Theoretische Grundlagen für die Bestimmung des Wirtschaftsziels. 73 wie alle Kosten so bemessen werden müssen, daß ein möglichst großer dauernder Geldertrage, also unter Bestand haltung des Waldkapitals, erzielt wird!).“ Stellt man sich auf diesen Stand- punkt der Konsstanter h altung des Sachk a pit als, sso sind auch über die Bedeutung dieses Begriffes noch Zweifel möglich: Bleibt das Sachkapital nur dann konstant, wenn die Holzbestände, bei heutiger sehr dichter Bestosung, dauernd in gleich dichter Bestockung erhalten werden, oder genügt es, wenn das bisherige Alter s k l a s\s enver - hältnis beibehalten wird, und darf ich im Wege der Durchfor - stung o der Lichtung schärfer als bisher üblich in die noch nicht abzunutzenden Bestände eingreifen? Aus dieser letzten Fragestellung sehen wir, daß wir mit der Theorie allein nicht auskommen, und daß bei der Entscheidung über das Wirtschaftsziel der Forstwirtschaft f o r st t e ch - nische Gesichts punk t e wesentlich mit ins Gewicht fallen. Die Durchforstung ist ein außerordentlich wichtiges Instrument zur Erhöhung der Rentabilität, teils aus waldbaulichen Gründen (Besserung des Boden- zustandes, Erleichterung der kostenlosen natürlichen Verjüngung), teils aus forststaticchen Gründen (Gleichbleiben des Zuwachses an geringerem Vorrat, Erzielung stärkerer Durchmesser in gleichem Zeitraum). Man wird also in gewissen Fällen das Sachkapital als erhalten ansehen dürfen, auch wenn die Messung eine Vorratsminderung feststellt. Wir wollen nunmehr den entgegengesetten Standpunkt einnehmen, daß h öchste Rent a bilität ohne Rücksicht auf die Höhe de s Vorrat s das Wirtsschaftsziel ist. Wir haben dann den Vorteil, daß wir, bei bisher 120jährigem Umtriebe, einen sehr bedeutenden Teil des niedrig rentierenden Waldkapitals flüssig machen und zum landes- üblichen Zinsfuße zinstragend anlegen können. Das Gesamteinkommen des Waldbesitzers erhöht sich. Höchste Rentabilität würde aber auch beim Herabgehen auf 60jährige Umtriebszeit noch nicht erreicht sein, zumal wenn der Waldbesitzer sich der Mühe der Wiederkultur unterzieht. Wenn es möglich ist, den für die Kultur erforderlichen Betrag zu beispielsweise 10 %o sicher zinstragend anzulegen, so muß vom rein erwerbswirtschaft- lichen Standpunkte aus die Kultur unterbleiben, da der in ihr angelegte Geldbetrag niemals auch nur annähernd die gleiche Rentabilität erreichen kann. – Beim 60jährigen Umtriebe steht nun auch noch eine Reihe von jüngeren Beständen im Walde, die sich nur vielleicht mit 3 bis 4 % verzinsen, und die verwertbar sind. Das Prinzip der höchsten Rentabilität 1) Robert Liefmann, Nationalökonomie und Waldwertrechnung, i. d. Allg. Forst- u. Iagdztg., Juniheft 1925, S. 246.