ihm vielfach geradezu geschadet. Die Blüte des Zaanländer Schiff- baues z. B. wurde dem Umstande verdankt, daß Amsterdam seinen Schiffern verbot, ihre Schiffe durch Zaandamer Meister ausbessern zu lassen, worauf diese zu selbständigen Neubauten übergingen. In diesem Falle hatte die Habgier über die Voraussicht gesiegt, was für Amsterdam sehr nachteilige Folgen gehabt hat. Die vielfach hervortretende Eifersucht Amsterdams auf Rotterdam war ja nicht ganz unbegründet; der Verkehr Rotterdams mit England, seine ausgedehnte Fischerei und sein He- ringshandel reizten Amsterdams Mißgunst. Auch hatte es durch seine bessere Lage zum Rhein und zu den wirtschaftlich von Holland stark abhängigen südlichen Niederlanden gewisse unbestreitbare Vor- züge. Aber schon für das 17. Jahrhundert läßt sich aus einigen Zahlen nachweisen, daß tatsächlich doch Rotterdam weit hinter Amsterdam zurückstand. Im Jahre 1628 brachten die Convoyen und Licenten in Amsterdam 803 659 fl., in Rotterdam 330 737 fl. ein, im Norderquartier 125 000 fl., in Seeland 329 367 fl. Im Jahre 1664 war der Vorsprung Amsterdams noch weit größer; nun brachte dieses ı 456 782 fl., Rotterdam 519160 fl., Seeland 326 731 fl., das Norderquartier 199838 fl.!). Schon diese Ziffern genügen einerseits, um den Vorrang Amsterdams zu erweisen, andererseits aber auch die sehr beachtenswerte Stellung Rotterdams im Handels- verkehr ins rechte Licht zu stellen. Im Getreidehandel gewann Rotterdam mit den übrigen Maashäfen im 18. Jahrhundert stei- gende Bedeutung?). Zu den Gebieten, auf denen sich Amsterdam eine gewisse Vorherrschaft durch Gewohnheit oder durch Usurpation errungen hatte, gehörte das Postwesen. Frühzeitig war die Stadt der Ausgangs-, End- und Mittelpunkt eines ausgedehnten Postverkehrs geworden. Die Stadt besaß schon seit 1390 das Postrecht und wußte dieses sowohl im eigenen wie im allgemeinen Interesse kräftig zu handhaben. Durch dies Instrument hatte die Stadt ihre eigenen Kaufleute und deren Handel stark bevorzugt und Konkurrenten benachteiligt; das Monopol der hamburgischen und englischen Post, l) Sickenga, Bijdrage, S.242; Br ugmanns, Handel en Nijverheid, S. 48. 2) Vgl. die Zahlen bei Dobbelaar, Stat. opgaven, S. 144 ff. Das Über- gewicht Amsterdams über Rotterdam im Schiffsverkehr lehren die Zahlen bei Pringsheim; Beiträge, S. 14. 21