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        <title>Theoretische Sozialökonomie</title>
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            <surname>Cassel</surname>
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      <div>ZN Kap. XV. Einfluß der Konjunkturen auf die Arbeit, 
‚Man findet, daß die Arbeitslosigkeit von 1886—1887 schon im 
Jahre 1888 ausgeglichen worden ist, daß aber die beiden Jahre der 
Hochkonjunktur 1889 und 1890 einen Zuschuß von außen nötig gehabt 
haben. Die Periode 1891 bis 1895 ist eine Periode der Arbeitslosig- 
keit, die aber durch erhöhte Beschäftigung des Jahres 1896 schon 
gedeckt worden ist. Für die Periode 1897 bis 1899 ist ein Zuschuß von 
außen erforderlich gewesen. Die danach folgende Depression tritt in 
einer Arbeitslosigkeit, die sich über die Jahre 1900 bis 1904 erstreckt, 
zutage. Nachdem im folgenden Jahre 1905 sowohl die Arbeitslosen 
wie wohl auch zum größten Teil der natürliche Zuwachs in Anspruch 
genommen sind, hat die kräftige Entwicklung der beiden Jahre 1906 
und 1907 offenbar einen bedeutenden Zuschuß von außen erfordert, 
einen Zuschuß, der aber in der folgenden Depression wieder zum Teil 
der Arbeitslosigkeit anheimgefallen ist. 
Ähnlich liegen die Verhältnisse im Eisengießereibetrieb. _ Die 
mittlere „Belegschaft‘‘ stellte sich in diesem Jahrhundert wie folgt 
(die Ziffern in tausend Arbeitern): 
1900 95,9 1905 109,6 
01 85,7 06 117,5 
02 84,5 07 119,8 
03 87,8 08 113,8 
04 104,6 09 112,1 
Man sieht, wie das Jahr 1904 nicht nur die Arbeitslosigkeit der 
Depression 1901—1903 ausgeglichen, sondern sicher auch den ganzen 
natürlichen Zuwachs seit der Hochkonjunktur in Anspruch genommen 
und außerdem noch einen Zuschuß von außen erfordert hat. Dieser 
Bedarf von Arbeitskräften von außen hat dann während der ganzen 
Hochkonjunktur bis 1907 hindurch fortgedauert. In der folgenden 
Depression ist wieder ein kleiner Teil dieses Zuschusses abgestoßen 
worden. 
8 66. Die landwirtschaftliche Bevölkerung als Quelle der 
Zuschüsse von Arbeitern an die Industrie. 
Wenn also nunmehr feststeht, daß die Hochkonjunkturen erst durch 
einen Zuschuß von Arbeitskräften an die kapitalproduzierenden In- 
dustrien ermöglicht werden, so fragt es sich: woher bekommen die 
kapitalproduzierenden Industrien diesen Zuschuß, und werden sie auch 
für die Zukunft auf einen solchen Zuschuß dauernd rechnen können? 
Es ist bekannt, daß die landwirtschaftliche Bevölkerung in den 
europäischen Industriestaaten seit dem Durchbruch des Industrialismus 
immer imstande gewesen ist an andere Berufszweige einen bedeutenden 
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