Kap. II. Die Tauschwirtschaft. für die Wissenschaft wichtige Begriff des Realkapitals immer mit diesem Wort bezeichnet wird. Das Realkapital ist eine absolute Kategorie jeder Wirtschafts- ordnung und ist demnach ebensowohl in’ älteren Wirtschaftsformen wie in der modernen vorhanden gewesen. Vom Kapital in dem hier be- stimmten Sinne kann man aber mit Recht behaupten, daß es eine spe- zielle Erscheinung der Geldwirtschaft ist. Wenn also in den geschicht- lichen Darstellungen der wirtschaftlichen Entwicklung z. B. behauptet wird, daß am Ende des Mittelalters das Kapital als ein neuer Faktor des Wirtschaftslebens hervorzutreten begann, sich in den großen Handels- städten ansammelte und der folgenden ökonomischen und politischen Entwicklung ihren besonderen Charakter gab, so soll dies alles nur heißen, daß die Geldwirtschaft zur angegebenen Zeit auf gewissen Plätzen eine höhere Entwicklung erreicht hatte, daß sich auf diesen Plätzen ein regelmäßiger Markt mit ziemlich starkem Umsatz von Gütern, die wichtige Bestandteile des Realkapitals waren, ausgebildet hatte, daß also solche Güter in einem stetigen Strom durch dieselben Plätze flossen und da gegen Geld gehandelt wurden, und daß diesen Verhältnissen zur Folge die Kaufleute auf diesen Plätzen immer in der Lage waren, ihr Realvermögen verhältnismäßig schnell in der Form von Geld für beliebige Zwecke disponieren zu können und da- mit eine wirtschaftliche und politische Macht gewannen, die für die folgende Entwicklung von ausschlaggebender Bedeutung wurde. „Die Entstehung des Kapitals‘ ist demnach durchaus nicht als eine Schaffung einer neuen Kategorie konkreter Güter aufzufassen. Es handelt sich hier wesentlich nur um eine starke Intensivierung des wirtschaftlichen Verkehrs, wodurch Güter, die ihrer technischen Art nach schon längst vorhanden waren, in großem Umfang in die Geldwirtschaft eingetreten sind, wobei freilich die gleichzeitige starke Entwicklung der Produktion natürlich nicht übersehen werden darf. Für einen Geschäftsmann, der unter solchen Verhältnissen sein Kapital immer wieder in Geldform disponieren und dazwischen dem- selben jede beliebige Form geben kann, ist die Auffassung natürlich, nach welcher die in Geld ausgedrückte Wertsumme das Bleibende, das Wesentliche im Kapitalbegriff ist, die wechselnden konkreten Erschei- nungsformen des Kapitals dagegen als etwas Zufälliges, Nebensächliches erscheinen. Für diese Auffassung behält das Kapital seine Identität, auch wenn die konkreten Güter, die es darstellen, verkauft und gegen andere ausgetauscht werden. Daher solche allgemein gebräuchliche Ausdrücke, wie z. B. daß das Kapital in Geld „realisiert‘‘ oder „ver- wandelt‘ wird. Je leichter und häufiger dieser Verwandlungsprozeß wiederholt werden kann, je „beweglicher‘‘, „flüssiger“ erscheint das Kapital. Als „bewegliches Kapital“ ist von diesem Gesichtspunkt das Kapital in dem Maße zu bezeichnen, wie es eine solche Verwandlung 46