neuen Entschluß zur Wiederaufnahme. Darum muß der Lehrling je- weils noch vor Ablauf seiner momentanen Arbeit auf die nächstfolgende Tätigkeit aufmerksam gemacht werden, damit das Verlangen nach Be- endigung einer Arbeit nicht zum Verlangen nach einer Pause wird, nach einem Aussetzen der Tätigkeit, sondern im Gegenteil zur Tendenz der bal- digen Inangriffnahme der nachfolgenden Arbeit. Ist der Lehrling bei- spielsweise bald mit dem Flachfeilen am letzten schmalen Eisenklotz fertig, so wird seine Aufmerksamkeit auf die anschließende Aufgabe des Rundfeilens gelenkt. Der Meister bringt das entsprechende Rohrstück bereits zu ihm auf den Tisch, mit der Bemerkung, daß etwas Neues folge, sobald er sein gegenwärtiges Stück ganz exakt fertig gefeilt habe, und er könne dann daran weiter zeigen, inwieweit das bisher Gelernte gut sitze. Das genügt vollauf und nimmt die Zeit des Lehrmeisters, der ja sowieso da ist, um die Arbeiten seiner Lehrlinge zu verfolgen, nicht merklich in Anspruch. Für die Gewöhnung, fließend weiterzuarbeiten:. keine Zeit zwischen aufeinanderfolgenden Operationen zu verlieren, ist eine solche Vorsorge des Meisters von großer Bedeutung, und sie ist auf jeder Stufe des Lehrganges möglich. Da wo sie besteht, zeigt sich auch sofort das zu erwartende Resultat. Selbstverständliche Voraussetzung ist allerdings, daß der Lehrling nie ganz ohne Arbeit gelassen wird. Er muß den Eindruck haben, daß die Arbeit auf ihn wartet und nicht um: gekehrt, daß er auf die Arbeit warten muß, sonst werden alle Bemühun- gen dieser Art bald fruchtlos, weil sich andersartige Gewöhnungen her- ausbilden. Ein anderer Gesichtspunkt richtet sich auf die richtige Körper- und Geisteshaltung. Es ist wichtig, daß der Lehrling sich von Anfang an eine gesunde Körperhaltung angewöhne, und noch wichtiger, daß er sich gewöhne an ein gesundes, geistiges Verhalten. Zum ersteren sei nur kurz erwähnt, daß beispielsweise beim Be- ginn des «Meißelns» die Lehrlinge instinktiv darnach trachten, den Kopf nach vorn zu beugen. Die Arbeit erscheint ihnen anfänglich schwer. Der Lehrling strengt sich an; er will mehr sehen, als prak- tisch notwendig ist; sein Kopf biegt sich ganz unvillkürlich stark nach vorn. Uebersieht der Lehrmeister diesen Haltungsfehler, so hat er nach- her die größte Mühe, den Lehrling in eine gerade, viel weniger mühsame® und gesunde Haltung zurückzubringen. Hat er dagegen schon beim ersten Hammerschlag darauf geachtet und Vorsorge getroffen, daß keine, wenn auch noch so kurzdauernde schlechte Gewöhnung eintrete? kann, so geht es in der Folge spielend. Wie kann nun das gleiche auch beim geistigen Verhalten gemacht werden? Um diese Frage beantworten zu können, muß man zuerst dar- über klar sein, was unter richtigem geistigem Verhalten verstanden wer” den soll. Es sei hier auch wieder ein typischer Punkt heraus gegriffen. 60