8 6. Die gleichmäßig fortschreitende Wirtschaft. alsches Bild von den wesentlichen Vorgängen der fortdauernden Wirt- schaft.‘ | In der gleichförmig fortschreitenden Wirtschaft ist die Leitung der roduktion im allgemeinen und speziell die Verteilung der Produktiv- räfte auf die drei verschiedenen Hauptaufgaben der Produktion un- veränderlich. Es wird demnach immer dieselbe relative Menge vo Produktionsmitteln, also eine stets mit dem allgemeinen Fortschritts- rozent der Wirtschaft wachsende absolute Menge, für die Vermehrung des Realkapitals bestimmt. Das Sparen ist somit eine beständige Tätig- keit, die mit dem Fortschritt der Wirtschaft proportional ausgedehn wird und die also für die Wirtschaft immer dieselbe Bedeutung behält. Nach der früheren Auffassung des Sparens war dieses Verhältnis sehr zu verstehen. Wenn einmal ein Gütervorrat aufgespart war, mußte er später auch einmal verbraucht werden. Ein immer fortge- setztes Sparen, das im Umfang unaufhörlich und in unverändertem Tempo ohne jede zeitliche Begrenzung wuchs, das waren Dinge, die dieser Auffassung als reine Unmöglichkeiten erscheinen mußten. So- wohl in der Wissenschaft wie in populären Darstellungen findet man auch immer wieder die Behauptung, ein unbegrenzt fortgesetztes Sparen (lies „Aufspeicherung von Gütern‘) der gesamten wirtschaftenden Menschheit sei unmöglich. Daß solche Vorstellungen auf die Würdigung des Sparens und damit auf die allgemeine ökonomische Auffassung eine sehr starke Einwirkung ausgeübt haben, ist unverkennbar. Es ist des- halb von großer Bedeutung, daß die wirkliche Natur und die Funktion des Sparens in der fortschreitenden Wirtschaft vollständig klargelegt werden. Ein nicht nur stets fortgesetztes, sondern auch mit der Steige- rung der Produktion gleichen Schritt haltendes Sparen ist nicht nur vollständig möglich, sondern stellt sogar eine absolut notwendige Be- dingung des gleichmäßigen Fortschritts einer jeden Wirtschaft dar, Erst durch ein solches Sparen sind eine mit dem konstanten Fort- schrittsprozent wachsende Kapitalbildung und damit eine gleichmäßig Vergrößerung des gesamten Realkapitals und eine in demselben Tempo erweiterte Produktion und Bedürfnisbefriedigung möglich. Der Begriff des Realeinkommens muß für die fortschreitende Wirt- chaft erweitert werden. Das Realeinkommen muß hier in Überein- timmung mit dem allgemeinen Sprachgebrauch als die Summe de em Verbrauch dienenden Realeinkommens und der Vermeh- angdesRealkapitalsinderhetreifendenEinkommensperiode definiert werden. Der erste Teil dieser Summe muß in der fortschreiten- en Wirtschaft als die Menge der Dienste und der materiellen Güter, ie die fortschreitende Produktion den wirtschaftenden Menschen inner- halb der Einkommensperiode für ihre unmittelbare Bedürfnisbefriedi- ung zur Verfügung stellt, aufgefaßt werden. Der zweite Teil der umme entspricht der konkreten Kapitalbildung der Wirstchaft. In der Cassel, Theoret. Sozialökonomie. 4. Aufl. 3 9