zucht eine große Rolle auf den ausgedehnten Heiden!). Auch in Betuwe baute man Tabak und pflegte im großen Umfange den Obstbau, der Utrecht und Holland versorgte. Das in Gelderland gewachsene Korn blieb meist in der Provinz; nur ein kleiner Teil wurde nach Holland ausgeführt. Wie in Brabant nahm auch hier im 18. Jahrhundert der Kartoffelbau zu; der Flachsbau wurde ebenso wie in dem benachbarten Zutphenschen Gebiet gepflegt. In der Betuwe und der Umgegend von Tiel trieb man Pferdezucht und Pferdehandel; die Pferdemärkte wurden auch vom Ausland besucht. In Gelderland, wie überhaupt in den östlichen Teilen der Republik, wurde die Schweinezucht eifrig gepflegt; Gelderscher und Zutphener Speck ging nach Holland, wo man ihn für die Schiffsausrüstungen verwandte. Während die östlichen Sandländereien der Provinz Utrecht sich landwirtschaftlich der Veluwe anschlossen und wenig von ihr unterschieden, war das westliche Gebiet nahe verwandt mit dem benachbarten Holland. In den Städten Utrecht und Amersfoort besaß diese Provinz zwei sehr beliebte und angesehene Märkte; Utrecht namentlich für Milchprodukte, Korn, Vieh, Pferde, Amersfoort aber vorzüglich durch seinen Tabakhandel. Die Umgegend dieser Stadt trieb seit 1615 Tabakbau, der sich weiterhin so gut entwickelte, daß der Amersfoortsche Tabak überall im Auslande, vorzüglich im Norden und an der Ostsee, ein sehr gesuchter Artikel war; in der Mitte des 18. Jahrhunderts gingen die besten Sorten nach Frankreich. Damals schätzte man die jährliche Tabakernte der Einwohner von Amersfoort auf etwa 3 Mill. Pfund. Von den Staaten von Utrecht wurde der Tabak, der in der Provinz gewachsen und nicht verbraucht war, mit 3 Stüver besteuert. Von Amersfoort aus verbreitete sich schon Mitte des 17. Jahrhunderts die Tabakkultur über ganz Gelderland und Overyssel?). Das Ergebnis der Kultur war eine Steigerung der Kauf- und Pachtpreise für Ländereien; ebenso stiegen die Preise für Schafmist, den man 1) Nach Volkmann, S. 450, galt Gelderland als sehr unfruchtbar. 2) Blink, II, 6off., Beckmann, S. 324 (über Deventer, Apeldoorn usw.) ; Ferner, S. 327; Volkmann,iS. 456, 533; S. 456 über Zutphen; vgl. auch unten in $ 4. Auch Niebuhr erwähnt 1808 die „bedeutenden Tabakspflanzungen‘‘ bei Amersfoort (Circularbriefe, S. 26). 37