nisse der Schlüsselindustrie betrifft ‘nur einen geringen Teil der deutschen Ausfuhr und hindert den Export nicht völlig, weil die deutschen Erzeugnisse infolge ihrer Hochwertigkeit eine gewisse Vorzugsstellung genießen. Es werden nun aber die Befürchtungen über die Wiedereinführung der englischen Zölle durch die jetzt an das Ruder gekommene konservative Partei als durchaus nicht unbegründet bezeichnet. Der Wahlsieg der Konservativen ist so groß, daß diese Partei durch ihre ausge- sprochene Majorität im Parlament tun kann, was sie will. Ein allgemeiner Schutzzoll liegt heute noch nicht in ihrem Interesse, Doch wird sie wahrscheinlich den erst vor wenigen Monaten erloschenen „Safeguarding of Industry Act‘ wieder einführen und so gewisse Artikel, die ihr passen, mit schweren Zöllen be- legen. Der Safeguarding Act von 1922 wurde nur auf deutsche Waren angewandt, weil Deutschland durch den Versailler Ver- trag sich nicht wehren konnte, während Polen und die Tschecho- slowakei mit Gegenmaßregeln drohten und infolgedessen aus- geschlossen wurden. Deutschland ist von Januar nächsten Jahres ab handelspolitisch frei. Die deutsche Regierung muß unter allen Umständen fest bleiben. Deutschland ist nach den Kolonien Englands größter Kunde, und wenn die englischen Schutzzöllner deutsche Waren mit Zöllen bedrohen, so kann Deutschland von Januar ab das gleiche tun.‘ — Die Entwicklung ist gekommen, wie wir es damals voraus- sahen. Das klassische Land des Freihandels ist zum Schutz- zoll übergegangen. Es hat für eine Reihe deutscher Erzeug- nisse, die in bedeutendem Umfange nach England exportiert werden, Hochschutzzölle eingeführt, die die Waren durchweg mit 3314% d. W.. belasten. Das Gesetz zum Schutz der In- dustrie ist verlängert; neue Zölle sind eingeführt worden für Messerschmiedewaren, Handschuhe, Glühlichtstrümpfe, Pack- papier, optische und wissenschaftliche Instrumente. Dabei ist die Schutzzollbewegung in vollem Gange. Dem zuständigen Ausschuß zur Prüfung der Schutzzollanträge liegen zahlreiche Anträge noch vor. Eine Reihe von diesen Anträgen ist zwar abgelehnt worden. Es ist aber anzunehmen, daß die Schutz- zollwelle noch weitere Kreise ziehen wird, Auch aus der englischen Eisen- und Stahlindustrie sind Schutzzollwünsche laut geworden, die aber im Augenblick zurückgestellt worden sind. Der deutsch-englische Handelsvertrag bietet nur dann eine Möglichkeit gegen die Einführung der neuen Zölle vorstellig zu werden, wenn diese Sich ausgesprochen gegen Deutschland richten und den deutsch-englischen Handel schwer beein- trächtigen. Die Verhandlungen. die hierüber stattgefunden 1%