— 19 — Denn der exklusive, aristokratische Charakter dieser Stadt- regierung kennzeichnet ihre gesamten Leistungen!). Die Selbst- ergänzung aus den herrschenden und besitzenden Cliquen war gleichbedeutend mit einer Behauptung und Befesti- gung der Handelsbourgeoisie; diese Tendenz hat sich trotz der Gegenströmung der unter kalvinistischem Deck- mantel auftretenden Demokraten immer wieder durchgesetzt. Die großen Kompanie-Gründungen jener Tage sind aus dem Partei- geist dieser Bourgeoisie hervorgegangen. Es war eine Regierung, die es ausgezeichnet verstand, die Interessen des Staates und der Stadt mit denen ihrer eigenen Mitglieder zu vereinigen?). Zu diesem schattenreichen Bilde der mächtigen Welthandels- metropole gehörte dann auch die wenig erfreuliche Erscheinung der Eifersucht Amsterdams auf die anderen Städte und dieser auf jenes und untereinander. Mit den altgeschichtlichen Erfah- rungen einer Städteherrschaft reimte sich dieses Verhältnis ja gut zusammen. Es hat in den Niederlanden oft recht üble Formen angenommen und wirtschaftlich viel Schaden angerichtet, von dem politischen und sittlichen hier nicht zu sprechen. Wenn Amsterdam 1612 aus Eifersucht auf das im westindischen und im Levante- handel sehr rührige Hoorn im Einverständnis mit dem diesem ebenfalls feindselig gesinnten Enckhuizen sich in den Staaten von Holland über die Korruption der Hoorner Admiralität beklagte, so war das nur ein Beispiel für viele?). Noch ein Jahrhundert später scheiterte der Versuch Hoorns, seine ‚,Direktion des östlichen Han- dels‘‘ mit der Amsterdamer zu vereinigen und damit mehr Einheit in diese Bestrebungen zu bringen, an dem von Eifersucht einge- gebenen Widerspruch Amsterdams, das sehr wohl wußte, daß es auch ohne nähere Verbindung kraft seiner größeren Handelsmacht sein Interesse stets durchsetzen könne*). Commerz-Collegiums empfohlen, dessen Hauptsitz in Amsterdam sein müsse, außer- dem Nebenkollegien in anderen Städten. ') Daß schon im Mittelalter in Amsterdam die aristokratisch-oligarchische Regierungsform bestand, betont Brugmans, Opkomst, S. 39f. Über die Identität des Amsterdamer Stadtinteresses mit den Handelsinteressen ebenda, S. 190. 2?) Vgl. van Ravesteyn, S. ı69ff., 225 ff., teilweise im Widerspruch gegen Elias, Regenten-Patriciaat. 3) Elias, Regenten-Patriciaat, S. 72. ‘) van Brakel, Directie v. d. oosterschen Handel, S. 346. 0%