Von den genannten Grundoperationen wollen wir das Feilen ein- gehender erörtern. Die erste Frage richtet sich auf die natürlichen Fähigkeiten, die da- bei zur Anwendung kommen. Vor allem sind zwei solche wichtig: das Bewegungsfeingefühl und das Druckfeingefühl. Die richtige Führung der Feile bedeutet die rhythmische Wieder- holung bestimmter Bewegungen. Beim Flachfeilen muß die Feile stets horizontal bleiben. Der Mann, der die Feile führt, muß, um diese Be- wegung richtig ausführen zu können, von Natur ein gut entwickeltes Bewegungsfeingefühl haben. Im allgemeinen herrscht die Meinung, jedermann könne das durch anhaltende Uebung erreichen. es komme weniger auf die natürlichen Fähigkeiten als auf die Uebung an. Es dürfen aber die von der Uebung abhängigen Fertigkeiten nicht mit ihren Voraussetzungen, den Fähigkeiten, verwechselt werden. Ein Lehrling auch mit dem besten Bewegungsfeingefühl wird bei seinen ersten Feilenstößen niemals die Feile richtig flach führen können. Diese Bewegung ist für ihn neu, und sie ist keine natürliche. Nach dem anatomischen Bau unserer Glieder sind geradlinige Bewegungen kompliziert und unangemessen. Deshalb bedarf es zum Flachfeilen besonderer Uebung. Sind wir aber auch für natürliche, von klein auf tausende von Malen geübte Bewegungen nicht imstande, sie einigermaßen gleichmäßig zu wiederholen, so fehlt uns ein Sinn, eine besondere Fähigkeit, die andere Menschen besser entwickelt haben können: das Bewegungsfeingefühl. Wie sollten wir dann ver- mögen, eine komplizierte, zunächst unangemessene Bewegung gleich- mäßig zu wiederholen? In der Natur sind die Uebergänge fließend. Pathologische Fälle ausgenommen, sind alle Fähigkeiten immer mehr oder weniger vorhan- den. Damit soll nicht gesagt sein, daß eine momentan wenig entwik- kelte Fähigkeit sich nicht unter günstigen Verhältnissen noch entwik- keln kann, wenn auch die Wahrscheinlichkeit dafür sich in der Regel als sehr klein erweist. Denn wenn bis zum Zeitpunkt der psychotech- nischen Prüfung einfache, natürliche Bewegungen, die durch das täg- liche Leben bei jedem Individuum maximal geübt sind, nur bis zu einem bestimmten Grad sich entwickelt haben, so wird das Individuum auch bei weiterer Uebung keine höhere Stufe erreichen, Ein kleines Beispiel aus der Praxis diene zur Beleuchtung dieses Sachverhaltes. Ein Betrieb schickt einen schlechten Schlosser ohne Kommentar zur psychotechnischen Untersuchung. Die Prüfung zeigb daß das natürliche Bewegungsfeingefühl und die Druckempfindlichkeit unter mittelmäßig sind. Auf die Frage des Versuchsleiters an den Kan“ didaten, was er denn als Schlosser mache, er könne doch sicher nicht gut feilen, antwortete er: «Ja, eben, das Feilen macht mir große Schwie- 41.2