— 27 — in Verbindung mit dem Großhandel!), während in der Leidener Tuch- industrie sich Gruppen von Unternehmern bildeten, die wieder vom Amsterdamer Großhandel abhängig waren. Deutliche Merkmale des Großbetriebes lassen die Unternehmungen der Refugies Baille in Amsterdam, van Mollem in! Utrecht Ende des 17. Jahr- hunderts erkennen; des letzteren Seidenfabrik beschäftigte 500 Arbeiter und gab außer dem Hause 1100 Webstühlen Arbeit. In den Brauereien zeigte sich im 17. Jahrhundert ein Drang zum Großbetrieb. Doch ist bei den meisten dieser älteren industriellen Unternehmungen wohl noch nicht an Kapitaleinsatz in größerem Stile zu denken; sie tragen noch frühkapitalistischen Charakter. Unzweifelhaft bestand auch schon früh die Verpflanzung der Großunternehmung von der Stadt auf das Land. Die größten Ein- deichungen sind um die Wende des 16. zum 17. Jahrhundert durch Kaufleute vorgenommen worden; es war ein kapitalistisches Werk. An der Blumenzwiebelzucht, die zu einer Zeit schon in größeren Unternehmungen erfolgte, als die übrige Landwirtschaft diesen noch völlig fern stand, war städtisches Kapital beteiligt. Die weiteste Ausdehnung hat das Großunternehmen wohl im Bereich der Kolo- nien erfahren. Hier war diese Entwicklung ja schon durch die gesellschaftliche Organisation vorgezeichnet. Wer eine Reihe von Aktien der Ostindischen Kompanie besaß, wer an den Plantagen- unternehmungen in Westindien beteiligt war, der war Großunter- nehmer, und um so größer, je mehr sich von solchen Anlagen in seinen Händen häufte. Diese Art von Großunternehmung, die un- persönlicher Art war und sich nur auf den Besitz gewisser Rechts- titel stützte, die eigene persönliche Mitwirkung meist ausschloß, hat im 18. Jahrhundert in großem Umfange zugenommen. Alles dieses war der Ausdruck städtischer Entwicklung, der Ausfluß eines Wirtschaftslebens, das auf dem in der Stadt sich anhäufenden Reichtum beruhte, und damit zugleich ein Zeugnis für die stetig wachsende Machtfülle der Stadt, deren Wirkungen sich über das ganze Land verbreiteten. ') Nach Brugmans, Opkomst, S. 144, scheute das Amsterdamer Groß- kapital lange eine Verbindung mit der Industrie wegen des in ihr herrschenden Zunftwesens; erst am Ende des 17. Jahrhunderts begann das Großkapital sich mehr an der Industrie zu beteiligen.