66 Kap. I. Das wirtschaftliche Prinzip in der Tauschwirtschaft. Zwecke übrig. Das%dies so generell sein muß, versteht man, wenn man bedenkt, daß die Nachfrage nach einem konkreten Gute doch nur ein spezielles Ergebnis derjenigen Regulierung ihres gesamten Verbrauchs darstellt, die die Einzelwirtschaft auf Grund der gegebenen Preislage vornimmt. Immerhin ist natürlich der Preis des Gutes selbst der wich- tigste Bestimmungsfaktor der Nachfrage nach demselben, und es ist so- wohl theoretisch wie praktisch von Interesse, zu untersuchen, welchen Einfluß eine kleine Veränderung dieses Preises, unter der Voraussetzung, daß alle übrigen Preise unverändert bleiben, auf die Nachfrage ausübt. Bei der gegebenen Preislage ist natürlich die Einzelwirtschaft im allgemeinen gezwungen, ihre Bedürfnisbefriedigung nach verschiedenen Richtungen hin zu beschränken. Diese Beschränkung braucht jedoch nicht alle Zweige der Bedürfnisbefriedigung zu treffen. Meistens kann eine Reihe von Bedürfnissen bis zur Sättigung befriedigt werden. Dies ist natürlich vornehmlich für die reicheren Klassen der Fall, trifft aber auch bis zu einem gewissen Grade für die mittleren und unteren Ein- kommensklassen zu. Jedermann mit nicht allzu ärmlicher Ökonomie wird so viel Tinte kaufen, wie er braucht. Auch wenn die Tinte ein wenig im Preise stiege, würde er sich dadurch nicht veranlaßt sehen, seinen Tintenverbrauch zu beschränken. Er wird bei jeder gewöhnlichen Preislage seinen Tintenbedarf bis zur Sättigung decken. Ähnliches gilt für sehr weite Kreise mit Rücksicht auf die gewöhnlichen Gewürze, besonders natürlich Kochsalz, für die Wohlhabenderen auch mit Rück- sicht auf eine Menge Speisewaren und Getränke, wie Ochsenfleisch, Bier usw. In solchen Fällen ist:die Nachfrage nach dem Gut seitens der Einzelwirtschaft unabhängig vom Preise desselben, natürlich aber nur innerhalb gewisser Grenzen, nur für Preisschwankungen, welche in der Wirklichkeit gewöhnlich vorkommen. Wenn die normale Zufuhr einer Ware infolge außerordentlicher Ereignisse abgeschnitten ist und der Preis derselben infolgedessen außerordentlich steigt, findet man, daß auch Haushaltungen, die früher nicht an Beschränkung ihres Bedarfs an der betrachteten Ware gedacht haben, jetzt ihren Verbrauch ein- schränken müssen. Anderseits ist es für die große Masse der Konsumenten Regel, daß sie auch bei gewöhnlicher Preislage die meisten Bedürfnisse, darunter gerade sehr wichtige, beschränken müssen, und lange nicht bis zur Sät- tigung befriedigen können. In solchen Fällen wird die Nachfrage der Einzelwirtschaft nach dem betreffenden Gute durch den Preis des- selben sozusagen zusammengepreßt. Wenn dann der Druck des Preises wieder etwas nachläßt, d. h. wenn der Preis etwas sinkt, dehnt sich die zusammengepreßte Nachfrage mit einer größeren oder kleineren Kraft aus. Man nennt auch diese Kraft nach der physischen Analogie die Elastizität der Nachfrage. Die Elastizität der Nachfrage kann durch diejenige Veränderung der Nachfrage, welche von einer bestimmten