8 7. Tauschwirischaft und Geldwirtschaft. 41 Absehen vom Gelde zu untersuchen, konnte man nicht Preise oder in Geld ausgedrückte Schätzungen der Güter seitens der verschiedenen wirtschaftenden Personen zum Gegenstand der Untersuchungen machen, mußte also jeden arithmetisch präzisierten Ausdruck der Schätzung der Güter entbehren. Anstatt solcher Ausdrücke setzte man dann den sehr unbestimmten und wechselnden Begriff des ‚Wertes‘. Der Wert sollte etwa die relative wirtschaftliche Bedeutung der Güter bezeichnen, aber eben weil es an jedem arithmetischen Maß dieser Bedeutung fehlte, mußte der Begriff des Wertes unklar bleiben, konnte niemals die Schärfe des arithmetisch ausgedrückten Größenbegriffs erreichen. Freilich hat man diesem Mangel in neuerer Zeit dadurch abzuhelfen versucht, daß man die wirtschaftliche Bedeutung der Güter mit der Intensität mensch- licher Bedürfnisgefühle zu messen suchte. Auf solchen Fiktionen wollte man die ganze ökonomische Theorie aufbauen, und diese sogenannte subjektive Wertlehre wurde als ein großer Fortschritt der ökonomischen Wissenschaft gepriesen. Der vollständige Mangel jeder arithmetischen Grundlegung dieser vielfach in arithmetischen Formen und sogar in mathematischen Formeln auftretenden Theorie machte jedoch, daß dieselbe die innere Festigkeit, die man von einer wissenschaftlichen Theorie fordert, entbehren mußte, und zeigte zugleich, worin der wesentliche Fehler der Theorie lag. Dieser Fehler war nämlich eben die Abweisung des tatsächlich von den wirtschaftenden Menschen be- nutzten Maßstabs ihrer Schätzungen, die Ausschließung des Geldes von der ganzen Untersuchung der Tauschwirtschaft. Die menschlichen Werturteile sind ihrer Natur nach relativ, und die Menschen haben es immer praktisch notwendig gefunden, dieselben auf einen gemeinsamen Nenner zurückzuführen, d. h. in Geld auszudrücken. Die Wissenschaft kann in dieser Beziehung keinen anderen Weg als die Praxis gehen. Die ökonomische Theorie, die die Vorgänge des wirklichen Wirtschafts- lebens darstellen will, muß von Anfang an einen solchen gemeinsamen Nenner aller Werturteile, also das Geld, einführen. Für das praktische wirtschaftliche Handeln kommt die Intensität der Bedürfnisgefühle, wie wir später näher sehen werden, nur soweit in Betracht, als sie in Schätzungen in Geld hervortritt. Dieses Verhältnis sollte die Grenzen für die Wirtschaftswissenschaft ziehen: auch sie kann die subjektiven wirtschaftlichen Momente nur so, wie sie in den Geldschätzungen her- vortreten, erfassen. Es folgt aus dem jetzt Gesagten, daß eine besondere Wertlehre für die ökonomische Wissenschaft zum mindesten vollständig unnötig ist. Jeder Versuch, eine Wertlehre ohne einen gemeinsamen Nenner für die Werturteile zu begründen, muß auf große Schwierigkeiten stoßen. So- bald wieder ein solcher gemeinsamer Nenner eingeführt wird, hat man im wesentlichen das Geld postuliert. Die Werte werden dann durch Preise, die Wertschätzungen durch Schätzungen im Geld ersetzt, und