schen an ein höheres Tempo zu gewöhnen; die gleiche Trägheit ist auch für jede Aenderung der Arbeitsfunktion vorhanden, wenn nicht äußere Faktoren gebieterisch mitsprechen. Darum ist ungemein wichtig, daß diejenigen, die es so weit gebracht haben, die Arbeit der Anderen organi- sieren zu müssen, sich bewußt sind, daß ihre Aufgabe nicht mit der Schaffung von Entwicklungsmöglichkeiten aufhört, sondern daß sie die Entwicklung der Einzelnen auch weiterhin durch die Tat zu unterstüt- zen und zu fördern haben. Verallgemeinert bedeutet das, daß die Menschheit in ihrer Entwicklung nicht zurückgehalten, sondern aktiv ge- fördert werden soll. In diesem Zusammenhang bedarf auch der in der Literatur oft dis- Kutierte Begriff der Monotonie, der Eintönigkeit, einer gewissen Klärung. Jede Arbeit, selbst die einfachste, kann mit Liebe und Stolz vollbracht werden, wenn sie den Kräften des Betreffenden angemessen ist, ihn in Anspruch nimmt, ohne für seine Fähigkeiten eine zu hohe Belastung darzustellen. So sieht man zum Beispiel Schullehrer, die‘ ihre doch Sicher vielgestaltige Arbeit eintönig erleben, während einfache Dreher, die jahrein, jahraus die gleiche Arbeit verrichten, von ihrer Aufgabe erfüllt sind. Deshalb muß man bei der Beurteilung der seelischen Rück- Wirkungen der Arbeit auf die Arbeitenden vorsichtig sein. Wir haben versucht zu zeigen, daß das Erleben bei der Arbeit vor allem wichtig ist; darin unterscheidet sich der Mensch als Subjekt von der Maschine. Wir zeigten auch, daß und wie dieses Erleben durch die Erziehung richtig beeinflußt werden kann. Selbstverständlich sind wir Menschen mehr als bloße Arbeiter, einerlei ob Hand- oder Kopfarbeiter. Das Menschsein verlangt von uns mehr, als daß wir nur arbeiten, um leben zu können. Worin besteht diese höhere Aufgabe? Welches ist der Endzweck des Lebens und Wirkens? Diese Fragen gehen weit über die Prcbleme des Anlernens hinaus. Aber jedenfalls hat die Arbeit auf den Menschen einen nicht leicht zu überschätzenden Einfluß. Man arbeitet mehr als die Hälfte des Wachtages. Erlebnisse, die so regelmäßig immer wieder auf uns einwirken, bedeuten eine Macht, der man bis heute wohl kaum die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt hat. Viele versuchen die Mentalität der Arbeitenden von außen zu beeinflussen, von höherer Warte aus oder durch Fürsorgemaßnahmen und ähnliches mehr. Das ist durchaus anerkennenswert. Aber man Sollte nicht bloß an der Peripherie korrigieren, was im Zentrum verdor- ben wird. Die psychotechnische Rationalisierung kann ohne Zweifel Mithelfen bei der Gesundung, an die wir hier denken, wie ebenso sicher auch ein verhängnisvoller Gebrauch von ihr gemacht werden kann. Aber die Tatsache, daß man dabei sich um das Erleben der Einzelnen küm- Mmert, erlaubt doch die Hoffnung, daß künftig auf diesem Gebiete weni- Ser gesündigt werde, als es bis heute aus Gründen der sozialen Ent- 65