machte dieselbe Erfahrung, indem er die Zahl der Zuschauer von 30 auf 8 reduzieren mußte, weil die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu klein wurde. Einen weitern psychologisch wesentlichen Faktor streift Tramm mit der Bemerkung: «Man könnte unter Vorbehalt sagen, daß die Uebungs- fähigkeit umso regelmäßiger verläuft, je weniger Fähigkeiten gleich- zeitig geübt werden.»!) Diese an sich plausible Hypothese wird durch unsere Arbeiten bestätigt. Jede Handlung wird einfacher, rascher und exakter erlernt, wenn sie so zergliedert wird, daß der Lernende auf ein- mal nur eine Fähigkeitsanwendung lernen und einüben muß. ; Im übrigen beobachtet auch Tramm in seinen bisherigen Publika- tionen mehr die Frage der psychotechnischen Eignungsprüfung als die des Anlernens. Unter den psychotechnischen Prüfverfahren für Wagen- führer sind die sogenannten «berufsähnlichen Tests» weitherum bekannt und verbreitet worden. Sie bestehen im wesentlichen darin, daß der Kandidat in einem Versuchsführerstand die Manipulationen auszuführen hat, die ihm erklärt werden. Dabei läßt man kinematographisch ein geeignetes Straßenbild mit konventionellen Lichtsignalen vor ihm ab- rollen. Registrierapparate zeigen, wieviel Zeit der Kandidat jeweils zu seinen Reaktionen braucht, und wieviel Fehler, d.h. wieviel unrichtige Reaktionen ihm dabei unterlaufen. An derartigen Apparaten glaubt man die Aufmerksamkeitsverteilung, die Reaktionsgeschwindigkeit, die Er- schreckbarkeit etc. bestimmen zu können, kurz die Berufseignung. Wir haben anderswo dargelegt, warum diese Prüfverfahren notgedrungen neben richtigen auch Fehlschlüsse zulassen und nach welcher Methode im Psychotechnischen Institut in Zürich verfahren wird, um diese Nach- teile zu vermeiden.?) Trotzdem ist es nicht uninteressant, jene Apparate hier zu erwähnen, weil sie bei entsprechend abgeänderten Anweisungen für das Einüben und für die Kontrolle des erreichten Fertigkeitsgrades des Kandidaten verwendet werden können. Wenn ein unerfahrener Kandidat zum ersten Mal in den Versuchsstand kommt, so ist ihm selbstverständlich noch alles fremd. Er muß bei jedem Reiz zuerst überlegen, wie er zu reagieren hat. Die vom Apparat registrierte «Reaktionszeit» schließt daher unter solchen Verhältnissen immer auch die «Ueberlegungszeit> ein. Erfahrungsgemäß ist diese aber ein Mehrfaches der automatischen Reaktionszeit. Später, wenn der Kandidat schon geübt ist, gleichgültig ob das Einüben am Apparat selbst oder im Betrieb stattgefunden hat, tritt die Ueberlegungszeit immer mehr zurück. Wenn die Uebung so groß ist, daß die Gewohnheit des Verhaltens zu einer automatischen Re- aktion geworden ist, so fällt der Zeitverbrauch schließlich mit der phy- siologischen Reaktionszeit zusammen. Wenn nun diese letztere direkt 1) a. a, O. Seite 118. 2) Congrös International de l’Organisation Scientifique du Travail a Bruxelles- 14., 15., 16. Okt. 1925. Möemoires: „Organisation Scientifique du Travail au point de vue Psycho-Technique-“ 44