— 29 — eine bessere Bewirtschaftung, da sie nun in private Hände über- ging; ebenso war der Verkauf der gräflichen Domänen für die Ent- wicklung des Bauernstandes günstig!). Nicht ohne Einfluß blieb auch die um diese Zeit um sich greifende Geldwirtsc haft, die an Stelle der Naturalwirtschaft trat, und gleichzeitig die vor- züglich in Groningen, Holland und Seeland sich verbreitende Ein- richtung der Zeitpacht, die zwar den Bauern einerseits nicht mehr an die Scholle band, ihm andererseits aber auch die Sicherheit des dauernden Besitzes des von ihm bebauten Grundes und Bodens nahm. In Drenthe, Overyssel und Gelderland blieb es dagegen noch vielfach bei den alten patriarchalischen Verhältnissen®). Schwer drückte der Unabhängigkeits- krieg auf das platte Land und auf die Land- wirtschaft, namentlich in den östlichen und nördlichen Ge- bieten. Staatische und spanische Truppen und Banden haben hier jahrzehntelang gehaust?). Dazu kamen Hungersnot und Pest. Die Landgebiete Hollands und Seelands litten überdies unter den Überschwemmungen und Deichbrüchen; aber doch im allgemeinen bei weitem nicht so wie Groningen, Friesland und Drente. In Westfriesland, wo sich Landbau und Seefahrt nahe berührten und der Landbauer an den Gewinsten der See- fahrt teilnahm, blühte der Landbau, selbst in den schlechtesten Zeiten. Nicht ohne Bedeutung für den Landbau war auch die Zuwanderung aus den südlichen Nieder- landen; vorzüglich in Seeland machte sich das bemerkbar, da hierher die protestantischen Bauern in großen Scharen flüch- teten‘). Man mußte damals überall, auch in Holland, im Interesse der eigenen Wirtschaft auf Gewinnung neuen Grund und Bodens für Landbau und Viehzucht bedacht sein; zwi- schen 1590 und 1615 sind insgesamt 36 213 ha neu gewonnen durch Trockenlegung und Eindeichung gegen nur 8046 n den allerdings sehr ungünstigen Jahren 1565—1590; davon fielen allein 9170 ha auf Eindeichungen in Nordholland, was für 200 Jahre ı) Koenen, De ned. Boerenstand, S. 53f.; Blink, a.a. OO: J1, 5.7. 2 Blink Il, 8. 3) Vgl. den Bericht über das Rhijnland von 1575 bei PosthumusS. Gegevens; nicht weniger als 91% % des Landes war unbebaut oder verlassen. 4) Koenen, S. 58.