Wenn wir die Tabelle publizieren, so geschieht das nicht ohne ge- wisse Bedenken. Trotz dem geflügelten Wort, daß Zahlen eine unzwei- deutige Sprache reden, sind wir der Auffassung, daß sie für sich allein, ohne die Kenntnis der Bedingungen ihres Zustandekommens, nie von entscheidender Beweiskraft sind und überdies erinnern sie zu sehr an die «Bewährungs-Statistiken», die in der Psychotechnik leider einen zu breiten Raum einnehmen. Unsere Zahlen hängen nicht allein davon ab, wie der Lehrling seine Sache machen konnte, auch der Lehrmeister sel- ber ist wesentliche Mitbedingung. Auch wenn er sich befleißigt, gerecht zu sein, ist er doch Neigungen und Abneigungen und Schwankungen seines Verhaltens unterworfen. Auch die Fabrikationsobjekte, an denen der Lehrling sich üben muß, variieren von Fall zu Fall; bis zu einem gewissen Grade hängt die Zeit, die ein Lehrling mit angewandten Ar- heiten verbringt, auch von betriebstechnischen Rücksichten ab, leider oft auch mit ungenügender Rücksichtnahme darauf, ob es pädagogisch nicht besser wäre, zeitlich mehr oder weniger lang dabei zu verweilen. Dazu kommen alle jene Momente, welche die führende Funktion des Lehrmeisters günstig oder ungünstig beeinflussen. Wenn er mehr als zehn Lehrlinge allein anzuleiten und zu überwa- chen hat, wird es ihm kaum mehr möglich sein, immer und überall im richtigen Zeitpunkt einzugreifen. Es würde zu weit führen, alle diese für das volle Verständnis der mitgeteilten Zahlen unerläßlichen Faktoren an dieser Stelle eingehender zu erläutern. Es genügt, wenn sie ein ungefähres Bild der objektiv günstigen Wirkung einer psychologisch rationell gehaltenen Instruktion vermit- teln, und das tun sie, denn selbst unter. den günstigsten Bedingungen müßten nach der alten Schablone für die Instruktion mehr Monate auf- gewendet werden, als jetzt Wochen dafür nötig sind. Was in den Zahlen nicht zum Ausdruck kommen kann, dessenun- geachtet aber die größte Beachtung verdient, ist der flotte Geist, der Fleiß und die Arbeitsfreude, die in diesen heranwachsenden Menschen Sich einstellten und sich entwickelten. Schlußfolgerungen zum MI. Kapitel. Es ist für die qualifizierte Berufserziehung von Lehrlingen ebenso wichtig, psychologisch rationell aufzubauen, wie es für bloß Angelernte der Fall ist, ja noch wichtiger, weil man es hier mit jungen Leuten zu tun hat in dem Alter, wo sich der Charakter befestigt, wo die Gewöh- nungen, speziell die Arbeitsgewöhnungen sich ausbilden, deren Wirkun- gen sich nachher lebenslang bemerkbar machen. Der praktische Weg ist auch hier vorgezeichnet; ein gesondertes Lokal, ein speziell geschulter Lehrmeister, und ein psychologisch auf- gebauter Lehrplan. 63