54 Kap. III. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft. Drittes Kapitel. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft. $ 9. Inhalt des Problems. Was die Tauschwirtschaft wesentlich charakterisiert, ist die Existenz einer Masse von Einzelwirtschaften innerhalb der Gesamtwirtschaft, die kraft ihrer produktiven Arbeit oder kraft ihres Besitzes in einer ge- wissen Periode über bestimmte Geldsummen verfügen, welche sie nach Belieben zum Kauf verschiedener in der Gesamtwirtschaft produzierten Güter für ihre unmittelbare Bedürfnisbefriedigung verwenden. Da nun aber diese Güter immer nur in beschränkten Mengen zu haben sind, müssen offenbar die Bedürfnisse der Einzelwirtschaften in geeigneter Weise beschränkt werden, wobei natürlich die wichtigeren Bedürfnisse nach dem allgemeinen wirtschaftlichen Prinzip den weniger wichtigen vorgezogen werden müssen. Da aber die zur Verfügung stehenden Pro- duktiensmittel, ganz besonders die Arbeit, innerhalb sehr weiter Grenzen in verschiedenen Produktionszweigen verwendet werden können, und also die Güterversorgung von der Richtung, die der gesellschaftlichen Produktion gegeben wird, abhängt, erfordert das allgemeine wirt- schaftliche Prinzip ferner noch, daß den Produktionsmitteln die best-) mögliche Verwendung gegeben wird. Dies kann aber nur bedeuten, daß sie in. denjenigen Produktionszweigen verwendet werden sollen, wo sie die wichtigeren Bedürfnisse befriedigen. Die Anwendung des wirt- schaftlichen Prinzips in der Tauschwirtschaft hängt also immer von der Frage ab, welche die „wichtigeren‘ Bedürfnisse sind. Es muß offenbar für die ganze Tauschwirtschaft eine gleichmäßige Beschränkung der Bedürfnisse in dem Sinne stattfinden, daß kein weniger wichtiges Be- dürfnis vor einem wichtigeren befriedigt wird. Das zentrale Problem der Tauschwirtschaft ist also die Klassifizierung der Bedürfnisse. In der geschlossenen Eigenwirtschaft wird das entsprechende Pro- blem einfach durch den Willen des Leiters der Wirtschaft gelöst. In- dem er den verschiedenen Bedürfnissen eine verschiedene Bedeutung beimißt, ist er in der Lage, eine bestimmte Grenzlinie für die Bedürfnis- befriedigung zu ziehen und gleichzeitig der Produktion eine bestimmte Richtung zu geben. In der Tauschwirtschaft fehlt dieser einheitliche Wille, es ist eben für die Tauschwirtschaft charakteristisch, daß jede Einzelwirtschaft selbst, innerhalb der ihr zur Verfügung stehenden Geld- mittel, die spezielle Art der Bedürfnisbefriedigung zu wählen hat. Gleichwohl müssen die Bedürfnisse sämtlicher Einzelwirtschaften nach ihrer relativen Bedeutung geordnet werden, jedenfalls insofern, als eine Grenze zwischen den Bedürfnissen, die befriedigt werden sollen, und den