schon vorher und gerade in den südlichen Niederlanden gegeben, wie die im 16. Jahrhundert in Flandern aufkommende Großunternehmung im Textilgewerbe, die freie Konzentration von Kapital und Arbeitskräften lehrt; anderseits ist die Ausbreitung des Kalvinismus gerade jenem kapitalistischen Geiste zuzuschreiben, der von den südlichen Niederlanden nach dem Norden vordrang; beide haben sich dann auf dem allerdings für solche Dinge außerordentlich aufnahmefähigen nordniederländischen Boden eng befruchtet, ohne aber daß nun der holländische Kapitalismus als ein spezifisch kalvinistischer anzusehen ist; in den kapitalistischen Klassen des Nordens lebte, auch nachdem sie sich förmlich dem Kalvinismus angeschlossen hatten, der alte Geist konfessioneller Indifferenz weiter; kam zeitweise in den Jahren 1618—1625 in Amsterdam der Kalvinismus zur Alleinherrschaft, so beruhte das im wesentlichen auf politischen Gründen, auf dem Gegensatz zu der Oldenbarneveltschen Remonstrantenpolitik und auf dem Anschluß an Moritz von Oranfifen!). Den Kapitalismus der Holländer aber, der seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts nicht zu bestreiten ist und im Großunternehmertum zutage trat, äußerte sich am wenigsten zunächst in der Industrie und in dieser wohl am meisten in der Zuckerfabrikation, der Brennerei, Brauerei, zum Teil auch in..der Leidener Tuchfabrikation; weit mehr fand das Großunternehmertum seine Betätigung in der Reederei, der Heringzgsfischerei dem Walfisch:-tang und den kolonialen Unternehmungen. ‚Das ist bezeichnend für den geschichtlichen Ursprung dieses „Kapitalismus“, der sich am meisten den spezifisch altholländischen Unternehmungen zuwandte, d. h. den auf das Meer gerichteten, für die schon lange vor dem Bestehen. und Eindringen des Kalvinismus die Holländer eine ausgesprochene Neigung besaßen. Für die holländischen Großkaufleute und Kapitalisten gab es von Beginn an in der Stellungnahme zu der konfessionellen Frage kein Schwanken; bei ihnen war Freiheit des Gottesdienstes eng verknüpft mit dem Begriff der Freiheit 1) Elias, Amsterd. Regenten-Patriciaat, S. 50. „