalb des Feldes kommen nicht in Betracht. Die
ausgewählten Rispen, die nur von aufrechtstehenden Pflanzen
stammen dürfen, werden gebündelt und gut getrocknet. Wäh-
rend des Winters werden diese Rispen durchgeprüft und alle
minderwertigen oder abweichenden ausgeschieden. Von den so
ausgewählten Rispen werden schließlich noch die oberen und
unteren Enden weggeschnitten. Das übrigbleibende Material
wird mit der Hand gedroschen, und schließlich werden die
leichten oder sonst fehlerhaften Körner möglichst vollständig
ausgelesen. Die gut befundenen Samen werden auf einem be-
sonderen Felde ausgesät und mit aller Sorgfalt behandelt.
Pflanzen, die in der Entwicklung zurückbleiben oder von der
Musterform abweichen, werden beim Jäten ausgerissen; eine
nochmalige Musterung und Aussonderung findet zur Blütezeit
statt. Bei der Ernte wird in dieser Anpflanzung dieselbe Selek-
tion von neuem vorgenommen, und der Rest der Ernte zur
Feldsaat für das nächste Jahr benutzt. So wird jedes Jahr
durch Massenauslese eine Saat gewonnen, aus der die Feld-
frucht des zweitfolgenden Sommers hervorgeht. Durch solche
        <pb n="14" />
        Auslese nähert man sich allmählich dem gewünschten reinen
Typus.

Neben dieser Massenauslese können mehrere Methoden der
Individualauslese angewendet werden, die aber für den
Einzelpflanzer weniger in Frage kommen, weil sie entweder
keinen Erfolg versprechen oder weil sie nur mit den Mitteln
einer Versuchsstation durchgeführt werden können. Von gar
keiner Bedeutung ist beim Reise die Auslese spontaner Varla-
tionen, d. h. neuer, vererbbarer Eigenschaften, die ohne Kreu-
zung plötzlich auftreten. Beim Reise werden sie überhaupt
selten beobachtet und sind dann gewöhnlich sog. Minusvarianten,
d. h. die Variation besteht in dem Verlust einer bisher vorhanden
gewesenen Eigenschaft.

In duın letzten Jahren ist wohl in den meisten Reisbauländern
die Linientrennung versucht worden. Von Privatpflanzern
sind zwar nur in Honduras und Italien eine Anzahl als reine
Linien angesehener Varietäten auf den Saatmarkt gebracht
worden, in Honduras die sog. Wrightschen Varietäten, in
Italien die Varietäten Ranghino, Nero de Vialone,
Jancino, Birmania und Taitu. In großem Ausmaße haben
solche Linienselektionen aber eine Anzahl Reisversuchsstationen
durchgeführt. Ihr praktisches Ergebnis wird verschieden be-
urteilt. Die meisten sehen in der Linientrennung die Aufgaben
der Zukunft für die Reiszüchtung. Jack (73, S. 89—95) er-
wartet von ihr auf der Malaiischen Halbinsel eine Hebung des
Durchschnittsertrages, die sich je nach den örtlichen Wachs-
tumsbedingungen und Kulturmethoden zwischen 5 und 25%
bewegen werde.

Was versteht man unter Linientrennung? — Jede „Sorte“
oder ‚,Varietät‘‘ des Reises macht im ganzen zwar einen ein-
heitlichen Eindruck, d. h. die einzelnen Individuen stimmen in
den wichtigsten und hauptsächlich in die Augen fallenden Merk-
malen einigermaßen überein. Aber eben doch nicht ganz; ım
einzelnen findet man Abweichungen in ziemlich weiten Grenzen,
da die Sorte oder Varietät ein Gemisch verschiedener Formen
ist, deren Eigenschaften zum Teil wenigstens samenbeständig

10
        <pb n="15" />
        1! 1

sind. Will man eine einheitliche Form haben, so muß man von
einer einzelnen Pflanze ausgehen und nur die durch Selbst-
bestäubung und immer wieder durch Selbstbestäubung erzielte
Nachkommenschaft zur Vermehrung verwenden. Diese durch
stete Selbstbestäubung eines einzelnen Individuums erzeugte
Nachkommenschaft heißt eine „reine Linie‘. Das Verfahren,
auf diese Weise einen Bestand herzustellen, in dem alle einzelnen
Pflanzen bestimmte wertvolle Eigenschaften gleichmäßig auf-
weisen, nennt man deshalb Linientrennung oder „‚Svalöf-
System‘‘, weil es in der schwedischen Versuchsstation Svalöf
zuerst bei der Getreidezüchtung angewendet worden ist.

Von der Massenselektion unterscheidet sıch die Linientrennung
dadurch sehr wesentlich, daß man bei jener die einzuılnen ge-
wünschten Eigenschatten nacheinander erzielen kann. So kann
sich die Selektion z. B. zunächst auf die Kornfarbe erstrecken;
ist die gewünschte Farbe erreicht, wird auf Lagerfestigkeit oder
Ertragreichtum ausgewählt usw., indem man stets alle Pflanzen,
die die gewünschte Eigenschaft nicht zeigen, ausmerzt. Bei einer
reinen Linie müssen dagegen alle Eigenschaften, die gewünscht
werden, bereits in der Ausgangspflanze vorhanden sein. Die
richtige, vollkommen zielbewußte Auswahl der Ausgangspflanze
ist deshalb eine unerläßliche Voraussetzung für den Erfolg der
Linientrennung (43, S. 151).

Im Gegensatz zu der heute weit verbreiteten Ansicht, daß
das Verfahren der Linientrennung für die zukünftige Reiszüch-
tung von der größten Bedeutung sei, haben jahrelange Versuche
auf Java ergeben, daß die Veredlungszüchtung mittels Auslese
reiner Linien für Reis (und ebenso für Erdnuß und Sojabohne)
unter solchen Umständen, wie man sie bei Buitenzorg und im
allgemeinen auf Java findet, als unbrauchbar betrachtet werden
muß. Sie hat in bezug auf den gleichmäßig hohen Ertrag versagt.
Die Ursache liegt in den jährlichen Schwankungen der meteo10-
logischen Werte und in der Ungleichmäßigkeit der Böden. Die
Population, d. h. das Formengemisch, das die Varietät oder
Sorte darstellt, war unter ungünstigen Verhältnissen offenbar
in besserer Lage als die reinen Linien, da sie eben aus einer
        <pb n="16" />
        Menge von Linien bestand, die den Verhältnissen zum Teil besser
angepaßt sein werden, und die, wie man gefunden hat, sich
gegenseitig beeinflussen. So war die Bestockung in einer Mi-
schung gewöhnlich größer, als wenn die Linien ungemischt neben-
einandergepflanzt wurden. Als Beispiel ungünstiger Beeinflus-
sung sei angeführt, daß der Prozentsatz rispentragender Halme
durch Mischung in geringem Maße zurückgeht. Wo also die
Linienselektion keine guten Resultate gibt, ist die Methode
künstlicher Gemische die richtige. Nur muß man Linien
oder Sorten wählen, die sich unter den gegebenen Bedingungen
günstig beeinflussen.

Wo diese Methode nicht in Frage kommen kann, sollte man
den dritten Weg der Auslese beschreiten, den der Formen-
trennung und Sortenwahl. Kann man die Massenauslese
als Selektion innerhalb der Sorten oder Varietäten bezeichnen,
so ist die Sortenwahl die Selektion zwischen den Sorten oder
Varietäten. Diese, von denen jede für sich sehr typisch ist,
haben den Vorteil, daß sie nicht, wie die reinen Linien, so scharf
auf äußere Wachstumsverhältnisse reagieren, und daß die Pro-
duktion nicht so erhebliche Schwankungen aufweist. Die bei
diesem Ausleseverfahren angebrachte Methode ist erst vor kur-
zem von L. Koch an einer leicht zugänglichen Stelle (538, 5. 65
bis 69) dargestellt worden.

Nicht besonders wichtig für die Reiszüchtung ist die Kreu-
zung, d. h. die künstliche Bastardierung, da beim Reis bereits
eine außerordentlich große Auswahl von Formen zur Verfügung
steht. Die bei der künstlichen Kreuzung auszuführenden Hand-
oriffe sind in neuerer Zeit des öfteren beschrieben worden (58,
Ss: 70:79:43, 5: 156-164: 136-8110)

2
        <pb n="17" />
        III. Der Anbau.
1. Natürliche Vorbedingungen.

A. Temperatur. Schon die oben angegebene geographische Ver-
breitung der wilden Urform zeigt, daß der Reis ein Gewächs der
wärmeren Erdgebiete ist. Doch wird durch diese natürliche Ver-
breitung durchaus nicht die Grenze für die Möglichkeit der Reis-
kultur bezeichnet. Zu warm kann es dem Reis nicht werden
(46, 1. Bd., S. 115); die tropischen Ebenen sagen ihm sehr zu,
gebaut aber wird er heute bis weit in die halbtropischen Gebiete
hinein, auf der Insel Jesso (Japan) und in Spanien bis zum 42.,
in der Po-Ebene sogar über den 45. Breitengrad hinaus. Freilich
ist der Reis an diesen Grenzen seiner Anbaumöglichkeit immer
in Gefahr, in seinen entscheidenden Lebensperioden das Mindest-
maß seiner Ansprüche an Wärme und Licht nicht erfüllt zu er-
halten. In diesem Falle gibt er selbst dann eine schwache Ernte,
wenn er während seiner übrigen Vegetationszeit aus erhöhter
Temperatur und sonnigen Tagen Nutzen ziehen kann. In Nord-
italien fallen diese Perioden in die Zeit vor dem Schossen und in
die Zeit der Rispenbildung. In der ersten dürfen 14-—13° C, ‘in
der letzten 16—15° C nicht unterschritten werden.

Die Höhengrenze, bis zu der der Wasserreis gedeiht, steigt
innerhalb der Wendekreise bis 1200, ja bis zu 1600 m an. In
der Nähe der eben erwähnten Polargrenze ist lohnender Reisbau
nur noch in der Ebene möglich. Fesca fand zwar auf dem
Wadapasse in Japan, unter 36° n. Br., noch in 1200 m Höhe
Reisfelder, die aber „etwas kümmerlich‘‘ waren. In den Tropen
kann diese Kulturpflanze wegen ihrer kurzen Vegetationsdauer
zwei, aber selbst unter den günstigsten Verhältnissen wohl kaum
drei Ernten liefern. Aus Java schreibt Simon (121; 8.535):
„Benutzt man Sorten, welche eine kurze Vegetationsdauer be-
        <pb n="18" />
        | }
- EA
Abb. 2. Terrassierte Reisfelder in Mitteljava.
(Zur Verfügung gestellt von H. Winkler.)
        <pb n="19" />
        19

sitzen, so kann man bei schneller Bearbeitung in einem Jahre
zwei Ernten erhalten. Das bleibt aber in der Praxis das Maxi-
‚ mum. Fünf Ernten in zwei Jahren, wie man dies gelegentlich
t in Schilderungen über Java liest, sind wohl theoretisch möglich,
» aber praktisch nicht durchführbar, weil in diesem Falle die
Bodenbearbeitung so abgekürzt werden müßte, daß Wachstum
und KErnteerträge in kurzem sehr nachteilig beeinflußt
würden.“

Während der Vegetationszeit erfordert der Reis wenigstens
zwei, besser drei Monate lang eine Durchschnittstemperatur von
20°C. Die zum Ausreifen nötige Wärmesumme beträgt nach
Werner (83, 2. Bd., S. 958) 3500—4500° C. Doch gibt es

® auch kurzlebige Varietäten, die nur 3000°, 2800°, ja 2400°

ı brauchen (43, S. 39). Schon aus diesem Grunde dringt der Reis-

‘ bau auf der südlichen Erdhalbkugel mit ihren kühleren Sommern
längst nicht so weit polwärts wie auf der nördlichen; nur an
wenigen Stellen (Madagaskar, Südostafrika, Paraguay) über den
Wendekreis hinaus.

Weniger Wärme und etwas rauheres Klima als der Wasserreis

verträgt der Trockenreis, der deshalb noch weiter ins Ge-

ı birge hinaufgeht (daher in der Literatur oft auch „Bergreis‘“ ge-

ı nannt), in den Tropen bis zu Höhen von 2000 m und mehr.

Er gedeiht schon bei einem dreimonatlichen Temperaturmittel

von 18°C. Man hat versucht, den Trockenreis auch in sub-

! tropische Gebiete, sogar in Südfrankreich einzubürgern, aber

‘ vergeblich. Sehr kurzlebige Varietäten würden hier, ja noch an

ı manchen nördlicheren Punkten, der nötigen Wärmemengen

‘ nicht entbehren. Doch bleiben in der Hauptvegetationszeit die

Regen aus, die für Trockenreis, da er ohne Bewässerung gebaut

” wird, eine große Rolle spielen. Der Trockenreis gibt zwar ge-

‘ ringere Erträge als der Wasserreis, die bei einzelnen Varietäten.

von hervorragender, meist aber von minderer Qualität sind;

@ er wird aber dennoch in den weiten Tropengebieten Asiens in
‘ großem Maßstabe angebaut.

Fröste sind der Reiskultur schädlich. In Oberitalien liegt

' im April nicht selten Reif auf den Pflanzen. Ein kaltes Frühjahr
        <pb n="20" />
        16

kann die Entwicklung mindestens stark zurückhalten. Deshalb
gibt es dort eine Versicherung gegen Frostschäden.

B. Niederschläge, Licht und Wind. Die Kultur des Wasser-
reises wird, wie sein Name schon sagt, mit Bewässerung be-
trieben. Atmosphärische Niederschläge und Luftfeuchtigkeit
sind deshalb für ihn nicht von ausschlaggebender Bedeutung,
wie die ausgedehnten subtropischen Reisgebiete beweisen. In
Kalifornien, Sindh und Ägypten dürfte die relative Luftfeuchtig-
keit am Tage während langer Zeit des Jahres unter 40% betragen.
Gut bewässertem Reis ist trockene Witterung sogar dienlicher
als reichliche Niederschläge, die stets mit bewölktem Himmel
verknüpft sind.

Das Licht aber ist von höchster Bedeutung für das Gedeihen
des Reises. Längere Zeit dauerndes dunkles Wetter, Unkräuter,
die ihn überwuchern, Baumschatten kann den Erfolg der Kultur
in Frage stellen.

Sobald der Reis in Rispen steht, leidet er durch Regen be-
sonders stark, noch mehr durch heftige Winde, die, mit jenem
vereint, zum Lagern der Halme führen und bei den Varietäten,
die zum Abwerfen der reifen Früchte neigen, den Verlust noch
vergrößern.

Ohne künstliche Bewässerung, nur vom Regenfall abhängig,
kann der Reis allerdings nur in wenigen Ländern der Erde ge-
deihen. Eine Niederschlagshöhe von mindestens 360 mm ist
dann erforderlich, dazu geringe Verdunstung, die aber wie-
der den Ertrag herabmindert. Auf den Philippinen hat man näm-
lich die Erfahrung gemacht, daß die Entwicklung und der Ertrag
des Reises parallel gehen dem Maße des durch ihn verdunsteten
Wassers. Die Verdunstung wird beeinflußt durch Temperatur,
Luftfeuchtigkeit, Wind, Licht und andere klimatische Faktoren
(103).

Bedeutend anspruchsloser ist der trocken kultivierte Reis,
wenngleich auch er noch ein größeres Wasserbedürfnis hat als
die meisten anderen Getreidearten. Außerdem ist für ihn die
Verteilung des Regens besonders wichtig. Daher die Mißernten
und in ihrem Gefolge die Hungersnöte im Trockenreis bauenden
        <pb n="21" />
        1.

Indien, wenn die Monsunregen zu schwach einsetzen oder sich
verspäten. Doch ist die Verteilung der Niederschläge auch für
den Wasserreis von der höchsten Bedeutung; in der Zeit der
Ernte darf es nicht übermäßig regnen, da sonst großer Schaden
entstehen kann durch Erhöhung der Erntekosten, Herabsetzung
der Beschaffenheit oder selbst durch gänzlichen Verlust der
Ernte. Diese Verhältnisse werden in den Tropen auf die Saat-
zeit, in den Subtropen auf die Wahl kurz- oder langlebiger Sorten
immer einen großen Einfluß ausüben. — Weitere Angaben über
das Klima s. im Abschnitt V „Geographie und Statistik“.

C. Boden. Bei der Beurteilung der Reisböden spielt ihre che-
mische Zusammensetzung eine geringere Rolle als ihre physi-
kalische Beschaffenheit (73, S. 11). Copeland (43, S. 48) sagt
sogar, einen physikalisch geeigneten Boden könne man unbe-
denklich für Reis verwenden, denn seine chemischen Unzuläng-
lichkeiten ließen sich durch Anwendung von Dünger ausgleichen.
Mit Ausschluß des Torf-, Moor-, unfruchtbaren Sand- oder
Geröllbodens nimmt der Reis mit allen Bodenarten vorlieb.
Die mäßig schweren, von Natur reichen Ton- und Lehmböden
liefern die höchsten Erträge; aber auch der junge Schwemm-
landboden in Flußniederungen eignet sich vorzüglich für den
Anbau. So trifft man im östlichen Java, südlich von Surabaya,
in der Residentschaft Passuruan, einen schwarzen Schwemm-
boden vulkanischer Herkunft, der außerordentlich reich an
Phosphorsäure ist. Er bringt erstaunlich hohe Ernten und ist
als bester Kulturboden auf Java anzusehen. Kalkgehalt des
Bodens scheint das Reiswachstum günstig zu beeinflussen. Auf
salzhaltigem Boden gedeiht der Reis im allgemeinen nicht,
Doch hat P. Ammann bei Richard-Toll am Senegal eine wilde
Reisart auf Salzboden entdeckt, die, wenn sie kulturwürdig sein
sollte, für solchen Boden in Betracht käme. Auch sonst gibt es
einige Kulturvarietäten, die Kochsalz bis zu einem gewissen Grade
ertragen; einigen Sorten auf den Philippinen und in Brit.-Indien
dient das Brackwasser der Flußmündungen als Irrigationswasser.

Als gute Reisböden in Indien werden angegeben: Kalk, kalk-
reicher Humus, sandiger, an organischen Bestandteilen reicher
Winkler, Reis (Monograph. z. Landwirtsch. warm. Länd.). Ba. IIL. 9

4
        <pb n="22" />
        a}
Lehm. Die alten, meist stark lehmigen, sehr wenig humösen
Reisböden Javas zeichnen sich durch feines gleichmäßiges Gefüge
und Tiefgründigkeit aus (46, S. 17). Jack (73, S. 12) gibt {fol-
gende Gütetabelle der Reisböden der Malaiischen Halbinsel und
bemerkt dazu, sie könne allgemein als Grundlage zur Beurtei-
lung des Reisbodens genommen werden, wenn dem Bedürfnis
der Bewässerung genügt werden kann:
Klasse | Humus Ton | Feinstaub [Staub | Sand X
I 3—7 25—65/ 20—60 10—25| 2—10
2 | 2—5 15—30/| 25—40 15—35/20—40
Ss = 5—20 En
ı (außer Moor)
Moor Ik über 10_ 115—40! 20—50 ..5—15' 0—10

Fesca (56, S. 116) sagt über den Reisboden, daß für den An-
bau des Wasserreises der Boden möglichst hohes Absorptions-
vermögen für Pflanzennährstoffe mit hinreichender Durchlässig-
keit verbinden soll. Bei schwachem Absorptionsvermögen wer-
den durch die Bewässerung um so größere N ährstoffmengen aus-
gewaschen, je durchlässiger der Boden ist. Zu große Durch-
lässigkeit bedingt reichlichen Wasserbedarf zur Bewässerung,
dagegen machen sich in zu undurchlässigem Boden die schäd-
lichen Folgen des Luftmangels geltend. Je schwerer und un-
durchlässiger der Boden ist, desto nachteiliger wirken hoher
Eisen- und Humusgehalt; viele Reisböden sind mit Raseneisen-
steinadern und -Bröckchen oder fuchserdeartigen Bildungen
durchsetzt. Außerdem ist die Wirkung des Humus im Reisfelde
überhaupt eine weniger günstige als im trockenen Felde; sehr
humusreiche Reisböden geben stets saure Reaktion. Bei hin-
reichender Durchlässigkeit lassen sich diese Übelstände aber
durch sachgemäße Bearbeitung, Düngung, Bewässerung und
Trockenlegung des Bodens sehr wohl beseitigen.

Etwas reichliche Durchlässigkeit verdient vor zu großer Un-
durchlässigkeit entschieden den Vorzug, wenn freilich dabei die
Düngerausnutzung durch Auswaschung leicht beeinträchtigt
werden kann. Auch auf schwerem, wenig durchlässigem Boden
werden häufig recht hohe Erträge gewonnen, doch ist die Ernte

8
        <pb n="23" />
        geringerwertig; die Körner sind mehlig und infolgedessen nicht
nur eiweißärmer, also von geringerem Nährwert, sondern auch
zu weich, um den Prozeß des Schälens gut zu überstehen; sie
liefern eine erhebliche Menge Bruchkörner. Glasige, eiweißreiche,
hinreichend harte Körner werden nur auf durchlässigem Boden
gewonnen. Die Ursache der Erzeugung mehliger Körner ist
wahrscheinlich mangelhafte Nitrifikation, die auf dem Reisfelde
an und für sich geringer ist als auf trocknem Lande und bei zu
großer Undurchlässigkeit des Bodens wohl gänzlich aufhört.

Die vielfach verbreitete Vorstellung, der Reis gedeihe am
besten auf Sum pfboden, ist vollständig irrig; wenngleich der
Reis auf solchem Boden wohl auch fortkommt, so verdienen doch
trockene Böden, die sich planmäßig bewässern lassen, bei weitem
den Vorzug. Granit, Gneis, Lava, Andesit, Grauwackesandstein
u. dgl. liefern gute, durchlässige Reisböden, während Diabase,
Basalte usw., überhaupt quarzfreie Gesteine, besonders Augit-
gesteine, sehr undurchlässige Böden liefern. Wenn auch der Reis
nicht zu den tiefwurzelnden Pflanzen gehört, ist doch für die
Beurteilung des Bodens nicht nur die Beschaffenheit der oberen
Schicht maßgebend, sondern auch die des Untergrundes, da sie
auf die größere oder geringere Durchlässigkeit des Bodens von
großem Einfluß ist.

2. Bodenbearbeitung.

Absehen möchte ich hier von jenen Reisfeldern, die auf Java,
„muras sawahs“‘‘, in Italien „risaje di zappa‘‘ heißen, auf tief-
gelegene, sumpfige Böden beschränkt, wo andre Kulturen un-
möglich sind. Da der Reis noch einigermaßen auf solchen Län-
dereien gedeiht, werden sie, ohne Fruchtwechsel, für seinen
Anbau ausgenutzt, nehmen aber überall nur geringen Umfang
ein, auf Java z. B. etwa 2% der gesamten Reisfläche. In etwas
ausgedehnterem Maße scheint feuchter Niederungsboden mit
hohem Grundwasserstand, der für keine Kultur außer Reis ver-
wendbar ist, sog. ‚„laidam‘‘, in Turan zum Reisbau benutzt zu
werden (34, S. 119—120, 184, 248). Hier folgt der Reis 3—4 Jahre

19
        <pb n="24" />
        20

sich selbst, dann läßt man den Boden ein Jahr brach liegen,
pflügt wiederholt um und bringt wieder Reis auf den Acker.
Wo es die Vorflutverhältnisse gestatten, ist die Drainierung sol-
chen Geländes sehr lohnend. 1—1!/, Fuß lange Bambusrohre
haben sich als Ersatz der Tonröhren sehr bewährt. Sie sind
zwar weniger dauerhaft als jene, aber dauerhafter und auch
wirksamer als Faschinen- oder Steindrainage, da man das für
die abzuführende Wassermasse erforderliche Kaliber in gleicher
Weise wie bei Tonröhren anwenden kann (56, S. 129).

Im übrigen gestaltet sich die Bodenbearbeitung sehr ver-
schieden für den Trockenreis und den Wasserreis.

Der Trockenreiswirdin den Gegenden Südostasiens, wo noch
Urwald die Gebirge bedeckt, wie in Siam, Hinterindien, Sumatra,
auf der Malaiischen Halbinsel, den Philippinen durch ein in den
Schan-Staaten „taungya‘‘ genanntes System fast reinen Raub-
baues gewonnen. Der Wald wird geschlagen und niedergebrannt
und so ein Boden hergerichtet, der einige Jahre ohne mühevolle
Bearbeitung seinen Ertrag gibt. Ist er ausgesogen, dann geht der
primitive Ackerbauer weiter, um einem andern Waldstück das-
selbe Schicksal zu bereiten. In den Schan-Staaten hat man ver-
sucht, durch Düngung und geordneten Fruchtwechsel das Land
unter dauernde Kultur zu bringen. In den Vereinigten Malai-
ischen Staaten ist der Anbau des Trockenreises Einschränkungen
durch die Regierung unterworfen, um die Waldverwüstung zu
verhindern. Neben diesem Verbot bemüht man sich ebenfalls
durch förderliche Maßnahmen gegen die bei den Eingeborenen
durch jahrhundertelange Übung festgesetzte Gewohnheit anzu-
kämpfen, z. B. durch Kalken und organischen Dünger, ver-
bunden mit Fruchtwechsel, den Boden dauernder Benutzung
zuzuführen. Übrigens hat man hier die Erfahrung gemacht, daß
infolge des Brennens der Boden durch erhöhte Bakterientätig-
keit (weil die auf den Bakterien schmarotzenden Protozoen durch
das Brennen zum größten Teil vernichtet werden, die Bakterien
aber nicht) stickstoffreicher wird (112 und 113). Außerdem ist
auf solchem frischen Boden der Wettbewerb der Unkräuter und
die Schädigung durch Krankheiten herabgesetzt. Auf den
        <pb n="25" />
        21

Philippinen heißen die geschlagenen Waldstücke ‚caingin‘‘;
auch hier sucht die Regierung diese Methoden einzuschränken,
um den Wald zu schützen und die Ausbreitung der Alang-Gras-
felder zu verhindern (31).

Aber auch in starkbevölkerten Gebieten mit seßhaften Be-
wohnern, wie in Vorderindien und auf Java, wo kein Urwald
mehr vorhanden ist, wird beim Anbau des Trockenreises der
Boden wenig ausgenützt. Auf Java befinden sich die trockenen
Reisfelder, die von den Holländern wie auf der Malaiischen
Halbinsel Tengalans, von den Sundanesen auf Java ,uma‘*,
den Javanen „tipar‘‘, ‚„gaga‘‘ oder „gogo‘‘, von den Battas auf
Sumatra ‚„‚ladang‘“ genannt werden, an Örtlichkeiten, die wegen
ihrer Abschüssigkeit für die Anlage von terrassierten nassen
Reisfeldern (Sawahs) nicht mehr geeignet sind, z. B. bis 1200
oder 1300 m hoch an den steileren Hängen und auf isolierten
kleineren Bergkegeln, die sich aus der sawahbedeckten terras-
sierten Hochebene oder den flachen Tälern erheben. Diese Felder
sind gewonnen durch mühselige Bearbeitung solcher Gelände,
die mit Alang-Alang (Imperata arundinacea), Glagah-Gras
(Saccharum spontaneum) und Strauchwerk bestanden
waren. In der zweiten Hälfte der trockenen Zeit (Ostmonsun)
wird zunächst das trockene Gras und Gesträuch niedergebrannt.
Dann wird das Feld einmal mit der Hacke (patjul) umgearbeitet
und später mit einer schweren Egge geeggt. Seltner benutzt
man zur Bearbeitung den Pflug (brudjul), weil der Boden für
ihn meist zu abschüssig ist, und auch die Wurzeln dem Pfluge
einen zu großen Widerstand bereiten. Die freigelegten Wurzeln
werden ebenfalls verbrannt, und nun das Land einige Zeit sich
selbst überlassen, damit die noch vorhandenen lebenden Pflanzen-
reste absterben und vertrocknen können. Dann wird in größeren
Zwischenräumen noch zweimal gehackt oder gepflügt und dar-
auf geeggt. Die ganze Bearbeitung nimmt 3—4 Monate in An-
spruch, je nach dem vorherigen Zustande des Bodens und dem
Grade seiner Verunkrautung. Um nach dieser Reinigung in den
geneigten Lagen das Abspülen des Bodens zu verhüten, legt man
zuweilen kleine Terrassen an oder sucht durch dünne, von ein-
        <pb n="26" />
        9

gerammten Pfählen festgehaltene Baumstämme dem abge-
spülten Erdreich Gelegenheit zum Wiederansetzen zu geben;
auch dadurch bilden sich im Laufe der Zeit kleine, unregelmäßige
Terrassen. Im allgemeinen verzichtet man aber wegen der
schweren Arbeit und des geringen Ertrages solcher Äcker auf
Terrainverbesserungen und nimmt lieber eintretende Schäden
in Kauf,

Wird das Feld für den Trockenreis also im ganzen nach den
Methoden vorbereitet wie sonst ein Getreidefeld, so gestaltet
sich die Bodenbearbeitung für den Wasserreis ganz anders, da
künstliche, genau zu regulierende Bewässerung die Voraus-
setzung seines Gedeihens ist. Dazu muß der Boden sorgfältig
nivelliert werden; denn, wenn die Wasserbedeckung eines Reis-
feldes nicht gleichmäßig ausfällt, können sich schwere Schäden
ergeben: auf den höheren, weniger tief bewässerten Stellen nimmt
das Unkraut überhand, an den tiefen Stellen mit zu hohem
Wasserstande kann sich die Reispflanze nicht kräftig entwickeln,
wird ‘vor allem am Schossen verhindert ; ferner bildet sich im
unteren Teile des Halmes das mechanische Stützgewebe nicht
richtig aus, so daß solcher Reis mehr zum Lagern neigt. Auf
Gelände mit Höhenabstufungen werden überall sorgfältig nivel-
lierte Terrassen gebaut. Diese Methoden der Bewässerung und
der damit zusammenhängenden Bodenbearbeitung kennt man
in den alten Reiskulturländern seit urdenklichen Zeiten. Wo
Terrassierung des Bodens nötig ist, ergibt sich eine ungleiche
Größe der — von Deichen umgebenen — Felder von selbst.
Kin solches Feld heißt im Malaiischen „sawah‘‘, ein Name, der
sich in der Reisliteratur weit verbreitet hat; in englischen Schrif-
ten wird von „paddy“‘‘, „check‘‘, „cut“ gesprochen. Die Aus-
dehnung der Felder sinkt in Japan und China, den klassischen
Ländern des Kleinbodenbesitzes, oft auf eine Fläche von wenigen
Quadratmetern. Aber auch in Ländern mit feudalen Besitzver-
hältnissen und ebenerem Gelände, wie Italien und den Süd-
staaten der Union, werden die großen Reisfelder durch Deiche
in kleinere Fächer geteilt, um eine gleichmäßigere, langsam
fließende Bewässerung durchführen zu können. (Das Schema
        <pb n="27" />
        23

eines italienischen Reisfeldes s. 105, S. 48, Fig. 26). Zu den sorg-
fältigsten Terrassenbauten gehören die der Igorots in Nord-
Luzon (43, die Titeltafel und die Tafel bei S. 242). Am nächsten
kommen ihnen die Bewässerungsanlagen in Lombok und Yunnan.
Die Höhe und Breite der Dämme ist von den verschiedensten
Umständen abhängig; in erster Linie von der Größe des ein-
gedeichten Faches und von der Stauhöhe: kleine Fächer und
niedrige Stauhöhe erfordern weniger hohe und schwächere
Dämme als große Fächer und höhere Stauung. Auch die Bindig-
keit des Bodens spielt eine Rolle. Die Dämme sind daher in den
einzelnen Reisbauländern sehr verschieden; in Italien z. BD.
weniger steil und viel breiter als in Java, an der Sohle 1!/,—2 m,
an der Krone 50—60 cm breit. (82, S. 151.) Denn eine Stauhöhe
von 30 cm ist in Italien keine Ausnahme, während in Java eine
solche wohl nie erreicht wird. In Ländern mit Großkultur, wie
Italien, sind diese Dämme um die Reisfelder keine langlebigen
Bauwerke. Wenn in der Fruchtfolge Weizen, Raps usw. an die
Reihe kommt, bilden sie bei der Bearbeitung der großen Felder
und bei der Ernte nur Hemmnisse, werden deshalb niedergelegt
und vor der nächsten Reiskultur wieder errichtet. Um diese
kostspielige Arbeit zu vermeiden, haben amerikanische Sach-
verständige geraten, die Flanken der Dämme so schräg zu legen,
daß Maschinen, die zur Feldbestellung und Erntearbeit dienen,
sie überwinden können. In Kalifornien wendet man zum Formen
der Dämme Maschinen an, sog. „checker‘“ (43, S. 170 u. 212).
Da das Stauwasser aus Brunnen, größeren stehenden Wasser-
ansammlungen oder meist aus Bächen und Flüssen entnommen
wird, ist die Hauptvorbedingung für die Bewässerung der Reis-
felder die Anlage eines ausgedehnten Leitungssystems. In
China, das von Natur mit einem vorzüglichen, im Laufe der lan-
gen Kultur durch zahlreiche Kanäle noch erweiterten Wasser-
netz ausgestattet ist, sind die Bewässerungsanlagen im allge-
meinen ziemlich rückständig und entsprechen einer jahrtausende-
langen, jeder Neuerung abholden Tradition.
Auf Java werden kleinere Kanalsysteme, die dort genügen,
wo ein von einem Fluß durchströmtes, nicht zu breites Tal be-
        <pb n="28" />
        4 4 A E 4
SS
Abb. 3. _Das Einebnen der Reisfelder auf Java.
(Aus: Tropenpflanzer, 16. Jahrg., 1912. Verlag des Kolonial-Wirtschaftl. Komitees, Berlin.)
        <pb n="29" />
        25

wässert werden soll, von den Anliegern selbst in recht einfacher
Weise hergestellt und unterhalten. Es ist nur erforderlich, von
dem Wasserlaufe rechts und links in bestimmten Abständen
kleine Kanäle abzuzweigen; die zu den einzelnen Sawahgruppen
führen. Die Ableitung der Kanäle erfolgt meist in der Weise,
daß man an geeigneten Stellen des Wasserlaufes kleine Strom-
brecher und Staudämme vom Ufer aus in den Fluß hineinbaut,
die so viel Wasser abfangen, wie für den Kanal erforderlich ist.
Diese Staudämme pflegen im Gebirge, wo Steine zur Verfügung
stehen, lediglich aus diesem Material mit etwas Erdreich und
Grasnarbe aufgeführt zu werden. Dagegen bestehen sie bei
größeren Flüssen in ebenerem Terrain entweder aus Steinen, die
mehr oder weniger sorgfältig durch Bambusgeflecht zusammen-
gehalten werden, oder aus Bambusrohr sowie Stämmen von
Kokos- und anderen Palmen, die ebenfalls durch Flechtwerk fest
verbunden sind. Solche Bauwerke haben die Festigkeit, die
nötig ist, um bei starken Regengüssen und plötzlichem An-
schwellen der Flüsse nicht durch mitgewälzte Steine zerstört
zu werden. Die abgezweigten Kanäle lösen sich schließlich in
ein Astwerk von Kanälchen auf, die zu den einzelnen Sawahs
führen. Starke Bambushalme, ausgehöhlte halbierte Palmen-
stämme, Blattscheiden der Banane bilden häufig ihr Leitungs-
bett.

Auf besonders hoher Stufe steht das Bewässerungswesen der
Insel Lombok. Charakteristisch für die Reiskultur sind hier die
„Subak““-Vereinigungen der Eingeborenen. Um ein planmäßiges
Zusammenarbeiten bei der Bewässerung zu erzielen, schließen
sich die Anwohner eines Flüßchens oder eines Berges zusammen.
Diese Vereinigung hat sich im Laufe von Jahrhunderten zu
festen Verbänden entwickelt, die in einem Reglement, der „kerta
sima subak‘‘, einem jeden Teilhaber seine Pflichten und Rechte
zuerteilen. In Java und in andern Reisbaugebieten Südost-
asiens, wie Siam, Burma, Cochinchina, sind von den Regie-
rungen umfangreiche Bewässerungssysteme geschaffen worden.
In den modernen Ländern des Reisbaues, Spanien, Italien, den
Südstaaten der Union, sind die Leitungsanlagen für die Reis-
        <pb n="30" />
        26
bewässerung Unternehmungen, die dem Reisbau das Wasser
gegen Entgelt liefern.

Die der Aussaat unmittelbar vorausgehende Bearbeitung der
nassen Reisfelder gestaltet sich in den einzelnen Gebieten sehr
verschieden. Die wichtigsten allgemeinen Gesichtspunkte
nach denen diese Arbeit betrieben werden sollte, sind folgende:
Ungemein wichtig ist die zeitweise Trockenlegung der abge-
ernteten Reisfelder._ Besonders günstig für die Bodenbearbeitung
ist_der_Fruchtwechsel_mit einer Frucht, die trocknen Boden
verlangt; wo_dies nicht geschieht, sollte der Boden möglichst
lange trockengelegt werden. Dabei ist Tiefkultur um so nötiger,
je schwerer der Boden ist; bei flacher Kultur ist zwar der Stroh-
ertrag häufig besser, der_Körnerertrag aber geringer, und die
Pflanzen sind weniger widerstandsfähig. Wegen der im bewäs-
serten_Reislande ständig vor sich gehenden Raseneisenstein-
bildung ist tiefe Lockerung besonders notwendig. Sorgfältiges
Ebenen des Reisfeldes, womöglich im trocknen Zustande, mit
Egge und Schleife als Vorbedingung einer gleichmäßigen Stau-
höhe ist um _so_nötiger, je schwerer _der Boden ist. Das nicht-
bestellte Reisfeld_ sollte man im trocknen Zustande möglichst
lange in rauher Furche liegenlassen. Ständig nassen Feldern
kann man nicht die günstige physikalische und chemische Kon-
stitution geben wie solchen, die sich trockenlegen lassen; sie
werden stets minderwertige Felder bleiben. Immerhin sollte man
bestrebt sein, durch möglichst tiefe Lockerung mit hakenartigen
Instrumenten, Eggen, Krümmern usw. für_ möglichst gute
Durchlüftung der nassen Felder zu sorgen (56, S. 119).

Die Bearbeitung des Bodens geschieht in Ländern mit Klein-
und Kleinstbetrieb noch vielfach mit_ der Hacke oder mit einem
urtümlichen hölzernen Pfluge. Vielfach findet_man_ auch in
Italien noch den Pflug. Da hier die Reisfelder viel größer sind
als in den asiatischen Reisgebieten, wird aber in zunehmendem
Maße mit Maschinen gepflügt, vorzüglich im östlichen, tiefsten
Teil der Po-Ebene, wo sich sehr große Güter mit schwerem Boden
ausdehnen, der teilweise tiefer als der Meeresspiegel liegt. Stel-
lenweise wird ein gemischter Betrieb — Tiere und Maschinen —
        <pb n="31" />
        für das Vorteilhafteste gehalten. Im Gebrauch sind Lokomobilen,
das englische System von John Fowler, früher auch das deut-
sche von Heucke. In neuerer Zeit kommt das Pflügen mit
Kabelsystemen immer mehr auf. Es gibt in Oberitalien zwei
Gesellschaften, welche das Pflügen gegen Entgelt unternehmen;
die eine arbeitet mit Elektrizität, die andere mit Dampfkraft.
Sehr verbreitete Anwendung finden dabei zweischarige Oliver-
Pflüge. Im Jahre 1914 sind von der Versuchsstation für Reisbau
in Vercelli mechanische Bodenbearbeitungsversuche mit acht
verschiedenen Dampf- und Motorpflügen ausgeführt worden.
Darüber berichtet A. Tarchetti in Giornale di Risicoltura, IV,
Vercelli 1914, S. 65—80, 103—107, 122—128.

Eine sehr wichtige Arbeit, die dem Pflügen folgt, ist die Zer-
kleinerung der Schollen, die in den meisten Reisgebieten sehr
sorgfältig ausgeführt wird. Denn je gleichkörniger der Boden
ist, um so gleichmäßiger wird die Saat aufgehen; und darauf
beruht die Aussicht, daß das Unkraut unterdrückt werden, und
die Frucht gleichmäßig reifen kann. Die verschiedensten Instru-
mente sind dazu in Gebrauch, in Java z. B. eine einfache hölzerne
Egge mit weitstehenden Zähnen, die, wenn nötig, mit Steinen
beschwert und so oft durch den Acker gezogen wird, bis die
Schollen vollständig zertrümmert sind. In Italien wird der ge-
pflügte Boden zunächst geeggt und darauf noch besonders das
Zerkleinern der Schollen mit Hacken durch Frauen besorgt.
In Louisiana benutzt man zum Pulverisieren des Bodens Schei-
beneggen oder rotierende Zahneggen; erstere arbeiten besser
auf hartem, scholligem, letztere auf weniger festem Boden (123,
S. 637). Auch Walzen dienen zu dieser Arbeit. — Auf sehr
durchlässigem Boden ist in Italien vor dem Eggen noch ein
Undurchlässigmachen (calpestamento) des Bodenuntergrundes
üblich. Das geschieht auf einfache Weise dadurch, daß man
schwere Karren u. dgl. durch das bewässerte Feld fährt und das
Vieh hineinläßt; vollkommener wird der Zweck erreicht durch
ein eigenes Gerät, das einem schwer konstruierten „Cambridge
roller‘, wie man ihn zum „Trockenfarmen“‘‘ verwendet, ähnelt.
(105, 5. 33-35; 82, S. 151).

927
        <pb n="32" />
        Sl
ea |
Abb. 4. Das Pflügen der Reisfelder mit Ochsen auf Java.
el ll —— A ll
(Aus: Tropenpflanzer, 16. Jahrg., 1912. Verlag des Kolonial-Wirtschaftl. Komitees, Berlin.)
        <pb n="33" />
        29

In neuester Zeit sind auch im Malaiischen Gebiete Versuche
mit maschinellem Reisbau gemacht worden, der hier natürlich
nur für große Gesellschaften in Frage kommt, die Reis im
Wechsel mit anderen Großkulturen, wie Tabak und Zuckerrohr,
bauen. Die Deli Maatschappij hat 1920 zum ersten Male Ma-
schinen zur Reiskultur herangezogen, vorläufig noch nicht zum
Säen, Jäten und Ernten, sondern nur zur Bodenbearbeitung
(Pflügen und Eggen). Der Fordson-Tractor und der Mc. Kay
disk plow haben sich zur Bearbeitung eines mit dichtem Gras,
Sträuchern und Schlinggewächsen bestandenen Geländes aus-
gezeichnet bewährt und die Arbeit um mehr als ?/, gegenüber
dem Betrieb mit Ochsengespann verbilligt. Für tieferes Pflügen
als 8—10 Zoll ist der Fordson-Tractor zu schwach.

Eingehende Versuche mit der mechanischen Reiskultur sind
auch in Cochinchina gemeinsam von der Landesverwaltung und
der Landwirtschaftskammer in Saigon angestellt worden, vor-
läufig ebenfalls nur auf dem Gebiete der Bodenbearbeitung.
Benutzt wurde ein Holt-Tractor, 45 PS, auf Raupenbändern
laufend (Modell caterpillar); zwei ebenfalls von Holt gelieferte
vierscharige Pflüge, eine norwegische Egge mit Metallrahmen.
Wenn sich bei dreimonatigen Versuchen auch herausgestellt
hat, daß an dem Traktor und dem Pfluge, sollen sie für Reiskultur
brauchbar sein, manche Veränderungen vorgenommen werden
müssen, so hat sich doch die Aufgabe der mechanischen Boden-
bearbeitung tropischer Reisfelder als durchaus lösbar erwiesen.

Erwähnenswert ist noch, daß zur Bodenbearbeitung der
großen Reisflächen in Italien und den Südstaaten das Ziehen
von Gräben gehört, die hier bestimmte Vorteile bieten. In Nord-
amerika werden die in den feuchten Flußniederungen liegenden
Reisfelder von einem 1—1!/, m tiefen, mehrere Meter breiten
Kanal durchzogen, auf dem zur Zeit der Ernte das Korn mit
Booten eingebracht wird. Die italienischen Reisfelder werden
durch 20—25 cm tiefe Gräben in etwa 8 qm große Vierecke
geteilt; es ist klar, daß ein solches Grabensystem bei so großen
Fächern der Reisfelder, wie sie in Italien vorkommen — bis
zu mehreren Hektar — die Verteilung des Berieselungswassers
        <pb n="34" />
        30

erleichtern und die Trockenlegung des Feldes beschleunigen
helfen. Beim Einlassen des Wassers fließt dieses zunächst durch
das Netzwerk der Gräben und tritt aus diesen dann gleichmäßig
auf alle Teile des Feldes über. Beim Entwässern verbindet man
einen oder mehrere der Gräben mit dem Ableitungskanal, und
das ganze Feld wird wiederum sehr gleichmäßig entwässert (82,
S. 150).

Das Pflügen, Eggen und sonstige Zerkleinern der Erdklumpen
wird entweder im trocknen oder im überschwemmten Zustande
der Felder vorgenommen. In Italien pflügt und eggt man trocken,
weil der Boden nicht besonders schwer und zur Zeit des Ackerns
— November, Dezember —- ziemlich feucht ist. In den Süd-
staaten wendet man das Naßpflügen auf schwer zu bearbeitenden
Böden an, z. B. den „Buckshot‘“-Tonböden; ferner bei starker
Austrocknung eines Bodens, wie sie manchmal in der Periode
nach dem Brachliegen der Felder eintritt (123, S. 637).

Das feuchte Tropenklima, z. B. Javas, das den Unkrautf-
wuchs sehr fördert, macht die nasse Bearbeitung der Reisfelder
nötig, besonders auf schwerem Boden. Nach der auf die Ernte
folgenden, oft nur einen Monat dauernden Brache überflutet
man das Feld kurze Zeit, bis es gut durchfeuchtet ist, läßt dann
das Wasser zum größten Teil ablaufen und hackt oder pflügt.
Bei dieser ersten Bearbeitung wird der Boden nur in grobe
Schollen zerlegt und nicht weiter zerkleinert. Dann wird der
Sawah zum zweiten Male unter Wasser gesetzt und unter be-
ständiger Wasserzufuhr gehalten. Dadurch wird die bereits
begonnene Verwesung der Pflanzenstoffe im Boden weiter ge-
fördert und vermag in größere Tiefe vorzudringen. Nach etwa
8—10 Tagen wird zum zweitenmal, schräg gegen die erste
Furchenrichtung, gepflügt, wobei die von den Sawahdämmen in-
zwischen abgehackte Unkrautdecke in den Boden kommt. Jetzt
folgt nochmal eine einwöchige Überflutung, die den weiteren
Zerfall der festen Erdschollen und die gänzliche Verwesung
der noch vorhandenen Pflanzenreste herbeiführt. Einige Tage
später beginnt man, ohne das Wasser vorher abzulassen, den
Sawah zu eggen. Dies geschieht meist nur einmal, bei klumpigem
        <pb n="35" />
        Boden aber auch zweimal oder öfter; jedenfalls muß es solange
fortgesetzt werden, bis das Erdreich vollständig durchgearbeitet
ist und eine breiige Konsistenz besitzt, dann erst hat es die
richtige Beschaffenheit. Zum Schluß wird der Sawah noch
mit einem gestielten Brett sorgfältig geebnet, damit nicht später
beim Überfluten das Wasser an einzelnen Stellen stehenbleibt,
andere aber nicht bedeckt. Jetzt erst, nach einer Bearbeitungs-
dauer von etwa 50 Tagen, ist der Sawah für das Auspflanzen
der Sämlinge bereit. — Auch in Italien bildet den Abschluß
der Bodenbearbeitung vor der Saat das sorgfältige Einebnen
des überrieselten Ackers; auch hier benutzt man dazu eine
2—3 m lange, 50 cm breite Bohle, die in Querlage durch ein
Pferd über den Boden geschleift und durch den auf ihr stehenden
Führer beschwert wird. Dieses einfache Instrument wird
„spianone‘* genannt (105, S. 53, Fig. 32).

Auf Java und in anderen Teilen des tropisch-asiatischen Reis-
baugebietes gibt es auch Sawahs, die nicht künstlich, sondern
nur durch aufgestautes Regenwasser bewässert werden. Mit der
Bearbeitung wartet man, bis der Westmonsun genügend Regen-
fälle gebracht hat, und der Boden hinreichend erweicht ist.
Fallen die Regengüsse während der Bearbeitung spärlich, so
muß man die Arbeiten in die Länge ziehen und solange warten,
bis das Erdreich die erforderliche Wassermenge erhalten hat.
Die künstlich bewässerten Reisfelder in den Tropen können
dagegen unabhängig von der Jahreszeit bebaut werden, wes-
halb man oft Felder in den verschiedensten Entwicklungsstadien
und in der Brache nebeneinander sieht. Auf den vom gestauten
Regenwasser abhängigen Sawahs kann nur nach Beginn der
Regenzeit gesät werden (121, S. 472).

3. Düngung.

Die Düngung der Reisfelder wird in den verschiedenen Teilen
des Reisbaugebietes sehr verschieden gehandhabt. In Burma,
auch auf den Philippinen werden nur die Saatbeete (s. unten
S. 49) gedüngt. Auf Java kennt man eine rationelle Düngung

A
©
„1
        <pb n="36" />
        39

der nassen Reisfelder' nicht. Jack (73, S. 62) berichtet, daß
die Eingeborenen auf der Malaiischen Halbinsel stellenweise mit
Knochenmehl, Blutmehl und Guano düngen. Auf die Felder
wird dieser Dünger breitwürfig gestreut oder nach der Boden-
bearbeitung mit dem Berieselungswasser geführt. Zuweilen
düngt man auch die Saatbeete, oder man steckt nur die zur Ver-
pflanzung herausgezogenen und gebündelten Sämlinge in einen
Teig von Dünger.

Das Berieselungswasser stellt in Gebirgsgegenden mit leicht
zerstörbaren oder löslichen Gesteinen eine reiche, dazu oft fast
die einzige Nährstoffquelle dar. Die Nährstoffe sind im Wasser
entweder gelöst enthalten oder finden sich darin ungelöst, als
Gesteinsteilchen in Schlammform schwebend. Diese letzteren
werden, solange das Wasser noch ein hinreichendes Gefälle be-
sitzt, mitgerissen und erhalten sich schwebend; sie sinken aber
schnell zu Boden, sobald die Strömung des Wassers langsamer
wird. Das ist nun insbesondere der Fall, wenn das Wasser auf
das Reisfeld geleitet wird. Diese Tatsache ist zu berücksichtigen,
wenn man zu entscheiden hat, wie viele Sawahs mit demselben
Wasser überströmt werden können, ohne daß dieses dabei zu
arm an Sinkstoffen wird. Die Wasserführung durch das Reis-
feld wird nie eine ganz gleichmäßige Verteilung der Sinkstoffe
und damit eine gleichmäßige Ernährung der Reispflanzen zu-
lassen. Daraus folgt dann ein nicht ganz gleichmäßiges Reifen
des Feldes. Die Sawahs zeigen diese Ernährungsverschieden-
heiten bereits vor der Blütenbildung, indem die Pflanzen an den
Rändern und an den Zuflußstellen, und von diesen ausstrahlend,
kräftiger und tiefer grün sind als die in den übrigen Teilen des
Feldes (121, 5. 528).

Über die düngende Wirkung des Berieselungswassers sind in
Java eingehende Untersuchungen angestellt worden (13; aus-
führliches Referat in 121, S. 584 u. f.), die folgende Hauptresul-
tate ergeben haben. Wird eine Reihe von Sawahs mit demselben
stark schlickhaltigen Wasser berieselt, so setzt sich etwa die
Hälfte der Sinkstoffe in dem ersten Felde zu Boden. Beim
Durchströmen der folgenden Felder nimmt der Gehalt an Sink-
        <pb n="37" />
        stoffen bedeutend langsamer ab, und in den letzten Feldern ist
nur noch eine ganz geringe Änderung zu bemerken. Doch ist
die Größe des Schlickabsatzes in hohem Maße veränderlich, so-
wohl durch die Höhe des Wasserstandes wie besonders durch die
Schnelligkeit der Strömung. Der hohe Schlickverlust beim
Durchströmen des ersten Feldes ist wohl durch das Absetzen
aller gröberen Schlickteilchen zu erklären. Der Gehalt des
Schlickes an den für die Pflanzen besonders wichtigen Stoffen
war verhältnismäßig hoch und hielt sich in den einzelnen Feldern
prozentual etwa gleich; nur enthält der gröbere Schlick des ersten
Feldes wesentlich weniger Phosphorsäure als der feinere Schlick
der folgenden Felder. Absolut betrug die Menge der Nährstoffe
in dem sechsten Felde nur noch !/,,—!/30 der des ersten. Über-
raschend scheint die Tatsache, daß der Ernteertrag der letzten
Felder gegenüber dem der ersten nıcht einen ähnlich starken
Abfall zeigt wie der Nährstoffgehalt des Schlickes. Doch ist das
leicht erklärlich. Einmal nämlich ist die Schlickanhäufung in
den ersten Feldern so groß, daß vermutlich nur ein geringer Teil
von den Wurzeln aufgeschlossen und verwertet werden kann;
dann aber steht der Pflanze noch eine weitere Nährstoffquelle

«zur Verfügung: das Berieselungswasser selbst. In diesem sind
abo&gt;r dıe Nährstoffe in gelöster Form enthalten und können des-
ha‘) ceradezu durch die Wurzeln der Pflanzen aufgenommen
wor &gt;n, Allem Anschein nach werden denn auch die im Wasser
getästen Nährstoffe in erster Linie dem Verbrauch zugeführt;
ir? Menge wirkt deshalb in gewissem Maße bestimmend auf
das Ernteergebnis ein. Von den im Schlick befindlichen Nähr-
staffen wird dagegen augenscheinlich ein großer Teil zunächst
nicht verwertet werden können und muß deshalb brach liegen,
vor allem dort, wo es sich um solche großen Massen wie in den
ersten Feldern des javanischen Versuches handelt.

Obwohl die gelösten Nährstoffe meist nur in mäßigen Men-
gen im Wasser vorhanden zu sein pflegen, so kommt es doch
auch vor, daß an manchen Örtlichkeiten ein Zuviel an bestimm-
ten Stoffen eintritt. Dies kann sich z. B. in der Nähe mensch-
licher Siedlungen zeigen, wo große Mengen stickstoffhaltiger
Winkler, Reis (Monograph. z. Landwirtsch. warm. Länd.). Ba. III. +
        <pb n="38" />
        Substanzen in die künstlichen oder natürlichen Wasserläufe ge-
langen. In den diesen zunächst liegenden Sawahs zeigt der Reis
dann häufig außerordentlich kräftige Blattentwicklung, was bei
starken Tropenregen schnell zum Lagern der Pflanzen führt.
Auch die Bildung der Rispen wird durch die üppige Blattent-
wicklung ungünstig beeinflußt und dadurch der Ernteertrag
herabgedrückt.

Aus diesen und andern Feststellungen haben sich eine Reihe
von Forderungen ergeben, die an das Rieselwasser gestellt wer-
den müssen. Da es den Boden nicht nur mir Nährstoffen be-
Teichert, sondern unter IJmständen auch solche aus ihm aus-
wäscht, ist es wichtig, daß weder chemische Verbindungen, die
die Bodenbestandteile stark aufschließen und lösen, im Wasser
enthalten sind noch durch Düngung zur Bildung solcher Ver-
bindungen Gelegenheit gegeben wird. Besonders ungünstig sind
Moorwässer; noch schädlicher Fabrikwässer oder Abwässer aus
Bergwerken. Kaltes Quellwasser, das die Bodentemperatur
nennenswert abkühlt, sollte nicht zur Reisbewässerung ver-
wendet werden. Bei Neuanlagen sollte der Pflanzer sein Be-
rieselungswasser untersuchen lassen; und zwar ist die quanti-
tative Bestimmung der gelösten wie der Sinkstoffe erforderlich.

Einer wirklich intensiven Reiskultur wird die natürliche Be-
reicherung des Bodens an Pflanzennährstoffen durch die Be-
rieselung, selbst da, wo das Wasser verhältnismäßig reich an
solchen ist, nicht genügen. Da der Reis den Boden mehr er-
schöpft als die Kultur anderer Getreidearten, so erfordert be-
sonders der fortgesetzte Reisbau auf demselben Felde kräftige
Düngung, wenn die Erträge nicht zurückgehen sollen. Daß es in
China wahrscheinlich Felder gibt, die bereits einige Tausend
Jahre hintereinander Reis tragen, ist nur der sorgfältigen Dün-
gung mit Kalk, Asche, Knochen, Viehdünger, menschlichen
Exkrementen, Rückständen der Ölgewinnung, Haaren, Leim,
Teig u. a. zuzuschreiben. Auch der Japaner. düngte früher seine
Felder fast ausschließlich mit Fäkalien, Laub, gebranntem Kalk
und einer Art Guano aus Seefischen („„kass‘“), verwendet aber
heute schon erhebliche Mengen künstlichen Düngers.

34
        <pb n="39" />
        35

Übrigens ist ın China wie in Japan die Methode der Grün-
düngung nicht unbekannt. Sie ist als eine der besten Arten
der Stickstoffdüngung für das Reisfeld anzusehen, wegen ihrer
Wohlfeilheit, der physiko-mechanischen Wirkung auf den Boden
und der sehr allmählichen Aufschließung des Stickstoffes; der
Reis wird dadurch widerstandsfähiger gegen manche Krank-
heiten. Die Benutzung einer Kleeart und einer Coronilla ist
in den großen Reisniederungen von Tschekiang allgemein ver-
breitet. Diese Gründüngungspflanzen werden während des
Winters zwischen zwei Reisernten eingeschaltet, und dieses Ver-
fahren soll als Ersatz des animalischen Düngers von altersher
üblich sein (83, 2. Bd., S. 961). In Japan wird zur Gründüngung
unter andern Leguminosen die Sojabohne und vor allem „genge‘“‘,
Astragalus lotoides, angebaut (101, S. 556). Durch diese
Pflanze, die den Boden um etwa 85 kg Stickstoff je Hektar be-
reichert, kann also die Stickstoffdüngung des Reisfeldes voll-
ständig ersetzt werden. Empfehlenswert ist Gründüngung nur
für Reisland, das sich hinreichend trockenlegen läßt; kann das
nicht geschehen, so ist sie geradezu verwerflich. Denn im ständig
nassen Boden vertorfen die grünen Pflanzenmassen, es bilden
sich mit Sauerstoff nicht genügend gesättigte Humussäuren, die
dann im Boden reduzierend wirken und unter Umständen die
Pflanzenwurzeln selbst angreifen. In solchem Boden sollte man
daher auch die Verwendung größerer Mengen schwer zersetzlicher
organischer Dünger vermeiden; man führt ihm den Stickstoff am
besten in Form von Jauche oder Fäkalien oder als schwefel-
saures Ammoniak oder Salpeter zu. Ganz zur Wirkung kommt
Gründüngung erst, wenn der Boden einen überschüssigen Vor-
rat an Kali und Phosphorsäure hat. Wo es daran mangelt, sollte
man mit künstlichen Düngemitteln zu Hilfe kommen (73, S. 66
u. 69).

In neuerer Zeit sind eine Reihe wissenschaftlicher Unter-
suchungen über die Gründüngung des Reises durchgeführt wor-
den. Bei einigen ostindischen Versuchen scheint hauptsächlich
Sesbania aculeata, die unter dem Namen „daincha“ dort
allgemein als Gründüngungspflanze gebaut wird, Verwendung
        <pb n="40" />
        26

gefunden und, besonders auf sandigem Boden, den Ertrag an
Reis erheblich gesteigert zu haben. Auf den phosphorsäurearmen
Böden des südlichen Teils von Bhagalpur ist der Erfolg durch
Beigabe verschiedener phosphorsäurehaltigen Düngemittel, wie
Superphosphat und Knochenmehl, noch bedeutend größer ge-
wesen. Gegeben wurde dieser künstliche Dünger z. T. ganz vor
der Aussaat der Gründüngungspflanze, z. T. in diesem Zeit-
punkt zur Hälfte, der Rest bei der Bewässerung des Bodens für
das Überpflanzen des Reises aus den Saatbeeten (11, S. 689;
126, S. 104—114). Sonst dienen in Indien als Gründüngungs-
leguminosen noch der Sunnhanf (Crotalaria), Indigofera
und Phaseolus mungo.

Auch in Ceylon sind die zuletzt genannten Pflanzen, z. T. unter
Beigabe von Phosphaten, mit Erfolg empfohlen worden (124,
S. 115). In Java hat Unterpflügen der Erdnußpflanze (Arachis)
eine Ertragsvermehrung des als Nachfrucht gebauten Reises zur
Folge gehabt. In Ceylon, wo Gründüngung gänzlich unbekannt
ist, hat man versuchsweise günstige Wirkungen mit den Blättern
und jungen Trieben folgender Holzpflanzen erzielt: Canarium
zeylanicum, Erythrinai lithosperma; Croton, laccir
ferus, Pongamia glabra, Adhatoda vasica, Sterculia
balanghas, Furcraea gigantea; vor allem aber mit dem
Sunnhanf (Crotalaria juncea), dessen Anwendung in Ceylon
eine Ernteerhöhung von 27—50%, in Südindien sogar bis zu
70% ergeben hat. Seine Kultur ist sehr leicht; er kann nach der
Reisernte direkt gesät werden, obwohl er natürlich für eine vor-
hergehende Bodenbearbeitung dankbar ist. Auf der Malalischen
Halbinsel, wo Gründüngung im engeren Sinne, d. h. der Anbau
von Leguminosen zu Düngungszwecken, ebenfalls unbekannt ist,
und nur das in der Brachezeit aufgeschossene Gras und Unkraut
mit großem Erfolge für den Ertrag dem Boden einverleibt wird,
sind folgende Hülsenfrüchtler zur Gründüngung benutzt wor-
den: Sesbania aculeata, Cajanus indicus, Tephrosia
purpurea, Crotalaria juncea, Phaseolus mungo und
var. radiatus, Canavalia ensiformis, Vigna catjang,
CGentrosema Plumieri. Als besten Zeitpunkt der Aussaat
        <pb n="41" />
        A

empfiehlt Jack die Zeit 3—4 Wochen vor der Reisernte, wenn
das Land gerade trockengelegt ist.

Reichlich wird Gründüngung auch in Italien angewendet;
Klee und Lupinen, auch Bohnen und Wicken dienen haupt-
sächlich dazu. Gesät werden diese Pflanzen im Herbst, wenn das
Wasser von den reifenden Reisfeldern abgelassen worden ist.
In dem feuchten Boden und bei der noch herrschenden günstigen
Temperatur hat die Saat zur Zeit der Reisernte schon einige Fort-
schritte gemacht. Wenn der Reis das Feld verlassen hat, wird
Superphosphat gegeben, das die Wurzelbildung der Grün-
düngungspflanze fördert, so daß sie den Winter gut übersteht,
im Frühjahr bei jeder günstigen Temperatur wächst und Ende
April, wenn der Reis gesät wird, schon untergepflügt sein kann.

Für die Wahl der Gründüngungspflanzen ist im allgemeinen
zu empfehlen, in jedem Anbaugebiet, wo Gründüngung ein-
geführt werden soll, zunächst mit den im Lande einheimischen
oder verbreiteten Leguminosen Versuche zu machen und erst,
wenn kein Erfolg damit erreicht wird, Gründüngungspflanzen
heranzuziehen, die sich in anderen Gebieten mit ähnlichen
Klima- und Bodenverhältnissen schon bewährt haben.

Um die Zersetzung der untergepflügten Gründüngungspflanze
zu fördern, ist oft eine Zufuhr von Kalk geboten, nämlich über-
all da, wo Kalkmangel oder Neigung zur Versauerung des Bodens
besteht. Zu reichliche Kalkung kann aber, besonders in den
Tropen und Subtropen, zu Schädigungen führen, z. B. leidet die
Körnerqualität: es wird ein mehliges, also stickstoffarmes und
weiches Korn gewonnen.

Durch Stickstoffdüngung über ein gewisses Maß hinaus
wird der Ertrag nicht mehr gesteigert. Die Pflanze nimmt zwar
größere Mengen des Stickstoffs auf, als zum Aufbau der Organe
erforderlich sind, jedoch findet diese „Luxuskonsumption“‘
wesentlich in den vegetativen Organen, weniger in den Samen
statt; man erntet stickstoffreicheres Stroh, der Stickstoffgehalt
der Körner wird aber wenig gesteigert. Üppige, stickstoffreiche
Halme neigen aber mehr zum Lagern. Wie überhaupt beim
(Getreidebau vermeide man auch beim Reisbau zu reichliche
        <pb n="42" />
        38
Düngung mit leicht löslichen Stickstoffverbindungen. Der Reis
verlangt sowohl Nitrate als auch Ammoniumsalze, letztere aber
— in Anpassung an sein Wasserleben — wahrscheinlich mehr;
doch sind die Untersuchungen darüber noch nicht abgeschlossen
(98, 5. 285; 78; 105, S. 35—41; 43, S. 21,22; 48a). In Italien hat
man in neuerer Zeit mit ausgezeichnetem Erfolge, besonders auf
alten Reisböden und solchen, die fortgesetzt unter Reis stehen,
Kalkstickstoff (Calciumcyanamid) verwendet (43, S. 315). Orga-
nischer Dünger (Stallmist, Fäkalien, Blutmehl und Heornmehl
in Italien, Gründüngungspflanzen) ist im allgemeinen als aus-
reichende Stickstoffquelle anzusehen.

Der Bedarf des durch Reisbau intensiv ausgenutzten Bodens
an Kali ist meist geringer als der an Stickstoff oder gar an
Phosphorsäure. Bei hinreichender Düngung mit organischen
Düngern wird, wenn man es nicht mit einem geradezu kaliarmen
Boden zu tun hat, meist eine Beidüngung von Phosphaten ge-
nügen. ‘Das Kali zeigt kaum eine Wirkung auf das vegetative
Wachstum des Reises; es macht aber das Korn schwerer und
gibt ihm ein feineres Aussehen. Kali muß vor der Feldbestellung
verabreicht werden. In Louisiana hat man gefunden, daß Kali-
düngung nur ein Jahr lang wirkt.

Hervorragend ist der Einfluß, den die Phosphorsäure auf
den Ertrag des Reises ausübt. Aus Versuchen, die O0. Kellner
in Japan angestellt hat, ergab sich, daß selbst durch starke Dün-
gung mit Stickstoff und Kali ohne Phosphorsäure der Ertrag
überhaupt nicht gesteigert wurde, daß dagegen durch 50 kg
Phosphorsäure pro Hektar eine Ertragssteigerung von 2000 kg
Körnern und durch 150 kg Phosphorsäure pro Hektar eine weitere
Steigerung um 800—1000 kg bewirkt wurde. Aus Italien werden
als besondere Nachteile ungenügender Phosphatdüngung an-
gegeben: spätes Reifen, geschwächte Widerstandskraft gegen
Krankheiten, mangelhafter Körneransatz. Auch in Java hat
man die Erfahrung gemacht, daß Phosphorsäuredüngung eine
erhebliche Beschleunigung des Reifens herbeiführt. In Italien
wird auf tonigen Böden allgemein Superphosphat und Thomas-
schlacke, auf weniger. fruchtbaren Böden auch Knochenmehl
        <pb n="43" />
        39

verwendet. Gestreut wird kurze Zeit vor der Bodenbearbeitung
für die Saat, beim Anbau von Gründüngungspflanzen auch im
Herbst. — Eisen verlangt der Reis nur in äußerst geringen
Mengen.

Fesca (56, S. 122) schreibt zusammenfassend über die Reis-
düngung folgendes: „Nehmen wir das Düngerbedürfnis des
Bodens zu 75kg Stickstoff und 130 kg Phosphorsäure an, so
würden wir beispielsweise, um dasselbe möglichst mit mäßig ver-
rottetem Stallmist, der etwa 0,5% Stickstoff, 0,26% Phosphor-
säure und 0,63% Kali enthält, zu befriedigen, 15 000 kg pro
Hektar aufzubringen haben, die (rund) 75 kg Stickstoff, 40 kg
Phosphorsäure und 94 kg Kali enthalten. Durch diese Düngung
ist das Stickstoffbedürfnis des Bodens voll gedeckt, und es ist
demselben außerdem erheblich mehr Kali zugeführt, als in einer
guten Reisernte enthalten ist; dagegen sind noch 90 kg Phosphor-
säure erforderlich; es würden demnach noch 450 kg Super-
phosphat von 20% als Beidüngung zu geben sein. Wendet man
andere Düngemittel an, so sind die erforderlichen Mengen nach
ihrem Gehalt an Nährstoffen zu berechnen; gute Fäkalien sind
hinsichtlich Stickstoff- und Phosphorsäuregehaltes dem mäßig
verrotteten Stalldünger mindestens gleichzusetzen... Be-
sonders auf kaliarmen Böden dürfte es sich empfehlen, das
Phosphat teilweise durch Holzasche zu ersetzen. Wendet man
z. B. neben nur 350 kg 20proz. Superphosphat 600 kg Laub-
holzasche an, so führt man etwa die gleiche Menge Phosphor-
säure, außerdem aber noch 60 kg Kali und 180 kg Kalk dem
Boden zu. Da von der Phosphorsäure kaum mehr als 30 kg
von den Ernteprodukten aufgenommen werden, so verbleiben
etwa 100 kg im Boden, die von späteren Ernten, wenn auch im
geringeren Prozentsatz, ausgenutzt werden; es findet demnach
eine allmähliche Phosphorsäurebereicherung im Boden statt,
und es kann daher mit der Zeit die Phosphatdüngung zumeist
eingeschränkt, freilich wohl kaum gänzlich unterlassen werden.
Durch mäßige Kalkung oder Holzaschedüngung, wodurch das im
Boden sich bildende Eisenphosphat in Kalkphosphat übergeführt
wird, wird die Ausnutzung dieser ‚Bodenphosphorsäure‘ erhöht.“
        <pb n="44" />
        Die Bodenerschöpfung durch_den Reisbau_ ist übrigens_nur
gering, wenn man ın der Lage ist, den geschälten Reis selbst zu
Pa ; A s
weißen (s. unten S. 75), also _nicht nur die Spreu und das ın
Ahbb._5._ Ein_cevlonischer Elefantenpflug.

Aus: Warburg u. v. Someren-Brand, Kulturpflanzen der Weltwirtschaft,
erlag von _R. Voigtländer, Leipzig.
ıohem_ Prozentsatz Stickstoff und_Phosphorsäure, _ganz_be-

Er ange li a
sonders, aber_Kali und Kalk enthaltende _Stroh. sondern auch
die Reiskleie zur Fütterung oder_direkt_zur Düngung in_der
        <pb n="45" />
        11
Wirtschaft zu verwenden; 4000 kg geschälter Reis liefern 3680 kg
geweißten Reis und 320 kg Kleie. Es enthalten:
5 Stickstoff Phosphorsäure Kali
kg kg kg
4000 kg geschälter Reis 54,0 18,4 8,0
320 kg Reisklei@.. =. 6,7 12,1 4,5
3680 kg geweißter Reis 41,3 6:3 3,5

Die Kleie enthält demnach 12%, also !/, des im geschälten,
aber nicht geweißten Reis enthaltenen Stickstoffes, 65,7%, also
fast ?/, der in ihm enthaltenen Phosphorsäure und 56,2% oder
über die Hälfte des in ihm enthaltenen Kalis. — Jack (73, S. 66)
rät übrigens davon ab, das auf dem Felde stehenbleibende Reis-
stroh abzubrennen, außer auf pilz- oder insektenverseuchten
Feldern; es sollte untergepflügt werden.

In Italien wurden früher die im Reis enthaltenen Stoffe dem
Boden durch den Stallmist wieder zugeführt. Seit längerer Zeit
verwendet man auch Kunstdünger. Bei den geringen Mengen
von Sinkstoffen in dem in Oberitalien zur Reisbewässerung be-
nutzten Wasser spielen diese für die Düngung so gut wie keine
Rolle. Das ist anders in den Südstaaten der Union: wenigstens
soweit hier die Reisfelder im Überschwemmungsgebiet der großen
Flüsse liegen, führt ihnen das Flußwasser eine Menge von Dung-
stoffen zu. Daneben wird organischer Dünger (Mist, Baumwoll-
saatmehl) gegeben. In Kalifornien macht sich künstlicher Dünger
vorläufig nicht bezahlt. In Ägypten, wo der Hektarertrag bei-
nahe so hoch sein soll (?) wie in Japan, wird die Düngung durch
die Sinkstoffe des Nil im allgemeinen als genügend erachtet.

4. Fruchtfolge und Zwischenkulturen.

Auf den trockenen Reisfeldern des asiatischen Anbau-
gebietes wird im allgemeinen weder gedüngt noch Fruchtwechsel
angewendet. Ist das Land mit 2—4 Reisernten ausgesogen, so
wird es kürzere oder längere Zeit in Ruhe gelassen, während
der sich wieder wilde Vegetation auf ihm ansiedelt. Eine ganz
ähnliche Methode befolgen unter ganz anderen Verhältnissen die

&gt;
        <pb n="46" />
        492

Farmer in den Inundationsgebieten Louisianas (123, S. 642 u.
643). Auch sie bauen selten länger als 4 Jahre Reis auf dem-
selben (nassen) Felde; viele Farmer ziehen sogar nur zwei Ernten.
Das Land bleibt alsdann 2—3 Jahre brach liegen, wodurch auch
die schwer zu bekämpfenden Wasserunkräuter aussterben.
Fruchtfolge ist selten, da man die Kosten für das Aufwerfen
der Entwässerungsgräben scheut, die man bei der Reiskultur
wieder zuwerfen muß. Zur Herabminderung der Kosten ist lang-
jähriger Wechselbau empfohlen worden. In Italien gibt es
Strecken, die jedes Jahr, zuweilen zwölfmal nacheinander, mit
Reis bestellt werden, ohne daß der Ertrag zurückgeht (82,
S. 169). In der Provinz Taschkent in Turan soll man die Felder
stellenweise bis zu 50 Jahren hintereinander unter Reis belassen,
um auf tief gelegenen Ländereien mit hohem Wasserstande die
Sumpfbildung zu verhindern. Und in China gibt es ohne Zweifel
Reisfelder, die infolge guter Düngung Jahrtausende ohne Unter-
brechung Reis getragen haben. N
In den meisten Reisbauländern aber wird eine Fruchtfolge
durchgeführt, in der Regel mit Kulturpflanzen, die keiner Be-
wässerung bedürfen. Die zu diesem Zwecke nötige Durch-
arbeitung des für längere Zeit trockengelegten Reisbodens kommt
seiner Durchlüftung außerordentlich zugute. Allerdings werden
in manchen Gebieten die Reisfelder nach der Ernte zu ganz be-
sonderen Zwecken wieder unter Wasser gesetzt. In Italien
wandelt man ausgedehnte Reisfelder in Berieselungswiesen
um, die mit einem Gemenge von Gras und Klee besät und ent-
weder das ganze Jahr über (bis neunmal) geschnitten oder im
Winter abgeweidet werden. Als eigentliche Wechselfrüchte kom-
men in Italien vor allem Weizen, ferner Hafer, Gerste und Mais
in Betracht. Wenn sie gebaut werden Sollen, müssen vor der
weiteren Bodenbestellung zuerst die die Reisfelder umgebenden
Dämme umgepflügt werden. Wintergetreide wird im Herbst
gesät; die Ernte fällt in die Zeit zwischen der Feldbestellung
für den Reis und der Reisernte. Nach Fesca ist Weizen eine
weniger gute Vorfrucht als Gerste, da sich die Weizenstoppel
im nassen Boden schwer zersetzt. Als Fruchtfolge, bei der der
        <pb n="47" />
        43

Reis ebenfalls nicht jährlich als Sommerfrucht wiederkehrt,
wird in manchen subtropischen Gebieten folgender Wechsel
innegehalten: 1. Reis, 2. Winterung, 3. Baumwolle oder Tabak,
4. Winterung, 5. Reis usf. . In Mantua, Verona und Bologna
wird folgender eigenartige Wechselbau zwischen Reis und
Weizen allgemein geübt, der sehr ertragreiche Weizenernten
liefert. Der Weizen wird vor der Reisernte, Ende September
oder Anfang Oktober, breitwürfig gesät, wobei 20—30 kg auf
den Hektar mehr gebraucht werden als bei dem gewöhnlichen
Verfahren. Dann wird der Reis mit sehr kurzer Stoppel gemäht.
Phosphor- und Stickstoffdünger wird in dem Maße der Kosten
gegeben, die man durch das Wegfallen des Pflügens erspart.
Copeland empfiehlt dieses Verfahren für die Vereinigten
Staaten. In Süditalien und Sizilien werden außer Getreide und
Hülsenfrüchten auch Artischocken in den Kulturwechsel ein-
bezogen (87).

Bei den Berieselungswiesen und dem Anbau der eben ge-
nannten Wechselfrüchte tritt eine Unterbrechung des Reisbaues
von einem oder mehreren Jahren ein. Oft wird aber nur die
/-% zwischen der Reisernte und der nächsten Bodenbestellung
zum Anbau anderer Gewächse ausgenützt. Dafür kommen Klee
o°r andere Hülsenfrüchtler und Raps in Betracht. Der Klee
soll entweder nur zu Gründüngungszwecken dienen oder zuvor
einen Schnitt ergeben. Er wird unmittelbar nach der Reisernte
in die Stoppel gesät. Dasselbe geschieht mit dem Raps, aber erst
im nächsten Frühjahr. Zur Reife kann er natürlich nur auf
solchen Ländereien kommen, auf denen der Reis desselben
Jahres nicht gesät, sondern aus Saatbeeten überpflanzt wird
(s. unten S. 49), da dies erst einige Wochen später zu geschehen
braucht. In Russisch-Turkestan wird eine sehr frühreife Reis-
sorte von nur etwa 90 Tagen Vegetationszeit („arpa schaly“‘)
bisweilen noch nach der Ernte des Winterweizens gesät. Über-
haupt wechselt hier auf höher gelegenen Plätzen, die sich leicht
trockenlegen lassen, der Reis mit Gerste und Weizen. Er wird
entweder nach vorhergegangener Düngung und Brache als
erste Frucht gegeben oder als Nachfrucht im Mai nach Winter-
        <pb n="48" />
        44

weizen oder -gerste. In anderen Gegenden des Landes, wie in
der Provinz Fergana, tritt der Reis nicht in die Fruchtfolge ein.
Sobald sich Erscheinungen der Müdigkeit zeigen und das Un-
kraut überhand nimmt, läßt man das bis dahin ununterbrochen
mit Reis bestellte Land einige Zeit brach liegen. Dann werden
auch hier und da einmal 3—4 Jahre hindurch Sorghum oder
Sesam gepflanzt, bei voraufgegangener guter Düngung auch
Melonen; alsdann folgt wieder Reis.

In den Tropen ist man in der Wahl zum Wechsel mit Reis
geeigneter Pflanzen weit weniger beschränkt als in den Sub-
tropen; eine Ernte von Hülsenfrüchten oder von Knollenge-
wächsen kann man noch in dem gleichen Jahre gewinnen. In
Java baut man in der trockenen Periode als sog. „zweite Ge-
wächse‘“ (polowidjo) mit kurzer Vegetationsdauer verschiedene
Leguminosen, vor allem die Erdnuß (Arachis hypogaea),
auch die Erderbse (Voandzeia subterranea), die Sojabohne
(Soja hispida), Vignabohne (Vigna sinensis), Mondbohne
(Phaseolus lunatus), Phaseolus radiatus; ferner spa-
nischen Pfeffer (Capsicum) und Knollengewächse wie Bataten,
(Ipomoea) und Yams (Dioscorea), Pachyrhizus hul-
bosus; in sehr trockenen Gegenden, vor allem im östlichen Java,
außerdem viel Mais, auch Hirse (Sorghum, Panicum),
Tränengras (Coix); von Handelsgewächsen Tabak. — Diese
Zwischenkulturen werden besonders auf den von Regen ab-
hängigen Sawahs betrieben. Die Bearbeitung der Felder dafür
erfolgt sehr oberflächlich mit der Hacke oder dem primitiven
Pfluge. Für die Malaiische Halbinsel, wo Wechselkulturen von
den viel lässigeren Eingeborenen im allgemeinen nicht getrieben
werden, empfiehlt Jack (73, S. 70) dafür: Ipomoea batatas,
Arachis. Ricinus, Mais, Coleus parviflorus, Sagittaria
sagittifolia (wobei aber die Felder nicht austrocknen), Tabak,
Coix; für die Philippinen nennt Cam us Mais und Leguminosen,
besonders Phaseolus mungo. Den Reis sollte man nicht un-
mittelbar auf Mais folgen lassen, da dieser bekanntlich den
Boden sehr erschöpft; es empfiehlt sich, eine Leguminose zwi-
schen beiden einzuschalten.
        <pb n="49" />
        45

Von besonderem Interesse ist schließlich noch die Fruchtfolge

auf den Ländereien, die der Zuckerrohr- und Tabak-Groß kultur
dienen. Nach der Ernte dieser Gewächse werden auf Java die
Felder meist den Arbeitern und Eingeborenen überlassen, die
sie nun sofort durch Aufwerfen von Dämmen und Zuleitung
von Wasser in Sawahs umwandeln. Wenn genügend Zeit vor-
handen ist oder nicht hinreichend Wasser zur Verfügung steht,
was während des Ostmonsuns oft der Fall ist, werden die Zucker-
rohrfelder zunächst für 2—3 Monate mit Leguminosen (Arachis
u. a.) bepflanzt. Im April muß jedenfalls der Reis geerntet sein,
da dann wieder die Bearbeitung der Felder für das Zuckerrohr
erfolgt. Die Felder sind meist so eingeteilt, daß während der
Hauptvegetationszeit im Westmonsun die eine Hälfte des Areals
mit Zuckerrohr, die andere mit Reis bedeckt ist. Ähnlich wird
der Wechselbau auf dem Tabakgelände in den Vorstenlanden
gehandhabt. Auch hier ist jedes Feld in zwei Teile geteilt; auf
dem einen wird Tabak gebaut, auf dem andern eine andere
Feldfrucht, und indem diese Hälften jährlich vertauscht werden,
kommt man auf demselben Boden alle zwei Jahre auf Tabak
zurück, während er in der Zwischenzeit für andere Kulturen
frei ist. Auch hier ist die gewöhnliche Wechselfrucht der Wasser-
reis, nur daß zwischen zwei Tabakperioden dreimal hinterein-
ander Reis gebaut wird. In neuerer Zeit hat die Deli-Maatschappij
auf Sumatra Trockenreis als Wechselfrucht im großen auf ihren
Tabakfeldern versucht.

In diesem Zusammenhange sei noch der Benutzung der ab-
geernteten nassen Reisfelder zur Fischzucht gedacht. Auf
Java zieht man Goldfische, die bei der mohammedanischen, dem
Schweinefleischgenuß abholden Bevölkerung als Zuspeise zur
Reistafel außerordentlich beliebt sind. Die Fischbrut setzt man
entweder in die mit Reis bepflanzten oder in die abgeernteten
Sawahs. In letzterem Falle werden nach der Ernte sogleich die
Sawahdeiche ausgebessert und das noch auf dem Felde stehende
Reisstroh nebst Unkraut in einem Streifen von 3—4 Fuß Breite
längs der Deiche niedergeschlagen, während der übrige Pflanzen-
wuchs stehenbleibt. Nach der Überflutung entwickelt sich eine
        <pb n="50" />
        reiche Algenvegetation, die den nun eingebrachten Jungfischen,
die eine Länge von 3—4 cm besitzen, reichlich Nahrung bietet.
In etwa zwei Monaten sind die Fische auf ungefähr 12 cm Länge
und 3—4 cm Breite herangewachsen und haben die für den
Verbrauch erforderliche Größe. Jetzt werden die Sawahs ab-
gefischt und für die nächste Reispflanzung in Bearbeitung ge-
nommen. Wegen der kurzen Dauer dieser Fischkultur schiebt
man sie gern dann ein, wenn nach der Reisernte die Zeit für die
neue Reispflanzung nicht günstig erscheint: wenn z. B. die Ernte
bei sofortiger Pflanzung mitten in die Hauptregenzeit fallen
würde, was man natürlich wegen der damit verbundenen Nach-
teile möglichst vermeidet (121, S. 536). Bei Versuchen mit der
„Reisfischzucht‘‘, die in neuerer Zeit in Madagaskar angestellt
worden sind, wurden Goldfische, Madagaskar-Barsche und
‚„Marakelle‘‘ empfohlen. Auch in Italien werden die Reisfelder
zur Zucht von Karpfen benutzt, die beim Trockenlegen in Fisch-
teiche überführt werden, welche keinem italienischen Reisgut
fehlen (82, S. 169). — Daß Fischzucht wegen der damit ver-
bundenen Luftabsperrung des Bodens den Reisfeldern weniger
zuträglich ist als die trockene Zwischenkultur von Feldfrüchten,
liegt auf der Hand. Die geringe Düngung, die den Feldern durch
die Fische zuteil wird, kommt dagegen wohl kaum in Frage.

Zwischenkulturen sind im allgemeinen, wie beim Getreide
überhaupt, auch beim Reisbau nicht üblich. Zuweilen sät man
Gründüngungspflanzen, in Italien auch Weizen so aus, daß ein
Teil ihrer Vegetationszeit gemeinsam mit der des Reises auf
demselben Felde verläuft. Ferner baut man auf Java oftmals
abwechselnd mit Reis Reihen von Mais, Sorghum, Sesam,
d. h. Pflanzen, deren Vegetationsdauer der des Reises entspricht,
oder wenig kürzer bzw. länger als diese ist. Man kann im letz-
teren Falle dreimal Ernte abhalten, indem man nach 3—4 Mo-
naten mit der des Maises beginnt, dann die des Paddi (Reis)
folgen läßt und schließlich nach 5—6 Monaten den Sesam oder
eine andere entsprechende Frucht erntet. Mais und Coix
lacryma nennt Jack als Zwischenkulturen in den trockenen
Reisfeldern auf der Malaiischen Halbinsel.

46
        <pb n="51" />
        41
5. Aussaat.

Die Saatzeit ist in den außertropischen Reisgebieten durch
die Jahreszeit gegeben: der Frühling. Da das Mindestmaß der
Keimtemperatur des Reises zwischen 10 und 12° C liegt, so kann
man erst säen, wenn die Bodentemperatur über 10° C gestiegen
ist. Ob man nach diesem Zeitpunkt früher oder später sät,
hängt von der Reissorte und namentlich auch von der Vorfrucht
ab (56, S. 118). So beginnt in den Präriegebieten der nordamerika-
nischen Südstaaten die Aussaat des japanischen Reises Anfang
April und dehnt sich unter Umständen bis Mitte Juni aus, wäh-
rend man den Hondurasreis so früh wie möglich bestellt. In
den Alluvialgebieten, wo nur Hondurasreis gebaut wird, erfolgt
die Aussaat Ende März bis Anfang April. Der April ist auch in
Norditalien die Zeit der Saat.

In den Tropen ist man infolge der hohen und gleichmäßigen
Temperatur weniger an die Jahreszeit gebunden. Am besten
legt man die Aussaatzeit natürlich in den Beginn der großen
Regenzeit. Da aber die Kultur des Wasserreises von den Nieder-
schlägen ziemlich unabhängig ist (falls genügend Berieselungs-
wasser zur Verfügung steht), so kann man den Reis auch zu
anderen Zeiten säen. In Westjava trifft man alle Entwicklungs-
stufen der Reisfelder zu jeder Jahreszeit an. In Zentralindien
ist der Reis gewöhnlich ein Sommer- (d. h. Regenzeit-) Gewächs;
doch wird er stellenweise auch als Winterpflanze gebaut.

Die Art der Aussaat ist verschieden. In den neuzeitlichen
Reisbauländern wird vielfach gedrillt, z; B. in den Prärie-
gebieten von Louisiana, in Südkarolina und Texas, in Kalifornien.
Die Saatfurchen, die 12—15 Zoll Abstand voneinander haben
und 2—3 Zoll tief sind, werden nach dem Säen entweder zu-
geeggt, um die Körner vor den Vögeln zu schützen und vor
dem Wegschwemmen beim Überfluten der Felder zu bewahren;
dieses Verfahren nennt man das „Covered rice system‘. Viel
seltener und nur auf lehmigem Boden wird das System der „open
trench‘“ angewendet, bei dem man die Furchen offen läßt, um
Arbeit zu sparen und schnelleres Aufgehen der Saat zu be-

=
        <pb n="52" />
        18

günstigen. Zu demselben Zweck wird diese vorher in Wasser ein-
geweicht, wodurch sie auch schwerer wird und dem Wegschwem-
men weniger ausgesetzt ist. Auch in Italien hat man die Kon-
struktion von Drillmaschinen versucht. In neuester Zeit scheint
das System Cabrini die Aufgabe zur Zufriedenheit gelöst zu
haben, das zugleich auf das Reinigen der Felder Rücksicht nimmt.
Sein wesentlicher Zug besteht darin, daß an dem ganz einfachen
Drillgerät eine Vorrichtung angebracht ist, die zwischen den
Reihen des Reises Furchen zieht, welche später von einem In-
strumente, das in gleichen Abständen Messersysteme führt, vom
Unkraut gereinigt werden können.

In den alten Reisbauländern Asiens wird vielfach breit-
würfig gesät, z. B. häufig auf den trocknen Reisfeldern; doch
wird auf ihnen oft auch ein Auslegen der Saatkörner in Reihen
geübt. Es geschieht dies meist durch zwei Personen gleichzeitig,
und zwar durch Mann und Frau. Der Mann geht voraus und
stößt mit einem Bambusstabe reihenweise. in einer Entfernung
von etwa einem halben Fuß 3—4 cm tiefe Löcher in den Boden.’
Die ihm nachfolgende Frau legt in jedes Loch 3—5 oder mehr
Reiskörner (Gabah) und tritt mit dem Fuße die Löcher wieder
zu, oder sie zieht mit einem nachschleifenden Zweige oder Wedel
der Kokospalme die Erde darüber (121, S. 648). In den Zentral-
provinzen Ostindiens unterscheidet man breitwürfige Saat un-
mittelbar vor oder nach den ersten Monsunregen und trockene.
Die Körner werden entweder untergepflügt oder auch nicht
(62, S. 212). Stellenweise wird die Saat im gequollenen oder
angekeimten Zustande ausgeworfen.

Auch in Italien scheint heute noch in der Regel breitwürfig
gesät zu werden, und zwar unmittelbar nach der Feldbearbeitung,
wenn die für diese vorgenommene Berieselung noch nicht wieder
aufgetrocknet ist, so daß die Saatkörner von dem sich absetzen-
den Schlamm zugedeckt werden. Doch scheint man auch auf
trockenem Boden auszusäen, wo dann Frauen und Kinder die
Körner festtreten. An Saatgut wird 100—150 kg auf den Hektar
verbraucht. Im Alluvialgebiet der Flüsse von Louisiana sind
gewöhnlich Breitsämaschinen im Gebrauch. Manche Farmer
        <pb n="53" />
        benutzen eıne Sämaschine, die die Körner ın einem Umkreis
von 20 Fuß schleudert. An Saatgut braucht man bei diesen
Methoden 45—65 lbs pro Acre.

Ein bei Getreide sonst nur selten angewendetes Verfahren ist
das Verpflanzen, wie es in Japan, China, Ostindien (wo es
„rawa‘‘ heißt), in Java, auf der Malaiischen Halbinsel, den
Philippinen usw. geübt wird. Verpflanzen ist die typische süd-
ostasiatische Reisbaumethode und gewinnt noch immer an Ver-
breitung. Schon vor Beginn der Bearbeitung der übrigen Sawahs
wird die Herrichtung der Saathbeete vorgenommen. Für diese
wählt man in Java Sawahs oder Teile von ihnen aus, die leicht
zu bewässern sind. Doch benutzt man hierzu keinesfalls ein be-
sonders fruchtbares Stück, sondern lieber ein solches von mitt-
lerer Bodenbeschaffenheit. Denn die Erfahrung hat gelehrt,
daß die auf sehr gutem Boden gewachsenen jungen Reispflanzen
später langsamer und schwerer anzuwachsen pflegen als die von
weniger nahrhaftem Boden stammenden. Die Bearbeitung des
für die Anlage der Saatbeete ausgewählten Areals erfolgt in der
gleichen Weise wie die der Sawahs, nur mit dem Unterschiede,
daß die zeitlichen Zwischenräume zwischen den einzelnen Be-
arbeitungen auf wenige Tage beschränkt werden. Das geschieht
deshalb, weil die Aussaat 30—40 Tage vor der Umpflanzung der
Sämlinge vorgenommen sein muß. Aus diesem Grunde entfernt
man vorher nach Möglichkeit alle gröberen Pflanzenreste. deren
Verwesung längere Zeit erfordern würde. So ist es möglich, die
Saatbeete innerhalb von 4—7 Tagen fertigzustellen. — Diese
schnelle Bearbeitung ist aber sicherlich für den Zustand des
Bodens wenig günstig, und deshalb vermeidet man es auch, die
Saatbeete in zwei aufeinander folgenden Anbauperioden am
gleichen Orte anzulegen.

Die Saatbeete liegen meist in größerer Anzahl zusammen.
Ihre Breite beträgt 3—4 Fuß; ihre Länge ist sehr verschieden
und hängt z. T. von den Größenverhältnissen des betr. Sawahs
ab. Am Tage der Aussaat pflegt man kein Wasser mehr zuzu-
führen. Das Aussäen des Reises kann in zweierlei Weise ge-
schehen. In früherer Zeit wurden fast ausnahmslos die Rispen
Winkler, Reis (Monograph. z. Landwirtsch. warm. Länd.). Ba. III

49
        <pb n="54" />
        50

als Ganzes in ausgespreiztem Zustande in Reihen auf die Ober-
fläche der Beete ausgelegt. Dies hat den Vorteil, daß bei stär-
kerer Wasserzuführung oder bei Regengüssen, zumal wenn die
Rispen mit den Halmen festgesteckt sind, ein Fortspülen der
Körner und ein Zusammenschwemmen dieser nach den Aus-
flußöffnungen des Sawahs hin unmöglich gemacht wird. Deshalb
verdient diese Methode auch dann den Vorzug, wenn mehrere
Reissorten innerhalb eines Sawahbeckens zur Aussaat kommen
sollen und man ihre Vermischung vermeiden will. Der Nach-
teil dieser alten Methode besteht aber darin, daß hierbei sämt-
liche Körner einer Rispe, also neben den guten, kräftigen auch
die schwachen und schlecht ausgereiften zur Keimung und Ent-
wicklung kommen. Da nun beim späteren Auspflanzen eine
genaue Auswahl und Beseitigung der schwachen Keimlinge nicht
mehr möglich ist, so soll durch dieses Verfahren die kommende
Ernte ungünstig beeinflußt werden.

Aus diesem Grunde wird jetzt allgemein der Aussaat von
isolierten Körnern der Vorzug gegeben. Zu diesem Zwecke löst
man durch Reiben zwischen den Händen oder den Füßen oder
auch durch Ausschaben mittels einer Kokosnußschale mit ge-
kerbtem Rande die Körner von den Halmen los. Dann wirft
man sie in Wasser und beseitigt alle oben schwimmenden leichten.
Die zu Boden sinkenden tut man in Bambuskörbe und stellt
diese 2—3 Tage in fließendes Wasser, bis die Körner stark auf-
gequollen sind und z. T. sogar zu keimen beginnen. Darauf
Jäßt man für einige Stunden das Wasser von den Saatheeten
ablaufen und kann nun mit der Aussaat beginnen. Oft werden
auch die Körner, um ein Zusammenkleben zu verhindern sowie
zum Schutze gegen Ungeziefer, mit Asche vermengt und auch
die Saatbeete mit Asche bestreut. Man rechnet meist auf 1[]RR
(= etwa 14 qm) Saatbeet ungefähr 1 kg nasse Körner; 30 bis
40 []RR Saatbeet genügen für die Bepflanzung eines Bouws.
Es erfordert demnach 1 Bouw 30—40 kg gequollener Saat.

An den auf die Aussaat folgenden Tagen werden während des
Aufgehens der Keimlinge die Beete überall nur mäßig bewässert.
Über das Maß der ferneren Wasserzufuhr nach dem Keimen der
        <pb n="55" />
        Pr -

Saat herrschen dagegen noch verschiedene Ansichten. Früher
wurden die Saatbeete wohl allgemein einige Zentimeter tief
unter Wasser gesetzt; doch zieht man jetzt, um gedrungenere,
kräftigere Sämlinge zu erzielen, eine weniger starke Bewässerung
vor, bei der die Beete selbst nicht überflutet werden, sondern
das Wasser nur in den Wegen zwischen den Beeten steht (die
etwa 1—2 Fuß breit und !/,—1 Fuß tief sind) und gerade bis
zu deren Rande reicht.

Schließlich kann man die Keimlinge aber auch ganz trocken
kultivieren; d. h. es wird, sofern nicht genügend Regen fällt,
nur so viel Wasser zugeführt, wie die jungen Reispflanzen gerade
für ihre Entwicklung nötig haben. Es ist ohne weiteres ver-
ständlich, daß derartig kultivierte Reispflanzen viel langsamer
wachsen als solche, die auf nassen Beeten stehen. Während die
letzteren nach 30—40 Tagen die zum Auspflanzen notwendige
Größe erreicht haben, brauchen die ersteren bedeutend längere
Zeit hierzu und können deshalb bis etwa 100 Tage auf den Saat-
beeten verbleiben. Dies ist häufig für solche Gegenden von Vor-
teil, in denen man für die Bearbeitung der Sawahs — und zwar
im besonderen der nicht künstlich bewässerten — den Beginn
der Regenzeit abwarten muß. Denn man ist in diesem Falle
oft nicht in der Lage, die Dauer der Bearbeitung im voraus zu
bestimmen, da man nicht weiß, wann eine genügend große
Wassermenge zur Verfügung stehen wird. Ziehen sich infolge
unregelmäßigen oder verspäteten Eintretens der stärkeren
Regengüsse die Arbeiten in die Länge, so werden inzwischen die
Sämlinge auf den nassen Beeten zu groß, hindern sich wegen
ihres geringen Abstandes gegenseitig im Wachstum und leiden
schließlich Nahrungsmangel. Alles dies kann ein Krankwerden
oder wenigstens eine Schwächung der Pflanzen und in der Folge
eine schlechtere Weiterentwicklung bedingen. Hingegen ist man
bei Verwendung der auf trocknen Saatbeeten gewachsenen
jungen Reispflanzen wegen ihrer langsamen Entwicklung
weniger an einen bestimmten Zeitpunkt gebunden und kann
diese deshalb ruhig einen Monat länger, als zunächst beabsichtigt
war, auf den Saatbeeten stehenlassen.

ul
        <pb n="56" />
        50 —-

In höher gelegenen Gebirgsgegenden Javas, z. B. in der Um-
gebung von Lembang (1200 m), werden die Keimpflanzen auch
auf den nassen Saatbeeten 70—100 Tage gelassen; anderseits
pflanzt man auf den sehr fruchtbaren Böden des Unterdistrikts
Djuntinjuat bereits nach 20—25, ja sogar nach 18 Tagen aus,
ein Verfahren, das die Regierung zu verhindern strebt. Stellen-
weise läßt man spätreife Sorten länger auf den Saatbeeten als
frühreife (61, S. 9—10).

Auch auf die Schnelligkeit des Anwachsens nach dem Aus-
pflanzen hat die Vorkultur einen großen Einfluß. Pflanzen von
nassen Saatbeeten haben meist eine Zeitdauer von etwa 14 Tagen
notwendig, um sich zu erholen und ihr Wachstum wieder auf-
nehmen zu können, während Pflanzen von trocknen Beeten
nach 3—7 Tagen zu wachsen beginnen. Dies hängt in der Haupt-
sache damit zusammen, daß die Befähigung zur Neubildung
von Wurzeln bei letzteren Pflanzen bedeutend größer ist als
bei ersteren. Auch die Bestockung nach dem Auspflanzen soll
bei den trocken verkultivierten Sämlingen intensiver als bei den
aus nasser Kultur stammenden erfolgen. Wegen dieser Vorteile
scheint die Trockenkultur der Sämlinge auch mehr und mehr
in Aufnahme zu kommen.

Um die Pflanzen beim Herausziehen aus dem Boden nicht zu
verletzen, müssen bei trockner Kultur die Beete am Tage vorher
gründlich bewässert werden, bis das Erdreich hinlänglich er-
weicht ist. Das Herausnehmen der jungen Pflanzen aus dem
Saatbeete erfolgt meist schon am Tage vor dem Verpflanzen.
Sorgsam wird hierbei Pflänzchen auf Pflänzchen einzeln aus dem
Boden gezogen, um die zarten Wurzeln nicht zu verletzen.
Vergleichende Beobachtungen des Wurzelsystems in den ver-
schiedenen Saatbeeten und die daraus sich ergebenden Vorteile,
auch solche über die Wirkung der Wurzelverletzung beim Aus-
reißen, sind noch nicht angestellt worden, wären aber sehr er-
wünscht. — Ist eine Handvoll Sämlinge gesammelt, so spült
man das an den Wurzeln haftende Erdreich ab und bindet eine
größere Partie mit aufgeweichtem Reisstroh oder Pisangbast zu-
sammen. Schließlich werden die Blätter der gebündelten Pflan-

Z
ı2
        <pb n="57" />
        Abb. 6. Das Einebenen der überrieselten Reisfelder mit dem Schleifbrett.
(Aus: Walter Busse, Bewässerungswirtschaft in Turan. Verlag von Gust, Fischer, Jena 1915.)
        <pb n="58" />
        54 -
zen vielfach noch auf die Hälfte oder ein Drittel ihrer Länge
zurückgeschnitten, was schnelleres Schossen und gleichmäßigeres
Wachstum zur Folge hat. Dann werden die Sämlingsbündel auf
die fertig bearbeiteten Sawahs verteilt. Auf der Malaiischen
Halbinsel steckt man sie bis zum Auspflanzen mit den Wurzeln
in einen Düngerbrei, der aus Guano, Kuhdung oder Knochenmehl
oder aus einer Mischung dieser Bestandteile besteht. Die bis-
herigen Saatbeete werden nach dem Hinwegnehmen der Sämlinge
schleunigst noch einmalumgearbeitet und dann ebenfalls bepflanzt.

Auf den Philippinen wird stellenweise nach dem „dapog‘‘ ge-
nannten System, das für frühreife Varietäten immer mehr An-
wendung findet, die Reissaat nicht in die Erde gelegt, sondern
in ein etwa zolldickes Keimbett von feuchten Reisspelzen oder
Häcksel. Dieses ruht auf Bananenblättern, mit denen man die
Saatbeete bedeckt hat. Das Verfahren hat den Vorteil, daß beim
Herausnehmen der Sämlinge die Wurzeln durchaus geschont
werden, was ein viel früheres Verpflanzen, nämlich nach 14 Tagen,
zuläßt.

Eine andere eigenartige und interessante Abänderung der
Saatbeetbereitung ist das im westlichen Indien als „rab‘“ be-
kannte Verfahren, das auch bei einigen Hirsearten angewendet
wird. Es besteht in einem Brennen des Erdbodens, das in der
Trockenzeit vor dem Südwestmonsun vorgenommen wird. Auf
den zu Saatbeeten ausgesuchten Landstücken wird eine 1—72 Zoll
dicke Lage getrockneten Kuhdungs ausgebreitet; auf diesen
kommt eine Lage von trocknen Baumblättern oder zerhackten
trocknen Zweigen, darauf Gras, Stroh oder andres brennbare
Material und schließlich reine oder mit frischem Dung gemischte
Erde, die z. T. in die Lücken hineinfällt und die Luft verdrängt,
so daß sich auf diese Weise das Brennen verlängert. Derselbe
Zweck wird dadurch erreicht, daß man das Feuer an der Leeseite
anlegt, so daß es gegen den Wind brennt. Diese Behandlung
des Bodens soll eine ausgezeichnete Wirkung auf das Wachstum
des Reises haben. Auf die Erörterung der Ursachen dieser Wir-
kung muß hier verzichtet werden (43, S. 271—275; 133, vol. V,
Ss: 591—595; 92; 72).
        <pb n="59" />
        Während des Auspflanzens der Sämlinge soll das Wasser mög-
lichst nicht oder nur wenig über dem Erdreich stehen; gege-
benenfalls muß das überschüssige Wasser vorsichtig abgelassen
werden. Dies soll verhüten, daß der Grund zu breiig wird und
die eingesetzten Pflanzen umfallen. Das Auspflanzen geschieht
in Java sauber in Reihen, und zwar meist durch Frauen. Man
beginnt dabei, wenn möglich, an einem geraden Deich des
Sawahs und pflanzt dann, rückwärts gehend, weiter. Je nach
der Stärke der Pflanzen werden 2 bis höchstens 4 Exemplare
gleichzeitig in ein Pflanzloch gesetzt. Der Pflanzende faßt zu
diesem Zwecke die jungen Pflänzchen einige Fingerbreiten
oberhalb des Wurzelansatzes mit dem Daumen und Zeigefinger,
so daß die Wurzeln an der inneren Handfläche herabhängen,
und stößt dann die drei übrigen ausgestreckten Finger so weit
in das breiige Erdreich, daß die Pflanzen bis zum Wurzelhalse
hineinkommen. Sobald er nun diese Finger zurückzieht, schließt
sich das Pflanzloch infolge der schlammigen Beschaffenheit des
Grundes von selbst, und die Pflänzchen bleiben in der gegebenen
senkrechten Stellung stehen. In Westjava erhalten die Pflänz-
linge stets eine etwas geneigte Lage gegen die Richtung des zu-
fließenden Wasserstromes, damit sie bei stärkerem Wasser-
zufluß nicht umgerissen werden.

Die Pflanzweite ist von der Kraft der Bestockung abhängig,
die die Pflanze unter den gegebenen Bedingungen zu entwickeln
vermag. Sie wechselt daher mit der Güte des Bodens und mit
dem Klima, hauptsächlich der Durchschnittstemperatur der betr.
Örtlichkeit. Unter günstigen Verhältnissen beträgt der Abstand
etwa 25—30 cm, und ein Busch von 2—3 Pflanzen erzeugt im
Durchschnitt 15—20 Halme. Übrigens hat auch die für jede
Sorte typische Länge der Vegetationsdauer insofern einen Ein-
fluß auf die Bestockung, als sich Sorten mit kurzer Vegetations-
zeit schwächer, solche mit langer stärker bestocken. Man gibt
daher unter gleichen Bedingungen in der Ebene den letzteren
eine Pflanzweite von 20—925 cm, den ersteren dagegen nur eine
solche von 12—15 cm, während man für Sorten von mittlerer
Vegetationsdauer 15—20 cm Abstand wählt. Die richtige Be-

55
        <pb n="60" />
        56

messung der Pflanzweite unter den gegebenen Umständen ist
von höchster Bedeutung für den Ertrag. Da diese Umstände
aber äußerst mannigfaltig sind, muß es hier mit diesen allge-
meinen Bemerkungen sein Bewenden haben.

In Amerika ist das Verpflanzen des Reises gänzlich unbe-
kannt; ebenso in Ägypten, wo bei einem Versuch der verpflanzte
Reis weniger Ertrag gebracht hat, als es breitwürfig gesäter zu
tun pflegt. Copeland bemerkt dazu, daß die aus Ägypten an-
gegebenen Ertragswerte wohl sehr übertrieben sind. Eine her-
vorragende Bedeutung hat das Verpflanzen im europäischen
Reisbau seit langem in Spanien, das von allen Reisländern der
Welt die höchsten Ernteerträge erzielt. In Portugal wird dieses
Verfahren dagegen gar nicht angewendet; in Italien aber macht
es seit einiger Zeit immer größere Fortschritte. Allerdings ist es
für große Strecken des italienischen Reisbaus der gerade zur
Pflanzzeit mangelnden Arbeitskräfte wegen nicht durchführbar.
Koch (82, S. 151) schätzt, daß im günstigsten Falle von der
Reisfläche eines Gutes noch ?/, gesät werden müssen und nur
1/3, verpflanzt werden kann.

Welches sind die Vorteile und Nachteile der drei Saatmethoden?
— Koch (82, S. 151) sagt mit Recht: „Von den drei Methoden
— breitwürfige Saat aus der Hand oder Maschine, Reihensaat
mit Maschine, Verpflanzen — kommt jede unter bestimmten
Umständen zu ihrem Recht.‘ Die breitwürfige Saat und die
Drillsaat erspart Arbeitskräite, bedeutet aber — zumal die
erste — eine Verschwendung von Saatgut. Der dichte Stand
der Pflanzen, der aus der breitwürfigen Saat sich ergibt, hat
den Vorteil, daß das Unkraut weniger hochkommt, und daß das
Feld gleichmäßiger reift. Daß er auch dem Lagern vorbeugt,
wird von manchen behauptet, von andern bestritten. Die Drill-
saat erleichtert das Jäten; der gleichmäßigere Stand der Pflanzen
gibt jedenfalls noch mehr Gewähr für ein gleichmäßiges Be-
stocken und Reifen. Chambliss (26, S. 688) empfiehlt für das
Präriegebiet der Golfstaaten die Drillsaat mehr, weil sie Saatgut
erspart und gleichmäßige Verteilung und Tiefenlage der Saat
gewährleistet. Nur wenn nach feuchtem Wetter, hei dem das
        <pb n="61" />
        Säen erfolgt ist, der Boden schnell austrocknet und an der Ober-
fläche erhärtet, wird breitwürfige Saat bessere Ergebnisse haben,
da die oberflächlicher liegenden Körner mit ihren Keimlingen
die feste Bodenschicht besser durchbrechen können. Gileich-
mäßiges Bestocken und Reifen erreicht auch die Verpflanzungs-
methode, wenn in Reihen gepflanzt wird; dabei soll der Ertrag
höher und die Qualität besser sein als bei den andern beiden
Methoden. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil der Ver-
pflanzmethode ist die Ersparnis an Saatgut. Auf Feldern, die
nicht berieselt werden können, sondern vom Regen abhängig
sind, ist die Verpflanzmethode nur dann verwendbar, wenn die
Regen erfahrungsgemäß pünktlich und kräftig genug einsetzen.
Der Hauptnachteil der Methode, der sie unter Umständen aus-
schließt, ist, daß sie viele Hände erfordert.

Wie schon erwähnt, verliert der gespeicherte Reis ziemlich
schnell einen Teil seiner Keimkraft. Copeland rät deshalb
dringend, Keimproben anzustellen, was beim Reisbau noch
sehr wenig üblich sei. Wenn das Keimprozent niedriger als 90
ist, muß eine entsprechende Erhöhung der Saatmenge erfolgen.

6. Bewässerung.

Der Trockenreis bedarf keiner Bewässerung. Der Wasserreis
kann nur in wenigen Gebieten der Erde durch Aufstauung des
Regenwassers genügend berieselt werden; fast allgemein wird
bei seiner Kultur künstliche Bewässerung angewendet. „Be-
wässerung ist die Technik der Reiskultur‘, sagt Copeland.
Sie steht in Beziehung zu so eigenartigen Kulturverfahren wie
das Dichtmachen des Bodens und das Verpflanzen der Sämlinge;
zur Bevorzugung der Ammoniumsalze vor den Nitraten von
seiten des Reises; zu den besonderen Reisunkräutern und zur
Unkrautbekämpfung; zu manchen Krankheiten und Schädi-
gungen der Kulturpflanze und deren Abwendung,

Schon in dem Abschnitt über die Bodenbearbeitung ist von
der Anlage der Wasserleitungssysteme gesprochen worden. Hier
sei noch kurz nachgetragen, daß an zahlreichen Stellen der Erde,

57
        <pb n="62" />
        und gerade in den Hauptreisbaugebieten, das Flutwasser
großer Ströme zur Berieselung des Reises verwendet wird
(Mekong, Menam, Salwyn, Irawaddy, Brahmaputra-Ganges,
Nil). Auch in den Südstaaten der Union war der Reisbau ur-
sprünglich auf das Ufergelände der großen Flüsse beschränkt,
soweit es unter der Einwirkung der Gezeiten des Ozeans steht,
a
Abb. 7. Umhacken der Reisfelder in Japan.
(Aus: Warburg und v. Someren-Brand, Kulturpflanzen der

Weltwirtschaft. Verlag von R. Voigtländer, Leipzig.)
jedoch nur oberhalb des Bereiches des Salzwassers, das, wie
schon erwähnt, die Reispflanze schädigt. Das Steigen und
Fallen des Wassers muß, um die Überflutung und Entwässerung
der Felder zu ermöglichen, mindestens 1 m betragen; 2—2'/, m
sind erwünschter. Längs des Ufers wird ein Damm aufgeworfen,
der so hoch und stark ist, daß er das Übertreten des Flusses auf

58
        <pb n="63" />
        59

die Anlage verhindert. Kleinere Dämme teilen dann das Ge-
lände zwischen dem Hauptdamme und der Böschung, die die
jenseitige Grenze des Reisfeldes bildet, in Vierecke von einigen
Hektar Größe. Die Reisfeld-Fächer werden durch ein System
von Haupt- und Seitengräben in Beete von 8—10 m Breite ein-
geteilt. Das Flußwasser tritt durch Schleusen auf die Felder.
Da dieser natürliche Zufluß oft nur bei Hochwasser möglich ist,
stellt man Maschinen auf, die das Wasser entweder unmittelbar
über die Flußdämme in die Zuleitungsgräben oder — was meist
der Fall ist, da an Kraft gespart wird — in besondere Sammel-
becken pumpen, aus denen es dann durch Siphons über den
Damm gesaugt wird (123, S. 633). In ähnlicher, wenn auch
einfacherer Weise wird oft im asiatischen Reisbaugebiet das
Wasser aus den Flüssen auf die höher gelegenen Reisfelder be-
fördert, wenn es nicht möglich ist, sie von Gebirgswasserläufen
aus zu bewässern. Am einfachsten geht dabei wohl der Chinese
zu Werke, wenn er mehr einen Reisgarten als ein Reisfeld zu
überfluten hat; er schöpft das Wasser einfach mit einem Eimer
aus dem Flusse. Im Innern von Siam verwendet man statt der
Eimer Körbe, die mit Harz gedichtet sind. Ist das Feld zu groß
dazu, so bedient man sich einer Art Kettenpumpe, die in einer
Tretmühle durch Menschenkraft oder mittels eines Göpelwerkes
durch einen Büffel bewegt wird.

In den Golfstaaten hatte man ursprünglich nur das durch
Dämme aufgestaute Regenwasser zur Reiskultur verwendet.
Später bildeten sich Gesellschaften, die durch Anlage von Pump-
werken und Kanalsystemen die Ausnutzung des in den wenigen
Flußläufen vorhandenen Wassers ermöglichten. Schließlich
bohrte man Brunnen, deren Wasser mit großem Erfolge zur
Reiskultur benutzt wurde. In Arkansas hat der größte Teil des
Irrigationswassers diesen Ursprung (34). Auch in Italien nimmt
man stellenweise das Beflutungswasser für die Reisfelder aus
Brunnen. Da das Brunnenwasser auch im Sommer zu niedrige
Temperatur hat, macht man hier das erste Fach des Reisfeldes,
auf dem sich das Wasser erst allmählich erwärmen soll, klein,
um möglichst geringen Schaden zu haben. Oder es wird eine
        <pb n="64" />
        ‚„„caldana‘‘ angelegt, ein mehr oder minder langer, schnecken-
förmig gewundener Kanal, den das Wasser erst durchlaufen muß.
— Die Bewässerungsanlagen in solchen Gebieten, die von Ge-
birgsflüssen aus überflutet werden können, wie in Java, sind
oben (S. 23) schon geschildert worden.

Welche Verwendung findet nun das Wasser, abgesehen von
seiner bereits erörterten düngenden Wirkung, im Reisbau? —
Daß man unter Umständen die Bodenbearbeitung ganz oder teil-
weise auf unter Wasser gesetzten Feldern durchführt, ist schon
erwähnt worden.

Bei der eigentlichen Bewässerung der Reispflanze, d.h. der
Zuführung des Wassers, das für die Lebensprozesse der Pflanze
benötigt wird, ist zu bedenken, daß der Reis zu den Pflanzen
gehört, die ein großes Wasserbedürfnis haben; er kann weit
größere Wassermengen aufnehmen und ausnützen als die meisten
andern Kulturgewächse. Darin finden die hohen Erträge ihre
Begründung (vgl. S. 75). Im Gegensatz dazu ist das Luftbedürt-
nis des Reises geringer als das der meisten Kulturpflanzen;
jedoch ist er bei zu geringer Bodendurchlüftung natürlich eben-
falls der Erstickungsgefahr ausgesetzt. Die Bewässerung muß
also so eingerichtet werden, daß das Wasser- und das Luftbedürf-
nis zu ihrem Rechte kommen. Daneben aber muß man in Be-
tracht ziehen, daß die Durchlüftung des Bodens nicht nur die
Zuführung der Atmungsluft an die unterirdischen Pflanzen-
organe bezweckt, sondern auch für die Zersetzung der orga-
nischen Bodenbestandteile, hauptsächlich des Stalldüngers,
untergepflügter Unkräuter und Gründüngungspflanzen (s. S. 35)
nötig ist. In solcher Lage also ist die Durchlüftung des Bodens
reichlicher zu bemessen.

Fesca (56, S. 128) gibt folgende allgemeine Regeln über die
Bewässerung: „Das bepflanzte (d. h. durch Überpflanzen der
Sämlinge aus den Saatbeeten beschickte) Feld muß sogleich be-
wässert werden; jedoch nur flach, damit sich der Boden mög-
lichst erwärmt. Die flache Bewässerung wird 1'/,—2 Monate
fortgesetzt. Dann bewässert man während des Bestockens und
Schossens etwas stärker und darauf wieder allmählich schwächer;

60
        <pb n="65" />
        61

nach der Blütezeit ist das Feld trockenzulegen. Auch während
der Bewässerungsperiode sollte das Feld zeitweise trockengelegt,
der Boden der direkten Besonnung und Durchlüftung ausgesetzt
werden. Die Stauhöhe richtet sich zunächst nach der Menge
und Qualität des Wassers, jedoch ist eine zu große Stauhöhe
zu vermeiden. Eine hohe Stauschicht bietet allerdings den Vor-
teil, daß sie das Unkraut mehr unterdrückt, jedoch beeinträchtigt
sie die Erwärmung und Durchlüftung des Bodens; sie befördert
zwar die Bestockung und Luftwurzelbildung, jedoch bilden sich
bei zu ‚hoher Stauschicht zwar viele, aber schwache Halme.
Im allgemeinen verdient daher eine mittlere Stauhöhe von 2 cm
den Vorzug. Freilich staut man vielfach bis 5 cm hoch, jedoch
sollte man nur mit trübem, dungreichem Wasser, und auch mit
solchem nur kurze Zeit, so hoch stauen.‘‘

Der von Fesca hier gegebene Maßstab für die Tiefe der Was-
serschicht ist nicht allgemein verwendbar. Die Tiefe des Riesel-
wassers hat sich nach den verschiedensten Umständen zu richten;
außer nach den klimatischen Verhältnissen ganz besonders nach
der gebauten Reisvarietät. Es gibt — abgesehen vom Trocken-
reis — Varietäten, die mit kaum benetztem Boden zufrieden
sind, und solche, die eine Stauhöhe von mehreren Metern er-
tragen, ja erfordern.

Es scheint, als ob das unter normalen Verhältnissen von
Fesca mit Recht empfohlene Maßhalten in der Bewässerung
nicht überall geübt wird. Spahr (123, S. 638) berichtet aus
Louisiana, daß die Höhe des Stauwassers im Alluvialgebiet der
Flüsse zwischen 15 und 30 cm schwanke, und tadelt dieses Ver-
fahren, auf das er die dem Hondurasreis nachgesagte starke
Neigung zur Lagerung, z. T. wenigstens, zurückführt. Im dor-
tigen Präriegebiet bewässert man so, daß das Wasser an der
höchsten Stelle des Feldes nur 2!/,—3 cm, an der niedrigsten
12—18 cm hoch steht. Als bestes Höchstmaß der Bewässerung
nimmt Spahr 10 cm’an. Chambliss läßt als Höchstmaß in
der Prärie etwa 12 cm gelten. Auch von Java berichtet Simon,
daß die durchschnittliche Höhe der Wasserschicht auf den im
Wachstum stehenden Sawahs 10cm beträgt. Viel zu hoch
        <pb n="66" />
        62

scheint die Stauhöhe auch fast allgemein in Italien zu sein, wo
nach Koch beim ausgewachsenen Reis 30 cm durchaus keine
Ausnahme sind.

Der breitwürfig gesäte oder gedrillte Reis wird im Anfangs-
stadium verschieden behandelt. In Italien bewässert man ihn
nach der Aussaat etwa 1 Fuß hoch; sobald die jungen Pflanzen
an der Oberfläche erscheinen, was nach etwa 2—3 Wochen
der Fall ist, läßt man den Wasserspiegel bis auf 1 cm sinken,
da sich so der Boden schneller erwärmt und die Entwicklung
der Pflanzen beschleunigt wird (9, S. 236, 237). Im Präriegebiet
der Golfstaaten wird dagegen nach Chambliss (36, S. 693)
das besäte Feld nur selten bewässert, um die Keimung zu be-
schleunigen; man fängt allgemein erst mit der Berieselung an,
wenn die jungen Reispflanzen 15—20 cm hoch sind, und zwar
mit einer Schicht von 2,5—5 cm. Darauf steigert man langsam
die Stauhöhe bis zu einem Höchstmaß von 12 cm; die Pflanzen
sind dann wenigstens 60cm hoch. Entwässert müssen die
Felder so rechtzeitig werden, daß sie zur Ernte ausgetrocknet
sind.

Zeitweiliges Trockenlegen der Felder während der
Wachstumsperiode des Reises zur Durchwärmung und Durch-
lüftung des Bodens, wie sie Fesca fordert, scheint nur selten
wirklich systematisch durchgeführt zu werden. Allerdings ge-
schieht es zuweilen zu andern Zwecken, nämlich um das Jäten
oder sonstige Unkrautbestreitung auf dem Felde vornehmen zu
können. Die italienischen Reispflanzer scheinen dieses Ver-
fahren allerdings nicht oft anzuwenden. In Java, wo die Un-
krautbekämpfung durch Überflutung üblich ist, wird die ganze
Bewässerung etwa folgendermaßen durchgeführt. In den ersten
beiden Wochen nach dem Auspflanzen des Reises, das zwar im
feuchten, aber nicht vom Wasser überfluteten Boden geschieht,
werden die Sawahs, solange die Sämlinge noch nicht ange-
wachsen sind, nur sehr mäßig bewässert. Man verzichtet zuerst
am liebsten ganz darauf und fängt erst vorsichtig damit an,
wenn die Oberfläche trocken zu werden beginnt. Das Eintreten
dieses Zeitpunktes hängt von der Lufttemperatur und der
        <pb n="67" />
        63

Durchlässigkeit des Untergrundes ab. Nach 15—20 Tagen sind
fast unter allen Umständen die Pflanzen so weit festgewachsen,
daß sie auch bei stärkerer Wasserzufuhr aufrecht stehenbleiben.
Jetzt beginnt überall das Unkraut aufzuschießen, das die jungen
Reispflanzen im Wachstum behindert. Es muß deshalb die
erste Jätung vorgenommen werden. Sie erfolgt bei möglichst
geringem Wasserstande. Das Unkraut wird ausgerissen und
dann gleichmäßig unter möglichster Schonung des Wurzelwerkes
der Reispflanzen mit den Händen untergewühlt. Diese Methode
hat den Vorteil, daß die in den ersten Tagen nach dem Pflanzen
durch das Aussetzen der Bewässerung entstehende harte Erd-
kruste beseitigt und die obere Bodenschicht durchlüftet wird.
Das untergewühlte Unkraut dient dabei gleichzeitig als Grün-
düngung. Unter beständiger Wasserzufuhr — bis zu durch-
schnittlich 10 cm Höhe — setzt nun die Hauptstufe der vege-
tativen Entwicklung des Reises ein, während der zunächst
zahlreiche Seitentriebe gebildet werden. Diese Periode dauert
etwa 2—2'/, Monate. Bereits nach 11!/, Monaten wird unter
klimatischen Bedingungen, die den Unkrautwuchs fördern, wie
in Westjava, eine zweite und gleichzeitig letzte Jätung vor-
genommen. Zwei Tage vor dieser Jätung wird kein Wasser
mehr zugeführt. Eine Aufwühlung des Bodens ist wegen der
jetzt starken Durchwurzelung ausgeschlossen; man beschränkt
sich darauf, das Unkraut vorsichtig auszureißen. Junge und
fleischige, leicht verrottende Pflanzen läßt man zwischen den
Reisreihen liegen, während man die Gräser und schwer verwes-
lichen Pflanzen auf die Dämme wirft und dort vertrocknen läßt,
um sie bei der nächsten Bearbeitung unterzupflügen. Um das
Weiterwachsen des innerhalb der Felder liegengebliebenen Un-
krautes zu verhindern, wird auch in den ersten 2 oder 3 auf die
Jätung folgenden Tagen kein Wasser zugeführt. Dann geht
aber die Bewässerung gleichmäßig und kräftig weiter, bis sich
die Blütenrispen zu bilden beginnen. Erst jetzt wird der Wasser-
zufluß langsam vermindert, doch noch in beschränktem Maße
bis zu dem Zeitpunkt aufrechterhalten, wo die Frucht nahezu
ausgewachsen ist. Wenn diese ihre grüne Färbung zu verlieren
        <pb n="68" />
        C
beginnt und damit das Ausreifen einsetzt, wird der Wasser-
zufluß gänzlich abgestellt.

Übrigens müssen sich, wie schon erwähnt, alle Bewässerungs-
maßnahmen nach der Varietät richten; die eine gedeiht am
besten bei ein- oder mehrmaliger Unterbrechung der Bewässe-
rung, eine andre fordert gleichbleibende Überflutung. Das
Äußerste stellt der flutende Reis von Kambodscha dar, der mehr
als 4m tiefes Wasser verträgt (43, S. 260).

Das Stauwasser auf den Reisfeldern soll nicht
stehen, sondern sich in langsam fließender Bewegung
befinden, schon um die Entwicklung der Malariamücken
möglichst zu verhindern. Denn zwischen Reisbau und Malaria-
gefahr besteht kein unlöslicher Zusammenhang. Dieser tritt erst
da ein, wo die Wasserbewegung in den Reisfeldern so gering ist,
daß die Larven der malarıa-übertragenden Stechmücken die er-
forderlichen Bedingungen für ihre Entwicklung finden. Dagegen
werden die Anopheleslarven nach Bachmann (9, S. 238) weder
durch einige Tage Trockenlegung getötet noch durch einen
Strom fließenden Wassers, da sie sich auf ruhige Stellen zurück-
ziehen. Heute wird die Rolle, die der Reisbau für die Verbreitung
der Malaria spielt, nicht mehr als so verhängnisvoll, ja vielfach
sogar als vorteilhaft beurteilt. Manche Gegenden Italiens,
Spaniens und Portugals sollen vor der Einführung der Reiskultur
vom Wechselfieber verseucht gewesen, heute dagegen gesund
sein; ähnliche Erfahrungen hat man in Kalifornien gemacht.
In den weiten Reisgebieten Südostasiens hegt niemand ein solches
Vorurteil gegen die Reiskultur (107; 43, S. 342—344).

Der Wasserverbrauch beim Reisbau ist abhängig von der
Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftbewegung, der Durch-
lässigkeit des Bodens, . der Dichtigkeit der Dämme, endlich
natürlich von der Stauhöhe und der Dauer der Bewässerung.
Fesca stellt folgende allgemeine Berechnung auf: „Zunächst
muß sich der Boden mit Wasser sättigen, was nach einigen in
Japan ausgeführten Messungen je nach seiner Durchlässigkeit
und Wasserkapazität zumeist 500—1000 cbm Wasser pro Hektar
erfordern dürfte. Eine Stauhöhe von 2cm entspricht einer

34
        <pb n="69" />
        65

Wassermenge von 200 cbm pro Hektar, eine solche von 5 cm
500 cbm pro Hektar. Der Wasserersatz ist abhängig von der
Verdunstung des Wassers und der Durchlässigkeit des Bodens;
je nachdem kann nur jeden dritten oder vierten Tag Ersatz er-
forderlich sein; auf sehr durchlässigem Boden und bei starker
Verdunstung muß dagegen das Wasser täglich, sogar zuweilen,
freilich wohl nur selten, täglich zweimal ersetzt werden. Ist
Ersatz jeden dritten Tag erforderlich, so würde der Wasserver-
brauch pro Monat bei 2 cm Stauhöhe 2000 cbm, bei 5 cm Stau-
höhe 5000 cbm betragen, bei täglichem Ersatz dagegen 6000
resp. 15 000 cbm. Da sich die Bewässerungsdauer mindestens
auf zwei, zumeist auf drei, höchstens wohl auf vier Monate aus-
dehnt, so kann der gesamte Wasserbedarf mit 10 000 cbm und
weniger gedeckt sein, andrerseits kann er sich auf 60 000 bis
100 000 cbm pro Hektar stellen.‘ — Nach älteren Angaben
rechnet man in Madras 0,7 1 Wasser in der Sekunde pro Hektar
für den Sommerreis, dagegen 1,21 für den in der Trockenzeit
wachsenden Reis. In Bombay werden 11000 cbm auf den
Hektar Reisland bis zur Ernte gebraucht, das sind etwa 0,851
in der Sekunde (77, S.61 u. f.). Aus Italien wird angegeben,
daß für ein Reisfeld von 132 Acres 7 Kubikfuß Wasser in der
Sekunde benötigt werden, d.h. 1 Kubikfuß auf 19 Acres; im
allgemeinen aber wird auf 26 Acres 1 Kubikfuß gebraucht, das
sind etwa 2,51 pro Hektar in der Sekunde. Im Präriegebiet
der Golfstaaten wird unter normalen Umständen, d. h. bei einer
Regenhöhe von 50 cm während der Irrigationsperiode, für eine
gute Ernte eine Gesamtstauhöhe von 70cm, d. h. 7080 mc
Rieselwasser auf den Hektar für nötig gehalten (26, S. 693).
7. Feldbehandlung.

Die Feldbehandlung des Reises beschränkt sich, außer der
Bewässerung, auf das Entfernen des Unkrauts, das dem Reis-
bau hinderlicher ist als andern Getreidekulturen. Denn auf
den bewässerten Reisfeldern findet sich eine — durch die starke
vegetative Vermehrungsfähigkeit der Wasserpflanzen begün-
stigte — Massenvegetation von Wasserunkräutern ein, die teils
Winkler, Reis (Monograph. z. Landwirtsch, warm. Länd.). Bad. III. 5
        <pb n="70" />
        66

die Reispflanzen auf dem Felde selbst beeinträchtigen, manch-
mal vollständig ersticken, teils die Zuleitungswege des Be-
rieselungswassers verstopfen können, besonders wenn sie lange
unterirdische Ausläufer bilden. Natürlich gibt es auch eine
ganze Anzahl von Unkräutern, die nicht zu den Wasser-
pflanzen zu rechnen sind. Jacometti zählt aus den italienischen
Reisfeldern 150 Unkräuter auf (105, S. 68—78; 83, 2. Bd., 955):
Einige Gräser werden dadurch dem Reise besonders gefährlich,
daß sie ihm im sterilen Zustande sehr ähnlich sehen und daher
durch Jäten schwer zu entfernen sind, z. B. die Reisquecke,
Leersia oryzoides, auch der flutende Schwaden, Glyceria
fluitans. Ganz besonders verhaßt sind dem Reisbauer die
wilden Urformen des Reises selbst, z. B. die verschiedenen
Formen des „roten Reises‘““ (red rice), die erst im fruchtenden
Zustande erkannt werden können, da sie vegetativ dem Kultur-
reis völlig gleichen, ihre Rispen aber schlaff, offen, leicht zurück-
fallend sind und verhältnismäßig wenige Früchte tragen. Diese
lästigen Reisvarietäten, die man in Italien riso „crodo‘“ oder
„selvatico‘“ nennt, können bei starkem Auftreten die Kultur
geradezu unmöglich machen. Sehr hinderlich wird dem Reise,
besonders in seinem ersten Entwicklungsstadium, die Hühner-
hirse, Panicum (oder Echinochloa) crus galli, die sich nur
durch Jäten vor dem Schossen des Reises entfernen läßt. Aus
Italien, Kalifornien und anderen Reisbaugebieten wird dieses
Gras als gefährlicher Schädling der Reisfelder angegeben. In
der Reisliteratur tritt es unter folgenden Namen auf: barn
yard grass; herbe des cours de granges, millet des cours de
granges, millet pied-de-poule; panicastrella; djawan (malalisch).
Sehr ausführliche Mitteilungen über seine Bekämpfung macht
Copeland (43, S. 183 u. f.). Selbstverständlich ist auch das
schwer ausrottbare Schilfrohr (Phragmites communis) ein
Feind der Reiskultur. — Als besonders lästig müssen noch ge-
wisse Algen erwähnt werden, die die Wasseroberfläche der Reis-
felder mit einer Haut überziehen.

Die Gefährlichkeit der Reisunkräuter beruht zwar auch auf
ihrer Konkurrenz hinsichtlich der Nährsalze des Bodens; in
        <pb n="71" />
        67

erster Linie aber auf der Ausbreitung ihrer oberirdischen Organe,
der beblätterten Stengel, die dem Reis, besonders in den Sub-
tropen, Licht und Sonnenwärme, die er dort besonders nötig
hat, absperren. An den Grenzen des Reisbaugebietes sind des-
halb die Unkräuter der Kultur um so gefährlicher, je weniger
zuverlässig die klimatischen und meteorologischen Verhältnisse
sind. Denn bei einer Unterschreitung des Mindestmaßes an
Licht, die der Reis verlangt, bei stärkerer Abkühlung des Be-
rieselungswassers, bleibt der Reis im Wachstum zurück, während
die meisten Unkräuter keinen Schaden dadurch leiden. — Die
Reisunkräuter wirken natürlich auch dadurch noch nachteilig, daß
die Beimengung ihrer Samen den Marktwert des Reises herabsetzt.
Die Bekämpfung des Unkrauts muß auf verschiedene
Weise stattfinden. Überall kommt selbstverständlich als vor-
beugende Maßregel die Reinheit des Saatgutes in Betracht.
Wie schon erwähnt, pflanzen sich aber gerade die Wasserun-
kräuter reichlich vegetativ fort, so daß gegen sie auch die größte
Sorgfalt bei der Reinigung des Saatreises nichts nützt. Manche
lassen sich nur durch Jäten niederhalten. Auf breitwürfig ge-
säten Feldern kann es nur mit der Hand geschehen und wird
in Italien zweimal vorgenommen. In den alten asiatischen Reis-
ländern wird auch bei Reispflanzung mit der Hand gereinigt.
Wann und wie die Jätung in Java vorgenommen wird, ist oben
schon. beschrieben worden. In manchen Gegenden wird ein
schaufelartiges Instrument dazu benutzt, das auf der Insel Bali
‚„„kiskis‘‘ heißt und in ganz ähnlicher Form auch in China und in
Italien üblich ist. Es wird mit der Hand gezogen oder geschoben.
In Italien. hat man es durch Anbringen einer Laufplatte ver-
bessert, die das zu tiefe Eindringen in den morastigen Boden
verhindert. Jack berichtet von der Malaiischen Halbinsel, daß
auf gutem Boden nur einmaliges Jäten nötig sei, auf armen Böden
zweimaliges. Die hohen, den Reis überwuchernden Unkräuter
schädigen ihn dort hauptsächlich durch Beschattung, die das
Schossen verhindert.
In den modernen Betrieben werden bei Reihensaat Maschinen
zum Reinigen verwendet; auf den italienischen Reisgütern viel-
        <pb n="72" />
        68

fach ein schlittenartiges Gestell mit Messern, das von hinten
durch einen Griff mit der Hand gesteuert werden kann. Da
dieses Werkzeug noch recht unvollkommen ist, läßt man sich
die Konstruktion zweckmäßigerer sehr angelegen sein; denn das
Reinigen der Felder ist eine der zeitraubendsten und teuersten
Arbeiten bei der Reiskultur. Deshalb hat auch die Deli Maat-
“ sn Ak, 2

"ee

Abb. 8. „Rulli Tromellini‘““ zum Undurchlässigmachen des Untergrundes.
(Aus: Polo Poli, Risicoltura, Torino 1921, Unione tipografico-editrice_Torinense.)
schappij auf Sumatra Versuche mit maschinellem Reinigen
unternommen.

Eine andere Methode der Unkrautbestreitung stützt sich auf
die Abhängigkeit der Unkrautpflanzen vom Wasser. Trocken-
wachsende Unkräuter, z. B. gewisse Gräser. lassen sich dadurch
von Grund aus beseitigen, daß man das Feld mehr oder weniger
hoch berieselt. In Kalifornien hat man z. B. die Erfahrung ge-
macht, daß die Hühnerhirse durch 2 Zoll hohe Überflutung
        <pb n="73" />
        69

gar nicht beeinträchtigt wird, bei 4 Zoll noch in ziemlich großer
Menge, bei 6 Zoll vereinzelt bis über die Wasseroberfläche
kam, durch eine Schicht von 8 Zoll aber völlig unterdrückt
wurde (48). Hier hat man als ein sehr erfolgreiches Ver-
fahren zur Reinigung verunkrauteten Reislandes folgendes er-
probt: Es wird in einem Sommer, in dem kein Reis auf
das Feld kommt, kurze Zeit bewässert, um die Unkrautsamen
zum Keimen zu bringen, und dann werden die Keimpflanzen
untergepflügt (79). Aus Louisiana berichtet Spahr (123, S. 638)
noch ein anderes Vorgehen zur Grasbekämpfung: „Mit der Be-
wässerung (nach der Aussaat) muß besonders dann sobald wie
möglich begonnen werden, wenn das Feld zu vergrasen droht.
Hat das Gras, das in den Südstaaten ‚General Green‘ genannt
wird, da der Farmer es ständig zu bekämpfen hat, schon zu
große Gewalt bekommen, dann greift man zu einem Radikal-
mittel. Man mäht das ganze Feld dicht über der Oberfläche des
Bodens ab und bewässert sofort. Der Reis schlägt wieder aus,
während das Gras unter dem Wasser erstickt.‘ — Anderseits
lassen sich natürlich viele Wasserunkräuter durch längere
Trockenlegung der Felder ausrotten. So bleiben diese in den
Südstaaten der Union auch zu diesem Zwecke (hauptsächlich
natürlich, um ausgesaugtem Boden Gelegenheit zur Erholung
zu geben) 2—3 Jahre brach liegen. Wo Wechselwirtschaft üblich
ist, bietet sie ein ausgezeichnetes Mittel zur Bekämpfung der
Reisunkräuter; besonders die gut deckenden Leguminosen wer-
den dafür bevorzugt.
8. Ernte und Aufbereitung; Erträge.

Die richtige Zeit der Ernte ist beim Reis, wie bei den
übrigen Getreidearten, das Stadium der Gelbreife, sobald das
Korn über dem Nagel bricht, da dann der Mehlkörper seine
Entwicklung vollendet hat und nur noch die Frucht- und
Samenschale wachsen, zugleich die Neigung zum Ausfallen zu-
nimmt. Nur Saatkorn erntet man besser erst in der Vollreife.
Zum guten Ausreifen der Körner ist die Trockenlegung der
nassen Reisfelder unbedingt erforderlich, die deshalb überall
        <pb n="74" />
        nach der Reisblüte vorgenommen wird. Entsprechend der Auf-
blühfolge sind die unteren Früchte jedes Rispenastes und der
ganzen Rispe etwas jünger als der oberen und daher im Reife-
zustand hinter diesen etwas zurück. Lästiger für die Ernte ist
das ungleichmäßige Reifen der einzelnen Pflanzen auf einem
und demselben Felde. Es gibt wohl mehrere Ursachen dieser
Erscheinung. So kommt ungleichmäßige Bodenbeschaffenheit
und Bewässerung, wahrscheinlich auch der unregelmäßige Stand
der Pflanzen nach breitwürfiger Saat in Frage, ferner das Nach-
setzen eingegangener Pflanzen. Natürlich reift die Rispe des
Haupthalms früher als die der Nebenhalme. Die Hauptursache
aber liegt wohl in dem Sortengemisch, das in der Regel ein Feld
erfüllt; sie läßt sich durch Anbau reiner Linien ausschalten.
Beim Mähen mit Sensen oder Maschinen kann man auf das un-
gleichmäßige Reifen keine Rücksicht nehmen, wie es dort ge-
schieht, wo jede Rispe einzeln geschnitten wird, z. B. in Java.
Man pflegt hier eine Haupt- und eine Nachernte, gelegentlich
auch eine Vorernte in Abständen von je einer Woche abzu-
halten. Die geschnittenen Rispen werden dabei zunächst auf
den Sawahdeichen niedergelegt und, wenn das Feld abgeerntet
ist, in Büschel von möglichst gleicher Größe gebunden und auf
einem erhöhten Platz oder auf trockengelegten Sawahs auf-
gestellt. Je nach dem Grade der Reife und nach der Sorte wird
der geschnittene Reis noch eine oder zwei Wochen, mit den
Halmen nach oben, im Freien getrocknet, indem man die Bündel
täglich mehrmals umwendet und durchschüttelt oder auch,
wenn notwendig, aufbindet und ausbreitet. Sobald die Halme
beim Umbiegen knirschen, ohne zu brechen. ist das erforderliche
Maß der Trockenheit erreicht, und der Padi (der rohe, noch an
der Rispe sitzende Reis) kann in die Scheuern gebracht werden.
— Wie schon erwähnt, können die künstlich bewässerten Reis-
felder in den Tropen zu jeder Jahreszeit bestellt und abgeerntet
werden: doch vermeidet man möglichst die Regenperiode als
Erntezeit.

In außertropischen Gebieten fällt die Ernte natürlich in den
Herbst, in Italien z. B. in günstigen Jahren in den September

70
        <pb n="75" />
        und die erste Hälfte des Oktober, in ungünstigen zuweilen viel
später. Durch die tiefere Temperatur, die später im Herbste
herrscht, wird das Reifen verzögert, so daß ein verhältnismäßig
kleiner Unterschied in der Saatzeit sich durch viel späteres Reifen
rächen kann. In sehr ungünstigen Jahren soll es vorkommen,
daß spätreife Felder erst im Beginn des Winters abgeerntet wer-
den (82, S. 167).

Das Schneiden geschieht in Italien noch größtenteils in
alter Weise durch Frauen mit der Sichel. Die rispentragenden
Halme werden mit der linken Hand zusammengefaßt, in die
Krümmung der Sichel geleitet und so tief abgeschnitten, daß
eine 30—40 cm hohe Stoppel stehen bleibt. Auf diese werden
die geschnittenen Rispenbüschel zunächst gelegt. Bei günstigem
Wetter trocknen sie, da sie luftig liegen, in drei Tagen so weit
aus, daß sie durch Frauen zu größeren Garben zusammengebun-
den werden können, was mit rohen, bastartigen Fäden geschieht.
Zu Stiegen werden diese Garben nicht zusammengesetzt, sondern
sie bleiben ebenfalls auf der Stoppel liegen; sie haben nur den
Zweck, das Beladen der Erntewagen zu erleichtern. Das Ein-
fahren geschieht dann auch sofort.

Da in den Reisgebieten Italiens als Wechselfrucht andere
Getreidearten, hauptsächlich Weizen, gebaut und vielfach mit
Mähmaschinen. geerntet werden, hat man natürlich versucht,
solche auch beim Reisbau zu verwenden, bisher aber ohne viel
Erfolg. Auf noch nicht ganz trocknem Boden versagen sie oft
durch Einsinken gänzlich. Man hat dem dadurch zu begegnen
gesucht, daß man die Maschinen auf Schlitten gesetzt, zusammen
mit einem kleinen Motor, der die zum Schneiden und Binden
nötige Kraft liefern sollte. Dieses Verfahren hatte noch den
Vorteil, daß die Mähmaschinen auch Deiche und kleine Gräben
passieren konnten, Auf andere Weise wird das Einsinken der
Maschinen durch eine Konstruktion von Alfonso Balbo
Bertone, Turin, vermieden. Das große hölzerne Rad wird mit
einem hohlen gußeisernen Hemmschuh versehen, dessen Unter-
seite 2—3 Zoll über dem unteren Rande des Rades steht (105,
S. 79—82, Abb. 69 u. 70). Auf trocknem Boden können die

{1
        <pb n="76" />
        Mähmaschinen natürlich ohne Umbau benützt werden. Trotz-
dem haben sie sich im italienischen Reisbau aus folgendem
Grunde keinen Eingang verschafft. Im Gegensatz zu den Halmen
der anderen Getreidearten bleibt der Reishalm beim Austrocknen
nicht rund und straff, sondern verliert alle Federkraft, wird
schlaff und läßt sich leicht platt drücken. Deshalb ist nach
einigen Tagen des Austrocknens auf dem Felde das Bindegarn
um die Garben, auch wenn es fest angezogen war, so locker
geworden, daß diese beim Aufladen auseinanderfallen (82,
S. 167). Da das Ernten mit Mähmaschinen oder Bindern sehr
viel Verlust mit sich bringt, so hat es sich auch aus diesem Grunde
in Italien, wo man zur Herbstzeit genügend Arbeitskräfte hat,
nicht eingebürgert. Schließlich scheint sich gerade eine Anzahl
italienischer Varietäten wegen ihrer Neigung zum Fallenlassen
der Früchte für Maschinenmahd nicht zu eignen. — Der Reis
wird in Italien mit Wagen, die von Pferden oder Ochsen gezogen
werden, von den Feldern abgefahren.

In den Südstaaten der Union wird auf den alluvialen Reis-
feldern ebenfalls mit der Sichel geschnitten, wie in Italien unter
Stehenlassen einer hohen Stoppel, auf der die Ernte trocknen
kann. Der auf Schwaden gemähte Reis wird, sobald er abgetrock-
net ist, in Garben gebunden und auf Haufen gesetzt, wo er bis
zum Ausdreschen bleibt. In der Prärie erfolgt das Mähen, sobald
der Boden trocken ist, mit Selbstbindermähmaschinen. Wie
man hier den oben erwähnten Übelstand des Lockerwerdens der
Bindeschnüre vermeidet, ist mir unbekannt.

Besonders weitgehenden Gebrauch von Bindern — durch
Pferde oder Traktoren gezogen — wird der mangelnden Arbeits-
kräfte wegen in Kalifornien gemacht, obwohl sie oft versagen,
reparaturbedürftig sind und mit großem Verlust arbeiten; dieser
kann 5—12%, betragen. Er wird hauptsächlich dadurch ver-
ursacht, daß beim ersten Umgang um das Feld ein Streifen,
so breit wie die Maschine, niedergetrampelt wird. Man mäht
deshalb diesen Streifen mit der Hand oder hat den Schaden
durch Konstruktion von Stoßbindern zu vermeiden gesucht
(43, S. 191-194):

72
        <pb n="77" />
        73

Während man in Italien den Reis vor dem Dreschen nur ganz
kurze Zeit auf dem Felde liegen läßt, weil er nachträglich noch
einmal getrocknet wird, werden in Kalifornien und den Golf-
staaten die Garben sorgfältig in Stiegen gesetzt und je nach der
Witterung 10—14 Tage oder länger draußen gelassen. Dabei
droht Gefahr nicht nur durch Regen, sondern, besonders in
Kalifornien, auch durch die Sonne, die das Sog. „sun-cracking‘‘
veranlaßt, d.h. ein feines kreuzweises Bersten der Oberfläche
des Korns, das besonders viel Bruch beim Mahlen zur Folge hat.
Frühreifer Reis leidet mehr als später.

Auf Java wird der dem eignen Gebrauch der Eingeborenen
dienende Reis nicht sofort nach der Ernte gedroschen; die
Rispenbüschel werden in die Reisscheuern gehängt und je nach
Bedarf daraus entnommen. Das Dreschen und das Ents pelzen
der Körner wird durch einen und denselben Prozeß besorgt,
nämlich durch Stampfen in dem sog. Reisblock. Diese älteste
Methode der Menschheit, Körnerfrüchte von den Halmen zu
lösen, sie von den Spelzen zu befreien und zu zerkleinern, ist
heute noch sehr weit verbreitet, und nicht nur in Gebieten der
Halbkultur, sondern auch noch in Litauen und in der Schweiz.
Obwohl der Javaner, wenn irgend möglich, das Enthülsen des
Reises im eigenen Haushalte vornimmt, gibt es in Java doch
auch kleine Reismühlen, die alle in den Händen von Chinesen
sind, welche den größten Teil des Kleinhandels dort beherrschen.
Diese Mühlen sind von recht primitiver Bauart und Arbeits-
weise. In andern Gegenden des asiatischen Reisbaugebietes
wird auf harten Erdtennen durch trampelnde Tiere oder Men-
schen oder durch Schlagen mit Stöcken gedroschen.

In den fortgeschrittenen Großbetrieben der Reiskultur sind die
alten Dreschmethoden des Flegelns und Austretens der Anwendung
moderner Dampfdreschmaschinen, sog. Separatoren, gewichen;
diese geben erheblich weniger Bruchkörner. In Louisiana und
Kalifornien benutzt man ähnliche Maschinen wie zum Dreschen
des Weizens. Wenn nicht rechtzeitig eine Dreschmaschine zur
Verfügung steht oder schlechtes Wetter eintritt, wird der ge-
mähte Reis in Louisiana zu großen Haufen zusammengefahren.
        <pb n="78" />
        74

In diesen erwärmt er sich und wird feucht. Von einem gewissen
Punkte ab sinkt die Temperatur allmählich wieder, der Haufen
trocknet aus, die Körner werden hart und liefern so ein besseres
Produkt, das beim Mahlen weniger Bruch gibt, höheren Glanz
und weißere Farbe annimmt. Das Aufschichten des Reises ge-
schieht jedoch nur selten mit der Absicht, die Qualität zu ver-
bessern. Hier sei erwähnt, daß in Indien und Burma stellen-
weise dem Enthülsen ein Brühen des Reises vorausgeht, dem
man eine Verbesserung der Widerstandsfähigkeit gegen Zer-
brechen, des Glanzes, der Farbe und des Geschmackes zu-
schreibt. Ähnliche Verfahren sollen in Britisch-Guiana und in
den Malaiischen Staaten angewendet werden (27; 43, S. 304;
73,5: 35).

Auch in Italien werden Dreschmaschinen benutzt, die sich
nach Kochs Mitteilung (82, S. 168) aber von den für Weizen
gebräuchlichen unterscheiden; sie besitzen zwei Trommeln statt
einer und sind so eingerichtet, daß die Zuführung des Reises
sehr allmählich geschieht. Feststehende Dreschmaschinen wer-
den mit Wasserkraft, fahrbare mit Dampf getrieben. Der
Gabah, wie der gedroschene Reis in Java heißt, wird dann an
der Sonne oder durch künstliche Wärme nachgetrocknet. In
keinem Reisbaulande der Erde wird soviel Sorge auf die Vor-
bereitung des Reises für gesundes Lagern verwendet wie in
Italien; das nachträgliche Trocknen des gedroschenen Reises ist
geradezu ein Charakterzug des italienischen Reisbaues. Einen
fahrbaren Trockenapparat beschreibt Tarchetti im Giornale
di Risicoltura, IV, Vercelli 1914, S. 88—90. Auf die Gefahr,
der der Reis in den Lagerhäusern, wo er in Haufen oder in
Säcken aufbewahrt wird. durch Feuchtigkeit ausgesetzt ist,
macht Copeland nachdrücklich aufmerksam (43, S. 196—200).

Damit ist der Reis für den Handel und den Gebrauch noch
nicht bereit. Der zu Nährzwecken in den Handel gebrachte Reis
wird vorher von den Spelzen und der darunter liegenden dünnen
Hülle des Korns, der sog. Silberhaut (Frucht- und Samenschale),
befreit. Das Entspelzen, das ein braunes Korn ergibt, nennt
man Schälen, das Abschleifen der Silberhaut, wodurch das
        <pb n="79" />
        75

braune Korn weiß wird, Polieren oder Weißen. Es wird aber im

Handel unter der Bezeichnung „geschälter Reis‘‘ nur solcher ver-

standen, der auch poliert ist. Das Schälen und Polieren der für den

Welthandel bestimmten Reismengen wird durch eine besondere

Mühlenindustrie besorgt. Früher wurde der Reis fast nur in den

Spelzen verschifft, da er in diesem Zustande weniger leicht ver-

dirbt. Bei der modernen Abkürzung der Fahrzeit und den

besseren Frachtraumverhältnissen der Dampfer ist es heute
möglich, zur Frachtersparnis den Reis schon in den Ursprungs-
ländern zu schälen. Dieser nur sehr unvollkommen, d. h. nur
teilweise geschälte Reis heißt im Handel ‚„„Cargoreis‘‘, In Java,
Siam, Burma gibt es große Reismühlen, die meist von Europäern
betrieben werden. Das Polieren und Sortieren, d.h. die Ab-
sonderung der zerbrochenen von den ganzen Körnern, wird erst
in Europa von einer besonderen Industrie ausgeführt, die fast
überall mit dem Einfuhrhandel verbunden ist. Der große Ver-
brauch an Reis hat es mit sich gebracht, daß die Reismüllerei
höher entwickelt ist als die Verarbeitung irgendeiner andern
Schälfrucht. Dabei gleichen die vollkommeneren neuzeitlichen
Schäleinrichtungen in mancher Hinsicht grundsätzlich den schon
erwähnten einfachen Stampfgeräten. Oft wird auch noch ein
Glasurverfahren angewendet. Zum Glasieren des Reises benutzt
man seine eigenen Spelzen, Weizenkleie, in Amerika Glukose,
aber auch nicht unbedenkliche Mittel wie Schmirgelpulver, Talk,
Farbstoffe, auch Öl. Dieser Prozeß soll den Reis „Schönen“,
aber auch haltbarer machen; in den Vereinigten Staaten fällt
er deshalb bei Reis, der voraussichtlich noch vor Eintritt der
warmen Jahreszeit verbraucht wird, aus (43, S. 321). Das Ab-
fallprodukt des Polierens bildet das sog. „Reismehl‘‘, dem die
abgebrochenen Keime, Bruchreis und wechselnde Mengen von
Spelzen beigemischt sind.

Erträge. Über den Ertrag, den die Reiskultur erzielt, müssen
wir uns hier mit wenigen Angaben begnügen, da die zur Ver-
fügung stehenden Zahlen sehr voneinander abweichen und die
Ursachen für das Zustandekommen des Ertrages so kompliziert
wirken, daß zum genauen Verständnis lange Erörterungen nötig
        <pb n="80" />
        Abb. 9. Das Auspflanzen der Reissämlinge auf Java.
== = ne ——_— a a
(Aus: Tropenpflanzer, 16. Jahrg., 1912. Verlag des Kolonial-Wirtschaftl. Komitees, Berlin.
        <pb n="81" />
        IN

wären. Das geht schon aus folgenden Angaben über Java her-
vor. Simon (121, S. 651 u. f.) sagt: Durchschnittlich ergaben
die künstlich bewässerten Sawahs etwa 30 Pikol!), die vom
Regen abhängigen Sawahs etwa 20 Pikol, die trockenen Reis-
felder ungefähr 13—15 Pikol pro Bouw?2). Daraus läßt sich als
Gesamtdurchschnitt für Java ein Ernteertrag von etwa 21 Pikol
pro Bouw berechnen. Wie abgeblaßt diese Zahl ist, erkennt man,
wenn man erfährt, daß der berechnete Durchschnittsertrag der
künstlich bewässerten Sawahs in den verschiedenen Teilen Javas
zwischen 19 und 36 Pikol schwankt, die wirklichen Erträge auf
den besten und den schlechtesten Sawahs aber Unterschiede
zwischen 80 und 5 Pikol pro Bouw aufweisen. Der Durchschnitt
des Ernteertrages würde umgerechnet etwa 1800 kg auf den
Hektar betragen. In Burma, dem für den Welthandel wichtig-
sten Reislande der Erde, ebenfalls mit tropischen Wachstums-
bedingungen, wird für 1916 der Durchschnittsertrag des Hektars
mit 1624 kg angegeben. Erwähnenswert ist, daß die merk-
würdige indochinesische Form des flutenden Reises den hohen
Ertrag von 1920—3600 kg pro Hektar bringt, wahrscheinlich
Padi, d. h. ungeschälten Reis.

Die höchsten Erträge erreichen — wenn wir von den sicher
übertriebenen Angaben über Siam und Ägypten absehen —
Spanien, Italien, Japan und China, wohl auch Russisch-Asien,
während die alten südostasiatischen Reisbauländer weniger
reiche. z. T. recht ärmliche Ernten erzielen, wie Ceylon und
die Philippinen. Dieses Ergebnis ist teilweise der Sorgfalt der
Kultur, vor allem aber sicher der mehr oder minder ausgiebigen
Düngung zuzuschreiben; Copeland (43, S. 334) ist geneigt,
auch einen klimatischen Einfluß dabei in Rechnung zu stellen.

In neuster Zeit hat man auch beim Reis die sog. Stimulation
zur Hebung der Ernteerträge angewendet. Konsuloff (82a)
hat bei einem Feldversuch in Südbulgarien deutliche Ertrags-
zunahme festgestellt, die hauptsächlich einer Zunahme der Halme
der einzelnen Pflanze zuzuschreiben war.

') 1 Java-Pikol = 61,76 kg. 2?) 1 Bouw = 7096,5 qm.
        <pb n="82" />
        IV. Schädlinge und Krankheiten.

Alle in Massen gebauten Kulturpflanzen, also auch der Reis,
sind in besonders hohem Maße durch Plünderer, Krankheiten
und andere Schäden bedroht. Da deren Bekämpfung rentabel
bleiben muß, kann sie bei einer Kulturpflanze, wie dem Reis, die
nicht zu den höchstwertigen gehört, über den allgemeinen Rahmen
von Bekämpfungsmaßnahmen nicht hinausgehen. Vorbeugende
Maßregeln und die sachverständige Handhabung der Bewässe-
rung sind die Hauptsache.

1. Tierische Schädlinge.

In Java wird über Verwüstungen der Reisfelder durch Hirsche
und Schweine, in weniger dicht bewohnten Gegenden auch
durch Affen geklagt. Man fängt oder schießt diese Tiere ab.
Auf doppelte Weise richten Feldratten und andere Nagetiere
großen Schaden an. Sie fressen natürlich die Reisfrüchte; außer-
dem aber kann ihr Durchwühlen des Bodens, besonders der
Deiche, sehr verhängnisvoll werden. Über ihre umständliche
Bekämpfung, wie überhaupt über die gesamte Schädlingsfrage,
habe ich, unter Anführung der reichen Literatur, vor kurzem
ausführlicher berichtet (137).

Vögel, die zur Zeit der Reife scharenweise in die Reisfelder
einfallen, werden durch Scheuchen vertrieben.

Sehr zahlreich sind Reisfeinde unter den niederen Tieren, be-
sonders den Insekten. vertreten. Der Grad ihrer Gefährlich-
keit ist nicht überall gleich. Äußerst bedrohlich kann das Saugen
einiger Wanzen an den grünen Teilen der Pflanzen und den
jungen Früchten werden. Der durch Leptocorisa varicornis
(„pady fly“, „rice sapper‘‘, „rice bug‘, javan. „walang sangit‘‘)
verursachte Ernteausfall soll in besonders schweren Fällen bis
        <pb n="83" />
        79

100% betragen. Dieses Tier ist in ganz Südostasien, auch in
Australien verbreitet und lebt auf zahlreichen Gräsern und
anderen Pflanzen. Da Ausrottung oder auch nur merkliche
Verringerung des Insekts nicht möglich ist, muß die Bekämpfung
hauptsächlich mit Kulturmaßregeln ausgefochten werden. Kurz-
lebige Reissorten sind besser geschützt als langlebige. Wilde
Grasbestände in der Nähe der Reisfelder soll man stets nieder-
halten. Vielleicht bietet der Anbau begrannter Sorten mit
dickeren Spelzen Vorteil. Daneben kann man die Wanzen mit
Netzen wegfangen oder durch ein mit Leim, Teer oder Petroleum-
rückständen beschmiertes Tau, das man durch die Felder schleift.
— Längst nicht so schädlich ist die schwarze Reiswanze, Po-
dops coarctata (javan. „„kepi‘‘), die ebenfalls wohl in ganz
Südostasien vorkommt, auch auf Zuckerrohr und andern Gräsern.
Das beste Vertilgungsverfahren besteht in hoher Bewässerung;
die Tiere treiben dann in Massen an der Oberfläche, können
abgeschöpft und vernichtet werden. In Brasilien soll eine Schild-
wanze, Mormidea poecila, die ihre Eier massenhaft an die
Reisblätter setzt, gefährlich werden. Die mit Eiern belegten
Blätter werden gesammelt.

Durch Ansaugen der Pflanzen werden auch einige Zikaden
schädlich; in Indien Nephotettix bipunctatus, ferner
N. apicalis, die grüne Reiszikade, die auf Java und Sumatra
belangreichen Schaden angerichtet hat, aber auch in China, Japan,
Ostafrika und Europa vorkommt. Zur Bekämpfung sind Fang-
lampen, Hand- und Schleppnetze empfohlen worden, auch Be-
gießen des Berieselungswassers mit Petroleum, in das die Reis-
pflanzen durch Stangen oder ein über das Feld geschleiftes
Tau getaucht werden. Die wilden Grasbestände sollten in der
Trockenzeit kurz gehalten, die Reisstoppeln verbrannt werden.
Schnell reifende Varietäten werden weniger geschädigt.

Von Blasenfüßen kann vor allem Thrips Oryzae, der
Reissaat-Blasenfuß, der in Südasien und Italien beobachtet
worden ist, in manchen Jahren den Reiskeimlingen sehr gefähr-
lich werden. Er kann durch mehrmaliges Überfluten der Saat-
beete oder Bespritzen mit Seifen-Petroleum-Emulsion, Seifen-
        <pb n="84" />
        tabakwasser oder Kalkmilch bekämpft werden. — Als Sauger
kommen schließlich noch Blattläuse in Frage. Die Reis-
wurzellaus, Tetraneura Oryzae, hat 1915 und 1920 in Java
und auf den Philippinen bedeutenden Schaden angerichtet. Man
tritt ihr am besten durch gute Bewässerung entgegen.
Unter den Schmetterlingen gelten als die Hauptschädlinge
die „„Reisbohrer‘‘, deren Raupen sich längs durch den Halm
fressen und unten im Halm verpuppen. Es können schon die
jungen Pflanzen auf den Saatbeeten befallen werden. Die
äußeren, älteren Blätter der Pflanze bleiben zunächst grün,
während die jüngsten Blätter vertrocknen und sich bräunen;
bei älteren, schon auf das Feld gebrachten Pflanzen kräuseln
sich die vertrockneten Blätter noch. Ähnliche Krankheitsbilder
können auch durch andere Ursachen hervorgerufen werden. Kann
man das vertrocknete „Herz‘“ der Pflanze leicht herausziehen,
so kann man aber sicher sein, daß der Schaden durch Bohrer
verursacht ist. Gewöhnlich hält er sich in mäßigen Grenzen,
unter Umständen aber kann er sehr erheblich werden, wie 1912
auf Java, wo allein in den Residentschaften Cheribon, Surabaya
und Madura 40 000 Bouws vernichtet wurden, was einen Ernte-
ausfall von etwa 1 Mill. Pikol im Werte von 1*/, Mill. Gulden
bedeutet. Der gefährlichste ist der weiße Reisbohrer, Scirpo-
phaga innotata, dessen Verbreitung sich auf den Malaiischen
Archipel zu beschränken scheint. Folgende Bekämpfungs-
maßregeln werden empfohlen: Vor dem Besäen der Saatbeete
setze man die Stoppelfelder der ganzen Umgebung 10—14 Tage
unter Wasser, um die im Trockenschlaf liegenden Raupen zu
töten; Abbrennen der Stoppel und tiefes Umpflügen genügt
nicht. Während auf älteren Saatbeeten und auf dem Felde Ab-
sammeln der Eierhäufchen nutzlos ist, kann man es auf den
jungen, 7—14' Tage alten Saatbeeten mit Erfolg vornehmen.
Hauptsache aber ist die indirekte Bekämpfung durch
richtige Wahl der Saat- und Pflanzzeit; man sollte in den gefähr-
deten Landstrichen nicht binnen einem Monat nach den ersten
Ostmonsunregen säen. Nicht ohne Bedeutung ist die Wahl der
Sorte. Es gibt zwar keine Reisvarietät, die gänzlich widerstands-

0)
        <pb n="85" />
        81

fähig gegen die Bohrer wäre, doch werden begrannte Varietäten
stärker befallen als unbegrannte, ebenso Klebreis (Getan-Sorten).

Schoenobius bipunctifer, der gelbe Reisbohrer, verursacht
gewöhnlich nicht volle Mißernten, sondern nur geringe Ausfälle,
in seltenen Fällen bis 20% und mehr. Er ist in ganz Südostasien
verbreitet und wird bekämpft durch Lichtfallen, Absuchen der
Saatbeete nach Eierhäufchen, Umwandlung der abgeernteten
Felder in Fischteiche oder Abbrennen und Pflügen der Stoppel,
um die darin versteckten Puppen zu vernichten. — Der ebenfalls
in ganz Südostasien beobachtete gestreifte Reisbohrer, Chilo
simple x, findet sich mehr in trocknen Reisfeldern, scheint aber
bisher nicht besonders schädlich geworden zu sein. — Die drei
bisher genannten Bohrer‘ gehören zur Familie der Lichtmotten
oder Zünsler, Sesamia inferens, der violette Reisbohrer zur
Familie der Eulen. Er lebt in ganz Südostasien auch auf Mais
und Zuckerrohr und wird ebenfalls dem Reis wenig gefährlich.

Ähnlichen Schaden wie die Bohrer verursacht die Reissaat-
fliege oder Reisstengelfliege. Von diesem im Malaiischen
Archipel und in Britisch-Indien beheimateten Schädling hat
Trockenreis mehr zu leiden als Sawahreis, trockne Saatbeete
mehr als nasse. Der Schaden äußert sich hauptsächlich in ver-
mindertem Schossen. Viele der befallenen Pflanzen erholen sich
und bringen ihre Rispen zum Reifen.

Die Raupen einiger Eulen schaden durch Fressen an den
grünen Teilen der Reispflanze, vor allem in den Saatbeeten. Zu
den schädlichsten gehört wohl Spodoptera mauritia, die
gemeine Reissaateule, „pady cutworm“‘‘. Bei starker Plage kann
das ganze Feld von Raupen wimmeln, und alle Pflänzchen —
in den Saatbeeten und kurz nach dem Verpflanzen — können
abgefressen werden. Der Fraß beginnt von den Rändern der
Felder her. Das Tier ist von Westafrika über Südasien bis nach
Australien verbreitet und lebt auch auf Zuckerrohr, Mais und
wilden Gräsern. Bekämpft wird es durch Unterhaltung eines
hinreichenden Wasserstandes und Untertauchen der Reis-
pflanzen mittels eines durch die Felder geschleppten Taues;
durch Absammeln der Raupen, Puppen und Eierhäufchen, die
Winkler, Reis (Monograph. z. Landwirtsch. warm. Länd.). Bd. IIL ß
        <pb n="86" />
        89

an der Blattunterseite sitzen; auf trocknen Reisfeldern durch
Eintreiben von Enten und Hühnern. — Eine Anzahl Arten der
Gattung Leucania richtet ebenfalls durch _Fraß Schaden an,
der gewöhnlich gering bleibt, bei der _weitverbreiteten L. uni-
punctata aber 20% der Ernte und mehr betragen kann. —
Die sehr gefräßigen Raupen der Remigia repanda haben in
Brasilien den Kulturgräsern, auch dem Reis, durch Blattfraß
a -
Abb. 10. Reisdrillmaschine, System_Cabrini.
(Aus: Polo Poli, Risicoltura, Torino 1921, Unione tipografico-editrice Torinense.)
schweren Schaden zugefügt. Die Eule erzeugt zahlreiche Gene-
rationen. während_eines_ Jahres. _Besonders_nach_Regenfällen,
die auf lange _Trockenperioden folgen, erscheinen die_Raupen
in ungeheurer_ Menge und zerstören ganze Felder vollkommen.
Unter normalen Verhältnissen verursacht der Schädling, der in
ganz Amerika weit verbreitet ist, keine großen Verluste. Als
Bekämpfungsmaßregeln werden empfohlen: Bestäuben der
        <pb n="87" />
        53

Pflanzen mit trocknem Bleiarseniat und Absammeln der Raupen.
Da diese in geschlossenen Zügen wandern, sind sie durch quer
zu ihrer Marschrichtung . aufgeworfene Gräben abzufangen.
Hat das Insekt die Reissaat befallen, so ist Überschwemmen
sehr erfolgreich.

Das Reis-Igelkäferchen, Hispa armigera, schabt die
Blattoberfläche zwischen den Hauptnerven, und die Larven
minieren in den Blättern der Sämlinge und halberwachsenen
Pflanzen. Der Schaden wird verschieden beurteilt. Zugrunde
gehen die Pflänzchen wohl nur in seltnen Fällen; in Britisch-
Indien soll der Käfer aber 12—15% der Ernte vernichtet haben.
Eine wirksame Bekämpfungsmethode ist noch nicht gefunden.

In manchen Jahren können Heuschrecken zu einer großen
Plage werden. Als besondere Reisschädlinge werden angeführt
Ortacanthacris nigricornis, O0. sucecinata- („Bombay-
locust‘‘), Oxya velox und Phleaoba fumosa. Als Bekämp-
fungsmittel wird hauptsächlich angegeben: Auslegen vergifteter
Köder, wie eine Mischung von Kleie oder Pferdemist mit
Pariser Grün oder Bleiarsenik.

Die den Heuschrecken nahe verwandten Maulwurfsgrillen,
Gryllotalpa vulgaris und G. borealis, nähren sich zwar
hauptsächlich von Tieren, fressen aber auch junge Pflanzen-
wurzeln. Vornehmlich schädlich aber werden sie durch das
Minieren in den Reisdeichen und in den trockenen Reisfeldern
oder Saatbeeten. Die jüngeren zartwurzeligen Pflänzchen sterben
allein durch die Lockerung der Wurzeln ab; an den kräftigeren
Pflanzen werden die Wurzeln durchgefressen oder mit den
scharfen Grabkrallen durchgesägt, so daß die Gänge in be-
wachsenem Lande an dem reihenweisen Absterben, namentlich
der kleineren Pflanzen, kenntlich sind. Als Bekämpfungsmittel
in den Sawahs ist natürlich Bewässerung zu empfehlen. Jack
nennt als wirksamen Köder eine Mischung von 30 Teilen Bruch-
reis oder Reiskleie, 2 Teilen gelöstem Zucker, 1 Teil weißem
Arsenik und 10 Teilen Zitronensaft zu einem steifen Brei. In
den Reisbaugebieten Italiens hat sich die Maulwurfsgrille in der
letzten Zeit stark verbreitet und schädigt den Reis und die
        <pb n="88" />
        fi a
Abb. 11. Bewässerung der Reisfelder mittelst einer Kettenpumpe in Siam.
(Aus: Warburg und v. Someren-Brand, Kulturpflanzen der Weltwirtschaft. V erlag von R. Voigtländer, Leipzig.)
        <pb n="89" />
        S5

Folgekulturen erheblich. Besonders während der ersten Trocken-
legung der Reisfelder geht sie von den Dämmen herab und ver-
heert den umstehenden Reis. Novelli empfiehlt Umpflügen
und Suchen der Nester gleich hinter dem Pfluge; direktes
Fangen der Insekten während der Bewässerung, die sie in
Massen auf alle aus dem Wasser herausragenden Erderhöhungen
drängt; Heraustreiben durch Injektion von Schwefelkohlenstoff
in die Gänge.

Eine eigentümliche Mißbildung an jungen Reispflanzen, die
darin besteht, daß das Sproßende die Form eines hohlen, spitzen
Köchers annimmt, erzeugt die im Malaiischen Archipel und in
Britisch-Indien verbreitete Reis-Gallmücke, Cecidomyia
Oryzae. Der Schaden kann bis 50% betragen. Eine zweck-
mäßige Bekämpfungsmethode ist noch nicht gefunden. Geraten
wird frühzeitiges Auspflanzen des Reises.,

Von Älchen scheint Tylenchus angustus größeren
Schaden anzurichten, der auf der Malaiischen Halbinsel und
vor allem in Vorderindien die als „ufra‘®* bezeichnete Krankheit
hervorruft. Da das Tier lediglich die Oberhautzellen der be-
fallenen Pflanzenteile ansaugt, ist es vielleicht möglich, Varie-
täten mit derberer Oberhaut zu finden, die geschützt sind. Die
Infektion erfolgt meist aus der Stoppel des vergangenen Jahres,
in der sich das Älchen hält. Deshalb kann es durch Verbrennen
der Stoppel, Pflügen und zwei- bis dreimaliges Trockenlegen mit
Erfolg bekämpft werden.

Einige Insekten, wie der Reiskäfer, Calandra Oryzae, ein
kosmopolitischer Rüsselkäfer, gefährden den gespeicherten
Reis. Padi, d. h. das Reiskorn in den Spelzen, wird weniger
angegriffen als der enthülste Reis; das ist der Grund, weshalb
in Südostasien der für den eignen Gebrauch bestimmte Reis
unenthülst in den Reishäuschen aufbewahrt und nur nach Be-
darf entspelzt wird. In luftdichten Aufbewahrungsräumen ist
das wirksamste Mittel gegen die Körnerschädlinge Schwefel-
kohlenstoff. Selbstverständlich müssen diese Räume vor dem
Beschicken mit Reis gründlich gereinigt werden, am besten mit
heißem Wasser, wonach vollständiges Austrocknen nötig ist.
        <pb n="90" />
        2. Pflanzliche Schädlinge.

Von höheren Pflanzen ist nur ein Wurzelschmarotzer
unter den Reisschädlingen zu nennen, Striga lutea, die in
den Tropen und Suhtropen der alten Welt verbreitet ist. Das
Ausreißen dieser Pflanze muß vor der Samenreife erfolgen.

Zahlreiche und sehr gefährliche Reisschädlinge gibt es unter
den parasitischen Pilzen. Äußerlich dem Roste ähnlich,
und von den Pflanzern auch oft als Rost angesprochen, ist das
Krankheitsbild, das Sclerotium Oryzae darbietet. Der Pilz
ist zuerst in Italien gefunden, später auch in Japan, Ostindien
und auf den Philippinen beobachtet worden. Hier soll er bis zu
34% Schaden angerichtet haben, besonders auf dicht be-
wachsenen Feldern. Die Krankheit kommt in Saatbeeten und
an alten Pflanzen vor. Bei letzteren gibt sie sich zu erkennen
durch erneutes Schossen der allmählich vergilbenden und ab-
sterbenden Halme und durch schlecht ausgebildete Rispen, die
nur einzelne taube Ährchen tragen. Bekämpfung scheint nur
durch Auswahl immuner Sorten möglich.

Die Körnerbildung wird verhindert durch Ustilaginoidea
virens. Das erkrankte Reiskorn beginnt zu schwellen und ver-
färbt sich zunächst gelblich-grün („green smut‘‘), wird immer
größer und bildet bald eine kugelförmige, fahlgrüne, an der
Oberfläche samtartig weiche Masse, die schließlich 6—10 mm
dick wird und sich fast schwarz färbt. während die Oberfläche
des Reiskorns sich abschält und in Staub zerfällt. Unter der
äußeren schwarzen Sporenschicht liegt eine leuchtend orange-
gelbe, harte Schicht und im Innern ein weißes, hartes Gewebe.
Die Krankheit ist in Japan und China sehr verbreitet; an einer
Reisrispe sind bis zu 15 kranke Körner gefunden worden.

In. anderer Weise schädigt der Staub- oder Steinbrand des
KReises, „rice blast‘, „black smut“, Tillelia horrida, die
Körner. Sie werden ganz oder zum Teil in ein schwarzes Sporen-
pulver verwandelt, das anfänglich in den Spelzen eingeschlossen
ist, öfter auch bleibt; die Ärchen sind dann nicht vergrößert
oder mißgestaltet und schwer als befallen zu erkennen. Manch-

86
        <pb n="91" />
        SA

mal weichen die Spelzen aber auseinander und lassen die Sporen
nach außen treten. In Südkarolina soll der Pilz bis 25% Schaden
angerichtet haben, aber vertilgt worden sein. Weit verbreitet
ist er im ostasiatischen Reisbaugebiet, von Japan durch China,
Indochina, Burma, Siam bis in den Malaiischen Archipel und
nach Britisch-Indien, wo er aber nicht sehr lästig wird. Da die
Infektion im Keimlingsstadium erfolgt, wird Beizung des Saat-
gutes mit Formalin oder Schwefelleber empfohlen. Aus dem
Saatgut kann man die äußerlich nicht erkennbaren kranken
Ährchen dadurch absondern, daß sie in kaltem Wasser an der
Oberfläche schwimmen. Noch zweckmäßiger ist es, eine fungıi-
zide Lösung, etwa Kupfer, bei dieser Abscheidung zu verwenden.

Sehr verschieden wird der Schaden angegeben, den Helmin-
thosporium Oryzae, ein weit verbreiteter Pilz, verursacht.
Während er in Britisch-Indien unter normalen Bedingungen
nicht sehr groß ist, wird er in Japan ziemlich hoch geschätzt,
wo die Krankheit ‚„goima hagare‘‘ heißt. Bekanntgeworden
ist sie aus ganz Südostasien, Italien und in neuerer Zeit auch
aus Louisiana. Sie kann alle Teile der Reispflanze in allen Stadien
der Entwicklung ergreifen und gibt sich durch braune Flecken
kund. An den Keimlingen von 2—3 cm Höhe werden die Blatt-
spitzen braun bis schwarzbraun. Wird der Halm dicht unter der
Rispe angegriffen, so neigt sich diese im Bogen, abwärts. Die
Infektion der Spelzen beginnt gewöhnlich an der Grenzlinie der
inneren und äußeren Spelze; schließlich erweckt es den Anschein,
als ob die Spelzen mit schwarzbraunen Haaren bedeckt wären.
In der Natur geschieht die Ansteckung hauptsächlich bei feuch-
tem Wetter. Der Pilz kann durch Beizung des Saatgutes und
durch Spritzen mit folgenden Chemikalien bekämpft werden:
Kupfersulfat, Sublimat, Silbernitrat, Kalziumhypochlorid, For-
malin; auch durch 10 Minuten lange Behandlung mit Wasser
von 54° C, nachdem das Saatgut einen Tag in Wasser von 10
bis 15°C gelegen hat. Als vorbeugende Maßnahme hat man
den Anbau widerstandsfähiger Varietäten versucht.

Die im ‘Englischen ;als?,;blast‘* noder.ı„,rotten;!neck“,:' zu-
weilen auch mit dem auf andre Krankheitserscheinungen an-

E
|
        <pb n="92" />
        £

gewendeten Ausdruck „blight‘‘ bezeichnete Schädigung der
Reispflanze wird auf Piricularia Oryzae zurückgeführt, einen
Pilz, der von allen Reisschädlingen wohl die weiteste Verbreitung
hat; er ist aus Ost- und Südasien, Südeuropa und Amerika be-
kannt. Die befallenen Blätter werden braunfleckig. Am häufig-
sten werden die oberen Halmknoten angegriffen, vor allem der
„Hals“, jene Stelle, wo der Halm in die Rispenachse übergeht.
Dann werden entweder die Körner schlecht ausgebildet, oder
bei voller Ausbildung bricht die Rispe herunter; es kann aber
auch überhaupt keine Fruchtbildung zustande kommen, so daß
die bleichen, leeren Rispen ganz aufrecht stehen. Der Schaden
soll in Louisiana bis zu 25% des Ertrages gestiegen sein. Die
Bekämpfung des Pilzes durch Besprengen mit Bordeauxbrühe
ist möglich. Aussichtsreich erscheint die Anwendung einer
Fruchtfolge, — Eine ganze Anzahl andrer parasitischer Pilze,
die bisher nur geringere Schäden hervorgerufen haben, muß hier
übergangen werden. Es sei auf das Sammelreferat des Verfassers
im ‚„Tropenpflanzer‘‘ verwiesen (137).

In Japan verursacht eine durch ein Bakterium, Pseudo-
monas Oryzae, erregte Krankheit, die als ‚„Weißflecken-
krankheit‘ bezeichnet wird, stellenweise Ernteausfälle bis zu
20%. An den erkrankten Pflanzen sterben die Blattränder ab.

Wie es eine Anzahl von Insekten gibt, die hauptsächlich oder
nur den auf dem Speicher befindlichen Reiskörnern gefährlich
wird, so auch gewisse Pilze, wahrscheinlich Saprophyten. Am
längsten bekannt ist Protoascus colorans aus Java. Der
Pilz färbt die Reiskörner gelb bis orange oder braun. Nur 0,3%
solcher Körner im Reis sollen genügen, um Lieferungen vom
europäischen Markt zurückweisen zu lassen. — Eine ähnliche
Fleckenkrankheit der Körner an Reis, der in Stiegen auf dem
Felde stand oder bereits gespeichert war, hat man vor einigen
Jahren in den Südstaaten der Union beobachtet; sie wird von
den Farmern und Müllern „„stack burn“‘, „stain‘‘ oder „flecking‘“‘
genannt. Die befallenen Früchte bilden beim Keimen Sklerotien,
so daß Felder aus krankem Saatgut lückigen Stand haben, ja
sogar zweimal gesät werden müssen. Oberflächliche Sterili-

SQ
        <pb n="93" />
        89

sation hat sich als wirkungslos gegen den, wie es scheint, noch
nicht näher bekannten Pilz erwiesen; wirksam zur Ahbtötung ist
die abgeänderte Jensensche Heißwassermethode: 16stündiges
Einweichen in warmem Wasser und darauf Eintauchen in
Wasser von 45° C für 15 Minuten tötet den Pilz ab, ohne die
Keimkraft der Samen zu schädigen. Aber dieses Verfahren
kostet zu viel Zeit und Geld. — In den nördlichen Provinzen
von Japan richten Penicillium commune und eine Absidia-
Art am gespeicherten Reis großen Schaden an. Er ist besonders
schwer im Innern der aufgeschichteten Reishaufen. Das Bild
der Erkrankung ist in beiden Fällen sehr ähnlich: Die befallenen
Körner verlieren ihren Glanz, bedecken sich mit einem schimmel-
artigen Überzug, schwellen mehr und mehr an, werden feucht
und bilden dicke, zusammengekittete Massen. Absidia ver-
färbt die Körner rötlich-braun, Penicillium mehr gelblich-
braun.
3. Erkrankungen anderen Ursprungs.

Eine Anzahl von Erkrankungen der Reispflanze hat man bis-
her nicht auf lebende Erreger zurückführen können, und man
schreibt sie wohl mit Recht der-Einwirkung ungünstiger
Lebensbedingungen zu. Bei zu dichtem Stand, bei längerem
Anhalten dunklen Wetters, bei zu hoher oder zu niedriger Be-
wässerung, bei Eisenmangel oder Kalküberschuß oder unzu-
träglichem Stickstoffvorrat im Boden können die Pflanzen
bleichsüchtig werden. Wenn diese Schädigung in der Be-
schaffenheit des Ackers seine Ursache hat, so kann wahrschein-
lich Zufuhr animalischen Düngers Abhilfe schaffen.

Die als „tip burn‘ bezeichnete Erscheinung ist dem Überfluß
an mineralischen Nährsalzen zuzuschreiben und tritt bei jungen
Pflanzen in reichem Boden nicht selten ein. Gut fließende, un-
unterbrochene Bewässerung dürfte als Gegenmittel anzuwenden
sein. Gänzliches Trockenhalten der Felder, wenn die Pflänzchen
erst wenige Zoll hoch sind, ruft eine ähnliche Erscheinung hervor,
kräftigt die Pflanzen aber, wenn es nicht zu weit getrieben wird.
        <pb n="94" />
        90
Gefährlicher ist die als „straight head‘‘ bezeichnete Erkran-
kung, die auch unter der Bezeichnung „rice blight‘ geht.
Was unter diesem Namen zusammengefaßt wird, ist offenbar
keine einheitliche Erscheinung. Der Hauptname der Krankheit
besagt, daß die Rispen zur Zeit der Reife nicht mehr oder minder
überhängen, wie es normalerweise bei den allermeisten Reis-
varietäten der Fall ist, sondern aufrecht stehen, da nur wenige
oder keine Früchtchen ausgebildet sind. Dieses Verhalten kann
eine ganze Reihe verschiedner Ursachen haben. Als „straight
head‘* im engeren Sinne bezeichnet man eine Erkrankung dieser
Art, wie sie seit etwa 15 Jahren in den Reisfeldern der Golf-
staaten aufgetreten und seitdem mehrfach beschrieben worden
ist. Als charakteristisch wird dabei angegeben, daß die Blätter
dunkler grün und zuweilen steifer als normal sind; das Wurzel-
system ist ungewöhnlich vergrößert durch lange, grobe Wurzeln,
die nur wenige Verzweigungen und Wurzelhaare aufweisen; alle
Achselknospen der Pflanze verlängern sich, und nach der Ermnte
wachsen diese Schosse aus der Stoppel auf und verursachen ein
charakteristisches zweites Treiben aller erkrankten Pflanzen.
Die Krankheit findet sich hauptsächlich auf neuem Reisland
oder auf Land, das vorher Trockenfrüchte, vor allem Mais und
Bohnen, getragen hat; sie kommt fast nie bei Reis vor, der
auf Reis folgt. Die Ursache scheint schlechte Durchlüftung bzw.
ungenügende Zersetzung der im Boden reichlich vorhandenen
organischen Substanz zu sein. Man kann vorbeugen, indem
man die Bewässerung solange wie möglich hinausschiebt, bis
die Unkrautbestreitung sie nötig macht, und nach 14 Tagen
das Feld wieder vollkommen trocken legt.

Eine der am längsten bekannten, am meisten gefürchteten
und wohl am weitesten verbreiteten Erkrankungen des Reises
ist die „brusone‘. Trotzdem sie seit mehr als 50 Jahren oft
der Gegenstand eingehender Studien gewesen ist, muß sie auch
heute noch als unaufgeklärt gelten. Sie ist zu den nicht-para-
sitären wie zu den echt-parasitären Krankheiten gerechnet wor-
den. Jedenfalls haben Kulturversuche gezeigt, daß Luftab-
schluß von den Wurzeln bei hoher Wärme in Wasserkulturen
        <pb n="95" />
        91

zur Erkrankung der Reispflanze unter den Erscheinungen der
Brusone führt. Es handelt sich bei dieser Bezeichnung offenbar
um eine Zusammenfassung sehr verschieden verursachter Schädi-
gungen, die äußerlich ein ähnliches Krankheitsbild zeigen: Die
Blätter bekommen rostfarbige Flecke, so daß ein krankes Feld
schließlich wie verbrannt aussieht; die Halme werden schwarz
und schlaff, und die Knoten schwellen an; auch die Wurzeln
gehen unter Schwärzung zugrunde. Wo die Brusone auf Sauer-
stoffmangel im Boden zurückzuführen ist, wird Durchlüftung
empfohlen; ferner langsame Bewegung des Berieselungswassers,
um die sauerstoffbereitenden Algen aus dem Boden nicht auf-
zuschwemmen. Schließlich soll mit Stickstoffdüngung maß-
gehalten werden. In Italien ist die Brusone in den letzten Jahr-
zehnten infolge der besseren Bodenbearbeitung seltner und
schwächer aufgetreten.

Öfter ist im Laufe der Darstellung hingewiesen worden auf
den Schaden, den die Reiskultur durch extreme Wirkung der
meteorologischen Vorgänge nehmen kann: Mangel oder Überfluß
an Wasser, Stürme, Kälte, Wolkenbedeckung usw. Ausführ-
licher kann hier darüber nicht gesprochen werden.
        <pb n="96" />
        V. Geographie und Statistik.

Schon oben ist auf das ursprüngliche Vorkommen des wildem
Reises und den mutmaßlichen Anfang seiner Kultur kurz ein-.
gegangen worden. Heute hat sich der Reisbau über den ge-.
samten Tropengürtel, aber auch über große Teile der Sub--
tropen verbreitet. Denn der Reis gehört zu jenen einjährigen:
Gewächsen, die in einer kurzen Zeit ihr Wachstum abzuschließen:
vermögen, wenn ihnen nur während derselben Frist hinreichend;
Wärme geboten wird, die also nur von der Sommerwärme,
aber nicht von der Winterkälte abhängen. So wird z. B.
Reis in Japan noch bis zum 41.° n. Br. angebaut, wo nur zwei
Sommermonate ein Temperaturmittel über 20° C. drei Winter-
monate ein solches unter 0° C haben; in der Po-Ebene, wo das
Temperaturmittel ebenfalls nur zwei Monate lang 20° C über-
steigt, dringt der Reisbau sogar bis etwa 45° n. Br. vor. An
der kalifornischen Küste dagegen, wo bei 35° n. Br. das Tem-
peraturmittel einiger Sommermonate kaum noch 20° C beträgt,
ist die Reisbaugrenze weniger polwärts vorgeschoben. Die süd-
liche Erdhalbkugel mit ihrem mehr ozeanischen Klima, das er-
heblich kühlere Sommer als die Nordhalbkugel aufweist, ist für
den Reisbau weniger günstig. Schon an einer früheren Stelle
wurde erwähnt, daß er hier nur an wenigen Punkten über den
Wendekreis hinaus vordringt.

Im folgenden. soll der Reisbau in den einzelnen Erdteilen
nach seiner Bedeutung für die Ernährung der eigenen Bevölkerung
und für den Weltmarkt besprochen werden. Diese Übersicht
schließt sich eng an die von Bachmann (9, S. 246—382) ge-
gebene an, berücksichtigt aber, wo irgend möglich, die seit
Bachmanns Arbeit veränderte Statistik.
        <pb n="97" />
        93

1. Asien.

China. Aus diesem Lande sind uns die ältesten Berichte über
‚den Reisbau überliefert. Zweifellos ist die wirtschaftliche Be-
deutung des Reises für China und die Ausbreitung seiner Kultur
dort vielfach überschätzt worden. Denn im Norden tritt er
vollständig hinter Gerste, Weizen und Hirse zurück, und auch
im Süden, seinem eigentlichen Anbaugebiet, werden noch andere
Getreide- und Gemüsearten in bedeutendem Umfange kultiviert.

Im allgemeinen ist das Klima Chinas trotz seiner großen Ver-
schiedenheit, bedingt durch die Ausdehnung des Reiches über
20 Breitengrade, für die Reiskultur sehr geeignet. Peking, unter
40° n. Br., hat noch eine Julitemperatur von 26° C, eine durch-
schnittliche Sommerwärme von 22°C. Nach Richthofen er-
streckt sich die Reiskultur bis an die Alluvialebnen des Liauho
unter 42° n. Br. Im Süden des Landes sind sogar zwei Ernten
im Jahre möglich. Die Monsunwinde bringen im Sommer reich-
liche Niederschläge, so daß die Flüsse viel Wasser führen und
eine ausgedehnte künstliche Bewässerung ermöglichen. Doch
ist die Verbreitung des Reises in China natürlich auch von der
Bodengestaltung abhängig. Die weiten Alluvialebenen des
Ostens sagen der Reiskultur mehr zu als das gebirgige Innere.
Hier beschränkt sie sich auf die Täler und die hügeligen
Gehänge, wo die Terrassenkultur sehr verbreitet ist, “Hier
wird auch der Trockenreis angebaut. In Mittelchina hat die
Kultur des Klebreises größeren Umfang angenommen. Von
der Reiskultur ausgeschlossen bleibt nur der gebirgige Norden
der Provinz Tschili, die Provinz Schansi, der Osten der Provinz
Kansu. Die Höhengrenze der Reiskultur ist je nach der geo-
graphischen Breite verschieden. Im Süden steigt sie auf dem
Junnan-Plateau bis zu 2000 m Höhe an. Die ausgedehntesten
und ertragreichsten Reisländereien des ganzen großen Reiches
sind die der Küstenprovinzen Kwang-tung, Fu-kien, Tsche-
kiang, vor allem aber Kiang-su. Letztere hat äußerst frucht-
baren Boden. Ausschließlich in der Ebene gelegen, von vielen
Wasseradern durchzogen und mit einem genügend warmen
        <pb n="98" />
        94

Klima ausgestattet, gehört sie zu den von der Natur am reichsten
gesegneten Ländern der Erde. Der Reis wird südlich der alten
Hwang-ho-Mündung, im Delta des Jang-tse und im ganzen
ozeanischen Küstenstrich in großem Maßstabe angebaut. Hier
gibt das Land noch zwei Ernten, im Mai und im Oktober. Von
hier aus werden die Millionenstädte, wie Peking und Nanking,
die Mandschurei und Mongolei bis zur Gobi mit Reis versehen.
Auch die Provinz Hupe erzeugt Reis im Überfluß und führt
große Mengen in die dichtbevölkerte Provinz Tschili, wie über-
haupt in den nicht reisbauenden Norden Chinas aus.

Zahlenmäßige Angaben über den chinesischen Reisbau zu
machen, hat, bei dem Mangel an statistischen Aufnahmen, seine
Schwierigkeiten. Bachmann schätzte die Gesamtproduktion
auf etwa 40 Mill. Tons.

Am Welthandel ist China nur durch Reiseinfuhr beteiligt, da
die Ausfuhr verboten ist. Die Einfuhr ist zwar großen Schwän-
kungen unterworfen, steigt aber im ganzen. Die Statistik bringt
bloß die Mengen, die über die Vertragshäfen importiert werden,
so daß der ganze Handel über die Innengrenzen außer Frage
bleiben muß. Der Wert der Einfuhr betrug in Haikwan-Taels:
1892: 5826000 1899:117813000 1906: 11 750 000
1895: 15623 000 1902; 23611 000 1907: 34423 000
1897: 4011000 1905: 8545 000 1908: 26 632 000

Das macht 6—8% der Gesamteinfuhr aus. Nach Copeland
(43, S. 293) beträgt die Reiseinfuhr in manchen, aber nicht in
allen Jahren, über 500 000 Tonnen. Der größte Teil davon geht
über Hong-kong und kommt etwa zur Hälfte aus Indochina
und zur Hälfte aus Siam; ein kleiner Teil aus Korea und
Macao.

Der schon erwähnte Reishandel innerhalb der Grenzen des
gewaltigen chinesischen Reiches ist sehr bedeutend. Der Trans-
port von Süden nach Norden geht zum nicht geringen Teil auf
dem großen im Jahre 1289 vollendeten Kaiserkanal vor sich.

Die beiden vor der Ostküste Chinas lagernden größeren Inseln,
von denen die eine, Hainan, zu China, die andere, Tai-wan
(Formosa), zu Japan gehört, erzeugen Reis in solchen Mengen,
        <pb n="99" />
        daß er auf ersterer bei mittelguter Ernte die zahlreiche Be-
völkerung gänzlich oder mit Hilfe geringer Einfuhr ernährt,
aus Formosa aber heute eine recht erhebliche Einfuhr nach
Japan gestattet: 1911/12 93 000 t, 1912/13 sogar 162 000 t.

Korea bietet im Norden der Reiskultur keine Stätte; ihre
Polargrenze folgt etwa dem 40. Breitengrade. Die Regenfälle
des Sommers sind nicht so zuverlässig wie in andern Monsun-
ländern, ihr Ausbleiben kann eine vollkommene Mißernte herbei-
führen. In normalen Jahren aber erzeugt die koreanische Land-
wirtschaft, die sich seit der Besitzergreifung des Landes durch
die Japaner sehr gehoben hat, so viel Reis, daß es nur wenige
Länder gibt, in denen die Reisausfuhr solche Bedeutung ein-
nimmt wie in Korea. Sie macht annähernd die Hälfte der Ge-
samtausfuhr des Landes aus und geht hauptsächlich nach China
und den Nordhäfen von Japan (1912/13: 83 000 t). Eingeführt
wird Reisbier und japanischer Sake.

Japan. Hier nimmt der Reis zum mindesten dieselbe wirt-
schaftliche Stellung ein wie in China. In Japan lebt jeder, der
dazu imstande ist, von Reis; allein die Landleute leben von der
billigeren Hirse und essen nur an Festtagen oder in Krankheits-
fällen Reis. Die Bodengestaltung Japans ist der Reiskultur im
allgemeinen nicht ungünstig. Ausgedehnte Alluvialebnen sind
zwar nur wenige (Tokio, Nagoja, Osaka) vorhanden, da das
Land sehr hügelig und bergig ist, doch sagt der vulkanische
Boden der Reiskultur sehr zu. Auf der Nordinsel Jesso wird
noch bis zum 43. Breitengrade Reis gebaut, aber nur mit ge-
ringen Erträgen. Überall ist infolge einer warmen Meeres-
strömung die Westküste vor der Ostküste bevorzugt. In der
Provinz Tosa geben günstige Jahre wohl eine zweimalige Reis-
ernte. Fast die Hälfte des gesamten bebauten Bodens in Japan
ist Reisland. Etwa der zehnte Teil der Ernte ist Klebreis. Trocken-
reis wird nur in sehr geringem Umfange gebaut. Der Ertrag ist
nicht selten durch Wetterkatastrophen bedroht: starke Regen-
fälle und Überschwemmungen zur Erntezeit, heftige Wirbelstürme.

Bis zum Jahre 1873 war die Reisausfuhr aus Japan verboten,
da die Erzeugung zur Ernährung der Bevölkerung des eignen

95
        <pb n="100" />
        Landes nicht genügte, so daß noch erhebliche Einfuhr nötig wär.
Die seit den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ein-
setzende Hebung der Landwirtschaft unter deutscher Führung,
die nun bei der Bodenbearbeitung, Düngung und Ernte nach
modernen Methoden verfuhr, brachte es aber zuwege, daß die
Reisausfuhr aus Japan heute doch schon recht bedeutend ist;
sie richtet sich hauptsächlich
nach Deutschland, Australien,
den Hawaischen Inseln und den
Vereinigten Staaten. Veranlaßt
ist sie nur durch die Güte des
Produktes. Denn die Einfuhr
geringerer Reissorten, beson-
ders aus Vorderindien, In-
dochina, Siam und Korea, über-
steigt die Ausfuhr doch be-
deutend. — An der modernen
Erforschung der KReiskultur
“ und ihrer Bedingungen ist

—% Japan führend beteiligt.
; Auf den Philippinen ist
der Reisbau überall verbreitet,
5 „auf Luzon aber stärker als auf
—___ Mindanao. Die — tropischen —
. Bedingungen der Kultur sind
A He er Wehen "et nicht. So günstig wie auf Java,
Laufplatte. da die Niederschläge nicht genü-
(Nach: Polo Poli, Risicoltura, gen, um vom Regenwasser ab-
Torino 1921, REN hängige Reistelder anzulegen.
Während in den achtziger
Jahren die Philippinen noch ein Ausfuhrland für Reis waren, der
besonders nach China ging, findet heute, hauptsächlich aus Fran-
zösisch-Indochina, starke Einfuhr statt. Denn der Reisbau ist
durch die Rinderpest, die im Anfange dieses Jahrhunderts stel-
lenweise bis zu 90%, der Büffel, dem Pflugtier, vernichtet hat,
sehr zurückgegangen und hat dem Tabakbau und der Kultur

96
        <pb n="101" />
        O4
des Manilahanfes Platz gemacht. Dank der vorzüglichen ameri-
kanischen Verwaltung aber ist die Reiserzeugung jetzt wieder
im Steigen begriffen. Die normale eıgene Erzeugung der Philippi-
nen beläuft sich auf etwa 500 000 t.

Auf Java hat die Reiskultur von allen Inseln des indo-
malaiischen Archipels die größte Ausdehnung gewonnen. Der
Reis ist die hauptsächlichste, ja z. T._die alleinige Nahrung der
30 Millionen Menschen, die die Insel bevölkern. Nicht nur
Boden und Klima sind dem Reisbau hier besonders günstig,
sondern der Javaner ist ein sehr geschickter und fleißiger Reis-
bauer, dem die Kultur dieses Gewächses durch jahrtausendelange
Überlieferung zu seiner Lieblingsbeschäftigung geworden ist.
Die Hauptanbaugebiete sind die ebenen Landstriche des Nord-
westens und die gesamten Küstengebiete. In der Provinz
Batavia sind über 90% des bebauten Bodens mit Reis bestanden.
So weit das Auge reicht, dehnen sich hier in den Ebenen die
Reisfelder aus, und aus der Ebene steigen sie, soweit noch Raum
vorhanden, terrassenförmig an den Berghängen empor, bis die
Abnahme der Temperatur ihnen in einer Höhe von 1000—1200 m
Halt gebietet. In dem gebirgigen Innern der Insel tritt der Reis-
bau zurück, und in den östlichen Provinzen werden ihm durch
Großkulturen anderer Gewächse (Tabak, Zuckerrohr) weite
Flächen streitig gemacht. Die bewässerten Reisfelder nehmen
bei weitem den größten Raum ein; etwas mehr als die Hälfte
davon sind Sawahs, die nur vom Regen abhängen. Unter dem
Einflusse der holländischen Regierung scheinen die trocknen
Reisfelder (Tengalans), auf denen Bergreis gebaut wird, ständig
zuzunehmen.

Trotz dieser intensiven Kultur, die im Jahre 1913 eine Ernte
von 6 575 000 t erzielte (die nur von China, Vorderindien und
Japan noch übertroffen wird), hat Java wegen seiner außer-
ordentlich dichten Bevölkerung keine Überschuß-Ausfuhr auf-
zuweisen. Die Ausfuhr der guten Sorten geht zum größten Teil
nach dem Mutterlande. Die den Export heute bedeutend über-
steigende Einfuhr geringerer Sorten kommt aus Saigon,
Singapore und Bangkok.

Winkler, Reis (Monograph. z. Landwirtsch. warm. Länd.).. Bd. 111.

x
14
        <pb n="102" />
        Sumatra ist hinsichtlich des Bodens und Klimas für den
Reisbau ebenso günstig gestellt wie Java. Die Unerschlossenheit
des Landes und die rückständigere Kultur seiner Bewohner
lassen ihn hier aber nicht zu der Ausdehnung und Intensität ge-
langen wie dort. Da die Bevölkerung Sumatras nicht so dicht
ist wie diejenige Javas, fand früher — Anfang der sechziger
Jahre — eine ziemlich bedeutende Reisausfuhr statt, die aber
heute in eine erhebliche Einfuhr umgeschlagen ist.

Obwohl die Insel Bor neo mit ihren 750 000 qkm Fläche kaum
2 Millionen Einwohner trägt, genügt die Reisernte dieses Landes
noch nicht einmal, sie zu ernähren. Die Kultur wird hier auf
trockene Art betrieben. Wie auf Sumatra, so ist auch auf Borneo
der Reisbau noch sehr der Ausdehnung fähig.

Celebes. Hier tritt an Stelle des Reises als Nahrung der Be-
völkerung schon vielfach der Mais. Wasserreiskultur ist kaum
bekannt, der trockene Reisbau in manchen Gegenden aber sehr
verbreitet. Doch steht die Bewirtschaftung der Felder auf recht
tiefer Stufe. Trotzdem wurde früher noch soviel Reis gebaut,
daß ein Teil der Ernte ausgeführt werden konnte.

Auf den kleinen Sundainseln Bangka und Billiton steht
der Reisbau auf niederer Stufe; nur trockne Felder sind be-
kannt. Beide Inseln sind auf Einfuhr angewiesen. Dagegen
erzeugt die vorzügliche Reiskultur auf Lombok so viel
Überschuß, daß der Reis einen wichtigen Außenhandelsartikel
der kleinen Insel bildet. Die Ausfuhr geht nach den benach-
barten kleinen Sundainseln, aber auch bis nach Singapore
und China, in letzter Zeit auch nach Reunion, Mauritius und
Australien.

Unter dem Einfluß der Engländer, die in Perak eine große
Bewässerungsanlage geschaffen und Versuchsstationen im Lande
eingerichtet haben, hat sich in den Verbündeten Malaiischen
Staaten der Reisbau außerordentlich gehoben, zumal die natür-
lichen Voraussetzungen für ihn sehr günstig sind. Im Jahre 1921
standen insgesamt 669 262 Acres, oder !/, Acre auf den Kopf
der Bevölkerung, unter Reis. Jack hat berechnet, daß 0,62 Acre
auf den Kopf nötig wären, um von der Einfuhr unabhängig zu

98
        <pb n="103" />
        99
„.

werden. Etwa die Hälfte der Erzeugung fällt auf die Staaten
Kedah und Kelantan.

Indochina hat ein für die Reiskultur geeignetes Klima und
ausgedehnte Strecken vorzüglichen Bodens. Doch kommen
durch die Unsicherheit der Monsunregen Mißernten vor. Von
seinen fünf Provinzen hat Laos nur unbedeutenden Reisbau;
Anam erzeugt noch nicht genügend Reis für den eigenen Bedarf.
Dagegen bringen Cambodja, in erster Linie aber Cochinchina
und Tonkin einen sehr bedeutenden Ausfuhrüberschuß her-
vor. In der Ebene von Untertonkin macht das Reisland 90%
des bebauten Bodens aus; und in Cochinchina bietet das Delta
des Mekong mit seinem fruchtbaren Schwemmland dem Reisbau
die denkbar günstigsten Bedingungen. Während Indochina
früher als Ausfuhrland für Reis vollkommen hinter Burma zu-
rücktrat, hat es in den letzten Jahrzehnten immer mehr den
Wettbewerb mit ihm aufgenommen. 1878 betrug die Reisaus-
fuhr erst 375 000 t, sie stieg aber zunehmend bis zum Jahre 1902
auf 1115000 t. Infolge schlechter Ernten erfolgte dann ein
Rückschlag, der sich aber bis 1907 (1 256 000 t) mehr als aus-
geglichen hatte. Auf dieser Ziffer etwa blieb die Ausfuhr lange
Zeit stehen; erst in den letzten Jahren ist sie noch etwas ge-
stiegen: 1921 erreichte sie 1720 000 t. Auf dem Weltmarkt
spielt der Reis von Indochina die Rolle des schlechtesten und
daher billigsten Erzeugnisses. Hauptabnehmer des indochine-
sischen Reises sind deshalb in erster Linie die französischen
Kolonien, China, Japan, Niederländisch-Indien, die Philippinen,
Hongkong, Singapore; in Europa findet er nur im französischen
Mutterlande und in Portugal Absatz. Doch scheint Indochina
auch eine gewisse Reiseinfuhr zu haben. Es ist das jedoch nur
ungeschälter Reis, der in den Reismühlen des Landes geschält
und dann wieder ausgeführt wird.

Den größten Aufschwung als Reisausfuhrland hat unzweifel-
haft Siam genommen. Die Temperatur des Landes ist hoch und
nur geringen Schwankungen unterworfen. Die Monsunregen
treten ergiebig, wenn auch nicht so regelmäßig wie in Burma ein.
Der gebirgige Norden und der Anteil Siams an der Malaiischen
        <pb n="104" />
        100 -
Halbinsel eignen sich mehr zur Kultur des Trockenreises. Aber
der ganze Süden des Landes, vor allem die Ebene des Menam-
flusses, bieten dem Wasserreisbau einen vorzüglichen Boden, so
daß er hier eine vollkommen vorherrschende Stellung eingenom-
men hat, und Reisbau und Reishandel fast die einzige Beschäfti-
gung der Bewohner sind. Ein großer Teil des Landes liegt noch
brach, das die besten Erträge liefern könnte, sobald es künstlich
bewässert würde. Doch hat die Regierung große Anstrengungen
zur Verbesserung der Reisirrigation gemacht mit der Umwand-
lung der 64 km langen und 30 km breiten Ebene zwischen dem
Menam und dem Mahon aus Sumpfland in brauchbares Reisland.
Der Holländer Homan v. d. Heyde wurde mit der Ausarbei-
tung eines großzügigen Bewässerungsplanes betraut. Obwohl
der Verbrauch an Reis im Lande selbst sehr groß ist, wird seine
Ausfuhr doch nur von.derjenigen Burmas übertroffen. Zwischen
den Jahren 1886 und 1906 hat sie sich mehr als versechsfacht
(von 20 Mill. auf 126 Mill, Mark). Früher machten sich bei der
fehlenden Bewässerung ungünstige Jahre durch Ernteausfall
viel mehr bemerkbar als heute. Die Reisausfuhr macht über drei
Viertel der Gesamtausfuhr des Landes aus, die sich 1907 auf
etwa 130 Mill. Mark belief. 1921 erreichte die Ausfuhr die Höhe
von 1 700 000 t. Sie geht z. T. nach Hongkong, z. T. nach Singa-
pore und von dort weiter nach Südchina. Auch in Europa hat
sich der Siamreis ein immer größeres Absatzgebiet erobert. Das
nach der arbeitsintensiven Verpflanzmethode gebaute siame-
sische Produkt kommt als ‚„‚Gartenreis‘‘ auf den Weltmarkt;
daneben liefert Siam noch den billigeren „„Feldreis“‘.

Eine noch größere Rolle spielt der Reis für Burma; ganz be-
sonders muß Niederburma mit seiner hohen und gleichmäßigen
Wärme und seinen außerordentlich hohen, sicheren, künstliche
Bewässerung überflüssig machenden!) Niederschlägen (Ran-
gun 2200 mm, die Südwestküste gar 5000 mm!), als „das
Reisland“‘* angesprochen werden, wo über 90% des Kulturlandes

1) Nach Schumacher, S. 20; McKerral gibt dagegen an, daß
wegen der schnellen Erhärtung des Bodens nach dem Regen die Reiskultur
nur mit Bewässerung betrieben werden kann. (Aus Copeland, S. 267.)

CH
        <pb n="105" />
        1011
mit Reis bepflanzt sind. Nicht ganz so günstig steht es mit
Oberburma, wo etwa 43% des Kulturbodens unter Reis stehen.
Trockenreiskultur wird hier noch bis zu 2000 m Höhe erfolgreich
betrieben. — Burma ist nicht nur lange Zeit der Hauptreis-
lieferant für den europäischen und südostasiatischen Markt ge-
wesen, sondern es ist noch bis heute die Kornkammer der dicht-
bevölkerten Provinzen Britisch-Vorderindiens, die nicht alle
genügend Reis für den eignen Bedarf erzeugen. Die Reisausfuhr
ist schon seit langer Zeit von allergrößter Wichtigkeit für das
Land gewesen, betrug sie doch schon 1883/84 850 000 t im Werte
von 105 Mill. Mark und machte somit 80% des Gesamtexportes
aus. Damals war Europa der beste Kunde; es nahm 688 000 t
ab, Amerika kaum 30 000 t, der Rest ging in die Länder Ost-
asiens. Schon damals war Rangun der Hauptausfuhrhafen, da
von hier allein über 500 000 t verschifft wurden. Die Ausfuhr
nach Britisch-Vorderindien wird in der Statistik unter der
Rubrik „Küstenhandel‘“ von dem Außenhandel getrennt geführt.
Folgende Tabelle gibt Aufschluß über die Entwicklung und Be-
deutung des burmanischen Reishandels:
Gesamtreishandel davon Außenhandel
t
1882—87 1 066 000
1900 1450 000 8
1903 1488 000 122 000
1904 1 772 000 207 000
1905 1 714 000 251 000
1906 1 722 000 555 000
1907—08 2395 000 980 000
1908—09 2431 000 1157 000
Nach Schumacher, der aber die auf den Küstenhandel ent-
fallende Menge nicht herausstellt, setzt sich die Reihe folgender-
maßen fort:
1909/10: 2598000 t 1912/13: 2917000 t
1910: 1: 12,403000 t 1913/14: 2698000 t.
1911/12: 2438000 t
Diese gewaltige Ausfuhrmenge zeigt wohl kleine Schwan-
kungen, läßt aber nirgends eine ausgesprochene Mißernte er-

var!
        <pb n="106" />
        16
kennen. Schumacher bezweifelt, ob sich Burma in Zukunft
seine bisherige Stellung als Überschußgebiet erhalten wird.

Die Ausfuhr ging vor allem in großem Maßstabe nach Deutsch-
land, den Straits Settlements, Niederlanden, Österreich-Ungarn,
Japan, Großbritannien; mit geringeren Mengen nach Java,
Ägypten, Belgien, Ceylon, Sansibar, Frankreich, Rumänien,
Argentinien, China, Rußland und Chile; mit noch kleineren Be-
trägen nach Sumatra, Mauritius, Portugiesisch-Ostafrika, Hong-
kong, Türkei, Britisch-Südafrika, Schweden, Dänemark, Re-
union, Italien und Peru. Der Küstenhandel geht ausschließlich
nach den Schwesterkolonien von Britisch-Vorderindien.

In Vorderindien richtet sich die Verbreitung der Reiskultur
nach der Verschiedenheit des Klimas, vor allem nach der Menge
der Niederschläge. Sehr reich daran sind die Niederungen von
Bengalen und Assam, so daß hier wie in dem angrenzenden
Burma die klimatischen Bedingungen für lohnende Reiskultur
am besten gegeben sind, zumal auch der Schwemmlandboden
der großen Flüsse äußerst fruchtbar ist. In Ostbengalen und
Assam ist Reis fast das einzige Getreide, in Westbengalen ver-
liert er etwas von seiner Bedeutung, nimmt aber immer noch
zwei Drittel des mit Körnerfrüchten bestellten Bodens ein.
Hier ist die Jute mit ihm in Wettbewerb getreten, obwohl die
Erfahrung gelehrt hat, daß nach der Jute noch Reis gebaut
werden kann, ohne daß sein Ertrag geschmälert wird. Je weiter
wir den Ganges aufwärts gehen, um so mehr tritt der Reis zurück;
Oudh, die östlichste der beiden vereinigten Provinzen, hat noch
etwa ein Viertel, Agrah kaum noch ein Sechstel des Kulturlandes
unter Reis, und im Pundschab nimmt der Weizen die Rolle ein,
die in Bengalen der Reis spielt. Dasselbe gilt von den Grenz-
provinzen im äußersten Nordwesten. Von größerer Wichtigkeit
ist seine Kultur dann wieder im Delta des Indus, in der Provinz
Sind, wo neben der.Hirse in großem Maßstabe Reis angebaut
wird. In Madras nimmt zwar die Hirse den ersten Rang unter
den Körnerfrüchten ein, aber der Reis bedeckt doch noch etwa
ein Drittel alles bestellten Landes. In Bombay, der Küsten-
provinz des Westens, tritt der Reis noch mehr zugunsten der

KJ2
        <pb n="107" />
        1 4
Hirse zurück, die über die Hälfte des Kulturlandes bedeckt,
während der Reis nur etwa 10% der Kulturfläche ausmacht.
In den Zentralprovinzen halten sich Reis, Weizen und Hirse
annähernd die Wage. — Der Trockenreis spielt in Ostindien eine
sehr große Rolle. Terrassenkultur ist unbekannt.

Folgende Tabelle (aus Copeland, S. 266) gibt einen Überblick
über den indischen Reisbau (mit Einschluß Burmas) für 1916/17:
n Produktion

Acres’) Total ! per Acre

‚ ‚ewt.?)
Bengal: sr. ee te ana er + 4 ek» ale» 21 120 000 8 028 000 7,6
Bihar and: Orissa 4. 16 442 000 8 898 000 10,8
Madrast rer 11377 000 5536 000 9,7
Bun rk ek a a er 10520 000 4417 000 8,4
United Provinces 0.0 7156 000 2675 000 7,5
Central Provinces and Berar...... 5 086 000 1481 000 548
Asa er re  ae eeleelehe aE 4265 000 1 406 000 6,6
Bombay er r Re Brle en 2430 000 1 094 000 9,0
Sind a 1220 000 490 000 8.0

CO Beer 7 KA 84 000 54000 ı 12,9
Total || 79700000 | 34079000 8,6

Ostindien gehört zu den Ländern, die Reis ein- und ausführen.
Die Ausfuhr ist zwar bedeutend, geht aber wegen des wachsenden
Verbrauchs im Lande selbst zurück. Hauptabnehmer sind
Ceylon und die Straits-Settlements. Die Einfuhr, vor allem aus
Burma, überwiegt den Export sehr erheblich.

Die Insel Ceylon war im Altertum der Treffpunkt großer
Handelsflotten, die Reis nach aller Herren Länder verfrachteten.
Die Landwirtschaft stand in Blüte, wie die großartigen alten Be-
wässerungsanlagen bezeugen. Später setzte ein Verfall ein; nach
alten singhalesischen Berichten soll schon im 2. Jahrh. v. Chr.
Reis von der Coromandelküste eingeführt worden sein. Obwohl
durch die Fürsorge der Engländer die alten Anlagen z. T. wieder-
hergestellt worden sind, ist das dichtbevölkerte Ceylon heute
starkes Einfuhrland für Reis. Seine Kultur ist die Lieblings-

l) 1 Acre = 0,4 ha.

2) 1 cwt. = 50,8 kg.

„U3
        <pb n="108" />
        = 104
beschäftigung der Einwohner; der Terrassenbau steht auf der
Höhe. Dennoch gehört Ceylon zu den Reisländern, welche die
niedrigsten Hektarerträge aufzuweisen haben. Besonders ge-
eignet für den Reisbau sind die Ebenen im Norden und Süden
der Insel; im Inneren ist er kaum lohnend. Die Einfuhr kommt
hauptsächlich aus Vorderindien,
Abb. 13. Reinigen der Reisfelder nach dem System Cabrini.
(Zur Verfügung gestellt v. d. R. Stazione di Risicoltura, Vercelli.)
Nepal und Bhutan, zwei Staaten am Himalaya mit dünner
Bevölkerung, erzeugen KReis_in_ solcher Menge, daß eine be-
deutende Ausfuhr nach Ostindien stattfindet. Auch auf der
klimatisch schon nicht mehr so begünstigten südlichen Ab-
dachung des Himalaya, in Kaschmir, werden noch befrie-
digende Reiserträge erreicht.
Je weiter wir nach Westen und ins Innere Asiens gehen,
desto mehr läßt die Bedeutung nach, die der Reis im Wirt-
        <pb n="109" />
        1
schaftsleben der Völker einnimmt. Ist er in Kaschmir und
Russisch- Asien noch von ziemlicher Wichtigkeit, so spielt
seine Kultur in Iran nur noch in manchen Gegenden eine her-
vorragende Rolle, während die anderen Getreidearten, vor allem
die Gerste, immer größere Verbreitung gewinnen. Es fehlen
insbesondere die fruchtbaren Schwemmlandebenen der Flüsse,
die in Südostasien so zahlreich vorhanden sind und der Reis-
kultur am besten zusagen. In dem gebirgigen, niederschlags-
armen Belutschistan wird nur in den Tälern ein wenig Reis
gebaut. Etwas günstiger liegen die Verhältnisse in Afghanistan,
so daß dieses Land sogar noch etwas Reis nach Ostindien ausführt.

Wenn die Reiskultur in Persien auch in vielen Provinzen
verbreitet ist, so spielt sie doch nur in wenigen die vorherrschende
Rolle, so vor allem in den Landschaften am Kaspischen See,
um Schiras, in der Umgebung des Urmia-Sees und wenigen
andern Provinzen. Sie scheint aber im Aufsteigen begriffen zu
sein; denn die Reiseinfuhr Persiens sinkt, während die Ausfuhr,
hauptsächlich nach Rußland, zunimmt. Das Produkt soll von
sehr guter Qualität sein, wird aber schlecht behandelt.

Hohe wirtschaftliche Bedeutung hat der Reisbau, wie gesagt,
noch in Russisch- Asien erlangt. Trotzdem er hier in einer
Breite zwischen 38 und 43° betrieben wird, ist er doch durch
hohe Sommertemperatur, die die der Tropen übertrifft, be-
günstigt. Der weite Strecken des Landes bedeckende Lößboden
ist außerordentlich fruchtbar, braucht aber viel Wasser. Die
Flüsse des Landes liefern aber das zu künstlicher Bewässerung
nötige Wasser im Überfluß. Die Ernteerträge sind äußerst
günstig, so daß selbst die Baumwolle nicht überall imstande ist,
eine so hohe Rente, wie der Reis sie liefert, abzuwerfen. Der
Wert der Reisernte wurde bereits 1888 auf 8 Millionen Rubel
angegeben; und für die Zukunft eröffnen sich der Ausbreitung
des Reislands die besten Aussichten, da erst ein geringer Teil
des brauchbaren Landes bebaut ist.

Sehr günstige Bedingungen bietet der Reiskultur auch das
feuchtwarme Klima Transkaukasiens, wo sie hauptsächlich an
den Küsten des Kaspischen und des Schwarzen Meeres ver-

‚U5
        <pb n="110" />
        100

breitet ist. Ebenso günstig ist in der asiatischen Türkei für
den Reisbau das Klima, auch die Gelegenheit zur künstlichen
Bewässerung. Doch ist das Land im allgemeinen zu gebirgig,
um die Reiskultur in großem Umfange aufkommen zu lassen.
Sie hat hauptsächlich in den Küstengebieten ihren Standort.
Das Schwarze Meer bildet wie der Kaukasus eine scharfe Grenze
der Reiskultur nach Norden. Ihre Polargrenze liegt also im
äußersten Westen des asiatischen Erdteils auf derselben Breite
wie im äußersten Osten; doch sind hier wie in Russisch-Asien
die klimatischen Bedingungen günstiger als unter derselben
Breite in Japan, da das erforderliche Wärmemaß hier weit
überschritten wird. Indessen tritt der Mangel an ebenem Lande
der weiteren Ausbreitung des Reisbaus entgegen.

In Arabien kommen außer den Küsten nur einige Oasen für
die Kultur in Frage. Mesopotamien ist zur Reiskultur außer-
ordentlich geeignet; Mohammera hat eine mittlere Sommer-
temperatur von 33°C. Für Bewässerung aber muß gesorgt
werden. In Kaza Hindaji am oberen Tigris sollen 80% des be-
bauten Bodens mit Reis bestellt sein. Die Produktion war so
beträchtlich, daß im Jahre 1900 für 670 000 Kronen Reis aus-
geführt werden konnten. Im ganzen aber führt die asiatische
Türkei Reis in großen Mengen ein.

3. Afrika.

Dieser Erdteil hat als Reisproduktionsland vorläufig nur ge-
ringe Bedeutung. Es sind eine ganze Anzahl wilder afrikanischer
Reisarten beschrieben und einzelne davon in Westafrika — wo die
trockne Reiskultur sehr verbreitet ist — vielleicht von den Ein-
geborenen auch selbständig in Kultur genommen worden. Für
Ostafrika glaubt Stuhlmann (125, S. 188) den Reis als eine
verhältnismäßig späte Einführung ansehen zu müssen. Da die
Reiskultur zu sehr dem ganzen System der Negerhackkultur
widerspricht, ist es unwahrscheinlich, daß der Reis schon von
den in der Urzeit aus Nordwest eingewanderten Bantu mit-
gebracht worden ist. Aber jedenfalls haben ihn nach Stuhl-

6
        <pb n="111" />
        107 -
manns Vermutung nicht die nur als Händler nach Ostafrika
gekommenen Inder als Kulturpflanze eingeführt, sondern Leute
aus dem Norden des persischen Golfes.

Für die Ernährung der Bewohner Afrikas hat der Reis sehr
verschiedene Bedeutung. Während er stellenweise völlig un-
bekannt ist, wie im ganzen Innern, wo Hirse, Mais, Knollen-
gewächse und einige Hülsenfrüchte die Hauptnahrungsmittel
bilden, stellt er in andern Gebieten allein oder mit andern Feld-
früchten die Grundlage der Ernährung dar, wie z. T. in Mada-
gaskar, in Ober-Dahomey, Sierra Leona, an der Goldküste;
an der Elfenbeinküste und in Französisch-Guinea ist Reis die
Grundnahrung.

Ägypten, wo sich der Reiskultur ähnlich günstige Bedin-
gungen wie in den Alluvialebenen Vorder- und Hinterindiens
bieten, baut man dieses Getreide hauptsächlich im Nildelta an,
wo etwa 5% alles Kulturlandes unter Reis stehen. Die Gesamt-
produktion wird sich auf mindestens 150 000 t belaufen, die aber
den eigenen Verbrauch nicht decken.

Vielverheißend scheint die Entwicklung des Reisbaus auf
Madagaskar zu sein, das schon jetzt eine ständig steigende
Ausfuhr aufweist. Exportartikel könnte der Reis leicht noch
werden für Dahomey, Sierra Leona, auch für das besetzte
Deutsch- Ostafrika, wo er in den Mündungsgebieten der in
den Indischen Ozean wie in die großen Seen gehenden Flüsse
gebaut wird. Ausgeschlossen ist die Reiskultur von dem außer-
tropischen Südafrika. Alle afrikanischen Kolonialregierungen
bemühen sich, dem Reisbau Ausdehnung zu verschaffen, um die
sehr erhebliche Einfuhr aus Vorderindien und Burma einzu-
schränken. Besonders groß ist der Reiskonsum in Südafrika,
wo viele Chinesen und Inder leben.

3. Amerika.
A. Südamerika, Westindien, Mittelamerika.

Obwohl in großen Gebieten dieses Erdteils der Mais noch die
Grundlage der Volksernährung bildet, hat der Reis doch eine
        <pb n="112" />
        10°

gewaltige Einbürgerung erfahren, ja stellenweise den Mais er-
setzt. Dem entspricht die Kultur des Reises im Lande selbst
noch nicht. Denn trotzdem in allen südamerikanischen Staaten,
mit Ausnahme von Chile, Reis gebaut wird, so sind doch die
meisten von ihnen noch auf Zufuhr angewiesen, während einige
gerade den Bedarf decken oder sogar Reis ausführen; wie
Britisch-Guyana, das zum ersten Male 1906 einen Export
von 700 t aufwies. Von 1915—1919 wurde ein durchschnittlicher
Jahresertrag von 140 820 000 1b. erzielt. Aussicht, einmal sehr
wichtige Reisproduktionsländer zu werden, die neben der
eigenen Bevölkerung ganz Süd- und Nordamerika und West-
indien versorgen könnten, haben außer Britisch-Guyana vor
allem Venezuela, Peru, hauptsächlich aber Brasilien, das
in den Jahren 1919-—1920 etwa 500 000 t Reis erzeugte. Im
Staate Rio Grande do Sul wird die Kultur mit modernen Ma-
schinen betrieben. (43, S. 305.) Deutschland, Argentinien ünd
Uruguay sind die Abnehmer der brasilianischen Ausfuhr. In
allen diesen Ländern steht bewässerbares Reisland mit den
günstigsten Klimabedingungen genug zur Verfügung. Die
Qualität mancher Sorten soll hervorragend sein. Alle Regie-
rungen fördern deshalb auch den Reisbau nach Möglichkeit.
Auch Trockenreis wird in Südamerika gebaut. Das eingeführte
Produkt stammt in erster Linie aus Indien und nahm vor dem
Kriege seinen Weg zum großen Teil über Deutschland.

In Westindien hat die Reiskultur, trotz günstigen Klimas,
keine Bedeutung, weil das zur Verfügung stehende Land seit
langem von lohnenderen Kulturen mit Beschlag belegt ist. Doch
scheint der Anbau in der Dominikanischen Republik zu-
zunehmen.

In allen Staaten Mittelamerikas hat der Reisbau Eingang
gefunden. Er wird infolge der geringen Ausdehnung und der
gebirgigen Beschaffenheit dieses Übergangsgebietes zwischen
den beiden großen Kontinenten wohl niemals eine hervor-
ragende Stellung im Welthandel einnehmen, hat aber doch in
der Wirtschaft dieser Länder eine wachsende Bedeutung ge-
wonnen. Die Höhengrenze des Reises beträgt im allgemeinen

X
        <pb n="113" />
        = 10
1000 m, während bis zu 3000 m Höhe Mais, die Hauptfrucht des
Landes, gepflanzt wird. In Costa Rica wird nur Trockenreis,
aber von sehr guter Qualität, angebaut. San Salvador, die
kleinste der mittelamerikanischen Republiken, führt etwas Reis
aus.

Das Klima Mexikos erlaubt trotz seiner Verschiedenheit in
den einzelnen Teilen des Landes die Reiskultur überall bis zur
Höhe von etwa. 1500 m, sobald nur Gelegenheit zur künstlichen
Bewässerung gegeben ist. Wirklich verbreitet hat sie sich jedoch
hauptsächlich südlich des 22. Breitengrades, wo die Temperatur
an den Küsten und in den Tälern den Reisbau während des
ganzen Jahres zuläßt; im Norden gibt es Reisfelder nur in der
Küstenprovinz Tamaulipas und im südlichen Teil von St. Louis
Potosi. Die Reisproduktion Mexikos hat sich beständig gehoben;
sie betrug 1902 etwa 18000 t, 1904 bereits über 28 000 t im
Werte von 3!/, Mill. Dollar. Nach Geo A. Schmidt wurden
1922 in der Republik 32692 t Reis geerntet und davon 497t
exportiert; dagegen betrug die Einfuhr aus Asien 1380 t.

B. Nordamerika.

Die Vereinigten Staaten haben den Ruhm erlangt, den
besten Reis, den geschätzten Carolinareis, zu erzeugen. Natürlich
bieten nur die Südstaaten der Union, die Golfstaaten, der Reis-
kultur die klimatischen Voraussetzungen: das Klima ist hier dem
Reis fast ebenso günstig wie im Monsungebiet. Das amerika-
nische Mittelmeer im Süden der Verein. Staaten, das eine mittlere
Jahrestemperatur von 24—27° C hat, sendet während des Sommers
warme und feuchte Luft nach Norden. Eine hohe Jahres-
temperatur, vor allem ein hohes Sommermittel von über 23°
kommt in den nördlichen Randstaaten des Golfs von Mexiko
der Entwicklung des Reises sehr zustatten. Dazu sind die
Niederschläge sehr ergiebig; sie betragen in Alabama, Mississippi
und Louisiana etwa 1300 mm, in Florida noch mehr, an der
atlantischen Küste etwas weniger. Außerdem ist das Land gut
bewässert und erlaubt in weitem Maße die Anlage künstlicher
Bewässerungsvorrichtungen (26; 108; 43, S. 209-—218).

5
        <pb n="114" />
        110
Die Reiskultur in den Südstaaten der Union hat ihre Ver-
breitung im Laufe der Zeit wesentlich verschoben. Während
vor dem Bürgerkriege Nord- und Südcarolina ihre Hauptsitze
waren, hat sie seitdem ihren Schwerpunkt nach Louisiana und
Texas verlegt. Das Wiederaufblühen der Kultur in jenem
ältesten Lande des amerikanischen Reisbaus ist dadurch ver-
hindert worden, daß sie sich dort auf niemals gänzlich trocken-
AS
Abb. 14. Javanisches Reismesser zum Ernten der einzelnen
Rispen.
(Aus: Tropenpflanzer, 16. Jahrg., 1912. Verlag des Kolonial-
Wirtschaftl. Komitees, Berlin.)
zulegende Alluvialböden beschränkte, auf denen Maschinen-
arbeit unmöglich ist; die Handarbeit ist nach der Aufhebung
der Sklaverei aber zu teuer für den Reisbau geworden. Aus dem-
selben Grunde ist in Georgia der Anbau des Wasserreises nach
dem Sezessionskriege zum guten Teil in den Anbau des Trocken-
reises übergegangen. Louisiana liefert heute mehr als die Hälfte
des in den Vereinigten Staaten erzeugten Reises. Sonst finden wir
die Reiskultur in geringem Maße noch in Texas und Florida,

3t
        <pb n="115" />
        111
Arkansas und Mississippi, während sie aus Virginia, Kentucky,
Tenessee und Missouri völlig verschwunden ist.

Folgende Tabelle zeigt, daß die Ernteerträge in den Vereinigten
Staaten seit 1800 große Schwankungen durchgemacht haben,
die den verschiedensten Ursachen zuzuschreiben sind, haupt-
sächlich politischen und solchen, die in der Änderung auf dem
Gebiete der Sklavenwirtschaft liegen.

Reisernte in Mill. Pfund gereinigten Reises

(100 Pfund gereinigter = etwa 160 Pfund ungeschälter Reis).
1800: 67;2' (7) 1870: "73:6 1904: 586
1850: 215 1880: 111,87 1905: 378
1860: 106,3 (187) 1892: 237,55 1908: 608
1861: "2,1 (1) 1896: 96,9
1865: 10,25 1900: 250

Seit 1914 ist die Reisproduktion der Vereinigten Staaten —
wenigstens bis 1920 — beständig gestiegen. Ihre Verteilung
auf die einzelnen Staaten zeigt folgende, aus Copeland (S. 209)
entnommene Zusammenstellung:

Reisernte in 1000 Bushels /

(1 Bushel = 45 lb. ungeschälter Reis)
1914 | 1915 | 1916 | 1917 | 1918 | 1919 | 1920 | 1921 | 1922

S.Carolina 170 9m 4 ; V 9 175 | 176 „208
Georgien | 31 &amp;* 16 Ü „© 29 104 7. 72
Florida 10, 1 13 2 26 42 72 88 75
Mississippi 30 45 53 63 69 95 93 20 19
Louisiana | 10,802/13,714| 20,392 18,250 17,980 19,712 25,200 17,280 19,980
Texas | 8,102 7,930 10,575 6,210) 7,840 6,998 9,534 5,993 5,959
Arkansas | 3,685 4,840 6,312 5,994/ 7,310 6,162 8,575 6,688 7,392
Californien, 8800| 2.268 3.263 5.600| 7.011 7,881| 8,262 7 290 8.260

Gesamt | 23,639| 28,919| 40,678| 36,240| 40,374! 41,009 52,015|37,612/ 41,965

Aus der Tabelleist ersichtlich, daß im letzten Jahrzehnt der Reis-
bau in Californien große Fortschritte gemacht hat. Er ist hier fast
gänzlich auf das Sacramentotal beschränkt, wo die Pflanze in einem
ausgesprochen subtropischen Klima mit sehr hoher Tages- und nie-
driger Nachttemperatur wächst; die regnerische Herbstwitterung
schädigt leicht die Ernte. Kurzlebige Varietäten sind diesen
Verhältnissen am besten angepaßt. Die Kultur wird mit modernen
Maschinen betrieben (24; 25; 43, S. 165—207; 753 76).
        <pb n="116" />
        2

Augenblicklich deckt die nordamerikanische Union ihren Be-
darf an Reis fast vollkommen im eignen Lande; die Ausfuhr aber
ist auf ein Minimum herabgegangen. Bei dem schnellen Wachs-
tum der Bevölkerung der Vereinigten Staaten dürften diese wohl
kaum nochmals ein bedeutendes Ausfuhrland für ie KeF

ACNIMNS TE,
4. Südsee und Australien.

Während auf den kleinen Inseln des Atlantischen und des
Indischen Ozeans die Reiskultur fast keine Verbreitung ge-
funden hat, ist sie auf verschiedenen Inseln des Stillen Ozeans
im Laufe des vorigen Jahrhunderts eingeführt worden und hat
hier z. T. Fortschritte gemacht, so auf den Hawaischen Inseln
und den Fidji- Inseln, weniger auf Neu- Caledonien, das
wenig fruchtbaren Boden und Mangel an Wasser hat. In Neu-
Guinea ist die Reiskultur erst von den Deutschen eingeführt
worden. 1914 standen in Deutsch-Neu-Guinea 44 ha unter Reis:

Auf dem Festlande von Australien hat man in Queensland,
das noch zum größten Teil in das Gebiet der Tropen fällt, Ver-
suche mit dem Anbau von Reis gemacht, scheint aber keine
guten Resultate erzielt zu haben; denn das an sich schon sehr
beschränkte Reisareal ist beständig zurückgegangen. In Neu-
Südwales haben die hohen Arbeitskosten, der Mangel an ge-
eignetem Land und die Schwierigkeiten der künstlichen Be-
wässerung die Ausdehnung der Reiskultur verhindert.

5. Europa.

Hier kommt auch nur der südliche Teil, die drei großen Halb-
inseln, in Betracht. Nach der östlichen ist die Reiskultur von
Kleinasien durch die Türken gebracht worden, hat dort aber
nur geringe Ausdehnung in der Türkei, Griechenland, Bul-
garien und Rumänien gefunden.

In Spanien hat der Reisbau schon zur Zeit der Araberherr-
schaft Fuß gefaßt und sich bis heute erhalten. Ausgezeichneten
Boden findet er in den Ebenen am Unterlauf der großen Flüsse;
die Temperatur reicht stellenweise an die der Tropen heran,
und wenn auch die Sommer ziemlich regenarm sind, so ist man

Ya
        <pb n="117" />
        115
diesem Übelstande durch ausgedehnte Bewässerungswerke be-
gegnet. Der Hauptsitz der spanischen Reiskultur ist die Provinz
Valencia, außer ihr Katalonien und Murcia. Ganz besonders
gute Bedingungen findet der Reis im Ebrodelta. Die Durch-
schnittserträge sind in Spanien sehr hoch, übertreffen bei weitem
den Durchschnitt der asiatischen Länder, selbst den Nord-
amerikas, sie kommen denen Italiens nahe, ja übertreffen nach
den neueren Angaben auch sie, was für eine sehr sorgfältige Be-
wirtschaftung spricht.

In Portugal überschreitet die Reiskultur in der Provinz
Coimbra den 40. Breitengrad und ist außerdem noch hauptsäch-
lich in Evora und Porto Alegre verbreitet. Der Durchschnitts-
ertrag ist kaum halb bis drittel so groß wie in Spanien.

In Italien erreicht die Reiskultur auf der ganzen Erde ihre
nördlichste Grenze; überschreitet sie doch hier den 45. Breiten-
grad. Das ist begründet in den außerordentlich günstigen natür-
lichen Bedingungen. Die Sommertemperatur bleibt in der Po-
ebene einige Monate mit Sicherheit über 20°C. Die Nieder-
schläge sind zwar nicht allzu hoch — sie betragen im Mittel
für das Pogebiet etwa 810mm —, doch wird dieser Mangel durch
ein ausgedehntes künstliches Bewässerungssystem wettgemacht,
das von den wasserreichen Alpenflüssen gespeist wird. Der Reis-
bau hat daher in der Poebene, vor allem in der Lombardei und
in Piemont, große Verbreitung gefunden, aber auch in den
Provinzen Venezia und Emilia. Außerdem wird in Toscana und
Sizilien in kleinen Mengen Reis gebaut. Die Ernteerträge von
der Fläche sind in Oberitalien so hoch wie sonst wohl nirgendwo
auf der Erde, abgesehen vielleicht von Spanien. Die Gesamt-
produktion Italiens an Reis ist so groß, daß größere Mengen zur
Ausfuhr kommen, die hauptsächlich nach Argentinien, Öster-
reich, Ungarn, Uruguay, der Türkei, Schweiz und Griechenland
gehen, zum kleinen Teil auch nach Frankreich, Großbritannien
und Deutschland.

Reisbau-Versuche, die in Südungarn, Illyrien und Südfrank-
reich angestellt worden sind, haben keinen Bestand gehabt.
Winkler, Reis (Monograph. z. Landwirtsch. warm. Länd.). Bd. II

RR
        <pb n="118" />
        114
6. Welterzeugung, Handel und Verbrauch.

Die Hauptdaten hierüber lassen sich folgendermaßen zusam-
menstellen. In allen Erdteilen wird heute Reis gebaut; nur
wenige Gebiete der Erde aber liefern erheblicheren Überschuß,
der im Welthandel erscheint. Die gesamte Welterzeugung
dürfte sich auf rund 100 Mill. t belaufen. Davon bringt China
allein schätzungsweise 40 Mill. t hervor, Britisch-Indien einschließ-
lich Burma 34 Mill. t (1916/17); in weitem Abstande folgen Japan
mit 7 Mill. t, Java mit 6 Mill. t, Indochina und Siam mit je 4,5 Mill. t,
Korea mit etwas über 1,5 Mill. t (1916). Für alle übrigen reis-
erzeugenden Länder zusammen bleibt also wenig genug übrig.

Als Ausfuhrländer failen nur Indien, Indochina und Siam
ins Gewicht. Copeland (43, S.332) gibt als annähernde
Zahlen des augenblicklichen Ausfuhrüberschusses folgende an:

MÄNTEL GO0.000;E
N
STAR ET S00000 €
Vereinigte Staaten „1. u 300000 €
HC A En 80 000 t
SPC 0 ENT EEE 50000 t
Brasilien N a EN 50000 t
BErSICH AR At N a 50000 t (?)
Kin weiterer kleinerer Überschuß wird noch erzeugt in Mada-
gaskar, Irak, Brit.-Guyana und in manchen Jahren in Ägypten.

Derinternationale Reishandel wird auf jährlich 6400000 t
geschätzt; doch sind in dieser Zahl ziemlich große Rückexporte
enthalten. Holland führt in der Regel mehr als 200 000 t aus,
und Deutschland nicht viel weniger.

Aber nicht nur die Hauptlieferanten, sondern auch die Haupt-
einfuhrländer für Reis liegen im Orient. so daß im asiatischen
Schiffsverkehr der Reis sogar die Kohle überbietet. China,
Japan, Britisch-Malaya und Niederländisch-Indien dürften je
eine Einfuhr von mehr als 0,5 Mill. t jährlich aufweisen, Ceylon
mehr als 300 000 t, die Philippinen in manchen Jahren wenig-
stens an 150 000 t. Eine kleine Gruppe von Ländern. wie Java
und Japan, führen geringe Mengen hochwertigen Reises aus,
aber viel mehr billigen ein. Die großen, dichtbevölkerten Reiche
        <pb n="119" />
        119

ist. Wenn die Körner so weit gar sind, daß sie sich zerdrücken
Jassen — bei einiger Übung ist der richtige Augenblick leicht
zu erkennen —, gieße man das Wasser ab, mische den Reis gut
durcheinander und decke den Topf mit einem Deckel zu, um
den Inhalt noch durch den heißen Dampf weiter gar dämpfen
zu lassen.‘ Vom Standpunkte der vollständigen Nährstoffaus-
nutzung ist dieses Verfahren aber zu verwerfen, da mit dem
weggegossenen Brühwasser alle ausgelaugten löslichen Bestand-
teile (z. B. die mineralischen Salze) verlorengehen und man
nichts als Zellulose und Stärke dem Körper zuführt. Nach
Wolff enthält geschälter und polierter Reis folgende Mengen
von Mineralstoffen: 23,73% Kali, 5,5% Natron, 3,23% Kalk,
11,20% Magnesia, 1,23% Eisenoxyd, 56,69% Phosphorsäure,
0,62% Schwefelsäure, 2,74% Kieselsäure, 1.10% Chlor:

Während die Brahmanen Indiens von nicht viel mehr als Reis,
Milch und Wasser leben, nimmt der Malaie Fleisch oder Fisch
mit Soße und spanischem Pfeffer als Zuspeise. Die Holländer
haben daraus in ihren ostindischen Besitzungen die „Reistafel‘“
gemacht, die um die Mittagsstunde serviert wird und die Haupt-
mahlzeit des Tages bildet. Außer mehreren Fleisch- und Fisch-
gerichten gehören Eier und eine Menge von Nebenschüsselchen
dazu, die z. T. stark gewürzt sind mit spanischem Pfeffer, Soya,
Curry, Ingwer, endlich allerlei saure Sachen und als Nachspeise
Konfitüren.

Der Reis ist zwar nicht das nährstoffreichste, aber sicher das
leichtest verdauliche und bekömmlichste Getreide. Diese Eigen-
schaft beruht auf seiner Armut an Zellulose und an Chloriden
und macht den Reis zu einer idealen Speise für Herz-, Leber-,
Nieren- und Magenkranke; auch ein ganz besonders empfehlens-
wertes Nahrungsmittel für die Tropen ist er deshalb, Mit bloßer
Reiskost würde — während sie dem Asiaten vielfach fast allein
genügt — der Europäer allerdings sein Eiweiß- und Fettbedürfnis
nicht bestreiten können; er muß noch eine diesem Zwecke ent-
sprechende Beikost genießen, die, da der Reis an sich fast ge-
schmacklos ist, weite Grenzen zuläßt: man kann Hülsenfrüchte,
Milch, Käse, Eier, Fisch, Fleisch, Sahne, Butter oder Öl _ver-

U
X
        <pb n="120" />
        12) —
wenden, die Reisspeisen aber anderseits auch ausgesprochen
süß, z.B. mit Früchten, zubereiten. Folgende Tabelle E. v.
Wolffs (aus 49, I, S. 125) zeigt den Reichtum des Reises an
Kohlenhydraten, seine Armut an Fett und Eiweiß, auch an
Aschenbestandteilen, im Verhältnis zu den andern Körner-
früchten:
CN hydrate protein iett mad! Asche | Wasser
AA % %o A
A aaa 0 3
Weizen...) Aa 66,4 1. I 3,00 1.7014,4
Spelz (Dinkel) mit Spelzen 52,5 A 1.50876,50 3,17 14,8
Spelz (Kernen) ohne Spelzen 67,2 15,5 DO 15 17 14,5
Gerste tu 63,925 71 22 | 14,3
Hafer. EP 56,7 1 2001."6,0 | 9,:30092,7 | .14;3
Mais A 62,1 | 10,0. | 6,50 25,5 1,5 | 14,4
Hirse 5 USE HM 57,40 250 101 29,5 3,8 14,0
Reis, geschält . ZT 75.2 2.5 4.0
Die ausschließliche oder doch einseitige Reiskost verursacht
eine Krankheit, die Beriberi (9, II, S. 191 u. f.), die in Japan
länger als seit 1000 Jahren bekannt ist; in diesem am stärksten
von der Krankheit befallenen Lande wird die Zahl der Beriberi-
erkrankungen im Jahre auf 50 000 geschätzt. Ein zweites Ver-
breitungszentrum bilden Brasilien und die benachbarten Länder.
Zahlreiche Herde sind an der afrikanischen Küste vorhanden.
Aber auch außerhalb der Tropen ist die Krankheit nicht unbe-
kannt, z. B. in Nordjapan und in Europa. Die Beriberi ist eine
entzündliche Degeneration der peripheren Nerven und der
Muskeln, die Störungen der Bewegung, der Empfindung und des
Kreislaufsystems verursacht. Im Anfang ist die Krankheit heil-
bar, sie kann aber auch zu Siechtum und zum Tode führen. Über
die Ursache der Beriberi hat unter den Ärzten lange Streit
bestanden. Da die Krankheit bei einseitiger Ernährung mit
poliertem Reis auftritt und bei Ergänzung der Nahrung durch
Kartoffeln, Bohnen, Erbsen, Eier usw. oder durch Umstellung
auf unpolierten Reis gebessert wird, sieht man sie heute als
eine Ernährungskrankheit (Mangelkrankheit, Insuffizienzkrank-
heit, Avitaminose) an, eine Auffassung, die durch das Tier-

7
        <pb n="121" />
        v1 |

experiment bestätigt worden ist. Man glaubt, daß dem polierten
Reis gewisse als „spezifische Nahrungsstoffe‘“ bezeichnete Stoffe
fehlen, die im unpolierten Reis (also in den äußeren Schichten
des Reiskorns) und in den andern eben genannten Nahrungs-
mitleln vorhanden sind. Röhmann hat sie „Ergänzungs-
stoffe‘‘ genannt, bekannter sind sie heute unter den Namen
„„Nutramine‘‘, „Vitamine‘‘. Ihr chemischer Bau und ihre
Entstehung sind noch unaufgeklärt. Den im Reise enthaltnen
Ergänzungsstoff kann man durch Alkohol aus der Reiskleie aus-
ziehen. Die Entdecker dieser Substanz, Fraser und Stanton,
gaben ihr den Namen „Oryzanin‘“. Daß dem Reis durch das
Polieren auch sonst sehr wertvolle Nahrungsstoffe verloren-
gehen, ist ebenfalls festgestellt.

Im Handel unterscheidet man die Reissorten nach den Ur-
sprungsländern, und die Sorten einiger Länder außerdem nach
den Ausfuhrhäfen oder den Anbaugegenden (94, II, S. 144; 23,
S. 111—129). Natürlich gibt es bei den einzelnen Sorten Güte-
und Wertabstufungen, die von dem Ernteausfall, dem Schäl-
und Polierverfahren, dem Sieben und Sortieren abhängig sind.
Von den in Deutschland gangbarsten Handelssorten werden
folgende Güteklassen unterschieden: ff. Tafel (feinster Tafel-
reis), Tafelreis, Mittelreis, kurzer Reis, Bruchreis. — Die wich-
tigsten Handelssorten sind:

A. Ostindischer Reis.

a) Burma- Reis, nach den Hauptausfuhrhäfen Rangun,
Akyab, Moulmein und Bassein unterschieden und benannt. Der
von Akyab ausgeführte Reis kommt gewöhnlich unter dem
Namen Necranzie, weniger häufig unter der Bezeichnung
Arracan in den Handel. Rangun und Bassein sind die härtesten
und haltbarsten Sorten; Moulmein und Necranzie sind etwas
weniger hart, letzterer oft von ziemlich geringer Güte

b) Bengal- Reis. Hauptausfuhrhafen Kalkutta. Die Haupt-
menge besteht aus Sorten von ziemlich geringer Güte, die unter
der Bezeichnung „Bengal‘‘ in den Handel kommen. Der weiße,
harte „Patna‘® wird dagegen als eine der besten ostindischen

ACC
ve“
        <pb n="122" />
        "21 A W.

—- 122 —
Sorten geschätzt und übertrifft an Güte den Burma-Reis. Ge-
ringwertig sind Madras und „Ballam‘‘.

c) Siam- Reis. Von den beiden aus Bangkok verschifften
Sorten kommt der „Gartenreis‘‘ den besten Sorten des Burma-
Reises gleich, während der „Feldreis‘‘ von erheblich geringerem
Werte ist.

d) Saigon-Reis, aus Cochinchina stammend, ist gewöhnlich
durchschnittlich von geringerem Wert als Burma-Reis,.

e) Java- Reis. Die besten Sorten dieses fast ausschließlich
in Holland eingeführten Reises sind von horverragender Güte
und werden unter der Bezeichnung Ia (Prima) Tafelreis und ITa
(Secunda) Tafelreis zu mehr als doppelt so hohen Preisen wie
die besten Burma-Sorten verkauft. Aber auch die Mittelsorten,
in Holland und Belgien als „ordinärer Java‘‘, in Deutschland
nur unter der Bezeichnung ‚„‚Java‘‘ gehandelt, werden noch
über besten Burma-Reis bezahlt. Sie unterscheiden sich vom
Tafelreis durch einen mäßigen Anteil zerbrochener Körner und
durch etwas weniger helle Farbe.

B. Japan-Reis.

Er übertrifft in der Güte und im Handelswert die Burma-Sorten
und kommt guten Mittelsorten von Java ziemlich nahe. Der
Japan-Reis gehört wegen seiner Härte zu den haltbarsten Sorten.

C. Italienischer Reis.

Wird in mehreren Sorten von verschiedener Güte in Süd-
deutschland eingeführt, nach Norddeutschland werden nur
ausnahmsweise ganz geringe Posten bezogen. Man unterscheidet
nach den Ursprungsgegenden Mantuaner, Veroneser, Mailänder,
Piemonteser und Romagna-Reis. Als beste Ware wird seines
Wohlgeschmacks wegen der Ostiglione aus dem Gebiete von
Mantua geschätzt, der auch als Novara-Reis in den Handel
kommt. Der Romagner gilt für die geringwertigste Sorte.

D. Nordamerikanischer Reis.

Wird überall als der beste Reis anerkannt. Für die vorzüg-

lichste Sorte gilt der Karolina-Reis („gold seed‘) aus Süd-
        <pb n="123" />
        '

halbtrockene und künstlich lufttrocken hergestellte „Reispreß-
schlempe*‘‘ in Betracht, die bei der Ernährung des Schlachtviehs
als Nebenfutter zu verwenden sind. Endlich verdienen noch
die stickstoffhaltigen Abfälle der Stärkefabrikation Erwähnung,
die gewöhnlich als „„Kleber‘‘ bezeichnet werden. Da er im
frischen Zustande als Futtermittel nicht verwendbar ist, so
wird er entweder getrocknet oder mit anderem Abfall vermischt,
zuweilen auch mit Sauerteig versetzt, zu ‚„Kleberfutterbrot‘‘
verbacken. Er soll sich in zweckentsprechender Mischung mit
anderem Futter bei Verfütterung an Schweine und Geflügel und
selbst an Milchvieh gut bewährt haben. Starken Eingang in
den Handel haben alle diese zuletzt genannten Futtermittel
nicht gefunden.

Reisstroh dient besonders in den Reiskulturländern als
Viehfutter und zur Streu; doch muß es, da die Halme bei der
Ernte fast noch grün sind, nach dem Dreschen getrocknet wer-
den, weil es sonst leicht fault und Krankheiten beim Vieh her-
vorruft. Zuweilen wird Reis auch als Grünfutter gesät. Spahr
berichtet aus Louisiana, daß die Reisstoppeln dort bald wieder
ausschlagen und der Nachwuchs als Grünfutter geschnitten
wird.

Der beim Enthülsen sich ergebende Bruchreis, havarierter
Reis, überhaupt die Körner minderwertiger Reissorten, auch
das Reismehl, dienen als Ausgangsmaterial zur Gewinnung
der Reisstärke, die auch fälschlich Reismehl genannt wird.
Während sie früher hauptsächlich in England gewonnen wurde,
gibt es heute Reisstärkefabriken auch in Belgien, Frankreich,
Deutschland, Österreich (Fiume, Tirol), Italien und Amerika.
In Deutschland ist die Reisstärkeindustrie erst neueren Datums,
da es der Zollverhältnisse wegen vor 1870 überhaupt nicht mög-
lich war, in Deutschland Reisstärke rentabel herzustellen;
Mais- und Weizenstärke behaupteten bis dahin hier den Markt,
daneben wurde Reisstärke eingeführt. Die heutige Reisstärke-
industrie des Deutschen Reiches deckt nicht nur den
Eigenbedarf des Landes, sondern kann noch große Mengen
exportieren.

A3T7
        <pb n="124" />
        Während bei andern Gräserfrüchten, z. B. dem Weizen, die
Abscheidung der in den Stärkezellen des Nährgewebes noch
enthaltenen Eiweißstoffe auf rein mechanischem Wege gelingt,
laufen sämtliche Verfahren (Jones, Ransford, Berger) der Reis-
stärkegewinnung darauf hinaus, den die Stärkekörner verkitten-
den Kleber durch Behandlung mit verdünnter Ätzlauge (z. B.
0,25% Natronlauge), Ammoniak oder Säuren, oder (früher)
durch ein „Gärverfahren‘‘ zu lösen. Neuerdings hat man in
Frankreich auch den elektrischen Strom dazu herangezogen.
Nachdem man Kleber und Stärke voneinander geschieden hat,
wäscht und trocknet man die Stärke. Manche Fabrikanten
bleichen sie mit schwefliger Säure, andere setzen Ultramarıin zu,
um durch die blaue Farbe den gelben Ton zu verdecken. Die
Gesamtausbeute der Stärke aus dem Reis beträgt 85—90%.
Reisstärke enthält durchschnittlich 85,18% Stärke, 13,7%
Wasser, 0,88% Stickstoffsubstanz, 0,3% Asche, Spuren von
Fett und Rohfaser. Im Handel ist die Reisstärke entweder ın
kantig-prismatischen Stücken als Strahlen- oder Kristallstärke
oder aber (die schlechteren Sorten) in Form unregelmäßiger
Brocken (Schäfchen) oder als Pulver. „Royal Anglais‘““ ist
belgische (Remy-) Stärke, „Corn flour‘“® besonders feine Reis-
stärke.

Anwendung findet die Reisstärke in der Pharmazie als
Mittel gegen Durchfall. In der Kosmetik dient sie zur Her-
stellung von Puder. Der „poudre de riz‘“ des Handels besteht
zwar meist aus fein gemahlenem Speckstein.

In Indien aber wird noch ein wirklicher Reispuder bereitet,
der dort dieselben Dienste tut wie Specksteinstaub bei uns.
Roher Reis wird gut gewaschen und darauf ganz mit Wasser
bedeckt. Dieses Verfahren wird täglich wiederholt, wodurch
der Reis zu säuern anfängt und auseinanderfällt. Man seiht
die Flüssigkeit durch ein Tuch und knetet den Teig zu Kugeln,
die man in der Sonne trocknet. Diese werden dann mit wohl-
riechenden Blumen oder Blättern in eine gutschließende Flasche
getan; sind die Pflanzenteile verwelkt, muß man sie erneuern.
Wenn die Kugeln völlig von dem Dufte durchzogen sind, stößt

128
        <pb n="125" />
        129

man sie zu Pulver, das man durch feines Nesseltuch siebt. So
erhält man den echten „poudre de riz‘‘.

Als Wäschestärke wird hauptsächlich Reisstärke benutzt, weil
sie ausgiebiger ist als Weizen- und Maisstärke und sich am besten
zum Kaltstärken eignet. „Silberglanzstärke‘‘ ist Reisstärke mit
10—15% Borax; „Doppelstärke‘* enthält neben Reis- und
Kartoffelstärke 6.—7% Borax und 2—2,5% Stearin; ‚‚Creme-
stärke‘‘ ist mit Farbstoffen versetzt. Obwohl die Reisstärke ein
vorzügliches Appreturmittel für Gewebe darstellt, da sie sehr
vollständig, gleichmäßig und gummiartig verkleistert, wird sie
des hohen Preises wegen doch nur zur Appretur feinerer Stoffe
benutzt. In England scheint die Textilindustrie mehr Gebrauch
von ihr zu machen.

Die Verwendung der Eiweißkörper des Reises ist ein noch
nicht zufriedenstellend gelöstes Problem. Da sie nicht kleben
wie der Weizenkleber, können sie zu Appreturzwecken keine
Verwendung finden; auch Kleberbrot kann man damit nicht
machen. Wegen ihrer ausgezeichneten Verdaulichkeit kommen
sie — wie es scheint, selten — unter dem Namen „Energin‘‘
als Nährpräparat in den Handel. Daß sie zu Viehfutter verar-
beitet werden, ist oben schon bemerkt worden.

Die Reiskeime enthalten, wie die Keime andrer Gräser, ein
Fett, das als „Reisöl‘‘ in der Seifen- und Kerzenfabrikation
Verwendung findet.

Das Reisstroh wird, wie erwähnt, zur Viehstreu und als
Viehfutter benutzt. Auch zur Herstellung von Geflechten, wie
Körbe, Hüte, Sandalen, Stricke u. dgl., findet es Verwen-
dung, und zwar hauptsächlich das Stroh des Klebreises, da es
dünner, zäher und widerstandsfähiger als gewöhnliches Reisstroh
ist; ferner als Rohstoff in der Papierfabrikation, wozu es in
China schon seit alten Zeiten benutzt wird. Aus Reisstroh wird
u. a, das beste Zigarettenpapier der Welt hergestellt. Das sog.
„Chinesische Reispapier‘‘ (papier de riz, rice paper), das in
China als Malgrund für Guaschebilder, bei uns zur Herstellung
künstlicher Blumen dient, hat aber mit der Reispflanze nichts
zu tun; es wird aus dem Mark von Tetrapanax papyrifera,
Winkler, Reis (Monograph. z. Landwirtsch. warm. Länd.). Bd. I. ‘s
        <pb n="126" />
        VL
einer Araliacee, geschnitten. Auf den Philippinen wird zer-
hacktes, mit dem Kochwasser des Reises befeuchtetes Beisstroh
als Nährboden zur Züchtung eines eßbaren Pilzes, Volvaria
esculenta, benützt.

Ebensowenig stammen die sog. „Reisbesen‘ von der Reis-
pflanze her, sondern werden aus den steifen: Rispenästen der
Sorghumhirse (Durrha, Andropogon Sorghum) her-

r
=
Abb. 17. Einfache Reismühle, deren Stampfer durch Wasser
getrieben werden,
(Aus: Walter Busse, Bewässerungswirtschaft in Turan. Verlag
von Gust. Fischer, Jena 1915.)
gestellt. Als „italienische Reiswurzel‘‘ kommen die Wurzelfasern
von Andropogon gryllus, als „mexikanische Reiswurzel‘‘ die
einer Epicam pes-Art in den Handel; beide dienen zur Bürsten-
fabrikation.
Die Reisspelzen oder Reisschalen werden als Packmate-
rial beim Versand zerbrechlicher Gegenstände benutzt. Ein in

=) ern
‚Au
        <pb n="127" />
        v2

neuerer Zeit angestellter Versuch, sie auch zur Papierfabrikation
zu verwenden, hat sie als ungeeignet dazu erwiesen. Auch als
Brennmaterial hat man-sie zu verwerten gesucht, indem man
sie mit andern Brennstoffen zusammenpreßte oder durch
trockne Destillation Gas aus ihnen herstellte; dabei haben sich
Essigsäure, Methylalkohol, Teer usw. als Nebenprodukte er-
geben. In Bangkok wird die ganze Kraft zum Betriebe der
Reismühlen durch die Verbrennung der Reisspelzen gewonnen.
Die verkohlten Spelzen hat man in New Orleans statt Knochen-
kohle zum Raffinieren des Zuckers benutzt.

In Asien werden aus Reis mehrere alkoholische Getränke
hergestellt. Am bekanntesten ist der japanische Sake, der zwar
durch. einen Gärprozeß, wie er beim Biere üblich ist, gewonnen
wird, aber mehr als dreimal. soviel Alkohol wie Bier (9—15%)
enthält. Man bezeichnet den Sake deshalb auch öfter als Reis-
wein; sein Geschmack soll an leichten Sherry erinnern, der
einige Zeit in einer Bierflasche aufbewahrt worden ist. Während
bei der Bierhrauerei die Diastase, welche die Umwandlung der
Stärke in Zucker bewirkt, in der Schale der verarbeiteten Ge-
treidekörner gebildet wird, kommt der Reis bei der Sakebrauerei
geschält zur Vermaischung; der invertierende Stoff muß also
von außen an ihn herangebracht werden. Das geschieht durch
einen Schimmelpilz, Aspergillus (Eurotium) Oryzae, der
die Fähigkeit hat, die Stärke in Glukose zu verzuckern. Der
mit den Sporen dieses Pilzes infizierte Reis heißt „Koji‘“. Noch
bessere Resultate erreicht man mit der außerordentlich enzym-
reichen Monilia sitophila (= Oidium Ilupuli). Mit
diesem wird der zu verbrauende Reis, der vorher gedämpft
worden ist, erst durchmischt. Darauf setzt die Tätigkeit eines
Hefepilzes ein, der die Vergärung des gebildeten Zuckers zu
Alkohol besorgt. Sake, der in Japan schon in vorchristlicher Zeit
bereitet wurde, wird dort heute noch in großen Mengen ge-
trunken und liefert eine im Staatshaushalt erheblich ins Gewicht
fallende Steuer. Der Japaner trinkt ihn warm aus kleinen
Porzellanschälchen. Auch in seinem religiösen Ritus spielt
dieses Getränk eine Rolle.

13l
a:
        <pb n="128" />
        Außer dem Sake werden in Japan noch einige andere alko-
holische Getränke aus Reis hergestellt, die aber von geringerer
Bedeutung sind. „Schöhü‘® oder „Schöchiü‘‘ ist ein 20—50 %
Alkohol enthaltender Branntwein. Aus ihm wird wieder ein
ölig-dickflüssiger, süßer Likör vom Alkoholgehalt des Sake be-
reitet, der ‚„Mirin‘“. Eine Reihe ähnlicher alkoholischer Ge-
tränke — teils bier-, teils branntweinartig — sind aus Korea,
Formosa und China, aus Cochinchina, Hinter- und Vorder-
indien bekannt. In Indochina sollen 30% des Reises verbraut
werden (114). Auf Formosa wird zur Verzuckerung der Stärke
das Ptyalin, ein im Speichel enthaltenes Ferment, benutzt. Zu-
weilen wird auch zur Herstellung des Arraks, der gewöhnlich
aus Rohrzuckermelasse!) oder Palmwein gewonnen wird, Reis
verwendet, so auf Java und Borneo. Burma-Reis wird in Europa
mit andern Getreidearten zusammen verbraut, z. B. bei den
englischen Ale-Bieren. -

Man kann häufig lesen, daß zur Bereitung dieser gegorenen
Getränke der Klebreis besonders geeignet sei. Japanische
Quellen wissen nichts davon, auch nach A. Kellner trifft es
nicht zu; Klebreis gibt zu schleimige Maischen, die sich schwer
bearbeiten lassen. Für das Gärungsgewerbe benutzt man den
Klebreis schon deshalb nicht, weil er viel teurer ist als der ge-
wöhnliche Reis. Der Klebreis dient in Japan zu Kuchen,
Klößen, zu verschiedenen feineren Mehlspeisen und zu Kleister.
In Java bildet der Klebreis das Material für kleine Figuren, die,
wie unsere Pfefferkuchen, auf den Märkten verkauft werden.

Erwähnt sei schließlich auch der als „ang khak‘“‘ (roter Reis)
bezeichnete Handelsartikel Chinas und der malaiischen Inseln.
Gekochter Reis wird mit einem Schimmelpilz, Monascus
purpureus, geimpft, der ihn ganz rot färbt. Dieser Pilz findet
sich auch in dem „beni koji‘, roten Reiskörnern, deren man
sich ‚in Formosa zur Herstellung eines roten Reisgetränkes
(„anchu“‘“) bedient. Mit dem getrockneten und zerriebenen
ang-khak werden Speisen, besonders Fischgerichte, gefärbt.

—_ 19 S. Prinsen- Geerligs, Zuckerrohr (Bd. II der „Wohltmann-Bücher“‘),
S. 10%

132
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        <pb n="135" />
        Frei s:te hen de nau. tom at isch esRed:s-:M.ühlle
Vollständige, selbsttätige
an an
REIS-MUHNLEN
U A A &gt; A
freistehend oder im Gebäude von den kleinsten bis zu
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halbtrockene und künstlich lufttrocken hergestellte „Reispreß-
schlempe‘‘ in Betracht, die bei der Ernährung des Schlachtviehs 5
als Nebenfutter zu verwenden sind. Endlich verdienen noch
die stickstoffhaltigen Abfälle der Stärkefabrikation Erwähnung,
die gewöhnlich als ‚Kleber‘ bezeichnet werden. Da er im
frischen Zustande als Futtermittel nicht verwendbar ist. so
wird er entweder getrocknet oder mit anderem Abfall vermischt,
zuweilen auch mit Sauerteig versetzt, zu „Kleberfutterbrot‘“‘
verbacken. Er soll sich in zweckentsprechender Mischung mit
anderem Futter bei Verfütterung an Schweine und Geflügel und
selbst an _Milchvieh gut bewährt haben. Starken Eingang in
den Handel haben alle diese zuletzt genannten Futtermittel
nicht gefunden.

Reisstroh dient besonders in den Reiskulturländern als
Viehfutter und zur Streu; doch muß es, da die Halme bei der
Ernte fast noch grün sind, nach dem Dreschen getrocknet wer-
den, weil es sonst leicht fault und Krankheiten beim Vieh her-
vorruft. Zuweilen wird Reis auch als Grünfutter gesät. Spahr
berichtet aus Louisiana, daß die Reisstoppeln dort bald wieder
ausschlagen und der Nachwuchs als Grünfutter geschnitten
wird.

Der beim Enthülsen sich ergebende Bruchreis, havarierter
Reis, überhaupt die Körner minderwertiger Reissorten, auch
das Reismehl, dienen als Ausgangsmaterial zur Gewinnung
der Reisstärke, die auch fälschlich Reismehl genannt wird.
Während sie früher hauptsächlich in England gewonnen wurde,
gibt es heute Reisstärkefabriken auch in Belgien, Frankreich, /
Deutschland, Österreich (Fiume, Tirol), Italien und Amerika.
In Deutschland ist die Reisstärkeindustrie erst neueren Datums,
da es der Zollverhältnisse wegen vor 1870 überhaupt nicht mög-
lich war, in Deutschland Reisstärke rentabel herzustellen;
Mais- und Weizenstärke behaupteten bis dahin hier den Markt,
daneben wurde Reisstärke eingeführt. Die heutige Reisstärke-
industrie des Deutschen Reiches deckt nicht nur den
Eigenbedarf des Landes, sondern kann noch große Mengen
exportieren.

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