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        <title>Theoretische Sozialökonomie</title>
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      <div>1.5 Kap. IV. Der Mechanismus der Preisbildung. 
konsumiert, betrachten wir ihn gleichwohl in seiner Eigenschaft als 
Konsument als eine selbständige Person. Die etwaige Konsumtion der 
Produzenten ist also nicht im voraus vom Angebot abzuziehen, sondern 
in gleicher Linie mit der übrigen Konsumtion dem Gesamtangebot 
gegenüberzustellen. 
Wir denken uns nun zunächst, daß die Geldsumme, die jeder Kon- 
sument in der betrachteten Periode für seine Bedürfnisbefriedigung aus- 
gibt, im voraus fixiert ist. Unter solchen Umständen ist offenbar die 
Nachfrage eines jeden Konsumenten nach den verschiedenen Gütern in 
der Periode bestimmt, sobald die Preise derselben gegeben sind. 
Der Zusammenhang zwischen Nachfrage und Preis eines Gutes 
wird am zweckmäßigsten so dargestellt, daß der Preis des Gutes als 
unabhängige Veränderliche gewählt wird. Läßt man dann den Preis 
varlieren, so kann man feststellen, wieviel vom betrachteten Gute die 
betreffende Person zu jedem besonderen Preise kaufen will, also wie 
die individuelle Nachfrage mit dem Preise variiert. Das Ergebnis einer 
solchen Untersuchung kann man in einer Tabelle zusammenfassen; 
oder man kann die individuelle Nachfrage, also die Menge des Gutes, 
die die betreffende Person bei einem gegebenen Preis kauft, als Funktion 
des. Preises auffassen, wobei die Form dieser Funktion die subjektive 
Schätzung kennzeichnet. 
Der Vorteil einer solchen Darstellung der individuellen Nachfrage 
macht sich besonders geltend, wenn man die Nachfrage mehrerer Per- 
sonen zusammenfassen will. Man hat dann eine gemeinsame unabhängige 
Variable, den Preis, und für jeden Wert dieser Variablen kennt man 
die Nachfrage jedes einzelnen Konsumenten. Jede solche Nachfrage 
wird durch eine Zahl dargestellt, welche ausdrückt, wie viele Einheiten 
des Gutes der betreffende Konsument zu kaufen wünscht. Folglich 
— lassen sich diese Zahlen summieren. So gelangt man zum Begriff der 
Gesamtnachfrage nach dem betreifenden Gute. Auch diese läßt sich 
in Form einer Tabelle bringen, welche die Gesamtmenge des Gutes an- 
gibt, die zu jedem besonderen Preis begehrt wird. Oder man kann 
diese Gesamtnachfrage als eine Funktion des Preises darstellen. 
— Untersuchen wir aber die Nachfragefunktion etwas näher, so werden 
wir finden, daß sie auch die Preise aller übrigen Güter als Variable 
enthält. Die Nachfrage eines individuellen Konsumenten nach einem 
bestimmten Gut ist nämlich, wie wir schon ($ 11) gesehen haben, nicht 
bestimmt, bevor die Preise aller Güter, die überhaupt Gegenstand seiner 
Nachfrage sein können, gegeben sind. Erst wenn dies der Fall ist, 
sind alle Daten vorhanden, die ihn in der Regulierung seiner Kon- 
sumtion innerhalb der Grenzen seiner Geldmittel bestimmen, erst dann 
ist er imstande, seine Nachfrage nach jedem einzelnen Gute zu fixieren, 
Mit den Preisen der n Güter ist also die Nachfrage jedes einzelnen 
Konsumenten und somit auch die Gesamtnachfrage sämtlicher Konsu- 
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