GL als der Tätigkeitsbereich des Staates erweitert worden war, ohne daß der Verwaltungsapparat entsprechend vervollständigt wurde. Die Erfolge der Sparkommission zeigten sich schon im Etatjahre 1923, in dem die ordentlichen Ausgaben nur etwa in demselben Verhältnis stiegen, wie die Kaufkraft der Währungseinheit fiel. Die Zahl der Beamten und Angestellten der Staatsverwaltung (ohne Erwerbsbetriebe) verringerte sich bis zum 30. April 1924 um 6 554, obwohl die Steuerreform eine Vermehrung der Steuerbeamten not- wendig machte. Die reinen Verwaltungskosten wiesen bei Berücksichtigung der Kaufkraftverschiebung 1921 gegenüber 1913 eine Steigerung um 227 vH auf, 1924 dagegen nur noch 134 vH. Die Sanierung der Finanzen schritt verhältnismäßig schnell vorwärts. War 1920 im ordentlichen Haus- halt noch ein Defizit von fast 25 vH vorhanden, so schloß er für 1922 schon mit einem Überschusse. Erst 1925 erschien erneut ein Defizit, da in diesem Jahre die oben erwähnte Umstellung des Zinsendienstes von den Depenses Recouwvrables zum ordentlichen Budget erfolgte, die fortschreitende Valutaentwertung den Zinsendienst der Auslandsschuld erhöhte, und das Preisniveau im Lande sich erneut hob. Bis zum Jahre 1924 einschließlich zeigen die Abrechnungen ein relativ günstiges Bild. Es wurde bis 1923 ein steigender Teil der Gesamtaufwendungen des Staates aus seinen regelmäßigen Einkünften gedeckt, so daß nur die Finanzierung des Wiederaufbaues und gewisse einmalige außerordentliche Aufwendungen auf die Inanspruchnahme von Krediten angewiesen waren. Als 1924 der ordentliche Etat erweitert wurde, sank naturgemäß sein Überschuß sehr erheblich. Der Investierungsbedarf der Betriebe und ihre Unterbilanz mußte daher im Gegensatz zu den Vorjahren ebenfalls aus Anleihen finanziert werden. Im Jahre 1925 trat die Krise der belgischen Finanzwirtschaft offen zutage. Abrechnung Voranschlag Abrechnung 1924?) 1925 19251) in Millionen fr, Ordentliche Ausgaben .............. 4.075 4 247 5 258 Außerordentliche Ausgaben ......... 453 621 487 Rückzuerstattende Ausgaben ....... 2 868 (977) 3612 Unterbilanz der Betriebe ......... 469 282 764 Gesamtausgaben ....0.0..000440 7 865 6127 10 121 Ordentliche Einnahmen ......... 4 132 4 268 4 869 Außerordentliche Einnahmen ..... 19 110 125 Reparationen ..............0+100+44 1964 977 1.108 Betriebsüberschüsse?) .............: 2 — — Gesamteinnahmen +.............+.. 6117 4 268 6 102 Me 1 748 1 859 4 019 Die Gegenüberstellung von Voranschlag und Abrechnung für 1925 stößt auf Schwierigkeiten, da in den Depenses Recouvrables des Voranschlages die Aufwendungen der Wiederaufbaugesellschaften nicht ent- halten sind. Aber auch bei Ausschaltung dieses Ausgabenkomplexes zeigen sich die Schwierigkeiten, denen sich die Regierung im Jahre 1925 gegenübersah. Die Ausgaben des ordentlichen Budgets lagen etwa um { Milliarde höher, als sie im Voranschlag eingesetzt waren. Das Schuldenabkommen mit den Vereinigten Staaten war im Voranschlag nicht berücksichtigt worden, doch beeinflußten die daraus erwachsenden Ver- pflichtungen schon die Finanzgebarung von 1925. Die fortschreitende Währungsverschlechterung trug wesentlich zur Erhöhung der Ausgaben bei. Die ordentlichen Einnahmen konnten, trotz der Einführung neuer Steuern und Erhöhung der bestehenden, nur um 600 Millionen gesteigert werden. Ersparnisse bei den außerordentlichen Ausgaben vermochten das Defizit nicht ganz zu beseitigen. Die Erhöhung der Depenses Recowvrables beruht allerdings zum größten Teil lediglich auf einer Änderung in der Finanzierung des Wiederaufbaues, die schon das Ergebnis von 1924 beeinflußt hat. Im Jahre 1924 übernahm die neugegründete Association des Industriels et Commercants die Verpflichtung, die Vorschüsse der Soci&te de Cr6dit 4 U Industrie auf Schadensersatzansprüche zurückzuzahlen. Diese Transaktion, die Houtart zu den Staatsausgaben rechnet, erforderte die Aufnahme einer Anleihe von 3 Milliarden fr., die teils 1924, teils {925 mobilisiert wurde. Trotzdem erfordern die Deöpenses Recowvrables auch nach Berücksichtigung der deutschen Zahlungen immer noch erhebliche Staatsmittel. Die Situation des Jahres 1925 wurde noch dadurch verschärft, daß gleichzeitig mit der allgemeinen Verschlechterung der Finanzlage durch die erforderliche Schuldenkonsolidierung besondere Anforderungen an den Staatsschatz gestellt wurden. *) Nach Houtart. a. a. 0. *) Überschuß des Budget de Ravitaillement. a? {19